Hey little girl
(When dreams come true)
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John fuhr aus dem Schlaf hoch. Sein Herz klopfte wild und war ihm gleichzeitig schwer von unerfüllter Sehnsucht. Da war er wieder gewesen, dieser Traum, der ihn immer öfter in der Nacht heimsuchte. John stand auf und trat ans offene Fenster. Er atmete die kühle Nachtluft tief ein. Sie war erfüllt vom Zirpen der Grillen und von verschiedenen Düften, die er nicht deuten konnte. Er wusste nur eins – so roch es nur hier in Spanien. Er kehrte immer gerne in sein Heimatland, in dem er eine so glückliche, wenn auch oftmals arme Kindheit verbracht hatte, zurück – meistens dann, wenn er ein paar Tage allein sein wollte, um zu sich zu finden, um zu entspannen, die Natur zu genießen und das ein oder andere Lied zu schreiben.
Doch selbst sein geliebtes Spanien konnte ihm diesmal nicht die Geborgenheit vermitteln, nach der er sich sehnte. Obwohl er schon drei Tage hier war, wollte sich das Gefühl der Entspannung und des Friedens einfach nicht einstellen. Spätestens nachts wurde John wieder eingeholt von diesem Traum – dem Traum seiner großen Liebe, die er unbedingt finden wollte. Seit sie ihm in jener Nacht erschienen war, konnte John an nichts anderes mehr denken. Sie schaute ihn mit ihren großen dunkelblauen Augen lange an und in diesen von blonden wallenden Locken umspielten Augen schimmerte ein Ausdruck der Leidenschaft und bedingungslosen Liebe, wie er ihn noch nie zuvor bei einer Frau gesehen hatte. Er schien fast in dem tiefen Blau ihrer Augen zu versinken, als sie ihm zuflüsterte: „Ich warte auf Dich, Juan!“. Dann verschwamm ihr Bild langsam vor seinen Augen... Wieder und wieder hatte er diesen Traum jetzt schon geträumt, der ihn einfach nicht zur Ruhe kommen ließ. Natürlich war es nur ein Traum, doch John glaubte von jeher an die Magie der Träume und daran, dass sie wahr werden können, wenn man nur fest an sie glaubt. Das hatte er immer wieder von seiner Mutter gehört und wie so oft hatte sie Recht behalten. So viele von John´s Träumen waren schon Wirklichkeit geworden, mehr, als er je für möglich gehalten hätte. Und so war er davon überzeugt, dass auch dieser immer wiederkehrende Traum wahr werden würde. So lange wartete John nun schon auf die große, innige Liebe, die Frau, mit der er sein Leben verbringen würde. Oft schon hatte er befürchtet, sie nie zu finden und war auch alleine gut zurecht gekommen, doch tief in seinem Inneren hatte er sich immer nach ihr gesehnt – bis zu der Nacht, als sie ihm das erste Mal im Traum begegnete. John wusste seitdem: Er würde ihr begegnen, irgendwie, irgendwann, irgendwo. „Sie wartet da draußen auf mich und ich werde sie finden.“ dachte John, als er wieder ins Bett stieg und in einen tiefen Schlaf fiel. Am nächsten Tag machte er einen Ausflug in die nächstgrößere Stadt. Das muntere Treiben der Menschen tat ihm gut und er genoss es, den Straßenmusikanten zu lauschen, die hier an jeder Ecke spielten und denen er sich noch immer so verbunden fühlte. Nachmittags suchte John sich ein gemütliches Café, um eine Kleinigkeit zu essen. Er ließ sich an einem kleinen Tisch nieder und studierte neugierig die Karte, als er eine weiche Stimme vernahm: „Ist hier noch frei?“ John blickte auf und es durchfuhr ihn heiß und kalt, als er sah, wer da vor ihm stand – die Frau aus seinen Träumen! Er wagte es kaum zu glauben, doch sie war es wirklich. Die blauen Augen, die langen Locken – kein Zweifel! „Ist alles in Ordnung?“ hörte John sie fragen und bemerkte erst jetzt, dass er sie mit offenem Mund anstarrte. „Äh, ja, selbstverständlich...“ stammelte er verwirrt und mit einem dankbaren Nicken nahm sie ihm gegenüber Platz. Nachdem sich John wieder einigermaßen gefasst hatte, ging alles sehr schnell und wie von ganz allein. Sie kamen ins Gespräch und John wunderte sich kaum, dass sie sich einander gleich sonderbar vertraut waren – sie kannten sich schließlich schon lange, wenn auch nur aus seinen Träumen und John konnte es noch immer nicht glauben, dass dieser Traum nun in Gestalt dieser hübschen Frau vor ihm saß. Es wurde Abend und sie verließen das Café. Paula lud ihn noch zu sich auf ein Glas Wein ein und er zögerte keine Sekunde, ihrer Bitte nachzukommen. Es blieb nicht bei diesem einen Glas und bald verlor John seine Hemmungen, die es ansonsten nie zugelassen hätten, dass er Paula bereits jetzt schon in seine Arme zog und sie zärtlich küsste. Er wollte nicht mehr länger warten, er hatte sein ganzes Leben gewartet und endlich hatte er sie gefunden, seine Liebe, die er nie mehr loslassen würde. Doch John wurde abrupt aus seinem Rausch gerissen, als Paula ihn plötzlich sanft von sich wies. Verlegen sah sie in sein überraschtes Gesicht. „Es tut mir leid, John, ich kann nicht.“ Das schlechte Gewissen packte ihn. Wie konnte er nur so überstürzt handeln – sie wusste schließlich noch nicht, was sie ihm bedeutete, wie oft sie ihm nachts erschienen war. „Es tut mir leid...ich will Dich zu nichts drängen. Verzeih´ mir, es war dumm von mir!“ „Nein, es ist nicht Deine Schuld...aber es würde nicht gutgehen mit uns beiden.“ „Wie meinst Du das?“ fragte John erschüttert. „Als ich Dich in diesem Café sitzen sah, da war mir klar, dass ich Dich kennenlernen musste. Ich hoffte, es würde zu dem kommen, was Du beginnen wolltest, doch ich weiß jetzt, es ist falsch, John. Es waren wunderschöne Stunden heute, doch sie haben mir gezeigt, dass Du etwas ganz Besonderes bist. Ich sehe es in Deinen Augen...da ist so viel Liebe, so viel Sehnsucht in Dir. Du bist nicht einfach ein schnelles Abenteuer, auf das ich eigentlich aus war. Du verdienst so viel mehr und ich kann es Dir nicht geben. Ich bin nicht die Richtige für Dich, es tut mir leid!“ John verstand kein Wort. Sie war doch die Frau aus seinen Träumen, wie kam sie darauf, dass sie nicht die Richtige für ihn sei? Als er kurze Zeit später ging, schien auch ein Teil von ihm zu gehen, der Teil, der immer an seine Träume geglaubt hatte. An seinem letzten Tag in Spanien führte John der Weg zu seinem alten Freund Carlos, seinen früheren Gitarrenlehrer. Sie hatten sich schon lange nicht mehr gesehen und John freute sich auf ein paar gemütliche Stunden, die ihn sicherlich von seiner Trauer ablenken würden, von der sein Herz noch immer erfüllt war, seitdem sein schönster Traum geplatzt war und Paula ihn weggeschickt hatte. Er war gespannt, was aus Carlos´ Tochter Maite geworden war. Sie kannten sich von klein auf und es hatte sie immer ein inniges Verhältnis verbunden, wie er es sonst nur von seinen Geschwistern kannte. Als John auf das alte Haus zulief, das noch immer so aussah wie damals, als sie darin musiziert hatten, sah er sie sofort. Maite stand singend im Garten und goss die Blumen. John staunte: Sie war eine wunderschöne junge Frau von zierlicher Gestalt geworden. Ihre langen braunen Haare wehten im sanften Sommerwind und ihre klare, helle Stimme schien bis in sein Herz vorzudringen und seine Trauer verfliegen zu lassen. John lächelte, als er daran zurückdachte, wie er Maite als kleiner Junge auf dem Arm halten durfte. Damals war sie noch ein Baby gewesen, doch die Zeit schien seitdem rasend schnell vergangen zu sein. Als Maite aufblickte und ihn erkannte, lief sie strahlend auf ihn zu. John fühlte sich fast geblendet von dem Liebreiz ihres lachenden Gesichts. „Juan, bist Du´s wirklich? Wie schön, Dich wiederzusehen!“ Sie umarmten sich herzlich und als John in ihre dunklen Augen sah, schlug sein Herz auf einmal rasend schnell. Er sah diesen Ausdruck in Maite´s Augen, den er bislang nur aus seinen verloren geglaubten Träumen kannte – einen Ausdruck der Leidenschaft und unendlich tiefen, bedingungslosen Liebe... Noch ehe sich John seiner Gefühle richtig bewusst werden konnte, hörte er eine Stimme hinter sich. „Holá Maite, que tal!“ Er traute seinen Augen kaum, als er niemand anderen als Paula den Weg zum Haus entlangkommen sah. „Holá Paula! Darf ich vorstellen: Das ist John Kelly. John, das ist meine beste Freundin Paula.“ John errötete bis zu den Haarwurzeln – das war eindeutig zu viel für ihn. Konnte die Welt tatsächlich so klein, das Schicksal so rätselhaft sein?! „Das ist der John, von dem Du mir schon so viel erzählt hast?“ Paula sah in erstaunt an, als sie ihn erkannte. „Du wirst es nicht glauben, Maite, aber ich kenne ihn. Wir haben uns neulich zufällig kennengelernt. Du hattest Recht, er ist wunderbar!“ Nun war es Maite, deren Gesicht eine rötliche Farbe annahm. Sie sah John fast schüchtern in die Augen und als er wieder diese Tiefe in ihrem Blick vernahm, diesen zärtlichen Ausdruck, da spürte er ganz tief in seinem Herzen, dass er in Maite finden würde, wonach er suchte. Auch, wenn es zuerst anders ausgehen hatte: Es war doch richtig gewesen, an ihn zu glauben, seinen Traum, der gerade erst begann, Wirklichkeit zu werden... Believe in your dreams! © Maren (21.05.2004) |
Last update: 11/06/2004
(Online since: 11/06/2004)