It's school now

by Raven

"Nein! Ich gehe da ganz bestimmt nicht hin. Das habe ich bis jetzt nicht getan und ich habe es in naher Zukunft auch nicht vor!" sagte Angelo mit großer Bestimmtheit. "Sieh doch mal Angelo," versuchte Kathy es ihrem Bruder mit ihrer ganzen Überzeugungskraft zu erklären: "Die Regierung macht uns hier in Deutschland schon seit längerer Zeit Ärger, weil du der hier verhängten Schulpflicht nicht nachkommst. Sie wollen doch lediglich wissen auf was für einem Stand du bist. Das dauert höchstens 4 Wochen."
"Vier Wochen! Das ist ein ganzer Monat. Und wie soll ich dann in der Band mitspielen können, wenn ich von unseren Tourstandorten zur Schule hingekurvt werden muss und noch Hausaufgaben erledigen muss. Außerdem bist du diejenige, die mir immer predigt ich soll nicht ohne Bodyguard aus dem Haus gehen und jetzt soll ich 5 Tage in der Woche einen halben Tag ohne Bodyguard inmitten von bestimmt über 400 Schüler verbringen?" fragte Angelo vorwurfsvoll. "Das mit den Bodyguards gefällt mir auch nicht, aber der Schuldirektor hat mir gesagt das er keine Leibwächter an seiner Schule haben will. Für den Fall das es Ärger mit aufdringlichen Fans geben sollte, nehmen wir dich sofort von der Schule." Beruhigte Kathy ihn. "Mensch, Kathy! Mir geht's doch gar nicht um die Fans, sondern das ich vielleicht über 32 Stunden in einer Woche, in vier Wochen dann über 128 Stunden dort festsitze, wo mein weiterer Lebensweg, für die nächsten Jahre doch schon klar gekennzeichnet ist. Was also soll ich mich denn dann noch mit der Schule herumquälen?" rief Angelo verzweifelt. Aber es nützte nichts, denn Kathy sagte darauf: "Schluss! Aus! Keine Wiederrede mehr! Du gehst!".
Wütend und sauer stürmte Angelo darauf aus dem Zimmer und rannte dabei fast Jimmy über den Haufen: "Hey! Pass doch auf!" rief er Angelo hinterher, der schon die Tür zum Flur hinter sich zu schlug und durch den Gang lief. John steckte gerade den Kopf aus dem Badezimmer und fragte: "Wer war das denn?" "Angelo" brummte Jimmy der sich nach diesem Zusammenstoß in einen Sessel fallen gelassen hatte und sich sein Buch zur Brust genommen hatte. "Und wo wollte er hin?" bohrte John weiter. "Keine Ahnung" murmelte Jimmy. "Aber der kann doch nicht einfach ohne Bodyguard auf die Straße gehen! Da kann doch wer weiß was passieren." "Keep cool, Johnny." Jimmy blickte von seinem Buch auf. "Angelo ist 14, er kann schon auf sich alleine aufpassen. Was soll denn bei einem kleinen Sparziergang passieren? Du und Kathy solltet das mal mit dem Begleitschutz lockerer sehen." John ignorierte die letzte Bemerkung und ging in das Nebenzimmer um sich bei Kathy zu erkundigen ob sie wusste, warum Angelo weggegangen war. Kathy hatte schon mit packen angefangen denn bereits am Abend würden sie wieder mit ihrem doppelstöckigen Tourbus wieder auf Tour gehen. Der Morgen darauf war der erste neue Tour - Tag, es würde aber auch der erste Schultag für Angelo werden.
"Was ist den mit Angelo los?" fragte John. Kathy erzählte vollkommen erschöpft: "Er hat sich in den Kopf gesetzt nicht in die Schule gehen zu wollen. Dabei handelt es sich nur um 4 Wochen. Wenn er die durch hat und die Abschlussprüfung besteht, hat er das Thema Schule ein für alle mal abgehackt, denn er hätte dann den Realabschluss in der Tasche." Erschöpft ließ sie sich auf das Bett sinken. "Hast du ihn denn gesehen?" fragte Kathy: "Ich befürchte, das er sich nach unserem Streit klammheimlich aus dem Staub gemacht hat,". John antwortete: "Ich habe von ihm lediglich mitbekommen wie er die Tür zu schlug und dann abgedampft ist. Ich geh' ihn suchen. Wir wollten doch heute noch einmal ins Studio und ein die letzten Songs aufnehmen, dann können wir die ersten Studioarbeiten abschließen. Aber wie ich Angelo kenn hat er keine Uhr dabei, und hat so keine Ahnung, wie spät es ist. Er lässt seine Brille ja auch überall liegen, oder setzt sich drauf." Kathy stöhnte: "Gut, beeil dich, und sieh' zu das du nicht auch noch verloren gehst. Denn noch einen Namen auf unserer Vermisstenliste verkrafte ich heute nicht mehr." John zog sich eine Jacke über und machte sich auf den nach Weg draußen.
Angelo verlangsamte sein Tempo erst als er aus der Sichtweite der Suite war und somit ihm Fahrstuhl stand. Er fuhr nach unten und musste sich in der Empfangshalle noch an den Bodyguards vorbeischleichen, das erwies sich aber nicht als schwierig, denn die schienen in ein Gespräch mit der Empfangsdame verwickelt zu sein. Als Angelo die Haupttür Hotels aufstieß, fühlte er sich nach dem Streit mit Kathy gleich viel besser. Er ging die Straße entlang und kam zu einem Park. Dort setzte er sich auf eine Bank und hing seinen Gedanken nach. Warum musste Kathy gerade IHN auf eine Schule schicken? Sie alle waren doch bis jetzt auch immer ohne ausgekommen. Leider Gottes war offensichtlich auch Dan, sein Vater dafür, und somit war sein Todesurteil beschlossen. Wenn er jetzt wenigstens da wäre, damit er ihn vielleicht noch mal umstimmen konnte. Aber so? Sein Vater war weit weg auf den Kanarischen Inseln, wo er für ein halbes Jahr richtig Urlaub machen wollte. Er meldete sich aber alle zwei bis drei Wochen bei seinen Kindern.
Wütend kickte Angelo einen Stein weg. Wozu sollte er überhaupt zur Schule gehen? Er war doch eh schon von Kindesbeinen an Musiker. Zu dem machte die Schule Angelo irgendwie Angst. Über 800 Schüler die er alle nicht kannte und dazu noch ein riesiges neues Gebäude in dem alles genau gleich aussah. Keine Zehn Pferde würden ihn dazu bewegen zur Schule zu gehen. Er schaute kurz auf stöhnte auf und lehnte sich wieder zurück fallen. Er hatte nämlich John entdeckt der geradewegs auf ihn zu kam. Jetzt würde gleich das große Donnerwetter auf ihn niederprasseln, wegen weggehen ohne Bescheid zu sagen und ohne Begleitschutz. Dabei hatte ihn auf seinem kleinen Spaziergang noch kein einziger angesprochen. Es hatte ihn höchstens in Mädchen von 10 Jahren etwas merkwürdig angesehen, was aber auch an seinen langen, blonden Haaren, gelegen haben könnte. Aber das Donnerwetter blieb aus. "Na du Ausreißer" begrüßte John ihn. "Komm! Alle warten auf dich, das wir endlich mit den Aufnahmen beginnen können. Missmutig stand Angelo auf und folgte seinem älteren Brüder.
Im Studio klappten die Aufnahmen zu "One More Song", "Another World", und "Life Is Hard Enough" nicht so gut wie gewollt, denn Angelo war noch immer angefressen, und hielt den Beat nicht immer, da er sich keine Mühe gab. So mussten sie die Aufnahmen irgendwann abrechen, da alle nur noch gereizter wurden.
Am Abend backte Maite Pizza bereits im fahrenden Tourbus, den Joey hatte in dieser Nacht eine weite Strecke zu fahren. Paddy spielte mit Patricia und Jimmy Karten und Angelo schaute ihnen zu. Johnny und Kathy saßen am gegenüberlegelegenden Tisch und saßen vor irgendwelchen ultrawichtigen Papieren. Barby saß oben und, wie man an dem Geräusch der Nähmaschine hören konnte, schneiderte sie neue Kostüme.
Angelo lugte vorsichtig zu Kathy rüber und versuchte ein letztes mal sich vor der morgigen Folter zu bewahren. "Kathy, du kannst mich nicht zur Schule schicken, denn wenn ich gehen muss, muss Maite auch, sie ist noch 16." Er hoffte, das Kathy so einsehen würde, das er gerechtigkeitshalber zu Hause belieben musste. Maite würde nicht zur Schule gehen können, denn sie besaß keinen Antrag. Kathy machte sich keine Mühe von ihrem Papierkram aufzusehen: "Du gehst Angelo! Das ist beschlossene Sache und zwar allein." Geknickt wandte sich Angelo wieder den Kartenspielern zu. "...du bist dran Jimmy" mahnte Patricia ihren Bruder. "Willst du mitspielen Angelo?" Angelo dachte kurz nach, augenscheinlich ließ sich an der morgigen Situation sowieso nichts verändern, also warum sollte er sich jetzt nicht noch etwas vergnügen? "Na gut, was spielt ihr denn?" "Das sieht man doch", sagte Paddy. "Rommé."
Barbys Kopf erschien von oben und fragte: "Weiß jemand wo ich die Nadeln für die Nähmaschine zum Auswechseln hingetan habe?" "Ist dir etwa schon wieder eine Nadel abgebrochen?" grinste Jimmy. "Du brauchst gar nicht so zu grinsen, du Blödmann." Verteidigte sich Barby: "Es wollte irgendjemand unbedingt extra Lederbänder an seiner Lederhose haben und wenn sich dieser jemand nicht ganz geschlossen hält, kann ich die Hose auch ganz schnell wieder verändern!" Bei dieser Bemerkung zog Jimmy es vor zu schweigen. "Die Nadeln sind unter meinem Bett, bei der Wäsche. Ich habe da heute Morgen 'reingefasst als ich mich anziehen wollte." sagte John mit einem leicht schmerzverzerrten Gesicht. "Du erinnerst dich wohl gerade lebhaft an deine Begegnung mit den Nadeln?" stichelte Jimmy, der, da Barby sich verzogen hatte, wieder schmunzeln konnte. John lächelte leicht. "Ich glaube Seanny hat in den Schubladen unter den Betten mal wieder kräftig aufgeräumt. Apropos, wo ist er eigentlich?" Prompt bekam er die Antwort, da von oben Seans Weinen zu hören war. "Ich geh' schon" sagte Patricia. "Essen ist fertig", meldete Maite vom Herd aus. "Super", erschall der Ruf von Joey von vorn aus der Fahrerkabine "ich verhungere nämlich gleich. Gebt mir bitte ein Stück mit vielen Zwiebeln."
Die restlich Familie sammelte sich um die zwei Tische und Maite begann an dem einen Tisch, und John an dem anderen, die Pizzas zu zerschneiden. Joey bekam sein Stück Pizza und aß es mit sichtlichem Genuss. Währenddessen saß Angelo zwischen Barby und John und konnte kein Gedanken an Essen fassen, der ihm nicht sofort Brechreize bescherte. "Hast du keinen Hunger Angelo?", fragte Kathy. Doch ehe der Gefragte überhaupt antworten konnte, würde er leicht grünlich im Gesicht und hastete an Barby vorbei ins sogenannte 'Badezimmer'. Es bestand lediglich aus einer Toilette und einem Waschbecken. Man konnte sich drinnen kaum umdrehen, so klein war es. Immer noch etwas grünlich im Gesicht kam Angelo zurück. "Na, haste schon Lampenfieber vor der Schule Morgen?" neckte Jimmy ihn, ohne an die Folgen gedacht zu haben. Anstatt eine angemessene Retourkutsche geben zu können, rannte Angelo zum zweiten mal ins 'Bad'. Na gut", grinste Jimmy, "Diese Antwort ist auch eine Antwort." "Mensch Jimmy" sagte Barby vorwurfsvoll. "Musste das jetzt sein!" Angelo kam noch grüner als vorher wieder und sagte auf wackeligen Beinen und murmelte: "Ich glaub ich geh' mal ins Bett..."
Angelo schlief in dieser Nacht mehr schlecht als recht. Immer wieder wachte er auf drehte sich unruhig hin und her. Kathy wachte dadurch auch immer wieder auf und bekam langsam ein schlechtes Gewissen, das sie ihrem jüngsten Bruder diese vermeintliche Qual zumutete.
Am nächsten Morgen war Angelo ziemlich zerschlagen und schlecht gelaunt. Warum sollte er auch fröhlich wie eine Lerche singen? Die anderen standen auch nach und nach auf. Angelo packte seine Schultasche, die er sich von Paddy geliehen hatte. Es war mal Rucksack gewesen. Nun war aber ein Träger abgerissen und Barby hatte die Tasche wieder als tragbar repariert. Nun saß Angelo am Küchentisch und rührte in seinem Müsli herum. "Guten Morgen." Grüßte Patricia, die gerade herunter kam. "Angelo, John hat mir gesagt, das ich dir sagen soll, das Peter dich fährt." Peter war einer der Bodyguards der Kelly Family. "Mmmh", brummte Angelo. Er wollte gerade den Bus verlassen, als Kathy herunter kam. Sie rief ihm noch "Viel Spaß in der Schule Angelo:" hinterher, das Angelo auch noch hörte. "Tschau", murmelte er und ging über den Platz neben der Konzerthalle, wo sie heute Abend spielen würden. Am Tor, das den Platz mit einem 2m hohen Zaun gegen Fans schützte, wartete bereits Peter mit dem Wagen. Sie fuhren mit der Limousine, aber das war Angelo egal, ihm war in diesem Moment alles egal. Lustlos starrte er aus dem Fenster wo er sah, wie sich die morgendlichen Nebelschwaden auf den Wiesen langsam auflösten. Ab und zu tauchte ein Bauernhof auf, wo noch alles zu schlafen schien. Dann waren sie endlich in der nächsten Stadt angekommen, wo Angelo die nächsten 4 Wochen die Gesamtschule besuchen würde. Innerlich betete Angelo, das Peter sich verfahren möge, und die Schule nicht finden könne. Das würde nämlich bedeuten das er für heute von der von ihr befreit war. Aber andererseits dachte Angelo weiter, müsste ich mich Morgen der gleichen Prozedur unterziehen. Vielleicht ist es doch besser wenn Peter die Schule findet.
Die Gedanken waren überflüssig wie Angelo im nächsten Moment bemerkte, sie waren nämlich am Zielort. Peter kam um den Wagen herum und machte die Tür auf, damit Angelo aussteigen konnte. Nicht das Angelo das nicht selber gekonnt hätte, aber so konnte sich der Bodyguard ein Bild davon machen, ob möglicherweise Gefahr drohte.
Angelo stieg aus und würdigte die Schule mit einem kurzen Blick. So, dachte er, das ist mein Halbtagsgefängnis für die nächsten 4 Wochen. Es war ein älteres, grau - rotes Gebäude mit drei Stockwerken das im ersten Eindruck gewaltig erschien. Dann ließ Angelo den Blick über den asphaltierten Schulhof wandern. Kinder und Jugendlichen, die bereits da waren, spielten oder standen auf dem Schulhof in Grüppchen herum. Zu seiner Erleichterung hatte seine Ankunft kaum jemand mitbekommen. Peter war schon Richtung Eingangtür gegangen und Angelo bemerkte es erst, als er sich nach ihm umsehen wollte. Er beschleunigte seinen Schritt etwas und kam gleichzeitig mit ihm an der Tür an. Der Bodyguard zog an der Tür, diese ging aber nicht auf. "Ist zu", bemerkte ein älterer Junge, der mit seinen Kumpels die Szenerie beobachtet hatte. Aber genau in dem Moment schellte es und die Pforten wurden für die Schüler geöffnet. Diese strömten in Massen herein. Da Peter mit Angelo ganz vorne gestanden hatte, drückte die Menge sie einfach vor sich her ins Schulgebäude.
Angelo hatte noch nie ein Schulgebäude von innen gesehen und irgendwie übte es, er hätte es nie zugegeben, eine fesselnde Faszination auf ihn aus. Er hatte schon über verschiedene Schulen gelesen, die in Geschichten vorkamen, aber dieses glich denen kein bisschen. Es hatte rechts und links der großen Eingangshalle große Türen durch die noch immer Schüler hereinstürmten. Überall war Stimmengeschwirr, das die Halle mehr, wie ein Bienenstock als eine Schule wirken ließ. Überhaupt schienen überall Schüler oder Lehrer herum zu laufen. Direkt geradeaus von den Einganstüren, führten an jeder Seite eine Treppe in den zweiten Stock. Von der Eingangshalle zweigten noch mal mehrere Gänge ab die zu Klassenzimmer führten. Das erstaunlichste war, das jeder anscheinend genau wusste wo er hinmusste. Angelo fand es bemerkenswert das sie sich, trotz der vielen Menschen, die viele gar nicht überblicken konnten, zurecht fanden.
Eine bekannte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. "Angelo! Komm, ich hab' jemanden gefunden der wusste, wo sich das Sekretariat befindet." Angelo sah Peter und versuchte sich durch die Leute zu schlängeln. Bei Peter angekommen, lichtete sich die Menschenmenge schon ein wenig und als sie vor dem Sekretariat standen waren nur noch vereinzelte Schüler oder Lehrer zu sehen. Doch bevor der Bodyguard am Sekretariat geklopft hatte kam ein Lehrer geradewegs auf sie zugesteuert. "Halt, warten sie. Dort ist abgeschlossen, aber ich muss da auch rein. Darf ich fragen..." er guckte zuerst den Schrankwirkenden Bodyguard an und dann Angelo der etwas lustlos in der Gegend herum guckte. "...darf ich fragen zu wem sie wollen?" "Oh, ja!" der Bodyguard schien sichtlich erleichtert endlich jemanden gefunden zu haben der ihm weiterhelfen konnte. Sie hatten sich auf dem Weg zum Sekretariat mehrmals verlaufen. "Ich muss den Jungen hier zu Mr. Granowsky schicken." Der Mann lächelte "Sehen sie, so kommen wir zusammen. Sie wissen nun an wen sie sich wegen des Jungen wenden müssen und ich weiß wo mein neuer Schüler geblieben ist. Er reichte Angelo die Hand. "Ich bin Herr Granowsky, dein Klassenlehrer für die nächsten Wochen und wie heißt du?" Angelo schaute kurz auf, er könnte schwören das diese Frage unnötig gewesen war. Aber trotzdem antwortete er mit "Angelo Kelly." "Alles klar! Dann gehen wir mal zur Klasse" an Peter gewandt sagte er. "Sie können ihn dann nach der achten Stunde vorne am Parkplatz abholen." Dieser nickte Angelo nur noch kurz zu, dessen Laune gerade den Tiefpunkt ereicht hatte, und verschwand. "Okay, die Schule wird dir wahrscheinlich im ersten Moment ziemlich groß erscheinen, aber nach einer Woche wirst du dich, denke ich, eingewöhnt haben. Du warst zuvor noch auf keiner normalen Schule, oder?" Angelo nickte. "Na, dann wird einiges neu für dich sein. So, und hier sind wir. Das ist deine Klasse." Er zeigte auf eine Tür, die den anderen aufs Staubkörnchen glich. Neben der Tür war ein Schildchen abgebracht auf dem stand. "Raum 156, Klasse 8a, Herr Granowsky." Angelo versuchte sich die Daten so gut wie möglich zu merken, obwohl er in diesem Moment lieber im Bus bei seinen Geschwistern den Tagesablauf besprochen hätte. "Bereit?" fragte Herr Granowsky. "Mmmh" antwortete Angelo.
Herr Granowsky öffnete die Tür und ein einziges Stimmgewirr schlug ihnen entgegen. Angelo wich zuerst einen Schritt zurück, trat aber dann doch ein. In der Klasse erstarben die Stimmen schlagartig. Jeder verharrte ihn seiner Bewegung und schienen nur noch den 'Neuen' anzustarren. Herr Granowsky winkte Angelo, das er sich neben ihn stellen sollte. Das war der Moment wo sie sich die zwei Fronten das erste Mal mustern konnten. Die Klasse hatte 15 Zweiertische die in drei Reihen parallel zur Tafel standen. Die Schüler sahen für Angelo im ersten Augenblick alle gleich aus. Die Jungen trugen Jeans, irgendeinen Pulli und ein Baseballcape. Die Mädchen hatten Figurbetonende, buntere Kleidung an. Schon von der Kleidung her, hob sich Angelo von der Klasse ab. Er trug seine Fransenlederhose, ein eher schmal geschnittenes, weißes, folkloristisches Hemd und darüber eine bunt bestickte Weste. Um den Kopf hatte er sich noch in der morgendlichen Eile ein Stirnband umgebunden, das die offenen, leicht gewellten Haare etwas im Zaum hielt.
"Das ist Angelo Kelly" stellte Herr Granowsky ihn vor. "Wie ich euch erzählt habe, wird er für einige Wochen unsere Klasse besuchen."
Bei dem Namen Angelo zuckten manche unmerklich zusammen, aber Angelo registrierte es trotzdem. "Mmh, ja." räusperte sich Herr Granowsky "Tom" setzt du dich bitte nach hinten zu Steve? Ich möchte das Angelo neben Jason sitzt." Widerwillig räumte Tom seine Sachen und Angelo setzte sich neben Jason. Dieser musterte ihn ein zweites mal sehr kritisch und rückte etwas weiter von ihm weg. Angelo versuchte sich bequem auf den Stuhl zurechtzufinden. Aber irgendwie bekam er keine angenehme Sitzhaltung heraus. Erst nach zehn Minuten fand er krampfhaft eine Haltung die es ihm möglich machte, sitzen zubleiben. Herr Granowsky unterrichtete Geschichte, wo sie heute die französische Revolution besprachen. Angelo versuchte sich auf den Unterricht zu konzentrieren, was ihm aber irgendwie schwer fiel. Manche unterhielten sich am Ende der Klasse im absoluten Flüsterton miteinander, trotzdem konnte Angelo es in der zweiten Reihe hören. Dann war da noch die rhythmische, gleichklingende Stimme des Lehrers, was es ihm nicht gerade erleichterte zu zuhören. Etwas verträumt schaute er aus dem Fenster und ihm fielen die Worte von einem Song Barbys ein, die zu seine Situation passte, wie die Faust aufs Auge. "I wanna break free, with my heart, with my soul, with my hands..." Leise begann er die Melodie zu summen und den Schlagzeugtakt mit den Fingern zu klopfen.
"Angelo?" die Stimme des Lehrers riss ihn vollkommen aus seinen Gedanken. "Bitte?" fragte Angelo leicht verwirrt. Einige kicherten. "Ich habe dich gerade gefragt, ob du weißt wann und womit die französische Revolution begann." "Ähmmja, warten sie mal," Angelo versuchte in seinem Gedächtnis irgendwo die Daten zu finden. Er wusste das sie das mal irgendwann durch gesprochen hatten. Was war das noch gleich gewesen? "Ähm, das war, ich glaube am 14. Juli 1789 und angefangen hat es.." Angelo kniff die Augen zusammen um besser denken zu können, "...mit dem Sturm auf die Bastille." "Stimmt genau. Da du das Thema anscheinend schon einmal besprochen hast, wird es dir leicht fallen, dich einzuklinken." Da war Angelo sich da gar nicht sicher, er fühlte sich noch immer nicht wohl in seiner Haut und seine Sitzposition war ausgesprochen unbequem. Er versuchte sich zu entspannen. Das ging aber nicht, jeder Muskel in seinem Körper war angespannt. Bereit, auf jeglichen Befehl zu reagieren. Leicht nervös schaute er sich in der Klasse um. Noch immer tuschelten einige und wie es ihm schien, schauten manche ab und zu, zu ihm hin. Er war sichtlich erleichtert, als Herr Granowsky den Unterricht beendete, aber auch verwirrt, als dieser die Klasse verließ. Jetzt war er vollkommen auf sich allein gestellt, hatte keinen der ihm irgendwie helfen konnte.
Jason war mittlerweile zu seinen Freunden gegangen um sich mit denen zu unterhalten. Angelo, der sich zum Ausgleich des unbequemen Stuhls, sich auf dem Tisch gesetzt hatte, beobachtete sie. Jason guckte kurz zu ihm rüber und als er bemerkte, das Angelo ihn beobachtete kam er rüber. Aber bevor Jason irgendwas sagen konnte fragte Angelo: "Wo ist Herr Granowsky hingegangen?" Jason war total perplex, denn er hatte gar nicht damit gerechnet das Angelo irgendwas sagen würde. "Ähm, Herr Granowsky? Der ist ins seinen nächsten Unterricht gegangen. Wir haben jetzt gleich Mathe." "Haben wir denn nicht immer bei demselben Lehrer Unterricht?" wollte Angelo wissen. "Nee." verneinte Jason, "Mathe habe wir bei Herr Stürbah. Hattest du denn nur bei einem Lehrer unterricht?" "Ja," Angelo nickte. "Ist Privatunterricht ein großer Unterschied zu einer normalen Schule?" wollte Jason wissen. Angelo brauchte nicht lange zu überlegen und antwortete mit Überzeugung: "Oh, ja!" "Ist ja interessant" meinte Jason, der aber irgendwie den Anschein erweckte mit dem Gespräch möglichst schnell fertig zu werden. "Tja, ich muss dann, mal zurück" sagte er und deutete auf seine Freunden. Angelo nickte und begann sich die Gesichter der Klasse genauer einzuprägen. Jason war auf dem Weg zurück als er kurz inne hielt und noch mal zu Angelo zurück ging und direkt fragte: "Warum trägst du eigentlich als Junge lange Haare?" Auf diese Frage war nun Angelo vollkommen unvorbereitet und antwortete mit einer Gegenfrage: "Warum trägst du deine Haare denn kurz?" Jason dachte gründlich nach und gestand dann "Keine Ahnung." "Siehste," meinte Angelo, "aus dem gleichen Grund trage ich meine Haare lang." Mit dieser Antwort ging Jason dann wirklich zurück und Angelo hatte wieder seine Ruhe. Ein Trupp Mädchen machte ihm etwas Sorgen, sie kicherten die ganze Zeit und guckten abwechselnd zu ihm herüber. Dann fasste sich eine endlich ein Herz und ging zu ihm herüber und fragte: "Du, ähm, das hört sich vielleicht komisch an, aber ich wollte dich was fragen. Wir" sie deutete auf ihre Freundinnen, "rätseln schon die ganze Zeit. Du heißt ja Angelo Kelly und siehst auch noch genauso aus, wie er. Ich meine den 'Angelo Kelly' von der Kelly Family. Aber der bist du doch nicht, oder? Ich meine, die sind doch gerade auf Tour und da hätte er ja gar keine Zeit, um zur Schule zu gehen." Irgendwo zwischen den Worten 'Angelo' und 'Tour' hatte Angelo aufgehört zu zuhören und hatte abgeschaltet. Das war ihm einfach zu viel Gebabbel auf einmal. Irgendwo in ihrem Redeschwall unterbrach Angelo das Mädchen. "Also, ehe du hier noch umkippst weil du zwischen deinen Sätzen keine Luft holst sag ich dir lieber gleich das ich der 'Angelo Kelly' bin, der eigentlich überhaupt keine Zeit zur Schule zu gehen, da er und seine Familie auf Tour sind.." antwortete Angelo leicht genervt. Das Mädchen, wie immer es auch heißen mochte, hob ihre Stimme zur Kernfrage dieses, für sie, gewagte Unternehmen. "Gibst du mir ein Autogramm?" "Nein" sagte Angelo mit sehr bestimmten Unterton "Wie du wahrscheinlich weißt, bin ich noch keine 16 und darf außerhalb der Konzerte keine Autogrammen geben." "Aber kannst du nicht eine..." bat das Mädchen, was aber von Angelo mit einem Kopfschütteln zum schweigen gebracht wurde. Sichtlich sauer ging sie wieder zurück zu ihren Freundinnen.
Die Mathestunde überstand Angelo irgendwie. Er wollte nur noch raus aus dieser Hölle. Sie nahmen Trigonometrie durch und Angelo hatte nicht den kleinsten Fitzel verstanden. Nach Mathe war die erste Pause. Angelo ging umschwirrt von Schülern allein auf den Schulhof. Seine Schultasche hatte er dabei, bereit abhauen zu können. Frustriert und schlechtgelaunt holte er sein Pausenbrot raus und setzte sich auf eine kleine Mauer die den Lehrer - Parkplatz vom Schulhof trennte. Er betete, das die nächsten 6 Stunden möglichst schnell zuende sein würden und am besten, die nächsten 4 Wochen auch noch dazu. Wie konnte sein Vater ihm nur so einen Schwachsinn zumuten? Ganz in dunkle Gedanken versunken, wurde er zum wiederholten male aus seinen Gedanken gerissen. "Bist du der Angelo von den Kellys?" fragte eine Stimme. Der genannte schaute kurz hoch. Er sah ein schmales, spanisch aussehendes, schwarzhaariges Mädchen, das etwa in seinem Alter war. "Kommt drauf an wer's wissen will." Brummte er, noch immer schlecht gelaunt. "Die Leute aus meiner Klasse meinten die ganze Zeit es wäre ein Neuer an unserer Schule und er würde Angelo heißen. Naja, es wird ja immer einiges erzählt, aber ich wollte mich dieses mal einfach davon überzeugen ob an dem Gerücht etwas wahres dran ist. Also ging ich auf den Schulhof und du bist mir gleich aufgefallen, denn Angelo klingt so ähnlich wie 'Ángel' und das bedeutet Engel auf spanisch und du, naja...bringst das irgendwie zum Ausdruck...." sie brach ab. "Du meinst, weil ich die längsten Haare der gesamten Schule habe und sie obendrein blond und locking sind?" brummte Angelo. Das Mädchen nickte. Sie hatte anscheinend nicht die richtigen Worte dafür gefunden, was Angelo gerade gesagt hatte. Der fuhr fort "Die Locken habe ich nur noch drin, weil mir eine, meiner Schwestern mir gestern morgen unbedingt eine Dauerwelle reinmachen musste. Ich habe meine Haare danach direkt zweimal gewaschen, aber es hat wenig geholfen. Das Ergebnis hast du vor dir sitzen." "Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt." entschuldigte sich das Mädchen, "Ich heiße María." Angelo nickte kurz um zu zeigen das er es wahrgenommen hatte. Konnte ihn diese María nicht einfach in Ruhe lassen, was wollte die eigentlich von ihm? Die Frage stellte sie im prompt "¿Hablas español?" fragte sie gerade heraus. Angelo fragte total verblüfft: "Woher weißt du das?" Maria lächelte leicht: "Ich wusste es nicht. Ich habe Interesse halber gefragt." "Kannst du denn Spanisch?" fragte Angelo. "Ich bin in Spanien geboren." antwortete sie stattdessen. "und habe dort, bis ich 11 war, gelebt. Mein Vater war Deutscher, so musste ich zweisprachig aufwachsen." Das war der Anfang einer angeregten, spanischen Unterhaltung und einer langen Freundschaft zwischen María und Angelo, der plötzlich vergaß, das er vor 1 Minuten noch alles zum Teufel gewünscht hatte und am liebsten am Ende der Welt gewesen wäre, als hier.
Als es läutete, kam es Angelo so vor, als wären nur Sekunden vergangen , zwischen dem Moment wo er María zum ersten Mal gesehen hatte und der Klingel. Sie verabredeten das sie sich nächste Pause wieder zu treffen, an der selben Stelle und auf einmal war das Schulhaus gar nicht mehr so grau, wie es am Morgen noch auf Angelo gewirkt hatte, die Welt war bunter und überhaupt konnte er sich auf seinen Stuhl setzen ohne das er befürchtete, sich sämtliche Wirbel auszurenken.
Der restliche Schultag verlief wie ein normaler Schultag eben verläuft. Mittags traf man sich in der Kantine und nach der achten Stunde ging man nach Hause. Angelo wartete schon ungeduldig auf die Limousine die Peter heran fahren musste. María hatte sich entschlossen mit ihm zu warten, denn sie wohnte nicht weit von der Schule weg und hatte es nicht eilig. Die Limousine kam und der Peter machte sich dieses mal nicht die Mühe auszusteigen und Angelo die Tür aufzumachen, sondern blieb sitzen und wartete darauf, das dieser einstieg. Angelo stutze kurz, öffnete aber dann grinsend die Autotür. Er verabschiedete sich von María und die Limousine fuhr an. Drinnen im Auto fragte er grinsend den Bodyguard: "Na, wieso bist du denn sitzen geblieben, anstatt auszusteigen, das Gelände zu sondieren um mich dann erst hereinzulassen?" Peter grinste ebenfalls und antwortete: Nun ja, ich dachte mir das du mit deinen 14 Jahren wohl imstande bist eine Autotür zu öffnen." "Wer war denn das Mädchen das dir hinterher gewunken hat?" "Fragst du jetzt dienstlich, oder Interesse halber?" fragte Angelo vorsichtshalber. "Beides." grinste er Bodyguard. "Ich habe sie in der Pause kennen gelernt. Sie heißt María und ist sozusagen Spanierin." "Da wird sich Kathy aber freuen, wenn du deine Spanischkenntnisse wieder etwas auffrischen konntest." meinte Peter, "Magst du sie den gerne?" "Das weiß ich doch jetzt doch noch nicht. Ich kenne sie doch mal gerade einen Tag lang." Sagte Angelo. Dann aber überlegte er und antwortete dann. "Ich finde sie recht sympathisch, aber mehr auch nicht." "Aahaa," ließ sich der Bodyguard vorne vernehmen. Dann aber hörte er den Rest der Fahrt nichts mehr vom Rücksitz. Angelo war nach den Anstrengungen der Schule eingeschlafen.
Angelo wachte auf den letzten paar Metern auf und kam rechtzeitig in den Genuss den Tourbus noch zu sehen, bevor die Limousine davor parkte. Kathy kam heraus und fragte Angelo etwas vorsichtig: "Und wie war's?" "Super" antwortete Angelo. "Echt?" fragte Kathy etwas verwundert. "Na Logo! Hab ich denn je behauptet, es würde mir keinen Spaß machen zu Schule zu gehen?"

© Raven


Bar Letter

Last update: 13/11/2006

(Online since: 13/11/2006)


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