Das Tagebuch von Angelo Kelly

by Tini   TinaPauli@t-online.de

 

Es ist Samstag morgen. Der Wecker klingelt und ich habe absolut keine Lust aufzustehen. Am Besten bleibe ich heute im Bett, denn irgendwie fühle ich mich nicht besonders gut.
Die Tür fliegt auf, Kathy steht vor mir und labert irgendwas von Frühstück. Mir bleibt nichts anderes übrig als aufzustehen.
Au, was tut mir mein Kopf weh. Ich muss trotzdem aufstehen und mich anziehen. Mit tierischen Kopfschmerzen gehe ich frühstücken und frage Patricia nach einer Tablette. Sie holt mir eine und sagt, dass sie sehr schnell wirkt. Das will ich doch schwer hoffen.

Viel Zeit zum Frühstücken habe ich nicht. In 10 Minuten müssen wir in der Halle zum Soundcheck sein. Die Kopfschmerzen haben nachgelassen. Aber irgendwie fühle ich mich nicht Top fit und kann mich auch kaum konzentrieren. Ich darf mir aber nichts anmerken lassen, denn sonst muss das Konzert heute Abend abgesagt werden und das bedeutet kein Geld und kein Geld ist schlecht fürs Geschäft, außerdem würde Vater ziemlich wütend.
Naja, fast ist der Soundcheck fertig, dann habe ich etwas Zeit für mich. "Ein kurzfristiger Fototermin ist dazwischen gekommen. Umziehen und wieder auf die Bühne kommen," sagt Kathy mit einer ernsten Stimme.
Oh nein, keine Fotos heute. Warum kann ich nicht einmal meine Ruhe haben? Ich gehe in den Backstagebereich. Meine Klamotten liegen schon da. Das darf doch nicht wahr sein. Diese häßliche, mädchenhafte Bluse soll ich anziehen und die Hose, die mir fast zu eng ist. Was ist das heute nur für ein Scheißtag?
Trotzdem ziehe ich die Sachen an und gehe wieder auf die Bühne. Uschi wartet schon und schmiert mir sofort eine halbe Dose Make-up ins Gesicht, damit man die Pickel nicht mehr sehen kann. Die Pickel sehen zwar nicht besonders gut aus, sind aber viel angenehmer als dieses ekelhafte Make-up.

Dann soll ich mich vors Schlagzeug setzen und lächeln. Klick, klick, klick. Warum muss der Blitz immer so grell sein? Als nächstes werden noch einige Gruppenfotos gemacht. Dieses ständige Lächeln kotzt mich an. Ich will endlich meine Ruhe haben.
Nach ca. 45 Minuten sind wir fertig und ich falle fast in Ohnmacht, als Kathy sagt, dass wir jetzt noch einige Songs spielen und die dann aufnehmen werden. Ich gehe zum Schlagzeug und gebe alles. Nach zwei Songs tut mir schon alles weh, aber ich muss durchhalten.
Nach zwei Stunden sind wir fertig und ich bin total kaputt. Es dauert nicht mehr lange, dann ist Einlass. Wir verschwinden Backstage und machen uns schon langsam für die Show fertig.
Zum Glück bin ich der erste, der massiert wird. Was tut das gut. Das ist das Schönste an den Konzerten. Dann ziehe ich mich wieder um und meine Haare werden gewaschen und auf Lockenwickler eingedreht. Warum kann ich keine kurzen Haare haben? Die langen Loden sind so nervend.
Nach über einer Stunde bin ich endlich fertig. Jetzt noch eine Kleinigkeit essen, aber irgendwie habe ich keinen Hunger. Mir ist total schlecht. Noch 30 Minuten bis zur Show. Warmmachen und volle Konzentration ist jetzt angesagt.

Danach heißt es "Let`s go" und wir laufen auf die Bühne. Ein Riesen Geschrei bricht aus. Es ist so heiß, ich bin so müde und die Luft ist so schlecht. Am Liebsten würde ich einfach nur in mein Bett, doch wir dürfen die Fans nicht enttäuschen.
Das nächste Lied ist "An angel". Na endlich ist fast Pause. Ich gehe nach vorne, auf einmal dreht sich alles um mich, mir wird ganz heiß und ich sehe nur noch schwarz vor Augen.

Wo bin ich? Wer läuft da so aufgeregt um mich herum? Was ist da an meinem Arm? Was ist passiert?
Ich will aufstehen, doch alles dreht sich um mich. Ein Mann in einer orangenen Weste sagt: "Blutdruck wieder normal." Da kommt Patricia und streicht meine Haare von der Stirn. Sie hält meine Hand und sagt: "Du bist zusammengebrochen, das Konzert wird abgebrochen. Du brauchst jetzt viel Ruhe."
Das darf doch nicht wahr sein. Was wird Vater sagen? Das gibt sicher Zoff.

Mein Kopf tut so weh und ich schlafe ein.

© Tini (Thanks for this story!)

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Last update: 08/09/2000

(Online since: 14/04/2000)

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