Zeitreise
by Sandra maria.greinecker@chello.at
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Dicke Regentropfen fielen auf Patrick herab und der Wind zerzauste sein nasses Haar. Es war wieder eine dieser Nächte an denen er am liebsten nicht existiert hätte. Vor noch ein paar Stunden hatte er auf der Bühne gestanden und mit einem Lächeln im Gesicht eine Show abgeliefert wie sie jeder sehen wollte und jetzt ging er wie ein Häufchen Elend durch die kalte Nacht. Seine Geschwister waren in einem netten kleinen Hotel doch er konnte ganz einfach nicht ans schlafen denken. Sein Körper war zwar müde und leblos, doch er wollte nicht in dieses Hotel. Er kam sich so eingesperrt vor. Patrick setzte sich auf einen Stein der am Rande des Baches lag. Ihm war noch kälter geworden, doch auch jetzt wollte er ganz einfach noch nicht zurück gehen. Er vergrub seinen Kopf in seine kalten und nassen Händen. Müdigkeit überfiel ihm plötzlich. Er hätte doch nicht die zwei Beruhigungstabletten nehmen dürfen. Doch wenn er sie nicht genommen hätte, hätte er bestimmt etwas getan was ihm später leid getan hätte. Ihm war bewusst das er sein Leben nicht mehr alleine unter Kontrolle halten konnte. Doch konnte er auch niemanden seine Gefühle anvertrauen, da er Angst hatte wieder verletzt zu werden, wie er es schon so oft wurde und so hielt er sein Leben mit Tabletten unter Kontrolle. Der Engel nahm Patricks Hand in ihre, doch Patrick wich erschrocken zurück und fragte: "Wer bist du und was willst du? Ich will doch nur einmal alleine sein und nicht von verrückten umgeben sein." Sie antwortete nur mit ruhiger sanfter Stimme: "Ich bin kein Fan, ich bin dein Schutzengel." Der sonst so gefasst wirkende Patrick wurde immer bleicher. Er fühlte sich hier nicht wohl, es war alles so abnormal was gerade vor seinen Augen passierte. Er flüsterte nur leise vor sich hin: "Ich bin nicht verrückt, ich träume das hier nur. Ich habe nur zu viele Tabletten genommen. Ich bin nicht verrückt." Er wiederholte sich wieder und wieder, bis sein Engel sagte: "Komm gib mir deine Hand ich will dir etwas zeigen." Er zögerte noch etwas, da er dachte ins leere zu greifen, doch er griff nicht ins leere. Er hielt die zarte Hand einer jungen Dame in der Hand und nicht nur die kalte nasse Luft. Sie ging mit Patrick an der Hand ein Stück den Fluss entlang, bis sie am Rande eines kleinen Waldes stehen blieb und flüsterte: "Sieh nur Patrick, sieh nur ganz genau auf diesen Wohnwagen." Patrick sah anfangs keinen, doch als der Engel die Hand in diese Richtung zeigte, war plötzlich wie aus dem nichts einer da. Patricks Atem wurde schwerer, er dachte in einem schlechten Horrorfilm gelandet zu sein, doch wagte er es nicht auch nur einen Blick von diesem Wohnwagen abzuweichen. Er sah in das innere des Wagens und sah seine Eltern. Seine Mutter hatte ein kleines Baby auf den Arm. Das kleine Baby war er selbst. Er sah wie seine Eltern strahlten und ihn mit küsschen bedeckten und ein Lächeln glitt über sein blasses, erschöpftes Gesicht. Es war ein schönes Bild, so eine glückliche Familie zu sehen. Doch nun nahm ihn der Engel wieder an der Hand und das Bild verschwand. Am Waldrand war nichts mehr zu sehen. Patrick wollte etwas sagen doch der Engel hielt ihn einen Finger auf den Mund und Patrick schwieg. Der Weg führte sie auf den Dorfplatz und genau in der Mitte blieben sie stehen. Der Engel zeigte mit der Hand auf den Brunnen der gegenüber der Kirche stand und ein weiteres Bild erschien. Und wieder sah sich Patrick selbst, mit seinen Eltern und seinen Geschwistern. Sie standen vor dem Brunnen und sangen fröhliche Lieder. Eine Traube von Menschen hatte sich um sie gesammelt und warfen ihnen Geldmünzen vor die Füße. Klein Patrick stand neben seiner Mutter und hielt sich an ihrem Rock fest und nach dem er einige male daran gezogen hatte nahm sie ihn auf den Arm. Er und seine ganze Familie sah so glücklich und zufrieden aus. Patrick lachte und auch seine Geschwister trugen ein Lächeln im Gesicht. Nun gingen der Engel und Patrick wieder weiter. Er hätte zu gerne noch mehr davon gesehen. Er vermisste seine Mutter ja so. Wenn sie noch leben würde, wüsste er wem er seine Probleme erzählen kann und müsste sie nicht mit Tabletten unter Kontrolle bekommen. Sie gingen wieder ein Stück und das nächste Bild wurde sichtbar. Er sah sich wie er mit Angelo und Maite herum tollte und Spaß hatte. Es waren auch noch einige andere Kinder dabei und sie vergaßen alles um sich herum. Sie spielten fangen und Angelo fiel hin. Klein Patrick war sofort zur Stelle und tröstete den weinenden Wirbelwind, doch es dauerte nicht lange bis alle wieder fröhlich und lustig über die Wiese tollten. Dann war das Bild wieder weg und der Engel nahm Patrick wieder an der Hand und ging weiter. Patrick ging immer langsamer und langsamer. Er war erschöpft. Man konnte seine schweren Atemzüge hören. Es schien so als würde er jeden Moment zusammenbrechen, doch der Engel machte ihm Mut und hauchte ihn ins Ohr: "Patrick du bist stark und es wird dich verändern wenn du das jetzt bis zum Schluss siehst und durchhältst." Und wieder erschien ein Bild vor Patricks Augen. Und wieder sah er sich selbst. Er saß an einem Tisch und schrieb ein Lied. Er ging damit zu seinen Geschwistern und jeder war sichtlich begeistert und es wurde beschlossen das dieser Song unbedingt auf das neue Album müsse, das sie schon in den nächsten Tagen aufnehmen wollten. Und es erschien das nächste. Es war ein Bild von dem Konzert das sie in Dortmund gegeben hatten. Das war der Startschuss der nicht enden wollenden Hysterie. Er sah sich und seine Geschwister. Ja da hatte es ihm eigentlich noch Spaß gemacht. Der Ruhm, die Beliebtheit, das Geld und alles was das Star sein so schönes mit sich brachte. Sie gingen wieder ein Stück weiter. Patrick kam es so vor als würde er schon eine Ewigkeit gehen. Doch da erschien auch schon das nächste Bild. Es war ein Bild das ihn selbst etwas schockte. Er sah sich im Jahr 1996 als er ein weiteres Tief in seinem Leben hatte. Er wusste das er in diesem Jahr wirklich knapp am Ende war und er fragte sich ob er da wohl auch schon seinen Schutzengel hatte so wie jetzt. Und da war auch schon das nächste Bild. Er sah seine damalige Freundin und sich als sie gemeinsam lachten und herum alberten und den Tag an dem sie sich trennten. Es war sehr schwer für ihn gewesen, doch er überstand es. Das Bild das er hier sah war von gestern. Er sah sich auf dem Konzert das er vor ein paar Stunden gegeben hatte. Er erkannt erst jetzt das er schon bei dem Konzert kurz vor einem Zusammenbruch war. Patrick hörte Stimmen. Ein Gewirr von Stimmen um dich herum. Langsam öffnete er die Augen und sah seine Schwester Patricia neben sich stehen und seine Hand haltend. Was wollte Patricia denn hier? Er sah sich noch etwas benommen im Raum um. Er sah nur weiße Wände und ein weißes Bett? Er hatte keine Ahnung wo er war und fragte mit schwacher Stimme: "Was war denn los, wo bin ich?" Patricia standen Tränen in den Augen: "Du bist im Krankenhaus. Ach Patrick was machst du nur für Sachen. Du hast zu viel von deinen Tabletten genommen und dann bist du auch noch am Bach ohnmächtig geworden und ...und..." Patricia wollte weiter sprechen doch sie schaffte es nicht. Und als sie sich wieder etwas mehr unter Kontrolle hatte, wollte sie weiter sprechen doch dann musste sie das Zimmer verlassen da eine Krankenschwester nach dem Rechten sehen musste. Patrick sah aus dem Fenster konnte jedoch nur einen grauen Himmel entdecken und sagte zu der Krankenschwester: "Wissen sie ich hatte einen merkwürdigen Traum, doch er schien mir so reell. Er half mir wirklich sehr, ich weiß jetzt was ich will, nämlich nie wieder nur mit Tabletten glücklich sein zu können." Er hielt kurz inne und fragte weiter: "Glauben sie eigentlich an Engel?" © Sandra (Oh Sandra, die Geschichte ist so schööööön!) |
Last update: 15/08/2000
(Online since: 15/08/2000)