Elfen gibt es nicht nur im Märchen...

by Marianne   sunshine83@gmx.ch

Storypic

1993:
"Being crazy is a lonely road...but you've got only one life to live...", singt Barby voller Kraft und Liebe, während sie mit geschlossenen Augen das Mikrophon festhält, wunderschön tanzt und mit ihren Gedanken in einer anderen Welt zu sein scheint. Als das Lied zu Ende ist und sie langsam ihre Augen wieder öffnet, zeigen diese, dass sie selbst ein bisschen verwundert darüber ist, wo sie gerade ist.
Es ist Frühling, Barby und ihre Geschwister geben viele Strassenkonzerte und die Leute jubeln ihnen jedes mal zu. Die Kelly Family ist sehr bekannt in Deutschland und immer mehr Menschen bleiben vor der selbstaufgebauten Bühne stehen, um der Musik zu lauschen, welche ein buntes Gemisch aus Pop, Rock, Folk, Schmusesongs, Rock'n'Roll und Country ist.
"Barby, Du hast heute wieder wunderschön getanzt und gesungen. Woher kannst Du nur so gut tanzen? Unsere Mutter war zwar auch Tänzerin und wir haben Tanzunterricht bekommen, aber doch kannst Du es von uns allen am Besten. Ich schaue Dir immer sehr gerne beim Tanzen zu, und es scheint, als würde Dich jemand leiten, als wärst Du in einer anderen Welt, wenn Du Dich bewegst wie eine Elfe...", sagt Paddy und schaut seine grosse Schwester Barby mit einem lieben Blick an. "Wie eine Elfe...", hallen die Worte von Patrick in ihren Ohren wider. "Dankeschön Patrick, für Dein liebes Kompliment!", sagt Barby, fügt ein "Du bist dafür der beste Entertainer!" hinzu, geht aus dem roten Doppeldecker-Bus, um noch einen Einkauf zu machen, und lächelt dabei geheimnisvoll in sich hinein.
Am Abend, als das letzte der drei Konzerte mit tosendem Applaus beendet wird, gehen die Geschwister in den Bus und unterhalten sich noch ein bisschen, bevor sie sich dann in ihre Betten legen. Es ist ein sehr schöner Tag gewesen. Barby liegt noch lange wach und denkt wieder an Paddys Worte. "Wie eine Elfe..." hat er gesagt. Wenn er nur wüsste...


21. März 1989:
Es ist Frühling und die Kelly Family gibt, wie jedes Jahr, viele Konzerte in Deutschland. Die Kellys sind glücklich darüber, die Menschen mit ihrer Musik erfreuen zu können. Sie sehen immer wieder neue Gesichter, manchmal aber auch dieselben, die immer und immer wieder zu ihren Auftritten kommen. Die Geschwister beobachten während den Konzerten die Menschen im Publikum, weil sie ihnen immer etwas zurück geben, wenn sie lachen, weinen, tanzen oder springen. Barby hat beim jetzigen Konzert schon viel getanzt, und wie immer hat sie das Gefühl, zu schweben, wenn sie die Augen schliesst und sich wie von selbst bewegt. Als sie nach einiger Zeit wieder die Augen öffnet, und sich hinter ihr Lieblingsinstrument, die Congas, setzt, fällt ihr ein Junge, ein bisschen älter als sie, der im Publikum steht, ganz besonders auf. Er scheint sie schon lange zu beobachten, und sie hat das Gefühl, diesen Jungen zu kennen, obwohl sie sich sicher ist, dass sie ihn noch nie gesehen hat.
Die 4 jüngsten Geschwister, Angelo, Maite, Patrick und Barby, hecken zwischen den Konzerten immer viele Streiche aus oder gehen spazieren, schwimmen, oder machen das, was ihnen sonst noch so einfällt. Als das Nachmittagskonzert zu Ende ist, wollen sie gleich aufbrechen, um etwas neues auszuhecken, doch Barby möchte heute nicht mit. "Barby, warum willst Du nicht mit? Du hast immer so tolle Ideen, was wir machen können.", sagt little Angelo, doch Barby sagt: "Weißt Du, ich möchte mich jetzt einfach ein bisschen ausruhen. Geht Ihr nur alleine." Der Grund, warum sie nicht mitgeht, ist allerdings nicht der, dass Barby sich ausruhen möchte, nein, sie möchte nur zu gerne wissen, was es mit diesem geheimnisvollen Jungen auf sich hat...
Schon fast alle Menschen sind gegangen. Das nächste Konzert ist erst in 3 Stunden und bis kurz vor Konzertbeginn wird der Platz auch leer bleiben. Barby spaziert ein bisschen über den Platz und denkt über den Jungen nach. Sie hat die Hoffnung, dass er noch irgendwo hier ist und sie vielleicht mit ihm reden könnte. Gedankenverloren setzt sie sich auf Boden, lehnt sich an die Bühne, schliesst die Augen und summt eine Melodie, als ihr plötzlich jemand an die Schulter tippt. Barby erschrickt und springt auf! "Hey Dancing-Queen, tut mir leid, dass ich Dich erschreckt habe!" Als Barby bemerkt, dass es der Junge von vorhin ist, der sie angetippt hat, umrandet ein Lächeln ihre Lippen. "Ich war gerade am träumen. Aber trotzdem hallo.", kommt es ein bisschen schüchtern aus Barbys Mund. "Wer bist Du, und warum nennst Du mich Dancing-Queen?" fragt Barby jetzt schon etwas mutiger. "Ich bin Ailoro. Warum ich Dich Dancing-Queen nenne? Weil Du eine Dancing-Queen bist.", lächelt Ailoro und Barby freut sich darüber, so genannt zu werden, denn das Tanzen ist ihre allergrösste Leidenschaft. "Hast Du Lust auf einen Spaziergang? Ich möchte Dir gerne etwas erzählen, denn Du bist etwas besonderes und ich möchte Dir gerne alles erklären.", sagt Ailoro. Barby ist einverstanden mit dem Spaziergang, doch sie versteht nicht ganz, was er ihr erklären will. Sie ist doch einfach nur Barby, ein Mitglied der Kelly Family, sie ist nicht spezieller als ihre Geschwister oder sonst irgendwer...Doch nur nach kurzer Zeit schon wird ihr klar, dass sie doch anders ist, auch wenn sie es irgendwie noch nicht richtig glauben kann, denn was Ailoro ihr da erzählt, ist einfach crazy...


20. März 2004:
Barby sitzt bei ihren drei Kindern am Bett, wie jeden Abend, und überlegt sich, was sie ihnen heute für eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen könnte. Ihr jüngster Sohn ist der 6-Jährige James, ein aufgeweckter Junge. Er erinnert sie ein bisschen an Angelo, als er noch klein war. Ihr mittleres Kind ist ein Mädchen. Es heisst Laila und ist 7 Jahre alt. Sie ist sehr zart und klug. Die älteste ist 9 Jahre alt und heisst Barbara, wie sie selber. Barby liebt ihre Kinder über alles und sorgt gut für sie, auch wenn es nicht immer einfach ist, da sie ihren Mann und die Kinder ihren Vater nicht oft sehen. Doch Barby weiss, dass dies so sein muss, das alles seinen Sinn hat.
"Mama, warum ist unser Dad eigentlich immer nur im Frühling da?", holt Barbara ihre Mutter aus ihren Gedanken zurück. Oh! Barby wusste, dass diese Frage eines Tages kommen würde und sie wusste, dass sie es ihren Kindern irgendwann erzählen musste. Sie wollte es auch, und hätte es auch eines Tages von sich aus selber erzählt, doch bis jetzt hatte sie noch nicht den richtigen Zeitpunkt gefunden. Doch nun scheint er gekommen zu sein, dieser magische Moment, in dem ihre Kinder erfahren würden, wo und was ihr Vater ist und was auch sie ist. "Setzt Euch ganz nahe zu mir. Ich möchte Euch etwas erzählen." Die Kinder kuscheln sich an ihre Mama und Barby fängt an zu erzählen...
"Wie Ihr wisst, habe ich schon immer gerne getanzt. Heute tanze ich nur hier zu Hause, da ich im Moment nicht auf der Bühne tanzen möchte. Meine Geschwister fragen mich immer, wo ich so gut tanzen gelernt habe, doch ich muss ihnen immer antworten, dass ich es nicht weiss. Wenn ich meine Augen schliesse, beginne ich zu schweben, ich tanze, als würde es nichts anderes geben und fühle mich wie in einer anderen Welt. Mit 14 Jahren habe ich einen Jungen kennen gelernt. Er ging mit mir spazieren, und was er mir da sagte, konnte ich nicht glauben..."
"Mama, nun erzähl schon!", fordern sie alle drei Kinder gleichzeitig auf. Barby holt tief Luft. "Er...nun ja...er hat mir erzählt, ich sei etwas besonderes, ich sei...eine Elfe...genau wie er..." Barby hält inne und schaut ihre Kinder an. Sie sind etwas verwundert, und der kleine James sagt: "Mama, im Fernsehen gibt es viele Filme mit Elfen, aber alle Leute sagen, dass es sie richtig nicht gibt, dass sie nur im Märchen existieren." "Mein lieber Jamie, komm auf meinen Schoss.", sagt Barby und hält ihren Kleinsten ganz liebevoll fest, bevor sie weitererzählt: "Ja, ich dachte auch, dass es Elfen nur im Märchen gibt, bis ich selber eine kennen gelernt habe. Ailoro, Euer Vater, kennt mich, seit ich auf der Welt bin. Er war jeden Frühling in meiner Umgebung, doch ich konnte ihn nicht sehen, er hat sich immer versteckt, bis ich 14 Jahre alt war. Wenn Menschen Elfen sehen, wissen die Menschen nicht, dass dies Elfen sind." "Doch warum gibt es denn trotzdem das Märchen über Elfen?", fragt Barbara. "Nun ja, einige Elfen haben den Menschen aus Versehen erzählt, dass es Elfen gibt, doch die Menschen glaubten ihnen nicht und machten ein Märchen daraus."
"Meine lieben Kinder, nun müsst Ihr aber schlafen. Morgen erzähle ich Euch mehr von Eurem Vater und mir und dem Land der Elfen, wo alle wunderschöne Kleider tragen und tanzen." Barby ist glücklich darüber, es ihren Kindern erzählt zu haben. Sie gibt allen einen Gutenachtkuss und legt sich dann selber schlafen.


21. März 2004:
An diesem Frühlingsanfang sind Barby und ihre Kinder früh auf. Barby möchte mit ihren Schützlingen einen Spaziergang in die Natur machen und ihnen dort mehr über die Elfen erzählen. Die Vögel zwitschern, alles beginnt zu blühen und die Sonne lässt die Natur erwachen. Die vier machen sich auf den Weg, spazieren über Felder und Wiesen, gehen durch den Wald und machen bei einer Lichtung halt. Dort breiten sie ihr Picknick aus und geniessen den wunderschönen Tag. "Mama, erzähl uns jetzt weiter!", bittet Laila ihre Mutter. Alle vier liegen auf dem Rücken und schauen in die Sonne, als Barby weiter erzählt: "Damals, im Frühling 1989, hat mir Ailoro erzählt, dass alle Elfen so wunderschön tanzen können, denn mit dem Tanz drücken sie ihre Gefühle aus, es ist sozusagen ihre Sprache. Klar können sie reden, aber ihre Tänze sagen mehr als tausend Worte." Die Kinder sind fasziniert und lauschen ihrer Mutter konzentriert. "Von da an wusste ich also, warum ich so gut tanzen kann, doch meinen Geschwistern darf ich es nicht sagen, denn die Elfen möchten, dass die Menschen weiterhin denken, es sei nur ein Märchen, was man über Elfen erzählt. Am Frühlingsende sagte Ailoro zu mir, dass er jetzt gehen müsse und erst im nächsten Frühling wiederkomme." "Aber warum, Mama?" fragt Jamie. "Der Frühling ist die Zeit, in der die Elfen andere Elfen, die bei Menschen leben, kennen lernen und mit ihnen zusammen sind. Doch die Elfen, deren ganze Familie auch Elfen sind, leben während den anderen Jahreszeiten im Elfenland, weit weg von hier. Sie haben dort viel zu tun. Das ist der Grund, warum Euer Dad nur im Frühling bei uns ist." Barbara ist sehr glücklich darüber, dass sie nun die Wahrheit weiss. Sie dachte schon, ihre Eltern hätten Streit und würden sich deshalb nur so selten sehen. Auch Barbaras Geschwister lächeln jetzt. Und Barby fügt hinzu: "Auch wenn Euer Dad nur im Frühling bei uns ist, ist er das ganze Jahr da, er ist in Euren Herzen und passt auf Euch auf. Und wenn Ihr den Mond beobachtet, ihn Euch ganz genau anseht, dann könnt Ihr Euer Dad sehen, denn das Elfenland spiegelt sich im Mond, und wenn Ihr dorthin seht, dann lächelt er Euch zu."

Als es schon später Nachmittag ist, machen sich Barby und ihre Kinder auf den Weg nach Hause. Mitten auf einer Wiese entdecken sie eine rote Rose. "Mama, warum blüht schon im März eine rote Rose und warum nur eine einzige?", fragt Laila. Barby lächelt. Sie hat ganz vergessen, es ihnen zu erzählen! "Diese rote Rose ist etwas besonderes! Sie kommt aus dem Elfenland und blüht immer nur am 21. März, dem Frühlingsanfang. Wenn Ihr diese Rose seht, bedeutet dies, dass Euer Dad auf dem Weg zu uns ist. Schon heute Abend werden wir ihn alle sehen."

Nach dem Nachtessen warten alle auf Ailoro. Es klopft an die Türe, und alle springen voller Freude auf! Sie machen ihrem geliebten Elfen-Vater die Türe auf und Jamie springt seinem Dad auf den Arm. Sie begrüssen sich alle, und Jamie flüstert seinem Vater in's Ohr: "Dad? Alle erzählen immer, dass es Elfen nur im Märchen gibt, doch ich habe schon immer gewusst, dass es nicht nur ein Märchen ist..." Ailoro hält seinen Kleinen noch fester in seinen Armen und lächelt Barby und seinen beiden anderen Kindern liebevoll zu.


By Marianne, 29. April 2004


© Marianne


Diese Story hat beim Story-Contest April/Mai 2004 mitgemacht.


Diese Story ist mit folgendem Award ausgezeichnet:

Story-Award April/Mai 2004 Marianne


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Last update: 11/06/2004

(Online since: 01/05/2004)


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