Thanking blesses Mary
(A story about Paddy Kelly)

by Jutta   Jutta.Scheidecker@gmx.de

 

Lautes Geschrei ertönte, als er nach vorne ging. Sie schrieen seinen Namen. Er lächelte, aber seine Augen waren traurig. Er fühlte sich so leer. Seit Barby die Tour nicht mehr mitmachte, fühlte er sich so einsam. Sein Blick fiel auf die Congas. Da hatte Barby immer gestanden, jetzt spielten Maite und Jimmy Barbys Lieblingsinstrument. Paddy sah wieder nach vorne. Tausende Mädchen konnte er sehen, aber waren sie wirklich wegen seiner Musik hier? Ganz vorne drängten sich die Fans, sie machten dauernd Fotos von ihm, die sie dann verkauften. Er war sich sicher, dass nicht mal die Hälfte der Fans wegen ihrer Musik hier waren. Sie waren nur wegen ihm und seinen Geschwistern hergekommen und das machte ihn traurig.
Nach dem Konzert im Hotel kam Patricia zu Paddy. "Wie geht’s dir", fragte sie. Paddy zuckte mit den Schultern. "Warum kommen sie nicht wegen unserer Musik zu den Konzerten? Früher, bei Streetlife, da blieben sie wegen unseren Liedern stehen und nicht wegen uns." "Paddy, es gibt immer noch sehr viele, die unsere Musik lieben. Ich hab vorhin, als ich bei ´Looking for Love` runter gegangen bin, einen ganz lieben Brief bekommen. An die ganze Family. Hier lies mal!" Unwillig las Paddy den Brief.

Liebe Kellys!
Endlich konnte ich euch mal wieder live sehen, besser gesagt, hören. Ich konnte lange Zeit nicht auf eure Konzerte gehen, weil ich sehr krank war. Ich hatte Leukämie. Aber immer, wenn ich dachte, es geht mit mir zu Ende, hab ich eure Musik gehört. Sie hat mir viel Kraft und Mut gegeben, all diese vielen Spritzen, Tabletten und Chemotherapien zu überstehen. Dank euch habe ich nie aufgegeben und jetzt bin ich geheilt, eure Lieder haben mir so sehr geholfen. Ich wollte mich einfach bei euch bedanken, dass ihr so schöne Lieder singt und dass ihr mir – wenn auch unbewusst – geholfen habt, ihr habt mir das Leben gerettet und dafür wollte ich DANKE sagen. Und bitte, hört niemals auf zu singen!
Alles Liebe,
eure Anna

Gerührt faltete Paddy den Brief zusammen. Also gab es doch noch Menschen, die ihre Musik liebten. Er beschloss, Barby anzurufen und ihr den Brief vorzulesen. Auch Barby war gerührt, weinte sogar ein bisschen. Als Paddy sie zaghaft fragte, wann sie wieder kommen würde, sagte sie, sie wisse es noch nicht.

Einige Wochen später ging Paddy durch Köln. Er war auf dem Weg ins Studio. Natürlich waren immer seine beiden Bodyguards dabei. Es nervte ihn, dass er nicht mehr alleine auf die Straße konnte, er fühlte sich von den beiden "Gorillas" so beobachtet. Zwei Mädchen hatten ihn erkannt, freundlich begrüßten sie ihn und fragten, ob er ihnen ein Autogramm geben würde. Das wollte Paddy gerne, es ist selten, dass die Fans so freundlich fragten. Aber einer der Bodyguards verscheuchte die beiden mit den Worten: "Er hat keine Zeit! Verschwindet!" Dann zog er Paddy weiter, der den beiden Mädchen traurig nachsah. Paddy versank wieder in Gedanken. Warum konnte alles nicht so werden wie es früher war? Gitarrenspiel holte ihn wieder in die Realität zurück. Ein junger Mann stand in der Fußgängerzone und spielte Gitarre, eine junge Frau stand neben ihm und sang. Sie hatte, wie Paddy feststellte, eine wunderschöne Stimme. Er sah ein kleines Mädchen, es tanzte zu den Liedern auf der Straße. Paddy lächelte. Er wollte stehen bleiben und zuhören, aber seine Bodyguards zogen ihn weiter. "Komm Paddy, wir sind schon spät dran!" Traurig schlurfte Paddy zwischen den Secs die Straße entlang. Das einzige, was er sich wünschte, war seine Freiheit.

Zwei Wochen später lag Paddy wieder in einem dieser öden Hotelzimmer. Er fühlte sich gefangen. Vor dem Gebäude hörte er die Fans kreischen, sie würden erst gehen, wenn es dunkel wird. Paddy hatte einen freien Tag, deswegen musste er auch heute Abend nicht auftreten. Er versuchte zu schlafen, aber es gelang ihm nicht so richtig, immer wieder schreckte er hoch.
Mitten in der Nacht stand er auf. Er wollte aus dem Zimmer gehen, aber einer der Bodyguards fing ihn ab und schickte ihn mit den Worten: "Was machst du denn um diese Zeit? Geh schlafen, Paddy!" ins Zimmer zurück. Als die Tür ins Schloss fiel, stiegen ihm Tränen in die Augen. Noch nie hatte er sich so verlassen gefühlt wie jetzt. Plötzlich fasste er einen Entschluss. Was sollte er denn hier? Es schien alles so aussichtslos. Er kramte ein Blatt Papier und einen Stift aus seinem Rucksack. Dann nahm er seine blaue Gitarre und den Rucksack und kletterte durchs offene Fenster über die Feuerleiter nach unten. Dann verschwand er im Dunkel der Nacht.
Als Patricia Paddy am nächsten Morgen wecken wollte, wunderte sie sich, dass er nicht im Zimmer war. Dann entdeckte sie auf dem Tisch ein Blatt Papier. Die Schrift war undeutlich und an einigen Stellen verschmiert. Während sie es las, stiegen ihr Tränen in die Augen, die ihr am Schluss übers Gesicht liefen. Sie nahm den Brief mit nach unten, wo die anderen schon beim Frühstück saßen. "Hey, Trisha, wo ist Paddy?" Sie antworte Angelo nicht. "Was ist, Patricia? Hast du geweint", fragte Jimmy und sah sie besorgt an. Stumm hielt sie ihm den Brief hin.

Liebe Geschwister!
Wenn ihr das lest, bin ich schon lange weg und das ist auch besser so. Ich hab es hier einfach nicht mehr ausgehalten, ich fühlte mich so einsam. Ich kam mir vor wie ein Vogel im Käfig. Jeder Vogel geht in seinem Käfig irgendwann ein, auch wenn der Käfig aus Gold ist. Ich wollte das nicht. Versteht ihr, ich will LEBEN! Und das kann ich hier nicht. Hier sind überall Fans und die Secs, ich kann mich hier nicht frei bewegen. Bitte sucht mich nach mir, ich melde mich – irgendwann. Bitte seid nicht böse, ich weiß, dass euch ähnlich geht. Verzeiht mir. I´ll keep you in my heart and I`ll keep on singing, anywhere, where I´m free.
Much Love,
Michael Patrick

Bestürzt sahen sich die Geschwister an. Wie sollte es ohne Paddy weitergehen? Es war schon schlimm, dass Barby und John eine Pause machten, aber ohne Paddy? Ratlos sahen sie sich an, obwohl jeder einzelne wusste, dass es für Paddy das beste war.

In einem fernen Land, weit weg von der Betroffenheit von Jimmy, Joey, Patricia, Maite und Angelo, stand ein junger Mann mit einem Rucksack und einer geschulterten Gitarre vor einer kleinen Kirche. Eigentlich wollte er nicht hineingehen, aber irgendwas zog ihn an. In der Kirche war niemand. Plötzlich nahm er seine blaue Gitarre und spielte eine Melodie, es kam ihm vor, als würde die Heilige Maria zu ihm sprechen. Er begann zu singen, seine wunderschöne Stimme erfüllte die kleine Kirche. In diesem Moment war er einfach nur dankbar, er dankte der Heiligen Maria, dass sie ihm den Mut gab, hierher zu kommen und alles hinter sich zu lassen. Als er geendet hatte, hörte er eine leise, sanfte Stimme hinter sich: "Ein wunderschönes Lied!" Ruckartig drehte er sich um. Er sah eine zierliche Gestalt, blaue Augen und goldenes Haar. Langsam stand er auf und ging auf sie zu. Als er vor ihr stand, strahlten seine Augen und auch ihre leuchteten. Dann umarmten sie sich fest und weinten. "Ich bleibe hier, bei dir", sagte er leise. "Danke", antwortete sie leise. Dann dankten sie beide der Heiligen Maria. "Ich bin so froh, dich wiederzusehen", sagte sie leise. "Ich auch", antwortete er. Glücklich verließen Barby und Paddy die kleine Kirche, irgendwo in Irland...


© Jutta (Danke schön!)


Bar Letter

Last update: 12/02/2002

(Online since: 12/02/2002)


Zurück zur Storypage

Back to the Storypage