It began on the beach
oder warum Drachensteigen Kopfschmerzen verursachen kann
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Kapitel 1:
Seit fünf Monaten war ich jetzt schon als Au Pair in der Stadt Cork in Irland und fühlte mich dort absolut wohl. Die Familie, in der ich lebte, hatte mich total gut aufgenommen und war echt nett und mit den beiden Söhnen, Alex, acht Jahre alt, und Ceiran, fünf Jahre alt, gab es überhaupt keine Probleme. Ich hatte mich schon gut eingelebt, als ich an einem schönen Tag mit den beiden einen Ausflug an die Küste machte. Da die Eltern über das Wochenende Verwandte in Waterford, was etwa 100 km östlich liegt, besuchen wollten, hatten sie mir das Auto dagelassen und so fuhr ich mit einem Picknickkorb im Kofferraum und den beiden Jungs auf dem Rücksitz los. Ich liebe diese Landschaft Irlands und je weiter wir uns von der Stadt entfernten, desto schöner wurde der Ausblick den ich genießen durfte. An der Küste angekommen konnten die beiden Kleinen es kaum erwarten, an den Strand zu kommen und rannten, kaum das das Auto stand und wir ausgestiegen waren, los. Ich nahm nur noch schnell den Drachen den wir mitgenommen hatten und den Korb mit den Picknicksachen in die Hand und sah zu dass ich hinterherkam. Am Wasser angekommen, machte ich es mir auf der Decke bequem und Alex und Ceiran begannen, den Drachen zum Fliegen zu bringen. Nachdem sie das alleine aber absolut nicht hinbekamen blieb mir nichts anderes übrig, als mitzuhelfen. Aber als der Drachen in der Luft war, setzte ich mich wieder hin und widmete mich meinem Buch, und die beiden begannen wild herumzutoben. Auf einmal hörte ich nur wie Alex mir zuschrie: " I bet you won't catch me!" und davonrannte. Das konnte ich mir nicht zweimal sagen lassen und so sprang ich auf und lief hinterher. Da bemerkte ich plötzlich, dass wir doch nicht so allein am Strand waren, wie ich erst dachte. Ca. hundert Meter von unserem Picknickplatz entfernt saß auf einer Bank ein Typ, ich schätzte ihn so Anfang zwanzig, der so beschäftigt damit war, irgend etwas zu schreiben, dass es ihn absolut nicht interessierte, dass direkt vor seiner Nase ein ohrenbetäubender Lärm herrschte, während ich mit den Kids rumtobte. Erst als ich rief: "Alex, it's enough, stop it!" hob er kurz den Kopf und blickte irritiert in meine Richtung und begann zu lächeln als er die Kinder sah. Dann widmete er sich wieder seinem Collegeblock und schrieb weiter "Komischer Kerl!" dachte ich noch und sagte dann zu den Kindern "Alright, let's get something to eat". Wir setzten uns auf die Decke und aßen, aber irgendwie konnte ich meine Augen nicht von diesem Typ auf der Bank lassen. Was treibt jemanden dazu, mutterseelenallein an einem einsamen Strandabschnitt herumzusitzen um irgendwas zu schreiben? Irgendwie hatte das was faszinierendes. Während ich ihn so anstarrte drehte auch er plötzlich seinen Kopf in meine Richtung und sah mir direkt in die Augen. Ich erschrak und wurde rot, was sonst überhaupt nicht meine Art ist. Seltsamerweise kam er mir bekannt vor, ich konnte sein Gesicht nur niemandem zuordnen. Während ich noch darüber nachdachte, hatten die Jungs schon wieder genug vom rumsitzen und wollten wieder ihren Drachen zum Fliegen bringen. Nachdem ich ihnen beim Start geholfen hatte, ließen sie ich allein fliegen und ich drehte mich um und wollte mich wieder setzen als ich plötzlich ein langgezogenes "Wuuuuusch!" hörte, dem ein Schmerzensschrei folgte. Ich schaute in die Richtung aus der das Geräusch kam und musste lachen, als ich sah was passiert war. Ceiran hatte den Drachen zum Absturz gebracht und dieser war direkt auf dem Kopf des Typs auf der Bank gelandet. Dieser versuchte gerade sich aus dem Gewirr von Schnüren und Folie zu befreien, als ich die Kinder an die Hand nahm und zu ihm ging um mich zu entschuldigen. Alex und Ceiran war das furchtbar peinlich und sie versuchten sich hinter mir zu verstecken, während ich mit einem Grinsen im Gesicht sagte "I'm sorry, we really didn't want to hurt someone. It's just that they aren't really good at flying and they don't have their kite-pilot license yet." Nachdem der Typ sich befreit hatte, sah er erst mich und dann die beiden Jungs an, lächelte und sagte dann: " Oh, that doesn't matter. It's not your fault. But I think I'm going to have a headache the next few days." Daraufhin rieb er sich den Kopf und ich antwortete nur: "Well, if you like you can have a cup of coffee and a piece of cake as a little excuse" und im nächsten Moment dachte ich mir was ich denn nun wieder für dummes Zeug gelabert hatte. Der hat mit Sicherheit keinen Bock jetzt auch noch mit den Verursachern seiner Beule auf dem Kopf nen Stück Kuchen zu essen. Aber zu meiner Überraschung sagte er nur: "Of course, why not? And maybe I can show you two how to fly a kite the right way. You know, I did that quite often with my brother when I was a child." Hey, der Typ war ja richtig nett! Also, schlenderten wir los zu unserer Decke und machten es uns bequem. Wir quatschten noch eine Zeitlang über alles mögliche und dann machte er sein Versprechen war und ließ tatsächlich mit den beiden Jungs den Drachen steigen. Und diesmal klappte es sogar richtig gut. Ich beobachtete die drei und währenddessen kam mir wieder der Gedanke, dass ich den Kerl von irgendwoher kannte, aber mir kam immer noch kein Geistesblitz. Da fiel mir auf dass ich noch überhaupt nichts über ihn wusste. Wir hatten zwar über einige Sachen gesprochen, aber über sich selbst hatte er absolut gar nichts erzählt, noch nicht mal wie er hieß. Und als ich ihm erzählte, dass ich aus Deutschland käme und als Au Pair in Irland arbeitete, wurde er auf einmal total zurückhaltend und sah mich komisch an.. Inzwischen war es schon spät geworden und ich rief den Jungs zu dass sie ihre Sachen zusammenpacken sollten, weil wir fahren müssten. Auch ich fing an zusammenzupacken und während ich die Decke zusammenfaltete, kam der Typ auf mich zu und sagte: ".Usually, there's absolutely nobody at this place. Do you come here often?" "No, it's the first time, but I liked it." "I did so, too. Except for my headache, which is coming back slowly." er lächelte mich wieder an und stellte dann die Frage: "Would you like to meet up again? Maybe without the children?" "Of course, why not! But I don't know yet when I'll have a day free." "Well, that's no problem just give me your number and I'll call you." Das tat ich dann auch und gab ihm dann den Zettel mit meinem Namen und meiner Nummer in die Hand und er drehte sich um und ging weg. Da fiel mir plötzlich noch etwas ein "Wait a moment. I don't even know your name!" Er drehte noch kurz den Kopf in meine Richtung "My name's Patrick!" und war dann hinter dem nächsten Felsvorsprung der Klippen verschwunden. Nachdem ich die Kinder und die Sachen wieder im Auto verstaut hatte, fuhr ich nach Hause und dachte während der gesamten Fahrt über Patrick nach. Das war wirklich irgendwie ein total komischer Typ, aber auf der anderen Seite auch wieder supernett. Endlich mal ein Kerl, mit dem man sich unterhalten kann. Ich war echt gespannt ob er sich nochmal melden würde.
Die Tage nach dieser Begegnung hatte ich wahnsinnig viel zu tun und hatte Patrick schon fast vergessen. Der Job als Au Pair war wirklich anstrengend und ich war jedesmal froh, wenn ich am Abend in meinem Bett lag und einfach nur meine Ruhe hatte. Dann ließ ich den Tag noch einmal Revue passieren und hatte Zeit, in Ruhe über einige Dinge nachzudenken. An diesem Abend fiel mir ein, dass am Morgen ein Paket von einer meiner Freundinnen aus Germany angekommen war. Ich machte mich also daran, es auszupacken. Neben vielen Dingen, um die ich sie gebeten hatte, fand ich auch die eine oder andere Zeitung. "Endlich erfahre ich mal wieder was in Deutschland so alles los ist!" dachte ich und blätterte eine Bildzeitung auf, die ca. eine Woche vorher erschienen war. Und als ich den Titel las, traf mich fast der Schlag, meine Gedanken überschlugen sich und es fiel mir wie Schuppen von den Augen. "ERFOLGSSTORY DER KELLY FAMILY BEENDET? Gruppe legt längere Pause ein!" Natürlich, daher kannte ich den Typ. Das war niemand anderes als Patrick Kelly gewesen und mir war das einfach nicht aufgefallen. Ich mochte die Musik der Kellys schon immer und hatte auch das eine oder andere Album im Schrank stehen, jedoch hatte sich das mit der Scheidung meiner Eltern gegeben und ich hörte die Musik immer seltener. Aber trotzdem: wie konnte ich so dämlich sein und Patrick Kelly nicht erkennen wenn er 30 Zentimeter vor meiner Nase saß? Naja, vielleicht war das auch ganz gut so. So hatten wir uns ganz ungezwungen unterhalten können. Nur was würde ich tun wenn er mich tatsächlich anrufen würde? Ich beschloss, den Gedanken daran erstmal beiseite zu schieben und widmete mich dem Artikel. Vielleicht würde der mir Aufschluss darüber geben, warum Mr. Kelly sich gerade in Irland befand. Ich las also weiter: "Ist das das Ende einer der erfolgreichsten Popgruppen, die es in Deutschland je gegeben hat? Wie heute ein Sprecher der Familienband mitteilte, habe sich die Kelly Family dazu entschlossen, vorerst keine weiteren Alben mehr zu produzieren und auch in nächster Zeit keine Konzerte mehr zu spielen. Eine längere Pause sei aus verschiedenen Gründen mehr als angebracht und der Zeitpunkt dafür absolut passend. Wie und ob es überhaupt weitergeht steht in den Sternen. Fest steht, dass sich die Fans auf einiges gefasst machen sollten. Immerhin ist die Gruppe schon seit fast drei Jahren um drei Mitglieder reduziert, und Ausstiege einzelner Mitglieder bedeuteten schon immer über kurz oder lang die endgültige Trennung einer Band." Aha, nun wurde mir einiges klar. Deswegen hielt sich Patrick Irland auf. Sozusagen geflüchtet vor Deutschland. Logisch, wenn man bedenkt was dort zu diesem Zeitpunkt los gewesen sein musste. Eine Hetzjagd wie die, die schon so ca. 1997 stattgefunden hatte. Ich konnte es mir lebhaft vorstellen, Paparazzi an jeder Ecke usw. Wie auch immer, ich packte die Zeitung an die Seite und legte mich wieder ins Bett. Am nächsten Tag konnte ich endlich ausschlafen, da ich frei hatte. Deswegen machte ich noch den Fernseher an und schaute einen Film. Als ich gerade eingenickt war, klingelte plötzlich mein Telefon. Ich schrak hoch und guckte auf die Uhr: 21.30 Uhr! Die Kids waren gerade eingeschlafen, hoffentlich waren sie nicht wieder aufgewacht! Ich nahm verschlafen den Hörer ab. "Yes?" "Oh, hi, this is Patrick. I hope I didn't wake you up?" Scheiße, das hatte mir gerade noch gefehlt! Ehrlich gesagt war die Tatsache, dass er mich wirklich geweckt hatte mein kleinstes Problem! Ich antwortete trotzdem "Hi! No, you didn't...not really. It's just...erm...I was watching TV and....well, I just fell asleep on my sofa so...to be honest I'd have to thank you for waking me up!" Himmel, ich fing an, kompletten Schwachsinn zu reden. "Really? Sorry for calling you that late, but I didn't have much time the last days. So, would you still like to meet me? I mean, cause I'd love to!" Oh scheiße, was sollte ich jetzt bloß sagen? Sollte ich besser gleich damit rausrücken, dass ich ihn erkannt hatte und auch über die anderen Dinge Bescheid wusste? Ich meine, ich hatte ihn ja wirklich nett gefunden, noch bevor ich wusste wer er war. Und ich hätte zu dem Zeitpunkt absolut nichts dagegen gehabt ihn wiederzusehen, aber jetzt? Was soll's sagte ich mir, mehr als schiefgehen kann es nicht, und antwortete: "Yes, why not? Tomorrow, I'll have my free day!" "That's okay, so what about meeting for lunch?" Ich bejahte und wir verabredeten uns für den nächsten Tag in einem kleinen Restaurant, das wir beide kannten. Einerseits freute ich mich jetzt auf den nächsten Tag, aber ich hatte andererseits auch irgendwie Schiß. Mir war klar, dass sich da entscheiden würde, wie es mit uns weitergehen würde. Mit uns weitergehen?! War ich wirklich schon dabei, mich in ihn zu vergucken? Das durfte doch wirklich nicht wahr sein, das war normalerweise überhaupt nicht meine Art! Ich kannte ihn schließlich kaum. Aber das was ich von ihm kannte war mir absolut sympathisch und wir hatten uns wirklich gut verstanden, auch am Telefon...Ich war nun ziemlich verwirrt und mit all diesen Gedanken im Kopf schlief ich schließlich ein.
Am nächsten Morgen wachte ich um Punkt 8.00 Uhr auf. Zuerst war ich noch guter Dinge, aber als mir mein Treffen mit Patrick in den Sinn kam, hatte ich wieder dieses eigenartige Gefühl. Ich war drauf und dran die ganze Sache wieder abzusagen, bis mir einfiel, dass ich ja seine Nummer gar nicht hatte. "Egal", sagte ich mir, "ich zieh das jetzt durch. Wird schon schiefgehen!". Dann frühstückte ich erstmal und ging dann duschen. Danach kam dann die Kleiderschrankaktion: was ziehe ich bloß an? Nachdem ich eine Viertelstunde rumprobiert und überlegt hatte, nahm ich schließlich die nächstbesten Sachen aus dem Schrank, die ich sonst auch angezogen hätte. Warum war ich bloß so nervös? Ich würde ihm einfach erzählen, was ich wusste und wenn er dann abhauen wollte, bitte, sollte er das eben tun. Dann würde er eben denken, dass ich ein dämlicher Fan oder sowas bin, ohne mich wirklich richtig kennengelernt zu haben. Wir waren um halb eins verabredet, ich war aber schon um viertel nach zwölf im Restaurant. Dort suchte ich erstmal die Tische ab, vielleicht war er ja schon da. Aber Fehlanzeige, keine Spur von Mr. Kelly. Gut, dachte ich mir, dann suche ich eben einen Tisch aus. Ich wählte einen am Fenster, etwas abseits, in einer gemütlichen Ecke und setzte mich. Ein Kellner fragte mich, ob ich schon bestellen wollte, aber ich verneinte und erklärte ihm dass ich noch auf jemanden wartete. Dieser jemand erschien dann auch um Punkt halb eins. Er entdeckte mich nicht sofort und ich tat so als sei ich mit der Speisekarte beschäftigt. Doch plötzlich hörte ich neben mir ein "Oh hi, you're already here? Did you have to wait for long?" "No, not really...nice to see you, Patrick!" "Nice to see you, too!" Er setzte sich mir gegenüber hin und lächelte mich wieder so an und ich merkte wie meine Knie anfingen leicht zu zittern. Aber es musste jetzt raus: "Well, Patrick, to be honest, I finally know who you are!" Ein leicht irritierter und auch ein wenig enttäuschter Ausdruck machte sich über sein Gesicht breit. "And why didn't you tell me already when we met the first time? Did you think you could play around like that if I wouldn't know?" "No, of course not. See, I didn't recognize that immediately. You know, yesterday, I got a packet from a friend and...." ich erzählte ihm alles, auch dass ich nicht wusste wie ich mich ihm gegenüber verhalten sollte. Er hörte mir zu und sah mich dabei an. Und entgegen meinen Erwartungen reagierte er überhaupt nicht sauer und machte absolut keine Anstalten wieder abzuhauen. Das überraschte mich und schließlich sagte er: "Well, now you can imagine why I'm here on my own. I needed some kind of holiday from all this stress in Germany, so I went to visit a good friend of mine here in Cork. I'd been here for only two days when I met you. This part of the beach has always been my favourite place and I often came there to write songs or just think about my life. And this time, there was you with the kids. I saw you and you seemed to be an interesting person." "That's what you seemed to me! I mean I thought something like: He seems to be kind of strange but he's quite nice!" Jetzt mussten wir beide lachen und das Eis war gebrochen. Es war mir nun völlig egal, dass dieser Typ für viele andere "Paddy Kelly" war, für mich war er einfach nur Patrick und allein die Tatsache, dass wir uns wirklich blendend verstanden, zählte noch. Und nachdem ich ihm klargemacht hatte, dass ich weder ein Fan noch jemand war, der die Kellys hasste, wurde er deutlich lockerer und wir hatten viel Spaß. Jedoch bemerkte ich von Zeit zu Zeit immer wieder ein deutliches Kribbeln in der Magengegend, wenn er mich anlächelte. Er sah aber auch wirklich umwerfend gut aus, wie er so dasaß, den Kopf über sein Essen gesenkt, und manchmal zu mir hochschaute. Die Luft begann von Minute zu Minute mehr zu knistern und ich vergaß fast, dass es erst mittags war und wir uns nicht am Abend bei einem romantischen Candle light dinner befanden. Nach dem Essen, bei dem ich darauf bestanden hatte meine Rechnung selbst zu bezahlen, schlenderten wir noch die Straßen der Stadt entlang und unterhielten uns. Und dann begann er endlich mal, etwas über sich zu erzählen und erklärte mir, dass es innerhalb der Band immer öfter zu Streitigkeiten gekommen war und alle irgendwie nicht mehr richtig zusammenarbeiten konnten. Nicht, dass sie sich alle total verkracht hatten, es war einfach die Arbeitsatmosphäre, die nicht mehr stimmte. Außerdem hatten Patricia, Joey und Angelo jetzt schon ihre eigenen Familien und durch die Pause nun endlich Zeit, sich auch einmal um diese zu kümmern. Sicherlich hatte keiner von ihnen vor, sich endgültig von der Musik zu verabschieden, dazu hingen alle viel zu sehr daran. Aber wann es weitergehen würde, stand noch nicht fest. Wir liefen also eine ganze Weile nebeneinander her, bis er mir vorschlug, noch zur Küste zu fahren. Es war noch nachmittag und es war noch Zeit genug, also warum nicht? Wir setzten uns also in sein Auto und fuhren los. Während der Fahrt sprach keiner von uns ein Wort, irgendwie wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich beobachtete ihn von der Seite und dieses Kribbeln in meinem Bauch, was ich schon die ganze Zeit gehabt hatte, verstärkte sich noch. Dann schaute ich hinunter auf seine Hände. Was für schöne Hände er hatte. Das war mir vorher nicht wirklich aufgefallen, aber jetzt faszinierten sich mich. Ich musste wohl etwas zu lange auf das Lenkrad gestarrt haben, denn auf einmal sagte er: "Is anything wrong with my hands? Is da irgendwie Dreck oder so?" Er wechselte plötzlich ins Deutsche, was mich etwas irritierte. "Äh...nein...ich hab nur...ach nix!" "Na dann.." Kurze Zeit später waren wir auch schon angekommen. Wir stiegen auf demselben Parkplatz aus, an dem ich auch mit den Kids war, als ich ihn das erste Mal getroffen hatte. Dann gingen wir hinunter zum Strand, der genauso leer war wie vor ein paar Tagen. Als wir so nebeneinander hergingen, schlug mir mein Herz bis zum Hals und während wir uns unterhielten, wollte ich plötzlich nichts mehr als nach seiner Hand zu greifen. Aber ich traute mich nicht, obwohl zwischen es zwischen uns so knisterte, dass man schon fast Funken sprühen sehen konnte. Wir setzten uns auf dieselbe Bank, auf der er das letzte Mal alleine gesessen hatte. Da plötzlich ein Windstoß kam, bekam ich Gänsehaut, und als er das sah sagte er "Du frierst doch nicht etwa?" "Naja, nicht wirklich, ein bißchen vielleicht." "Willst du meine Jacke haben?" "Ach Quatsch, dann ist dir ja kalt!" Ich fuhr mir der Hand durchs Gesicht um ein paar umherfliegende Haare zu beseitigen und als die Hand wieder senkte, traf sie plötzlich auf seine. Es durchfuhr mich wie ein Stromstoß und auch er zuckte leicht zusammen, aber bevor ich meine Hand wieder wegziehen konnte, hielt er sie fest und unsere Finger verhakten sich ineinander. Jetzt war ich wirklich sprachlos, denn mir war zwar klar, dass ich in ihn verschossen war, jedoch hätte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass es ihm auch so geht. "Das wollte ich schon den ganzen Tag lang tun", sagte er und sah mich an. "Du warst mir gleich total sympatisch, auch wenn ich erst etwas skeptisch war, als du sagtest, dass du aus Deutschland kommst. Aber das hatte sich schnell erledigt." "Naja ich hab mich vielleicht auch etwas blöd angestellt. Nachher, meine ich. Weißt du, als mir aufgefallen ist, wer du bist, war ich erstmal komplett baff und hatte dann irgendwie Hemmungen, frei mit dir zu sprechen. Deswegen war ich auch am Telefon so komisch. Ich fand dich nämlich supernett, aber plötzlich wusste ich nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte." "Und ich hab schon gedacht, es wäre irgendwas mit mir!" "Naja, irgendwie war es das ja auch. Nur nicht so, wie du das vielleicht gedacht hast!" "Ich würde dich trotzdem gerne was fragen. Darf ich?" Oh Mist, was wollte er denn jetzt von mir? "Natürlich. Frag was du willst!" "Wen siehst du wenn du mich anschaust?" "Ich sehe einfach nur Patrick, und zwar den Patrick, den ich vor fast einer Woche hier an dieser Stelle gesehen hab. Nichts anderes und vor allem nicht Paddy Kelly, den ich gestern abend in der Zeitung ‚bewundern‘ durfte! Und wen siehst du wenn du mich ansiehst?" Dass ich direkt kontern würde, damit hatte er nicht gerechnet, aber er antwortete trotzdem: "Ich sehe einen wunderhübschen und sympathischen Menschen, jemand, der mich endlich mal so sieht wie ich wirklich bin. And someone that I'd really like to kiss now!" Ich antwortete nicht, sondern schloß einfach die Augen. Als sich unsere Lippen berührten machte mein Herz einen kleinen Hüpfer, und danach war es einfach nur noch wunderschön. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir noch ineinandergekuschelt auf der Bank saßen und aufs Meer blickten, aber ich weiß, dass ich mich in dem Moment einfach nur geborgen fühlte. Mit geschlossenen Augen lag ich bei ihm im Arm und war nur noch glücklich. Doch irgendwann mussten wir dann auch wieder los. Es war schon fast dunkel, und Hand in Hand gingen wir zum Auto zurück. Keiner von uns sagte etwas, auch während der Fahrt nicht. Als er mich an der Haustür absetzte sah ich ihn noch kurz an und gab ihm einen kleinen Kuss auf den Mund. Bevor ich ausstieg sagte er noch: "Wait a moment! Take this!" Er drückte mir noch einen Zettel in die Hand und schenkte mir noch ein zärtliches Lächeln, dann stieg ich aus und schloß die Autotür. Ich wartete noch bis er wieder losgefahren war und sah ihm hinterher, dann ging ich zum Haus und schloß die Tür auf. Vorsichtig und leise ging ich die Treppe hinauf um niemanden aufzuwecken und als ich in meinem Zimmer war und in meinem Bett lag, konnte ich noch gar nicht richtig glauben was da eben passiert war. Ich war total happy, aber irgendwie auch verwirrt, da ich mir, nachdem mich mein Ex nach Strich und Faden verarscht hatte, vorgenommen hatte, erst mal die Finger von Typen zu lassen, und ich auch eigentlich überhaupt nicht damit gerechnet hatte, gerade hier in Irland jemanden zu treffen, bei dem ich mir so sicher war, das daraus etwas festeres werden könnte. Kurz bevor ich einschlief, fühlte ich noch einmal seinen Kuss auf meinen Lippen und in meinem Bauch machte sich ein wohliges Gefühl breit. Ich konnte es kaum glauben, aber ich hatte mich wirklich verliebt!
Als nächsten Morgen mein Wecker klingelte, kam mir der letzte Tag vor wie ein Traum. War das alles wirklich passiert? Da fiel mir der Zettel ein, den er mir im Auto gegeben hatte. Ich lehnte mich so weit wie es ging aus dem Bett und griff nach meiner Handtasche, die etwas weiter weg auf dem Boden lag. Nachdem ich kurz darin rumgekramt hatte fand ich ihn dann auch. Er hatte eine Adresse hier in Cork und eine Handynummer mit deutscher Vorwahl draufgeschrieben und daneben ein kleines Herz gemalt. Wie süß! Ich musste lächeln. Aber bevor ich weiter an ihn denken konnte, flog meine Zimmertür auf und Alex und Ceiran stürmten herein. "Good morning! You're already out of your beds?" begrüßte ich die beiden. "Yes we are. We woke up very early this morning and dressed up by ourselves!" entgegnete mir Ceiran ganz stolz. "But you aren't! Hurry up, we didn't have breakfast yet and Mum's already gone to work!" Ich schaute auf die Uhr. Es war noch massig Zeit bis ich die zwei in die Schule bzw. den Kindergarten bringen musste, also sagte ich zu ihnen: "Alright boys! I'll just dress up and then we'll have a nice breakfast together. Would you like to get the table ready until I come?" "Yeeeeah!" Die beiden stürmten davon in Richtung Küche und ich musste lachen. Das waren wirklich zwei richtige Rabauken, aber trotzdem superlieb. Ich machte mich also fertig und ging dann in die Küche wo die beiden schon eifrig damit beschäftigt waren, Tassen und Teller aus dem Schrank zu holen und auf den Tisch zu stellen. Ich schnitt noch schnell etwas Brot und packte die anderen Sachen aus dem Kühlschrank, dann begannen wir mit dem Frühstück. "So what did you two and you parents do yesterday?" fragte ich sie. "We went to visit Grandma and Grandpa and it was really great! Grandma made a cake especially for us! And then we went swimming altogether!" erzählte Alex. "And you, what did you do?" "I was out for lunch with a very nice guy and it was great, too!" "Who was it? Do we know him?" Ceiran war neugierig wie immer, und ich antwortete ihm: "It was the one we met on the beach last week. Remember, the one whom you dropped your kite on the head!" "Really?" fragte Alex mit großen Augen. "Yes, really, but now we have to go. Your teachers are certainly waiting for you already!" "Oh no!" "Oh yes!" Es war immer dasselbe, jedesmal versuchten sie mich zu überreden doch mit mir zuhause bleiben zu dürfen. Aber das nützte nichts, ich brachte sie also zur Schule. Auf dem Weg nach Hause ging ich noch kurz ein paar Sachen einkaufen und wieder zuhause angekommen räumte ich dann den Frühstückstisch ab. Den Rest des Morgens hatte ich frei und ging in mein Zimmer. Dort fiel mir wieder Patricks Karte ein und ich befestigte sie an meiner Pinnwand. Wie gerne würde ich ihn jetzt wiedersehen, aber sollte ich ihn einfach anrufen? Ich drehte mich um und schaute aus dem Fenster. Es regnete in Strömen. "Na toll!" dachte ich, als plötzlich das Telefon klingelte. Mein Herz schlug schneller, als wenn es gewusst hätte, wer dran war, noch bevor ich hörte: "Hi, this is Patrick!" "Hi, wie geht's dir? Es macht dir doch nichts aus wenn ich deutsch rede?" "Nee, macht es nicht! Was machst du gerade? Hast du sehr viel zu tun?" "Nicht wirklich, ich sitze eigentlich nur rum, die Kids kommen erst heute Nachmittag wieder. Wieso?" "Naja, hättest du was dagegen wenn ich vorbeikommen würde?" "Überhaupt nicht! Warte ich geb dir nur noch gerade die Adresse. Ich freu mich auf dich!" "Ich mich auch ! Bis gleich!" "See you!". Jetzt war ich wieder happy. Selbst der Regen machte mir nichts mehr aus. Ich räumte nur noch schnell ein bisschen auf, da klingelte es auch schon an der Tür. Ich öffnete und da stand er auch schon, mit den Händen hinter dem Rücken und lächelte mir entgegen. "Für meine Süße!" sagte er und zauberte eine rote Rose hinter seinem Rücken hervor. "Das is ja lieb! Aber komm erst mal rein, das Wetter ist ja echt grauenhaft!" Er kam rein und gab mir erst mal einen Kuss. "Shall I tell you something? I missed you! Even if that sounds crazy!" "It doesn't. Cause I missed you, too. Willst du was trinken?" "Gerne!" "Dann geh doch schon mal ins Wohnzimmer, ich komme dann. Ist Wasser okay?" "Yes it is! But I won't go without you!" und er umarmte mich von hinten und so gingen wir zusammen in die Küche. Wir unterhielten uns während wir im Wohnzimmer saßen und ich mich bei ihm in die Arme gekuschelt hatte und so langsam gewöhnte ich mich an den Mischmasch aus Deutsch und Englisch, in dem wir miteinander sprachen. Ich fand es sogar richtig witzig, es war eben einzigartig! Wir verbrachten noch einen schönen Vormittag miteinander, bis er schließlich gehen musste, da die Kinder bald wiederkamen.
Wir waren nun fest zusammen und ich war total glücklich mit ihm. Auch der Mutter von Alex und Ceiran erzählte ich ein paar Tage später davon, auch wenn es mir nicht leichtgefallen war. Ich befürchtete nämlich, dass sie vermuten würde, dass ich aufgrund meiner Beziehung zu Patrick die Kinder vernachlässigen würde. Aber sie reagierte positiv darauf und freute sich sogar richtig. Einen Monat später sollte ich zwei Wochen Urlaub haben, die ich natürlich mit ihm verbringen wollte. Er hatte sich inzwischen eine kleine Wohnung genommen und wir beschlossen, dass ich die zwei Wochen bei ihm wohnen würde. Erst hatten wir kurz überlegt, die zwei Wochen in Dublin und seiner Umgebung zu verbringen, hatten die Idee aber wieder verworfen. Zusammen Urlaub machen konnten wir immer noch, jetzt ging es uns erst mal darum, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen, da ich ja immer noch in erster Linie als Au Pair in Irland war und der Job ziemlich viel Zeit in Anspruch nahm. So packte ich am Vorabend meines ersten Urlaubstages einige Sachen ein, verabschiedete mich von der Familie und ließ mich von Patrick abholen. Als er auf das Grundstück fuhr, stand ich schon mit meiner Reisetasche vor der Tür und wartete. Er stieg aus und ich lief ihm entgegen. "Hi darling! Did you wait for me?" "Yes I did. I just couldn't wait anymore." "You know what? Wir haben jetzt zwei Wochen ganz für uns alleine! Das sollte gefeiert werden, meinst du nicht auch?" "Natürlich!" antwortete ich. Er nahm meine Sachen und verstaute sie ihm Kofferraum, während ich mich schon mal setzte. Er stieg auch ein und fuhr los und ich sagte: "Ich kanns noch gar nicht glauben!" "Was?" "Dass ich jetzt wirklich zwei Wochen mit dir verbringe. Ohne ständig auf die Jungs aufpassen zu müssen und so." "Hey, come on, forget about that okay? They'll be on holiday with their parents, too." "You're right." Als wir in seiner Wohnung ankamen, packte ich erst mal meine Sachen aus und ging dann zu ihm in die Küche. Er las gerade in einer Zeitung und war darin so vertieft, dass er mich erst gar nicht bemerkte. Ich schlich mich also von hinten an und legte dann plötzlich meine Arme um ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Er erschrak erst und zog mich dann auf seinen Schoß. "Was hast du eigentlich zu essen da?" wollte ich wissen. "Keine Ahnung, guck doch mal im Kühlschrank nach." Das tat ich dann auch. Es war zwar nicht viel, aber immerhin genug um mit viel Fantasie ein Abendessen hinzukriegen. "Und, haste was gefunden?" "Naja, nicht wirklich, wir werden wohl morgen einkaufen gehen müssen. Aber es reicht um heute abend noch was schönes zu kochen." "Das willst du echt machen?" "Ja, klar. Sozusagen als Einstand. Du kannst ja schon mal den Tisch decken." "But..." "No but! Now go and just let me cook." sagte ich gespielt ernst. Er tat beleidigt und verzog sich ins Wohnzimmer, wo ich aber kurz darauf Geschirr klappern hörte. Ich machte mich daran, was schönes zu zaubern und eine halbe Stunde später war ich fertig. Als ich mit dem fertigen Essen ins Wohnzimmer kam, staunte ich nicht schlecht. Sein Esstisch war superschön gedeckt, mit Kerzen, Blumen und was sonst noch alles dazugehört. Es wurde ein richtig schönes romantisches Candle-Light-Dinner und nach dem Essen machten wir es uns auf dem Sofa bequem, wie immer gemütlich aneinandergekuschelt, und guckten noch einen Film. Patrick lag mit dem Kopf auf meinen Knien und als ich nach kurzer Zeit runterblickte, sah ich, dass er eingeschlafen war. Wie süß er doch aussah! Doch es nützte nichts, ich musste ihn wohl oder übel wecken, wenn meine Beine nicht genauso einschlafen sollten. Also strich ich ihm zärtlich durch die Haare und sein Gesicht, gab ihm schließlich einen Kuss und flüsterte: "Darling, wake up. I'm afraid it's time to go to bed, don't you think so?" Er guckte mich erst ziemlich verschlafen an, lächelte dann aber und nickte nur. Dann tapsten wir Richtung Schlafzimmer und gingen ins Bett. Und mir war klar: Es gab nichts schöneres, als in seinen Armen einzuschlafen. Am nächsten Tag wurden wir jedoch ziemlich unsanft geweckt. Irgendjemand klingelte Sturm. Ich sah auf die Uhr: 10.30 Uhr. Na super, wer hatte da denn die glorreiche Idee um diese Uhrzeit hier aufzutauchen, und das wo wir so spät ins Bett gekommen waren. Aber es musste wohl was wichtiges sein, ansonsten würde derjenige sicher nicht so einen Terror machen. Patrick war wohl eher wachgeworden als ich, denn er war schon dabei, sich die nächstbesten Klamotten überzuschmeißen und Richtung Haustür zu hechten. Er hatte noch nicht mal gemerkt, dass ich auch wach war. Ich ließ mich noch mal zurück ins Kissen sinken und sog seinen Geruch ein und wäre auch beinahe wieder eingeschlafen, wenn ich nicht Stimmen im Flur gehört hätte. Also wälzte ich mich aus dem Bett, schmiss mir meinen Bademantel über und ging auch auf den Flur. Die Stimmen kamen nun aus der Küche und ich hörte wie Patrick sagte: "So he gave you the adress? Usually, I wanted to be alone a few weeks, but if you're already here…" Weiter kam er nicht, denn dann hatte ich die Küche betreten und sah ihn mit niemand anderem als seinem Bruder Angelo am Tisch sitzen. Die beiden sahen mich an und Angelo fing an zu grinsen "I see, you wanted to be alone." sagte er ironisch und deutete dabei auf mich. Patrick schien etwas sauer zu werden, und auch ich hätte mir ein besseres Kennenlernen mit seinem Bruder vorstellen können als dieses. Ich muss auch wirklich komisch ausgesehen haben, total verpennt nur in T-Shirt und Boxershorts und Bademantel. Doch ich hatte absolut keine Lust auf Stress. "Before you start fighting, what about breakfast?" "Finally a good idea" merkte Patrick an, stand auf und gab mir nen Guten Morgen-Kuss. "Angelo can go and buy some things for breakfast, he's the only one who's dressed properly. And I'm going to get the breakfast ready." "And what about me?" "you can take a shower and wake up completely, honey!" Angelo beobachtete uns und sein Grinsen wurde noch breiter, aber er nahm seine Schlüssel und machte sich auf den Weg. Ich verstand jetzt irgendwie nur noch Bahnhof. "Was will der eigentlich hier, ich dachte, ihr wolltet euch alle erst mal ne Zeitlang nicht mehr sehen und hättet euch verkracht? Hat er denn seine Familie zu hause gelassen?". "No idea. Wenn ich das wüsste. Aber das wird er mir sicherlich gleich erzählen. By the way, mit ihm hab ich eigentlich am wenigsten Stress gehabt. Jetzt sieh aber zu, dass du unter die Dusche kommst, ich mach das hier schon." Und scherzhaft fügte er noch hinzu: "Du siehst nämlich etwas zerstört aus!" Ach was war er heute wieder charmant! Aber wenigstens ehrlich. Doch auf mir sitzen ließ ich das nicht und konterte grinsend: "Dann guck dich aber mal an. Du siehst auch nicht viel besser aus heute morgen!" Bevor er antworten konnte, war ich schon im Bad verschwunden.
Ich ließ mir mit dem Duschen etwas Zeit und als ich wieder in die Küche kam, war der Tisch gedeckt und Angelo war mit frischen Brötchen auch wieder da. Die beiden saßen schon am Tisch und warteten auf mich, waren allerdings in ein Gespräch vertieft. Ich setzte mich auch und sagte zu Patrick: "Und was habt ihr jetzt vor?" Bevor er antworten konnte erntete ich wieder einen überraschten Blick von Angelo "She's german?" "Ja bin ich. Und?" Er schaute nur kurz zu Patrick und als der nickte, begann er zu erklären: "Ich hab erst gedacht, du wärst von hier, weil du so gut Englisch sprichst. Aber jetzt überrascht mich das doch ziemlich, da Pad eigentlich immer meinte, dass er nie wieder ne deutsche Freundin haben will. Mit der letzten ist das nämlich absolut beschissen gelaufen." "Ach so." Ich war überrascht, das hatte mir Patrick gar nicht erzählt, obwohl wir inzwischen schon ziemlich viel voneinander wussten. Aber trotzdem war das dann der Anfang einer echt netten Unterhaltung, ich erzählte etwas über mich und Patrick darüber, wie wir uns kennengelernt hatten. Angelo sagte noch, dass Kira mit den Kindern in Köln geblieben sei, jedoch verlor er kein Wort darüber, warum er überhaupt gekommen war. Vielleicht wollte er das aber auch mit Patrick alleine besprechen, also meinte ich nach dem Frühstück: "Ich geh dann mal einkaufen!" und machte mich aus dem Staub. Ungefähr eine Stunde später kam ich wieder. Die zwei saßen immer noch in der Küche und redeten, also beschloss ich, sie nicht zu stören, da es bestimmt wichtig war. Ich ging ins Wohnzimmer und sah dort sein Klavier stehen. Da ich ein bisschen spielen konnte, setzte ich mich daran und begann, ein wenig zu improvisieren. Ich war nun absolut in meinem Element, ich hatte schon fast vergessen, wie viel Spaß mir das Musik machen machte. Einige Zeit hatte ich in einer Band Gitarre gespielt und gesungen, jedoch war das alles mehr just for fun und hatte sich gelegt, noch bevor ich nach Irland ging. Nun versank ich in der Musik und spielte gerade "What's up" von 4 non blondes als die Tür aufging und Angelo und Patrick reinkamen. Die beiden staunten nicht schlecht, als sie mich am Klavier sitzen sahen. "Not bad" sagte Angelo und Patrick bemerkte erstaunt: "You never told me you could play!" "Ach hört auf! Das war nur ein Versuch, ich hab ewig nicht mehr gespielt. Aber ich muss zugeben, dass es mir Spass macht. Übrigens gibt es mit Sicherheit Sachen, die ich auch nicht von dir weiß" "May be! Auf die Musik komm ich aber drauf zurück, versprochen! Aber jetzt wollte ich eigentlich was anderes mit dir besprechen." Patrick klang auf einmal ernster. "Ist was passiert?" Ich machte mir nun doch etwas Sorgen. "Nee, nichts schlimmes. Ich erzähl's dir gleich, ich wollte nur Angelo gerade ein Taxi rufen." Das tat er dann auch und nachdem sein Bruder weg war setzten wir uns aufs Sofa. "Was war denn so wichtiges, dass er extra aus Deutschland hierher gekommen ist?" Ich war jetzt ein bisschen neugierig. "Naja, nicht nur er ist hier. Die anderen auch." "Wie, die anderen?" "Maite, Joey, Jimmy und Patricia" "Aber du hast doch gesagt, dass die sind in Deutschland geblieben sind?" "Dachte ich auch. Aber dann wurde denen das auch zu stressig, mit der ganzen Presse und so. Und jetzt sind sie hier um zu besprechen, wie das mit der Band weitergehen soll." Jetzt war ich total verwirrt. "Wie jetzt? Ich dachte, ihr wart euch einig, ne Pause zu machen. Nun auf einmal doch nicht mehr oder was?" "Angelo hat es mir auch gerade erst erzählt. Du musst wissen, die Entscheidung, erst einmal aufzuhören, war ziemlich schnell gefallen, wir hatten uns im Studio erneut ziemlich heftig gestritten und dann sozusagen mit noch rauchenden Köpfen die Pause beschlossen. Und ich hatte dir ja schon gesagt, dass wir auf keinen Fall komplett mit der Musik aufhören wollen. Ich schon am allerwenigsten. Jedenfalls haben wir jetzt die Gelegenheit, das Ganze mit etwas Abstand zu betrachten." Eine Erklärung hatte ich jetzt, eine Sache war mir aber immer noch schleierhaft. "Und was habe ich jetzt mit der ganzen Sache zu tun?"
"Naja, wir wollen uns schon in den nächsten Tagen zusammensetzen. Das heißt dass ich nicht soviel Zeit für dich haben werde, wie wir es eigentlich geplant hatten." Jetzt wusste ich nicht mehr was ich sagen sollte. Einerseits war ich erleichtert, da ich schon befürchtet hatte, dass wir uns in den nächsten zwei Wochen überhaupt nicht mehr sehen konnten, andererseits trotzdem ein bisschen enttäuscht. Aber ich konnte das voll und ganz verstehen, also war ich nicht sauer oder so. Im Nachhinein glaube ich, dass es ihm fast mehr leid tat als mir. Ich sagte also: "Das ist überhaupt kein Problem, ich kann das verstehen. Schließlich geht es irgendwie ja um eure Zukunft." "Da bin ich aber froh, ich dachte schon, du würdest jetzt böse auf mich sein! Aber du kannst natürlich hier bleiben, solange es dir nichts ausmacht, dass ich morgen Abend evtl. nicht hier, sondern im Hotel bei den anderen schlafen werde." Ich nahm ihn in den Arm "Wenn's nur das ist, ist es okay. Ich meine, dann haben wir ja immer noch 9 Tage zusammen. Ach ja, wann trefft ihr euch denn morgen?" "So gegen Mittag im Hotel. Wir wollen erst noch zusammen essen. Ich hab Angelo schon gesagt, dass ich dich dann mitbringe. Dann kann ich dich bei der Gelegenheit den anderen vorstellen." Große Güte, da hatte ich nun gar nicht mir gerechnet. Klar, dass ich die anderen über kurz oder lang noch kennengelernt hätte, aber dass das alles nun so schnell ging, das überrumpelte mich ein bißchen. "Naja...ok, einverstanden. Dann machen wir uns aber heute noch nen schönen Tag. Was hältst du von Kino?" "Keine schlechte Idee." Also fuhren wir ins Kino und gingen danach noch etwas essen. Als wir wieder zuhause ankamen, zog Patrick mich an der Hand ins Wohnzimmer und setzte mich auf die Couch. "Bleib sitzen, ich will dir was zeigen." Er ging zum Klavier, setzte sich und klappte den Deckel hoch. "Das ist jetzt sozusagen eine Weltpremiere! Nur für dich!" Ich ahnte, was jetzt kam und lehnte mich zurück. Mein Herz klopfte wie wild, als er zu spielen anfing. Es war ein wunderschönes Liebeslied und ich war kurz davor, loszuheulen. Leise stand ich auf und stellte mich hinter ihn. Als er den letzten Akkord gespielt hatte, wusste ich nicht, was ich sagen sollte, also nahm ich ihn einfach nur in den Arm und flüsterte "Das war wunderschön! Ich liebe dich!" Als Antwort küsste er mich und zog mich auf seinen Schoß. Doch dieses Mal war es anders, das spürte ich sofort, so dass wir schließlich im Schlafzimmer landeten...Als wir uns hinterher erschöpft in den Armen lagen, war ich einfach nur glücklich. "I really can't remember the last time I felt that happy!" flüsterte er, als wenn er Angst hätte, durch lautes Reden diese besondere Stimmung kaputtzumachen. "I love you so much, even if we don't know each other for long." Mir ging es genauso, ich hatte mich eigentlich noch bei jemandem so wohl gefühlt wie bei ihm. Bevor ich schließlich mit einem zufriedenem Lächeln im Gesicht einschlief, spürte ich noch wie er mir sanft übers Haar streichelte. Am nächsten Morgen war ich eher wach als er, aber ich stand noch nicht sofort auf, sondern beobachtete ihn noch eine Weile beim Schlafen. Es war kaum zu glauben, wie viel er mir bedeutete und das, obwohl wir erst etwas länger als einen Monat zusammen waren. Ich fuhr langsam mit den Fingerspitzen die Konturen seines Gesichts nach, da öffnete er die Augen. "How long have you been you watching me?" fragte er verschlafen. Ich lächelte "Not that long. Good morning, darling!" und küsste ihn auf die Nasenspitze. Er grinste und fragte dann "Wieviel Uhr isses eigentlich?" Ich guckte auf den Wecker auf dem Nachttisch. "Oh scheiße, viertel nach elf!" Um zwölf wollten wir uns mit den anderen im Hotel treffen, also mussten wir uns ganz schön beeilen. Um viertel vor saßen wir endlich im Auto und fuhren los. Ich war nun ziemlich aufgeregt. Wie würde seine Familie wohl auf mich reagieren?
Ich hatte nicht mehr viel Zeit, darüber nachzudenken, denn wir erreichten schon bald das Hotel. Patrick musste mir meine Nervosität wohl etwas angemerkt haben, er drückte nämlich beruhigend meine Hand als wir das Restaurant betraten. Da wir ein paar Minuten zu spät waren, waren seine Geschwister schon alle da. An dem Tisch waren noch genau zwei Plätze frei, an die wir uns auch sofort setzten. Nachdem Patrick mich allen vorgestellt hatte, war ich schon wieder etwas ruhiger, aber man konnte trotzdem eine gewisse Spannung unter allen bemerken. So kam es schließlich, das fast während des gesamten Essens über mich oder mit mir geredet wurde und Gespräche zwischen den einzelnen Geschwistern fast völlig ausblieben. Ich erzählte also von meinem Leben, was ich bisher alles so gemacht hatte und Patrick ließ es sich nicht nehmen, zu erwähnen, dass ich auch Musik machen würde. Das war mir etwas unangenehm und alles in allem kam ich mir sowieso etwas komisch vor, obwohl mich alle wirklich herzlich begrüßt und aufgenommen hatten. Es schien einfach eine unpassende Situation für unser Kennenlernen zu sein, aber das kannte ich ja schon von meinem ersten Zusammentreffen mit Angelo. Ich beschloss also, mir darüber erst mal keinen Kopf zu machen und fuhr nach dem Essen nach Hause zu Patrick. Da ich nicht wirklich wusste, was ich tun sollte, setzte ich mich ins Wohnzimmer. Plötzlich bemerkte ich einen Zettel, der unter dem Klavierhocker lag. Ich hob ihn auf. Darauf stand, in Patricks Schrift, "mein" Lied, das er mir am Abend vorher vorgespielt hatte. Ich las es mir noch einmal durch und bekam wieder feuchte Augen, so gerührt war ich. Ich legte das Manuskript wieder aufs Klavier, dann fing ich an, mich in Ruhe in seiner Wohnung umzusehen. Im Schlafzimmer machte ich zuerst das Bett, was wir bei unserem fluchtartigen Aufbruch an diesem Morgen total vergessen hatten. Danach fing ich doch tatsächlich an zu putzen, was für mich eigentlich eher untypisch ist. Ich schnappte mir den Staubsauger und wischte dann noch Staub. Als ich fertig war, ging ich wieder ins Wohnzimmer und schaute noch etwas fern. Am Abend ging ich ziemlich früh schlafen und nachdem ich etwas sehnsüchtig auf die leere Betthälfte schaute, dachte ich darüber nach, was er wohl den Tag über gemacht hatte. Denn auch er war an diesem Morgen ziemlich nervös gewesen, auch wenn er das nicht hatte zugeben wollen. Am nächsten Tag schlief ich lange und gammelte noch bis nachmittags auf dem Sofa, als endlich das Telefon klingelte. Es war Patrick, der sagte ich könne ihn abholen. Wenig später stand ich dann auch schon vor dem Hoteleingang und wartete und als er rauskam, sah er erleichtert, aber auch geschafft aus. "Hi Darling! Na, Kriegsrat beendet?" begrüßte ich ihn. Er lächelte mich müde an "Ja. Und es sieht ganz danach aus, dass es die Kelly Family doch weiterhin geben wird." "Naja, du siehst aber nicht aus als wenn du so ganz glücklich darüber wärst." "Ich weiß im Moment gar nicht wirklich, was ich überhaupt denken soll. Ich bin nur glücklich darüber, dass wir uns wieder verstehen und weiterhin zusammen Musik machen werden. Musik ist halt eben mein Leben!" "Das weiß ich doch!" Ich gab ihm einen Kuss. "Aber jetzt haben wir endlich Urlaub!"
Die restlichen Tage vergingen wie im Flug, wir unternahmen viele Sachen, teilweise auch zusammen mit Maite und Jimmy, die beide noch in Irland geblieben waren um etwas auszuspannen. Ich fühlte mich so wohl wie lange nicht mehr, aber trotzdem war die Zeit schon bald rum und ich kehrte in meine Familie zurück. Alex und Ceiran hatten mich schon vermisst und ich ging mit neuer Motivation an die Betreuung der beiden. Patrick und ich sahen uns so oft es ging und machten ab und zu sogar zusammen Musik. Es waren nun schon zwei Monate vergangen und eines Abends, als wir bei ihm im Wohnzimmer saßen fragte er: "Weißt du jetzt eigentlich was neues wegen deinem Studium?" Ich wollte gerne Sprachen studieren, hatte aber noch keine Studienplatz fest. "Nein, noch nicht, obwohl es langsam Zeit wird. In zwei Monaten muss ich ja wieder zurück nach Deutschland." "Really?" Er machte eine kleine Pause und sagte dann: "Was hältst du davon wenn du in Köln studierst und wir zusammenziehen? Ich meine über kurz oder lang werde ich sowieso wieder nach Deutschland gehen. Und ich glaub kaum dass ich es aushalten würde, dich solange nicht zu sehen." Jetzt war ich etwas überrascht. Diese Möglichkeit hatte ich noch nie wirklich in Betracht gezogen. "Weißt du, ich...ich weiß jetzt nicht, was ich dazu sagen soll. Willst du jetzt schon ne Antwort? Ich meine, ich weiß ja nicht ob ich das überhaupt will!" Er schaute mich erst verblüfft, dann enttäuscht an "You don't want that, right? I thought you'd love me, but…" Er brach ab und jetzt tat er mir leid. "I do love you, I'm just not sure if…I don't know, just let me think about it, okay?" Ich hatte das Gefühl, dass ich alles nur noch schlimmer machte, je mehr ich sagte. Und ich hatte ihn verletzt, obwohl das gar nicht meine Absicht war. Mist, dachte ich, was soll ich jetzt tun? Ich war mir sicher, dass, wenn ich jetzt versuchen würde, ihm alles zu erklären, alles nur noch verzwickter werden würde. Während ich noch nach einer passenden Antwort suchte unterbrach er die Stille. "I think it's better if you go now." Ich sah ihn an und sein Gesichtsausdruck verriet mir, dass er genausowenig wie ich wusste wie er mit der Situation umgehen sollte. Ich brachte nur noch ein kurzes "I think so, too." raus, stand auf und machte mich dann auf den Weg Richtung Tür. Bevor ich ging, drehte ich mich noch mal um und wollte noch was sagen, brachte aber keinen Ton raus. Als ich schließlich auf der Straße stand, schossen mir die Tränen in die Augen. Ich wollte ihm nicht so wehtun, ich war nur ehrlich zu ihm gewesen. Was hätte ich denn sagen sollen, etwa: "Ja super Idee, natürlich können wir zusammenziehen!" Auch wenn ich vorher überhaupt nicht darüber nachgedacht hatte? Ich kam an der Bushaltestelle vorbei, beschloss aber, zu Fuß zu gehen. Es war zwar etwas weiter, aber so konnte ich wenigstens in Ruhe nachdenken. Vorher hatte es immer vermieden, daran zu denken, was mit Patrick und mir sein würde, wenn ich wieder in Deutschland war. Klar war, dass er mir wahnsinnig viel bedeutete, aber ob ich mit ihm zusammenleben wollte, war eine ganz andere Frage, denn ich wollte nicht von ihm abhängig sein. Und dann hatte ich auch Angst. Schließlich war er in Deutschland Paddy Kelly und gerade in Köln wurde er pausenlos von irgendwelchen Leuten erkannt, teilweise hatten Fans sogar seine Wohnung belagert. Mir schauderte bei der Vorstellung, dass ich jedes Mal, wenn ich auf die Straße gehen würde, neugierig beäugt und wahrscheinlich auch fotografiert werden würde. Wir würden nicht mehr in Ruhe Hand in Hand spazieren gehen können, wenn überhaupt dann nur mit Bodyguard in der Nähe. Er hatte mir schon oft davon erzählt, wie sein Leben vorher war, aber ich konnte mir absolut nicht vorstellen, dass ich das dann auch erleben würde. Aber ich liebte ihn und die Beziehung mit ihm aufgeben wollte ich auf gar keinen Fall. Wir verstanden uns so gut, als wenn wir uns schon ewig kennen würden, manchmal war es schon fast unheimlich, wie ähnlich unsere Gedanken in bestimmten Situationen waren. Ich hatte das Gefühl, dass wir einfach zusammengehörten und auch seine Geschwister bestätigten das nur. Besonders Maite, die inzwischen eine recht gute Freundin von mir geworden war, hatte mir schon oft gesagt, dass wir wahnsinnig gut zueinander passten und Patrick einen so glücklichen Eindruck machen würde wie schon lange nicht mehr. Als ich daran dachte, stand meine Entscheidung fest und ich drehte auf dem Absatz um. Ich kam bei ihm an und klingelte und als er öffnete, sah ich , dass er auch geweint hatte. Er tat mir so wahnsinnig leid, dass ich einfach zu ihm ging und ihn in den Arm nahm. "I'm sorry, I didn't want to hurt you!" sagte ich und erklärte ihm, warum ich mich so verhalten hatte. "Weißt du ich hab einfach Angst davor, dass sich unser Leben dann so verändert, dass ich irgendwann nicht mehr damit klarkomme. Aber dich zu verlassen wäre noch viel schlimmer. Wir schaffen das schon, da bin ich mir sicher." "Heißt das, du willst mit mir zusammenziehen?" "Ja, auch wenn es vielleicht schwierig werden wird und ich mich an manche Dinge erst gewöhnen muss. Aber das mit uns ist was besonderes." Er sah nun wieder richtig glücklich aus und ich konnte nicht anders und musste ihn einfach küssen. Schon bald begannen wir mit den Vorbereitungen. Ich sagte meinen Eltern Bescheid, die froh waren, dass ich endlich feste Pläne für meine Zukunft hatte und schrieb mich für das Sommersemester an der Uni in Köln ein. Wohnen würden wir in Patricks alter Wohnung, deshalb wollte er drei Wochen eher nach Deutschland fliegen um schon mal einige Sachen vorab zu klären. Und ich begann, mich richtig auf mein "neues" Leben zu freuen.
Eine Woche bevor Patrick abreisen wollte, begannen wir damit, seine Sachen zu packen. Ich war deshalb abends oft bei ihm, um ihm zu helfen. "Sag mal, wie hast du es eigentlich geschafft, diesen ganzen Kram hier anzusammeln?" Ich hatte gerade eine Kommode geöffnet und mich davor auf den Boden gesetzt um die Sachen darin auszusortieren und hatte ein riesiges Chaos vorgefunden. "Ich meine, ich bin ja selbst nicht die ordentlichste, aber das hier..." in den Schubladen befand sich eigentlich nur beschriebenes Papier, alles Rohfassungen von irgendwelchen Songs, die er im Laufe der Zeit geschrieben hatte. "Schmeiß davon bloß nichts weg!" Er war gerade in der Küche beschäftigt und guckte nur kurz um die Ecke. "Naja gut, dann eben nicht!" Hätte ich bloß nichts gesagt und die Sachen, die eh keiner (noch nicht mal er selber) lesen konnte, einfach entsorgt. Das wäre ihm hundertprozentig nicht aufgefallen, aber so...Was solls, dachte ich, deswegen liebe ich ihn ja so, eben weil er so'n kleiner Chaot ist! Ich packte also sämtliche Massen Papier in einen Karton. Doch plötzlich stutzte ich. Dazwischen lag doch tatsächlich das Manuskript "meines" Songs, der, den er geschrieben hatte als wir gerade zusammengekommen waren. Jaja, die liebe Ordnung! Ich nahm den Zettel und schlich ins Wohnzimmer, setzte mich ans Klavier und studierte die Akkorde. Als ich zu spielen anfing hörte ich, wie er mit dem Geräume in der Küche aufhörte. Ich lächelte in mich hinein, garantiert würde es keine zwei Sekunden dauern bis er hier war. Und wirklich, er lehnte schon im Türrahmen, die Hände in den Hosentaschen und hörte mir zu. Ich ließ mich aber nicht ablenken und tat so, als wenn ich ihn nicht bemerken würde. Ich bekam es wirklich hin das komplette Lied zu spielen, selbst das singen klappte. Als ich fertig war, sah ich ihn an. Er lächelte "Das war echt schön! Ich liebe dich!" Jetzt lächelte ich auch "Komm her du Spinner! Ich dich doch auch!" Er küsste mich "Meinst du, wir können uns ne kleine Pause erlauben? Soviel auzuräumen is ja nicht mehr!" Das war zwar völlig übertrieben, denn es sah überall aus wie im Saustall, aber ich sagte: "Ich glaub schon, wieso, was hast du denn vor?" Er antwortete nicht, sondern küsste mich einfach noch mal... Ein paar Tage später brachte ich ihn dann zum Flughafen. Nach dem Einchecken mussten wir uns dann verabschieden. "Three weeks without you! I'll die!" "Das wirst du nicht, sonst müsste ich das ja auch. Du wirst mir nämlich genauso fehlen! Rufst du mich an wenn du da bist?" "Klar. Ich hol dich dann ab, wenn du nachkommst, versprochen. Und mach dir den Abschied von Alex und Ceiran nicht so schwer!" "Hör bloß auf, wenn ich daran denke wird mir schon schlecht. Ich glaub ich werde die beiden ganz schön vermissen, auch wenn sie manchmal echt nervig waren." "Wir können sie ja mal besuchen, wenn wir hier Urlaub machen. Denn das machen wir bestimmt, oder?" Ich nahm seine Hand. "Sicher. Jetzt aber los, sonst fliegen die noch ohne dich ab." "Hast recht. Tschüß meine Süße!" Wir küssten uns noch mal lange, dann machte er sich auf den Weg Richtung Flieger. Ich wartete noch bis er startete und machte mich dann auf den Rückweg. Die nächsten Wochen vergingen schneller als ich gedacht hatte, auch wenn ich Patrick wahnsinnig vermisste. Am Morgen meiner Abreise weckten mich die beiden Kids und ich stand schon mit einem mulmigen Gefühl im Magen auf. Ich sah mich in dem Zimmer um, das die letzten 10 Monate mein Zuhause gewesen war, jetzt aber leer war bis auf die drei Koffer, die Reisetasche und den Rucksack, die in der Mitte standen. Wir frühstückten noch alle gemeinsam und dann brachte mich die Familie zum Flughafen. Es war ein langer und tränenreicher Abschied, aber ich versprach, dass Patrick und ich zu Besuch kommen würden sobald wir mal wieder nach Cork kommen sollten. Als ich schließlich im Flugzeug Richtung Köln saß und aus dem Fenster schaute, wusste ich nicht richtig, was ich fühlen sollte. Ich guckte mir die grüne Insel aus der Luft an und war einerseits traurig, dass ich sie verlassen musste, andererseits war ich aber auch glücklich, denn bald würde ich Patrick wiedersehen und ich war gespannt auf das, was mich in Köln erwartete...
ENDE
PS: Ich überlege, die Story weitergehen zu lassen, wenn sie euch gefällt (dann aber unter nem anderen Titel!). Also schreibt mir doch eure Meinung, wenn ihr sie gelesen habt (auch, ob ihr eine Fortsetzung wollt!). Über Feedback freue ich mich immer! Liebe Grüße, eure Katy © Katy (Danke schön!) |
Last update: 03/02/2004
(Online since: 03/02/2004)