Das Kalenderblatt zeigte den 22.12. an. Plätzchenduft zog durch das ganze Hause Kelly. Kathy, Barby und Patricia sortierten gerade den Christbaumschmuck, während Joey, Jimmy und Angelo sich bereit machten, den Christbaum vom Markt zu holen.
"Patrick, kommst du mit?" Schrie Joey nach oben. Keine Antwort. Maite reckte ihren Kopf aus der Küchentür und meinte: "Laßt ihn in Ruhe, der hat ne Krise." Belächelnd schlüpfte sie wieder zurück zu ihren Austechförmchen. "Paddy, jetzt stell dich nicht so an und komm!" rief Angelo wütend. Jimmy schaute etwas traurig: "Laß ihn, wenn er nicht will..." "Aber es ist doch Tradition! Wir gehen jedes Jahr" maulte Angelo, doch James unterbrach ihn "John ist ja auch nicht dabei, der will doch lieber mit Sean Weihnachtslieder singen."
Geknickt stapften die Kelly- Jungs durch den Schneematsch... "Ich möchte zu gerne wissen, was Paddy fehlt." Sagte Jimmy auf der Fahrt zum Markt. "Irgendwas muß er doch haben! Es ist Weihnachten, da hat doch jeder gute Laune." "Ach, der und seine komischen Stimmungen. Kann einem schon nerven!" Erwiderte Joey und damit war das Thema gegessen.
Als die Jungs dann mit einem Monster von einem Baum zurück kamen, sahen sie Patrick an seinem Fenster stehen. Er schaute melancholisch in die Bäume und in den wolkenverhangenen Himmel. Als er seine Brüder winken sah, wich er schnell zurück..
"Langsam mach ich mir Sorgen um ihn." Murmelte Jimmy, als er mit Joseph den Baum vom Autodach hievte. "Quatsch, der hat mal wieder eine seiner Anwandlungen. Indentitätskrise oder sowas. Laß dir bloß nicht die Weihnachtsstimmung von ihm verderben!" "Jetzt sitzt er schon zwei Tage in seinem Zimmer und war nur zum Abendessen unten." "Mensch, jetzt nerv mich nicht!" Meckere Joey, während er den Baum in den Ständer bugsierte.
Auch Patricia meldete sich nun zu Wort: "Ich war gestern Abend mal oben und wollte mit ihm reden. Doch er hat mich rausgejagt." "Na also, wer sich nicht helfen lassen will..." fügte Barbara hinzu. Jimmy zuckte mit den Achseln und widmete sich nun auch dem stacheligen Tannenbaum.
"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, der Paddy hängt am Gartenzaun..." plärrte Angelo. "Kannst auch du jetzt mal Ruhe geben, oder braucht Herr Kelly eine Sondereinladung?" Mahnte Kathleen. "Das hab ich gehört, Angelo!" Tönten Paddys Stimme von oben. Angelo mußte natürlich sofort weiter sticheln: "Der Herr hat sich herunter gelassen, um sich mit dem niederen Fußvolk zu unterhalten."
Die Türe knallte zu. "Das mußte jetzt wohl sein!" Schrie Jimmy seinen kleinen Bruder an. Alle schwiegen.
Auch zu diesem Mittagessen gesellte sich Patrick Kelly nicht zu seinen Geschwistern. Gegen Nachmittag schlappte er die Treppe hinab und verließ das Haus. Er widmete auch seinen Geschwistern, die am Tisch saßen, keinen Blick.
"Wohin er jetzt wohl fährt?" Fragte sich Barby. "Egal, ich fahr ihm jetzt hinterher. Wenn ihr euch keine Sorgen macht, ich mach sie mir!" sagte Jimmy ärgerlich und schlang sich blitzschnell seinen Schal um den Hals. "Das kannst du doch nicht machen! Du kannst Paddy doch nicht nachspionieren!" Wandte Kathy ein. Doch Jimmy hörte ihre Wort gar nicht mehr.
Jimmy sah Paddy in ein Taxi steigen. Die Fans trugen nicht gerade dazu bei, es Jimmy leichter zu machen, das Taxi zu verfolgen. Doch es gelang ihm, seinem Bruder bis zu seinem Ziel- dem Stadtpark- zu folgen.
Als James einen Parkplatz fand und er einige aufdringliche Mädels abgeschüttelt hatte, machte er sich auf die Suche nach seinem kleinen Bruder. Nach 15 Minuten fand er ihn auch- auf einer Parkbank sitzend, auf den See blickend.
"Hey, Paddy!" Begrüßte er ihn und sein Bruder zuckte herum. "Was machst du denn hier?" Sagte Patrick, schon beinahe gequält. "Ich bin zufällig vorbei gekommen?" Grinste Jimmy. "Depp." "Paddy, was ist denn los mit dir?" James setzte sich und legte die Hand auf seine Schulter. Er bemerkte, daß Patrick mit den Tränen kämpfte. "Ach, Jimmy, das Leben ist einfach scheiße!"
Beide blickten schweigend auf die Ente, die verzweifelt ein Wasserloch auf dem Gefrorenem See suchte. "Wie kommst du denn jetzt da drauf?" "Weißt du, früher, da sind wir rum getollt und hatten keine Sorgen. Wir mußten uns um nichts kümmern... und jetzt?"
Jimmy zückte ein Päckchen Taschentücher und suchte nach tröstenden Worte: "Aber das ist doch normal, wenn man erwachsen wird." "Das ist ja auch nicht das Problem..." "Ja und was ist denn nun das Problem?" Versuchte Jimmy mit sanfter Stimme aus Patrick heraus zu bekommen.
"Weißt du," Paddy schluchzte leise, ich hab da ein Mädchen kennen gelernt." "Na das ist doch was schönes!" "Nein!" Fauchte Paddy. "Das ist es ja. Ich hab sie backstage kennengelernt. Da hätte es mir ja schon klar sein müssen..." "Hm" lauschte Jimmy. "Weißt du, wir haben uns getroffen und sehr viel geredet. Haben auch oft telefoniert. Mir hätte es ja schon komisch vorkommen müssen, als sie andauernd Autogramme und Fotos für Freundinnen von mir wollte."
Jimmy stoß entsetzt: " Oje..." aus. Er konnte sich schon denken, was passiert war. Paddy sprach weiter: "Was ich nicht wußte war, daß sie alles, was ich ihr erzählte ihren Freundinnen weiter tratschte. Und auch meine Handynummer hat sie verkauft." "Verkauft?" "Ja, daß hat mir ein fremdes Mädchen am Telefon erzählt, auf die Frage hin, woher sie meine Nummer hat. Da bin ich ja auch erstmal dahinter gekommen, was für ein mieses Spiel sie mit mir getrieben hat."
"Oh Mann, das schmerzt, was?" Fühlte James mit. "Und das ich sie immer ausgehalten hatte. In Restaurants hatte ich sie eingeladen. Ich bin ihr voll auf den Leim gegangen und war blind vor Liebe. 2 Monate hat sie mit meinen Gefühlen gespielt! Und ich hab sie so geliebt..." "Und? Hast du mit ihr Schluß gemacht?" "Klar! Vor drei Tagen. Ich wollte es ja nicht wahr haben. Wäre ich bloß nicht so doof gewesen, hätte ich schon nach einer Woche merken müssen, daß da was falsch läuft." Seufzte Paddy. "Jaja, die rosarote Brille..." witzelte James um seinen Bruder wieder auf bessere Gedanken zu bringen. "Mensch, lästere nicht über mich! Das hätte dir auch passieren können." Wärte dieser sich. "Stimmt." Gab Jimmy zu.
"Laß uns Heim gehen, Jimmy. Ich hab Hunger auf Maites Plätzchen und Lust Weihnachtslieder zu singen." Schlug Paddy vor. "Echt?" Freute sich Jim. Sie erhoben sich und spazierten langsam zum Auto zurück.
Auf der Rückfahrt sagte Paddy: "Du Jimmy, ich bin froh, daß ich mit jemandem darüber sprechen konnte. Jetzt geht es mir viel besser!" Jimmy nickte und schwieg.
Zu Hause angekommen setzte sich Paddy zu seinen Geschwistern an den Tisch. Diese schauten ihn mit großen Augen an, als Paddy sagte: "Es tut mir leid, wenn ich euch die Vorfreude auf das Fest vermiest habe... Ich bin froh, daß ich euch alle hab!"
Bis zum Abendbrot sangen die Geschwister Lieder und aßen Plätzchen und Paddy war richtig glücklich. Was jetzt genau passiert war, als Jimmy Paddy gefolgt ist, wollte niemand so richtig wissen. Hauptsache Paddy war wieder der Alte!
Und draußen begann es zu schneien....