Was zählt wirklich?
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1. Kapitel Ich war 13. Eigentlich war ich absolut happy, Sommerferien zu haben und die Sonne genießen zu können. Doch als mich meine Mutter bat, einkaufen zu gehen, hatte ich - keine Ahnung aus welchem Grund - keine Lust dazu. Ich spürte einen richtigen Widerwillen und verschwand auf leisen Sohlen in mein Zimmer. "Nö nö", meinte meine Mutter mit einem Lächeln auf den Lippen (sie hatte seit ein paar Tagen suuuper Laune), "so schnell kommst Du mir nicht davon!". Naja, dann mache ich es halt meiner Mutter zuliebe, dachte ich bei mir und schlüpfte in ein paar alte Turnschuhe. Bei weiterem Betrachten fiel mir auf, das es sich wohl nicht um ein Mädchen, sondern um ein...Junge???, handeln mußte. Aber wieso hatte er lange Haare? Und erst jetzt sah ich, wie hübsch er war! Ach, ich hatte doch eh nichts für Jungs übrig, vergaß ihn gleich wieder und wollte die anderen Sachen für meine Mutter besorgen...als etwas geschah, mit dem ich nicht gerechnet hätte...er kam auf mich zu: "Äh, könntest Du mir vielleicht sagen, wo ich den Pizzateig finden kann? Ich bin nicht von hier und habe es relativ eilig...", sprudelte es jetzt aus ihm heraus..."Der Pizzateig ist dort hinten, rechts um die Ecke", gab ich genau so hastig als Antwort zurück...Oh mann, wieso konnte ich nicht normal reden? Irgend etwas stimmte wohl nicht mit mir...Wahrscheinlich war es deshalb, weil ich hier in einem kleinen Dorf lebte und fast keinen Kontakt zu anderen Menschen hatte... "So Mama, da sind die Sachen, die auf der Einkaufsliste gestanden haben. Darf ich noch ein Eis haben?" "Ja klar Viola. Aber sag mal, wieso hattest Du heute so lange? Das Einkaufszentrum ist 5 Minuten von hier entfernt und sooo viele Sachen mußtest Du nun auch wieder nicht besorgen..." "Naja, ich habe zuerst den schönen Schmuck angeschaut und danach traf ich einen Jungen...", ich hielt an mit reden, da es mir plötzlich peinlich wurde, denn ich sagte immer laut und deutlich, das ich Jungs hasse...und außerdem war dieser gewisse Mr. auch gar nicht freundlich zu mir! Er sagte zwar Danke, doch danach haute er ab, ohne auch nur noch einmal nach mir zu sehen. "Aber Viola, Du hattest doch noch nie etwas für Jungs übrig." "Ja Mama, da hast du recht." Ich dachte, auch meine Mutter haßte Männer, da sich meine Eltern vor 2 Jahren scheiden ließen...und deshalb wollte ich auch nicht zu geben, das ich diesen Jungen trotzdem ganz nett fand, die Gedanken daran aber verdrängte..."Ach Viola...weißt Du, ich habe das Gefühl, das Du die Jungs gar nicht so abscheulich findest und es nur sagst, weil ich Dir vielleicht das Gefühl gebe, Männer seien widerlich...aber es sind nicht ALLE so..." Oh, das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich fühlte mich erleichtert! Ich war noch nie verliebt und kannte dieses Gefühl nicht. Und in diesen Jungen verliebt war ich ja auch nicht, nein. Aber ich fühlte, das ich ihn wieder sehen wollte... Naja, und so ging ich am nächsten Tag spazieren. Ich wußte ja nicht, von wo dieser Junge kam und wo er jetzt war, aber innerlich hoffte ich trotzdem, ihn zu treffen... 2. Kapitel "Weißt Du, was?", fragte Patrick mit einem Lächeln auf den Lippen. "Ja"? "Da vorne, diese Menschen dort vorne, gleich neben dem Bus...das sind meine Geschwister", meinte er ganz nebenbei, ohne das ich ahnte, auf was er hinaus wollte. "Ich stelle sie Dir gleich vor, komm mit." "Okay", sagte ich betont vorsichtig. Es kam mir alles so komisch vor, das waren wildfremde Menschen, und er war ein wildfremder Junge. Jedoch eine wildfremder Junge, der mir äußerst sympathisch war... Ich ging also mit zu diesem roten Doppeldeckerbus, der aus einer anderen Zeit zu stammen schien. Er stellte mir all seine Geschwister vor, die mich freundlich begrüßten. Mir gefiel es auf diesem Marktplatz. Diese Familie Kelly, so hießen sie, war sehr nett und ich freundete mich auch schnell mit Angelo und Maite an. Das waren richtige Wirbelwinde und wir hatten viel Spaß. Meistens gingen Patrick, Angelo, Maite und ich zum See, der ganz in der Nähe lag. Wir schwammen, machten Picknick, erzählten einander Witze,...und auch sehr häufig erzählten mir diese Geschwister von früher, all den Strassenkonzerten, die sie gegeben hatten und Mißgeschicke, die ihnen passiert waren, worüber wir jetzt alle lachen mußten. Das Vertrauen zwischen uns allen wurde immer stärker und wir wurden richtig gute Freunde... 3. Kapitel Ich wachte auf, es war 8 Uhr morgens, und die Sonne schien schon durchs Fenster. Ein herrlicher Tag!!! Heute würde ich wieder mit Angelino, Maite,...und Patrick an den See gehen. Ich freute mich so. Zu diesem Zeitpunkt war es seltsam. Ich dachte häufig an Patrick, ohne es bewußt wahrzunehmen. Erst als er an diesem Tag nirgends zu finden war, und mir Angelo und Maite sagten, er liege krank im Bett, merkte ich, wie sehr ich ihn eigentlich vermißte... Wir gingen zu dritt an den See, schwammen, erzählten einander Witze, und hatten auch sehr viel Spaß miteinander. Doch als ich abends wieder im Bett lag, da wurde mir erst richtig klar, das ich mich in Patrick verliebt hatte, und nahm mir fest vor, ihn am nächsten Tag besuchen zu gehen. Um zu schauen, wie es ihm geht. Angst...ja, ich hatte jedoch angst, das er etwas von meinen Gefühlen merken würde. Nein, das wollte ich nicht. Doch ich würde mir Mühe geben, mir nichts anmerken zu lassen. Das war der letzte Gedanke, bevor ich einschlief... "Patrick", flüsterte ich, vor dem Bus stehend. Die Kellys waren alle auf der Bühne, um ein paar neue Lieder zu proben, außer eben Patrick. Doch da ich nicht sicher war, ob er noch schlief, und ich ihn in diesem Falle nicht aufwecken wollte, war ich ganz leise. Als ich keine Antwort vom Businneren bekam, lief ich ein bißchen auf dem Platz herum. "Viola?", hörte ich die Stimme von Jimbo sagen. "Komm mal her, ich muß Dir etwas sagen." "Okay." Ich marschierte Richtung Bühne, setzte mich neben ihn auf den Boden und war mir sicher, er würde mir wieder einen seiner Witze erzählen. "Viola...", fing er vorsichtig an, und ich verspürte ein ungutes Gefühl in mir aufsteigen. "Ja?". "Ich habe Dich vorhin beim Bus gesehen. Du wolltest Patrick besuchen, ja?" "Ja. Wieso, wo ist er?". "Naja, ich muß Dir leider sagen, das er nicht im Bus ist. Kathy ist früh am Morgen mit ihm ins Krankenhaus gefahren. Er hat hohes Fieber, einen schlimmen Ausschlag, Angstzustände,...Die Ärzte meinen, es sei eine neue Krankheit. Nur sehr wenige Fälle gibt es bis jetzt. Das Fieber und die Angstzustände vergehen, das Gefährliche ist der Ausschlag." "Oh, das tut mir leid. Kann ich ihn besuchen? Es ist nämlich so, ich..." "Ja?"..."Ach...nichts. Ich möchte nur schauen, wie es ihm geht und ihm gute Besserung wünschen." Oh, ich konnte Jimmy doch nicht sagen, das ich verliebt in Patrick, seinen kleinen Bruder, war. Aber ich freute mich schon, Patrick zu sehen, und war mir sicher, das seine Krankheit nicht so schlimm war. Vielleicht fand mich Patrick ja auch ganz nett, und..."Viola? Patrick redete, bevor Kathy mit ihm ins Krankenhaus fuhr, die ganze Zeit von einem Mädchen. Er könne sie doch nicht alleine lassen, während er im Krankenhaus war und so...Hast Du eine Ahnung, von wem er redete?"...Nein!!! Nein, das durfte nicht wahr sein. Ich unternahm jeden Tag etwas mit ihm, fand ihn super nett, und sagte ihm nie etwas davon. Und jetzt hatte er sich in ein anderes Mädchen verliebt..."Nein, keine Ahnung", brachte ich noch heraus und lief traurig nach Hause... 4. Kapitel Ein paar Tage später zogen die Kellys in die nächste Stadt. Kein einziges dieser letzten Konzerte hatte ich mehr besucht. Ich war traurig...ja, ich hatte Liebeskummer, auch wenn das jetzt komisch klingt, weil ich doch erst 13 war, aber glaubt mir, auch mit 13 kann man schrecklichen Liebeskummer haben!...Es war so schlimm... Ja, das weiß ich noch, am letzten Tag, bevor die Kellys weiterzogen, habe ich mich bei ihnen verabschiedet. Zu Patrick bin ich nicht gegangen. Auch als mich Jimmy aufmunterte, ihm auf Wiedersehen zu sagen, blockte ich nur ab. Ich war wütend!!! Ich wollte niemanden sehen...und schließlich hatte Patrick ja ein anderes Mädchen, welches ihn bestimmt immer besuchte. Jimmy konnte mir auch nicht weiterhelfen...Patrick erzählte ja nicht, wer dieses Mädchen war... 5. Kapitel Das alles ist nun 10 Jahre her. Ein ganzes Jahr hatte ich getrauert. Wieso habe ich eigentlich nie daran gedacht, ihn zu suchen? Suchen hätte ich nicht mal müssen, die Kellys kamen schließlich oft zu diesem Platz zurück, um einige Konzerte zu geben. Jedes mal hatte ich mich in mein Zimmer verkrochen... Patricks Krankheit ist nie geheilt worden. Oftmals konnte er keine Konzerte geben. Es war eine hinterlistige Krankheit!!! Er bekam häufig einen starken Hautausschlag, mußte sich einsalbieren und Verbände tragen. Wenn es schlimm war, konnte er nicht auftreten...Diese Krankheit war nicht lebensgefährlich...konnte aber nicht geheilt werden... Vor 3 Monaten hat mich Jimmy angerufen...ganz plötzlich!!! Ich solle unbedingt vorbei kommen. Patrick gehe es sehr schlecht und im Traum habe er von einer Viola geredet. "Viola, er hat von Dir geredet!! Du mußt das Mädchen sein, in welches er schon vor 10 Jahren verliebt war...damals, als wir noch von Straße zu Straße zogen!"... Jetzt kam wieder alles hoch, als wenn es gerade gestern war...die schönen Tage am See, die tollen Gespräche...alles!!! Und vor allem konnte ich nicht glauben, das ich das Mädchen war, von welchem er erzählt hat. Das Mädchen, welches er nicht alleine lassen wollte! Oh nein...wieso habe ich damals nicht nachgedacht und ihn wenigstens einmal besucht...er hätte mir vielleicht alles erklärt... Ohne lange zu überlegen, packte ich eine paar Sachen zusammen, und fuhr mit dem Auto Richtung Köln...Mein Gott, wie viele Fans am Tor standen...das war ein schrecklicher Anblick! Ein Bodyguard brachte mich durch den Hintereingang, bis ich vor Patricks Zimmertür stand... 6. Kapitel Ich klopfte leise an...und trat ein. Diesen Augenblick, als mich Patrick ansah, werde ich wohl nie vergessen. Dieser Blick...eine Mischung aus Skepsis, Wut, Unsicherheit...und auch ein klein bißchen Freude. "Viola? Bist Du es?" "Ja, Patrick. Ich bin es." "Was machst Du hier? Ich meine, ich habe Dich seit 10 Jahren nicht gesehen, nichts von Dir gehört...ich dachte, Du willst nichts von mir wissen!" Oh, wieso war er so unfreundlich? Ich hatte ihm doch nichts getan... "Patrick, ich kann das alles nicht glauben." "Was, was kannst Du nicht glauben?" "Damals...mir ging es genau gleich. Ich war in Dich verliebt, wollte es Dir aber nicht sagen. Als Du im Krankenhaus warst, wollte ich Dich besuchen. Doch dann kam Jimmy zu mir und erzählte mir, das Du die ganze Zeit von einem Mädchen schwärmst. Patrick, er fragte mich, wer dieses Mädchen sein könnte. Ich hatte keine Ahnung und war so traurig...ich dachte, Du hättest jetzt eine Freundin und keine Zeit mehr für mich. Ich dachte, Du wolltest nichts mehr mit mir zu tun haben..." Wir lächelten uns an, und ich setzte mich zu ihm ans Bett. Ich fühlte mich wieder wie 13, und er meinte nur noch "Viola?" "Ja, Patrick?" "Ich sagte doch vorhin, das ich Dich damals gebraucht hätte. Ich weiß jetzt, das Du mich nicht wegen meines Geldes liebst." "Was bringt schon Geld? Die inneren Werte sind viel wichtiger und wenn es Dir wegen Deiner Krankheit schlecht geht, bin ich immer für Dich da...und natürlich auch sonst immer..." "Viola? Ich brauche Dich jetzt genauso wie damals..." By Marianne, 26. Mai + 30. Mai + 28. Juli 2001 © Marianne (Danke schön!) |
Last update: 24/09/2001
(Online since: 24/09/2001)