Paddy und Maria

by Mara

Drei Jahre war es nun her, das Paddy ins Kloster gegangen war. Er hatte sich dorthin zurückgezogen, um endlich Ruhe zu finden. Mittlerweile war er 29 Jahre alt und hielt es jetzt für den richtigen Moment, wieder zurückzukehren. Ob er wieder Musik machen wollte wusste er noch nicht. Denn die hatte ihn ja fast regelrecht in die Isolation getrieben. Er hatte in den Jahren vorm Kloster nie wirklich Ruhe und Zeit für sich gehabt. Unter anderem wurde er von aufdringlichen Fans belagert, wie auch seine Geschwister ständig belagert wurden an ihren Wohnorten. Seine Geschwister hatten sich immer zu helfen gewusst, aber ihm wurde das alles zuviel. Er hatte noch nicht einmal die Ruhe, sich verlieben zu können. Ab und zu mal hatte er Frauen kennengelernt, die aber aus Angst vor den Fans - den eifersüchtigen – immer einen Rückzieher gemacht hatten. Und das tat weh. Im Herbst 2004 hatte er sich nach einer Tour komplett zurückgezogen und die meisten Fans hatten es akzeptiert. Er widmete sich der Religion zu und fand dort seinen Frieden. Doch nun wollte er "nach Hause".

Es ist nun Sommer 2007, als Paddy sich auf den Weg Richtung Köln macht. Er sitzt, ganz normal, in einem Zug, der ihn von Südfrankreich aus nach Deutschland bringt. Seinen Geschwistern hat er von seiner Rückkehr noch nichts erzählt. Er weiß auch noch nicht, welchen von ihnen er zuerst besuchen soll. Kathy ist gewiss auf Tour, Johnny in Spanien mit seiner Frau Mayte. Jimmy, weiß er nicht. Joey hat Familie – Tanja und seine zwei Jungs. Patricia ebenfalls mit Mann Denis und zwei Söhnen. Selbst Maite hat mit ihrem Mann Florent eine mittlerweile 1 ˝ jährige Tochter, Stella. Angelo ist auch schon dreifacher Vater. Kira hat ihm zwei Söhne, Gabriel und Joshua, und eine Tochter, Helen, geschenkt. Bleibt noch Barby. Sie hatte sich damals auch zurückgezogen, früher als er, aber nicht früh genug. Lange war es ihr nicht gut gegangen. Doch mittlerweile war sie fast wieder gesund. Sie hatte einen jungen Mann kennengelernt, der sie glücklich machte. Sie wollte Paddy zuerst besuchen. Seine "Lieblingsschwester", wie er früher schon immer zu sagen pflegte. Ja, er freut sich auf ihr Gesicht, wenn sie die erste ist, die von seiner Rückkehr erfährt. Damals war sie sehr betrübt gewesen, als er ging. Aber sie verstand ihn, mehr als jeder andere seiner Geschwister.

So vor sich hin träumend saß Paddy nun in seinem Abteil. Er strich seine Haare zurück, sie waren schulterlang. Die Haarlänge von früher wollte er nicht mehr haben, aber bis zur Schulter, das gefiel ihm. Es klopfte an der Abteiltüre. Eine junge Frau mit dunklen Locken fragte, ob vielleicht noch ein Platz frei wäre. Paddy nickte und half ihr herein. Sie hatte eine Kinderwagentragetasche mit einem Säugling dabei. Dankbar lächelte sie ihn an. Sie verstaute ihr Gepäck und nahm Platz. "Patrick Kelly, nicht wahr?" Er nickte leicht verstört, weil er auf irgendeine unmögliche Reaktion wartete. "Keine Bange, ich höre zwar gerne ihre Musik, aber ich bin absolut nicht hysterisch. Aber die Zeiten sind doch sowieso schon vorbei, oder?" Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: "Gut sehen sie aus. Der Aufenthalt in Frankreich hat ihnen sichtlich gut getan. Meine Nachbarin erzählte mir vor drei Jahren davon." Paddy war erstaunt, wie viel diese fremde Frau über ihn wusste, ohne gleich als hysterischer Kreischanfall-Fan zu agieren. Der Säugling fing an zu weinen und sie holte das Kind aus der Tragetasche. Es musste erst ein paar Wochen alt sein, so winzig wie es war. Die junge Frau wollte ihr Kind zum Stillen anlegen, als Paddy sich mit den Worten "Ich lasse ihnen ein bisschen Ruhe" zurückzog. Dankbar lächelte sie und Paddy verließ das Abteil. Auf dem Gang war es ruhig. Er war so erleichtert, das es noch normale Menschen gab und das die hysterische Zeit wohl nun endgültig vorbei war und freute sich auf die Zukunft. Als er später ins Abteil zurückkam gluckste das Baby glücklich im Arm der Mutter.
"Wie alt ist ihr Kind, wenn ich fragen darf? Es sieht noch sehr klein aus."
"Nikkia ist gerade mal vier Wochen alt. Ich war in Frankreich bei einer Freundin zu Besuch, als die Wehen einsetzten, so ist sie dort zur Welt gekommen. Man kann halt nichts planen."
"Und der Vater der Kleinen? Ist er in Deutschland?"
Die junge Frau schüttelte den Kopf und musste sich erst mal sammeln, bevor sie weitersprach.
"Er hat sich das Leben genommen, als er von meiner Schwangerschaft erfuhr. Denn, was ich nicht wusste, war das er neben mir wohl noch ein paar Freundinnen hatte. Und es war wohl nicht die erste Vaterschaft, weswegen er sich den Kopf zerbrach. Im nachhinein ist es besser so. Ich werde mit meinem Kind besser klarkommen, als wenn dann noch so ein Windhund dabei ist, der von Treue nichts hält. Das wäre nie und nimmer gutgegangen. Entschuldigen sie, das ich jetzt so aufbrause. Er war ein Feigling."
"Das ist schon in Ordnung. Der Ärger muss ja zwischendurch auch mal an die Luft. Ich weiß, wovon ich rede." Paddy lächelte sie an und fragte, ob er das Baby mal halten dürfe.
Sie gab es ihm behutsam in den Arm und er lächelte den kleinen Menschen glückselig an. Nikkia lächelte zurück und ihm wurde es warm ums Herz. "Sie ist so hübsch. Ganz die Mama" Die junge Mutter lächelte und wurde rot. Paddy sah, das er sie verlegen machte, entschuldigte sich und lud sie auf einen Kaffee ein.
Eine Stunde, bevor der Zug in Köln eintreffen sollte, waren die beiden so sehr in ein Gespräch vertieft, das sie den Säugling erst hörten, als es laut quäkte. Es war wieder hungrig, das kleine Mädchen. So zog Paddy sich noch einmal zurück, damit Mutter und Kind ungestört waren.
Maria, so hieß die junge Mutter, und er hatten die Adressen ausgetauscht, weil sie das Gespräch irgendwann fortsetzen wollten. Sie waren sich sehr sympathisch und Paddy war froh, auf einen normalen Menschen getroffen zu sein, denn was ihn in Köln erwartete, das wusste er ja noch nicht.
Der Zug fuhr in den Bahnhof ein. Paddy zog die Sonnenbrille auf und packte sein Gepäck zusammen. Er half Maria mit ihrem Gepäck aus dem Zug heraus und sie kam mit dem Kinderwagen hinterher. Dann verabschiedeten sie sich. Sie wollten telefonieren. Paddy schlurfte zum Taxistand und ließ sich zu seiner "Lieblingsschwester" fahren.
Bei Barby war die Freude natürlich groß und sie telefonierte erst mal die ganze Familie zusammen, das der Bruder zurück sei. Barby und ihr Freund Markus hatten sich ein Häuschen gemietet, weil sie in absehbarer Zeit auch eine Familie gründen wollten. Platzmangel wegen Familienbesuch gab es nun nicht. Spontan wurde eine kleine Wiedersehensfeier veranstaltet.

Die Wochen vergingen wie im Flug. Paddy hatte sich schnell wieder eingelebt. Er hatte sich eine Wohnung am Stadtrand von Köln gesucht und bisher war auch keinem aufgefallen, das er wieder da war und wo er war. Durch seine halbwegs "neue" Frisur erkannte man ihn auch nicht. Und im Sommer konnte er ja notfalls immer noch die Sonnenbrille zur Tarnung anziehen. Ab und zu hatte er schon mal mit Maria telefoniert. Doch sie hatten sich noch nicht wieder getroffen. Er hatte noch so viele Dinge zu erledigen, das bisher keine Zeit dazu war. D beide aber über einen Computer verfügten, schrieben bzw. chatteten sie regelmäßig. Meistens hatten sie die Webcam an und so verfolgte Paddy amüsiert, was die kleine Nikkia schon für Fortschritte machte.

Langsam wurde es Herbst. Maria und Paddy hatten endlich mal Zeit gefunden sich zu treffen. Nikkia war inzwischen schon drei Monate alte und konnte schon so richtig lachen und reagierte auf vieles. Sie war sehr aufmerksam und als Paddy sie dann in den Arm nahm, merkte man sofort, das sie ihn mochte. Das erste, was er von ihr bekam, war ein dicker Babyschmatzer. Maria lachte lauthals und auch Paddy konnte sich das nicht verkneifen. Er hatte aber auch einen Narren an der Kleinen gefressen. Sie hatte sein Herz im Nu erobert. Er war so mit Nikkia beschäftigt, das Maria sich laut räusperte, damit sie dann doch mal beim Kellner die Bestellung aufgeben konnten und ein bisschen über die letzten Wochen reden. Irgendwann ging das dann auch ganz ohne Babygegluckse, da Nikkia eingeschlafen war.
Nach dem Essen begleitete Paddy Maria und Nikkia nach Hause. Sie lud ihn noch auf einen Kaffee ein, doch er verneinte. "Vielleicht ein anderes Mal. Ich muss noch zu meinen Geschwistern ins Studio. Wir überlegen, ob ich nun bei der nächsten Platte mit dabei bin oder nicht. Ich bin mir noch nicht so sicher, ob das nicht noch zu früh ist."
"Das du ins Studio gehst, ist okay. Und bitte, bitte sag nicht nein, wenn deine Geschwister dich fragen, ob du mitmachst. Ich möchte dich auch gerne wieder singen hören. Du hast gefehlt in den letzten Jahren. Wirklich."
"Maria, ich kann, wenn du willst nur für dich singen. Aber ich weiß nicht, was kommt, wenn alle Bescheid wissen, das ich wieder da bin."
"Na und? Wenn manche meinen, sie müssten wieder spinnen, dann sag ihnen die Meinung. Das hättest du schon früher machen sollen. Sag ihnen, das du sofort aufhörst zu singen, wenn sich wieder eine Hysterie einstellt. Wenn du das dann auch so meinst, wohlgemerkt."
"Da hast du Recht. Danke, Maria. Du, ich rufe Dich morgen an und gebe Dir Bescheid, wie´s mit meiner Familie war, okay?"
"Wunderbar. Ich freue mich und es war ein wundervoller Tag heute. Danke Paddy."
"Ich habe zu danken. Du tust mir gut." Paddy drückte Maria und Nikkia einen Kuss auf die Wange und ging. Maria wurde schon wieder rot, aber das sah er nicht mehr. Sie ging verträumt mit ihrer Tochter auf dem Arm die Treppen zu ihrer Wohnung hoch und vergaß für ein paar Augenblicke die Welt um sich herum. Bis Nikkia quiekte. Maria nahm sich zusammen. Sie konnte sich doch nicht einfach verlieben. Paddy meinte, das sie ihm gut täte, nicht das er verliebt sei. Außerdem, wer angelt sich schon eine mit Kind. Klar konnte er Nikkia leiden, aber es war und sollte immer freundschaftlich bleiben.

Paddy saß mit seinen Geschwistern im Aufenthaltsraum des Studios. Er war irgendwie im Wachtraum, als sein jüngerer Bruder ihn anstupste. Angelos jüngstes Kind wuselte gerade um Onkel Paddy herum und benutzte ihn als Klettergerüst. Das war Paddy schon von früher gewohnt und das liebte er. Er liebte Kinder und sehnte sich insgeheim nach nichts anderem, als in einer glücklichen Beziehung mit vielen Kindern zu sein. Warum kam er jetzt darauf? Lag das an Maria und Nikkia? Ach, Quatsch! Nun versuchte er angestrengt sich auf seinen Bruder zu konzentrieren, was ihm teilweise auch gelang. Angelo schob es sowieso auf seinen Jüngste, der Paddy bekletterte. Paddy entschied sich zur Freude aller beim nächsten Album wieder mit dabei zu sein. Auch Barby wollte für ein oder zwei Lieder wieder mit ins Studio. Das diese Lieder mit Paddy zusammen gesungen wurden, verstand sich fast von selbst. Spät am Abend stoben dann sämtliche Geschwister in alle Richtungen nach Hause.

Paddy setzte sich in der Nacht noch mal an den Computer. Er schaltete die Webcam ein und hoffte, das Maria online war. Sie war! Freudig erzählte er vom Treffen mit seiner Familie und das Barby auch ein bisschen mitsingen würde. Maria freute sich bald noch mehr als er. Und dann stutzte Paddy kurz. Er wollte ihr schreiben, das er sie vermisste, war sich nicht sicher, wie. Doch dann sah er, das er das in Gedanken versunken schon längst geschrieben und abgeschickt hatte. Ein verdutztes Gesicht sah nun in die Webcam. Maria stutzte auch, dann lächelte sie und schrieb: Ich vermisse dich auch. Dann verabschiedeten sie sich und gingen zu Bett.

Am nächsten Morgen schrieb Paddy sofort einen kleinen Brief, den er per Kurier zu Maria bringen ließ. Diese schaute dann noch verdutzter als am Abend zuvor als sie den Brief öffnete.
"Willst Du mit mir gehen?
Ja O Nein O Vielleicht O"
Sie las, schaute verdattert um sich, ob er in der Nähe war und las noch mal. Dann kreuzte sie JA an und ließ den Brief per Kurier wieder zu Paddy bringen. Der geduldige Mann grinste sich einen und lieferte es sorgfältig ab. Paddy strahlte und konnte sich Marias Gesicht schon buchstäblich vorstellen. Dann klingelte sein Handy.
"Ja, bitte?"
"Du bist soooo süß!!!"
"Was? Wer ist denn da?"
"Maria. Ich finde das echt wundervoll, was du heute gemacht hast! Sehen wir uns nachher?"
"Können wir. Ich komme zu Dir. Okay? In etwa drei Stunden. Ich muss noch was erledigen."
"Okay. Ich freue mich. Du bist süß, echt wundervoll!"
"Äh... na ja... okay. Dann bin ich das wohl. Hihi. Bis nachher, Maria."
Maria merkte, das nun Paddy verlegen war und sie freute sich irgendwie. Paddy hingegen sah den verdutzten Kurier an, der nicht wusste, warum Paddy nun eine knallrote Birne hatte.
Verlegen grinste er den Kurier an, bezahlte ihn und machte noch seine Besorgungen.
Drei Stunden später erschien er bei Maria. Er hatte einen riesengroßen Strauss Rosen besorgt und überreichte ihn ihr. Sie lächelte ihn an und bat ihn herein. Nikkia strahlte ihn an und ließ sich auf den Arm nehmen und knuddeln. Maria hatte gekocht und nun aßen sie zusammen. Paddy fütterte Nikkia, die das noch lange nicht jeden machen ließ. Maria war erstaunt, das sie sogar weniger meckerte als bei ihr. Dann war es für die Kleine Zeit ins Bett zu gehen. Paddy fragte, ob er das machen dürfte. Er würde das sehr gerne machen. Maria nickte. Dann setzten sie sich wieder zusammen an den Tisch und schwiegen sich lächelnd eine Weile an. Paddy rückte mit dem Stuhl etwas näher und nahm ihr Gesicht sanft ein seine Hände. Dann gab er ihr einen langen, weichen, leidenschaftlichen Kuss. Maria verging Hören und Sehen, so wahnsinnig toll fühlte sich das an. Und auch Paddy meinte noch nie vorher so empfunden zu haben. Er zog sie zu sich auf den Schoß und drückte sie an sich. So saßen sie lange da und taten nichts anderes als sich zu küssen und zu umarmen. Sie waren glücklich. Sehr glücklich.

Spät, sehr spät ging er dann nach Hause. Man sollte es ja langsam anlaufen lassen. Und dieses wunderbare Gefühl trug ihn durch die Nacht.
Maria saß noch lange wach und schwelgte in Erinnerung an diese Küsse.

So oft es ging, sahen sich die beiden. Paddy war mit seinen Geschwistern sehr oft im Studio und Maria hatte auch eine Arbeit gefunden. Sie konnte für eine Zeitung Korrekturen durchführen. Am PC, so das sie korrigierte Texte per Email an die Zeitung schickte. Denn so früh wollte sie Nikkia noch nicht in den Kindergarten stecken. Mittlerweile wusste auch Paddys Familie, das Paddy eine Freundin hatte. Zwar hatten sie Maria noch nicht kennengelernt, aber gespannt waren sie alle, wer Paddy dieses strahlende Grinsen aufs Gesicht gezaubert hatte. Er erzählte viel von ihr, wollte aber bis zum Weihnachtsfest warten, um sie seiner Familie vorzustellen. Erst wollte er seine Zeit mit ihr genießen. Denn wenn seine Geschwister sie mochten, würde sie sicherlich irgendwann komplett in Beschlag genommen werden. Hier ein Besuch, da mal gemeinsam shoppen. Gerade seine Schwestern konnten das gut. Also wollte er erst mal in Ruhe sein Glück genießen.

Als es dann Schritt für Schritt auf die Adventszeit zuging, fing er zumindest schon mal an, Barby seine Freundin vorzustellen. Denn bei Barby und Markus sollte in diesem Jahr das Fest mit der ganzen Familie abgehalten werden. Barby und Maria verstanden sich auf Anhieb sehr gut. Zumal Paddys Schwester von der nun fünf Monate alten Nikkia hin und weg war. Wenn Paddy mal mit Maria ausgehen wollte, brauchte er nur Barby fragen, sie würde sofort auf die Kleine aufpassen. Das fand das junge Pärchen natürlich gut. Barby meinte, sie müsse sich ja mal so langsam einstellen auf ein Kind. Stutzig sah Paddy sie an. Und seine Schwester lächelte vielsagend. Markus sah stolz auf seine Freundin. "Wir werden Eltern! Seit gestern wissen wir es und wenn der Arzt richtig gesehen hat, bekommen wir Zwillinge. Aber das sehen wir bei der nächsten Untersuchung. Und wir freuen uns so!"
Paddy und Maria strahlten. Er war so glücklich, das seine "Lieblingsschwester" nun so glücklich war und sich ein Traum von ihr erfüllte. Dann ergriff Barby noch das Wort.
"An Heiligabend wollen wir heiraten. Der Pfarrer ist schon bestellt. Es sollte eine Überraschung sein für alle. Also bitte sagt den anderen nichts, bitte."
"Keine Sorge, wir halten dicht. Oh, wie wunderschön!" Maria freute sich für Barby und Markus. Und das Paddy seine Schwester so glücklich sah, das es ihn noch mal so glücklich machte. Paddy nahm sie in den Arm und drückte sie fest an sich. "Das habe ich mir schon immer für Barby gewünscht. Sie hat das Beste verdient. Und Markus ist genau der Richtige für sie. Er tut ihr gut, er macht sie glücklich und das ist das Wichtigste. Die Liebe."

Dann kam der Weihnachtsabend. Sämtliche Familienmitglieder trafen ein. Kathy mit Sean, Johnny und Mayte aus Spanien, Jimmy und Meike, Joey mit Tanja und den Jungs, Patricia mit Denis und den Söhnen, Maite und Florent mit Tochter, Angelo und Kira mit ihren drei Sprösslingen und Paddy kam mit Maria und Nikkia. Alle kamen sie zu Barby und Markus ins Haus. Ein riesengroßer Weihnachtsbaum stand im Wohnzimmer. Der Kinder zuliebe hatten die Kellys sich auf die deutsche Tradition eingestellt. So bekamen sie nun auch an Heiligabend und nicht am 6. Januar erst die Geschenke. Mit zehn Kindern wurde es nun ziemlich laut in der stillen Strasse, wo Barby wohnte. Nach der Bescherung klingelte es an der Tür. Paddy öffnete. Es war der Pfarrer. Die Familie staunte. Dann grinste Barby und nahm Markus bei der Hand. Der Pfarrer stellte sich an den Weihnachtsbaum und begann mit der Trauung. Alle waren so erstaunt, das ihnen die Münder offen standen. Als Paddy dann Bilder machen wollte, bat er seine Familie doch wieder die Luken zu schließen, sonst würden sie nicht aufs Bild passen. Und zu guter Letzt erzählten Barby und Markus von ihrem Nachwuchs. Es wurden wirklich Zwillinge. Mädchen, soweit man das jetzt sagen konnte. Da konnte Johnny nicht an sich halten und platzte heraus, das Mayte und er in sechs Monaten auch Eltern würden. Was war das eine Freude in dem Haus. Und Paddy meinte nur trocken:
"Jetzt fehlen nur noch Jimmy und ich. Dann haben wir sie alle. Die Kelly Family wird nicht aussterben!!!" die Großen brachen in schallendes Gelächter aus und die Kleinen spielten zufrieden mit ihren Geschenken. Sie verstanden das nicht so genau. Für Paddys Geschwister war es am Anfang zwar etwas gewöhnungsbedürftig, das seine Freundin ein Kind mit in die Beziehung brachte, als sie aber alles erfuhren und die Kleine so richtig kennenlernten, waren sie total verliebt in sie. Und Maria wurde im Kreis der Familie aufgenommen.
Silvester verbrachten sie alle in ihren kleinen Familien. Paddy lud Maria und Nikkia zu sich ein. Seit drei Monaten etwa waren sie ein Paar, aber weiter als bis zum Küssen und Schmusen waren sie noch nicht gegangen. Sie wollten sich Zeit lassen, ihre Beziehung reifen lassen. In der Silvesternacht geschah es und es war für sie das Schönste überhaupt. Sie wussten, das es richtig so war. Verliebt hielten sie sich eng umschlungen und genossen das Beieinandersein.

2008. Das neue Jahr begann. Nikkia hatte es verschlafen, aber Paddy und Maria standen auf dem Balkon und sahen sich das Feuerwerk an. Sie waren glücklich. Paddy zog seine Freundin fester an sich heran und sah ihr tief in die Augen. "Maria, ich liebe Dich!"
Maria hatte Tränen in den Augen. Er hatte es zum ersten Mal gesagt und sie fühlte, wie sich Wärme in ihr ausbreitete. "Oh, Paddy! Ich... ich... ich liebe Dich auch. Und wie!"
Und dann folgte ein langer Kuss.

Das Jahr begann mit viel Stress, denn das neue Album war in Arbeit. Maria hatte mittlerweile eine bessere Stelle bei der Zeitung bekommen und arbeitete nun als Interviewerin für sie. Ob das nun Prominente oder nicht Prominente waren, war egal. Fragen gab es an jeden zu stellen, egal zu welchem Thema. Sie hatte Spaß an der Arbeit, konnte Nikkia immer mitnehmen, da sie Kleine recht pflegeleicht und äußerst friedlich war. Meistens waren die Leute, die sie dann befragen sollten sowieso mehr mit Nikkia beschäftigt, so das man nebenbei dann so ziemlich fast alles aus ihnen herausfragen konnte. Bei der Wahrheit musste man natürlich immer bleiben. Ab und zu befragte sie auch Paddy und seine Geschwister. Das Album sollte ja in den nächsten Wochen herauskommen. So richtig konnte man das natürlich nicht als Interview bezeichnen, da eher Blödsinn gemacht wurde, als vernünftige Fragen gestellt.
So hatte jeder genug zu tun. Manchmal blieb natürlich die Freizeit auf der Strecke, aber damit kamen sie klar. Nikkia war manchmal mit Paddy mit im Studio, weil auch die Kinder seiner Geschwister da waren. So wurde keinem langweilig.

Anfang März "entführte" Paddy Maria zu einem Park. Sie spazierten eine Weile lang schweigend nebeneinander, bis Paddy sich plötzlich vor sie stellte und dann auf die Knie ging. Er holte ein Schächtelchen heraus, öffnete es und fragte: "Maria, willst du meine Frau werden? Ich könnte mir nichts schöneres vorstellen, als mit dir alt zu werden, viele Kinder zu haben und immer glücklich zu sein."
Marias braune Augen strahlten ihn an. Ihr fehlten die Worte, aber sie nickte wild, bis ihre braunen Locken hüpften. Dann fing sie sich "Jaaaaa!!!! Ich will!!!!" Sie rief es laut heraus.
Paddy steckte ihr den silbernen Ring an den Finger. "Dann lass uns das Aufgebot bestellen. Ich möchte dich am liebsten sofort heiraten. So schnell wie möglich!" Einen Moment lang schwieg er, dann räusperte er sich. "Darf ich Nikkia adoptieren? Sie ist, als wenn sie meine Tochter wäre. Und ich möchte das amtlich machen. Oder... ich habe eine Frage. Ist ihr Vater als Vater eingetragen?"
"Natürlich darfst du sie adoptieren! Nein. Warum sollte er eingetragen sein? Wie kommst du darauf? Warum fragst du?" "Lass mich eintragen als ihren Vater. Wenn du willst."
Maria war nun wirklich erstaunt. Aber sie sagte, das sie das sofort machen lassen könnte. Paddy war glücklich, so glücklich wie noch nie im Leben. Er hatte seine eigene Familie, er würde heiraten und Nikkia war sowieso schon seine Tochter. Das war vom ersten Tag, an dem er mit Maria zusammen war, schon klar. Das erste Wort kam zwar noch nicht, aber sie sollte Papa zu ihm sagen, wenn es denn soweit wäre. Kurz darauf bestellten sie das Aufgebot. Ende März würden sie heiraten. Kurz nach Marias 29. Geburtstag. Sie war knapp eineinhalb Jahre jünger als Paddy. Nach und nach erfuhren alle Geschwister von der Hochzeit. Jimmy kam kurz darauf mit Meike zu Paddy und die Herren tuschelten eine Zeit lang. Dann wurden die Frauen gefragt, ob sie denn etwas gegen eine Doppelhochzeit einzuwenden hätten. Begeistert verneinten sie und schmiedeten Pläne für die Brautkleider. Die Brüder entschieden sich für beige Anzüge und für Meike und Maria sollten zwei traumhafte, weiße Brautkleider genäht werden. Sie entschieden sich für schulterfreie Kleider in Sissi-Optik. Und sie hatten Glück, das es wunderbar warm war an ihrem Hochzeitstag. Es war eine große Hochzeit, da alle aus der Familie da waren. Sogar die Presse war da. Aber das störte Paddy nicht mehr. Sollten doch alle sehen, das er endlich glücklich war und seine Frau und seine Tochter sehen. Der Presse gegenüber verschwieg er natürlich, das er nicht der leibliche Vater war. Für ihn war es seine Tochter. Er liebte die Kleine. Und besonders liebte er ihre Mutter. Nun war er unter der Haube und sein ehemals rebellischer Bruder nun endlich auch. Lange genug war er ja schon mit Meike zusammen, aber nie vorher hatte Jimmy sich aufraffen können, sie zu heiraten. Erst als Paddy den Schritt wagte, nahm auch er seinen Mut zusammen. Die Brüder schritten stolz mit ihren Frauen nach der Trauung zu ihren Gästen. Barby und Mayte, inzwischen hochschwanger, gratulierten als erste, dann kam der Rest der Familie dran. Es wurden Fotos gemacht, ein paar Worte mit der Presse gewechselt und dann wurde gefeiert.

Juli. Nikkia hatte ihren ersten Geburtstag. Sie redete schon ein bisschen und konnte sich nicht zwischen Daddy und Paddy entscheiden. Man sah es oft an ihrem angestrengten Gesichtchen, das sie grübelte. Meistens sagte sie dann PaddyDaddy. Barby hatte Ende Juni zwei gesunde Töchter geboren, Anna und Danielle. Und auch John war Vater geworden. Sein Sohn hieß Miguel Juan Antonio. Den Sommer verbrachten Paddy und seine Familie in Spanien bei ihm und Mayte. Es war eine richtig unbeschwerte Zeit. Maria lernte schnell ein paar spanische Brocken, um sich zu verständigen. Nikkia saugte sowieso jedes Wort auf, was aussprechbar war und brabbelte nun ein buntes Kauderwelsch vor sich hin, so das sie alle zum Lachen brachte. Sie genossen die Zeit ein Spanien sehr. Doch nach acht langen Wochen mussten sie wieder zurück. Die Arbeit rief. Das Album lief prima, aber man wollte noch für die nächste Single einen Clip drehen. Maria musste auch wieder ihrer Arbeit nachgehen. Nikkia war nun meistens bei Barby oder Maite, wer gerade Zeit hatte. So konnte Maria auch mal weitere Strecken zurücklegen für Interviews. Einmal musste sie sogar für eine Woche nach Afrika, damit sie über ein Projekt berichten konnte, was dort lief. Eine schwere Zeit für Paddy und Nikkia. Aber umso größer war das Wiedersehen, als sie zurückkam. Dann kam der Clipdreh. Die Geschwister wollten in diesem Clip ihre Familien mit einbringen. Das war natürlich sehr aufwändig. Aber es gelang. Sämtliche singenden Kellys waren am Schluss mit ihren Familien im Clip zu sehen. Irgendwie hatten sie die besonders kleinen "bestochen" stillzuhalten, damit man sie filmen konnte. Wahrscheinlich mit etwas Süßem. Es war ein wunderschönes Bild. Paddy ließ gleich Abzüge machen und stellte sie dann zu Hause neben das Hochzeitsbild von Barby und dem Hochzeitsbild von Jimmy und ihm, wo alle, wirklich alle, drauf waren, auf. Sie hatte seit ein paar Monaten in der Nähe von Barby und Markus ein Häuschen gemietet. Denn getrennte Wohnungen waren als Ehepaar für sie beide nicht mehr denkbar. Selbst wenn wer mal Ruhe brauchte, gab es genügend Räume, wohin man sich zurückziehen konnte.

Maria war gerade eine Woche zurück aus Afrika und wollte sich auf den Weg zu Barby machen, um Nikkia dorthin zu bringen, als ihr ganz schwarz vor den Augen wurde. Nikkia erschrak, denn mit einem Mal fiel die Mama um. Als wenn Barby es geahnt hätte, war sie auf dem Weg zu ihr, denn sie wollte Nikkia schon vor einer halben Stunde gebracht haben. Sie schloss die Tür auf und erschrak. Nikkia weinte, weil die Mama nicht aufstehen wollte. Barby rief sofort den Notarzt an. Mit Blaulicht wurde Maria in die Klinik gefahren. Paddy fuhr sofort hin, als er von seiner Schwester angerufen wurde. Maria war immer noch nicht bei Bewusstsein. Er sprach mit dem Arzt. Der wollte wissen, wo Maria zuletzt war, denn sie hatte einen tropischen Virus, der ihr Leben stark gefährdete. Paddy erklärte das sie bei einem Afrika-Projekt war und das sie gerade erst eine Woche zurück war. Entsetzt rief er Jimmy an. Er war total durch den Wind. Jimmy beruhigte ihn. Doch so einfach war das nicht. Maria wollte einfach nicht zu sich kommen. Es verschlimmerte sich sogar.

Paddy sagte alle Termine ab. Er musste sich um Nikkia kümmern und war so oft es ging an Marias Krankenbett. Wochen vergingen, ohne das Maria zu Bewusstsein kam. Sie war in ein Koma gefallen. Das Virus ließ sich zwar unterdrücken, aber geheilt war sie noch nicht. Paddy war verzweifelt und wusste nicht mehr ein noch aus.
Nikkia begriff nicht so ganz, das die Mama nur noch schlief und Paddy versuchte ihr beides zu sein. Das gelang ihm aber nicht so ganz. Die Kleine war ganz verstört. Dann kam der Tag, an dem Maria endlich wieder die Augen öffnete. Es war, nachdem Paddy wieder mal die ganze Nacht an ihrem Bett gesessen hatte und mit ihr geredet hatte. Er erzählte, das Nikkia und er sie brauchten und das sie ihnen so fehlen würde. Früh am Morgen wachte sie auf. Paddys Kopf lag auf dem Bett, er war eingeschlafen. Sanft strich sie ihm über den Kopf. Mit einem Mal wachte er auf und sah sie an. "Maria!!!" Er war irrsinnig froh, das sie wieder zu sich gekommen war. Sofort rief er den Arzt.

Nach einigen Wochen konnte sie endlich geheilt wieder nach Hause. Nikkia hing erst mal nur an ihrer Mama. Doch wenn Paddy sagte, das sie Ruhe brauchte, dann verstand die Kleine das und suchte seine Nähe. Die beiden waren einfach nur glücklich, das Maria wieder gesund war. Sie musste sich eine Zeit lang noch schonen. Den Job bei der Zeitung gab sie auf. Es war einfach noch zu anstrengend für sie. Paddy fragte sie, ob sie denn bei ihm mitarbeiten wollte. Sie sah ihn nur verdutzt an und fragte, was er denn meinte. Er erklärte, das er zum Beispiel die Gestaltung von Album-Booklets und ähnlichem meinte. Maria meinte, das sie sich das schon vorstellen könnte, wenn seine Geschwister damit einverstanden seien. Das sollte kein Problem sein, denn sie mochten Maria und sie sollte sich bloß keine Arbeit mehr suchen, die sie zu sehr überanstrengte und ferne Reisen abverlangte. Und die Bookletgestaltung sollte genau die richtige Arbeit sein. Sie konnte in aller Ruhe Layouts zusammenstellen, den Geschwistern präsentieren und so weiter. Und so fing sie bei ihrem Mann und seiner Familie an zu arbeiten. Sie hatte Spaß daran und stellte später noch mehr her als "nur" Booklets. Sie war irgendwann zuständig für den ganzen Merchandise der Familie. Sie entwarf T-Shirt Designs, Tassen, Schals und was es sonst noch so von den Kellys zu erwerben gab.

Ende des Jahres sagte sie Paddy, das sie ein Kind erwarten würde. Paddy würde Papa werden.
"Ich bin doch schon Papa. Das weißt du doch. Ich liebe Nikkia wie mein eigenes Kind. Sie wird immer mein Kind bleiben." "Ja, aber es ist dein erstes leibliches Kind." "So sehe ich das bei Nikkia aber auch. Aber ich verstehe, was du mir damit sagen willst. Ich bin überglücklich, das unsere Familie größer wird. Ich liebe dich, mein Engel. Und ich liebe Nikkia und unser ungeborenes Kind liebe ich auch. Und jetzt denkst du bestimmt, das ich aus einer amerikanischen Seifenoper entsprungen bin, nicht wahr?" Maria lachte. Sie feierten ein ruhiges Weihnachtsfest, erst Silvester kamen alle zusammen. Im August des darauffolgenden Jahres brachte sie Tochter Olivia zur Welt. Jimmy konnte dann freudig mitteilen, das er drei Monate später Vater werden würde. Sein Sohn sollte Marlon Patrick heißen.

Ein weiteres Jahr später bekamen Paddy und Maria noch Söhnchen John Joseph James. Nikkia war die Stolzeste von allen, war sie nun die große Schwester. Und bei Kindergeburtstagen hätte man bei insgesamt 13 Cousinen und Cousins eigentlich keinen weiteren mehr einladen müssen.
Und wenn sie nicht...

© Mara


Bar Letter

Last update: 13/11/2006

(Online since: 13/11/2006)


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