Barby und die Wunderlampe
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"Verdammt, was wollt Ihr eigentlich alle von mir? Bald könnt Ihr Euern Scheiß allein machen!" brüllte Jim und knallte ihr die Tür vor der Nase zu. Barbara Ann sah ihm überrascht nach. Sie hatte ihn doch nur nach einer neuen Kerze für ihre Lampe gefragt, die sie am vorigen Tag auf dem Trödelmarkt gekauft hatte. Und James war der, der den ganzen Vorrat auf Tausende aufgestockt hatte, um dem Millenium Bug ein Schnippchen zu schlagen. Außerdem waren sie beide gerade allein hier. Sie zuckte die Schultern und wollte gerade weitergehen, als sich die Tür zum Zimmer ihres Bruders wieder öffnete und ihr ein Paket Kerzen entgegenflog. "Da haste deine verfluchten Kerzen, und jetzt lass mich in Ruhe!" rief er noch, und die Tür flog wieder zu. "Auuutsch!" schrie Barby auf, denn sie hatte ihren Fuß genau dazwischen gehabt. Das Fußgelenk schmerzte höllisch, und halbwegs besorgt steckte James den Kopf wieder durch die Tür. Als er das schmerzverzerrte Gesich seiner Schwester sah, wandelte sich sein Gesichtsausdruck. "Shit, komm, leg dich auf mein Bett. Und den Fuß hier aufs Kissen. Genau, komm, langsam," raunte er ihr zu. Sie ließ sich willig von ihm führen und legte dann den Fuß hoch, der in erstaunlicher Geschwindigkeit anschwoll. James sah sie mit kummervoll verzogenem Gesicht an. "Shit, es tut mir leid, Barb. Warte, ich hol einen Arzt. Hoffentlich ist nichts gebrochen!" Barby lächelte mit beherrschter Miene. "Jetzt mal mal den Teufel nicht an die Wand, Jamie. Das wird schon wieder. Aber der Doc wäre wirklich nicht schlecht. Sag ihm er soll sein Arztschild aus dem Wagen nehmen, sonst steht morgen wieder in der Zeitung, du hättest irgendwen zusammengeschlagen." Sie wollte die Zehen bewegen, stöhnte jedoch laut auf, als ihr ein stechender Schmerz durch den Fuß schoss. Jim war schon am Telefon, und eine Viertelstunde später stand der Arzt in seinem Zimmer und untersuchte fachmännisch Barbara Anns Fuß. "Verstaucht," stellte er dann fest. "Ein paar Tage Ruhe und eine feste Bandage, dann ist sie bald wieder auf dem Damm. Das wird schon. Also, auf Wiedersehen!" Er verschwand wieder, nachdem er einen riesigen Haufen Verband und Salbe dagelassen hatte. "Möchtest du 'n Tee oder sowas?" fragte Jim seine Schwester verlegen. Er war sich bewusst, wie impulsiv er immer war, doch bisher hatte er noch niemanden, der ihm nahestand, verletzt. Bis heute. Barby grinste. "Danke, gern. Und ich würde gern in meinem eigenen Zimmer liegen. Könntest du mich tragen?" Jim sah sie erstaunt an. "Klar," stammelte er dann und schickte sich an sie hochzuheben. Barbara Ann ließ es geschehen und keine zwei Minuten später lag sie in ihrem eigenen Bett. Jim verließ das Zimmer, um die heruntergefallenen Kerzen wieder zu holen und brachte auch gleich den versprochenen Tee mit. Barby lächelte ihn an. "Danke, Page. Ich brauche dich nicht mehr, du kannst gehen!" James sah sie mürrisch an, verschwand jedoch. Barbara Ann strich leicht über die stumpfe Oberfläche der Lampe. Ein bisschen Politur könnte ihr nicht schaden. "Jamie!" rief sie mit glockenheller Stimme, und ihr Bruder erschien wieder auf der Bildfläche. "Was denn?" wollte er wissen, und sie deutete auf die Lampe. "Ich brauche 'n Lappen und die Messingpolitur. Würdest du so nett sein und sie mir bringen? Ich würde ja selbst gehen, aber -" sie grinste ihn frech an und er verschwand brummelnd. Als er mit der Flasche und einem alten Lappen wieder kam, saß Barby aufrecht im Bett und hatte die Lampe vor sich. "Komm, setz dich zu mir, Jamie," sagte sie. "Das hier ist eine Wunderlampe. Du musst sie ein bisschen reiben, dann erscheint ein Geist und erfüllt dir alle Wünsche." Jim grinste höhnisch. "Ich kann mir meine Wünsche ganz gut selbst erfüllen. Wie wär's, wenn du dir deine erfüllen lässt? Außerdem willst du doch sowieso nur, dass ich deine gammlige Lampe schrubbe, das mach mal schön selbst!" Barby lachte und begann die Politur leicht auf der Lampe zu verteilen, Zwischendurch trank sie ihren Tee. Jim saß auf ihrer Bettkante und musterte seine kleine Schwester. Sicher, zwischen ihnen beiden würde es nie eine so enge Bindung geben wie zwischen ihm und Patricia oder ihr und Patrick und dennoch war sie seine Schwester und er liebte sie. Und es tat ihm verdammt leid, dass er sie verletzt hatte, auch wenn sie das mit einem Lächeln wegsteckte. Er war froh, dass sie sich eine Auszeit genommen hatte und war immer wieder berührt, wenn er sie einfach nur lachen sah - in den vergangenen Jahren hatte sie das viel zu selten getan. Früher, als sie beide noch klein gewesen waren, hatte er ihr oft selbsterfundene Geschichten erzählt, um sie zum Lachen zu bringen, eben weil sie eins der fröhlichsten Kinder gewesen war, das er kannte. Er beugte sich zu ihr vor und begann mit verschwörerischer Stimme zu erzählen. "Du weißt vielleicht nicht, dass in dieser Lampe wirklich ein Geist lebt, doch du kannst ihn erwecken, Prinzessin, wenn du nur fest an ihn glaubst. Du musst mit bloßen Händen an der Lampe reiben, dann wird er erweckt werden und sich dir zu erkennen geben." Barby sah in das Gesicht ihres Bruders und kam sich um Jahre in der Zeit zurück versetzt vor. Seine blauen Augen waren auf sie gerichtet, ernst und voller Überzeugung von dem, was er erzählte. Sie lächelte leicht und legte das Tuch weg. "Prinzessin?" fragte sie erheitert, und Jamie nickte ernst. "Genau. Du bist die Tochter des Prinzen Niklas aus einem Reich, das hier nur in Fantasygeschichten bekannt ist. Du hast diese Lampe einem armen alten Händler abgekauft, mehr aus Mitleid als aus Interesse. Es ist deine Angewohnheit, dich als Normalsterbliche verkleidet unters Volk zu mischen, weil du die höfischen Sitten oft nicht ertragen kannst; aus diesem Grund warst du auch auf dem Trödelmarkt. Und nun liegt diese Lampe in deinem Schoß und wartet darauf, von dir erweckt zu werden. Los Prinzessin, tu es!" James lächelte leicht, als er sah, wie sich die Wangen seiner Schwester röteten. Sie begann leicht an der Lampe zu reiben und hatte ihn scheinbar völlig vergessen. Und auch James war wie gebannt von dem Anblick, der sich ihm bot. Purpurnes Licht entströmte der Lampe bei der Berührung durch Barbys Hände, und dieses Licht nahm nach und nach die Form einer Frau an. Sie hatte lange fließende Gewänder an und war nur mit einem Wort zu beschreiben - wunderschön. Jim schluckte, als er die bezaubernden Gesichtszüge sah, den schön geschwungenen Mund und die strahlenden Augen. Dabei wusste er jedoch selbst, dass eine Ausgeburt seiner Fantasie ihm wohl gefallen musste. Die Frau blickte seiner Schwester direkt in die Augen. "Barbarella, Prinzessin am Hofe, womit kann ich Euch dienen?" fragte sie galant, und Barby warf ihrem Bruder einen hilflosen Blick zu. Der jedoch hob nur die Schultern, und seine Lippen formten die Worte *keine Ahnung*. Die Geistin blieb dort wo sie war und hatte sich einen Hauch von Geduld auf die Lippen gezaubert. Barby schluckte. "Bring uns nach Hause, Lady!" befahl sie dann. Die Dame verneigte sich und - plötzlich waren Jim und Barby in einem Nebel gefangen, der sie irgendwie zu transportieren schien. Als sie wieder klar sehen konnten standen sie in einem Zimmer, ähnlich dem, das sie gerade verlassen hatten, nur um Jahre gealtert. Barby sah sich staunend um und ließ dann ihren suchenden Blick durch das Zimmer schweifen. "Jamie? Wo bist du? Jamie?" Jim wunderte sich, dass sie ihn nicht mehr sah, obwohl sie genau vor ihm stand, doch ihm war mittlerweile alles egal. Also streckte er die Hand aus, um sie ihr auf die Schultern zu legen. Und zuckte geschockt zurück. Ledrige Haut umspannte seine - FLÜGEL??? Barbara Ann sah ihn entsetzt an. "Hilfe!" rief sie dann, worauf vor der Tür Schritte erklangen. Zwei Wachen traten ein. "Prinzessin?" Barby deutete auf Jim. "Was ist das nur für ein Scheusal?" brachte sie mehr oder weniger hoheitsvoll heraus, worauf die Wachen in schallendes Gelächter ausbrachen. "Na, hat er wieder eins Eurer Lieblingskleider zerfetzt? Verzeihung, Hoheit, aber dieses Theater machen wir nun schon seit Jahrzehnten mit. Es wird Zeit, dass Ihr Euch jemand dümmeren sucht!" Grinsend verließen die beiden wieder das Zimmer. Hastig rieb Barby die Lampe. Die schöne Frau erschien wieder. "Womit kann ich dienen?" Barby ließ sich auf einen gepolsterten Stuhl fallen. "Erkläre mir, wer ich bin, wo ich bin, wer meine Eltern sind - und was um Himmels willen DAS dort sein soll!!!" James runzelte die Stirn. So war er noch nie betitelt worden. Doch auch das Stirnrunzeln kam ihm heute irgendwie - schwieriger vor. Er versuchte sich aufzurichten, dabei fühlte er jedoch, dass er damit nicht weit kommen würde. Also blieb er in seiner seltsamen Stellung und versuchte soviel wie möglich von dem Gespräch mitzubekommen. Die schöne Lady aus der Lampe richtete sich zu ihrer vollen Größe, die immerhin Zimmerhöhe erreichte, auf und verschränkte die Arme vor der üppigen Brust. "Mein Kind, mir sind schon viele seltsame Wünsche zu Ohren gekommen. Aber dieser hier übertrifft sie alle. Geht es euch auch gut?" Barby nickte ungeduldig. "Und nun?" stocherte sie nach. Die Lady seufzte purpurn und begann dann zu erzählen. "Euer Vater ist Prinz Niklas von Dryke. Er beherrscht eine große Seemacht und hat es geschafft, diesen Landstrich lange Zeit vor dem Krieg zu bewahren. Eure Mutter, Angeska, steht ihm bei seinen Regierungsgeschäften zur Seite wie es sonst nur ein erfahrener Ratgeber tun könnte. Ihr seid die jüngste Tochter der beiden und habt noch zwei Brüder. Ryagh, der ältere, ist momentan auf einer Reise durch die Wüste zu einem diplomatischen Besuch beim Herrscher von Ewá-Anh, und Euer jüngerer Bruder wird sich vermutlich gerade die Zeit mit einem hübschen Kammermädchen vertreiben." Die Lady seufzte wieder. Scheinbar war sie mit dem jüngsten Spross unzufrieden. Dann deutete sie auf Jim, der wieder versuchte sich aufzurichten und es wieder einmal aufgab. "DAS DORT - nun ja, ich könnte sagen, es ist Euer liebster Freund von Kindesbeinen an - Vyc ist ein Zwergdrache mit manchmal eher unangenehmen Eigenschaften. Er denkt, wenn er viel Pfefferschoten frisst, wird er irgendwann einmal Feuer speien können." Sie senkte die Stimme. "Doch bisher hat ihm das nur unangenehme Blähungen eingebracht." Jim war geschockt. ER - ein ZWERG - Drache??? "Aha," erwiderte Barby wenig geistreich und deutete wieder auf Jim. "Kann man mit dem da sprechen oder ist es nur ein nutzloses Haustier?" Die Geistin lächelte leicht. "IHR könnt mit ihm sprechen. Seht in die obere Schublade Eures Nachtschränkchens, dort findet Ihr ein paar Körner, die Ihr ihm ins Futter mischt - Pfefferkörner. Und ich rate Euch eins - lasst Euch vor Euren Eltern nicht anmerken, dass Ihr diesen Gedächtnisschwund habt. Die Kuren dagegen bestehen zum größten Teil aus Ochsenblut und Gänsegalle! Wenn Ihr mich braucht-" Sie deutete auf die Lampe und verschwand. "Verdammt nochmal, Jamie, wo hast du mich jetzt wieder reingerissen?" fluchte Barby und warf einen Blick gen Himmel. Jim schlug die Augen nieder und wollte zu seiner Schwester gehen, doch irgendwie koordinierte er seine Beine, von denen er jetzt immerhin vier hatte, falsch, und fiel auf die Nase. "Scheiße!" wollte er rufen, doch er brachte nur ein klägliches Jaulen hervor. Barby sah ihn mitleidig an. "Und dann so ein ungeschickter kleiner Drache." Sie hob ihn hoch und setzte ihn auf ihr Nachtschränkchen. "Wollen wir doch mal sehen, ob wir dich zum Sprechen bringen, hm?" Sie holte ein paar Körner aus der Schublade und reichte sie ihm. Jim verschlang sie hastig, dann zog es ihm den Magen zusammen. KÜMMEL - IGITT! Doch er merkte, wie sich endlich seine Stimmbänder entkrampften und hustete leicht. "Barby, ich bin's doch - JIM!" brachte er krächzend hervor, und sie zuckte zusammen wie unter einem Schlag. "Jamie - wirklich? Oh verdammt, was haben sie mit dir gemacht?" Sanft streichelte sie den schuppigen Kopf. Er seufzte. "Und vor allem - wer ist SIE? Ach so, es wäre nett, wenn du die nächste Portion vielleicht mit was leckerem versetzen könntest. Das Zeug schmeckt furchtbar nach Kümmel!" versuchte er einen Scherz. Barby lächelte kläglich. "Alles klar. Dann komm mal mit. Ich möchte meine Eltern kennenlernen." "Rella, Schätzchen, endlich!" Eine schlanke bildschöne Frau eilte den beiden entgegen und schloss Barbara Ann in ihre Arme. "Dein Bruder ist zurückgekehrt - er erwartet uns im kleinen Saal - wir werden ein kleines Festessen haben. Und jetzt komm - sperr dieses Vieh weg und lass uns gehen." Jim wusste gar nicht wie ihm geschah, denn plötzlich hatte ihn die Frau am Kragen gepackt und warf ihn in das Zimmer zurück. Die Tür knallte zu, und knurrend hockte er sich auf einen Bettvorleger. Verwirrt folgte Barby ihrer Mutter und fragte sich wieder und wieder, ob sie das alles nur träumte. Zwei Wachen öffneten eine große Holztür, und helles Kerzenlicht umgab sie plötzlich. An einem großen ovalen Tisch saßen drei Männer: Ein großer gutaussehender Mann mit langen dunkelblonden Haaren und tausenden von Lachfältchen um die blauen Augen. 'Johnny!' durchfuhr es sie wie ein Blitz, doch der Mann hier war älter, obwohl er ihrem Bruder wie aus dem Gesicht geschnitten schien. Der zweite sah dem Älteren sehr ähnlich, doch er war ungefähr in ihrem Alter. Der dritte war blond und vermutlich noch jünger als sie selbst. Er flirtete unverhohlen mit einem der Mädchen, die das Essen auftrugen. 'Patrick; Angelo! Verdammt, warum erkennen sie mich nicht? Der ältere der "Brüder" sprang auf und schloss Barby in die Arme. "Schnecke, endlich sehen wir uns wieder! Ich hab dich so vermisst!" Sie schmiegte sich vertrauensvoll an Patrick - Ryagh??? Er lächelte sie liebevoll an, und sie wusste einen Moment lang nicht, worin der Unterschied zwischen diesem und ihrem echten Bruder bestand. Als sie ihm jedoch länger in die Augen blickte, wusste sie es: Dieser hier war - glücklich. "Komm, setz dich zu mir, Kleine. Ich hab so viel zu erzählen!" begann er mit klarer Stimme. Sie setzte sich auf einen gepolsterten Stuhl, immer noch ziemlich unsicher. Sie wünschte sich wenigstens Jim herbei, doch der konnte ihr im Moment auch nicht weiterhelfen. Ganz in Gedanken schnappte sie ein paar Gesprächsfetzen auf. "Angeska, du bist mal wieder viel zu hart. Sei doch froh, dass deine Mutter eine solche Gabe hat. Wäre sie ein Mann, würde sie jeder respektieren. Aber da sie eine Frau und zusätzlich deine Mutter ist, willst du ihre Fähigkeiten einfach nicht würdigen." "Lieber Gemahl, es geht nicht darum, ob sie eine Frau oder ein Mann ist - sie kann es sich in ihrer Stellung einfach nicht erlauben, MAGIE zu wirken. Und sie kann es sich schon gar nicht leisten, unserem Jüngsten "Liebestränke" für seine Angebeteten zu schenken." Die Wangen der Prinzessin waren zornesgerötet, als sie fortfuhr. "Und jetzt auch noch dieses Experiment mit dem Dimensionszauber - pah, dass ich nicht lache. Blasphemie sage ich nur. Sie kann froh sein, dass sie meine Mutter ist!" 'Armer Johnny,' dachte sich Barbara Ann traurig. Doch dann hellte sich ihre Stimmung wieder auf. Ihre Großmutter hatte das alles also zu verschulden... "Schnecke, was hast du? Ist dir nicht gut? Warum isst du nicht?" drang die besorgte Stimme ihres Bruders an ihr Ohr. Sie schüttelte den Kopf. "Es geht mir hervorragend," beeilte sie sich zu versichern, doch ihr Kopf schwirrte immer noch. Patrick (Ryagh?) sah sie lächelnd an. "Hast du Lust auf einen kleinen Spaziergang? Dein Vic wird sicher auch noch eine Runde fliegen wollen. Und ich hab meine Menagerie auch noch nicht begrüßt." Er griff nach ihrer Hand und zog sie vom Stuhl hoch. "Wenn Ihr entschuldigt!" verbeugte er sich galant in Richtung seiner Mutter und bot seiner Schwester (?) dann den Arm, den sie dankbar ergriff. Vic... Jim hieß mit Zweitnamen Victor. Unfassbar. Sie öffnete die Zimmertür und entdeckte den kleinen Drachen schlafend auf dem Bett. "Jim, komm, wir müssen nochmal raus!" flüsterte sie ihm leise in ein spitzes abstehendes Ohr, und er öffnete ein Auge. "Klar," brummte er heiser und sprang unbeholfen vom Bett. Draußen auf dem Gang wartete Ryagh und hatte einen riesigen Hund an der Leine, der Jim sofort neugierig beschnupperte. Der kleine Drache war nur halb so groß und der Mensch in ihm mittlerweile ziemlich ängstlich. Barby nahm ihn auf den Arm und konnte es immer noch nicht fassen. Die Geschwister schlenderten durch den parkähnlichen Garten, bis sie zu einer kleinen Hütte kamen. Grüner Qualm kam aus dem Schornstein. "Was sie wohl jetzt gerade wieder ausprobiert???" sinnierte Ryagh und band den Hund an einem Pfosten fest. "Lass uns reingehen!" schlug Barby vor, doch ihr Bruder sah sie nur spöttisch an. "Schon vergessen? Sie hat dich mal in ein Ferkel verwandelt, weil du bei Tisch so geschmiert hast! Ich betrete diese Hütte bestimmt nicht!!!" 'Ich aber,'" dachte sich Barby fest entschlossen, 'noch heute nacht werde ich nach Hause zurückkehren. 'Oh verdammt - und wenn sie Jim nicht zurückverwandeln kann???' Als hätte er ihre Gedanken gelesen fing der Zwergdrache leise an zu wimmern. Doch es waren nur seine "Sprechperlen", die aufgebraucht waren. Ein großer und ein kleiner Schatten huschten Stunden später durch den Park zu der Hütte, aus deren Schornstein noch immer giftgrüner Qualm kam. Leise klopfte sie an die Tür und öffnete sie nach einem leisen Herein. "Barbarella, Kind, tritt ein, sonst holst du dir noch den Tod!" Die alte Frau mit den gütigen blauen Augen nahm das Mädchen in die Arme und führte sie zu einem Kamin, über dem ein großer Kessel hing. Als sich in der Ecke etwas regte, fuhr Barby herum. Dort schwebte "ihr" Lampengeist und lächelte wohlwollend. "Großmutter, ich-" "Schsch. Sei still - ich bin in einer Ruhephase." Viel später erst konnte Barbara Ann ihr Anliegen vortragen, und die Alte nickte wissend mit dem Kopf. "Es ist mein Verschulden. Bitte verzeih. Und nun trink das hier!" Sie reichte Barby einen Becher mit - nun, um es genauer zu beschreiben müssten kleine reptilartige Lebewesen sterben - Gebräu. "Dein Drache wird noch eine Weile auf dem Bauch liegen müssen, damit seine Gelenke sich erholen, aber er wird mit dir zusammen reisen und seine alte Gestalt annehmen. Leb wohl!" "Barby?" "Ja, Jim?" "Sieh mich an." "Ja?" "Bin ich wieder normal?" "Ja, Jim." "Jim?" "Ja, Barb'?" "Sind wir zu Hause?" "Ja." "Oh, dann kann ich die Augen ja wieder aufmachen." "Ja." "Äääh, Jim?" "Ja, Barby?" "Tja also, wie soll ich's sagen?" "Sag einfach!" "Also, hm:..." "Ja?" "Ich hab gelogen!" "Oh nein." "Doch." © Kimba (Richtig süß!)
Diesen Award hat Kimba für ihre Geschichte Herzlichen Glückwunsch von mir!!! |
Last update: 05/09/2000
(Online since: 05/09/2000)