Somewhere in Ireland
by Seals of Howth spookey9@hotmail.com
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Vorwort: Diese Geschichte entstand
nachdem ich "An Alien" von Uli gelesen hatte. Die Idee, dass die Gestalten aus
den Kellyliedern wirklich irgendwo am Leben sind hat mich fasziniert und zu
dieser Geschichte inspiriert. Ich hoffe du bist mir nicht boese, dass ich deine
Idee "geklaut" habe, Uli!
"Barby? Hallo, Barby, ich rede mit dir!" Sie zuckte zusammen und sah ihn verwirrt an. "Hast du was gesagt?" Jimmy seufzte resigniert. "Ja, aber ist egal…", murmelte er. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen mit seinen Geschwistern Paddy und Barby hierher, nach Leenane, zu kommen. Er hatte gedacht es wuerde ihnen gut tun, mal von dem ganzen Fanrummel in Deutschland weg zu kommen. Naja, fuer Paddy schien das ja auch zuzutreffen, er hatte sich in den letzten Tagen sichtlich erholt. Aber Barby… er sah seine kleine Schwester traurig an. Schon wieder lag dieser entrueckte Ausdruck in ihren Augen, als waere es ihr ganz egal, was um sie herum passierte. Er hasste diesen Blick. Am liebsten haette er sie geschuettelt und angeschrien, um sie zu irgendeiner Reaktion zu zwingen. Stattdessen stand er auf und ging nach draussen. Sie schien es nicht einmal zu bemerken. Er schlug den Pfad ein, der hinter ihrem B&B begann und direkt in die karge Connemara-Landschaft hineinfuehrte. Schon bald war die kleine Ansammlung von Haeusern, aus der das Dorf bestand, hinter einer Huegelkuppe verschwunden und so weit sein Auge reichte sah er nur noch Berge, braungruene Wiesen und ein paar vereinzelte Schafe. In einiger Entfernung entdeckte er sogar eine Gruppe der wildlebenden Connemara – Ponies, von denen es hier noch eine handvoll gab. Dass man ihnen besser nicht zu nahe kam hatte Jimmy erst am Tag zuvor schmerzhaft lernen mussen, als er versuchte eines dieser Zotteltiere zu streicheln, das darauf hin drohend gestiegen war. Bei dem Gedanken an sein etwas ungeschicktes Ausweichmanoever, das ihn unsanft auf seinem Hosenboden landen liess, musste er grinsen. Dann kehrten seine Gedanken jedoch zu Barby zurueck und er wurde wieder Ernst. Er wuenschte er koennte ihr helfen. Er wuenschte er koennte sie wenigstens verstehen. Aber beides schien so gut wie unmoeglich. Ploetzlich wurde er durch lautes Pfeifen aus seinen duesteren Gedanken gerissen und blickte auf. Eine seltsame Gestalt kam ihm entgegen, ein Mann mit durchloecherten Schuhen und heruntergekommener Kleidung, der jedoch, ein lustiges Liedchen auf den Lippen, froehlich voranschritt. "Oh, guten Tag, ich hoffe ich hab
dich nicht gestoert. Weisst du, ich bin einfach so gluecklich!", begruesste er
Jimmy. "Aeh, nein, schon ok…." Erwiderte dieser zoegernd. Irgendwie war dieser
Mann schon eine komische Erscheinung… "Aeh, entschuldigen sie, das ist jetzt vielleicht eine etwas bloede Frage, aber wo sind wir hier?", fragte er den Mann verwirrt. "Hier? Somewhere in Ireland!", erwiderte dieser gutgelaunt. "Find ich ja schoen, dass du uns auch einmal besuchen kommst, Jimmy!" Ueberrascht sah Jimmy ihn an. "Woher kennst du meinen Namen?" Der Mann zuckte mit den Schultern. "Ich kenne euch alle, deine ganze Familie. Immerhin habe ich es euch zu verdanken, dass es mich ueberhaupt gibt!" Fuer diese Antwort erntete er nur einen verwirrten Blick von Jimmy. "Dieses ganze Land hier…" – er breitete die Arme aus-"…wurde von euch geschaffen. Alles, was du hier siehst, wurde in eurer Phantasie geboren und durch eure Lieder zum Leben erweckt. Komm, ich fuehr dich ein bisschen herum!" Immernoch unfaehig, etwas zu sagen, trottete Jimmy hinter dem Mann her und sah sich erstaunt um. Schon bald entdeckte er das naechste Zeichen von Leben. Sie kamen an einem Maedchen vorbei, das gedankenverloren zu einer Melodie tanzte, die anscheinend nur in ihrem Inneren zu hoeren war. Ihre Bewegungen erinnerten Jimmy an einen Wasserfall. Fasziniert blieb er stehen und sah ihr zu. Nach einiger Zeit oeffnete sie ihre Augen und laechelte ihn an. "I see the sky through her eyes and the sun shines through her smile..", durchzuckte es Jimmy, bevor der Mann ihn am Arm beruehrte und weiterzog. "Die ist ein bisschen verrueckt…Komm, lass uns weitergehen!" Als naechstes passierten sie einen kleinen Teich, auf dem ein stolzer Schwan seine Kreise zog. "Oh Gott, fast haette ich vergessen, ihn zu fuettern!", meinte der Mann erschrocken und zog ein paar Brotbrocken aus seiner Jackentasche, die er dem Schwan hinwarf. Auf einmal erklang lautes Hufgetrappel und eine Gruppe praechtig gekleideter Ritter ritt in zuegigem Tempo an ihnen vorbei. Auf ihren Schilden prangten grosse rote Herzen. "Wer war denn das?", fragte Jimmy neugierig als sie verschwunden waren. "Die Warriors of Love. Sie reiten in die Stadt…", antwortete der Mann und zog ihn weiter. Langsam veraenderte sich die Landschaft um sie herum erneut. Die satten Farben verschwanden und wichen tristen Grautoenen. "Hier ist die Hoelle gleich um die Ecke…", murmelte der Mann etwas bedrueckt. "Ich komm nur selten hier her – zu traurig…" In diesem Moment trat eine weitere Gestalt zu ihnen. Ein Maedchen mit goldenem Haar und seltsam ausdruckslosen Augen, wie aus Glas. Ohne ein Wort zu sagen naeherten sich ihre weichen Lippen Jimmys Mund und kuessten ihn. "Hey, das konnte ja noch richtig nett werden hier…", dachte er grinsend. In seiner Kehle machte sich auf einmal ein seltsames Gefuehl breit. Das Maedchen hatte zu singen begonnen. "nanana…" Die Worte kratzten in seinem Hals und er trat schnell einen Schritt zurueck. Ploetzlich erschien ein riesiger, schwarzer Schwan, fauchte ihn an und trug das Maedchen mit sich fort. Jimmy raeusperte sich verlegen. Wieder hatte sich die Landschaft entlang des Weges veraendert. Das Land war jetzt schwarz, wie von einem Krieg verwuestet. Ueberall sah er weinende, verzweifelte Kinder. "The Children of Kosovo…", fluesterte er bedrueckt und der Mann nickte. "Ja…und siehst du diese Insel da draussen im Meer? Ein Mann lebt dort, ganz alleine. Laesst keinen an sich heran aus lauter Angst vor dem HI-Virus…komm, gehen wir lieber weiter." Als sie sich gerade umwenden wollten erklang ein lautes Knurren und Jimmy sah einen riesigen, grauen Wolf mit gefletschten Zaehnen auf sich zuspringen. Er dachte schon sein letztes Stuendlein haette geschlagen, als er ploetzlich von starken Haenden in die Luft gerissen und davongetragen wurde. Erstaunt sah er in das Gesicht seines Retters und erblickte einen weissen Engel, der ihn freundlich anlaechelte. "Tja, manchmal wuenschtest du dir du haettest meine Fluegel, was?" Jimmy grinste und bedankte sich, als er sanft wieder auf dem Boden gesetzt wurde. Jetzt erst bemerkte er den froehlichen Mann, der sich aechzend vom Ruecken des Engels auf den Boden gleiten liess. Sie befanden sich inzwischen in einer kleinen Stadt. Jimmy entdeckte unzaehlige Augen, die ihm verstohlene Blicke zuwarfen, die Luft war erfuellt von aufgeregtem Getuschel und hohem Maedchengelaechter. "Wieso kichern die alle so bloed?", fragte er den Mann. Dieser zuckte nur mit den Schultern. "When the boys come into town, all the girls go crazy…" Auf einmal erklang ein lautes Krachen. Ein riesiges Ei mit Armen und Beinen war von einer Mauer gefallen und in tausende von Stuecken zerbrochen. "Oh nein, nicht schon wieder Humpty Dumpty!", meinte der Mann belustigt. "Komm, du wirst bereits erwartet…" Als Jimmy ihm gerade folgen wollte landete auf einmal eine Taube auf seiner Schulter. Um ihren Hals hing ein Brief. "Tschuldigung, hatte einen Krampf im Fluegel, musste kurz zwischenlanden!", entschuldigte sie sich geheckt. "Muss jetzt weiter, muss den Brief hier zum Haus am Fluss unten bringen!" Mit diesen Worten schwang sie sich wieder in die Luft und flog davon. Jimmy sah ihr belustigt nach und folgte dem Mann dann in das Haus. Es schien sich um eine Art Pub zu handeln. "Hi, ich bin Joanne!", begruesste ihn die Barfrau. "Oh, hello Joanne!", antwortete Jimmy grinsend und sah sich um. In einer Ecke keifte eine Frau einen fetten Mann an, der schuldbewusst auf sein Bierglas starrte. "Ich gehoere nicht zu irgend so einem Saufkopf!", schrie sie ihn an. An der Bar sass ein seltsames
Maedchen mit blonden, lockigen Haaren und gelben Augen. Jimmy erkannte Paddys
Alien sofort und laechelte ihr zu. Dann zog der Mann ihn in eines der
Hinterzimmer. Ein riesiges Bett stand dort, in dem eine zierliche Frau lag.
Es gab so viel, was er ihr sagen wollte, doch in diesem Moment kam ein Engel mit riesigen weissen Fluegeln und trug sie mit sich fort. "Weine nicht, es wird alles in ok sein…", rief sie ihm noch zu bevor sie verschwunden war. Jimmy wusste nicht, wie lange er dort auf dem Bett sass und ihr nachsah. Erst, als der Mann ihn leicht an der Schulter beruehrte wurde er aus seinen Gedanken gerissen. "Es wird Zeit fuer dich, zurueck zu gehen… es ist schon spaet." Seufzend erhob sich Jimmy und folgte ihm nach draussen. "Hier, wenn du diesen Pfad entlang gehst bist du bald wieder in Leenane…" Jimmy nickte, bedankte sich bei dem Mann und machte sich auf den Weg. Schon bald umgab ihn wieder die karge Connemara – Landschaft und eine halbe Stunde spaeter betrat er das B&B. "Jimmy, wo warst du so lange?", begruesste ihn Barby. "Ich? Ach, nur somewhere in Ireland…", erwiderte er und zwinkerte ihr zu. Ein Laecheln erschien auf ihren Lippen und in ihre Augen trat wieder dieser entrueckte Ausdruck. Jimmy liebte diesen Blick. © August 2001 by Seals of Howth © Seals of Howth (Lieben Dank!) |
Last update: 03/04/2002
(Online since: 03/04/2002)