KAPITEL EINS
Audrey und ihre Freundin Marie streiften durch die Stadt.
Sie waren auf der Suche nach einer Party, von der sie gehört hatten.
In der Clique hatte man erzählt, das ein Typ, der gut aussah und auch noch gut singen konnte, eine Mega-Geburtstagsparty geben wollte.
Audrey selbst war ein paar Tage zuvor gerade zwanzig geworden. Endlich.
Aus einem Club tönten schon die Beats bis nach draußen. Audrey und Marie gingen hinein.
Es war schon irrsinnig voll und warm im Club.
Die beiden gaben ihre Jacken an der Garderobe ab und kämpften sich Richtung Bühne durch, wo gerade Karaoke lief. "Sollen wir auch mitmachen?"
Marie sah sie bittend an und Audrey nickte.
Sie suchten sich einen Song auf der Liste aus und warteten, bis sie dran waren.
Dann kam jemand auf sie zu und meinte, das er auch dieses Lied singen wollte.
Man könnte ja zu dritt auf die Bühne gehen und gemeinsam singen.
Die jungen Frauen nickten und freuten sich schon, denn der Typ, der mit ihnen singen wollte, war das verdammt gut aussehende "Geburtstagskind".
Nach knapp einer Stunde warten kamen sie dann auf die Bühne.
Audrey und Marie standen links und rechts von ihm.
Er zog sich eine Sonnenbrille auf und begann:
No new years day
To celebrate
No chocolate cover candy hearts to give away…
Beim Refrain fielen dann die beiden ein:
I just called to say I love you
I just called to say how much I care…
Und es kam richtig gut an wie die drei da oben standen und Stevie Wonder imitierten.
Besonders der junge Mann, der mit der Sonnenbrille fast wie Stevie rüberkam.
Den Refrain mussten sie dann noch mindestens fünf Mal singen, weil das Publikum danach verlangte.
Irgendwann konnten sie dann von der Bühne runter und Alex, so hieß der Typ, gab ihnen erst mal einen Drink aus.
Marie war aber schon dabei jemanden anzubaggern, der ihr ins Auge gefallen war.
Alex grinste und flüsterte zu Audrey: "Das ist mein kleiner Bruder."
"Wer es glaubt", meinte Audrey und sah sich den knapp zwei Meter großen Schnuckel grinsend an.
"Wer es glaubt."
"Hey, das ist mein Ernst! Er ist gerade mal zwanzig!"
Audrey lachte und zeigte ihm durch ihren Blick, das sie ihm glaubte.
Es kam ein Song aus den Fifities und Alex fragte sie, ob sie mit ihm tanzen wollte.
Dann hatte er sie schon zur Tanzfläche gezogen.
Er ahnte ja nicht, das Audrey ziemlich gut so ziemlich alles tanzen konnte.
Aber er merkte es recht schnell.
So blieb es nicht nur bei diesem Tanz. Sie tanzten sich regelrecht in Ekstase.
Dann zog er sie irgendwann von der Tanzfläche fort in ein Hinterzimmer.
Sie standen sich gegenüber, völlig außer Atem sahen sie sich an.
Es knisterte gewaltig zwischen ihnen.
Die Sonne blinzelte durchs Fenster.
Audrey setzte sich auf.
So etwas hatte sie noch nie zuvor getan.
Nach dem ersten Kennenlernen mit jemand in die Kiste zu gehen.
Ein wenig bereute sie schon, was geschehen war.
Sie kannte den Typen doch gar nicht.
Audrey blickte neben sich.
Alex wurde gerade wach.
Marie und Norman saßen an der Bar und grinsten breit, als sie Audrey und Alex sahen.
Wild zerwuseltes Haar und zerknautschte Klamotten.
"Na, wo kommt ihr denn her? Habt ihr in einem Sturm gestanden, großer Bruder?"
Norman konnte sich kaum halten vor Lachen, denn Alex war ebenso wenig wie Audrey auf One-Night-Stands aus.
Dachte er jedenfalls, denn bisher war es immer so gewesen. Deswegen war es für Norman umso witziger, wie zerknirscht Alex nun aus der Wäsche guckte.
Zu viert räumten sie dann den Club auf und ärgerten sich spaßeshalber immer mit irgendwelchen Witzen.
Dann gingen Marie und Audrey nach Hause.
Sie wussten nicht, das Norman und Alex sie verfolgten. Audrey verabschiedete sich von Marie und betrat ihre Wohnung.
Kurz darauf klingelte es bei ihr an der Tür.
Alex stand davor und grinste sie an. Sie bat ihn herein und schloss die Tür.
Doch anders als er erwartet hatte kam es dieses Mal nicht zu dem, was er jetzt gerne machen würde, sondern Audrey setzte einen Tee auf.
Er blickte enttäuscht in Richtung Küche und seufzte.
Audrey grinste innerlich und fand es irgendwie toll ihn hinzuhalten.
Irgendwann wurde es ihm zu blöd nur bei Tee und Keksen dazusitzen und reden.
Er wollte mehr und sie anscheinend nicht.
Also stand er auf und verabschiedete sich von Audrey.
Als die Tür ins Schloss gefallen war, atmete Audrey auf.
Denn sie wollte erst einmal herausfinden, ob mehr als nur pure Lust dahinter steckte.
Sie war doch nicht der Mensch, der nur Abenteuer wollte.
Sie wollte Gefühle und Nähe und Geborgenheit.
Das kam aber wohl nicht von ihm aus.
Und das merkte Audrey nun.
Da konnte er noch so gut aussehen und noch so gut singen. Davon hätte sie nichts, wenn nicht auch Gefühle dabei wären. Audrey setzte sich auf die Couch und nahm ihr Telefon.
Sie wählte Maries Nummer.
Es nahm keiner ab. Na ja.
Sie schien mit dem nicht minder gut aussehenden "kleinen" Bruder beschäftigt zu sein.
Marie war aber auch ein ganz anderer Typ als sie.
Dachte sie jedenfalls.
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Audrey musste wieder zur Arbeit.
Sie arbeitete bei einer Computerfirma, gestaltete unter anderem Homepages für die verschiedensten Leute.
Natürlich hatte sie auch eine eigene.
Aber an der arbeitete sie nur daheim.
Sie bot an sich Kleidungsstücke aus vielen verschiedenen Filmen nachschneidern zu lassen.
Außerdem hatte sie eine Lieblingsmusikrichtung, die sie dort auch "offenbarte".
Sie hörte für ihr Leben gerne die Musik der Kelly Family. Nicht, das sie irgendwen von ihnen besonders toll fand.
Nein, eher jeden auf seine Weise. Und das erklärte sie dort.
Denn so ein Starkult brachte für den jeweiligen Prominenten einen Haufen Negatives mit sich.
Es gab Fans, die des öfteren total abdrehten, ihren Star verfolgten, ihn belästigten bis zum Nervenzusammenbruch. Das war nicht Audreys Sache.
Während der Arbeit jedoch war sie mit anderen Homepages beschäftigt.
Von Firmen, Läden und manchmal auch Promis.
An einem schönen Februarmorgen kamen zwei Männer herein und wollten sich nach der Gestaltung einer Homepage für eine junge Künstlerin erkundigen.
Audreys Chef bat seine Angestellte zu sich.
"Audrey, du kennst dich doch mit dem Junge-Leute-Kram besser aus, kannst du die Herren Lorenz und Schmitz hier beraten? Ich wär dir recht dankbar."
Sie kam nach vorne.
Da standen Alex und dieser Herr Lorenz.
Professionell beriet sie hauptsächlich letzteren, denn der gab ja den Auftrag.
Da kam dann auch schon besagte junge Künstlerin hinzu.
"Hallo, ich bin Fanny."
Sie reichte Audrey die Hand.
"Klingt aber nicht nach einem Künstlernamen", bemerkte Audrey.
"Nee, da nenne ich mich Miss Y. Hast du...haben sie schon Vorschläge gemacht?"
"Du ist schon okay. Wir sind ja – glaube ich – ein Alter. Ja, schau hier mal. Das habe ich mit Herrn Lorenz schon ausgearbeitet. Ist das okay so?"
Alex sah recht dumm aus der Wäsche, das er so geflissentlich übergangen wurde von Audrey.
Er räusperte sich lauthals. Fanny lachte.
Audrey grinste und Alex guckte noch dümmer aus der Wäsche.
Das wurde ihm zu doof und er verließ den Raum.
"Er hat nicht genug Aufmerksamkeit bekommen, das schadet dem eitlen Gockel wohl nicht."
Fanny konnte kaum an sich halten.
Herr Lorenz grinste sowieso schon die ganze Zeit.
Nach gut einer Stunde war man sich über den Aufbau der Homepage einig und Audrey sollte in ein paar Tagen mit den ersten Entwürfen mal ins Tonstudio kommen.
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Marie sah man kaum noch ohne Norman.
Sie waren mittlerweile ein Paar.
Audrey fühlte sich etwas einsam.
Aber das war ja normal, wenn die beste Freundin frisch verliebt war.
Sie machte sich auf den Weg zum Studio, um über Fannys Homepage zu reden und die letzten Feinschliffe zu entwickeln.
Fanny öffnete ihr und lud sie erst mal zu einem Kaffee ein.
Sie fanden heraus, das sie sich sehr gut verstanden und auf einer Wellenlänge waren.
Dann kam Alex hinzu.
Audrey verstummte in ihrem freien Gespräch.
Das realisierte Fanny sofort und beschloss sich mal ganz schnell vom Acker zu machen.
Doch Audrey kam hinterher.
Sie wollte nicht allein sein mit ihm.
Abends klingelte es an ihrer Tür. Es war Alex.
Er entschuldigte sich für sein dämliches Verhalten und wollte dann auch schon wieder gehen, um keinen falschen Eindruck zu hinterlassen.
Doch Audrey dachte sich insgeheim:
’Jetzt drehe ich den Spieß mal um.’
Also zog sie ihn in die Wohnung.
Sie verbrachten eine leidenschaftliche Nacht miteinander. Einige Zeit später saß Audrey dann im Wohnzimmer auf der Couch.
Alex kam dazu und sah zu ihr, doch das merkte sie erst nicht.
Audrey griff nach einer Zigarette und bot Alex auch eine an. Er nahm und wirkte trotzdem leicht verwirrt.
Audrey stand auf und ging zum Fenster.
Gut fühlte sie sich nicht. Obwohl es sehr schön gewesen war. Sie stand unschlüssig am Fenster und starrte hinaus.
"Ich möchte, das du jetzt gehst, Alex."
Er sah sie verdutzt an und wollte etwas erwidern.
"Bitte geh jetzt!"
"Warum denn? Was habe ich falsch gemacht?"
"Nichts, aber ich. Ich kann das so nicht. Also bitte, lass mich jetzt alleine."
Alex ging. Und er war sehr geknickt.
Denn er hatte gemerkt, das es gar nicht so einfach war nur Spaß zu haben mit einem netten Mädchen und sonst gar nichts.
Er hatte sich wohl verliebt.
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Und doch, immer wieder trafen sie sich, als wenn es eine Sucht wäre, die sie dazu verleitete.
Jedes Mal war das Gefühl danach schlecht für beide.
Anfang Mai wurde es Audrey zuviel.
Sie sagte, das es nun endgültig vorbei sei damit.
Sie könne nicht mehr. Keine Affäre mehr.
Alex ging und er hielt sich daran, das er sich nicht mehr melden sollte.
Was er nicht wusste: Audrey war schwanger.
Aber sie hatte ein schlechtes Gefühl dabei.
Denn Alex war dabei eine Karriere aufzubauen, da könne er ein Kind von irgendeiner Affäre nicht gebrauchen.
Und eine Affäre war es. Mehr nicht.
Sie war schon im vierten Monat und es hätte sich nicht mehr länger verbergen lassen können.
Seit einiger Zeit verspürte sie schon die Tritte ihres Babys.
Sie hatte beim Arzt auch schon erfahren, das sie ein Mädchen bekommen würde.
Nun freute sie sich auf das Kind und wusste, das es mit dem Vater des Kindes keine gemeinsame Zukunft geben würde.
Zum Reden hatte sie momentan auch keinen.
Marie war nur noch mit Norman unterwegs und hatte sie wohl schon vergessen.
Und Fanny stand vor der Entscheidung, ob sie nun weiter studieren wolle oder eher singen.
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Audrey suchte nach einer anderen Arbeitsstelle, damit sie nicht ständig mit all den Menschen, die sie nicht mehr sehen wollte, in Kontakt kam.
Nach einiger Zeit des Suchens fand sie in Köln eine Anstellung als Schneiderin.
Sie hatte ein paar Proben ihres Könnens hingeschickt und die waren begeistert angenommen worden.
So zog sie nach Köln.
Sie hatte recht schnell eine kleine, preiswerte Drei-Zimmer-Wohnung gefunden.
In der Schneiderei wusste man auch von ihrer Schwanger-schaft, aber Audrey versicherte ihnen, das sie kurz nach der Geburt auch von zu Hause aus tätig sein könnte.
Das war dann auch okay.
Ende September war es dann soweit.
Audrey brachte ihr Töchterchen Neele zur Welt.
Sie hatte, wie ihr Vater, himmelblaue Augen und dunkelblondes Haar.
So ganz das Gegenteil von ihr.
Audrey selbst hatte nämlich dunkelbraune Haare und schokobraune Augen.
Nach ein paar Tagen Erholung ging sie in Heimarbeit ihrem Job wieder nach und konnte trotzdem voll und ganz für ihre Tochter da sein.
Ein paar Kunden waren auf ihre Homepage gestoßen und fragten nach, ob das nur übers Internet ginge mit den Filmkostümen.
Audrey verneinte dies und nahm noch zusätzliche Aufträge für verschiedenste Kostüme entgegen.
Da wurden unter anderem Sissi-Kleider, das Kleid von Rose aus Titanic oder auch Musical-Kostüme gefordert.
Und Audrey hatte Spaß daran.
Die Chefin der Schneiderei war glücklich, das die Auftragslage nun so gut war und konnte ein zweites Geschäft eröffnen, dessen Leitung Audrey übernehmen sollte.
Überglücklich nahm Audrey an.
Sie war mit der Chefin mittlerweile recht gut befreundet, aber das sie ihr so viel Vertrauen gab, machte sie auch ein bisschen stolz.
So wurde Anfang 1999 ein zweites Schneider-Atelier eröffnet. Dort kamen nach einiger Zeit auch immer mehr Prominente, die spezielle Bühnen-Outfits für ihre Konzerte wollten.
Das Geschäft florierte.
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KAPITEL ZWEI
Drei Jahre später
Aufgeregt hopste die kleine Neele umher.
Es war der erste Kindergartentag für sie und ihre Mama würde sie jetzt hinbringen.
Neeles dunkelblonde Löckchen wurden zu zwei frechen Zöpfen gebunden und sie trug ein geblümtes Kleidchen.
Ihre Augen strahlten mit der Sonne um die Wette.
Sie war gestern erst drei geworden und konnte heute zu den ganzen anderen Kindern.
Denn oft war es der Kleinen im Atelier viel zu langweilig gewesen.
Endlich ganz viele andere Kinder zum Spielen.
Audrey ging direkt nach dem Kindergarten in "ihren" Laden. Heute stand einiges auf dem Plan.
Und das Telefon hörte nicht auf zu klingeln.
Ein Auftrag jagte den anderen.
Am späten Vormittag kamen noch ein paar Kunden, die schon vor zwei Wochen angerufen hatten.
Aber Audrey war mit Neele im Urlaub in Irland gewesen und hatte es verschieben müssen.
Nun waren sie da.
Vor ihr standen Patricia und Patrick Kelly.
Sie planten eine Tournee und wollten ein paar neue Klamotten dafür.
Vorstellungen hatten sie auch schon, aber keiner konnte oder wollte sie umsetzen in der Familie.
Keine Zeit, nicht da oder sonst irgendetwas.
"Hat das nicht normalerweise ihre Schwester Barby gemacht?",
erkundigte sich Audrey.
"Stimmt, aber wie sie sicherlich schon mitbekommen haben, geht es ihr nicht sehr gut und dann wollten wir sie nicht auch noch belasten. Außerdem sind wir durch Freunde auf ihre Homepage gestoßen und haben diese Adresse hier gefunden. Na ja, deswegen sind wir jetzt hier."
Patrick hatte sich in Rage geredet, warum wusste er selber nicht.
Aber er stellte fest, das ihm die junge Frau mit "Ihrem" Laden" und der tollen Homepage imponierte.
Und das sagte er jetzt auch. Audrey wurde rot.
Das war ein schönes Kompliment.
Dann wurden die Kleider besprochen und ein Termin festgelegt.
Audrey, die mittlerweile auch schon Angestellte hatte, die vieles schneiderten – natürlich von ihr beigebracht – machte diesen Auftrag ganz allein.
Das wollte sie sich nicht nehmen lassen.
Da der Auftrag schnell von statten gehen musste, machte sie sich an die Arbeit und arbeitete auch am Abend zu Hause weiter.
Neele war erst gelangweilt, aber sie sah, was für schöne Stoffe es waren und bestaunte dann ein Werk nach dem anderen.
Sie wollte auch so was märchenhaftes zum Anziehen haben. Audrey versprach ihr aus den Stoffresten, die nach Beendigung aller Kostüme übrig blieben, ein Märchenkleid zu nähen.
Nach dreieinhalb Tagen war sie dann fertig und erwartete im Atelier Patrick und Patricia, die ihre Sachen abholen wollten. Neele war schon zurück aus dem Kindergarten.
Sie saß neben ihrer Mama und freute sich auf das Kleid für sie, woran Audrey gerade arbeitete.
Die Tür ging auf und Patrick kam herein.
Er begutachtete die Anfertigungen und sah dann zu Neele.
"Ist das Ihr Töchterchen?"
"Ja, das ist Neele. Sie ist gerade drei geworden."
Patrick sah zu Neele, die nun ganz stolz verkündete, das aus seinen Stoffresten ein Märchenkleid für gemacht würde und Patrick musste lachen.
"Aus meinen Stoffresten? Dann habe ich ja gar nichts mehr anzuziehen!"
"Oh doch! Denn deine Anziehsachen sind ja schon alle ganz fix und fertig!"
Neele hatte ein schlechtes Gewissen.
"Oder nicht, Mama?"
Audrey grinste und sah zu Patrick.
Dann nickte sie ihrem Töchterchen zu und meinte erklärend zu Patrick, das ihre Kleine die Stoffe so toll fand und was sie ihr versprochen hatte.
"Na, dann will ich aber auch wissen, wie es aussieht, wenn es fertig ist. Dauert es denn noch lange?"
"Nein, etwa eine dreiviertel Stunde, dann habe ich es fertig. Wollen sie so lange warten?"
"Also, wenn ich mal so dreist sein darf. Du kannst ruhig du zu mir sagen. Wir sind bestimmt kein Jahr auseinander. Und, ja, die Zeit nehme ich mir. Ich muss doch bestaunen, was aus meinen Stoffresten wird. Kinder haben bei mir immer Vorrang."
"Das finde ich ganz toll", tönte es dann aus Neeles Schnütchen.
Neele kam um die Kassentheke herum und setzte sich einfach auf Patricks Schoß.
Aus den Resten entstand ein wunderschönes Feenkleid in hellblau, Rose´ und Flieder.
Neele kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Sofort probierte sie es an. Selbst Patrick war hin und weg.
"Der Mama würde so ein Kleid bestimmt auch sehr gut stehen", bemerkte er dann und zwinkerte Neele zu und das mit einem umwerfenden Lächeln.
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Ein paar Wochen später.
Es war schon ordentlich kalt geworden und das Laub lag überall verstreut.
Audrey hatte gerade Neele vom Kindergarten abgeholt und war mit ihr auf dem Heimweg.
Neele hüpfte durch die Laubhaufen und hatte irrsinnig viel Spaß dabei.
Sie rief ihrer Mama zu, das sie doch mitmachen solle.
Also fing auch Audrey an gegen die Laubhaufen zu treten, das es nur so durch die Luft flog.
So sah sie aber nicht, das sie beinahe mit jemandem zusammen-gestoßen wäre.
"Hoppla! Nicht so wild, junge Frau!"
Audrey sah auf und erschrak.
Alex war es, den sie beinahe umgerannt hätte.
"Hallo. Lange nicht gesehen. Wie geht es dir?"
Das brachte sie gerade noch so heraus und hoffte, das Neele einfach weiter spielen würde.
Doch genau das tat ihr neugieriges Töchterchen nicht.
"Mama, wer ist das? Kenn ich den?"
"Mama? Dieses Mädchen nannte Audrey Mama?", dachte Alex und blickte in Neeles Richtung.
Sie trippelte näher und setzte ihr schönstes Lächeln auf, das sie hatte.
In diesem Lächeln erkannte Alex sich wieder und erschrak heftig.
"Was... wer... warum! ?" brachte er nur noch hervor.
Er war sich bewusst, das dass niedliche, kleine Ding seine Tochter war.
Und das haute ihn um.
"Ich hatte meine Gründe. Es wäre unmöglich gewesen zu dem Zeitpunkt damals, dir zu sagen, das du Vater wirst. Ich wollte dir nicht die Zukunft verbauen und wir waren kein glückliches Paar. Geschweige denn, das du an Kinder gedacht hättest."
So, jetzt war es heraus. Alex war buff.
Er brachte kein Wort mehr heraus und blickte nur noch auf Neele.
"Wie alt ist sie? Wann kam sie zur Welt? Du hättest doch wenigstens sagen können, was los ist. Hast du alles beendet, weil du schwanger warst von mir? Oder gab es da noch andere Gründe?"
"Ich denke mal, das wir das mal in Ruhe besprechen sollten und nicht hier auf der Strasse. Am besten heute abend in einem Cafe´ oder so. Was meinst du?"
"Ja, und die Kleine?"
"Sie kann zu Hause schlafen. Eine Freundin von mir wird dort sein. Das geht schon klar. Also, heute abend im La Patata. Ist noch besser. Ich esse gerne dort."
"Okay. Gib mir bitte noch die Adresse."
Das machte Audrey dann noch und nahm Neele an die Hand, um endlich in die warme Wohnung zu kommen.
"Mama, wer war denn der Mann vorhin", löcherte sie dann zu Hause.
"Neele, mein Schatz, das war dein Papa. Ich habe ihm damals nicht gesagt, das ich dich bekomme und nun ist er etwas erschrocken darüber. Ich muss nachher mit ihm darüber reden. Yvonne wird dann auf dich schauen heute abend. Ist das okay?"
Yvonne war Audreys Chefin und sehr gute Freundin.
Sie mochte Neele, und da sie selber keine Kinder hatte, übernahm sie ab und zu schon gerne mal den ein oder anderen Babysitterjob bei Audrey.
"Aber nur, wenn ich ihn auch noch mal sehen kann. Den Papa. Ich will ihm mal Hallo sagen."
"Ja, das darfst du natürlich. Aber heute nicht mehr. Okay?"
Neele war mit dieser Antwort durchaus zufrieden, hatte sie doch wie viele andere Kinder nun auch endlich einen Papa.
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Am Abend dann fuhr sie zu La Patata.
Sie hatte es vor einiger Zeit entdeckt und liebte es die verschiedensten Kartoffelgerichte zu probieren.
Sie war eine halbe Stunde zu früh da und bestellte sich schon etwas.
Dann sah sie etwa sechs ihr bekannte Gesichter und lächelte ihnen zu.
Denn zwei hatten sie erkannt.
Patricia und Patrick winkten ihr zu und nahmen dann an einem großen Tisch Platz.
Audrey saß seufzend an ihrem Tisch und überlegte, was es eigentlich noch zu reden gäbe.
Wenn er wollte, konnte er Neele sehen und zu zahlen brauchte er auch nicht für sie.
Das hatte sie bisher nicht gewollt, warum denn jetzt?
Da kam auch schon Alex zu ihrem Tisch.
Er lächelte verschämt und warf direkt einen Blick in die Karte, um erst mal einem Gespräch aus dem Weg zu gehen.
Audrey blickte irgendwie hilfesuchend um sich.
Sie blickte plötzlich in Patricks Augen, der irgendwie traurig wirkte.
Sie fragte sich warum, dann wurde sie aber auch schon aus ihren Gedanken gerissen, denn Alex begann das Gespräch mit ihr zu suchen.
"Was wollen wir jetzt wegen... wie heißt sie noch mal?"
"Sie heißt Neele."
"Ja, Neele. Was wollen wir jetzt machen?"
"Sie hat gesagt, das sie dich gerne kennen lernen will, denn du bist ja ihr Vater. Aber eines sage ich jetzt schon: ich fordere keinerlei Unterhalt. Weder für die letzten drei Jahre, noch für die Zukunft. Das musste ich nur jetzt klären. Ausnehmen will ich dich nämlich nicht. Ich kam bisher gut alleine klar. Also, wie gesagt, du kannst sie jederzeit sehen."
"Hey, mal nicht so schnell. Ich möchte sie gerne sehen und auch kennen lernen. Ich werde, wenn ich darf, für sie auch finanziell was anlegen, wenn du schon keinen Unterhalt willst. Und ich wollte dir sagen, das du mir in diesen drei Jahren nicht aus dem Kopf gegangen bist. Du hast eine richtige Unruhe hinterlassen in mir."
"Du hast doch mittlerweile eine Freundin. Beate heißt sie, wenn ich mich nicht irre. Oder habe ich Unrecht?"
"Nein... ja es stimmt, ich habe eine Freundin, aber es ist so, das wir uns zwar sehr mögen, es aber nicht genug für eine Beziehung ist."
"Da kann ich aber nichts machen. Ich bin momentan so glücklich, wie es ist."
Audrey wandte sich ihrer Speise zu, die sie gerade bekommen hatte und blickte ihn nicht mehr an.
Er hatte nun bei ihr eine Unruhe hervorgerufen.
Damals war sie noch verliebt gewesen, als sie die Affäre beendet hatte.
Jedoch war es für ihn anscheinend nur Lust.
Und nun sagte er, das da mehr war?
Sie war froh, als Alex sich bald darauf verabschiedete, da er noch für eine Musiksendung Aufnahmen machen musste.
Mit gesenktem Kopf stocherte sie nun in ihrem Salat herum.
"Sorry, darf ich mich zu dir setzen?"
Audrey blickte auf und sah in Patricks tiefblaue Augen.
Sie nickte und wusste nicht, was sie sagen sollte oder er nun vielleicht fragen wollte.
"War das dein Freund? Ihr saht aus als hättet ihr Streit gehabt."
"Nein, das war nicht mein Freund. Vor ein paar Jahren hatten wir mal was miteinander und ich habe von ihm meine Tochter Neele. Aber ich habe ihn geliebt und er mich nicht. Damals. Jetzt sagt er etwas anderes. Und er wusste bis heute nachmittag nicht, das er eine Tochter hat."
Es tat Audrey gut, das jemand zum Zuhören da war.
Patrick lächelte sie lieb an und zeigte durch seinen warmen Blick Verständnis.
Audrey blickte nun auf die Uhr und sprang auf.
"Ich muss nach Hause. Yvonne hatte am späten Abend noch was vor. Ich muss zu Neele."
"Lass gut sein, ich bezahle", meinte Patrick, als Audrey dann hastig in ihrer Geldbörse herumwühlte.
Doch sie legte schon das Geld hin und verließ den Raum.
Zu Hause angekommen staunte Yvonne nicht schlecht, das Audrey schon so früh wieder da war.
Sie hatte nichts vor, das war eine Notlüge von Audrey, da sie einfach nicht mehr dort bleiben konnte.
An diesem Abend war sie mitten in ein riesiges Gefühlschaos geraten.
Sie setzte sich mit Yvonne ins Wohnzimmer und redete. Davon, das sie auf Neeles Vater getroffen sei und das er sie wohl liebte, angeblich seit damals schon.
Das in diesem Restaurant aber noch ein anderer junger Mann war, zu dem sie sich sehr hingezogen fühlte und der auch anscheinend des öfteren ihre Nähe suchte.
Und das sie sich irgendwie zu beiden sehr hingezogen fühlte und nun nicht mehr wusste, was sie tun sollte.
"Lass sie um dich kämpfen. Sie müssen dich verdienen. Ich finde nämlich, das manche Frauen zu gut für die Männerwelt sind. Und du bist eine solche. Die meisten ihrer Art nutzen die Frauen doch nur aus."
"Wenn das doch nur so einfach wäre. Sie um mich kämpfen lassen. Beim einen bin ich mir nicht ganz so sicher, wie viel er für mich empfindet und der andere sagt es mir erst nach Jahren..."
Audrey seufzte schwer.
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Es vergingen kaum zwei Tage, an denen nicht irgendetwas von einem ihrer beiden Verehrer kam oder geschah.
Ob es Rosen waren, die den Weg von ihr zu ihrer Arbeit umschmückten, von Patrick.
Ob es Anzeigen in einer Zeitung waren, in der stand, was sie ihm noch bedeute, von Alex.
Und immer wieder irgendetwas anderes ausgefallenes fiel ihnen ein.
Sie hatte das Gefühl, das Alex versuchte Patrick zu übertrumpfen, was Patrick andererseits jedoch nicht versuchte. Audrey war kurz vor der Verzweiflung.
Neele verstand all dies nicht und fragte ständig, was es bedeuten sollte.
Sie versuchte ihrem Kind zu erklären, das gleich zwei Männer sie wohl sehr gern hatten und gerne mit ihr zusammen wären. Neele meinte daraufhin nur, das man doch zwei lieb haben kann. Audrey musste lachen.
So ein Zwerg verstand es einfach noch nicht.
KAPITEL DREI
Es war kurz vor Weihnachten und Audrey schmückte mit Neele die Wohnung mit Tannenzweigen und in Gold und Silber bemalten Tannenzapfen.
Insgeheim wollte Audrey gar nicht hier feiern, sondern ganz weit weg.
Sie hatte die Nase voll von allen Liebesbeweisen.
Weder hatte sie irgendeinem von den beiden gesagt, das sie was empfindet, noch das es das Gegenteil wäre.
Keinem hatte sie gesagt: ´Du, ich hab dich gern und wäre gern mit dir zusammen.´ Auch nicht: ´Du, ich will gar nichts von dir, lass mich in Ruhe´.
Aber ihre Ruhe wollte sie haben.
Warum war es eigentlich so, das ewig gar keiner auf sie flog und nun gleich zwei?
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Neele war kurz vor Weihnachten von Alex abgeholt worden und fuhr mit ihm zu seiner Mama, die die Kleine auch mal kennen lernen wollte.
So war Audrey für ein Wochenende für sich.
Sie packte sich warm ein und ging aus der Wohnung Richtung City.
Irgendwann kam sie am La Patata vorbei.
Genau in diesem Moment kam natürlich Patrick heraus.
Seine Geschwister saßen noch drinnen.
Er wollte sich gerade eine Zigarette anstecken.
"Krass, du rauchst?"
Erschrocken sah er in Audreys Richtung.
"Meine Güte, hast du mich erschreckt. Was machst du hier? Ja, ab und zu rauche ich mal ein Zigarettchen."
Audrey erzählte, das Neele ein paar Tage in bei der Oma verbrachte und sie einfach nur spazieren gehen wollte.
Dann bat sie ihn auch um eine Zigarette.
So redeten sie eine ganze Weile nur so herum.
Audrey wurde es langsam kalt und sie wollte sich verabschieden.
Patrick bat um einen Moment, sagte seinen Geschwistern Bescheid und ging mit Audrey noch gemeinsam spazieren. Mit tief ins Gesicht gezogener Mütze erkannte man ihn eh nicht, also konnte er mal mitten durch die City gehen.
Seine Haare trug er ja nun schon seit einiger Zeit kurz, mit langen Haaren wäre es schon wieder problematischer geworden.
Sie machten einen langen Spaziergang.
Quer durch Köln, später den Rhein entlang.
Die ganze Zeit schwiegen sie.
Audrey merkte, das Patrick sie oft verstohlen von der Seite ansah.
Als es noch mal passierte, sah sie ihm direkt in die Augen.
"Darf ich dich küssen?"
Audrey sah ihn verdutzt an, dann nickte sie.
Ganz vorsichtig und sanft drückte er seine Lippen auf ihre. Audrey verging hören und sehen.
Mein Gott, es war so voller Liebe und mit so viel Gefühl.
Das hatte sie damals in der von ihr so genannten Affäre nie so empfunden.
Sie schien auf einer ganz anderen Ebene zu sein.
So hatte sie noch nie empfunden. Kurz dachte sie an die Zeit drei Jahre zuvor.
Nein, sie hatte damals zwar Gefühle für ihn, aber so intensiv hatte sie nicht für Alex gefühlt.
Nicht so, wie jetzt, wo sie sich wünschte, das dieser Kuss doch niemals enden möge.
Doch leider endete er.
Und wieder gingen sie schweigend nebeneinander her.
Audrey hob zögernd ihre Hand und suchte nach Patricks Hand.
Sie war warm und wunderbar weich.
Ihrem Gefühl nach war ihre eisig kalt.
Mit warmem Blick sah er zu ihr.
"Ich habe mich vor einiger Zeit wahnsinnig ihn dich verliebt. Ich weiß aber auch, das Alex in dich verliebt ist. Und ich weiß nicht, wie lange du brauchst, um dich zu entscheiden. Das einzige was ich weiß, das mir fast das Herz zerbricht."
Audrey wusste nun gar nicht mehr weiter.
"Ich... ich weiß nicht, ob ich mich entscheiden kann. Ich weiß ja gar nicht, warum plötzlich gleich zwei auf mich stehen. Und überhaupt bin ich doch gar nicht in Alex verliebt. Das habe ich eben gemerkt. Aber ich brauche noch ein kleines bisschen Zeit."
Patrick sah sie an und nickte.
Er wirkte so verständig wie sie es von Alex nie erwartet hätte. Alex war zwar ein hübscher Kerl, aber er spielte auch mit seinem Aussehen.
Er wusste es genau einzusetzen.
Bei Patrick war das ganz anders.
Er war ein zurückhaltender, schüchterner junger Mann, der wusste, das man mit Gefühlen nicht spielt.
Als sie wieder beim La Patata angekommen waren, trennten sich ihre Wege.
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Audrey wurde innerlich fast verrückt, als sie auf dem Heimweg war.
Sie wusste nicht mehr ein noch aus.
Wie sollte sie Alex erklären, das sie ihre Entscheidung gegen ihn gefällt hatte?
Und was würde Neele dazu sagen?
Neele war so glücklich endlich einen richtigen, echten Papa zu haben.
Zu Hause angekommen, blinkte schon der Anrufbeantworter. Audrey drückte das Knöpfchen, um ihn abzuhören.
Sie hörte das Stimmchen ihrer Tochter, das ihr verriet, das es sooo lustig gar nicht war, wie ihr der Papa das versprochen hatte.
Sie wollte nach Hause.
Alex sagte dann noch, das er sie ja in einen Zug setzen könnte. Audrey griff sofort zum Telefon.
"Alex Schmitz hier, wer dort?"
"Sag´ mal, hast du sie eigentlich noch alle? Den Vorschlag Neele alleine in einen Zug zu setzen. Ich hoffe, das du das nicht getan hast. Ansonsten gibt es eine Anzeige, das kannst du mir aber glauben!"
"Hey, komm´ mal runter, Püppchen. Bist ja voll hysterisch. Norman und Marie sind mit ihr auf dem Weg zu dir. Sie wollten dich sowieso mal wieder sehen, besonders Marie."
"Ich werde mir überlegen, ob du noch mal Neele mit zu dir nehmen kannst. So etwas verantwortungsloses ist mir ja noch nie untergekommen! Und übrigens wollte ich dir noch sagen, das ich mich nun endgültig gegen dich entschieden habe. Wird dir ja jetzt wohl klar sein."
Audrey knallte den Hörer auf die Station.
Sie freute sich, das Neele nicht im Zug, sondern mit Marie kam, die sie nun schon mehr als drei Jahre nicht mehr gesehen hatte, kam.
Aber Alex war nun endgültig unten durch bei ihr. Verantwortung konnte man das nun wirklich nicht nennen, was er da vorhatte.
Keine Stunde später klingelte es Sturm und ihr Engelchen flog ihr in die Arme.
"Mama! Ich will nicht mehr zu Alex. Lieber zu Marie und Norman, die sind total lieb und haben auch ein Mädchen. Sie heißt Audrey, wie du Mama, und ist voll lieb. Und weißt du was?"
"Langsam, mein Schatz. Kommt doch alle erst mal rein. Hallo Marie, Hallo Norman und Hallo Audrey."
Es war ja schon komisch, seinen eigenen Namen zu jemand anderem zu sagen.
Sie umarmte erst mal Marie ganz innig, da sie sie doch arg vermisst hatte.
Und Norman, der die kleine Audrey auf dem Arm hatte, begrüßte sie eher verhaltener, aber doch freundlich.
"Ich kann verstehen, wenn du den Schmitzens erst mal vorsichtig über den Weg läufst. Aber ich habe mich weiterentwickelt. Mein Bruder nicht. Marie und ich sind mittlerweile verheiratet und wie du siehst, haben wir ein Kind. Und im Sommer bekommt Audrey ein Brüderchen."
Jetzt erst fiel Audrey Maries Babybäuchlein auf.
Mit ehrlicher Freude lächelte sie Marie und Norman an. Wenigstens einer der beiden, der vernünftig war.
Sie bat die kleine Familie ins Wohnzimmer und setzte einen Tee auf.
Norman erzählte, das Alex echt vorhatte Neele alleine nach Köln fahren zu lassen.
Und das er und Marie richtig darum gekämpft hatten, sie fahren zu dürfen.
Audrey räumte bereitwillig ihr Schlafzimmer, damit Marie und Norman dort übernachten konnten.
Das war das mindeste, was sie machen wollte als Dankeschön fürs heimbringen ihres Engelchens.
Außerdem erzählten die beiden, das sie sich auch eine Wohnung in Köln suchen wollten.
Audrey und Marie freuten sich, das sie sich nach so langer Zeit immer noch so gut verstanden.
Die Kleinen aber hatten es sich schon im Kinderzimmer bequem gemacht.
Als die Großen nach ihnen sahen, lagen sie nebeneinander in Neeles riesigem Bett und schliefen.
Vorm Zubettgehen sagte Audrey noch, das sie ihnen am nächsten Tag jemanden vorstellen wollte.
"Hast du einen Freund? Alex erzählte was von Kelly Family und das er ja doch gegen diesen Schwächling gewinnen würde. Meinte er wirklich Patrick Kelly? Haben sich echt beide um dich gerissen? Ist das war?"
Marie war, wie immer, sehr neugierig.
"Ja, er meinte genau diesen Patrick, der übrigens kein Schwächling ist, sondern ein sehr gefühlvoller, toller Mann. Ich bin mir leider erst heute in zwei Situationen darüber klar geworden, was ich für ihn empfinde. Wir waren lange spazieren hier am Rhein. Und dann die Aktion von Alex. Das hat mir beides die Augen geöffnet."
Norman wollte etwas sagen, doch Audrey erklärte nur, das er nicht zu vergleichen sei mit seinem doch etwas dümmlich geratenen Bruder.
Dann gingen sie zu Bett.
Audrey hatte es sich im Wohnzimmer bequem gemacht.
Sie griff noch mal zum Telefon und rief Patrick an.
"Hallo, wer ist da?"
Oh, er hörte sich recht verschlafen an.
"Entschuldige, ich wollte dich nicht wecken. Soll ich morgen noch mal anrufen?"
"Nein! Ich bin wach! Was ist denn, was kann ich für dich tun. Wolltest du irgendetwas sagen?"
"Ja, ich wollte etwas sagen. Ich habe mich entschieden?"
"Heute schon? So plötzlich?"
Patrick hörte sich irgendwie enttäuscht an, als würde er denken, das die Entscheidung gegen ihn gefallen wäre.
"Ja, heute. Der Spaziergang mit dir hat mir schon deutlich gemacht, was du mir bedeutest. Aber als ich nach Hause kam und mit Neeles Vater reden musste, weil er sie sonst in einen Zug nach Köln gesetzt hätte, ist der Groschen bei mir endgültig gefallen."
Patrick seufzte hörbar.
Nun räusperte er sich.
"Patrick... das es mir nicht eher bewusst war. Verzeih bitte. Ich liebe dich!"
"Und ich dich erst! Darf ich zu dir kommen?"
"Ja, aber Neele ist wieder da und meine beste Freundin von früher mit Mann und Kind. Ich hoffe das stört nicht."
"Nein, ich möchte dir nur nahe sein. Dich in den Arm nehmen."
Audrey wartete nun sehnsüchtig auf das Türklingeln.
Kaum eine halbe Stunde war vergangen, da klopfte es an der Tür.
Er hatte sich schon gedacht, das alle schlafen und deswegen nicht geklingelt.
Audrey schloss ihn in die Arme und gab ihm erst mal einen innigen Kuss.
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Am nächsten Morgen tapsten Neele und Klein-Audrey ins Wohnzimmer.
Neugierig wie sie nun mal mit dreieinhalb Jahren war, stupste Neele an ihrer Mama herum und versuchte sie wach zu bekommen.
"Mama, ich habe Hunger. Mama, ich habe Durst. Mama, ist Patrick jetzt mein Papa? Mama!!!"
Audrey wurde wach und Patrick und mittlerweile auch Marie und Norman.
Marie sah verdutzt zu ihrer besten Freundin und grinste verschmitzt.
"Du wolltest uns ja heute so oder so Patrick vorstellen. Das es dann so früh ist hätte ich nicht gedacht."
Sie lachte, was sofort ansteckend auf Audrey wirkte, wie früher.
Patrick machte sich dann erst mal mit Norman bekannt, erschrak jedoch kurz darauf, als er dann erfuhr, das er Alex Bruder war.
Doch Norman beruhigte ihn und sagte, das er sich erstens aus Alex Dingen raushalten würde, zweitens mit Marie – Audreys bester Freundin – verheiratet sein und drittens nichts von dem Unfug seines Bruders wissen wollte.
Sie planten nun den Nachmittag.
Die Mädchen wollten in den Zoo und das konnte man den kleinen Prinzessinnen unmöglich abschlagen.
Also machten sich die sechs auf den Weg dorthin.
Der Nachmittag verging viel zu schnell.
Als Norman zu Aufbruch aufrief, zogen "seine Mädels" eine Schnute.
Er gab natürlich klein bei und meinte, das er erst mal alleine zurück fahren würde.
Dafür müssten sich die "Damen" aber nach einer Wohnung in der Nähe umschauen, das sie so bald wie möglich nach Köln ziehen könnten.
Denn in der Nähe seines Bruders hielt ihn soviel nicht mehr. Auch die Mutter war ihm mittlerweile dem Bruder zu ähnlich geworden im Verhalten.
Marie und Audrey suchten eine preiswerte Pension, in der sie und Klein-Audrey ein paar Tage wohnen konnten und dann ging es auf Wohnungssuche.
Erst suchten sie in der Zeitung, doch dort wurden sie nicht fündig.
Dann meinte Patrick, das es im Internet noch viele Seiten mit Wohnungsangeboten gab.
Dort wurden sie dann recht schnell fündig.
Eine Vier-Zimmer-Wohnung in bester Lage.
Alle zusammen machten sie sich dann auf den Weg zu dieser Wohnung.
Und da dort sofort ein neuer Mieter gesucht wurde, konnte die kleine Familie schon ein paar Tage drauf mit Sack und Pack einziehen.
Nun kam Patrick plötzlich auf die Idee den Vermieter nach der ebenfalls leerstehenden Vier-Zimmer-Wohnung direkt nebenan zu fragen.
Keine halbe Stunde später war auch diese Wohnung vermietet. Audrey war nun überrascht.
Hatte er vor, dort alleine hinzuziehen?
Wollte er dort warten, bis sie zu ihm ziehen wollten oder wollte er, das sie sofort mit einziehen sollten?
Er hatte sie ja nicht mal gefragt.
"Audrey, deinem Gesicht nach zu urteilen, bist du jetzt ziemlich überrascht. Aber ich dachte mir, das ihr doch bestimmt nebeneinander wohnen möchtet, wenn ihr könnt. Ihr habt euch seit drei Jahren nicht mehr gesehen und habt gleichaltrige Kinder. Und wenn du irgendwann soweit bist, kann ich vielleicht zu euch ziehen. Wenn du das willst. Denn ich weiß nicht, ob wir dafür schon bereit sind."
Audrey blickte ihn an und ihre Augen schimmerten vor lauter Tränen.
"Hey, ich dummes Huhn habe solange gebraucht, bis ich verstanden habe, wie sehr ich dich liebe und dann soll ich nicht immer deine Nähe bei mir spüren? Nein, wenn wir hier einziehen, dann nur zusammen. Damit würdest du mich sehr glücklich machen."
Patrick schloss Audrey in seine Arme und drückte sie vor lauter Glück fast so fest, das sie kaum noch Luft bekam. Norman wurde angerufen und war dermaßen erstaunt, das sie so schnell eine neue Bleibe hatten, das er gar kein Wort mehr herausbrachte.
Am Abend war er aber schon wieder in Köln, wo er mit seiner Frau, Patrick und Audrey schon Pläne machte, wie man die Wohnungen tapezieren und einrichten könnte.
Es wurde ein Architekt gerufen, der für jede Wohnung das passende zusammenstellte und präsentierte.
Das war Patricks Geschenk an seine Liebste und ihre Freunde. Er ließ sich auch nicht abbringen davon, denn ansonsten hätte er mitten in der City herausgebrüllt, wie glücklich er war.
KAPITEL VIER
"Ran an die Arbeit!!!"
Fürchterlich laut tönte es im Treppenhaus des Hauses, wo Audrey, Patrick, Neele, Norman, Marie und Klein-Audrey bald wohnen würden.
Die Malermeister waren schon fast fertig mit den beiden Wohnungen.
Sie hatten gerade eine Pause und jetzt ging es in die letzte Runde.
Eine Stunde später sollten schon die Möbel kommen. Es war kurz nach Silvester und alle waren schon richtig aufgeregt wegen der neuen Wohnungen.
Patrick sah zur Zeit betrübt aus, denn seinem Vater ging es nicht sehr gut.
Er hatte vor ein paar Wochen einen weiteren Schlaganfall erlitten.
Marie blieb bei den Arbeitern, um den Überblick zu behalten und Audrey begleitete Patrick zu seinem Vater.
Als die beiden wieder zurückkamen, war die Wohnung schon komplett eingerichtet.
Sie mussten nur noch die Schränke einräumen.
Ebenso erging es Marie und ihrer Familie.
Norman kam gerade von der Arbeit.
Er arbeitete als Abteilungsleiter in einer Bank in der Nähe von Köln.
Die Stelle hatte er schon vor dem Umzug gehabt, musste vorher jedoch immer lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen.
Er staunte nicht schlecht, das er jetzt direkt wohnen konnte.
Audrey bereitete gerade Irish Stew vor, das Rezept hatte sie von Maite bekommen.
Alle fanden sich zusammen in Patricks Wohnung.
"Und morgen bin ich mit Kochen dran. Wir können uns ja immer abwechseln. Ist doch lustig."
Marie sah Audrey an, die nickte zustimmend, denn gleichzeitig wollten Neele und Klein-Audrey auch noch was erzählen und erwarteten, das sie zuhörte.
Nebenbei ließ Patrick Norman etwas zukommen, der dann ziemlich erstaunt blickte.
Als nachträgliches Hochzeitsgeschenk bekamen er und Marie die Wohnung als Eigentum geschenkt, im Namen von Patrick und Audrey.
Die wusste jedoch nichts von ihrem Glück.
Denn im Grunde genommen musste ihr eigentlich klar sein, das die eigene dann auch eine Eigentumswohnung war.
Aber sie war zu sehr mit den Prinzessinnen beschäftigt, als das sie es richtig mitbekommen hätte.
Stunden später, die Kleinen waren schon lange im Bettchen, zogen sich auch die Erwachsenen zurück.
Patrick und Audrey machten es sich in ihrem riesigen Bett gemütlich.
Es war die erste gemeinsame Nacht in ihrer gemeinsamen Wohnung.
Audrey kuschelte sich ganz eng an Patrick und begann ihn zu küssen.
Nun waren sie schon einige Wochen zusammen, aber keiner von ihnen wagte eine intimere Annäherung.
Keiner wollte den anderen unter Druck setzen.
Und nun fanden sie ganz langsam zueinander.
Sie überstürzten nichts.
Es war einfach eine Zusammengehörigkeit, die so noch nie gewesen war, das spürten sie.
Am nächsten Morgen hüpfte Neele ins Bett, um die beiden zu wecken, denn es war Zeit für den Kindergarten.
Und Audrey musste ins Atelier.
Sie sprang mit einem Satz mitten ins Bett und Patrick und Audrey fuhren hoch.
Dann stapften sie in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten und für Neele Frühstücksbrote für den Kindergarten zu machen.
Die tanzte derweil in ihrem Kinderzimmer zur Musik von Patrick und seiner Familie.
Denn ihr gefiel die Musik auch.
Aber irgendwie wusste sie innerlich, das sie weder im Kindergarten noch irgendwo anders bei Freunden erzählen sollte, das Patrick "Paddy" bei ihnen wohnte.
Sie hatte wohl mal gehört, das es sonst zu Problemen kommen könnte und das wollte sie ja nicht.
Mit ihren dreieinhalb Jahren war sie doch schon recht clever.
Nachdem Neele im Kindergarten war, brachte Patrick Audrey noch zur Arbeit und fuhr dann zu seiner Familie.
Sie bastelten noch an Songs, außerdem wollte er noch ein Soloalbum veröffentlichen.
Da mussten noch ein paar Dinge besprochen werden.
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So vergingen die Wochen im Flug und man begann schon den Sommerurlaub zu planen.
Alle zusammen wollten sie nach Irland und von da aus nach Spanien.
Patrick wollte noch mal zum Grab seiner Mama.
Doch es kam anders...
Audrey wollte gerade Neele aus dem Kindergarten abholen, sie hatte sich den Nachmittag freigenommen, um mit ihr Sommerkleidung zu holen.
Es war Mitte Juni.
Marie, mittlerweile hochschwanger, begleitete sie.
Doch als sie ankamen, meinte die Erzieherin, das der Vater die Kleine schon abgeholt habe und ihr einen schönen Tag versprochen habe.
Neele war wohl anfangs nicht so begeistert gewesen, aber er hatte sich wohl für Weihnachten entschuldigt und da ist sie mitgegangen.
Audrey hoffte insgeheim, das Neele am späten Nachmittag wieder daheim wäre, aber ihr Gefühl sagte ihr, das da etwas nicht stimmte.
Und das sollte ihr auch bestätigt werden.
Am Abend, Patrick kam gerade nach Hause, saß Audrey mit verzweifeltem Gesicht am Esstisch und starrte an die Wand.
"Was ist los, mein Engel? Was ist passiert? Ist etwas mit Neele?"
Er spürte es sofort.
Er konnte es ihr sofort ansehen.
Patrick nahm sie in den Arm und sie schluchzte, erzählte von ihren Befürchtungen.
Norman kam rüber und sah mit ernstem Blick zu Audrey.
"Meine Mutter hat eben angerufen. Sie meinte, das Alex mit Neele weggefahren ist, aber nicht sagen wollte wohin. Er würde sich noch melden, aber er sagte auch, das man ihm sein Kind nicht einfach so vorenthalten könnte. Und wenn er Audrey nicht kriegt, dann eben sein Kind. Und Neele muss sehr verängstigt gewesen sein. Audrey, wir müssen herausfinden, wo sie ist. Ich werde sonst meines Lebens nicht mehr froh, wenn mein Bruder meiner Lieblings-Nichte etwas antut."
Audrey wurde blass und dann rot vor Wut.
"Wenn er meinem Kind was antut, dann bringe ich ihn um!"
Das war das Einzige, was sie herausbrachte.
Patrick und Norman fuhren sofort zu Normans Mutter und Audrey sollte mit Marie zu Hause bleiben, falls Alex anrufen sollte.
Erst am nächsten Morgen kamen sie zurück und konnten nichts positives vermelden.
Patrick war fix und fertig, denn mittlerweile war sie ihm wie seine eigene Tochter.
Neele sagte zuweilen auch schon mal Papa zu ihm, was ihn sehr freute.
Und nun konnte er nichts machen, um die kleine Prinzessin heimzuholen.
Klein-Audrey begriff erst mal nicht, warum Neele denn immer noch nicht daheim war.
Und zu allem Überfluss setzten nun bei Marie die Wehen ein. Norman brachte sie ins Krankenhaus, Klein-Audrey blieb bei Audrey und Patrick.
Am nächsten Tag, es war schon später Nachmittag, kam Norman zurück und erzählte seinem Töchterchen, das ihr kleiner Bruder Simon nun da sei.
Oh, und was freute sie sich.
Sie fuhren zusammen zu Marie.
Nur Audrey und Patrick blieben zurück.
Sie warteten auf ein Zeichen von ihrer Tochter.
Dann blickte Audrey zu Patrick.
"Ich wollte dir und Neele gestern, nein vorgestern, sagen, das wir bald Zuwachs haben werden. Wir bekommen ein Baby. Ich bin im dritten Monat. Es wird Anfang Dezember soweit sein. Und nun kann ich nur dir sagen. Neele hätte sich so gefreut, denn sie wollte auch endlich große Schwester sein."
Audrey musste an sich halten, damit sie nicht schon wieder in Tränen ausbrach.
Patrick lächelte, sagte, das er sich auf das Baby freue, aber das es nun erst mal wichtig wäre, die Prinzessin zu finden.
Audrey drückte Patricks Hand, wusste sie doch, wie sehr er sich freute Vater zu werden.
Doch er war ebenso in Sorge wie sie und das wäre manch anderem Stiefvater nicht so ergangen.
Doch er liebte Neele wie sein eigen Fleisch und Blut.
Eine Woche später.
Immer noch keine Nachricht von Neele.
Audrey war kurz vorm Zusammenbruch und Patrick versuchte alles, ließ nichts unversucht, um die Kleine zu finden.
Ob es nun Detektive waren, die er auf Alex ansetzte oder er machte sich selber auf die Suche, meistens gemeinsam mit Norman, der ihm mittlerweile sein bester Freund geworden war.
Doch alles blieb ohne Ergebnis.
Bis an einem Abend das Telefon ging und Audrey den Hörer nahm.
"Ich bin es, der Alex. Ihr könnt eure Rotzgöre wiederhaben. Ich halte es nicht länger aus mit dem Schreihals. Ich bringe sie zu meiner Mutter. Norman kann sie holen. Der Weichling. So was kann sich doch nicht Mann nennen. Familie, pah, das ich nicht lache."
"Mama!!! Ich will zu dir!!! Patrick!!! Ich will das du mich holst, bitte Papa Patrick!!!"
Dann wurde der Hörer aufgeknallt.
Patrick machte sich sofort auf den Weg mit Norman.
Er wollte Audreys Engelchen sofort nach Hause holen. Audrey meinte noch, das er ihr ruhig von der frohen Botschaft erzählen könnte. Er lächelte.
"Lass sie erst mal in meinen Armen sein. Vorher kann ich ihr noch nichts sagen. Wer weiß auf was für Ideen Alex noch kommt. Der kann was erleben!"
Audrey war der noch glückliche Ausdruck aus dem Gesicht verschwunden, weil Patrick ja recht haben könnte.
Aber sie vertraute Patrick, das er Prinzessin Engelchen, wie mittlerweile ihr Spitzname war, heil nach Hause bringen würde.
Mitten in der Nacht kamen Norman, Patrick und Neele zurück. Sie schlief schon und als Audrey ihr Töchterchen erblickte, erschrak sie.
Sie war voll mit blauen Flecken.
"Audrey, als ich das gesehen habe, sind mir die Sicherungen durchgegangen. Ich habe ihn grün und blau geschlagen. Und als ich fertig war, ist Norman noch mal auf ihn drauf. So was kann man einem Kind doch nicht antun. Nur weil er mit ihr nicht klarkam. Ich werde in den nächsten Tagen wohl noch eine Anzeige bekommen."
Audrey und Patrick brachten sie in ihr Bett, Klein-Audrey legte sich neben sie und streichelte sie an der Wange.
Lange noch saßen sie mit Norman im Esszimmer und redeten über das, was in den letzten Tagen passiert war.
Es war kaum zu fassen, was Normans Bruder sich da geleistet hatte.
Für Norman war nun klar, das er mit ihm nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun haben wollte.
Audrey konnte es verstehen, obwohl sie durch Patrick wusste, wie wichtig Familie ist.
"Hey Audrey, ich habe doch eine Familie! Marie und die beiden Zwerge, dich, Patrick und eure Prinzessin. Und wenn ich es richtig mitbekommen habe, werde ich ja noch mal Onkel."
Er grinste und machte sich dann auf den Weg in sein Bett. Klein-Audrey ließ er bei Neele. Patrick nahm Audrey in den Arm und sie gingen gemeinsam zu Bett.
Neele und Klein-Audrey tapsten leise durch die Wohnung. Dann griff Neele nach dem Telefon, das gerade klingelte.
Es war eine der Mitarbeiterinnen aus dem Atelier.
Sie sagte, das sie auf Audrey warteten.
Da erzählte Neele dann, das sie doch gerade erst wieder zu Hause war und das sie die Mama doch heute mal, nur heute, ganz für sich wollte.
Das verstand die Mitarbeiterin natürlich und meinte, das sie sich am nächsten Tag noch mal melden würde.
Marie war auch wieder zu Hause mit Baby Simon und so wurde dann der erste gemeinsame Ausflug geplant.
Mal wieder in den Zoo oder dieses Mal doch lieber ins Freibad?
Außerdem ging es wieder an die Vorbereitungen für den Sommerurlaub.
Was den Kindergarten anging, machte Audrey unmissverständlich klar, das nur sie, Marie, Patrick und Norman die Kleinen abholen durften.
Sie hatte natürlich alle gleich mitgeschleppt, damit die Erzieherinnen sich ein Bild machen konnten.
Sollte jemand anderer auf die Idee kommen, dann sollte man sie sofort anrufen und notfalls auch die Polizei.
Audrey hatte einfach zu große Angst, das es noch mal passieren könnte.
Der Sommer ging fast schneller vorbei, als man gucken konnte.
Der Urlaub wurde unterbrochen, da sich etwas Trauriges ereignet hatte.
Patricks Vater, Daniel Kelly, verstarb Anfang August.
So fuhren dann die Kelly-Geschwister alle noch nach Irland, um den Vater dort zu beerdigen.
Doch auch dort hatten sie mal wieder kaum Ruhe vor den aufdringlichen Paparazzi.
Ein paar Tage später war halt in irgendeiner Zeitung zu lesen, das einige Kelly-Brüder auf einen Fotografen losgegangen seien. Aber das berührte keinen.
Patrick selber war sehr traurig, zeigte es aber kaum.
Nur wenn er alleine mit Audrey war, ließ er seiner Trauer freien Lauf.
Bei ihr konnte er sich fallen lassen.
Er und Audrey hatten seinem Vater noch gesagt, das wenn sie einen Jungen bekämen, sollte er Daniel heißen, wie er.
Das hatte ihn sehr gefreut.
Und knapp einen Monat nach der Beerdigung erfuhren sie, das sie einen Jungen bekommen würden.
Neele freute sich sehr, weil ja so viel ähnliches mit ihrer besten Freundin war.
Und weil sie nun bald Geburtstag hatte.
Ganze vier Jahre würde sie werden.
Oh, war sie stolz.
Und ihr Papa, sie nannte Patrick mittlerweile Papa, hätte ihr fast jeden Wunsch von den Augen abgelesen und erfüllt, wenn nicht zwischendurch Audrey mal gesagt hätte, das es nun genug sei.
Er verwöhne sie doch ein bisschen zu sehr.
Das sah er ein und sagte Neele, das sie einen großen Wunsch frei hätte, den er ihr zusammen mit Mama erfüllen würde. Audrey grinste.
So richtig konnte er es nicht lassen.
Neele wünschte sich nichts mehr, als das sie den Winter in dem Land verbrachten, in dem er geboren war und das ihr und ihrer Mama so gefiel.
Aber Marie, Norman, Klein-Audrey und Simon mussten auch mit.
Patrick versprach mal zu sehen, ob das denn möglich wäre. Schelmisch grinste er dann erst zu Neele, dann zu Audrey, um dann mit einem ganz breiten Grinsen aus der Wohnung zu verschwinden.
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KAPITEL FÜNF
Neeles Geburtstagswunsch wurde natürlich erfüllt.
Patrick hätte ja gar nicht anders gekonnt.
Erstens liebte er dieses Land genauso, freute sich natürlich sehr, das seine Mädels es auch so liebten, und zweitens konnte es gut sein, das sein Sohn auch in Irland zur Welt kommen würde.
Er war ja für Dezember ausgerechnet.
Außerdem bekam Prinzessin Engelchen Neele – so der ihr von Patrick verliehener Adels-Titel – noch ein riesiges Puppenhaus mit Zubehör und einen Himmel für ihr großes Bett, der aus rosa und hellblauem Seidenstoff war.
Was tat er nicht alles für sie.
Er hatte sie so in sein Herz geschlossen.
Dann nahten auch schon die Wintermonate und man freute sich auf die Tage in Irland.
Audrey packte schon die Koffer für die bevorstehende Reise. Neele half eifrig, da die Mama sich doch nicht so überanstrengen sollte, damit das Baby nicht zu früh zur Welt käme.
Patrick war zwischenzeitlich immer mal wieder unterwegs, um irgendwelche Besorgungen zu machen.
Er verriet aber nicht, was er da machte.
Nur Norman weihte er ein und der durfte weder seiner Frau noch Audrey und schon gar nicht den Mädchen etwas sagen.
Anfang Dezember trudelten sie dann alle auf dem Flughafen ein, prüften, ob alle und alles da war, um dann einzuchecken. Der Flug dauerte nicht allzu lange und ehe sie sich versahen, waren sie auch schon in Dublin.
Dort hatte Patrick ein Haus gemietet, wo sie dann "überwintern" würden.
Norman hatte seinen gesamten Jahresurlaub genommen, damit er auch so lange bleiben konnte wie seine Familie.
Marie und die Mädchen packten die Sachen aus, denn Audrey ging es nicht ganz so gut.
Sie hatte leichte Vorwehen.
Und sie musste ruhen. Patrick und Norman gingen einkaufen, denn sie wollten ihre Bande mal richtig nett bekochen.
Als sie Stunden später immer noch nicht da waren, begannen sich Marie und Audrey schon Sorgen zu machen.
Doch da kamen sie schon. Sie hätten sich verlaufen. Die jungen Frauen sahen sich vielsagend an und grinsten.
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Patricks Geburtstag und der Nikolausabend war gerade vorbei, als bei Audrey die Wehen einsetzten.
Um zum Krankenhaus zu fahren, war es schon zu spät, denn die Wehen kamen in recht kurzen Abständen.
Die vorhergehenden hatte Audrey kaum gespürt.
So wurde ein Arzt gerufen, der rauskommen musste.
Doch als der kam, war der kleine Daniel schon auf der Welt. Mit Hilfe von Patrick und Marie hatte alles problemlos geklappt.
Der Arzt musste nur noch Mutter und Kind untersuchen und die Geburtsturkunde ausstellen.
Patrick saß glücklich mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm an Audreys Bett.
"Ich gehe mit ihm mal zu Neele. Sie möchte doch bestimmt auch endlich ihr Brüderchen sehen."
Audrey nickte und schlief erschöpft ein.
Neele und Klein-Audrey waren hin und weg vom kleinen Daniel.
Die große Schwester war ganz stolz und wollte ihn auch gleich mal halten.
Patrick gab ihn in ihre Ärmchen.
Vorsichtig hielt Neele sie ihren Bruder im Arm und küsste ihn auf die Stirn.
Patrick machte ein Foto davon.
Es war ein bezauberndes Bild.
Der Heiligabend kam.
Bei Patrick in der Familie wurde eigentlich immer erst am 06. Januar gefeiert, da aber Audrey und Neele immer nach deutscher Tradition am 24. Dezember feierten, tat er es nun auch.
Die Prinzessinnen bekamen haufenweise Puppensachen, die sofort probiert wurden.
Audrey schenkte Patrick eine silberne Kette mit Amulett, in dem sie Bilder von ihm und sich getan hatte.
Marie und Norman schenkten sich eine Urlaubsreise ohne Kinder – sie sollten dann bei Audrey und Patrick bleiben, was schon geklärt war – und Patrick, der kniete sich vor Audrey und hielt um ihre Hand an.
Sie fing fast an zu weinen und nickte.
Dann hauchte sie ein JA.
Patrick gab ihr zu seinem Antrag noch einen wunderschönen silbernen Ring, mit ihren eingravierten Namen.
Die Mädchen hatten für ihre Eltern wunderschöne Fensterbilder aus durchscheinendem, bunten Papier gebastelt.
Am Neujahrstag ging der Rückflug.
Traurig waren sie alle, das es schon wieder heimging, aber es standen schon wieder einige Dinge auf dem Plan.
Audrey musste mal wieder ins Atelier, wo sie Daniel ja mitnehmen konnte.
Patrick hatte die Veröffentlichung seines Soloalbums und wollte sich noch um verschiedene andere Dinge kümmern. Neele und Klein-Audrey freuten sich auch schon wieder auf den Kindergarten.
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Audrey saß in ihrem Atelier, als Marie angerast kam und mitteilte, das vor dem Kindergarten eine Horde irrer Kelly-Fans waren, die Neele einfach fortgerissen hatten und sie nicht mehr laufen lassen wollten.
Sie schmiss alles zur Seite, packte sich Daniel und hechtete zum Kindergarten.
"Lasst sofort mein Kind los, sonst könnt ihr was erleben!"
"Dann lässt du ab sofort Paddy in Ruhe! Er gehört uns! Er soll dich Flittchen endlich abschießen!"
"Er gehört niemandem, nur sich selber, aber dafür seid ihr ja zu blöd!"
"Sag´ bloß, das Baby ist von Paddy!?"
Audrey gab Marie ihr Baby in den Arm und bedeutete ihr, mit ihm und ihren Kindern nach Hause zu gehen.
Dann ging sie auf die Mädchen los, um ihre Tochter zu befreien.
"Finger weg von meinem Kind! Haut bloß ab und lasst sie in Ruhe!"
Audrey schlug wild um sich, nahm Neele in den Arm, schmiss noch ein dumm daher schauendes Kelly-Fan-Girl zu Boden und ging schnurstracks Richtung Auto.
"Das wirst du noch büßen, du Flittchen! Du bekommst Paddy nicht! Er darf nur für seine Fans da sein. Nicht für so eine dahergelaufene wie dich. Wir kriegen dich noch!!!"
Audrey kam irgendwann mit ihrem Töchterchen zu Hause an. Marie war unendlich erleichtert, das beide wohlauf waren.
Als Patrick davon erfuhr, wurde er blass.
Vor so etwas hatte er sich gefürchtet.
Er hatte Angst um seine Familie.
"Sollen wir woanders hinziehen? Oder soll ich dir einen Bodyguard besorgen?"
"Nein. Es geht auch so. Du siehst, ich habe mich gegen diese dummen Menschen wehren können. Sie sollen mir besser nicht noch einmal in die Quere kommen."
"Ob das beim nächsten Mal auch so glimpflich abläuft?"
Patrick war sehr verunsichert.
"Patrick, wenn ich einen Bodyguard dabei hätte, würde ich doch sowieso noch mehr auffallen. Am besten ist es, das wir es noch eine Weile für uns behalten und zu gegebener Zeit bekannt geben."
"Mama, es schneit!"
Neele brüllte mitten ins Gespräch, damit die Stimmung nicht ganz in den Keller ging, denn geschneit hatte es wirklich.
Und Neele wollte raus mit Klein-Audrey.
Also wurden sie warm eingepackt und ab ging es in den Hinterhof, der den Namen eigentlich nicht verdiente, da er sehr schön angelegt war mit Garten drum herum.
Die beiden Kleinen hatten Spaß.
Nur die Erwachsenen nicht.
Patrick war angst und bange um seine drei.
Womöglich waren durch ihn auch Audreys und seine Freunde in Gefahr.
"Audrey, ich weiß nicht, ob es besser wäre, wenn ich gehe."
"Wie bitte. Gehen? Warum denn bitte schön? Wegen der paar dummen Fans. Du hast auch massenweise sehr nette Fans und auf die musst du bauen. Und eine Familie hält zusammen. Sind wir keine Familie?"
Die Worte hatten ihn mitten ins Herz getroffen und er gab Audrey recht.
Eine Familie musste zusammenhalten, egal was auch passierte.
Er wollte seine Rasselbande nicht allein lassen.
Er nahm seine Verlobte in den Arm und drückte sie liebevoll an sich.
Am Nachmittag kamen Angelo und Kira mit ihren beiden Kindern Gabriel und Helen.
Später kamen noch Patricia und Dennis mit Sohn Alexander und Joey und Tanja mit Sohn Luke.
Sie waren neugierig auf Baby Daniel, den sie noch nicht gesehen hatten.
Maite und Jimmy wollten am Abend noch kommen.
So konnte man erst mal vergessen, was am Vormittag passiert war.
Doch es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, das Audrey in eine solche Situation kam.
Immer wieder gab es irgendwo einen aus dieser Clique, der ihr auflauerte und sie dumm anmachte.
Doch Audrey ließ sich das nicht gefallen.
Sie konterte schnell und konnte ihnen meist sofort den Wind aus den Segeln nehmen.
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Im Frühjahr heirateten Patrick und Audrey standesamtlich, was ganz spontan kam.
Sie waren eines Morgens wach geworden und meinten, das sie am nächsten Tag heiraten würden.
Gesagt, getan. Wer Trauzeuge war, war natürlich sofort klar. Und so waren sie nun heimlich verheiratet.
Selbst die Geschwister erfuhren es erst später.
Einige Zeit war dann auch erst mal Ruhe mit den Belästigungen.
Baby Daniel, mittlerweile schon ein halbes Jahr alt, entwickelte sich prächtig und war der ganze Stolz von Schwester Neele.
Sie liebte ihren kleinen Bruder.
Bei Klein-Audrey war es eben so mit ihren mittlerweile einjährigem Bruder Simon.
Oft fuhren alle zusammen – wie fast immer – weit weg, um sich in Ruhe mal einen Nachmittag zu gönnen.
Noch nicht mal in große Vergnügungsparks, eher in ruhigere Gegenden, wo man picknicken konnte, ungestört von verrückten Menschen, die Leidenschaft zur Musik und Wahn nicht unterscheiden konnten.
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Im Sommer, Patrick war mal mit Audrey, Neele und Daniel alleine unterwegs, passierte dann das Unglück.
Irgendwer hatte herausgefunden, wo sie hingefahren waren und kam hinterher.
Audrey und er schlenderten Hand in Hand den Weg entlang, Daniel in einer Bauchtragetasche vor Patricks Brust, und Neele hopste munter in alle möglichen Richtungen.
Als sie wieder durch verschiedene Büsche hindurch huschte, warteten ihre Eltern vergeblich auf sie.
Neele erschien nicht mehr.
Audrey suchte die Hecken, Sträucher und Gebüsche ab, doch ihre Kleine war verschwunden.
Sie geriet in Panik.
War es etwa wieder Neeles leiblicher Vater, der sich einen üblen Scherz erlaubte?
Oder doch ein verrückter Paddy-Fan?
Man wusste ja nie.
Doch selbst nach zweistündigem Suchen hatten Patrick und Audrey die kleine Neele nicht gefunden.
Sie alarmierten die Polizei, denn das mit einem Mal ein viereinhalbjähriges Kind verschwand, war nicht normal.
Doch die konnte erst nach 24stündigem Fehlen handeln und eine Suchmeldung herausgeben.
Das waren die härtesten 24 Stunden für die beiden.
Sie gingen wieder zur Polizei.
Da sie eine digitale Kamera an diesem Tag dabei hatten, konnten sie das aktuellste Bild von Neele dort abgeben.
Nun wurde im ganzen Ort nach ihr gesucht.
Audrey hinterließ Adresse und Telefonnummer und dann gingen sie zurück zum Wagen.
Dort klebte an der Windschutzscheibe ein Polaroid.
Patrick machte es ab und erschrak.
Audrey nahm es ihm ab und sah auch drauf.
Dann fing sie nur noch an zu schreien.
Sie konnte gar nicht mehr beruhigt werden.
Auf dem Foto war Neele.
Sie war blutüberströmt und ihr Hals hatte eine tiefe Schnittwunde.
Auf der Rückseite stand:
"Das hast du nun davon, du Flittchen! Und das war erst der Anfang!"
Audrey und Patrick gingen direkt wieder zur Wache, wo man sich dann direkt auf die Suche nach Neele machte.
Oder eher nach dem Leichnam, denn so wie sie zugerichtet war, konnte sie kaum noch am Leben sein.
Am Abend rief man Patrick auf dem Handy an, das die Kleine schwerstverletzt auf der Intensivstation läge.
Sie hätte kaum Überlebenschancen.
Sofort fuhren sie dorthin.
Für Audrey war es ein furchtbarer Anblick.
Durch die Schnittwunde am Hals standen die Chancen sehr schlecht um Neele.
Audrey stand wie angewurzelt an der Wand und Patrick setzte sich, Baby Daniel im Arm, an Neeles Bett.
Er nahm ihr kleines Händchen.
Es war eiskalt.
"Ich will dir doch ein guter Papa sein, kleine Prinzessin, geh nicht."
Er weinte leise in sich hinein.
Die Herztöne am Überwachungsgerät wurden schwächer, bis kurz darauf ein langer Piep ertönte.
Audrey sackte in sich zusammen.
Ihr kleines Mädchen war tot.
Umgebracht von irgendeinem irren Menschen.
Sie wussten nicht, ob es nun ihr eigener Vater oder ein angeblicher Kelly-Fan war.
Patrick nahm seine Frau in den Arm und verließ mit ihr den Raum.
Sie mussten erst mal nach Hause.
Marie und Norman, die ihre Kinder doch mit in den Urlaub mitgenommen hatten, sollten mitten in der Nacht zurück kommen.
Sie sahen, das im Wohnzimmer noch Licht war und Marie klingelte.
Erst nach dem dritten Mal öffnete Patrick.
Daniel begann zu weinen, Patrick ging zu ihm.
Marie ging zu Audrey ins Wohnzimmer.
Sie sah, das etwas nicht stimmte.
"Audrey, was ist los? Was ist passiert? Ihr redet kein Wort und... verdammt noch mal, was ist geschehen?"
Audrey hielt ihr das Polaroid entgegen.
Marie starrte darauf und holte kurz darauf Norman dazu.
Er hatte noch nichts gesehen und redete gerade mit Klein-Audrey.
"Hallo, ihr lieben Nachbarn. Unser Prinzeßchen fragt grad nach eurem. Ist Neele noch wach?"
Das war natürlich keine Absicht, aber für Audrey war es zuviel.
Sie verließ den Raum.
Patrick kam mit seinem Sohn zurück und klärte die beiden auf, was passiert war.
Die Polizei war nun fieberhaft auf der Suche nach dem Täter. Man vermutete einen Fan von Patrick dahinter.
Die Freunde der beiden Frischvermählten waren entsetzt, das man überhaupt zu so einer Tat fähig sei und meinten, das sie natürlich jederzeit um Hilfe gebeten werden könnten.
Patrick hatte erst mal genug mit dem kleinen Daniel zu tun, denn Audrey schien zu nichts mehr fähig.
Doch auch er war am Boden zerstört.
Als ihr Sohn im Bett war, legte er sich zu ihr und nahm sie in den Arm.
Und gemeinsam weinten sie um Neele.
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KAPITEL SECHS
Mittlerweile war schon ein halbes Jahr vergangen nach dem schrecklichen Tod von Neele.
Audrey und Patrick waren immer noch nicht hinweg darüber und trauerten nach wie vor.
Aber Baby Daniel sollte nicht allzu viel davon mitbekommen, wie schlecht es seinen Eltern ging.
Er war jetzt ein Jahr alt und probte gerade seine ersten Schrittchen.
Oft spielte er mit Simon, dem Sohn von Norman und Marie, der mittlerweile schon eineinhalb Jahre alt war.
Nur Klein-Audrey saß oft traurig daneben, denn ihre beste Freundin war nicht mehr da.
Manchmal dachten ihre Eltern, das sie einen Schaden dadurch bekommen hätte, denn sie sprach kaum noch.
Und wenn, dann nur von Neele.
Sie wusste, das Neele sehr weh getan wurde und das sie deswegen gestorben war, aber sie konnte es wohl nicht so ganz verstehen, warum sie nie wieder zurückkommen würde.
Das war für eine Fünfjährige noch nicht klar.
Patrick machte sich wieder Vorwürfe, das wenn er nicht wäre, Neele noch leben würde.
Audrey ermahnte ihn doch damit aufzuhören, denn dadurch würde sie auch nicht wieder lebendig.
Dann war eines Tages ein Brief ohne Absender und nur mit Audreys Namen versehener Brief in der Post.
Sie hatte Angst, denn sie war allein.
Marie war mit den Kindern einkaufen.
Hastig öffnete sie ihn.
"Tja, die Trauer scheint noch nicht überwunden. Sollte man da schon neue Trauer verursachen? Du glaubst, das es vielleicht der Vater von Neele war?..."
Audrey hielt inne.
Kannte jemand ihre Gedanken oder hatten sie und Patrick zu laut ihre Mutmaßungen ausgesprochen, als sie vor dem Polizeigebäude standen?
"...Oder war es vielleicht ein Paddy-Fan? Du dummes Ding! Kommst nicht mal auf die Idee, das man sich auch zusammenschließen kann. Ich bin auf ein paar Menschen getroffen, die dich nicht gerne in Patricks Nähe haben und sie haben mir geholfen. Und wenn ich dich und mein Kind nicht kriege, dann bekommt euch auch kein anderer. So, nun weißt du, wer es war. Aber versuch mich zu finden. Auch meine Mutter weiß es nicht, dort wirst du vergeblich fragen. Ihr kriegt mich nicht. Aber ich kriege dich. Egal wie. Du weißt schon, was ich meine."
Audrey zitterte am ganzen Leib.
Sie rief Patrick an und bat ihn ganz schnell nach Hause.
Er las den Brief und sah verstört zu seiner Frau.
"Du packst sofort ein paar Sachen für dich und Daniel. Ich bringe an einen sicheren Ort. Hier kannst du nicht bleiben. Das kann ich nicht zulassen. Es ist alles meinetwegen und ich will nicht, das noch mehr Menschen, die ich liebe, dafür bluten müssen."
Marie und Norman wurden informiert und Marie beschloss mit ihren Kindern mitzukommen, damit Audrey nicht total vereinsamen würde.
Norman stimmte zu und dann rief Patrick erst einmal die Polizei.
Sie mussten zumindest versuchen, den Irren und die anderen Mittäter zu finden.
Dann ließ er Audrey, Daniel, Marie, Klein-Audrey und Simon an einen sicheren Ort bringen.
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Nach stundenlanger Fahrt in einem kleinen Caravan waren sie endlich am Ziel.
Patrick, Audrey, Marie, Daniel und Klein-Audrey stiegen aus.
Der Bodyguard sah um sich herum, ob ihnen auch keiner gefolgt war.
Dann betraten sie das Haus, das da vor ihnen lag.
Das Gebäude sah aus wie ein Hochsicherheitstrakt.
Da konnte so schnell keiner herein.
Und heraus sollten die Frauen ohne Sicherheitsbegleitung sowieso nicht.
Ein paar Tage blieb Patrick noch mit dort, dann musste er zurück, denn die Arbeit rief.
Audrey konnte schon seit Neeles Tod nicht mehr arbeiten, sie war dazu nicht mehr in der Lage.
Ihre ehemalige Chefin Yvonne hatte ihr eine großzügige Abfindung ausgezahlt, die Audrey für Daniel angelegt hatte.
Patrick fuhr erst mal zu Norman, ob er schon Neues gehört oder gelesen hatte.
Doch er schüttelte nur den Kopf und meinte traurig:
"Ich hätte nie gedacht, das mein Bruder zu so etwas fähig ist. Das er über Leichen geht, wenn er was nicht bekommt. Er war zwar schon immer hartnäckig, aber so arg hätte ich es ihm nie zugetraut. So kann man sich sogar im eigenen Bruder täuschen."
"Mach dir mal keinen Kopf, denn du bist ja glücklicherweise das absolute Gegenteil. Marie hatte nun mal Glück sich in dich zu verlieben, den Richtigen halt. Und Audrey hatte sich damals halt in den Falschen verliebt."
"Dafür hat sie ja jetzt den Richtigen."
Norman grinste Patrick an und klopfte seinem Freund auf die Schulter.
Sie saßen den Abend zusammen vorm Fernseher, denn ohne ihre Lieblinge war es ihnen doch zu einsam.
Audrey war kaum zu beruhigen, denn hinter jeder Tür und in jedem Winkel schien sie Gefahr zu spüren.
Marie bat einen Bodyguard einen Arzt zu konsultieren, denn das grenzte schon an einer Psychose.
Dann rief sie Patrick an, damit er Bescheid wusste.
Er und Norman machten sich sofort auf den Weg zu ihnen.
"Mir kommt der Wagen schwerer vor als vorhin", meinte Patrick auf der Fahrt zum Haus.
"Wird wohl der volle Tank sein."
Norman dachte sich genauso nichts dabei wie Patrick.
Erst nachdem der Arzt schon weg war, trafen Patrick und Norman ein.
Audrey hatte einen mittelschweren Schockzustand, der mit viel Ruhe in den Griff zu bekommen sei, ließ der Arzt über Marie mitteilen.
Patrick merkte, wie ruhig Audrey wurde, als sie ihn neben sich spürte.
Er nahm sie fest in den Arm.
"Ich liebe dich!"
Leider mussten die zwei jungen Männer am nächsten Morgen schon wieder zurück.
Es war schon ganz später Vormittag, als Marie mit den Kindern im Kinderzimmer war, um sie zum Mittagsschlaf hinzulegen.
Sie bemerkte nicht, das Audrey wach wurde und nach etwas suchte.
Nach einiger Zeit hatte sie es gefunden.
Audrey hatte nach einer Pistole gesucht, die sie sich einige Wochen nach Neeles Tod zugelegt hatte.
Keiner wusste davon, nur sie.
Sie versteckte sie in der Morgenmanteltasche und ging in die untere Etage.
Sie war sich ganz sicher in der Nacht Geräusche gehört zu haben, die nicht von ihrem Mann oder ihren Freunden war.
Und nun machte sie sich auf die Suche.
In der Küche war nichts, im Vorratsraum auch nicht.
Also, weiter zum Wohnzimmer.
Doch auch dort fand Audrey nichts vor.
Dann. Ein rumpelndes Geräusch.
Woher kam es? Der Eingangsbereich?
Audrey schlich leise in diese Richtung.
"Dreh dich besser nicht um. Du könntest es bereuen, wenn man das dann noch kann."
Audrey nestelte unauffällig in ihrer Tasche nach der Waffe.
Langsam wandte sie sich um und sah Alex mit einem der durchgeknallten Kelly-Kreisch-Mädchen vor sich stehen.
"Ich habe dich gewarnt, Püppchen."
Alex hielt eine Pistole in die Höhe und drückte, doch er hatte nicht mit Audreys Schnelligkeit gerechnet.
Zeitgleich lösten sich die Schüsse aus den Waffen.
Audrey schaffte es noch sich zur Seite zu werfen, um nicht komplett getroffen zu werden.
Sie hatte Alex niedergeschossen. Ihre Hände zitterten.
Ein Schrei kam von der Treppe; Marie hatte sie beobachtet, da sie Alex Stimme gehört hatte, und keiner hatte sie bemerkt.
Das Mädchen beugte sich über Alex und jammerte und heulte.
Audrey sank erschöpft zusammen und Marie rief die Polizei an und brüllte nach den Bodyguards.
"Du mieses Miststück. Wie konntest du wissen, das ich dich finden werde. Du bist... ich mache dich noch fertig. Und meine Freundin hilft mir, so wie bei... Neele."
Die Polizei nahm das Mädchen fest und ließ Alex abtransportieren.
Doch da Audrey, ob sie nun wollte oder nicht, eine Schlagader getroffen hatte, verstarb er auf dem Weg ins Krankenhaus.
Das Mädchen aber kam in Gewahrsam, gestand den gemeinsamen Mord an der kleinen Neele und das alles lange geplant war.
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Marie hatte die Kleinen beruhigt, die durch die Schüsse total verschreckt waren.
Was geschehen war erzählte sie Klein-Audrey jedoch nicht.
Sie hatte noch genug an Neeles Tod zu knabbern.
Einige Stunden später hatten auch Norman und Patrick Wind von der Sache bekommen und machten sich natürlich auf den Weg zu ihren Frauen.
Patrick sah dieses Mal überall im Wagen nach, ob nicht noch ein Irrer sich versteckte.
Man wusste ja nie.
Ein bisschen zu schnell, aber doch heile, kamen sie bei ihren Frauen an.
"Audrey!!! Audrey, ist alles okay? Du bist ja verletzt! Was hat er dir angetan?"
"Patrick. Ich... ich habe zum Glück nur einen Streifschuss an der Schulter."
Sie blickte zu Norman. Dann schluchzte sie.
"Ich... ich habe deinen Bruder auf dem Gewissen. Aber es war... er war so schnell mit der Waffe da... und ich hatte mir auch eine zugelegt... und ich habe einfach nur abgedrückt... er ist im Krankenwagen gestorben. Es tut mir leid."
"Es muss dir nicht leid tun. Du hast in Notwehr gehandelt. Auf dem Überwachungsband kann man es sehen. Und ich bin nicht der einzige, der ihn nicht vermissen wird. Er hat so viel Unheil angerichtet, da hätte er sich nicht wundern müssen, das es ihm irgendwann ähnlich ergeht. Audrey, du hast keine Schuld."
Patrick nahm seine Audrey ganz fest in die Arme und wollte sie gar nicht mehr loslassen.
Das war einfach zuviel.
Die Angst, die er um sie hatte, der Tod seines Vaters und der Tod seiner kleinen Adoptivtochter.
Er fing hemmungslos an zu weinen, es war ihm egal, ob Norman oder sonst wer ihn so sehen würden.
Audrey streichelte ihm übers Gesicht und küsste ihn liebevoll.
Norman und Marie zogen sich erst mal zurück und gingen in die Küche.
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Am nächsten Tag reisten alle ab. Erst ging es nach Hause.
Patrick und Audrey entschieden sich gemeinsam in eine Therapie zu gehen, damit sie alles verarbeiten konnten, was in den letzten Monaten passiert war.
Den Sommer verbrachten die Freunde gemeinsam in Spanien, wo sie alle mal zum Ausspannen kamen.
Klein-Audrey kümmerte sich liebevoll um die beiden kleinen Jungen und konnte schon wieder glücklicher lachen als noch Monate zuvor.
Auch Patrick und Audrey sahen etwas glücklicher in die Welt, was wohl auch daran lag, das sie ein paar Tage zuvor in einer kleinen, spanischen Kirche mit seinen Geschwistern, Marie, Norman und den Kindern ihre Hochzeit gefeiert hatten.
Ganz stilecht in einem traumhaften Hochzeitskleid.
Einige Tage nach der Heimkehr konnte Audrey Patrick die frohe Botschaft überbringen, das er wieder Papa werden würde.
Er war ganz aus dem Häuschen, denn mit weiterem Nachwuchs hatte er überhaupt nicht gerechnet.
Noch mehr aus dem Häuschen war er, als er erfuhr, das es Zwillinge werden.
Als Audrey im vierten Monat war erkannte man, das sie einen Jungen und ein Mädchen bekommen würden.
Und im März 2005 kamen dann Hanna und Michael zur Welt.
Als ob es Marie und Norman ihnen gleichtun wollten, erfuhren die frischgebackenen Eltern, das bei den Freunden auch wieder Nachwuchs angekündigt war.
Aber nur ein Kind, ein Mädchen, das Joelle heißen sollte.
So verlebten sie endlich eine glückliche und zufriedene Zeit...
ENDE