Drei Jahre waren vergangen, seitdem er nicht mehr mit seiner Familie aufgetreten war. Er hatte sich erst einige Zeit zurückgezogen in die Ruhe und die Sicherheit der Klostermauern in Frankreich. Doch nach zwei Jahren reichte ihm auch dies. Er sehnte sich wieder nach seiner Familie, nicht nach den Auftritten. Außerdem hatte er in Frankreich - nachdem er aus dem Kloster gegangen war - eine junge deutsche Frau kennengelernt. Sie kannte die Musik von seiner Familie und ihm, mochte sie auch, doch hatte ihn nie darauf reduziert. Seine Familie hatte er noch nicht davon in Kenntnis gesetzt, das er wieder aus dem Kloster heraus war. Er hatte sich erst mal ein kleines neues Leben aufgebaut. Mit Joy, eigentlich hieß sie Josephine, war er einige Monate nach dem kennen lernen schon zusammengezogen. Sie waren einfach auf einer Wellenlänge. Nun war es mittlerweile Mitte 2007 und Patrick wollte mit Joy zusammen seine Geschwister besuchen fahren. Sie packten ihre Koffer in den Wagen und fuhren los.
Lange dauerte die Fahrt nicht, bis sie am ersten Haus eines seiner Geschwister ankamen. Im Garten war eine junge Frau mit drei Kindern am Spielen. Das älteste Kind erkannte seinen Onkel trotz des langen Fortseins sofort und rannte auf ihn zu. Patrick schloss Gabriel in die Arme und herzte ihn. Gabriel war jetzt schon 6 Jahre alt, bald ein Schulkind, Helen wurde bald 5 und Emma war gerade zwei geworden. Die Zeit ging so schnell vorbei. Kira begrüßte Patrick und Joy, dann kam auch Angelo heraus und strahlte übers ganze Gesicht. "Mensch, mit dir hab ich jetzt gar nicht gerechnet!"
Auch er begrüßte Joy ganz herzlich. Sie setzten sich auf die Terrasse an den gedeckten Tisch, Angelo holte noch zwei Gedecke dazu. Emma machte sich daran, Joy's Knie zu erklimmen, wobei sie ihr dann half. Patrick sah hingerissen zu, wie schnell Emma sie ins Herz geschlossen hatte. Angelo begann Fragen zu stellen. Er war von Natur aus neugierig und wollte nun auf dem neuesten Stand sein. "Gehst du ins Kloster zurück? Seit wann kennst du Joy? Willst du sie heiraten und nie wieder ins Kloster gehen? Wo wohnt ihr?" "Oh, du meine Güte, nicht so viel auf einmal, Kleiner!" Patrick grinste. "Ich gehe nicht mehr ins Kloster zurück. Fürs Leben ist es nichts. Es hat mir eine Zeit lang einfach sehr gut getan, weil ich wieder zu mir selber gefunden habe. Joy kenne ich seit einem halben Jahr, heiraten wollten wir noch nicht, aber wir wohnen zusammen in Chauny, nahe Paris. Und jetzt kannst du weiter fragen."
Da kam Kira mit dem Telefon in der Hand. "Angelo, es ist Patricia, ob wir heute abend zu ihnen fahren. Sie wollten ein kleines Gartenfest machen. Vielleicht grillen oder so. Maite, Florent und Agnes sind auch da. Jimmy, Meike und Aimee auch, ebenso wie Joey und Tanja mit Luke, Leon und Lillian. Was meinst du?" Patrick grinste und beschwor mit einem Handzeichen kein Sterbenswörtchen von seiner Ankunft zu verraten. "Wir kommen. Dürfen wir Freunde mitbringen, die kurzfristig zu Besuch gekommen sind?" Kira fragte nach. "Ist kein Problem, auf ein paar mehr kommt’s nicht an." Sie grinste und irgendwie freuten sie sich diebisch, die Geschwister überraschen zu können. "Was ist mit Kathy und Sean? Sind sie nicht dabei?" "Oh, sie ist mit Sean grad in Urlaub in Irland. Sonst wären sie sicher auch dort."
Es wurde noch ein bisschen geplaudert, dann mit den Kleinen gespielt. Patrick wurde über das Musikalische aufgeklärt. Das sie gerade die Kirchentour beendet hatten, die Sommertournee auch fast. Es waren weniger Konzerte als früher, irgendwie auch angenehmer. Und dann war es an der Zeit aufzubrechen zu Patricia, Dennis, Alex und Ignatius. Gabriel überredete seinen Vater, das er bei seinem Onkel mitfahren durfte. Dazu mussten nur erst die Koffer ausgeladen werden. Für Angelo war es selbstverständlich, das Patrick und Joy bei seiner ihm und seiner Familie nächtigen würde. Patrick und Joy bauten Gabriel's Kindersitz ein und los ging es.
Kira saß neben Angelo und meinte nur: "Er sieht so erholt aus, es ist schön, ihn wieder so natürlich lächelnd zu sehen. Und seine halblangen Haare stehen ihm auch besser als der radikale Kurzhaarschnitt damals." "Oh ja, da hast du Recht, mein Engel. Ich bin von Herzen froh, ihn lachend zu sehen. Mir hat's damals fast das Herz zerrissen, ihn so leiden zu sehen. Nichts mehr an ihm war irgendwie echt. Und jetzt ist er wie neugeboren. Hey, und Joy scheint ihm sehr gut zu tun." Kira nickte. "Sie ist hübsch. Sie ist natürlich. Sie sieht in ihm nicht den Musiker, sondern den Menschen. Das schätzt er an ihr. Er sagte es eben, als du Joy das Haus gezeigt hast. Er liebt sie von ganzem Herzen, hat sich aber noch nicht getraut, ihr das so richtig zu sagen. Er möchte den richtigen Moment haben." "Haha, so ähnlich hat Joy eben auch geredet. Das sie ihn mit den berühmten Worten halt eben nicht einengen möchte, deswegen zeigt sie ihm, was sie fühlt, sagt es aber nicht." "Vielleicht ist es für die beiden auch erst mal die richtige Basis. Es zeigt Patrick, das sie ihn zutiefst schätzt und auf ihn eingeht. Er hat's verdient." "Ja, das hat er. So, wir sind da, Süße! Aussteigen!"
Ein etwas anderes Gespräch dagegen hatten Joy und Patrick. "Ob sie über uns reden, Patrick?" "Und ob sie das tun! Ich kenne meinen Bruder!" Er lachte. Sie musste auch grinsen.
"Patrick?" "Joy???" "Ich hab mit Angelo über..." "Ja, ich mit Kira auch!" Dann mussten sie lachen. "Was hast du ihm denn gesagt? Also, ich hab nur Gutes über dich gesagt. Echt!" "Das kannst du dir doch denken, du...du..." "Du was???" Da kam es dann von hinten von Gabriel: "Du Süßer, du!!!" Und dann prusteten sie auch schon wieder los.
Kira und Angelo schauten sich verständnislos an, als sie die beiden prustend aus dem Auto steigen sahen. Doch mit einem Mal waren sie still, denn die Überraschung sollte ja nicht verraten werden. Doch beinahe wäre es doch noch in die Hose gegangen, denn mit einem Satz rannte jemand auf Patrick zu, ließ einen Schrei los und knuddelte ihn fast zu Boden. Er erkannte seine Schwester Barby, bedeutete ihr ganz schnell leise zu sein. Sie nickte und ging vor, deutete mit einem Mal ein leichtes Humpeln an. Patrick und Angelo grinsten nur.
In Patricia's Garten wartete diese geschockt nach dem Schrei. "Meine Güte, was ist passiert, Barby???" "Oh, ich hab mir nur den Fuß umgeknickt. Das hat weh getan. Hey, aber es geht fast wieder. War nur der erste Schmerz." "Hast du gesehen, ob Angelo schon da ist?" "Hm, kann sein, das es sein Wagen war, den ich in der Ferne gesehen habe. Er wird bestimmt gleich mit seinen Lieben hier sein. Hat Kathy schon angerufen?" "Ja. Sie fand's ein bisschen schade, nicht dabei zu sein. Aber im Herbst wollen wir noch mal ein Familientreffen veranstalten. Vielleicht bekomme ich dann Patrick auch dazu, einen Kloster-Urlaub zu machen. Ich vermisse ihn so. Aber wichtig ist ja, das er sich wohlfühlt. Und wenn das nun mal in Frankreich ist, dann können wir auch nichts machen. Schau mal. Agnes, Lillian und Aimee!"
Barby ging zu ihren jüngsten Nichten. Agnes war gerade ein Jahr alt, Lillian und Aimee noch nicht ganz. Sie lagen auf einer Krabbeldecke auf dem Rasen und ließen sich von Luke und Leon Spielzeug geben. Alexander war gerade dabei mit Ignatius einen Tunnel im Sandkasten zu bauen. Da stürmten auch schon Gabriel und Helen zu den beiden. Emma, bei Kira auf dem Arm, wurde zu den anderen Cousinen auf die Krabbeldecke gelegt. Verschwörerisch sah Angelo zu Barby. Barby wandte den Kopf ab, damit sie ihre Freude nicht verriet.
"Sag mal Angelo, wo hast du denn Deinen Besuch gelassen?" Patricia war nun neugierig. Da kam Joy herein. Sie kannte ja keiner. Kira nahm sie in den Arm. "Das ist Joy. Ihr Freund kommt auch gleich. Er wollte nur noch etwas aus dem Auto holen." Dann führte Kira Joy zu den anderen Geschwistern, um sie allen vorzustellen. Maite, Meike, Florent, Jimmy, Joey und Tanja begrüßten die zierliche, dunkelhaarige Frau sehr warm und warteten gespannt auf ihren Freund. Gabriel, frech wie er war, setzte noch einen drauf: "Wann kommt denn nun endlich Dein Süßer?" Joy grinste. "Oh, ich denke, ich werde ihm helfen. Ist wohl doch komplizierter, als ich dachte."
Nun, sie hatten dann kurzfristig noch etwas Kuchen für die Kids besorgt und noch ein paar gute Flaschen Wein. Joy ging zu Patrick und nahm ihm den Kuchen ab, damit er die Weinkisten schleppen konnte. Die stapelte er dann so gut vor seinem Gesicht, das er auch erst mal gar nicht erkannt wurde, als er den Garten betrat. Nun, seine halblangen Haare waren sonnengebleicht, also ein ganzes Stück heller, als man es sonst von ihm kannte. Es war nur für Barby, Kira und Angelo richtig schwer, an sich zu halten. Außerdem waren sie einfach zu gespannt auf die Reaktionen der anderen. Patrick stellte die Kisten ab, war mit dem Rücken zu seiner Familie.
Joy, zupfte ihn am Ärmel. "Hey Süßer", sie musste grinsen, "da wartet Angelos Familie, das ich ihnen meinen Freund mal vorstelle. Ein richtig breites Grinsen machte sich auf seinem Gesicht bemerkbar, als er sich umdrehte mit den Worten: "Darf ich vorstellen???" Und Patricia und Maite stürzten schon fast auf ihren Bruder. Joey und Jimmy warteten ab, bis die Frauen mit begrüßen fertig waren. "Angelo, du fieser Kerl. Warum sagst du nichts?" "Joey, du Dussel! Wär's dann ne Überraschung gewesen?" "Nein." "Ja, also. Außerdem sind wir heute ebenso überrascht worden." Patrick war nun ausgiebigst begrüßt worden. Mit Erstaunen wurde dann registriert, das Joy wirklich seine Freundin war und nun wurden die beiden nun nach dem kennen lernen gefragt.
"Also, kurz, nachdem ich mich entschieden hatte, das Kloster zu verlassen, mir erst mal eine Wohnung zu suchen und nen Job, habe ich sie kennengelernt. Wir arbeiten zusammen in einem kleinen Laden. Na ja, wir wollen das erst mal machen. Ist halt so mit allen möglichen Krimskrams und so. Durch Joy habe ich die Stelle dort bekommen. Dann haben wir uns so richtig kennengelernt. Sie ist ja aus Deutschland, aber vor zwei Jahren einfach mal so nach Frankreich ausgewandert. Mal was Neues probieren, sich selbst finden. Halt wie ich, nur nicht im Kloster. Nun, und dann haben wir eben gemerkt, das wir uns ziemlich gern haben." Patrick sah mit einem verliebten Blick zu Joy, die daraufhin feuerrot wurde. Joey musste lachen.
Kurz darauf ging Joy zu den Kleinsten zur Krabbeldecke. Sie war ganz hingerissen von den vier fast gleichaltrigen Kleinkindern. Emma, Aimee, Agnes und Lillian schien es aber nicht anders zu gehen. Sie ließen sich von Joy betüdeln und verhätscheln. Patrick beobachtete sie dabei. Er war einfach so richtig glücklich in diesem Moment.
Das Telefon klingelte. Patricia ging ins Haus und nahm ab. Kurz darauf kam sie grinsend wieder. "Was haltet Ihr davon, wenn wir nächstes Wochenende nach Dublin fliegen. Kathy ist noch dort mit Sean und mit John habe ich eben telefoniert. Er wird mit Maite auch dorthin kommen. So ein richtiges Familientreffen. Übrigens hab ich von dir noch nichts gesagt, Patrick. Ich hoffe, das ist in Deinem Sinne." Er grinste. "Ich würde gerne. Sind denn noch Ferien?" "Ja, wir könnten zumindest eine Woche bleiben. Was meint Ihr?" Erwartungsvoll sah Patricia in die Runde. Sie konnte aber an allen Gesichtern ablesen, das es ein Ja bedeutete. Diese Woche hatten sie die letzten Konzerte, also klappte es rein organisatorisch prima.
Beim Abendessen wurde dann ein bisschen geplant, wer buchte die Flüge. Wer kümmerte sich um das mieten eines Hauses, was groß genug war für mehr als 20 Personen. Das war aber alles relativ schnell geregelt. Spät am Abend verabschiedete man sich dann, weil auch die Kinder so langsam müde wurden. Emma schlief schon tief und fest, als es heimwärts ging. Gabriel war in Patricks Auto dabei einzuschlummern. Joy sah nach hinten, sah liebevoll zu dem goldlockigen Jungen. "Patrick, ich finde Deine Familie wundervoll. Und die vielen Kinder! Herrlich! Wer hätte das damals gedacht?" "Ja, die Familie wird immer größer, auch wenn bisweilen hier und da einer von uns geht. Es ist schade, das weder Mom noch Dad alles das jetzt sehen können. Obwohl, sie sehen uns bestimmt." "Das denke ich auch. Und sie wären stolz auf alle von euch!" Patrick drückte Joy's Hand. "Joy, ich... ich... " "Vorsicht, die Ampel ist rot!" Da war er hin, der romantische Moment. Joy hatte ihn rechtzeitig vor einem Crash bewahrt, immerhin. Aber gerade wollte Patrick ihr sagen, was er fühlte. Schien wohl doch noch nicht der richtige Moment gewesen zu sein. Patrick seufzte kaum hörbar, doch Joy bekam es mit. "Patrick?" "Hmmm???" "Ich dich auch!" Er sah kurz zur Seite und lächelte sie liebevoll an. Dann bog er in die Einfahrt vor Angelo's Haus ein. Behutsam brachte er Gabriel ins Bett.
Für eine kurze Weile setzten sich Angelo und Patrick auf die Terrasse. Joy half Kira bei Helen und Emma, dann gingen sie oben auf den kleinen Balkon. Kira legte die Finger auf die Lippen und grinste. Joy musste auch grinsen. So saßen sie da oben, beide im Schneidersitz und belauschten Angelo und Patrick. Die ahnten nichts davon.
"Angelo, ich möchte dich etwas fragen." Du. Mich? Ich bin verwirrt. Worum geht es denn?" "Na ja, darum, wie man einer Frau zeigt und auch sagt, was man für sie empfindet. Ich hab das so noch nie gemacht, weil ich so noch nie empfunden habe. Vorhin gab es einen wunderschönen Moment und es war ja auch fast ein Liebesgeständnis, aber halt nicht so ganz. Verstehst du?" "Nein, nicht so ganz." Patrick erzählte von der Situation im Auto. Dann sah er fragend seinen jüngeren Bruder an. "Wie sagst du es denn Kira? Wie oft? Zu welchen Momenten? Was genau?" "Na ja, ich könnte es ihr schon ein, zwei Mal öfter sagen. In letzter Zeit habe ich mich da auch nicht mit Ruhm bekleckert. Aber auch wenn ich es ihr nicht täglich oder wöchentlich sage, ich liebe meine Frau von ganzem Herzen. Und ich hoffe, sie weiß es." "Das ist nicht so ganz das, was ich hören wollte. Ich brauch nen Tipp." "Hey, Dein Gefühl wird dir schon sagen, wann es der richtige Moment ist. Da kannst du auch mit meinen Tipps nicht viel anfangen. So wie ich es sehe, zeigt Ihr es euch allein schon durch eine Menge Gesten. Es ist unübersehbar, was Ihr füreinander fühlt. Und es freut mich so sehr, dich glücklich zu sehen. Es ist so furchtbar lange her, das du mal ehrlich, aus tiefstem Herzen glücklich warst. Und das ist jetzt der Fall." "Ja, ich bin glücklich. Die Zeit, die ich im Kloster war, hat mir sehr gut getan. Das ich dann noch Joy kennengelernt habe, war die Krönung des Ganzen. Sie ist einfach wundervoll. Ich habe ihr alles erzählen können. Sie ist mit mir auf einer Ebene. Wir denken sehr ähnlich. Und sie sieht halt eben den Menschen in mir, nicht nur den Vollblutmusiker, der ich einmal war. Sie tut mir so gut." "Wirst du jemals wieder singen, Patrick?" Angelo fiel die Frage sichtlich schwer. Und auch sein Bruder brauchte einen Moment, bevor er zu einer Antwort ansetzte. "Angelo, ich weiß es noch nicht. Es ist so, dass ich nicht weiß, wie das Publikum drauf ist, wenn ich wieder auf der Bühne stehe, ob nun alleine oder mit euch. Und ich werde es nun mal nie voraussagen können. Aber ich habe auch Angst, das sich diese furchtbare Spirale wieder zu drehen beginnt. Das will ich nicht. Dann wären die letzten Jahre umsonst gewesen. Ich bin jetzt endlich mal wieder glücklich. Ich liebe die Musik. Aber ob ich es jemals wieder öffentlich genießen kann, das weiß ich nicht. Ehrlich." "Hey, ist doch in Ordnung. Ich kann dich verstehen. Lass uns morgen weiter reden. Okay. Ich bin sehr müde." "Schon okay. Bis morgen. Wo schlafen wir eigentlich?" "Kira hat Joy bestimmt schon Euer Zimmer gezeigt. Schau, da ist Joy doch. Gute Nacht, Ihr beiden." "Gute Nacht, Angelo."
Kira hatte sich auf dem Balkon nahe an Joy gesetzt. Die beiden waren hin und weg, das Männer auch über Gefühle redeten. Und sie waren beide den Tränen nahe, als sie die Liebesbekundungen über sich hörten. Kurz vor Ende des Gesprächs hatten sich die jungen Frauen zurückgezogen.
Patrick zog sich nun auch den Pyjama an und kuschelte sich an Joy. Sie schmiegte sich an ihn und gab ihm einen Kuß, den er sofort erwiderte. Sie umarmten sich und schlummerten ein.
Die Woche verging schnell. Während seine Geschwister die Tour noch beendeten, halfen Patrick und Joy Kira in Haus und Garten und beim Packen für den Urlaub. Na ja, Joy war meist mehr damit beschäftigt, die drei Kleinen zu beschäftigen, damit sie ihrer Mama nicht im Weg standen beim Packen. Auf John und seine Frau Maite sowie auf Kathy und Sean würden sie ja erst in Irland treffen. Patrick freute sich schon sehr. Ein Haus für diese Woche war schon organisiert. Das Gepäck wollte Patrick noch an diesem Tag zum Flughafen bringen. Doch Kira und Joy hielten es für besser, wenn sie das machten. Denn es könnte ja doch sein, das er erkannt würde. Und er sollte seine Freiheit genießen.
So brachten die beiden ihr Gepäck hin, trafen dort auf Dennis, Joey und Jimmy. "Wo habt Ihr denn..." "Zu Hause. Er muss doch nicht unbedingt jetzt schon ... na ja..." "Hey, haben wir schon verstanden. Aber wie sollen wir das morgen bewerkstelligen?" "Mit Perücke und Brille oder so?" Das kam von Jimmy. "Hey, so schlecht ist die Idee nicht. Ich werde es ihm vorschlagen." Patrick nahm die Idee auch grinsend an. "Besser blöd aussehen als erkannt zu werden", lachte er. Ihm war es recht. Hauptsache er hatte noch etwas Ruhe. Er wollte nicht, das man wusste, das er in Deutschland ist. Und nach dem Urlaub würde er mit Joy auch erst mal wieder nach Frankreich gehen. Maite wohnte ja auch nicht so weit weg, wie man mittlerweile festgestellt hatte. Nur für Konzerte kam sie halt für einige Wochen mit Mann und Kind nach Deutschland.
Tags darauf ging es dann los. Sie hatten einen Privat-Jet gemietet. Und sie hatten Glück, das nicht gerade sehr viel los war, als sie den Flughafen erreichten. So konnten sie ungestört zum Flieger gelangen und den eineinhalbstündigen Flug genießen.
In Dublin angekommen wartete auch schon ein extra gemieteter Bus auf die Familie, um zum Haus zu fahren, das etwas außerhalb von Dublin lag. Kathy saß mit Sean, John und Maite im Garten, sie bekamen erst mit, das die Familie da war, als die ganzen Kinder in den Garten stürmten. Nur die kleinsten wurden von ihren Müttern getragen. Mitten im Garten war eine riesige Tafel gedeckt worden, nun wurde das Mittagessen aufgetragen. Joey und Patricia hatten alles perfekt organisiert. Wie selbstverständlich setzte sich Patrick neben Kathy. An der anderen Seite Joy, neben ihr dann John und seine Frau. Und er genoss die richtig verdutzten Gesichter seines Bruders und seiner Schwester.
Und weil keine Reaktion kam, konnte er nicht anders. "So, nach der netten Begrüßung würde ich jetzt gerne essen. Was meint Ihr? Die Kleinen haben doch auch Hunger!" Kathy stand auf, zog Patrick vom Stuhl hoch und drückte ihn wortlos an sich. Das tat dann auch John. "Hey, schön dich so glücklich zu sehen, Kleiner." Mehr brachte John nicht raus. Kathy sagte gar nichts, sondern lächelte einfach nur. Dann konnten sie endlich essen. Die Kinder hatten ohnehin schon angefangen.
Nach dem Essen ging Patrick mit seinen ältesten Geschwistern durch den angrenzenden Park spazieren. Sie hatten sich so viel zu erzählen. Später dann entschlossen sich alle in die City zu fahren. Ein bisschen bummeln und einfach mal schauen, was sich hier so getan hatte. Patrick nahm Joy's Hand. Sie fand es wunderschön in Dublin. Hier war sie noch nie gewesen. Joey und Tanja wollten in einen Laden. Joy bot an, den Buggy weiterzuschieben, was dankend angenommen wurde. Mit einem Mal bekam Patrick dann den Buggy mit Agnes in die Hand gedrückt. Angelo schob Emma und Kira hatte Aimee vor sich. Der Rest der Kids turnte um John und Maite herum. Aber auch die Truppe setzte sich bald zu irgendeinem Eiscafe ab.
Patrick, Angelo, Joy und Kira spazierten mit den Kleinen weiter. Man hatte verabredet, sich zwei Stunden später in einem Restaurant zu treffen. So bummelte diese kleine Truppe einfach weiter. Lillian begann quengelig zu werden. Joy nahm sie aus dem Buggy auf den Arm - Schwupps - war sie ruhig. In einem kleinen Park ließen sie sich auf eine Bank nieder. Angelo und Patrick wollten Getränke besorgen. Also waren die Frauen mit den vier Kleinkindern unter sich.
"Na, möchtest du auch mal Kinder haben?" Joy wurde rot. "Ja, schon..." "Aber?" "Na ja, dazu müsste man ja... du weißt schon. Und das haben wir noch nicht. Es hat sich noch nicht ergeben. Wir haben es bisher noch nicht gemacht. Versucht schon, aber weit sind wir nie gekommen. Mal sehen. Außerdem sind wir grad mal ein halbes Jahr zusammen, da ist Kinderplanung noch nicht so das Thema, glaube ich." "Ist doch okay. Lasst euch Zeit, wenn Ihr es so für richtig haltet. Man muss ja nicht nach kürzester Zeit miteinander in die Kiste hüpfen. Ich find es völlig in Ordnung." "Na ja, ich würd schon gerne, aber er scheint noch nicht so weit zu sein. Deswegen dränge ich ihn auch nicht. Er hat einige Zeit im Kloster verbracht und irgendwo muss er da nun auch wieder ein kleines Stück zu sich finden. Es sei denn, er will dauerhaft in Askese leben. Dann gäbe es ein Problem. Aber das glaube ich nicht." "Nicht? Ich meine, so tauscht Ihr ja doch recht viele kleine Zärtlichkeiten aus. Keine Bange, wenn der richtige Zeitpunkt da ist, wird es um so schöner. Vertrau mir."
Kira drückte Joy kurz an sich. Die beiden waren innerhalb kürzester Zeit richtig gute Freundinnen geworden. Lillian und Aimee waren eingeschlafen, Emma spielte mit einem Kuscheltier und Agnes ließ sich von Kira die Flasche geben. Die Brüder waren nun auch mit den Getränken zurück. Außerdem hatten beide so kleine Päckchen dabei. Ein jeder gab es seiner Liebsten. Fast zeitgleich öffneten Kira und Joy die Päckchen und ebenso kam von beiden der entzückte Ausruf "Süß!!!" Sie hatten jeder ein Schokoladen-Herz bekommen. Doch da griff schon eine kleine Hand nach Kira's Süßigkeit. Agnes liebte Schokolade. Es wurde unter allen aufgeteilt. Joy nahm das letzte Stück zwischen die Lippen und näherte sich Patrick, um es ihm dann zu geben. Das endete natürlich in einem Kuß.
"Hey, wenn wir uns beeilen, dann schaffen wir es noch, nicht als letzte im Restaurant anzukommen!" "Oh je, was die Zeit wieder rennt. Hast Recht Angelo. Auf geht’s!" Die Kleinen wollten nun aber nicht mehr im Buggy sitzen, also hatte jeder einen Krümel auf dem Arm und schob einen leeren Buggy vor sich her. Kathy stand vorm Restaurant und schaffte es davon einen wunderschönen Schnappschuss zu fotografieren. Dann gingen sie alle erst einmal Mittagessen. Durch die Großfamilie war nun mehr als die Hälfte des Restaurants voll. Der Besitzer freute sich, er kannte ja fast alle und war immer froh, wenn sie mal in Dublin waren. Die größeren Kinder rannten nach dem Essen herum, ihnen wurde langweilig. Joy gesellte sich danach zu ihnen. Sie versuchte sie ein wenig zu beschäftigen. Patrick war nun auch fertig und zupfte Joy am Ärmel. "Komm mit." Sie verließen das Restaurant.
"Ich hab da einen Laden gesehen, die haben voll die schönen Klamotten. Du meintest doch letztens, das du gerne so Samtkleider hättest, oder nicht? Und Sachen aus Leder und reiner Baumwolle haben die dort auch." Joy nickte und ließ sich mitschleifen. Und die Auswahl war riesig. Sie hatte einiges, was sie gerne anprobieren wollte. Patricia war hinterher gekommen und grinste die Verkäuferin nur an. Joy hatte Patricia noch nicht gesehen. "Fräulein, möchten sie ein paar mit nehmen nach Hause zum anprobieren? Ist kein Problem. Auf den Namen Kelly, nicht wahr?" "Ich heiße doch nicht Kelly." "Ja, aber die Herrschaften hier. Und wie ich sehe, gehören sie dazu. Also, suchen sie sich soviel sie wollen aus. Ich verpacke es und lasse es ihnen zukommen. Sie probieren und was ihnen gefällt, kaufen sie. In Ordnung?" Joy nickte ergeben und sah zu Patricia, dann zu Patrick. Auch er ließ sich einiges zum Probieren verpacken. Und wie sollte es anders sein, trudelten nun auch noch die anderen ein und stöberten. Somit war der Abend mit Anprobe wohl ausgebucht. "Heute Abend gibt es Modenschau!!!" Angelo hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.
Gut zwei Stunden später war auch der letzte mit aussuchen fertig. Dann ging es zurück zum Haus. Es war schon Zeit fürs Abendessen. Die Köchin hatte schon fast alles hergerichtet. Maite und Joy gingen ihr in der Küche noch zur Hand. Sie hatten ein kleines bisschen ein schlechtes Gewissen, die Frau alles alleine machen zu lassen für so viele Personen. Doch sie meinte, das sie das gewohnt sei von anderen Arbeitsstellen her, wo sie alleine noch mehr Leute bewirtet hätte. Trotzdem musste sie sich helfen lassen, denn Joy und Maite gaben keine Ruhe. Nach dem Abendessen wurden die Kinder zu Bett gebracht. Dann ging es an die "Modenschau", wie Angelo so schön gesagt hatte. Sie hatten eine Menge Spaß.
Joy wollte sich nur für ein Teil entscheiden, denn für sie war klar, das sie Patrick's Familie nicht auf der Tasche liegen wollte, aber der stapelte alles mögliche, wo er meinte, das es ihr stünde und sagte nur, das sie das sehr wohl zu nehmen hatte. Sonst wäre er betrübt. Also ließ sie sich überreden so ziemlich fast alles zu nehmen. "Nun, da könnte ich alles andere an Kleidung nun aussortieren. Ich bin ja jetzt neu eingekleidet. Werd es dann ans Rote Kreuz weitergeben oder so." Das letzte, was sie sich ausgesucht hatte, behielt sie an. Eine knallenge, schwarze Nappa-Lederhose und eine taillierte Beige Bluse. "Hammer!" entfuhr es Patrick. Joy wurde mal wieder flammrot im Gesicht. Er zog sie zu sich und gab ihr einen Kuß. "Ich werde gleich hochgehen. Bin sehr müde. Kommst du mit oder wolltest du noch mit den Mädels plaudern?" "Ich komme gleich nach. Möchte nur noch beim Zusammenpacken der Sachen helfen, die zurückgehen." "Hier geht nichts zurück! Die anderen Sachen nehmen wir auch. Barby gefällt nämlich das eine blaue, was dir nun doch nicht gefällt, ziemlich gut. So ist das hier nun mal." John sprach für seine jüngere Schwester. Die beiden Maite's nickten, während sie sich gegenseitig in ihren Sachen beschauten und berieten. Also folgte Joy Patrick direkt.
Er war im Badezimmer nebenan, als sie das Zimmer betrat. Sie zog sich die Schuhe aus und wollte sich gerade daran machen die Bluse zu öffnen, als sie sanft umgedreht wurde. "Lass mich das machen." Patrick knöpfte ganz langsam, was Joy nun ziemlich erröten ließ. Sollte sie es ihm gleichtun? Nun ja, dann müsste sie bei der Hose weitermachen, denn ein Shirt sowie ein Hemd hatte er nicht mehr an. Sie fuhr mit ihrer Hand über seine Brust, er lächelte sie an. "Weißt du eigentlich, das dein schon ziemlich süßer Hintern in dieser Hose noch knackiger aussieht?" "Oh, das Kompliment kann ich nur zurückgeben." Joy versuchte sich zu entspannen. Denn er sprach dermaßen sanft und mit einer leicht rauen Stimme, das sie bald Wachs in seinen Händen war. Sie ließ sich von ihm zum Bett schieben und weiter ausziehen. Dann traute sie sich auch weiter zu gehen, denn er raunte ihr nun ins Ohr, was er jetzt mit ihr vorhatte...
Am nächsten Morgen wollten sie eigentlich gar nicht aus dem Bett. Er begann ihr mit dem Finger vom Hals ab über die Körpermitte zu fahren. Damit hatte er sie ein paar Minuten vorher geweckt. Sie schauderte wohlig und rollte sich auf ihn. Mit einem erotisch-frechen Grinsen küsste sie ihn.
"Patrick!!! Joy!!!" Angelo brüllte es von einem Ende des Hauses bis zum anderen. Kathy lief an ihm vorbei und schüttelte nur den Kopf. "Lass die beiden doch. Nachdem was ich gestern mitbekommen habe, wollen die bestimmt noch ein bisschen schlafen." "Du lauschst?!" "Nein, mein Zimmer ist neben dem der beiden. Und auch wenn sie leise waren, war es nicht zu überhören. Da kann ich doch nichts für. Außerdem ist's das Normalste der Welt. So. Lass uns frühstücken. Übrigens sind unsere beiden Maite's sowie John und Florent auch noch nicht da. Also." "Na toll, wetten, das gibt noch mehr Kelly Babys???" Kathy musste lachen.
John dann auch. "Nicht mehr nötig, die Arbeit. Maite und ich werden Ende des Jahres Eltern." Alle, die schon am Tisch saßen, staunten. Maite schmiegte sich von hinten an John. "Sieht man denn echt noch nichts?" Nun als sie so da stand konnte man einen klitzekleinen Ansatz davon sehen. Sie war nun mal sehr, sehr zierlich. Eine halbe Stunde später kamen dann auch Maite und Florent. Agnes war schon länger wach, so das Tanja sich ihrer angenommen hatte. Sie hatten ausgemacht, das jeder im Wechsel mal einen Tag ausschlafen konnte. Angelo hatte den gleichen Deal mit Jimmy und seiner Frau gemacht. Die größeren Kinder beschäftigten sich meist schon gut allein oder hielten die Köchin auf Trab.
Alle waren fertig mit Frühstück, nur noch zwei Gedecke standen auf der langen Tafel, als Patrick mit Joy im Arm auf die Terrasse trat. Joy merkte sofort, das alle ahnten, warum sie so spät kamen und lief tiefrot an. Patrick, die Ruhe selbst, setzte sich an den Tisch und sah erst dann dumm aus der Wäsche, als alle losprusteten, sogar Joy irgendwann mal. Einen Moment sah er richtig verdutzt aus, dann biss er einmal in sein Brötchen, und als er wieder sprechen konnte, sagte er: "Hey, sind wir hier im Bravo Alter? Ich bin doch kein Teenager mehr. Also, Ruhe jetzt! Ich will frühstücken." "Hugh, Patrick hat gesprochen!" Angelo konnte es sich nicht verkneifen. "Außerdem bekommt ihr nun als letzte zu hören, das Nachwuchs unterwegs ist!!" "So schnell geht’s nun auch wieder nicht Angelo", meinte Patrick ruhig, "das musst du doch am besten wissen." "Hey, es geht ja auch nicht um dich, du Tulpe!" "Wer denn?" "Maite und..." "Agnes ist grad mal ein Jahr alt, dann noch eins?" "...und John!!!" Angelo beendete einfach seinen Satz. "Achso, wurde ja auch Zeit. Herzlichen Glückwunsch, ihr beiden. Ich schätze mal, so Ende des Jahres. Den Bauch fand ich gestern schon verdächtig. Als wir Modenschau hatten. Tja, für dumm verkaufen kann man mich nicht." Da schauten die Geschwister nun dumm aus der Wäsche. Joy grinste, denn sie hatte es ihm gesteckt, weil sie mit John's Maite im Nebenzimmer war, um Kleider anzuprobieren. Ihr war es aufgefallen. Aber sie verriet es nicht. Sie gönnte Patrick diesen Moment. Weil sie sich dabei königlich amüsierte. "Nun fehlt nur noch Barby." Diese sah ihren Bruder an. "Ja, willst du denn keine Kinder?" "Hey, ihr habt doch genug. Ich kann mir jederzeit eines ausleihen und wieder abgeben, wenn’s brenzlig wird. Was will ich mehr?" "Im Ernst? Ist das deine Meinung?" "Ja...doch. Denke schon." Barby sah kurz zu Joy. Doch die ließ sich nicht anmerken, das es ihr schon einen kleinen Stich versetzte, das Patrick niemals eigene Kinder wollte. Sie hätte es sich irgendwann, so in zwei oder drei Jahren gut vorstellen können. Aber wenn er nicht wollte, na ja, zwingen konnte sie ihn ja nicht dazu. Doch sie merkte nicht, das Barby ihr irgendwie ins Herz sah. Joy setzte sich an den Frühstückstisch und hatte eigentlich keinen Hunger mehr. Irgendwie würgte sie ein Brötchen herunter.
Später fragte Barby sie, ob sie mit ihr eine Runde durch den Park gehen wollte. Sie hakte ihren Arm einfach unter Joy's und nahm sie mit. John und Jimmy nahmen Patrick zur Seite. "Schön, das Barby Joy so mag, nicht wahr", begann Patrick. Doch John ging nicht ganz drauf ein. "War das wirklich deine Meinung vorhin? Du möchtest keine eigenen Kinder?" "Na ja, wir sind gerade mal ein halbes Jahr zusammen. Und wie jetzt alle wissen, hatten wir gestern unsere Premiere. Ich denk da noch nicht an Familie machen und so." "Später vielleicht mal?" "Klar, habt ihr das jetzt alle so ernst genommen?" "Nicht alle, aber Joy wirkte mit einem Mal so anders." "Ach Quatsch!!!" "Nein, auch Barby meinte das." "Oh, echt?" "Ja. Und Barby hat in Gefühlssachen fast immer Recht. Rede mit Joy darüber." "Ja, werde ich dann schon noch machen." "Vergiss es nicht. Ich hab das Gefühl, das es mit euch sehr ernst ist und wenn sie dann denkt, du möchtest keine Kinder und du redest nicht mit ihr darüber, dann könnte es vielleicht schief gehen." "Denk ich nicht. Wir haben bisher immer über alles geredet. Was sollte jetzt schief gehen? Ich kläre das schon. Ich sehe ja auch, wie gut sie mit meinen Nichten und Neffen auskommt. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, bald mit ihr über Familie zu reden. Aber lasst mir Zeit." "Das musst du mit dir ausmachen, Kleiner." "Nicht, das es nachher in einer Tragödie endet." John und Jimmy verließen ein wenig wütend über die lasche Einstellung ihres jüngeren Bruders die Terrasse. Patrick räumte den Tisch ab, dachte kurz noch mal über das vorangegangene Gespräch nach und schüttelte den Kopf. Er dachte, das würde sich von selbst irgendwann klären.
Barby hatte mit Joy ein ähnliches Gespräch und ihr Gefühl hatte sie nicht betrogen. Joy war im ersten Moment etwas schockiert. Doch dann meinte sie, das wenn Patrick keine Kinder wollte, sie ihn auch nicht dazu zwingen würde. Und das sie auch damit klar kommen würde, denn sie könnte sich ja um sämtliche Nichten und Neffen von Patrick kümmern. Wäre ja auch schön. "Auch schön, du bist gut, Joy. Das ist aber nicht so wie ein eigenes Kind. Ich wünsche mir auch eins, aber ich hab ja noch nicht mal den passenden Partner dazu." Sie seufzte. "Klär es bei Bedarf mit ihm!" Joy nickte. Würde sie dann auch machen.
Der Urlaub war viel zu schnell vorbei. Mit mehr Gepäck als bei der Hinreise kamen alle zurück. Patrick, Joy, Maite, Florent und Agnes flogen direkt nach Frankreich zurück. Der Alltag hielt Einzug. Patrick und Joy arbeiteten wieder in ihrem Lädchen. Ab und zu besuchten sie Maite und ihre Familie. Sie telefonierten viel mit den Geschwistern. Und es schien eigentlich alles prima zu laufen. So gingen einige Monate ins Land, ohne das irgendetwas Größeres passierte. Na ja, John und seine Frau Maite wurden Eltern, kurz vor Heiligabend brachte Maite Söhnchen Miguel zur Welt. Patricks Schwestern Maite und Patricia erfuhren auch, das sie bald wieder Mama werden würden. Maite war gerade in der vierten oder fünften Woche und Patricia zirka zwei Wochen weiter. Monat um Monat verging.
An einem Abend, Patrick hatte ein romantisches Essen gemacht und wollte Joy überraschen, ging ins Schlafzimmer, weil er wusste, das sie sich gerade umzog. "Süß siehst du aus, mein Engel." Sie wandte sich um. "Ich bin gleich bei dir. Muss nur noch... wo ist sie denn? Ach hier." Sie holte eine kleine Packung hervor, drückte eine Tablette heraus und nahm sie mit einem Schluck Wasser. "Alles in Ordnung? Geht es dir gut? Was sind denn das für Dinger?" "Mir geht’s bestens. Warum? Das ist nur die Pille. Kennst du doch. Schwangerschaftsverhütung. Okay, wir können jetzt essen." Patrick wirkte nun etwas irritiert. Sie wollte also doch keine Familie? Oder warum erzählte sie erst jetzt davon, das sie die Pille nahm? Joy versuchte zu erahnen, was sein runzeliger Gesichtsausdruck bedeutete.
"Hey, du sprachst in Irland darüber, das du nicht unbedingt an Familie denkst. Denk an deine Worte. Also, was schaust du so?" "Nun... ähm. Willst du denn Kinder haben?" "Na ja, dazu gehören zwei. Und unterschieben würde ich dir im Leben keins. Und wenn du keine willst, dann verzichte ich eben auch darauf. Es gibt Schlimmeres als das. Denn deswegen würde ich dich nicht aufgeben. Denn dazu... dazu... liebe ich dich zu sehr."
Joy setzte sich, schluckte die aufkommenden Tränen herunter und schaute dann fragend zu ihrem Freund. "Können wir denn jetzt essen? Es wird sonst kalt." Patrick wusste nicht, ob für sie das Thema abgehakt war oder nicht. Doch er merkte, das Joy nicht aufsah, als sie zu essen begann und er sprang auf und ging zu ihr herüber. "Oh Joy, ich wusste nicht, das du das so aufgefasst hast. Ich wollte doch nur nicht so früh... und... na ja, ich dachte, wenn wir etwas länger ein Paar sind... und unsere Zweisamkeit... und ich wollte eigentlich warten mit der... der... ach egal!"
Er kramte in seiner Tasche und zog ein kleines Kästchen hervor. Er hielt ihr das kleine silberne Kästchen vor die Nase und stammelte und wusste nicht die richtigen Worte zu finden. "Joy... ich wollte dich fragen, ob du meine Frau werden möchtest." Joy sah in dann erst an. "Joy, ich liebe dich über alles und ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als mit dir verheiratet zu sein und eine Familie zu gründen. Und ich wünschte, ich könnte meine unbedachten Worte in Irland rückgängig machen. Willst du mich heiraten." Patrick war den Tränen nahe, weil er sah, das Joy sehr getroffen war und weil er nicht wusste, was sie antworten würde.
Joy sah ihn an und schluckte. Sie brachte kein Wort heraus, obwohl sie gerne herausgeschrieen hätte: "Ja!", aber sie hatte einen so großen Kloß im Hals, das sie nur nicken konnte. Patrick küsste sie und drückte sie an sich. "Kannst du mir meine dummen Worte verzeihen?" Sie nickte noch mal. Langsam löste sich der Knoten und sie meinte nur: "Ja, ich verzeihe sie dir. Und ja, ich möchte dich heiraten. Und ja, du bist manchmal einfach nur ein gedankenloser Schussel." "Hey, das hab ich nicht..." "Mir doch egal", lachte Joy und zog ihren Schatz an sich heran. Dann stand sie auf und holte aus dem Schlafzimmer die Pillenpackung. "Weiternehmen?" Sie hielt sie in die Luft. Er nahm sie ihr fort und schmiss sie in die Tonne. Verliebt lächelten sie sich an. Dann setzte Patrick sich, zog Joy auf seinen Schoss und sie fütterten sich gegenseitig.
"Aber glaub jetzt nicht, das wegen des Fortwerfens die Wirkung sofort nachlässt. Das kann noch etwas dauern. Ich nehme die Dinger schon eine Weile." "Hey, irgendwann klappts. Lass uns einfach immer wieder üben, okay?" Er grinste sie an und begann sie auszuziehen.
Im Frühjahr trafen mal wieder fast alle Familienmitglieder zusammen. Sie machten einen einwöchigen Urlaub in Spanien bei John und Maite. Natürlich wollten alle den kleinen Miguel sehen. Und er war ein verdammt hübsches, kleines Kerlchen. Die dunklen Augen von der Mama und die hellen Haare vom Papa. Patrick war hin und weg von ihm. Er saß zusammen mit Joy im Garten, den Kleinen auf dem Arm. John sprach gerade mit Jimmy und Joey, als ihr Gespräch darauf kam, das es für Patrick auch langsam an der Zeit wäre. Der bekam das mit und meinte nur, das er erst heiraten wollte. Und das seine Liebste schon ja gesagt hätte zu seinem Antrag. Dafür bekam er erst mal einen Rüffel, weil er seinen Geschwistern mal wieder nichts gesagt hatte. Dann mussten sie ihre Verlobungsringe zeigen. Schmale, silberne Ringe mit je drei kleinen Rubinen verziert.
Spontan wurde dann am Abend die Verlobungsfeier nachgeholt. "Und plant ihr schon Nachwuchs?", fragte Angelo "Na, ich halte es so, das wir so viele Kinder bekommen, wie Gott uns geben will." "Ist eine gute Einstellung. Ich denke, das werden wir ähnlich halten. Was meinst du Joy?" Sie kam gerade mit Miguel auf dem Arm wieder, den sie gerade gewickelt hatte. "Doch, ich denke, wir machen es auch so. Wir sehen, wann und wie viel Kinder er uns gibt. Kommt Zeit, kommt Baby." Sie knuddelte Miguel kurz, dann reichte sie ihn an seine Mama zurück. Sie wollte noch mit Angelo's und Joey's größeren Kids Fußball spielen. Das hatte sie schon vor einer halben Ewigkeit versprochen. Patrick und Angelo gesellten sich dazu.
Abends wurde dann ein kleines bisschen gefeiert. Den Kleinen passte das nicht, denn sie wollten mitfeiern. Doch sie mussten zeitig ins Bett. Denn für den Tag drauf war ein kleiner Ausflug geplant. Joy fragte nach Barby, weil sie nicht mit nach Spanien gekommen war. Joey meinte nur, das sie schon in Spanien sei, bei ihrem neuen Freund. Sie hatte in Dezember kennen gelernt, als sie John und Maite besucht hatte. Und die beiden seien total verliebt. Er hieß Antonio, war drei Jahre älter als sie und lebte ab und zu auch in Deutschland, weil er Fotograf war. Patrick strahlte, als er hörte, wie glücklich seine Schwester war, denn die letzten Jahre hatte sie es auch nicht leicht gehabt.
Tags darauf wurde dann der kleine Ausflug gemacht, so das die Kinder ein bisschen was kennen lernen konnten, wo der größte Teil der Familie lange gelebt hat. Später fuhren einige der Geschwister noch zum Grab der Mutter nach Belascoain. Dort trafen sie dann auf Barby und Antonio. Und auch dieser Urlaub verging viel zu schnell. Man musste die Heimreise antreten.
Joy und Patrick flogen mit nach Deutschland. Sie wollten mal so schauen, wie das nächste Album der noch singenden Kelly Family würde. Also lauschten sie im Studio den Gesängen. Patrick las sich durch die Texte und begann mitzusummen. Dann hielt er Joy den Text hin. Gemeinsam versuchten sie es zu singen und es klang recht gut. Sie bemerkten nicht einmal, das alle anderen mit den Aufnahmen aufgehört hatten. Sie lauschten nun den beiden. Und die waren derart vertieft in den Song, das sie nichts, aber auch gar nichts merkten. Nicht einmal, das sie beim zweiten Mal singen aufgenommen wurden. Als sie fertig waren, sahen sie auf und blickten in lauter grinsende Gesichter.
"Spiel mal ab", meinte Angelo zu Jimmy. Patrick und Joy hörten und waren überrascht. Sie beide klangen sehr gut zusammen. "Wenn ihr wollt, könnt ihr das als versteckten Bonus auf das Album ganz hinten drauf machen. Wenn Joy nichts dagegen hat." Er sah sie an. Sie nickte. "Ist schon okay." Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Es war sogar als Zusatz auf der Single, die bald rauskommen sollte mit drauf. Eine wunderschöne Liebesballade, sanft und doch ging es unter die Haut, wenn man den Stimmen lauschte.
Zwei Wochen später kam die Single auf den Markt. Der Haupttrack wurde von Joey und Jimmy bestritten, war etwas rockiger. Dann noch zwei ältere Songs, etwas aufgepeppt und versteckt nach dem letzten dann die Ballade von Patrick und Joy. Reaktionen kamen dann ganz schnell. Das Management wurde mit Fragen bombardiert, ob das nun Paddy sei, der ganz heimlich wieder zurückgekommen war und mit wem er da singen würde, denn die Stimme klänge nach keinem der Kelly-Frauen. Dann wurde an einer Mitteilung gefeilt. Patrick wurde dazu geholt, so das er seinen Kommentar dazu geben konnte. Ja, er habe das gesungen und zwar mit seiner Verlobten, dessen Namen er aber noch nicht öffentlich machen wollte. Er überlege auch, ob er vielleicht für ein oder zwei Lieder mit am Album arbeitet und vielleicht ein paar Konzerte mit macht. Es käme nur auf die Reaktion der Fans an. Denn er wollte nicht in irgendeine Hysterie geraten, sondern einfach nur seiner Liebe, der Musik nachgehen. Und zwar auch mit seiner zukünftigen Frau. So wurde diese Mitteilung auf die Homepage der Familie gesetzt und dann hieß es abwarten.
Die ganze Familie war sehr nervös. Denn wenn es wieder in irgendwelchen Hypes ausarten würde, wäre für Patrick das Thema gelaufen. Doch die Reaktionen fielen fast durchweg sehr positiv aus. Also ließen sie es darauf ankommen. Es wurde ein kleines Probe-Konzert gemacht. Sie sahen sich nach einer nicht zu großen Location in Köln um und fanden sie in der Live-Music-Hall. Nicht zu wenig und nicht zu viele Leute würden dort hineinpassen. Der Termin wurde angesetzt. Und ein paar Tage später war es dann soweit. Bisher hatte es nicht ein einziger geschafft, überhaupt an ein aktuelles Bild von Patrick, geschweige denn seiner Verlobten zu bekommen. Nun war es soweit. Das Konzert sollte beginnen. Sie wollten auch sofort mit der Ballade starten.
Joy und Patrick gingen auf die noch dunkle Bühne, nahmen ihre Gitarren (mittlerweile konnte Joy auch spielen, sie hatte bei Patrick gelernt) und spielten die ersten Klänge. Joy war wahnsinnig nervös. Sie konnte sich noch sehr gut an die damalige Hysterie erinnern und hatte Sorge, das es trotz der lieben Mails zu so etwas kommen könnte. Dann begannen sie zu singen, das Licht ging sachte an und es war bis auf den Gesang ganz ruhig in der Halle. Als sie zu Ende gesungen hatten, brandete Applaus auf, ein Applaus, der nicht enden wollte. Man jubelte, klatschte und sang den Refrain einfach noch mal. Die ganze Halle, also setzten die beiden an und sangen den Refrain noch mal, alle sangen mit. Dann verbeugten sie sich, winkten ins Publikum und traten in den Hintergrund, damit die anderen Geschwister nun ihre Lieder vortragen konnten.
Nach zwei Liedern machte Angelo den Vorschlag, das sich das Publikum ein Lied wünschen dürfte. Es wurden Zettel und Bleistifte verteilt und man sollte sein Lieblingslied darauf schreiben. Sie wurden eingesammelt und gezählt. Und das meist vorkommende sollte dann am Ende gesungen werden. Dann wurde das Konzert fortgesetzt. Joy begab sich nach hinten, um die Zettel auszuwerten. Das Ergebnis war ein unentschieden zwischen "I'll send you a letter" und "I can't help myself". Also fragte sie Patrick, was zu machen sei. Der ging mit Angelo auf die Bühne und fragte nun, welches Lied gesungen werden sollte. Er dachte, das es mit Handzeichen gemacht würde, bis ein ganz mutiger vorne rief: "Beide!!!" Das Publikum stimmte jubelnd ein. "Tja, dann werde ich erst mal I'll send you a letter singen. Maite?"
Doch Maite schob Joy nach vorne. Die sah ganz verdutzt aus, so das das Publikum in Lachen ausbrach. Dann wurden die ersten Takte angespielt. Patrick begann und Joy schaffte es trotz Aufregung rechtzeitig einzusetzen. Dann mit einem Mal ging es, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. Am Ende wurde dann verlangt, das sie auch noch mit ihm "I can't help myself" sang, aber sie wehrte ab. Das musste Angelo machen. Und damit endete das Konzert. Sie gaben noch Autogramme, auch Patrick. Ein Mädel fragte, ob er und seine Verlobte nun öfter mal mit dabei sein würden. Man hätte ihn doch schon ein wenig vermisst die letzte Jahre. Patrick stand auf und stellte sich auf den Stuhl. "Also, das Konzert heute hat mir gezeigt, das sich die Zeiten glücklicherweise doch geändert haben. Es herrscht nicht mehr diese furchtbare Hysterie. Das macht mir Mut, wieder mit meiner Familie aufzutreten, da ich nun nicht mehr befürchten muss, dauernd der Mittelpunkt zu sein. Sollte es jedoch im Laufe der nächsten Konzerte ins Gegenteil umschlagen, trete ich nicht mehr mit meinen Geschwistern auf. Sie haben die letzten Jahre endlich mal entspannte Konzerte machen können, allein deswegen, weil ich nicht dabei war. Und ich wünsche mir ebenso entspannte Konzerte trotz meines Beiseins." Die Leute gaben ihm für seine spontane Rede Applaus und sprachen hier und da mit ihm. Sie teilten seine Einstellung und freuten sich einfach nur, das er glücklich war und sogar wieder singen wollte.
So ging auch dieser Abend zu Ende. Glücklich und erschöpft fuhren sie nach Hause. Joy und Patrick nächtigten mal wieder bei Angelo. Die zwei Pärchen setzten sich noch einmal auf die Terrasse. "Krass, ist auch fast schon wieder ein Jahr her, das du mal ebenso aufgetaucht bist, Paddy." "Das erste Mal seitdem, das du Paddy gesagt hast." "Sorry." "Nicht schlimm. Du darfst das", grinste Patrick. Joy gähnte herzhaft, was dann auf die anderen ziemlich ansteckend wirkte. Sie konnten es sich auch nicht mehr verkneifen. Sie machten sich auf den Weg zu Bett. Patrick zog seine Verlobte an sich. "Ist echt gut gelaufen heute. Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Und sie finden dich super. Und ich finde dich erst..." Dann küsste er sich ganz leidenschaftlich.
Der Sommer war dann für die neue Tournee verplant. Das neue Album kam sehr gut an. Bei ein paar Liedern sang Joy dann auch mit. Zumindest auf der Bühne. Die Ballade, die sie im Studio gesungen hatten, die eigentlich von Angelo war, war nun Patrick's und Joy's Lied.
Die Tournee war aber nicht so ausgedehnt wie Ende der Neunziger Jahre. Als der Herbst sich langsam näherte, war sie auch schon vorbei. Sowohl Patricia als auch Maite würden bald ihre Babys bekommen, da wollten sie sich schon ein bisschen zurückziehen.
Patrick begann erstmals wieder an Songs zu schreiben. Joy versuchte sich auch, aber eher heimlich und zurückgezogen, denn sie fand ihre Texte irgendwie eigentlich gar nicht gut. Nun warf sie eine Menge weg. Was sie nicht wusste: Patrick holte sie wieder hervor und schrieb zu dem ein oder anderen eine Melodie. Das machte er aber nur dann, wenn sie nicht da war. Und das kam selten vor, denn sie arbeiteten meist zusammen im Lädchen. Doch auch das sollte bald ein Ende haben. Patrick hatte sich nach einem Haus umgesehen, nahe Köln und trotzdem im Grünen, wegen der Abgeschiedenheit, der Ruhe vor eventuellen Fans, die meinten, dort vorbeischauen zu müssen. Joy hatte er auch davon noch nichts erzählt. Das sollte nämlich eine Überraschung werden.
Außerdem planten die beiden ihre Hochzeit. Die sollte Ende Oktober stattfinden, nachdem Maite und Patricia ihre Babys entbunden hatten. Die Babys waren auch recht artig und kamen beide Mitte Oktober, mit zwei Tagen Unterschied. Maite bekam Söhnchen Jean und Patricia entband Tochter Maria Barbara. Und an dem Hochzeitstag von Patrick und Joy wurden die beiden dann auch getauft. Passte alles prima, da dann auch alle Familienmitglieder da waren und Freunde. Von Joy's Familie gab es nur noch ihren Bruder Samuel, der auch erschienen war. Die Eltern waren früh verstorben. Zu Samuel hatte Joy aber auch nicht so einen guten Draht, da er mit ihrem Fortgang damals aus Deutschland Probleme hatte. Nun wollte sie das wieder ändern, deswegen freute sie sich sehr, das er zu ihrer Hochzeit erschienen war.
Patrick trug einen beigen Anzug, seine halblangen Haare offen und wirkte richtig anders, da er sonst lieber sportlich herumlief. Joy trug ein langes, champagnerfarbenes, schulterfreies Kleid mit Reifrock darunter, einem kurzen Schleier auf den dunklen Locken und war noch aufgeregter als bei dem ersten öffentlichen Bühnenauftritt. Sie schritten in die Kirche, Patrick nahm ihre zittrige Hand. "Hey, wenn’s zu schlimm wird, meine Süße, kannst du da vorne auch noch nein sagen. Ich liebe dich trotzdem und wir verschieben es. Wie du willst." "Ich werde nicht nein sagen", flüsterte sie zurück, "Bist du wahnsinnig? Ich liebe dich und ich will dich heiraten, aber aufregend ist es trotzdem." Sie grinsten sich glücklich an. Dann ließen sie sich trauen.
Kurz darauf wurden die jüngsten Kelly-Kinder getauft, dann ging es zur Feier. Und da sollte es dann die Überraschung von Patrick für Joy geben. Sie bekam die Augen leicht verbunden und dann wurden alle zum Haus gebracht. Dort im Garten wurde Joy befreit und staunte. "Das ist unser Haus", flüsterte Patrick ihr ins Ohr, "und ich habe noch eine Überraschung für dich." Er führte sie zu einer kleinen Bühne, auf der ein weißer Flügel stand, drückte ihr den Notenzettel mit Text in die Hand, schob sie ans Mikrofon und setzte sich an den Flügel. Als er zu spielen begann, setzte wie automatisch auch Joy mit dem Gesang ein, als wenn es nie anders gewesen wäre. Und mit einem Mal gefielen ihr die eigenen Lieder. Sie hatte Spaß sie zu singen und Patrick hatte genau die richtigen Melodien gefunden. Nun, von Vorteil war für sie, das sie Noten lesen konnte, sonst hätte sie anders da gestanden. Nun sang sie auf der eigenen Hochzeit gemeinsam mit ihrem Mann.
Nachdem sie drei Lieder zum Besten gegeben hatte, ging sie zu Patrick und lächelte ihn ganz verschwörerisch an. Er blickte skeptisch zurück. "Jetzt kommt meine Überraschung." Joy lächelte noch immer. "Du hast noch mehr Geschwister? Die kommen jetzt alle???" "Nein", lachte sie dann und hielt ihm dann ein kleines Schächtelchen hin. Darin waren zwei Paar Schühchen. Einmal rosa, einmal blau. Jubelnd wirbelte er seine Frau herum, bis sie ihn stoppte, weil ihr schwindelig war. "Wir bekommen ein Baby!!!", verkündete Patrick laut der ganzen Gesellschaft. Und etwas leiser zu Joy: "Weißt du noch nicht, was es wird? Ich meine, wegen der Schühchen." Sie schüttelte den Kopf. "Ich weiß es." "Ach, und ich soll raten?" "Nein, musst du nicht." Da ging ihm erst das Licht auf. "Wir bekommen noch ein Baby!!!", teilte er dann wieder lauthals mit.
Joy war es ein kleines bisschen unangenehm, denn Presse war auch da, aber sie wehrte sich nicht. "Mensch, so kurz hintereinander zwei Babys. Alle Achtung!" Joey klopfte seinem jüngeren Bruder auf die Schulter. "Ihr macht’s richtig. Gleich mehrere in einem Aufwasch." Joy verschluckte sich vor lachen fast. "Lass uns tanzen", sagte sie dann kurz darauf, zog Patrick hinter sich her auf die Tanzfläche. Nach und nach kamen noch mehr, doch das süßeste waren, wenn die ganzen Kinder tanzten. Joy schmiegte sich an Patrick. Glücklich raunte er ihr ins Ohr, wie sehr er sich über die Zwillinge freute. "Das es gleich so gut geklappt hat. Ich bin baff. Damit hab ich nicht gerechnet." "Du Quatschkopf. Meinst du, das liegt an dir? Hättest du wohl gerne. Soweit ich weiß, gab es bei mir in der Familie ein oder zwei Mal Zwillinge. Daran wird’s wohl liegen."
Sie küsste ihn zärtlich und dann wurde sie abgelöst, tanzte mit Jimmy, während der mit Meike tanzte. "Na, frisch gebackene Ehefrau und Bald-Mutter. Geht’s dir denn so weit gut, oder hast du schon so mit Übelkeit und Hormonschwankungen zu tun?" "Hmm, bisher noch nichts. Und das, obwohl ich schon im dritten Monat bin. Hatte vorher auch keine Probleme. Wann kommt denn bei euch das nächste?" "Och, mal sehen. Wir arbeiten dran." Er grinste. Nach dem Tanz machte Joy eine Pause, ihr war schwindelig. Emma, Aimee, Agnes und Lillian, die mittlerweile auch schon zwei Jahre alt waren, tanzten im Kreis händchenhaltend.
Joy dachte schon daran, wie es sein könnte, wenn die Zwillinge da wären. Sie freute sich so sehr. Und das es Patrick freute, machte sie noch glücklicher. Denn obwohl er vor dem Heiratsantrag sich entschuldigt hatte für seine Worte vorher, war sie sich nicht ganz sicher, wie er über Familienzuwachs dachte. Sie selbst wusste es erst seit drei Wochen, gleich mit der Zwillingsnachricht. Aber sie wollte es bis zur Hochzeit geheim halten. War ihr ja auch gelungen. Und sie war gnadenlos erleichtert, das er sich so irrsinnig freute. Besser als an diesem Tag hatte sie sich vorher noch nie gefühlt.
Patrick saß am Klavier und schrieb an einem Lied, aber irgendwie wollte es nicht so ganz. Joy war damit beschäftigt hier und da noch etwas zu dekorieren. Sie mussten ja doch noch einiges an Möbeln dazu kaufen. Gegen die Zwei-Zimmer-Wohnung in Chauny war das hier ein Palast. Sie hatte manchmal noch Probleme sich zurechtzufinden. Aber nach und nach verging auch dies. Mittlerweile sah man auch ihren Bauch. Sie war im fünften Monat und die Kugel deutete an, als wäre sie im siebten. Kein Wunder, bei Zwillingen. Mehrmals täglich lauschte Patrick am Bauch oder wartete auf Tritte und war immer wieder aufs neue verzückt, das da zwei kleine Wesen heranwuchsen, die von ihm und seiner Liebsten waren. Über Namen für die beiden hatten sie noch nicht nachgedacht. Es war ja noch Zeit. Sie wussten ja, das je nur einen Jungen-Namen und Mädchen-Namen brauchten.
Barby war zwischenzeitlich auch mit ihrem Antonio zu Besuch da gewesen und ging Joy hilfreich zur Hand, das sie bloß nicht schwer hob oder ähnliches. "Hey, ich bin schwanger, nicht krank. Mir geht’s bestens." Joy war zwischendurch genervt, aber alle hatten Sorge, das die Zwillinge sonst zu früh kommen würden. Deswegen "musste" sich Joy andauernd helfen lassen. Doch sonst verlief die Schwangerschaft reibungslos. Die Einrichtung des Hauses wurde so nach und nach auch endlich komplett. Zuletzt machte Patrick sich ans Kinderzimmer. Es war riesig groß. Eine Hälfte wurde in matt rosa gestrichen, die andere matt blau. In der Mitte zwei hinreißend süße Wiegen und drum herum alles andere, was benötigt wurde.
Acht Wochen später war es dann soweit. Sie kamen zwei Monate zu früh zur Welt, was bei Zwillingen sowieso nicht ungewöhnlich war. Patrick hielt die ganze Geburt über Joy's Hand, unterstützte, soweit man das bei einer Geburt als Mann machen konnte. Und nach vielen Stunden mit Wehen und Auf- und Ab gehen kamen Josh Daniel und Paula Anne zur Welt. Es war für die frischgebackenen Eltern natürlich nicht so schön, das die beiden noch in den Brutkasten auf die Frühchen-Station mussten, aber da sich die beiden sehr gut entwickelten, konnten sie vier Wochen darauf schon nach Hause zu ihren Eltern.
Patrick unterstützte Joy beim Wickeln, baden und beruhigen der Kleinen, wenn er gekonnt hätte, dann hätte er ihr wahrscheinlich auch noch das Stillen abgenommen. Doch nach ein paar Wochen musste sie abstillen, weil es für beide nicht reichte. So konnte er dann doch noch Unterstützung anbieten. Als die beiden knapp zwei Monate alt waren, im April, ging die Kelly Family noch einmal auf Tournee, aber wieder in Kirchen, wie schon zwei Jahre zuvor. Die Kinder, die nicht gerade zur Schule mussten, reisten mit zu den Konzerten, wurden dann meist von Joy betreut.
Ab und zu stand auch Joy mit auf der Bühne, aber Patrick arbeitete schon an einem kleinen gemeinsamen Projekt mit ihr, das neben der Kelly Family lief. Er wollte mit seiner Frau zusammen ein Album aufnehmen, es promoten und hier und da einen Auftritt machen. Wegen der Kinder ging ja nicht so viel. Was für fast alle Bandmitglieder angenehm war, das die Hysterie der früheren Jahre nicht mehr aufstieg. Sie konnten alle Konzerte und auch Treffen auf Fans genießen, da sich die Fans nun normal benahmen. Sogar Patrick hatte keine Probleme mehr zu befürchten, denn seine größte Sorge war ja, das man ihm sein Glück mit Joy und den Kindern nicht gönnte. Doch es lief bestens. Kurz vor dem zweiten Geburtstag der Zwillinge wurde Patrick Michael Junior geboren. Und sie planten eifrig weiter an ihrer eigenen Kelly Family...
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(Wie schön wäre es doch für Patrick Kelly, wenn er wirklich ein Leben ohne Hysterie und missgünstige Leute leben könnte. Das bei weitem nicht alle Fans so sind, weiß ich mittlerweile zu schätzen. Aber ich denke das, wenn "Paddy" jetzt aus dem Kloster käme, um wieder bei seiner Familie mitzusingen, er schon Angst hat, das sich nichts geändert hat. Das er immer noch nicht sein Leben so leben kann, wie er es gerne hätte. Und trotzdem gäbe es für mich selber nichts Schöneres, ihn singend und GLÜCKLICH mit seiner Familie auf der Bühne erleben zu dürfen. Die Band/die Familie ist nicht mehr das, was mich damals so angezogen hat. Irgendwie macht mich das sehr traurig. John, Barby, Kathy and Paddy! Please come back!