Break free
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Es ist ein kalter Novembertag. Graue Nebelschwaden hängen über der Stadt. Eine Atmosphäre, die fast jeden Menschen melancholisch stimmt. Paddy ist unterwegs zum Studio. Seine beiden Bodyguards begleiten ihn und passen auf, dass ihm niemand zu nahe kommt. Doch die Leute, die auf der Straße an ihnen vorübergehen, beachten den Jungen nicht einmal. Lustlos stampft Paddy weiter durch die Stadt. Zwei Teenager, die ihn erkannt haben, stürzen auf ihn zu und bitten um ein Autogramm. Gerne hätte Paddy den Mädchen diesen Wunsch erfüllt, doch seine Bodyguards drängen sie einfach weg. "Das geht jetzt nicht", brummt der eine. "Macht das ihr weiter kommt!" Ein wenig traurig sieht Paddy den Mädchen nach. In der Fußgängerzone steht ein junger Mann am Straßenrand, der auf einer alten Gitarre spielt und fröhliche Lieder dazu singt. Ein paar begeisterte Zuhörer stehen um ihn herum und klatschen im Takt. Obwohl es sehr kalt ist, das Gesicht und die Finger des Mannes schon rot gefroren sind, macht es ihm sichtlich Spaß, dort zu stehen und zu singen. Paddy bleibt stehen. Er bemerkt ein kleines Mädchen, das vergnügt auf der Straße zu der Musik des Mannes tanzt. Die Augen des Kindes strahlen vor Glück. Irgendwie verspürt Paddy den Drang, zu dem Kind zu gehen und einfach mit ihm zu tanzen. Doch seine Bodyguards ziehen ihn energisch weiter. "Komm schon, Paddy! Die anderen warten auf dich. " raunt einer ungehalten und zerrt den Jungen einfach weiter. Nur zu gerne wäre Paddy noch eine Weile bei den Straßenmusikanten stehengeblieben, um einfach nur der Musik zu lauschen. Aber auf ihn wartet ja bereits ein stickiges Tonstudio, in dessen vier Wänden er gut abgeschirmt von der Außenwelt den heutigen Tag verbringen muss. In der Woche darauf hockt Paddy eines Abends nach einem anstrengenden Konzert mit seinen Geschwistern Jimmy, Joey und Patricia in einer Hotelbar. Es ist schon sehr spät, und die meisten Gäste sind bereits auf ihre Zimmer gegangen. Jimmy und Patricia drehen noch ausgelassen ein paar Runden über die Tanzfläche, während Joey mit einem der Bodyguards, die wie immer dabei sind, heftig diskutiert. Paddy dreht gedankenversunken ein Glas Cola zwischen den Fingern. Fast schwermütig blickt er auf das Getränk, das vor ihm im Glas bei jeder seiner Bewegungen hin und her schwappt. Unwillkürlich muss er an den Straßenmusiker denken, den er letzte Woche wenn auch nur für wenige Augenblicke, in der Stadt gesehen hat. Und auch das kleine Mädchen, das so ausgelassen dazu getanzt hat, kommt ihm wieder in den Sinn. Wehmütig denkt Paddy an die Zeit zurück. Wann konnte er das letzte mal ganz alleine irgendwo hingehen? Es musste eine Ewigkeit her sein... Da packt Joey seinen Bruder am Arm: "Komm, Paddy. Es ist schon spät. Zeit, nach oben zu gehen", fordert er den Jungen auf. "Ich will noch nicht," mault Paddy. Er hat nicht die geringste Lust dazu, in das kalte, leere Hotelzimmer hinaufzugehen, wo er sich nur noch einsamer fühlt. Joey läßt ihn los. "Du weißt, dass wir morgen einen harten Tag vor uns haben. Erst den Fototermin, dann die Pressekonferenz wegen der neuen Platte und dann ab ins Flugzeug nach Berlin zum Benefizkonzert", erinnert er den jüngeren. Paddy verdreht die Augen. "Und, und, und..." ahmt er Joey nach. Er blickt auf die Tanzfläche hinüber. Jimmy und Patricia sind bereits gegangen. An den Gesichtern der genervten Bodyguards erkennt er, dass es wenig Zweck hat, sich Joey weiter zu widersetzen. Also folgt er ihm widerwillig nach oben. Paddy wirft einen Blick auf seine Uhr. Halb vier! Im Hotel herrscht Totenstille. Unruhig wälzt der Junge sich in seinem Bett hin und her. Er kann einfach nicht einschlafen. Zu viele Gedanken gehen ihm durch den Kopf. Langsam steht er auf, geht ans Fenster und schaut hinaus. Die grellen Lichter der Großstadt liegen wie ein funkelndes Meer vor ihm. Das Meer! Paddy erinnert sich, wie sie früher im Sommer immer Konzerte an der See gegeben hatten. Tagsüber schwimmen im Meer und im Strand in der Sonne liegen und abends dann fast ganz nebenbei ein Konzert. Das war wie Urlaub, Ferien, ein Sommer voller Abenteuer, den jeder Junge in seinem Alter wohl genossen hätte. Im letzen Sommer hatten sie zwar auch Konzerte an der See gegeben, allerdings fanden die nicht am Strand, sondern in gut abgesicherten Stadien statt. Und anstatt mit seinen Geschwistern im Sand zwischen den Touristen umherzutollen, war ihm ein einziger Nachmittag mit seinen Bodyguards an einem kleinen, abgelegenen Strandstück vergönnt gewesen. Den Rest des Sommers verbrachte er in irgendwelchen Tonstudios, Pressesitzungen, Konzerthallen oder Hotels. Am nächsten morgen, als Paddy nicht wie gewohnt zum Frühstück erscheint, denken sich seine Geschwister erst mal nicht viel dabei. Es ist ja schon öfter vorgekommen, dass einer von ihnen das Frühstück einfach verschlafen hat. Irgendwann jedoch blickt Kathy ungeduldig auf die Uhr und schickt Angelo los, um Paddy aus seinem Zimmer herunter zu holen. Doch als er ins Zimmer kommt, ist dieses leer. Verwundert sieht sich der Junge um. "Paddy?", ruft er fragend. Aber er bekommt keine Antwort. Von seinem Bruder fehlt jede Spur. Schulterzuckend kehrt Angelo zu seinen Geschwistern zurück. "Paddy ist nicht da", bemerkt er beinahe beiläufig, als er sich wieder an den Tisch setzt. Kathy springt von ihrem Platz auf. "Was soll das heißen, er ist nicht da?" schnaubt sie, wütend darüber, dass die durch Paddys Fernbleiben kostbare Zeit verlieren. Und ohne eine Antwort von Angelo abzuwarten, macht sie sich selbst auf den Weg in Paddys Zimmer. Als sie dort den zerknitterten Zettel auf dem Tisch verfindet, sitzt Paddy längst in einem Flugzeug auf dem Weg in die Freiheit. Kathy nimmt den Zettel und beginnt zu lesen. Die Schrift ist undeutlich, verwackelt und an einigen Stellen von Tränen verwischt. Das, was sie liest, erschüttert sie zutiefst. Fassungslos geht Kathy zu den anderen in die Frühstückshalle zurück. Leichenblaß ist sie, als sie stammelnd zugibt. "Paddy ist nicht mehr da! Das hier habe ich in seinem Zimmer gefunden." Mit zittrigen Händen hält sie ihren Geschwistern den Zettel hin. John nimmt ihn ihr ab und beginnt laut zu lesen: Irgendwo in einer kleinen Stadt eines fremden Landes steht ein Junge mit seiner Gitarre am Straßenrand und singt. Um ihn herum tanzen fröhlich ein paar Kinder. Der Junge lächelt glücklich, und sein Glück scheint sich im Strahlen der Kinderaugen wiederzuspiegeln...... Nicole Kopper aus Halverde Diese Geschichte ist für alle Fans gedacht, und es wäre schön, sich mal darüber Gedanken zu machen! © Nicole (Echt toll!) |
Last update: 03/04/2001
(Online since: 03/04/2001)