Neue Freundschaft

by Tani   tani125@hotmail.com

 

Der 10-Jährige Angelo klappte das Algebra Buch zu. So, für heute würde er aufhören zu lernen und heute Abend würde es ja noch ein Konzert geben, auf der Strasse. Vater hatte ihm schon wieder, wie auch immer den jüngeren Kelly-Kindern ein paar Lernaufgaben gegeben, da sie alle nicht in die Schule gingen, sondern vom Vater gelehrt wurden. So gehörten die täglichen Unterrichtsstunden zum Leben. Auch toll!
Aber heute fand Angelo es unfair, dass seine Schwester Maite am wenigsten zu Lernen bekommen hatte. Sie schlug ihr Buch auf, schrieb ein paar Zeilen ins Heft und ging dann zum Vater und zeigte ihm ihre Notizen. Darauf kam sie zu Angelo zurück, an den "Lerntisch" und sagte: "Ätschi, Bruderherz! Ich habe meine Aufgaben schon gemacht und habe jetzt frei!! Jetzt gehe ich erstmal mit Barby in dei Stadt und ein bisschen einen Schaufensterbummel machen!" Angelo sagte nur: "Na und" und schrieb weiter in sein Heft. Er wollte auf jeden Fall keinen Streit mit Maite.
Aber etwas wütend zuckte er den Stift. Er war im Grunde genommen total froh, denn er verstand das Thema. Na ja, am Anfang hatte er es nicht so verstanden, aber als er seinen Bruder Joey darüber fragte, war alles klar. Babykram, dachte er jetzt. Aber er war glücklich dass er jetzt seine Aufgaben erledigt hatte. Er grinste in sich hinein.

Schon seit 2 Tagen war die Kelly Family in Potsdam. Sie war wie üblich mit dem 2. -Stöckigen Bus hingekommen und wollte ein paar Strassenkonzerte geben. Die Stand Potsdam kannten die Kelly-Kinder selber noch nicht und so waren auch seine grossen Schwestern bummeln gegangen. Und Angelo wusste nur, dass das heutige Konzert an einem Fussgänger-Zone-Platz stattfinden würde.
Es war extra für ihn und seine Geschwister geräumt worden. Jetzt stand der Kelly-Bus, fast wie ein Wohnmobil an einem Campingplatz, am Waldrand der Stand, damit sie nicht viel vom Stadtrummel mitbekommen würden und ein bisschen ihre Ruhe hatten. Und das heutige Konzert würde ein Konzert sein, an dem nicht nur die älteren, sondern auch die jüngeren Kelly-Kinder dabeisein würden. Angelo also auch und er freute sich schon!
Jetzt aber wollte er ein bisschen auf Johnnys und Jimmys neuen Schlagzeug "trommeln", als Relax.

Es machte ihm immer Spass, Drums zu spielen. Und in diesem Moment wünschte es sich nicht mehr auf der Welt, als ein eigenes Schlagzeug zu haben. Immer nach Lust und Laune zu spielen. Er hatte ein Faible für Schlagzeuge, für den Rhytmus. Und er war sicher, dass er heute Abend unbedingt auch auf den Drums spielen würde, nicht nur an den Percussions. Er war so faszeniert davon!!
Aber auch sonst freute er sich riesig auf den Abend. Er würde unter andrem auch seinen neuen Song "Stranger" singen, den er vor kurzem selbst geschrieben hatte. Er war sehr stolz auf sich, denn das Lied gefiel alles Geschwistern sehr gut. Und natürlich würde es auch bei "Silver & Gold" mitsingen! Ach. . . Und er freute sich jedesmal, wenn das Publikum ihm, als dem Jüngsten Beifall klatschte und "Bravo!" und "Zugabe!" zurief! Er sprach eigentlich nie davon, aber in seinem Inneren herrschte immer ein grosser Jubel!!!
Jetzt aber wollte er keine Zeit mehr verlieren und zu den Drums gehen und sich auch etwas für den Abend vorzubereiten. Während er die Paar Schritte zum Schlagzeug ging, fiel ihm sein Blick auf den Spiegel auf der Wand. Er sah sich selber. Der Anblick. Angelo sah Angelo. Vertraut. Logisch.

Lange hellblonde Haare hingen ihm über die Schultern und blaue Augen schauten aus dem Spiegel. Er blickte noch auf das schwarze T-Shirt mit einem roten Aufdruck und die breite Jeans. Ja, so würde er auch heute Abend auftreten. Und nicht zu vergessen, das Peace-Zeichen-Kettchen um den Hals. Hatte ihm mal ein Fan geschenkt. Na ja, schon nicht persönlich übergegeben...
Nach einem Strassenkonzert in Berlin, als die kleine Bühne aufgeräumt wurde, fand Angelo ein kleines Päckcken, auf dem "Für Angelo von Morgaina" draufstand. Schöne Schrift. Angelo öffnete neugierig dieses Päckcken und eben diese Silberkette fiel da heraus. Er fand sie sehr hübsch und fühlte sich richtig cool damit, was sich für einen 10-Jährigen gehört! ...
Dann schaute er sich nochmal an. Hm, dachte er. Jetzt bin ich wirklich kein Baby mehr! Er grinste in sich hinein. Ganz lange.
Dann dachte er nochmal zurück, an das Jahr 1988. Vor 4 Jahren. Er erinnerte sich noch, wie er mit einem kleinen Tambourin in den Händen und mit grossen Kopfhörern auf dem Kopf vor dem Mikrophon das Lied "Pee pee" sang. Hatte er selbst geschrieben! Ihn wurde es ein bisschen zumute, als er dran dachte. Aber er freute sich. Sehr sogar. Aber er war schon gross. Sage und schreibe 10 Jahre alt. Und noch was machte ihn sehr glücklich und stolz. . . .

Bald, in ein paar Monaten würde er ja auch schon Onkel werden! Seine grosse Schwester Kathleen würde ein Baby bekommen. Das hatte ihm zuerst Barby, dann aber Kathy selber erzählt. Er freute sich schon sehr drauf. Er wünschte insgeheim, es würde ein Junge sein. Aber das erzählte er niemandem. ...
Jetzt aber, dachte er. Jetzt reicht es, vor dem Spiegel zu stehen. Dann dachte er noch an seine Schwestern Barby und Maite, wie sie vor dem Spiegel standen. Sie tuschelten und kicherten. Typisch Weiber, dachte Angelo. Aber das meinte er natürlich nicht ernst. Schnell sagte er noch zu seinem Spiegelbild "Gabriele Benjamin" . Und gluckste.
Er kam zum Schlagzeug, das Lied "Satisfaction" von den Rolling Stones summend. Setzte sich an den Hocker und setzte sich die Kopfhörer auf. Nahm sich 2 von den Schlagstöcken. Und fing an zu trommeln.
Dabei kamen ihm viele Gedanke hoch. Es tat ihm sooooooooo gut. Er trommelte ein paar Wutausbrüche raus und es war wie eine Seelenreinigung und Gedankensortierung. Dieses Spiel! Vielleicht hatte er auch das Gefühl, überall herrsche Frieden. . Er vergass alles um sich: Was zählte war nur das Schlagzeug, der Rhytmus und seine Gedanken. Er spielte, spielte, spielte und spielte. ..... Hämmerte, trommelte, machte "Umpa Dumpa". Es kamen auch sehr sinnvolle Klänge heraus. Ein echter, heisser Rhytmus! Schönes Gefühl! Und so spielte es auch weiter. . .

Als er wieder auf die Uhr schaute, sah er die Zeit. 16:56. Um 18 Uhr würde das Konzert sein und um 17 Uhr müssten sie anfangen, sich vorzubereiten. Und spätestens 17:30 anfangen, die Instrumente aufzubauen. So legte er den Kopfhörer und die Stöcke schweren Herzens weg. Wie gern hätte er weitergespielt! Aber das KONZERT!!!
So ging er in den kleinen Hauptraum des Busses. Dort waren alle schon versammelt und warteten nur noch auf den Jüngsten. Papa Dan, Kathleen, John, Patricia, James, Joey, Barby, Paddy und Maite. Kathleen und James sagten wie aus einem Munde: "Hey Little Drummerboy!" Und Angelo tonlos: "Hi Leute!" Er setzte sich neben John. Jetzt kam die tägliche Besprechung mit Papa Dan. Er erzählte, wie das Konzert verlaufen sollte. Jeder konnte auch seine Ideen beitragen. Alle beschlossen, so 20 oder 25 Lieder zu singen und zu spielen. Kam drauf an. Jeder wusste was er singen musste. Und Angelo freute sich schon ganz besonders, "Stranger" vorzusingen. Das würde coole Stimmung bringen, dachte er. Ganz sicher.

Schliesslich sagte Dan: "Hopp Hopp, Herrschaften! Alles einsteigen und alle Türe zumachen. Jetzt geben wir ein Konzert, das habt ihr doch nicht vergesse! " Doch Spassvogel Jimmy schrie auf: "Doooooch!" Seine Schwester Patricia gab ihm einen Stoss in die Rippen. "Aua!", schrie Jimmy auf. Und alle Geschwister lachten.
Endlich wurde alle Türen zugemacht und sie fuhren los. Angelo setzte sich an seinen Lieblingsplatz am Fenster und schaute auf die Strassen, die zurückgelegt wurden. Er dachte wieder nach, dass es ein schönes Konzert werden würde. . Es würden sehr viele Leute kommen. Auch die aus Berlin.
Dann fiel ihm aber etwas ein, ganz spontan. . . Morgaina! Ja, Morgaina kam doch aus Berlin. Vielleicht würde sie auch heute dabeisein. Er wusste nicht, wie sie aussah. Vielleicht war sie ja schon auf mehrere von seinen Konzerten gekommen--- Dieser Gedanke breitete sich in ihm aus und liess ihn nicht locker. Aber was könnte er tun ??? Fragte er sich. Dachte nach. Strassen schwirrten hinterher.
Ja, heute Abend würde er sein Allerbestes geben. Als Belohnung für diese Morgaina. Vielleicht würde sie doch da sein. . Er wusste es nicht. Aber mit jeder Sekunde wurde er sicherer. Ja, sie würde bestimmt kommen. Er würde singen und ein Mädchen namens Morgaina würde ihm zuhören!. . Mit diesem Gedanken döste er ein. . . . . .

Plötzlich klopfte ihm jemand auf die Schulter. Es war sein Bruder Paddy. "Bruderherz! Steh auf! In 5 Minuten müssen wir singen Wir haben schon ohne dich die Instrumente aufgebaut!" Angelo schaute seinen Bruder schlaftrunken an. Er war eingeschlafen. Aha. ... Und jetzt müsste er wieder singen.
Paddy sagte: "Komm schon, steh auf! Wir haben die Schlafmütze sowieso schon schlafen gelassen. Jetzt müssen wir aber. Vergiss nicht, diesmal wirst du auch Drums spielen. "Ja ja, ich komme schon." "Es sind heute aber echt viele da! Gib dein Bestes!" Angelo :"Wwwwaasss. ... Ah ja, natürlich! Weiss ich. . "
"Aber hättest du vielleicht Lust, heute mit mir "When the last tree" zu singen ? Bin heute nicht so in der Laune, das alleine zu machen. . . " Ausgerechnet Paddy war nicht in der Laune. Das war schon komisch. Aber er wollte unbedingt mitsingen. "Klar singe ich auch mit. Gerne. In der 2. Strophe singe ich dir einfach nach, jo man?" "Ok! Jetzt müssen wir aber wirklich. Alle warten schon. " ...
Paddy ging aus dem Bus, das hinter einen Gebüschreihe geparkt worden war, und er steuerte auf die Bühne zu. Angelo folgt ihm, so schnell er konnte. 3 Mal stolperte er sogar. Kam aber schnell wieder auf.

Sie kamen endlich zur Bühne und wurden mit einem grossem Applaus empfangen. Die anderen Geschwister standen schon bereit da. Warteten auf die beiden. Sie lächelten das Publikum an. Alle Instrumente waren schon spielbereit. Konzertstimmung, dachte Angelo. Und das Publikum! Angelo schätze, es waren ungefähr 500 Leute. Er dachte, ob auch Morgaina da war. Er redete sich ein, sie war das. Berlin und Potsdam sind nicht so weit voneinander weg. Er würde auch sein Bestes geben. Bestimmt.
Nun kam er an seinen Platz, heute neben Patricia, die sich eine Trommel zwischen die Arme geklemmt hatte. Er schnappte sich aus der Percussions-Kiste 2 Tambourine. Die Instrumente waren alle in ihrer Ordnung vorbereitet. JETZT KONNTE DIE SHOW BEGINNEN!!
Paddy, sein Bruder kam an das Mikrophon nach vorne und legte mit "Brenda my love" los. Angelo zuckte brav seine Tambourine. Barby und Maite kicherten ein bisschen bei diesem Lied. Angelo beachteten sie nicht. Jetzt hatte Paddy sein Lied fertiggesungen. Das Publikum tobte, schrie, kreischte "BRAAAVOOOO!"-Rufe kamen entgegen. Und mindestens 20 Mal "Paaaaaaddiiiiiiieeeee!". Irgendwie Angelo diese Stimmung und er fühlte sich jetzt richtig wohl! Seine Müdigkeit nach dem Aufwachen hatte er schon so gut wie vergessen. Er ging ihm jetzt prächtig!!

Nun kam Jimmy nach vorne und sang : "Cry baby cry". Angelo wusste genau, dass man bei diesem Lied unbedingt die Tambourine brauchte. Er zuckte sie immer wieder, mit viiiiiiel Gefühl. Er schloss die Augen. Ach, war ein schönes Gefühl. Und das Publikum schien auch begeistert zu sein. Jetzt kamen Lied für Lied langsam alle Geschwister einmal nach vorne an die Bühne und jetzt hielt Angelo einen Bongo in den Händen. Er wusste was er tat!
Nach Maites "Birdies on my window" wusste er auch, dass er jetzt nach vorne kommen musste. Er freute sich, war jedoch ein bisschen aufgeregt wie vor jedem Auftritt. Das Publikum klatschte, rief und pfiff. Maite entkam ein schüchternes "Dankeschön".
Jetzt stand er auch vor dem vordersten Mikrophon. Alle freuten sich und waren gespannt, was der jüngste Kelly-Spross singen würde, dachte Angelo. Und das stimmte auch . Er griff nach dem Mirko-Stab und atmete tief durch. Er musste ein bisschen warten, bis er auch etwas rausbekommen würde, aber er war sicher, das würde schon nicht allzulang dauern.

Jetzt sagte Paddy: "Und jetzt kommt der jüngste aus meiner Familie - der Kellyfamilie, Angelo, mit "Nigger"!" Und das Publikum pfiff noch lauter. Angelo wusste, was er zu tun hatte. Aber er war gar nicht drauf gefasst, jetzt "Nigger" zu singen! Damit rechnete er nicht einmal, obwohl es sein eigenes Lied war! Er wollte jetzt doch "Stranger" singen! Aber sein Bruder hatte das so bestimmt. Na gut, dachte er. Jetzt werde ich`s halt singen und "Stranger" nach dem. ......
Schon kamen die Instrumentenklänge. Jimmy zupfte an der Gitarre und jetzt fing Angelo an zu singen! Er war sehr konzentriert in seinen Gefühlen und brachte auch sehr viel davon zum Ausdruck. Man sah es ihm an und dieses Lied klang auch wunderbar. Angelo fand es auch. Und er betonte auch sehr viel Wörter, was echt selbstbewusst rauskam. Plötzlich war die Instrumentenbegleitung gar nicht mehr zu hören und Angelo sang der letzten Ton. Es wurde still um ihn, für einen Bruchteil der Sekunde, das für Angelo sehr lang vorkam. Fast eine Stunde. Aber das war wirklich ein Bruchteil einer Sekunde, der für Angelo echt lang vorkam. Dann aber erklang ein riesengrosser Applaus. Er hatte noch nie so einen gehört, wieviel mal er alles schon auf der Bühne stand. Sogar seiner Geschwister klatschten.

Und es kamen auch unzählige "BRAAAAAVOOO"-Rufe. Und hier und dort hörte wie jemand seinen Namen kreischte. Das fand es gut. Schöner Dank. Er hatte aber auch sein Bestes gegeben und bestimmt applaudierte diese Morgaina auch. ... Aber er blieb noch vorne am Mikrophon. Wollte unbedingt weitersingen. Er schnappte sich noch schnell einen Tambourin. Und jetzt war die Zeit für "Stranger" gekommen, auch wenn kaum jemand ausser seine Geschwister damit rechnete.
So fing er an : "When I believe in me, when I believe in me there`s coming a stranger. . ". Und rasselte dazu. Die Geschwister waren auch sofort begeistert und wussten sofort, was sie spielen sollten. Und Angelo sang und sang, total gedankenverloren. Wieder kam viel Gefühl von ihm zum Ausdruck. Und manche von dem Publikum kannten das Lied auch noch nicht!!! Aber alle waren begeistert und klatschten wiederum sehr laut und lange. Ach, wie wohl er sich fühlte an diesem warmen Juliabend!
Aber dann müsste er ein Stückchen zurück, denn jetzt kam John mit "Forever". Und diesmal kam Angelo zum Schlagzeug und trommelte dazu. So cool, dachte er! Als John fertig mit dem Lied war, kam er mit Kathy nach vorne und sie sangen "Silver & Gold". Sie kriegte wiederum riesengrossen Applaus dafür.

Jetzt ging das Konzert aber weiter und viele Lieder wurden gesungen. Angelo sang, sang den Refrain, spielte Percussion und Schlagzeug. Und schon kam das Lied "Take my hand", was Paddy auch mit viel Gefühl vortrug. Auch jetzt hiess es, das das Konzert sich langsam beenden muss.
Angelo dachte an den Spruch, welches ihm Paddy vor einigen Jahren lachend zuflüsterte: "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. ". ............
Sie verbeugten sich alle. Aber zum Glück hiess es noch nicht ganz, für heute Abschied nehmen. Dan erlaubte ihnen, wie manchmal an den Strassenkonzerten, ins Publikum zu gehen und sich mit den Fans oder Zuhörern zu unterhalten. Und jemand musste ja sowieso den "Basket" herumtragen. Diesmal war es Joey. Angelo war froh, dass er es heute nicht musste, obwohl er sich eigentlich immer gefreut hätte, sowas zu tun. Er war sicher dass diese Morgaina da war und er wollte sie unbedingt suchen gehen. Irgendwie.
Er machte sich jetzt auf die Suche. Er ging zwischen die Menge durch und blickte sich immer wieder um. Viele vom ihnen grüssten ihn und sagten ihm Komplimente. Und manche drückten ihm ein paar Geschenke in die Hände. Plötzlich sah er ein Mädchen.

Es sass in einem Rollstuhl. Es sah genz normal aus, sass nur im Rollstuhl. Es hatte dunkelblonde, lockige, fast bis zu den Ellbögen reichende Haare, dunkelgrüne Augen und Sommersprossen. Angelo fand dieses Mädchen sehr hübsch. Es trug ein enges, blaues T-Shirt und ebenso enge schwarze Jeans. Sie hielt in den Händen ein selbstgemaltes Plakat auf dem "HI ANGELO" draufstand. Vielleicht war es ja ---- Morgaina!
Ein Freudengefühl stieg in ihm hoch. Er wusste, dass er jetzt den ersten Schritt machen musste, solange sie noch da war. Und sie ansprechen. Er kam zu ihr heran und sagte: "Hallo du, warum hast du meinen Namen auf dem Plakat ??" Und als er ihr Gesicht vor seinem sah, bemerkte er, dass sie das gleiche Peace-Kettchen um ihrem Hals hatte! ALSO WAR SIE ES WIRKLICH!!!!!!! Juhui! Angelo war so erleichtert!!
Und Morgaina selbst konnte vor Freude gar nicht sprechen, denn Angelo höchstpersönlich stand vor ihr. Sie stammelte: "Äh. . ahm. ... Du bist einfach ein Engel für mich ... ich finde dich echt super und. . .!" Angelo schnitt ihr das Wort ab: "Du bist doch die Morgaina aus Berlin!!" "Jj. . aaa. . wohl!" Und so kamen sie schnellstens in ein Gespräch. Der eine Unterbrach den anderen. So viel hatten sie sich zu erzählen!!! Und sie sprachen wie alte Bekannte. Unglaubliches Gefühl für die beiden. Und ungefähr eine Stunde unterhielten sie sich, bis John herankam und Angelo auf die Schuler tippte: "Du, wir sollen jetzt gehen. ... "

Und so mussten sich Morgaina und Angelo verabschieden. Fiel den beiden sehr schwer. ... Aber Morgaina gab Angelo einen Zettel mit ihrer Telefonnummer. Sie sagte: "Ich bin hier in Potsdam bei meiner Tante in den Ferien. Hab gehört, ihr gebt da Konzerte und ja. ... Ruf mich an, ich werde mich gern mit dir treffen! Werde dafür beten, dass ich dich wiedersehe!" Angelo bedankte sich bei Morgaina und küsste sie auf die Backe. Sie strahlte. Wenn sie das ihren Freundinnen erzählen würde, würden sie sicher neidisch werden! Das sagte sie ihm. "Tschüss!" "Tschühüss!" Und sie fuhr im Rollstuhl davon.
Angelo fand Morgaina sehr nett. Sie war doch die, die ihm den schönen Glücksbringer schenkte!! Er würde alles geben, um sich mit ihr wiederzutreffen. So ging er mit John zum Bus und mit dem Bus fuhren sie zum vertrauten Ort in Potsdam. Dann ging Angelo sofort schlafen. Er wollte, dass es so bald wie möglich morgen wäre, damit er seine Morgaine wiedersehen könnte. Er träumte, wie er mit Morgaina Schwäne fütterte und vom vergangenem Konzert.
Am nächsten Morgen, sofort nach dem Aufwachen schmiedete es Pläne. Zuerst müsste er sich irgendwie das Geld besorgen und dann eine Telefonkarte kaufen und dann Morgaina anrufen. Er hatte auch eine Idee, wie er das machen würde. .........

Er ging zum Vater und fragte ihn, ob er ihm nicht ein bisschen Geld ausleihen könnte. Dan lachte und drückte seinem jüngsten Sohn 15 Mark in die Hand. "Weil du gestern so gut gesungen hast, mein Sohn!" Angelo bedanke sich. Heute musste er zum Glück nicht lernen, aber es würde wiedermal ein Konzert geben. Und in der Zwischenzeit durfen die Kelly-Kinder alles machen was sie wollten.
Angelo hatte ja auch was vor. Er rannte, so schnell er konnte in die Innenstadt. Dort kaufte er sich am Kiosk eine Telefonkarte und lief in die nächstbeste Telefonzelle. Er kramte in seiner Hosentasche. Uff! Zum Glück war der Zettel mit der Nummer noch drin!!!! Er steckte die Karte rein und wählte etwas zögernd die Nummer. Es piepte 4 mal.
Dann hörte er eine unbekannte Stimme: "Krause". Es war sicher Morgainas Tante. Angelo nahm sich zusammen und sagte: "!Ahh. . Hallo. . könnte ich vielleicht Morgaina sprechen ?" "Wer bist du ?", frage die Krause. "Ähh. . Ein Freund von Morgaina. . " Angelo fiel einfach nichts ein und er stammelte etwas vor sich hin. "Ja, warte bitte. Jetzt hole ich sie. . Auf Wiederhören!" "Ciao", sagte Angelo tonlos. Angelo wartete ungeduldig . Nach ungefähr 2 Minuten meldete sich eine dünne, aber doch vertraute Stimme. "Hallo. Morgaina Krause. " "Ich bin`s Angelo. Angelo Kelly. " "Ach so! Angelo!!"

Und jetzt kam schnellstens ein Gespräch in Gange. Sie sprachen über den gestrigen Abend und wollten sich wirklich noch mal treffen. Sie verabredeten sich am Konzertplatz. In einer Stunde. Morgaina würde bestimmt kommen.
Angelo hatte noch nie ein "Rendez-Vous" mit so einem Mädchen. Aber er freute sich riesig. Aber was sollte er jetzt machen? Er konnte doch nicht einfach so ankommen! Sollte er ihr vielleicht ein Geschenk machen? Er entschied sich doch für ein Geschenk, denn auch er wäre froh, wenn ihm jemand ein Geschenk bei einem Treffen gemacht hätte! Und er hatte noch gut 10 Mark übrig. So ging er in das erstbeste Kaufhaus. Wählte für Morgaina ein Pack Gummibärchen aus, weil er die selber so gern ass und nahm noch ein kleines Plüschtier und eine gelbe Rose. Sowas würde Morgaina sicher gefallen. Und er stöberte eigentlich noch lange.
Plötzlich schaute er auf seine Uhr. In 7 Minuten müsste er schon am Treffpunkt sein. Er eilte zur Kasse und bezahlte die drei Gegenstände. Und irrte zum Konzertplatz zurück. Zum Glück wusste er noch, wo es lag.

Morgaina war schon da, in ihrem Rollstuhl, als er keuchend ankam. Er überreichte ihr die Geschenke und sie freute sich riesig. Sie sagte, sie hätte auch ein Geschenk für Angelo, aber er müsse sich noch ein bisschen gedulden. Angelo war sehr gespannt drauf. Sie wollten noch durch die Stadt zusammen spazieren gehen und dann runter zum Spree-Kanal. ... Angelo wagte sich zu fragen: "Du, darf ich dein Rollstuhl schieben ?" "Natürlich, gerne!" Und ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Und so gingen sie.
Morgaina zeigte Angelo die Stand und erklärte ihm manche Sachen. Angelo fand diese Stadt irgendwie noch sehr schön, konnte sich aber nicht alle Namen der Denkmäler einprägen. Aber .... Es machte ihm so Freude, mit Morgaina zusammenzusein, mit ihr spazieren zu gehen. Und sie sprachen auch über alles, was ihnen gerade einfiel.
Es tat Angelo so gut, jemand ausserhalb seiner Familie über alles zu erzählen. Und Morgaina erzählte Angelo auch von sich. Sie hatte sich vor ein paar Jahren ein Bein gebrochen und das so schwer, dass sie nie mehr gehen könne. Angelo tat es sehr leid. Warum musste es ausgerechnet so einem wunderbarem Menschen passieren ? Und sie erzählte ihm, dass sie vor 2 Jahren ein grosser Fan von ihm und seinen Geschwistern wurde und erzählte ihm, dass sie sehr viel Bilder von ihm in ihrem Zimmer hängen habe.
Angelo hörte ihr so gerne zu, wie sie ihm. Sie freute sich, über ihre Idole mehr zu erfahren. ... Schliesslich waren sie auch schon an der Spree. Angelo half Morgaina aus dem Rollstuhl und sie setzten sich ins grüne Grass. Plötzlich schwamm ihnen ein Schwan entgegen. Morgaina fing an, die Melodie vom Lied "The Swan" zu summen. Und Angelo lachte.

Dann öffnete Morgaina ihren Rucksack und holte eine Tüte mit trockenem Brot heraus. Sie fütterten das Tier. Angelo schaute auf die Uhr. "Hey, es ist genau 5 Uhr!" Und die beiden lachten. Sie vernaschten die ganzen Gummibärchen.
Plötzlich fiel Angelo ein, dass er heute abend ja auch ein Konzert hatte. Morgaina wusste das auch und sie würde auch dabeisein. Sie versprach, die Songs von Angelo ganz aufmerksam zu hören. Angelo freute sich. Sehr. Jetzt hiess es aber langsam Abschied nehmen. Aber sicher nicht für immer. Diese 2 Peace-Kettchen verbanden die beiden. Angelo war froh darüber.
"Aber wir treffen uns sicher mal wieder, höchstens nach dem heutigen Konzert!" "Klar! Freue mich auch schon!" Morgaina fiel ja noch das Geschenk für Angelo ein. Sie öffnete ihnen Rucksack und holte das Geschenk für Angelo heraus. Es war eine schwarze Mappe, in der viele verschiedene Briefpapiere und Briefumschläge und Briefmarken drin lagen. "Oh danke!" "Ich will, dass du mir schreibst! Ich schreibe dir auch!" "Ich werde dir schreiben", versprach ihr Angelo. Jetzt musste er auch leider schon gehen, obwohl er am liebsten auf der sonnigen Wiese mit Morgaina geblieben wäre. Er stand auf. "So, tschüss! Wir sehen uns wirklich mal!" "Tschüss, Engel! Freute mich, dich kennenzulernen! Das schönste für mich! Angelo küsste sie auf die Backe. Und sie ihn auch. Und jetzt wollte er wirklich los.
Und er rannte davon. Zum Bus. Den Weg merkte er sich. Und heute Abend würde er für Morgaina sein Bestes geben. Er war froh, eine neue Freundschaft geschlossen zu haben. Zur Belohnung. ... Vielleicht. ... Und da er sie nicht verlieren wollte, würde er Morgaina bestimmt schreiben. Ganz bestimmt. .....


THE END ...


Hoffe, irgendetwas an dieser Geschichte wird jemandem gefallen. ...
Hab sie eigentlich nur aus einem Grund geschrieben. ... Wenn man heute das Verhältnis von manchen "Fans" zu den Kellys anschaut. ... Ist das eigentlich normal ???
Oder ... soll es vielleicht lieber so sein, dass es ähnlich wie in der Street-Life sein wird? Dass die Kellys und wie Freunde mit ihrer Musik sind und nicht sich selber zwingen, einfach nur zu lächeln ??

(c) Tani 2000


© Tani (Schön!)


Bar Letter

Last update: 23/10/2000

(Online since: 23/10/2000)

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