Ein Anruf, der alles veränderte

by Sany   Mlui04@aol.com


März 1997:

"Wow echt? Das ist nicht euer Ernst! Doch? Boah, supi! Ich freu' mich ja so! Wann? Nächsten Samstag. Okay. Sie rufen Montag nochmal an? Gut. Ja. Bis dann. Cu!" Alexandra konnte es nicht fassen. Sie war tatsächlich die, die gewonnen hatte. Eine große, bekannte Jugendzeitschrift hatte ein Treffen mit den Kelly's backstage beim Konzert in Berlin verlost. Und sie hatte wirklich gewonnen. Noch vor 5 Minuten brütete sie über ihren Praxisbericht, doch jetzt schien dass total in den Hintergrund zu rücken.
Alexandra stürmte in die Küche um diese Wahnsinnsneuigkeiten ihrer Freundin zu erzählen, doch diese fühlte sich von ihr erstmal nur total auf dem Arm genommen. Doch spätestens am Montagabend war auch sie überzeugt, da mit der Jungendzeitschrift alles besprochen worden war. Alexandra würde Samstagmorgen nach Berlin fahren, dort übernachten und Sonntag wieder zurückfahren. Die Woche kam Alexandra unendlich lang vor. Die Arbeit war zum Sterben langweilig und die Hausaufgaben ließen eigentlich keine freie Minute - doch dazu hatte sie so wieso keinen Nerv mehr.
Endlich war Freitag, immer wieder lief sie hektisch durch die Wohnung, um sicher zu gehen, nichts vergessen zu haben. Ganz wichtig: Der Backstage - Pass, den sie von der Zeitschrift zugeschickt bekommen hatte. Die Nacht war viel zu lang. Alex konnte vor Aufregung eh nicht schlafen. Etwas müde, aber trotzdem fit, verabschiedete sie sich von ihren Freundinnen und stieg in den Zug Richtung Berlin. Draußen rauschte die Landschaft an ihr vorbei und genauso schnell schossen auch ihre Gedanken durch den Kopf.
Nach 4 Stunden Zugfahrt kam sie endlich in Berlin an. Alex nahm sich ein Taxi und ließ sich zum Hotel fahren, welches mit der Zeitschrift vereinbart worden war. Schnell brachte sie ihre Sachen auf 's Zimmer und machte sich dann auf den Weg zur Konzerthalle. Es war 16:30 Uhr. Einige Fans belagerten schon die Eingangstüren. Alex wurde zum Hintereingang gebracht, wo erstmal alles genau kontolliert wurde, ob auch alles seine Richtigkeit hat. Endlich wurde sie reingelassen. Überall waren lange, kahle Gänge. Plötzlich kam jemand auf sie zu. Es war ein Crew - Mitglied, der Alex erstmal alles zeigen wollte. Das Herz schlug ihr jetzt schon bis zum Hals. Sie kamen zur Cafeteria, wo Alex schnell etwas trinken wollte, um etwas ruhiger zu werden.
Sie ging entschlossen zum Stand, als ihr plötzlich der Schlüssel aus der Tasche auf den Boden fiel. Schnell bückte sie sich, doch jemand anderes war flinker als und so berührten sich ihre Hände. Sie schaute auf und guckte in das grinsende Gesicht von Paddy. "Hi, du bist doch bestimmt Alex, ich glaube ich muß dir nicht wirklich sagen, daß ich Paddy bin. Du kennst mich bestimmt!" Er drückte ihr ganz locker den Schlüssel in die Hand. Ganz überrumpelt und platt vor Aufregung bekam sie nur ein "Danke" heraus. Paddy fand das Mädchen irgendwie amüsant und schätzte sie auf 18 - 19 Jahre.
"Tja, dann hast du ja schon 1 von 9 kennengelernt. Naja, was heißt kennengelernt? das kommt schon noch! Setzten wir uns? Sonst kippst du mir vor Aufregung noch um! Was trinkst du? Cola?" "Äh, nein, Wasser bitte!" Die kurze Zeit zum Durchatmen nutzte sie um sich zu beruhigen. "Bitte, dein Wasser." "Danke. Mensch, laufen hier immer so viele Leute rum? Wer ist das alles?" "Ach, alles Menschen, die sich darum kümmern, dass es uns gut geht. Dabei bräuchte ich persönlich den ganzen Trubel gar nicht! Früher haben wir auch alles alleine aufgebaut und gemanagt. Heute meinen alle, dass man Menschen braucht, die es für einen machen!"
Plötzlich war Paddy gar nicht mehr der immer gut gelaunte, lachende Typ. "Aber ich will dir ja jetzt nicht die Ohren voll nölen, komm' gehen wir ein Stück? Dann kann ich dir unsere Garderoben zeigen!" Und schon war er aufgesprungen. Er ließ Alex keine Zeit mehr um etwas zu sagen. Auf dem Weg fragte Paddy Alex wie alt sie sei und was sie macht. "Ich bin 19 und mache eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten, ich bin im Sommer fertig." "Das klingt interessant." Paddy guckte sie bewundernd an. "So, da wären wir. Hier ist unsere Garderobe und da drüben' sind die Mädchen. Komm, gehen wir rein." "Was ist denn wenn die anderen sich gerade umziehen und ich da so reinplatze?" "Die sind nicht da. Die machen oben noch den Soundcheck, meistens bin ich der Erste oben und wenn alles gut klappt, vertrete ich mir hier unten noch die Beine."
Paddy öffnete die Tür. Tatsächlich war keiner da. An der Wand hing ein großer Spiegel und auf dem Sofa lagen jede Menge Klamotten. "Willkommen, bitte erschrecke dich nicht Alex, aber so siehts vor dem Konzert immer aus. Wir wissen alle noch nicht, was wir anziehen. Was meinst du? Gefällt dir die Lederhose oder die gestreifte Hose besser?" "Mmh, also dann doch lieber die Lederhose," sagte Alex. Paddy räumte wortlos die Klamotten zur Seite und bat Alex sich zu setzen. Er nahm neben ihr Platz.
Es war 18:30 Uhr. Um 19:30 Uhr fing das Konzert an. "Hoffentlich funktioniert die Lichtanlage heute. Gestern fiel sie mittendrin einfach aus. Vorhin hat Joey noch dran' rumgeschraubt. Naja, wenn nicht, dann haben wir morgen ja auch noch eine Chance." "Seid ihr morgen auch noch hier?" "Ja, das ganze Wochenende. Sonntagnacht fahren wir weiter nach Bremen." "Ich schlafe heute Nacht im Hotel, morgen Abend fahre ich wieder nach Hause. Montag muss ich wieder arbeiten." Die beiden hatten das Gefühl als wenn sie sich schon lange kennen. "Irgendwie hab' ich das Gefühl, als wenn ich dich schonmal getroffen habe," sagte Paddy. Sie guckten sich lange an und ihre Gesichter näherten sich. Man konnte spüren, welche Magie im Raum lag.
Plötzlich wird die Tür aufgerissen und Angelo kommt reingestürmt. "Hat jemand meine Drumsticks gesehen?" In der Hektik nahm er Alex gar nicht war und Paddy sagte nur: "Die lagen doch vorhin auf der Treppe zur Bühne, guck' da nochmal!" Und schwups - weg war er. "Tür zu!" rief er Angelo noch hinterher, aber das hörte er schon gar nicht mehr. Ein Bodyguard kam und machte die Tür ganz diskret von außen zu. Anscheinend wusste er, in welche Situation Angelo da eben geplatzt war. "Tja, so gehts immer zu, so kurz vor'm Konzert," sagte Paddy. "Ich will jetzt auch nicht länger stören, du mußt dich ja auch noch fertig machen."
Sie stand auf und wollte gehen, aber Paddy erwischte sie am Ärmel und zog sie zurück auf's Sofa. "Ein bisschen Zeit haben wir noch. "Wieder guckten sie sich so an. Paddy kam langsam näher und schon bald spürte Alexandra seine Lippen auf ihren. Sie schlossen die Augen. Doch lautes Gegröle laß sie erschrecken und die beiden fuhren auseinander. "Sehen wir uns morgen?" fragte Paddy. Alexandra nickte perplex und sagte: "Ich bin im Park Hotel." "Okay, dann hole ich dich ab. Bis dann."
Alexandra öffnete die Tür und wurde von Jimmy überrascht angeguckt. Alexandra mischte sich unter die Fans und als das Konzert begann und die Kelly's die Bühne betraten, sah' sie, dass Paddy die Lederhose angezogen hatte. - Konnte das wahr sein, was passiert war? Hatten sie sich wirklich geküsst? Meinte er es ernst? Oder nutzte er die Situation einfach nur aus? Auch abends im Hotel fand sie darauf keine Antworten.
Sonntagmorgen: Alexandra musste das Geschehen erstmal verarbeiten. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging sie duschen. Dann machte sie sich fertig. Es klopfte an der Tür. Eine Hotelangestellte teilte ihr mit, dass unten Besuch für sie wäre. Alexandra konnte es nicht glauben. War Paddy wirklich gekommen? Mit wackeligen Beinen trat sie aus dem Fahrstuhl. Tatsächlich. Dort saß er. Etwas unsicher, aber da ging es Alexandra ja nicht anders." Hi, schön dich wieder zu sehen!" "Mir gehts genauso, euer Konzert war toll!" "Die Lichtanlage funktionierte ja auch wieder." Sie lachten. "Gehen wir in den Park?" fragte er sie.
Das Wetter versprach schön zu werden. Sie nahmen sich ein Taxi und ließen sich zum Stadtpark fahren. Paddy und Alexandra liefen eine ganze Weile und quatschten über Gott und die Welt. Sie kamen an einen Teich und setzten sich ins Gras. "Ich bin froh, so ein Mädchen wie dich kennengelernt zu haben, du kannst einfach mal zuhören und fängst nicht an zu kreischen, wenn du mich siehst." sagte Paddy und schaute sie dabei eindringlich an. "Ich bin auch froh, dass ich dich überhaupt kennenlernen durfte." erwiderte Alexandra.
Sie standen wieder auf. Paddy legte seine Arme um Alexandra's Hüfte und sie küssten sich leidenschaftlich. Er nahm ihre Hand und sagte: "Alex, ich danke dir." "Wofür denn?" "Dafür das du einfach da bist!" Sie versanken in einen tiefen langen Kuss. Der Beginn einer wunderbaren Beziehung.


© Sany
(Danke schön!)


Bar Letter

Last update: 28/06/2004

(Online since: 28/06/2004)

Zurück zur Storypage

Back to the Storypage