Wer will schon gerne unter Palmen sterben

by Kiki   Kerstin12349308@aol.com

 

 

Wie eine stolze Königin lag sie da: Das Schiff, welches die Kellys nach ihrer verstorbenen Mutter benannt hatten. Aus Bewunderung und ewiger Dankbarkeit.
Der blau- weiß getünchte Dreimaster schaukelte sanft in den Wogen der Portugisischen Bucht, hinter ihr die aufsteigende Sonne.
Endlich war es soweit: Der lang ersehnte Urlaub! Drei Jahre lang, standen die Kellys jeden Tag entweder auf der Bühne oder im Studio- daß hält keiner auf Zeit aus.
Aber jetzt war es ja endlich soweit: Die Koffer waren gepackt, Proviant an Bord und die Vorfreude auf die den bevorstehenden, 8- wöchigen Segelturn auf der Santa Barbara Ann war groß. Die Kellys hatten das Segelschiff von Dänemark nach Portugal verschiffen lassen, um von dort, dem Golfstrom abwärts, nach Santiago in Chille zu segeln.

"Mensch! Joey, Paddy, Jimmy! Helft mir doch mal!" rief Barby ihren Brüdern hinterher. Doch die hatten gar nicht vor, ihrer Schwester mit dem schwerem Koffer zu helfen.
"Seh ich gar nicht ein." meinte Patrick und lief über den Steg aufs Boot.
"Barby, du bist so blöd wie du aussiehst!" ärgerte Jimmy, "Weißt du zufällig, für was der kleine rote Knopf an deinem Koffer ist?"
Babara schüttelte ihr blondes Haupt.
"Na dann probiers doch mal aus!" die drei Brüder lachten sich halb tot.
Barby beugte sich herab und drückte den kleinen roten Knopf und wie durch ein Wunder erschienen an der Unterseite zwei Rädchen.
"Ihr Idioten, hättet ihr das nicht früher sagen können?"

"Alles an Bord, wir legen in 5 Minuten ab!" schrie John, der älteste Bruder, wichtigtuend.
Barby rannte schnell über den Steg, an Deck des Dreimasters und stetzte sich schnaufend auf ihren Koffer, wärend Kathy, das älteste Geschwisterteil, letzte Anweisungen gab: "Joey, du lenkst den Kahn aus dem Hafen. John, Jimmy und Patrick, ihr zieht, sobald Captain Joseph Befehl dazu gibt, die Segel hoch. 1. Offizier James übenimmt dann so gegen 13.00 Uhr das Ruder. Alles klar?"
"Ai Ai Flottenadmiral Kelly!" Schrie Jimmy und brachte damit die anderen zum Lachen.
Nocheinmal ging Kathy mit John die Inventarsliste durch und als hinter jedem Wort ein Haken war, gab Kathleen den Befehl: "Anker lichten!"
Schon startete Joseph den Hilfsmotor und der gigantische Dreimaster fuhr durch die enge Hafeneinfahrt, von der auch einst Christoph Columbus gestartet war.
"Hisst die Segel!" schrie Angelo euphorisch, was seine älteren Brüder jetzt auch schnell taten: flink kletterten John, Patrick und James die Strickleiter dem Mast empor und lösten die ersten Taue der großen Segel. Mit lautem Krachen entfalteten sie sich.
Die Santa Barbara Ann grub sich ihren Weg durch die Wellen auf die offene See zu.
Patricia Kelly, die 29-jährige Kräuterhexe und Ärztin der Familie, ging derweilen die Treppe hinab, um in der Kombüse Tee anzusetzten. Ihre jüngste Schwester Maite folgte ihr, um Frühstück zu machen.
Minuten später zog schon der Duft von gebackenen Eiern und getoastetem Brot übers Deck und lies Johnny´s und Jimmy´s Mägen knurren. die beiden lehnten sich über die Reling und schauten hinaus auf die unendliche Weite des Meeres...
"Hey Jimmy," rief Joseph seinen, um 2 Jahre älteren Bruder zum Steuer, "aber daß du mir auch ein bisschen Rührei hochbringst!"
"Komm, ich übernehme für eine halbe Stunde. Du trinkst Kaffee und ißt etwas und dann geh ich Frühstücken, ja?" James grinste seinen Bruder an und übernahm das Steuerrad.
Joseph nutzte die Situation und die Gutherzigkeit seines Bruders aus und lies sich geschlagene eineinhalb Stunden Zeit mit seinem Frühstück.

*

Die nächsten Wochen verliefen sehr erholsam und beruhigend. John, Jimmy und Joey wechselten sich Nachts mit dem Ruder ab, denn auf techniche Hilfsmittel wurde, außer dem kleinen Hilfsmotor, verzichtet. Okay, Strom für die Kaffeemachine und dem Herd hatten sie schon, aber im Großen und Ganzen...
Den Tag über fischten Maite, Angelo, Paddy und John, Barby zeichnete, Patricia meditierte, Kathleen und Sean verbrachten die Zeit mehr für sich und abends pokerten die Männer. Das Wetter war beständig und es gab keine Kursabweichungen und so überquerten sie ohne Probleme den Pazifik.
"Morgen passieren wir das Kap der guten Hoffnung!" freute sich Captain Joey, als die Kellys gerade beim Abendessen saßen. Und alle waren voller Aufregung. Doch Paddy bemerkte am Rande, daß beim Kap Horn oftmals Wetterunbeständigkeiten auftreten können. Aber Joseph blärrte den Wetterbericht Patrick entgegen und so war die kleine Wolke am Horrizont schnell wieder verschwunden. Denn die Wettervorhersage bestätigte ein beständiges Hochdruckgebiet, Sonnenschein und 25 Grad. Was wollten sie mehr?
Paddy stieg an Deck zu John, um ihm seine Bedenken zu berichten. Doch dieser zeigte ihm einen Vogel und schickte ihn wieder unter Deck: "Geh hinab und spiele Scrabble mit Jimmy, zeige ihm mal wieder, wie blöd er doch ist." Beide lachten und Patrick ging hinab.

Die Nacht velief sehr ruhig. James lenkte den Kahn Kursgemäs. Um 8.00 Uhr übernahm Joseph wieder. Es war ja eine Ehre, und damit seine Aufgabe, daß Kap zu umsegeln.
Es war ein herrliches Wetter. Gegen Mittag hin verbreitete sich zwar schwüle, aber das ist ja normal in diesen Gefielden, erklärte Joey. Später, so um 18.00 Uhr zog sich der Himmel zu und eine steife Briese blähte die Segel auf. Doch die gute Laune konnte nicht gedrübt werden. Die Kellys gingen unter Deck und Johnny nahm die Gitarre und spielte ein Lied an, worauf die anderen lauthals einstimmten.
Doch keiner ahnte, welche Schwierigkeiten Joey an Deck hatte. Klar hatte jeder der Kellys einen Kurs mitgemacht und Jimmy und John hatten sogar ein Schiffspatent gemacht. Joseph hatte die Prüfung sogar mit Zertifikat bestanden.
Als das Schiff immer mehr schwankte, beschlossen John und Jimmy nach oben zu gehen um die Segen einzuholen. Als sie oben waren, sahen sie die Bescherung: Der Himmel war schwarz zugezogen und der Wind peitschte dicke Regentropfen auf die Brüder. Sie stiegen vorsichtig in die Tagelage und befestigten die Segel.
Unten angekommen liefen sie sofort zu Joey um ihn zu helfen, das Ruder zu halten.
Plötzlich kam Angelo aufs Deck und rannte an die Reling um sich zu übergeben. Die Brüder am Steuerrad lachten hämisch.
"Ihr Schweine!" schluchtzte das Nesthäkchen. Kathy kam und dröstete ihren kleinsten Bruder und warf den Großen böse Blicke zu.
Eine Stunde später war alles vorbei. Allen ging es gut, dem Boot, sowie den Kellys, bloß Angelo war noch etwas blaß um die Nase. Erschöpft sank Joey in sein Bett und John übernahm.
Doch sein Schlaf wurde jäh unterbrochen: James riss die Türe auf und schrie:"Das Funkgerät ist ausgefallen! Joey, ich habe keinen Kontakt zum Festland!"
Müde rappelte sich sein Bruder auf und machte sich auf den Weg auf die "Brücke" um sich den Schaden anzuschauen. Es war mittlerweile kurz vor Mitternacht.
"Ich schaue mir das morgen an." Er ging zu John und erkundigte sich, ob die Barbara Ann noch auf ihrem Kurs war.
"Schnurgeade!" bestätigte sein Bruder.
"Und das Funkgerät?" stresste Jimmy.
"Wenn wir auf Kurs sind, ist es nicht so schlimm. Ich repariere das Scheißding morgen früh. Mach dir keine Sorgen, Bruderherz." mit diesen Worten wünschten sich die Bruder eine gute Nacht und legten sich in ihre Kojen.

Am nächsten Morgen ging es auch Angelo wieder gut und er tobte mit Maite übers Deck.
Nach dem Frühstück schnappte Maite sich die Angelrute um zu fischen. Patricia setzte sich zu ihr: "Ich habe in einem Kochbuch ein tolles Rezept für frischen Thunfisch." sie schnappte sich eine Rute und Angelte mit. Barby und Paddy gesellten sich zu ihnen, als Maite schrie: "Ich habe einen! Ich habe einen!"
"Was?" schrie Jimmy, dessen Sicht von der "Brücke" blockiert wurde, vom Bug hinter.
"Ein Fisch, was denkst du denn?" mekerte Maite. Schon kamen Kathleen und Sean gerannt.
"Zieh ihn hoch!" Paddy griff an die Angel und half Maite das Vieh hoch zuziehen.
"Was ist das denn?" rätselte Patricia.
"Ruf mal Joey." befahl Patricia Paddy.
"Das ist ja ein Riesengerät." staunte Maite.
"Was habt ihr gefangen?" rief Jimmy, "Eine Sadelle?" er lachte so laut, daß sogar Barby aus ihrer Kajüte kam.
Joey kam angeschlappt. "Was stöhrt ihr mich denn schon wieder!?"
"Was ist das?" Patricia deutete auf den ein Meter langen Fisch, der auf den Blanken lag. Joseph bekam einen ernsten Gesichtsausdruck: "Das ist ein Barakuda." er hob den Fisch an. "Die kommen in diesen Gewässern eigentlich nie vor. Mehr westlich in den Tiefseegewässern." Joseph presste die Lippen zusammen. Er ging vor zu James: "Sind wir auf Kurs?"
"100%ig !" antwortete sein Bruder.
"Halte doch mal bitte das Ruder, ich muß mal für kleine Jimmy´s." Joey übernahm das Steuer, schielte auf den Kompass und lies sich die Briese durch seine blonde Mähne wehen.
Als James wieder kam, fragte er: "Und, wie läuft es mit dem Funkgerät?"
Joseph zuckte mit den Schultern: "Weiß nicht, es will einfach nicht. Aber das bekomme ich schon hin. Wir sind ja auf Kurs und da ist es ja nicht so schlimm, wenn wir einpaar Stunden nicht mit dem Festland verbunden sind. Keine Sorge..." wandte sich Joseph ab.

"Machen wir halt Barakuda- Gulasch." erklärte Maite.
"Ob man das überhaupt essen kann?" fragte Patrick und schaut skeptisch auf das Monster mit den langen Zähnen.
"Am besten wir werfen ihn wieder zurück!" beschloß Joey.
So taten sie es auch. Ab mit ihm in den Schlund der See. Maite schlappte in die Küche, Angelo und Paddy folgten ihr. Patricia ging in ihre Koje und Joey widdmete sich wieder dem Funkgerät.

Es wurde Nachmittag auf der Barbara Ann. Patrick half Joseph mit dem Funkgerät, jedoch ohne Erfolg. James legte Doppelschicht ein, um Joey weiter am Funk herumbasteln zu lassen. Beim Abendbrot erklärte Joseph, daß es besser wäre, morgen Richtung Küste zu fahren.
Allgemeine Misstimmung breitete sich aus.
"Scheiß Funkgerät!" fluchte Paddy. "Nur wegen dem müssen wir unseren Kurs ändern."
Aber irgendwann verstanden es alle, sogar der kleine Sean.


-2-

Am nächsten Morgen übernahm Joseph das Ruder von Johnny. James stand gerade an der Reeling und verrichtete seine Notdurft ins Meer.
"So, dann werden wir den Kahn mal wenden." stöhnte Joey und wendete das Ruder.
Jimmy kam auch heranspatziert und schaute interressiert zu.
"Schaut mal!" stieß Joseph aus, "Fällt euch etwas auf?" er zeigte auf den Kompass, dessen Nadel sich keinen Zentimeter gekrümmt hatte.
"Oh,Oh!" war das einzigste, was James über die Lippen brachte. Johnny blickte nur schweigend auf den Kompass.
"Das heißt also, daß wir die ganze Zeit irgendwo hingesegelt sind, ohne zu wissen wo hin?" fürchtete Jimmy. Joseph nickte stumm.
"Und jetzt? Was machen wir nun?" bei Johnny machte sich die Panik breit, und auch seine zwei Brüder bekamen es mit der Angst zu tun.
"Kein Funkgerät und irgendwo auf dem Meer. Sehr geil, so hatte ich mir das vorgestellt!" meckerte Jimmy.
"Meinst du, ich hatte mir das so vorgestellt?" schrie Joseph.
"Nur weil du nicht das Funkgerät reparieren konntest." warf Jimmy seinem Bruder vor.
"Und dir Idiot hätte es ja auch mal auffallen können, daß sich die Nadel schon seit einiger Zeit nicht mehr bewegt hat!" brüllte der Angegriffene zurück.

"Jetzt hört endlich auf!" befahl der älteste Bruder. "Meint ihr, daß sich etwas ändert, wenn ihr auf euch herumhackt?"
James und Joey schüttelten die Köpfe.
"Also, am besten wäre es, den Anderen bescheit zu sagen, oder?" John atmete tief durch, "Ruft eine Familienversammtung zusmmen, am besten hier oben."
Schon rannten die beiden los und trommelten die Familie zusammen. Oben angekommen, ging ein Raunen um sich, was wohl los sei.

"Also, wir haben ein Problem..." sprach Johnny und fuhr fort: "Daß wir den Kontakt zum Festland verloren haben, wisst ihr ja. Nun ist aber seit ungewisser Zeit unser Kompass kaputt. Wir haben also keinen plassen Schimmer, wo wir uns befinden."
"Na auf dem Meer!" versuchte Jimmy die Stimmung zu heben. Doch dieser Versuch ging daneben und er erntete böse Blicke der Anderen.
Ratlosigkeit bestimmte die Situation, bis Barby zu schreien anfing: "Wir sind verloren! Wir wissen nicht wohin noch woher!" Patricia nahm ihre labile Schwester in den Arm und flüsterte ihr irgendetwas ins Ohr, was sie aber anscheinend beruhigte.
"Aber was machen wir denn jetzt?" fragte Paddy leise. Doch auf diese Frage bekam er keine Antwort.
Die Kellys waren ratlos. Johnny meinte, daß es besser wäre, die Segel einzuholen um nicht noch weiter vom Kurs abgetrieben zu werden. So taten sie es auch.
Doch es half slles nichts, denn wie sollten sie wieder auf ihren Kurs kommen. Paddy schlug vor, daß die großen Brüder am besten das Ruder immer in einer Richtung halten sollten. Doch Joseph erklärte ihm, daß das Boot dann nur im Kreis fahren würde.
Was nun? Joseph überlegte, ob er nicht nach dem Stand der Sonne die Himmelrichtung deuten und damit wenigstens Richtung Küste zu kommen.

So vergingen die Tage und das Stimmungsbarometer sank auf den Nullpunkt. Beinahe bei jedem Satz den ein Kelly sagte, mußte er aufpassen, daß er nicht von einem anderen Kelly eine auf die Müze bekam.
Maite, der ewige Optimist, sah die Sache nicht so eng und angelte. Als Paddy sie dabei beobachtete fand er des Pudels Kern: wie von der Terandel gestochen, rannte er zu Joseph ans Steuerrad: "Wenn es Barakudas nur in den tiefen Gewässern gibt, sind wir doch jetzt in tieferen Gewässern, oder?"
"Mensch, bist du schlau!" reizte Joseph. Aber ehrlich gesagt, hatte er daran schon gar nicht mehr gedacht. Doch was brachte ihm diese Erkenntniss, außer daß sie sich total verfranzt hatten?
Zu der Verzweiflung auf hoher See kam jetzt auch noch feuchte Luft dazu. Die Schwüle brachte die Stimmung fast zum zerreisen: Patrick brügelte Angelo, Kathy ging dazwischen und knallte Angelo eine. Johnny mischte sich ein und bekam von Jimmy einen Tritt in den Rücken, daß er in die Ecke flog, weil er Kathleen als alte Schlampe bezeichnet hatte. Dies musste Jimmy mit einem Schlag in die Weichteile büsen, der ihm Patricia verabreichte.
"Seit ihr den noch zu retten?!" schrie Barby so laut, daß sich das Gerangel löste. "Habt ihr denn nichts besseres zu tun? Außerdem ist da hinten Land in Sicht." Ja, so war es: Ganz am Horizont zeichnete sich die Spitze eines Berges ab.
Doch in der anderen Richtung sah es nicht so rosig aus. Patrick schrie:
"Scheiße, schaut mal dort!"
Und was sich da zusammenbraute: Der Himmel wurde innerhalb weniger Minuten kohlrabenschwarz- Nacht. Es war nichts zu hören. Das Meer war so ruhig wie nie zuvor und schwarz wie der Himmel.
"Kake!" stoß Jimmy aus und in dem Moment ging es los. Erst ganz langsam fing es zu Tröofeln an. Dann die erste Boe. Plötzlich alles Schlag auf Schlag: Patricia verteilte Schwimmwesten, Kathy umklammerte Sean, Barby heulte laut und zu aller Verwunderung hielten Patrick und Angelo jeder einen Rosenkranz in der Hand und beteten. Sie wurden von einer zur anderen Seite geworfen. Johnny kämpfte sich zu Kathy und Sean vor. Jimmy klammerte am Mast und Joey am Steuerrad. Maite und Patricia kauerten mit Barbara zwischen zwei Kisten.
Dicke Regentropfen prasselten auf ihre Köpfe. Blitze zuckten über den Himmel und lautes Donnergrollen übertönte die Hilferufe der Familie. Das Schiff neigte sich immer tiefer von der einen auf die andere Seite. Joseph kämpfte sich zu dem Funkgerät vor um in größter Not noch ein SOS zu senden. Doch als er zum 5. Male gemorst hatte, flüchtete er aus der Brücke und klammerte sich wieder an das Steuerrad. Sich festzuklammern war kaum noch möglich: Patrick ging als erstes von Bord. Angelo schrie wie am Spieß und purzelte gleich hinterher. Und wer bis jetzt noch nicht im Wasser war, war es spätestens jetzt: Das Boot kenterte und lag nun steuerbordlinks im Wasser. Die wilde Flut riss alles mit sich.

*

Die Sonne ging auf. Patrick lag halb im Wasser, halb am Strand. Die tyrkiesenen Wellen umspühlten seinen Körper. Er blinzelte gegen die Sonne: Der Alptraum war vorbei. Als er ins Wasser fiel, verlohr er sein Bewustsein- bis jetzt. Paddy rappelte sich auf. "Boah!" stönte er. Jeder einzelne Knochen drückte ihn. Nach etwa fünf Minuten stand er da und blickte auf´s Meer. "Oh ich kann es nicht mehr sehn!" fluchte er hasserfüllt.
Plötzlich überkam ihn die Einsamkeit: "Wo sind meine Geschwister?" wunderte er sich. Er drehte sich um und sah wie sich Joey gerade aufsetzte. Fluchtartig rannte er zu Joseph und umarmte ihn. Tränen liefen über seine Wangen. er umarmte seinen großen Bruder.
"Na, alles heil?" erkundigte sich Joe nach Patricks Befinden.
"Soweit ich es sehen kann, ist noch alles fest an seiner Stelle." Joseph grinste.
Weiter hinten, aus dunklen Dickicht, hört man es kruschpeln. Barby, Maite, Angelo und Patricia kamen hervorgekrochen.
"Paddy, Joey!!!" waren ihre ersten Worte. Sie rannten einander zu. Aus einer anderen Ecke des Unterholzes, kamen Kathy, der kleine Sean und John heraus.
Sie drückten einander und umarmten sich. Doch die Freude wurde schnell getrübt:
Jimmy fehlte!
Und niergends ein Lebenszeichen von ihm: weder Fußstapfen im Sand, noch merkwürdige Geräusche aus dem Unterholz...
Die Familie schwieg. Keiner getraute sich ein Wort zu sagen, es war erschreckend. Patricia fing an zu schluchzen, brach weinend zusammen: "Jiiimmmiiieee!!!" schrie sie Richtung Meer und sank auf die Knie. Kathy setzte sich neben sie in den Sand und drückte Patricias Gesicht an ihre Schulter- auch ihr rannen die Tränen über´s Gesicht.
Die anderen Kelly´s setzten sich neben die Beiden. Sie weinten. Weinten um ihren Bruder James, der Dickkopf, der ihnen immer viel Kummer, jedoch tausendmal soviel Freude bereitete, mit seinem Talent, andere von ihrem Kummer abzulenken, zu Überraschen und mit seiner witzigen Art, die schlechteste Laune zu vertreiben.
Es wurde Mittagszeit. Die Geschwister saßen immer noch stumm, monoton auf die See starrend.

Angelo blinzelte gegen die Sonne. Was war das? Eine Fatamorgana? Nee, da kam jemand auf die Familie zu. Schlapp und ganz langsam kam da etwas immer näher "Jimmy! Jimmy!" schrie Angelo aus voller Kehle. Die Geschwister sprangen auf und staunten: die verschwommene Siluette eines Irgendetwas formierte sich immer mehr zu James. Doch Selbiger sah gar nicht gut aus: Er lief gekrümmt, ganz langsam und hielt seinen Arm. Schmerz verzerrte sein Gesicht.
Die Familie lief ihm entgegen. Sie schrien wirr durcheinander, vor Freude weinend, vor Aufregung stotternd. James brachte nur ein müdes Lächeln über die Lippen: "Ihr lebt." stellte er müde fest, bevor er wie ein nasser Sack zu Boden ging. Nicht bewusstlos, jedoch kaputt, lag er nun im Sand. Seinen Arm stützend.
Patricia , ganz euphorisch, beugte sich zu ihrem, um eineinhald Jahre jüngeren Bruder, herab und schaute sich seinen Ellenbogen an.
"Uhii, Jimbo, daß sieht aber gar nicht gut aus!"
"Das seh ich auch." stönte Jimmy, neugierig auf die Diagnose seiner medizinbegeisterten Schwester.
"Was denn, was denn?" drängte Patrick und wollte sich zu Patricia und Jimmy vorkämpfen. Doch Kathy gab ihm einen gehörigen Stoß, so daß er schnell wieder hinten stand.
"Jimmy´s Arm ist gebrochen." Befand Tricia.
James sah Tricia mit einem treuen, leidenden Hundeblick an, welcher durch seine schönen, blauen Augen unterstrichen wurde. Seine Schwester lüpfte ihren Rock und riss einen Streifen ihres Unterrockes herab. Davon knotete sie James eine Schlinge, die sie ihm durch den Arm zog.
Jetzt sah er wieder glücklicher aus. Grinste auch wieder.


-3-

Jetzt, wo Jimmy wieder bei ihnen war, waren die Gedanken der Familie wieder frei für das Wesentliche: Wo befanden sie sich?
Vor ihnen das türkisene Meer, unter ihren Füßen der Strand und hinter ihnen der dichte Wald. Sie schwiegen, lauschten den Geräuschen. Barby hatte sich hingesetzt und ihr hübches Gesicht tief in Kathleens Schulter vergraben, welch sich zu ihr gesellt hatte. Ratlosigkeit bestimmte die Situation. Keiner wusste so recht, was er sagen sollte. Nur Sean buddelte im Sand. Ihm schien die Situation gut zu gefallen.
"Wir müssen hier weg!" brach Angelo das Schweigen.
"Und wohin?" fragte Joseph.
"Auf jedenfall können wir hier nicht bleiben. Wir müssen nach Nahrung und Trinkwasser suchen." Patrick schaute die älteren Brüder fragend an.
"Der hat wohl zuviel ferngesehen!" keifte Jimmy.
"Hast du eine bessere Idee?" konnterte Patrick.
Und Johnny fügte hinzu: "Keine schlechte Idee."
James nickte nun auch: "Im Fernseher klappt es ja auch-" er schnaufte, "meistens."
"Wir werden die Insel wohl oder übel erkunden müssen:" erklärte Joey.
"Cool! Ich bin dabei!" schrie Angelo.
"Nee Pissnelke, du auf keinen Fall. Das ist viel zu gefährlich!" verneinte Joseph. "Aber wir sollten uns ersteinmal einen Unterschlupf bauen. Man weiß ja nie..."
"Die Rückkehr zur blauen Lagune?" lästerte Jimmy.
"Bist du einer anderen Meinung?!" schnautzte Kathleen.
James schüttelte seinen Kopf.

Maite schaute nur traurig drein. Sie blickte auf die See- Tränen liesen das Bild verschwimmen. Hier und da wurden mal Blanken und andere Trümmer angeschwemmt. Sie ging auf das Wasser zu und holte eine Kiste an Land: Eine kleine grüne Kiste. Maite kannte sie vom Deck, weil sich darin die Leuchtkugelkanone befand. Maite schnappte sie sich und trug sie zu Kathleen und John, welche sie dann dem stolzen Joseph übergaben.

Johnny teilte die Arbeitsbereiche, für den Unterschlupf, auf: Angelo musste zusammen mit Paddy große, dicke Äste sammeln. Kathleen sollte angeschwemmte Gegenstände aus dem Wasser ziehen, soweit sie nicht zu schwer waren. Barbara und Patricia sollten ihren kleinen Brüdern zur Hand gehen, während James mit einer Hand kleine Stöcke und Äste für Brennholz sammeln sollte. Maite bekam von John einen Kurs, wie sie die Leuchtkugelpistole zu behandeln hat, denn sie hatte den Job, das Meer zu beobachten und falls sie ein Schiff oder ein Flugzeug sieht, eine Rakete abzufeuern.
Joseph wartete ab, bis die Geschwister die ersten dicken Stämme anschleppten, doch dann standen sie vor einem Rätsel: Wie sollten sie die Äste und Stämme denn zurechtschneiden?
Jimmy, der ewige Optimist, meinte, daß man gerade Äste auch so mit Lianen verschlingen könne. Doch wie kann man eine Liane vom Bauch runterbringen?
"Hey, hey, hey!" Angelo Kelly kam angerannt. "Ich habe mein Taschenmesser immer mit dabei. Kann es euch helfen?"
"Frag´ nicht blöd, sondern gib das Messer endlich her!" drohte Joseph und entriss Angelo sein Messer und schaute ihn böse an.
Der kleine Bruder machte sich wieder an seine Arbeit, jedoch ohne sich eine Bemerkung zu verbeißen: "Wenn du schlecht gelaunt bist, dann lasse es bitte nicht immer an mir aus!"
"Verpiss Dich!" lautete die Antwort seines Bruders.

So bauten sie einen Unterschlupf. Was heißt Unterschlupf: Zwei Stämme hielten ein schräg abfallendes Dach. Davor flackerte ein Feuer, daß die Kelly´s mit Hilfe von Patricks Sturmfeuerzeug anzündeten. Was die Kleinen so alles dabei hatten?
Es wurde Nacht auf der Insel. Seltsame Geräuche drangen aus dem Jungel an die Ohren der Kellys. Sie krochen eng zusammen und bis alle eingeschlafen waren, verging einige Zeit. Bei jedem Flattern eines aufsteigenden Vogels zuckten sie zusammen. Barby weinte sich in den Schlaf.

So wurde es Morgen und die leeren Mägen der Geschwister meldeten sich. Vor allem der Durst plagte sie sehr. Angelo wollte Meerwasser trinken, doch Patricia erklärte ihm, daß er nicht mehr lange leben würde, wenn er dies machen würde.
"Wir müssen unbedingt die Insel erkunden!" meinte Joseph und fügte, "Denn wir brauchen unbedingt Süßwasser zum überleben." Hinzu.
Dabei schaute er James, Patrick und John an.
"Wir vier gehen. In zwei Stunden." Alle nickten, bloß Jimmy schaute mißmutig: "Aber ich habe doch..." er kam gar nicht zum Jammern, weil Joseph schon mit der Erklärung anfing, in welche Himmelsrichtung sie laufen sollten und die letzten Instruktionen bekanntzugeben. Nur James war sehr leise und betrachtete sich hin und wieder seinen Arm, den Patricia mit einem weiteren Fetzen Unterrock verbunden hatte. Doch das Jimmy nicht gerade viel Schmerz aushalten konnte, wussten alle.

Kathleen ging mittlerweile ans Meer um nach Austern Ausschau zu halten. Und siehe da, sie fand sogar zehn Stück.
"Igitt! Austern ohne Zitrone..." murrte Patrick, aß sie aber dann doch und rannte gleich zum Wasser, um sich Nachschlag zu holen. Denn die Austern lieferten Wasser, nicht so salzig wie das Meereswasser.
Mitlerweile wurde auch der Kombüsenschrank, zwei Stühle, eine Tür und verschiedene Töpfe sowie Kleinkram, unter anderem noch zwei Feuerzeuge, angespült.
Die zwei Stunden vergingen und der Abschied rückte näher: John teilte Küchenmesser aus, so daß die Älteren die längeren und außer Sean jeder ein Messer bei sich hatte. Die Erkunder nahmen sich das Sturmfeuerzeug, während die Zurückgebliebenen die zwei anderen bekamen.
"Wir wissen nicht, wann wir wiederkommen." Joseph schluckte, "Und ob wir überhaupt wiederkommen..."
"Sag doch nicht sowas!" schluchzte Barbara und James schaute seinen Bruder schockiert an. Patrick viel Kathy gleich um den Hals und verbarg eine Abschiedsträne.
So verabschiedeten sie sich jeder einzeln und die Erkunder liefen, quer Feld ein, in den Urwald.

Keiner der vier konnte sagen, wie lange sie schon gelaufen waren, als sie an einen Wasserfall kamen. Er war wunderschön anzuschauen: Ein ca. 100 Meter hoher Felsen, von dem das Wasser, laut plätschernd, herunterprasselte. Dabei bildete sich ein Regenbogen.
"Oh!" stieß Jimmy aus, "ob es da auch Leprechauns gibt?"
Paddy lachte laut: "Jimbo glaubt an Leprechauns!"
"Aber man sagt doch immer, daß am Ende eines jeden Regenbogens ein Leprechaun auf einem Topf mit Gold sitzt." Werte sich James.
"Aber doch nur in Irland. Hier bestimmt nicht. Wie soll sich denn ein Kobold hier her verirren?" rätselte Johnny.
"Du auch, John?" fragte Patrick und schüttelte den Kopf, wärend Joey schon auf dem Weg war, das Wasser zu testen.
"Hey, Jungs! Das ist Süßwasser!" rief er seinen Brüdern zu.
"Da hat sicher jemand ein Pfund Zucker reingeschüttet." Witzelte Jimmy.
"Ja, garantiert. Bestimmt Jimmy´s Leprechaun!" und Patrick konnte nicht mehr vor Lachen.

Es war gut, daß die Kelly´s ihren Humor noch nicht verloren hatten. Denn weinen kann man später noch...

"Also," sprach Joey, "Zwei von uns müssen zurück und die anderen holen. Am besten Du, Johnny und Patrick. Weißt du den Weg noch?" John nickte.
"Ihr geht. Wollt ihr das Messer?"
"Ne, quatsch! Wir kennen ja den Weg und der ist ja - mehr oder weniger - sicher." Erklärte John.
"Alles klar. Ich und Jimmy gehen weiter und morgen kommen wir wieder hier her."
Sie verabschiedeten sich voneinander und wünschten sich viel Erfolg.
So trennten sich ihre Wege.

"Los Jim, wir gehen da lang" befahl Joseph und zeigte mit dem Finger in einen dichten Palmenwald. James, dem die ganze Sache unbehaglich war und viel lieber wieder zu den anderen Familienmitgliedern gegangen wäre, Trottete seinem jüngeren Bruder nach. Er stützte seinen pochenden Arm.
"Vorsicht!" schrie Joey, als sich eine Würgeschlange, an die 3 Meter lang, von einem Ast schlängelte.
"Cool!" stoß Jimmy aus.
"Komm Joey, mach sie tod! Dann haben wir wenigstens was zu Essen, ich hab nämlich einen Bärenhunger!"
"Du spinnst doch! Meinst Du, daß die Schlange keinen Hunger hat? Die würde uns sicher auch gerne verspeißen. Auf, geh schon da lang und mach, daß du an Tempo gewinnst!" er schob Jimmy in die andere Richtung des Waldes.
Es wurde duster im Wald. An einer Lichtung machte Jimmy einen Feuerplatz und Joseph musste Holz herbei schleppen. James ging es nicht gut. Joey fragte seinen großen Bruder, ob alles in Ordnung sei, doch er bejate und so wurde sein blasser Teint einfach vergessen.
Nun aber plagte sie der Hunger. Aber zum Glück hingen neben der Lichtung, an einer Palme, Kokosnüsse. Joseph warf mit Ästen nach den Nüssen, doch als ihm eine auf den Kopf fiel, musste Jimmy weitermachen. Plötzlich wurde es ihm schwindelig und er fiel, wie ein Stein, auf den grünen Moosboden.
Joseph eilte sofort zu ihm: "Hey, Jimmy!" er schlug ihm auf die Wange. Sein Bruder plinzelte und blickte in das Gesicht seines Bruders.
"Alles klar? Was ist passiert?" schrie Joey sorgvoll.
"Mein Arm, mein Arm!" stöhnte James.
"Oh nein. Tu´ mir das doch nicht an!" er nahm Jimmy´s Arm und wickelte die Bandage ab. Ein schreckliches Bild eröffnete sich ihm: Jimmy´s Arm war dunkelrot und ganz dick angeschwollwnen. Es war kein Wunder, daß es ihn umgehauen hatte.
"Schaue lieber nicht hin!" meinte Joseph, doch James hatte es schon längst getan...
Und obwohl Jimmy nicht gerade als Held galt, war er tapfer: Er verzog sein Gesicht und stand auf. Sein Bruder wollte ihn stützten, doch James schaffte es auch alleine.
"So ein Müll!" fluchte er, "Hier, am Ende der Welt, am hinterletzten Zipfel, passiert mir sowas. Und zu Hause, wo die Ärzte um mich rumkreisen, wie die Fliegen, bin ich putzmunter." Er atmete laut auf und schaute besorgt auf seinen Arm, "Scheiß drauf!"
Wütend nahm er einen Ast und warf ihn mit ganzer Wut auf die Palme. Prompt flogen an die 20 Kokosnüsse herab. James schaute seinen Bruder an und beide lachten.
Sie setzten sich an das Feuer und Joseph wickelte Jim wieder die Bandage um.
"Ich glaube," sagte Joey, "daß du einen Splitterbruch hast." Jimmy seufzte.
"Aber glaube mir, Bruder, was dich nicht umbringt, macht dich noch härter." James schielte an sich herunter und fing an, schallend zu lachen. Joseph konnte diese Geste gut deuten und lachte mit:
"Penner!"

Doch Jimmy ging es gar nicht gut. Es war ihm schwindelig und er hatte Schmerzen. Doch wenigstens hatten sie erstmal genug zu essen und die Kokosmilch schmeckte hervorragend. Nachdem ein jeder der Beiden 3 Nüsse gegessen hatte, legten sie sich hin und schliefen ein...

Derweilen bei ihren Geschwistern am Wasserfall große Aufregung herrschte: Eine Stunde, nachdem John und Patrick die Anderen zum "Himmlischen Gefälle" (so nannte Barbara den Wasserfall, weil er so "poetisch" aussah) gebracht hatten, greiste ein Flugzeug über ihren Köpfen. Johnny nahm sofort die Pistole, doch Maite stoppte ihn, daß es gefährlich sei, sie abzufeuern, da sich über ihnen dichtes Blätterwerk befand. Johnny schrie jedoch: "Ist mir doch egal, solange wir gerettet werden!" Und feuerte ab. Barbara hielt sich die Ohren zu, doch es tat sich nichts. Nur ein leises "Knack" ertönte.
"Verdammte Scheiße!" fluchte John und warf die Kanone auf den Boden. Der Flieger schwenkte ab...
Kathy verbarg nicht ihre Wut und schrie los: "Warum habt ihr die Kanone nicht schon früher getestet?!" Johnny antwortete gereizt: "Warum hast du sie nicht schon früher getestet?"
"Ruhe jetzt!" unterbrach Patricia ihre Geschwister. Und- oh, Wunder- die Beiden beruhigten sich. Die Geschwister bauten eine Feuerstelle und zündeten ein Feuer an.
Wäre die Situation nicht so aussichtslos gewesen, hätten die Kelly´s sicher ein Auge auf die Schönheit dieses Fleckchens Erde geworfen. Ein kristallklarer See, ein Wasserfall, wie aus den schönsten Märchen. Rund um den See eine saftg- grüne Wiese und ein dahinter ein dichter Palmenwald.
"Morgen, wenn Jim und Joseph wieder da sind, suchen wir eine hohe Klippe." sprach Barby. Alle schauten sie etwas verdutzt an, denn einen solchen Befehlston waren sie von ihrer zarten Schwester gar nicht gewohnt. "Und dort zünden wir ein Feuer an. Einer von uns muß immer an der Stelle bleiben und beobachten, daß die Flamme nicht ausgeht."
"Zu was denn?" fragte Angelo gähnend.
"Falls wieder ein Flugzeug oder ein Schiff kommt, sehen sie uns gleich und wir werden gerettet!"
"Klingt gut," meinte John.
"Wir werden immer 5 Stunden- Schichten einteilen. Joey hat ja noch seine Uhr." fügte Babsi hinzu.
Mit diesem Plan legten sich die Geschwister nun zur Ruhe.

*

Es wurde morgen. Ein Schwarm aufsteigender, bunter Papageie, weckte Joseph. Er räckelte sich und lief dann um die Feuerstelle herum, um seinen Bruder zu wecken. Doch James sah nicht gerade aus, wie das rosige Leben: Er hatte Schweißperlen auf der Stirn und war wachsweiß im Gesicht. Joseph mußte erstmal tief durchatmen, bevor er sich herabbeugte und leise "Jimmy, Jimmy!" flüsterte. Doch er zuckte sich nicht. Joseph wurde es ganz anders. War Jimmy tod? Nein, nachdem Joey ihn aufriss und ihn wie ein Teppich durchschüttelte, wurde sein großer Bruder nun endlich munter.
"Was schüttelst du mich so?" fragte dieser genervt.
"Ich dachte du seist tod!" schrie Joey ihn an.
James grinste ihn an: "So schnell wirst du mich nicht los!"
Doch sein grinsen war beinahe gestellt und künstlich, denn sein Arm schmerzte sehr.

Wegen Jimmy´s Gesundheitszustand machten sich die Beiden wieder zurück zu ihren Gescheistern. Der Weg machte James schwer zu schaffen. Andauernd mußten sie pausieren, weil es ihm schwindelig wurde. Als Joseph seinem Bruder auf die Stirn fasste, um ihm die Schweißperlen ab zu wischen, erschrak Joey zu tiefst: Sein Bruder glühte förmlich wie ein Backofen!

Bei den Geschwistern angekommen, berichtete Joe die Missere sofort den Anderen. Patricia stürtzte gleich auf Jimmy zu und wickelte die Bandage ab: James´ Knochen hatte sich durch die Haut gebohrt und schaute ein Stück weit heraus. Die ganze Wunde war dick enzündet. Tricia konnte nicht genau sagen, ob es geeitert war. Alle schauten Jim ratlos an- und Jimmy starrte zu Boden.
"Ich muß unbedingt Kräuter finden!" hetzte Patricia und lief wie wild, den Boden absuchend, umher.
"Barby, komm mir helfen!" schrie sie. Tricia machte sich mit Barbara auf den Weg, doch da ergab sich ein Problem: Hier, am Ende der Welt wuchsen Pflanzen, welche die Kräuterhexe Patricia noch nie gesehen hatte...

Wärend dessen die Schwestern sich nach heilenden Gewächsen umschauten, kümmerte sich Kathy um ihren kranken Bruder und Joseph zog nun mit John los, die Erkundung fortzusetzen.

Barby und Tricia waren ungefähr einen halben Kilometer vom Lager entfernt. Barbara schlappte unwissend übers Moos, als Patricia- die ältere der Beiden- sich auf die Knie fallen lies und schrie: "Babs! Komm mal her!" Ihre Schwester kam angerannt. "Ja und?" Patricia budelte euphorisch eine Art Farn aus der feuchten Erde und sagte: "Das muß es sein." Barby schaute skeptisch. "Und woher willst du das wissen?"
"Ich spühre das. Glaube mir Babsi, daß muß es einfach sein!"
Sofort eilten die Beiden zurück zu den Geschwistern. Mit noch dreckigen Händen kochte Tricia über dem Feuer ein übelrichendes Gebräu, daß die anderen ihre Nasen rümpfen ließ. James lag unter einem Behelfsdach, geschützt vor der brallen Sonne. Es ging im zusehenst schlechter. Patrick legte ihm ständig nasse, kalte Stoffetzen auf die glühende Stirn, wärend Angelo ihm mit einem Palmwedel kühle Luft zufecherte. Paddy seufzte laut und schaute seinen kleinen Bruder traurig an. Lino wich dem Blick aus und starrte zu Boden... Stinkende Rauchschwarden zogen vorbei...


5.

Patricia schaute beschwörend auf das schwarz- grüne Gebräuh, daß im Topf, blubbernd vor sich hin köchelte: "Bald ist es fertig!"
"Und du bist dir wierklich sicher, daß es was hilft?" Kathy schaute über die Schulter ihrer Schwester. Patricia sah keinen Sinn darin, diese Frage zu beantworten.
Eine viertel Stunde später durchriß sie die Stille mit einem Aufschrei: "Feeertiiig!" Aller Augen wendeten sich zu der Kräuterhexe.
"Nun muß der Sud noch abkühlen." Tricia rannte zu James und setzte sich neben ihn auf dem Boden. Ihr Bruder hatte mittlerweilen schon sein Bewußtsein verloren.
Nachdem die Medizin abgekühlt war, flößte Patricia ihm die Brühe ein.

Die Nacht brach herein und Jimmy war immer noch nicht aus seiner Ohnmacht erwacht. Die Geschwister wechselten sich ab, die Nacht auf dem Boden sitzend neben James zu verbringen. Doch er lag da und zuckte sich nicht.
Erst am frühen morgen- Barby saß schluchzend neben James- bewegte und reckte sich der Kranke. Barbara schlug sofort Alarm und weckte die Anderen. Als die Meute angerannt kam, saß James schon aufrecht da.
Wildes Stimmenwirwar brasselte auf Jimmy nieder: "Jim?!" "Wie geht´s dir?"...
"Jetzt seit doch gefälligst mal still!" schrie Barby zum Erstaunen der Geschwister.
Alle starrten James an. "Was klotz ihr denn so blöd?" fragte Jimmy und fügte gleich lachend hinzu: "Ihr schaut ja, als hättet ihr den Leibhaftigen persönlich gesehen!"
"Äh, Jimbo, alles okay?" Patrick ging auf ihn zu und legte die Hand auf seine Stirn um zu sehen, ob er noch fieber hatte.
"Hey!" James schlug Paddys Hand weg, "Finger weg! Was geht denn mit euch ab?" Er lachte laut und sprang auf. Jede seiner Bewegungen wurden von den Augen seiner Geschwister verfolgt.
"Leute, ich muß euch was sagen.", James schaute die Gesichter der Anderen nach der Reihe durch und sprach mit toternster Miene: "Ihr seht aus, wie eine Trauergesellschaft, beinahe wie aus dem Gruselkabinett!" es folgte ein Kichern und Kopfschütteln seiner Seite.
Seine Brüder und Schwestern schauten sich ratlos an.
"Wie geht es deinem Arm? Hast du noch Schmerzen?" Patricia nahm Jim´s Hand.
"Nööö, ich spür´Null. Wo sind Joseph und Johnny?" schon entwendete er sich aus der Umklammerung Tricias.
"Die sind auf Erkundung." Angelo knackte eine Kokosnuß und setzte sich an die Feuerstelle.
"Und ich?" James schaute traurig drein. Doch schon erhellte sich sein Blick wieder, er drehte sich Richtung Wald und lief los: "Ich erkunde derweilen die andere Richtung!" und schon verschwand er im Dickicht des Tschungels. Paddy lief ihm hinterher: "Du kannst doch nicht alleine gehen!" und rannte ihm nach. James jagte durch das Gestrüpp, Paddy konnte kaum glauben, daß er die Nacht noch im Sterben lag und jetzt fit wie ein Turnschuh war.
"So warte doch auf mich....!" schrie er ihm hinterher

*

Wärend Patrick seinen Bruder hinterher rannte, hinfiel, wieder aufstand, kamen auch Joseph und John wieder ins Lager. Joey, stürtzte gleich zu der Stelle, wo Jimmy zum Zeitpunkt ihres Aufbruches, gestern noch gelegen hatte und suchte ihn wie wild und schrie hysterisch "Jimmy! Wo ist Jimmy!?"
"Der ist putzmunter." Patricia fuhr sich grübelnd über die Stirn.
"Ehrlich?!" Johnny konnte es kaum glauben.
"Patricia hat Jim so ein stinkendes Zeug gemixt und als er heute früh aufgewacht ist, war er..." Angelo überlegte nach einem passendem Satz "...wie high." Lino musste über die Bedeutung seines Satzes schmulzeln und erntete- wie immer für seinen Sarkasmus in solchen Situationen- Kathy´s böse Blicke.
Joey schaute seine Geschwister ungläubig an. "Das wollte ich doch nicht!" Tricias Augen füllten sich mit Tränen. "Ich wollte James doch nur helfen und jetzt..."
"Rennt er wie vom Affen gebissen durch den Urwald." Fügte Maite hinzu, die gerade stinksauer, von dem Aussichtspunkt zurück kam. In der ganzen Aufregung um Jimmy hatten sie Maite mehr oder weniger vergessen und ihr gestern Abend keine Ablößung geschickt.
"Ihr seit vielleicht tolle Geschwister! Lasst mich ohne Essen und Trinken da oben. Ich bin bald gestorben vor Angst!" Sie schaute die Anderen sehr vorwurfsvoll an.
"Und wie ich jetzt hier her gelaufen bin, rannte mich Jimmy bald über den Haufen, umarmte mich, rannte weiter und als ich mich von dem Schock erholt hatte und mich freute, daß Jim wieder gesund ist, kam Paddy angestürmt und schrie mich an, in welche Richtung Jimmy denn gelaufen sei." Maite holte nach diesem Endlossatz erst mal tief Luft.
"Ich bin ja ganz froh, daß es ihm wieder besser geht, aber vielleicht sollte er sich nicht so überanstrengen?"
"Klar," meinte Tricia, "Aber der ist doch auf und davon!" Nun liefen ihre Tränen wie Sturzbäche ihren, vor Aufregung geröteten, Wangen herab.
Joseph runzelte die Stirn und sagte dann: "Naja, dann werde ich den guten James mal wieder runter holen- von seinem Tripp. Wo ist er nochmal lang gerannt?" Maite wieß ihm die Richtung und Joseph, der öfters schon an "Ironman"- Läufen teilgenommen hatte, sprintete sofort in das Unterholz. Doch nach einer dreiviertel Stunde kam er wieder zurück. "Weder eine Spur von Patrick noch von Jimmy." Erschöpft ließ er sich neben der Feuerstelle sinken.
"Mensch, die beiden können doch nicht weg sein!" meinte John, als er von hinten eine Stimme wahr nahm: "Nee, aber Jim ist weg." die Geschwister drehten sich erschrocken um und sahen Paddy anschlappen.
"Irgendwo, dort oben bei den Hügeln, habe ich ihn verloren. Ich weiß nicht, wo er hin ist." Patrick schaute beängstigt in die Runde. Er machte sich selbst große Vorwürfe.
"Also, du sagtest dort hinten bei den Hügeln? Da ist jetzt Frauen- Power angesagt!" Maite stand auf und ließ ihre Hüften kreisen. "Los Babsi und Tricia! Wenn die Männer versagen..."
"Laber nicht rum, sondern lauf los, bevor Jimmy am Ende der Insel noch ins Meer rennt, wie ein Lemming!" meinte Angelo. Kathy schaute ihn scharf an und Lino senkte sein Haupt zu Boden.

Die drei Frauen verfolgten die Spuren, die Patrick und James hinterlaßen hatten. Nach drei Stunden kamen die Damen dann ziemlich müde an den Hügeln an. Doch an den- mit dürrem Gras bewucherten- Anhöhen, verloren sich die Spuren.
"Und jetzt?" Barby schaute fragend in die Runde. "Ja...hm... bestimmt ist er da lang gelaufen." überlegte Maite und Patricia murmelte: "Das wollte ich doch nicht!"
"Ja, ja, daß wissen wir doch!" Maite legte den Arm um ihre Schultern. "Naja, besser, als wenn er..." Barby stockte "ihr wisst schon, besser als wenn er jetzt tot wäre."
" Vielleicht ist er´s ja schon!" Patricia brach wieder in Tränen aus.
"Wollen wir jetzt hier stehen und rumheulen, oder Jimmy finden?!" rief Maite.
"Gehen wir!" beschloß Patricia und geschwind liefen die Schwestern los. Als sie den ersten Hügel erklommen hatten, machten sie erst einmal Rast. Vor ihnen erstreckte sich eine steinige Hügellandschaft und die Sonne brannte gnadenlos auf die Köpfe des Trios. "Los, weiter geht´s!" trieb Patricia ihre kleinen Geschwister an. Doch nach vier Stunden senkte sich die Sonne am Horrizont und die Mädchen beschloßen zurück zu gehen. Den Rückweg laufend, sprachen die Drei kein Wort.

Wärenddessen herrschte im Lager größte Aufregung: Gerade als Joseph sich zu einem Schläfchen niedergelegt hatte, rannte, wie von der Terantel gestochen, Jimmy durch das Lager.
"Hey! Bleib stehen!" schrie Kathleen hinter ihm her und Joseph sprang auf um ihn zu verfolgen.
"Den schnapp ich mir!" rief Joseph.
"Mensch, ich habe gerade eben Forest Gump gesehen. Das glaubt mir keiner." murmelte Angelo.
"Angelo...!" drohte Kathy.
"Jaja." Er erhob sich und rannte den Beiden Brüdern hinterher. Nach einer viertel Stunde kamen Lino und Joey mit einem sich wild- sträubenden Jimmy wieder zurück.
"Ich hab ihn!" rief Joey siegessicher, wäherend James wie am Spieß schrie.
"Aber wie wollen wir ihn nun fest halten?" überlegte John... "Binden wir ihn doch fest!" meinte Angelo.
Doch Joseph werte ab: "Du spinnst doch, wir können ihn doch nicht..." Jimmy fuchtelte wie wild mit seinen Armen herum und erwischte Joe mitten auf die Nase. "Okay, binden wir ihn fest." gab er nach.
Gesagt, getan, wurde James an den nächstliegenden Baum gebunden.
"Hey, ihr habt sie wohl nicht mehr alle!" Jim lachte laut und wand sich hin und her, um vielleicht den Schlingen zu entkommen.
Mittlerweile kamen auch die Mädels zurück und als sie Jimmy da sahen, der vor lachen kaum mehr zum atmen kam, waren sie einerseits beruhigt aber andererseits ziemlich beunruhigt. Patricia eilte gleich zu ihrem Bruder am Baum, wärend sich Maite und Barby von Angelo erklären ließen, wie er Jimmy eingeholt und eingefangen hatte. Barby schüttelte aber nur den Kopf und lächelte Angelo mitleidig an.
Derweilen versuchte Paddy den zedernten James zu beruhigen. Doch auch seine großten Bemühungen schlugen fehl. Bis ihm irgendwann der Gedultsfaden riss und er "Halt´s Maul! Willst du nicht endlich mal müde werden?" schrie. Darauf hin verstummte Jim. Alle Geschwister starrten zu den beiden hinüber, als der Gefesselte knallrot im Gesicht wurde und so eine Lachkrampf bekam, daß er um ein Haar erstickt wäre.
Langsam war es den Geschwistern aber nicht mehr zum Lachen zu mute. Es wurde Nacht und keiner wusste genau, wie lange sie nun schon auf der Insel verweilten. Patricia hatte sehr große Gewissensbisse wegen ihrem Bruder und Patrick ziemlich schlechte Laune, zum einen, weil er Angst hatte, für immer auf der Insel bleiben zu müßen und zum anderen, weil sein großer Bruder James immer noch lachte und witzelte. "Aber nicht mehr lange...!" sagte er zu Angelo, stand vom Lagerfeuer auf, lief zum Baum und gab James einen solch kräftigen Kinnhaken, daß dieser für kurze Zeit das Bewußtsein verlor. John stürzte auf Patrick zu und schleuderte ihn zu Boden.
"Was ist denn bloß in dich gefahren?!" brüllte er.
"Mensch, ich kann es einfach nicht mehr hören, daß ewige Lachen!" verteidigte sich Paddy etwas benommen. Johnny half ihm wieder auf. Doch Patricks Wutausbruch zog auch etwas positives nach sich: James war ruhig.

Patricia ging als erstes zu ihrem Bruder, der jetzt hilflos am Baum stand.
"Armer Jimmy!" sie streichelte ihm über den Kopf.
"Nicht doch, daß kitzelt." erwiederte er und fing leise zu kichern an. Wirr blickten seine blauen Augen in Tricias Gesicht...
So zog sie es vor, ihm eine gute Nacht zu wünschen und legte sich zu den anderen ans Feuer.
Joseph übernahm die Feuerwache, wärend alle einschliefen. Etwa zwanzig Meter weiter hörte er seinen Bruder leise lachen. Er atmete tief durch, als ihm die Müdigkeit überkam und er einschlief.
Am darrauffolgenden Morgen erwachten die Geschwister. Zu Joey´s Glück war das Feuer nicht erloschen und so kam er nochmal mit einem blauen Auge davon.
Barby rannte gleich los, um Jimmy etwas Kokosmilch zu bringen.
"Habt ihr ihn losgebunden?" fragte sie und schaute ihre Brüder und Schwestern an.
"Nö!" hallte ihr es ihr fünffach entgegen.
"Aber wo ist Jim dann?" alle eilten im Laufschritt zu der Palme, an welche sie James abends zuvor gefesselt hatten. Doch da war kein Jimmy! Die Liane, sie als Kordel gedient hatte, lag am Boden. Nur einpaar verbrannte Hölzer und Fußspuren, die von wildem Herrumrennen zeugten, waren noch zu sehen. Was war geschehen?
Joseph sprang vor: "Jimmy! Jimmy!" schrie er in den Wald. Doch außer einpaar verschreckten Vögeln, die aus dem Dickischt hervorflatterten, kam kein Lebenszeichen aus dem Urwald.
"Oh nein! Hoffentlich ist er nicht wieder weggerannt." Bangte Kathleen um ihren kleinen Bruder.
Doch Patrick griff sich an die Stirn und überlegte: "Doch warum sollte er denn ein Feuer machen?"
"Weil er nicht mehr Herr seiner Selbst ist." beantwortete Patricia seine Frage.
John trat an die Palme heran und betrachtete nachdenklich den Platz. Er ging in die Hocke und sagte: "Das müßen Fackeln gewesen sein. Schaut," er hielt einen Stecken nach oben "an der Spitze ist Harz. Weißt Du noch, Joey, daß haben wir früher auch immer gemacht. Und die Fußstapfen, die können unmöglich von Jim sein! Er hat Schuhgröße 43 und das sind verschiedene Größen."
Die Familie stellte sich in einem Kreis um die Stelle: "Aber..." stoß Maite aus
"Wir sind hier nicht alleine auf der Insel!" beendete Johnny den Satz.


6.

Als James aufwachte und ins Licht blinzelte, sah er sechs runde Kugeln um sich herum. Als sich seine Augen an den grellen Schein gewöhnt hatten, formieren sich die Kugeln immer mehr zu Köpfen. Und als er noch ein paarmal zwinkerte, erkannte er seine Betrachter: Dunkelhäutige! Dunkelhäutige?
Sie warfen ihm fremde Worte an den Kopf, nahmen seinen Arm hoch und ließen ihn wieder fallen. Jimmy bekam Angst und setzte sich ruckartig auf. Die Männer wischen zurück, in die hintersten Ecken des Raumes. Er stand auf und plötzlich fielen die sechs Männer auf die Knie und starrten ihn mit ihren großen, dunkelbraunen Augen an.
James betrachtete die Fremden und sagte: "Schlechter Witz!". Die scheinbar ängstlichen Leute richteten ihre Blicke zu Boden.
Als Jimmy an sich herunter schaute, sah er, daß er einen brunkvollen Umhang an hatte, mit wundervollen Stickerreinen geziehrt.
Bin ich im falschen Film? Dachte er sich und fragte: "Wo bin ich hier?" doch er bekam keine Antwort. Plötzlich sprang einer auf und rannte aus dem Raum. Von draußen drangen merkwürdige Laute an sein Ohr. Sowas wie "La Motira Soladi". Diese Worte wiederholten sich immer wieder.
Durch die Türe, oder das Loch, was eine Türe sein sollte, kam nun ein- auf einen Stock gestützter- Mann herein. Die anderen Männer verließen fluchtartig die Hütte.
Der Raum, indem sich James befand, war eine Bambushütte. An den Wänden hingen bunte Teppiche, Steine und merkwürdige Dinge, die er noch nie zuvor gesehen hatte.
Der alte Mann senkte sein Haupt vor Jim und sprach, mit mystischer Stimme einige Worte, wobei er "La Motira Sonadi" mehrmals wiederholte. Langsam dämmerte ihm, daß er in einem Eingeborenendorf war.
"Stop mal, junger Mann," begann James und der Alte schaute auf, "jetzt sagst Du mir erst mal wo ich bin und wo meine Geschwister sind!" wie seine Vorgänger, ließ sich auch der Greiß auf die Knie fallen. "Mensch! Jetzt hör doch mal mit dem Gebrabbel auf." Fuhr Jimmy ihn an. Sein Gegenüber hingegen sprang auf und rannte nach draußen.
Etwas benommen von den Weihrauch- ähnlichen Gerüchen sammelte sich James, als ein Krieger (Jim interpretierte seinen Aufzug einfach als Krieger) herreingeschritten kam, etwas murmelte und ihm einen geflochtenen Kranz aus bunten Blüten auf den Kopf setzte. Anschließend reichte er ihm die Hand und führte ihn nach draußen, auf einen großen Vorplatz. Dort stand das gesammte Dorf versammelt und starrte den "Weißen Mann" an. Der kräftige Krieger wieß James auf einen erhöhten Sitz, der wie ein Trohn aussah.
Nun begannen die Frauen des Dorfes, in bunte Gewänder gehüllt, mystische Tänze. Der alte Mann begab sich nun zu Jimmy und versuchte ihm etwas zu erklären oder zu erzählen. James´ Verzweiflung schlug nun in gute Laune um und er klatschte im Takt mit. Plötzlich unterbrachen die Frauen den Tanz und die Musik verstummte. Nun tauchten Kinder auf und legten Jim Früchte und Blumen zu Füßen.
Langsam dämmerte es ihm, was da vor sich ging: die Eingeborenen sahen ihn als Gottheit an...

Als die "Beschehrung" nun vorrüber war, sahen die Fremden ihn mit großen, braunen Augen an.
"Dankeschön!" meinte James.
"Dangesönn" versuchte der Alte ihn zu wiederholen. Jim lachte.
"So, schluß mit lustig." Sagte er. "Ich muß jetzt wieder zurück, die anderen suchen mich ja." Er schüttelte dem Mann die Hand und stand auf. Doch die Männer des Dorfes wollten ihren neu erworbenen Gott nicht so einfach ziehen lassen und stellten sich ihm in den Weg.
Sie nahmen in an den Händen und führten ihn in die Hütte zurück. Als sich James jedoch sträubte, und wieder hinaus laufen wollte, wurde er nett, aber direkt wieder in das Häuschen verwießen. Daß er nicht entwischen konnte, wurde ihm ein Krieger vor die Türe gestellt.

Oje, dachte Jimmy, wo bin ich da mal wieder reingeschlittert! Unruhig lief er umher und betrachtete die Malereien auf den Wandteppichen, als der Alte "Medizienmann" mit Brot, Fischen und Obst zu ihm herein kam. Er kniete sich nieder und breitete das Menü vor seiner Gottheit aus. Anschließend faselte er was von "La Montira Sonadi" und goß Wasser in einen Krug.
"Jetzt hören sie mir mal zu: Ich bin weder euer König, Gott, noch sonst so eine La Montira Sonadi! Mein Name ist Kelly. James Victor Kelly!"
Doch der Mann ignorierte seine Worte.

*

Während dessen suchten Patrick und Joey, Maite und Barbara nach ihrem verschwundenem Bruder. Die beiden Mädchen liefen nach Osten und die Männer in südliche Richtung. Doch keinerlei Spuren.
"Hey Joseph, Joey schau mal!" Patrick verwieß auf einen Holzpfeil, der in einem Baumstamm steckte.
"Ob das Jimmy..."
"Quatsch!" unterbrach Joseph seinen Bruder. "James kann das doch gar nicht machen."
Beide stierten auf den handgeschnitzten Pfeil.
"Da müßen noch andere Menschen auf der Insel sein." Stellte Patrick fest.
"Vielleicht haben die Jimmy geklaut!" panikte Joey.
"Los, hier müßen bestimmt noch mehr Spuren sein."
Auf einmal stießen sie auf einen Pfad: "Hey schau mal!" rief Paddy.
"Ist ja die Härte. Los, bestimmt finden wir dort auch James."
Die Brüder rannten den Weg entlang. Doch plötzlich sprang ein Ureinwohner aus dem Dickischt und versperrte ihnen den Pfad. Joseph und Patrick strahlten bis hinter die Ohren, endlich mal einen Menschen zu sehen. Doch der junge Mann schien nicht gerade erfreut über ihren Auftritt. Er rief einige unverständliche Worte in den Wald und plötzlich sprangen noch mehr Krieger aus den Büschen.
Mit Speeren bedroht, eskortierten die Männer Joe und Patrick in das Dorf.
Auch den Brüdern stellte sich der Alte vor. Nun wurden auch die Beiden getrennt. Doch Jimmy hatte keine Ahnung, daß seine Brüder so nahe waren.
Joseph wehrte sich und schlug wild herum, doch die Krieger überwältigten ihn und brachten ihn in eine Hütte. Während Patrick, von jungen Frauen begleidet, in eine anderes Haus gebracht wurde. Dort wurde Patrick mit Blümen und glänzenden Stoffen geschmückt.

In Zwischenzeit kam der alte Guru zu James in die Hütte. Diesmal war er schlauer: Mit einem Stock kritzelte er Zeichen in den Sand: Einen Berg und Menschen. Dazu eine Sonne. Nachdem er die Sonne gezeichnet hatte, deutete er auf Jimmy. Der wollte natürlich gleich kontern, doch der Mann ließ einfach nicht mit sich diskutieren!
Er schnappte Jim am Arm und schlurfte mit ihm aus dem Dorf herraus und zog ihn durch den Wald. James ging aus reiner Neugierde mit.

Nun wurde auch Patrick, von den Frauen begleidet, zum Vulkan gebracht. Die Luft roch schwelig und es war sengend heiß am Fuße des Berges. Jetzt bestiegen sie den Berg. Oben standen viele Eingeborene und tanzten zu lauten Bongotrommeln.
Joey wurde auch auf den Berg gebracht. Dort wurden Joseph und Patrick zusammengeführt und mußten sich auf zwei Throne setzen. Auch James kam, in Begleitung des Alten, angeschlappt.
Die Freude über das wiedersehen war jedoch nicht von langer Dauer, denn die Drei wurden weiter geführt. Zum Schrecken der Brüder: An einen, bis zum Rande mit Magma gefüllten, Krater!
Die ausstrahlende Hitze schnitt ihnen den Atem ab. Der alte Mann zog James weg vom Krater, und das gesammte Dorf kniete vor ihm nieder. Während dessen wurden Joseph und Patrick unter schwerem Protest gefesselt. Die knienden begannen nun einen Art Vodoosang zu singen. Jimmy wollte seinen Brüdern zur Hilfe eilen, doch es war zu spät, die Krieger hatten sie in die endloßen Tiefen des Kraters geworfen, um sie dem Vulkangott "Jimmy" zu opfern...


7.

"Mister Kelly, Mister Kelly! Können sie mich hören?" Einige male wiederholte sich dieser Satz, bevor Jimmy seine Augen öffnete und in das Gesicht eines dunklen Mannes blickte.
"Guten Tag, mein Name ist Georg Niclas. Ich bin der Leitende Professor hier, an der Universitätsklinik von Kalkutta."
James blinzelte in das Neonlicht. "Häää?"
"Ihre Familie hatte Seenot. Zum Glück befand sich nur eine Seemeinen der Tanker ´Mendelson´ von ihnen entfernt und sah die antreibenden Wrackteile herumschwimmen. Er allamierte sofort die Seewacht und die holten sie dann aus dem Wasser."
Jimmy braucht einige Sekunden, bis er dies verarbeitet hatte. "Und, und meine Geschwister?" stotterte er.
"Denen geht es besser als ihnen! Wir hatten sie für zwei Tage in ein künstliches Koma versetzt. Aber in zwei Wochen sind sie wieder wohl auf."
James schaute auf seinen Bandagierten Arm.
"Ein ziemlich komplizierter Knochenbruch. Wir haben sie operiert, alles wieder in Ordnung. Aber ich will sie jetzt nicht mit belanglosen" der Mann in weiß schmunzelte, "Dingen aufhalten, da gibt´s noch was viel dringlicheres..." der Arzt verließ den Raum.
Nur eine Minute später öffnete sich die Türe und herein traten- mit großen Blumensträußen und Pralinenpackungen- seine Geschwister. Als erstes fielen ihm Patrick und Joseph um den Hals...

 

The End


© Kiki (Richtig blühende Phantasie! :o) )

 

Something Special Kiki


Dieses Gift hat Kiki für ihre Geschichte
von mir bekommen,
weil sie an meiner Aktion im September teilgenommen hat!

Danke schön!!!

 

Bar Letter

Last update: 14/09/2000

(Online since: 14/09/2000)

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