It's hard to say I'm sorry

by Jutta   Jutta.Scheidecker@gmx.de

 

Sina saß mit ihrem Freund Marco in dessen Wohnung auf dem Sofa im Wohnzimmer. "Meinst du wirklich, dass das eine gute Idee ist?", fragte Sina zweifelnd. "Klar. Schau mal, du bist so sexy, du kriegst jeden. Du musst dich einfach an einen Promi ranmachen, dann schnappen wir uns die Kohle!" "OK. Ich besorg morgen ein paar Zeitschriften, dann schauen wir mal, wer in Frage kommt, in Ordnung?" "Klaro."
Am nächsten Tag kam Sina mit einem Berg von Magazinen zu Marco. Gemeinsam blätterten die beiden alles durch und schrieben die Namen der jeweiligen Promis auf. "Ok, jetzt haben wir noch drei übrig. Versuchen wir’s als erstens mit dem hier!", bestimmte Marco.

"Paddy Kelly?! Der ist überhaupt nicht mein Typ!" "Die anderen auch nicht. Aber er ist wenigstens in deinem Alter, der Dieter Bohlen ist doch viel zu alt für dich und der Boris Becker hat ja eh 'ne Klage wegen Steuerhinterziehung am Hals." "Na gut, ich mach’s", gab Sina sich geschlagen. Dabei war Sina eigentlich nicht der Typ für Intrigen. Aber sie hatte Angst, Marco zu verlieren, er war ihre große Liebe. Mit einem mulmigen Gefühl verabschiedete sie sich später von ihrem Freund.
Zu Hause suchte sie im Internet Infos über Paddy und wurde schnell fündig. Sie landete auf zahllosen Fan-Seiten und fand dort massenhaft Fotos, Konzertberichte und auch Kelly-Geschichten. Interessiert begann sie, eine davon zu lesen. Sie handelte von Paddy, der den Ruhm nicht mehr ertrug und völlig abstürzte. Aber am Ende der Geschichte fing er sich wieder und er wurde wieder gesund. Eine andere Geschichte handelte von Paddy, der sich unsterblich verliebte und die Fans ihm das Leben zur Hölle machten. Zum Schluss brannte er mit seiner Freundin durch und fing ein neues Leben an.
Sina war begeistert von diesen Geschichten und war erstaunt, wie viel Mühe sich die Fans mit den Homepages gaben. In den nächsten Tagen surfte Sina nur auf den Kelly-Seiten umher, bis sie meinte, genug Infos über Paddy in Erfahrung gebracht zu haben. Da Sina in Köln wohnte, konnte es ja nicht so schwer sein, ihn mal irgendwo auf der Straße zu treffen.

Einige Wochen später folgte sie Paddy unauffällig in eine Disko. Dort auf der Tanzfläche stieß sie "aus Versehen" mit ihm zusammen. "Oh, sorry, ich hab dich nicht gesehen. Ist alles in Ordnung", fragte Paddy sie. "Ja, danke, alles OK. Und bei dir?" "Alles noch heil", grinste Paddy. "Bist du öfter hier? Hab dich noch nie gesehen", verwickelte Sina ihn in ein Gespräch. "Ach, ab und zu bin ich hier, ja. Gehen wir was trinken?" "Gern." Die beiden setzten sich an die Bar und unterhielten sich angeregt. "Er ist gar nicht so, wie ich ihn mir vorstellte, der ist ja echt voll nett", dachte Sina bei sich. "Es ist so laut hier, gehen wir raus?", fragte Paddy irgendwann. "In Ordnung", antwortete Sina ihm und die beiden verließen die Disko.
Sie gingen in der Stadt spazieren, bis Paddy meinte, dass er so langsam los müsse. Auf seine Frage, ob sie sich wieder sehen würden, gab Sina ihm ihre Karte. "Ruf mich einfach an, wenn du Zeit hast", sagte sie leise. "Das mach ich bestimmt. Also mach’s gut." "Du auch. Gute Nacht." "Dir auch gute Nacht, Sina", antworte Paddy ihr. Dann war er weg und Sina blieb mit gemischten Gefühlen zurück. Er war so lieb und sie wollte nur seine Kohle. Das hatte er eigentlich nicht verdient, fand sie. Trotzdem hatte sie Angst, Marco zu verlieren und beschloss, wie geplant fortzufahren. Paddy fuhr glücklich nach Hause. Er fand Sina sehr nett und vielleicht wäre sie ja die Richtige...

Zwei Tage später rief Paddy Sina an und die beiden verabredeten sich in Paddys Stammcafé am Stadtrand von Köln. Paddy war locker drauf, aber sein Herz öffnete er nicht – noch nicht. Keine Frage, er fand Sina sehr nett und sie hatte wunderschöne dunkle Augen, die perfekt zu den schwarzen Haaren passten. Aber irgendetwas machte ihn ein wenig misstrauisch. Vielleicht, weil Sina etwas zu direkt war. Ja, das wird es sein, vermutete er.
Wochen vergingen. Sina kam von einem Treffen mit Paddy zurück. "Und, hat’s endlich geklappt", fragte Marco sie ungeduldig. Sina schüttelte den Kopf. "Also, wenn in einer Woche noch nix läuft, lassen wir’s!", meinte Marco. "Dann musst du’s eben doch mit dem Bohlen versuchen." "Bloß nicht! Bitte Marco, gib mir zwei Wochen. Es wird funktionieren, das verspreche ich dir", warf Sina mit flehendem Unterton ein. "Also gut."

Einige Tage später trafen sich Sina und Paddy zum Schlittschuhlaufen. Es war ein kalter Novembertag und der See, den Paddy vorgeschlagen hatte, befand sich außerhalb von Gymnich. Die beiden tobten ausgelassen herum. Als Paddy Sinas strahlendes Gesicht sah, wurde ihm klar, dass sein Misstrauen unangebracht war. Sie war so lieb, was sollte sie denn für Hintergedanken haben? Während er noch darüber grübelte, fuhr Sina genau auf ihn zu. Allerdings hatte sie so ein Tempo drauf, dass sie gegen Paddy stieß und beide zu Boden fielen. Dort lachten sie sich fast kaputt. Paddy sah Sina lange in die Augen. Sina war gar nicht aufgefallen, was für schöne Augen er hatte. Beide spürten die Spannung, die in der Luft lag.
Ganz langsam näherten sich ihre Lippen, bis sie sich zu einem langen Kuss trafen. "Ich liebe dich, Sina", flüsterte Paddy ihr ins Ohr. Daraufhin küsste Sina ihn und er erwiderte den Kuss, der immer leidenschaftlicher wurde. Sina bekam ein schlechtes Gewissen, sie konnte seine Liebe nicht erwidern. Paddy merkte davon nichts. Endlich wieder ein Mädchen, das ihn als Mensch und nicht als Star mochte! Die beiden küssten sich lange, bevor sie wieder aufstanden und sich auf den Heimweg machten, da es langsam dunkel wurde. Paddy begleitet Sina noch zur Bushaltestelle. Dort küssten sie sich leidenschaftlich, bevor Sina in den Bus stieg und nach Hause fuhr.
Marco war zufrieden, als Sina ihm von dem Nachmittag erzählte. "Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit", sagte er, während er seine Freundin küsste und sie anschließend ins Schlafzimmer trug.

Einige Wochen später wachte in der Nacht Sina auf. Marco schlief tief und fest neben ihr.

Sie erinnerte sich an den Nachmittag mit Paddy. Sie waren gemeinsam über den Kölner Weihnachtsmarkt geschlendert und hatten sich die vielen schönen Dinge angesehen, die es da zu kaufen gab. Paddy liebte Weihnachten genauso sehr wie sie. Später gingen die beiden noch ins Kino und danach lud Paddy sie zum ersten Mal zu sich nach Hause ein. Sina war beeindruckt von dem großen Park, Paddys Tieren und den schönen Räumen des Schlosses. Als sie Paddys Zimmer betraten, entdeckte Sina an den Wänden selbst gemalte Aquas, Postkarten aus den verschiedensten Ländern und an der Wand neben dem Bett lehnte ein Gitarrenkoffer. Darin befand sich Paddys Lieblingsgitarre, die er nie auf Tour dabei hatte, auf der er seine Lieder komponierte.
Die beiden setzten sich auf sein Bett und dann nahm Paddy seine Gitarre und sang ihr ein Lied vor, es handelte von der großen Liebe. Sina bekam ein schlechtes Gewissen und sie schämte sich so sehr, dass sie ihn von Anfang an belogen hatte. Und jetzt schrieb er dieses wunderschöne Lied für sie! Das hatte sie doch gar nicht verdient. Als ihr das bewusst wurde, brach sie in Tränen aus und wäre am liebsten weggelaufen, nach Hause, weg von Paddy, der sie nichtsahnend fest in die Arme nahm. "Scht, ist ja gut", flüsterte er und strich ihr über die Haare. Sina kam sich so schäbig vor. Später verabschiedete sie sich von Paddy mit der Ausrede, Kopfschmerzen zu haben.

Sina setzte sich im Bett auf und starrte aus dem Fenster, wo der Mond sein blasses Licht ins Zimmer warf. Sie erinnerte sich an Paddy, wie lieb und witzig er war und was für einen Beschützerinstinkt er hatte, wie er sie getröstet hatte... All das waren Dinge, die Marco ihr nicht geben konnte. Er war eben der coole Typ, der von Romantik keine Ahnung hatte. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass Marco mit ihr angab, weil sie so hübsch war, dass er sie fürs Bett haben wollte. Warum war ihr das nicht früher aufgefallen? Immer wenn sie mit Marco alleine war, ging die Fummelei los. Sina war so verliebt, dass sie das gar nicht bemerkte. Er liebte sie nicht wirklich. Das wurde ihr jetzt schmerzlich bewusst. Als sie sich vor sieben Monaten in ihn verliebt hatte, schwebte sie auf Wolke sieben, sie glaubte, er wäre ihre große Liebe, die für alle Zeit halten würde. Dass dies nicht der Fall war, wurde ihr jetzt durch Paddy bewusst und es tat so unendlich weh.
Noch in der selben Nacht verließ Sina Marcos Wohnung und fuhr nach Hause. Das Schlimme an der Sache war, dass sie nicht weinen konnte, ihr Herz schien tot zu sein, sie fühlte gar nichts mehr. Schließlich schlief sie spät in der Nacht oder besser früh am Morgen ein.

Am nächsten Vormittag klingelte ihr Handy. Paddy war dran und fragte, ob es ihr wieder besser ginge. "Danke, es geht mir gut", sagte Sina lahm. "Du hörst dich aber nicht so an." "Ich hab nicht so gut geschlafen. Du, hast du was dagegen, wenn wir unser Treffen auf morgen verschieben? Ich fühl mich ein wenig schlapp." "Kein Problem. Ich wünsch dir gute Besserung, ja?" "Danke." "Ich liebe dich", sagte Paddy leise. "Ich dich auch", antwortete Sina automatisch. Dann legte sie auf. Sie fühlte sich so mies. Warum hatte sie das nur getan? Ach ja, Marco... Sina wurde wütend auf sich selbst, weil sie so naiv gewesen war, weil sie nie bemerkt hatte, warum Marco wirklich mit ihr zusammen war.
Später klingelte Marco an ihrer Tür und fragte, warum sie in der Nacht abgehauen war. Sina sah keine bessere Gelegenheit, als jetzt. "Es ist nicht wirklich Liebe zwischen uns und das weißt du auch. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der mich nicht liebt. Es ist vorbei zwischen uns! Es tut mir leid!" Dann machte sie die Wohnungstür vor seiner Nase zu. "Hey, Sina, was soll das?!" Marco klopfte an die Tür, aber Sina ignorierte es. Sie ging ins Wohnzimmer und drehte die Stereoanlage auf.

Am nächsten Tag traf sie sich mit Paddy und sie spürte ein Gefühl der Erleichterung. Aber sie traute sich nicht, ihm die Wahrheit zu sagen.
Als sie am Abend nach Hause kam, fing sie erstmals an, sich über ihre Gefühle für Paddy Gedanken zu machen. "Er ist so lieb", dachte sie bei sich. Er hatte so wunderschöne Augen, ein strahlendes Lächeln... Sina träumte nur noch vor sich hin. Plötzlich erinnerte sie sich an ein Gespräch mit ihrer großen Schwester, das etwa sieben Jahre zurücklag.
Damals wollte Sina wissen, was das ist, wenn man immer an einen bestimmten Menschen denken muss. Ihre Schwester hatte ihr erklärt, dass sie verliebt sei, worauf Sina sie erstaunt ansah und voller Entsetzen meinte, dann sei sie in den blödesten Klassenclown verliebt. Ihre Schwester lachte und meinte, so blöd müsse der Junge dann ja nicht sein.
Sina grinste, als sie daran dachte. Dann wurde ihr schlagartig bewusst, wie oft sie an Paddy dachte... O nein, war sie denn wirklich in ihn verliebt? Das konnte doch nicht wahr sein, nach allem, was sie ihm angetan hatte. Sina musste sich eingestehen, dass sie wirklich in Paddy verliebt war. Sie dachte dauernd an ihn, abends vorm Einschlafen, morgens beim Frühstück, während der Arbeit... Ja, sie liebte ihn, aber wie sollte sie ihm das jemals beichten, was am Anfang der Grund für ihr Interesse an ihm war? Seufzend setzte sie sich aufs Sofa. Dann beschloss sie, alles auf sich zukommen zu lassen. Die Zeit wird es sagen.

Am nächsten Tag traf sie sich mit Paddy. Sie würde ihm so gern ein Liebesgeständnis machen, aber sie waren ja eh schon zusammen. Die beiden saßen aneinander gekuschelt an dem kleinen See im Park von Schloss Gymnich. "Paddy?" "Ja?" "Ich bin so froh, dass ich dich habe. Ich liebe dich!" "Ich dich auch!" Die beiden küssten sich leidenschaftlich. Sina war überglücklich, endlich konnte sie ihn küssen, ohne ihm ihre Liebe vorzumachen. Auch Paddy war total happy, endlich konnte er wieder lieben, mit ganzem Herzen ein Mädchen lieben. Den ganzen Nachmittag waren die beiden mit Küssen beschäftigt, sie taten kaum etwas anderes.

Wochen vergingen. Sina und Paddy waren sehr glücklich miteinander. Aber Sina war oft sehr still und Paddy hatte das Gefühl, dass sie ihm etwas verheimlichte. An einem trüben Märznachmittag sprach er sie darauf an: "Sina, ich weiß nicht, was ist, aber ich habe das Gefühl, dass du mir etwas verheimlichst. Was ist los mit dir?" Sina zuckte zusammen. Was sollte sie jetzt tun, sollte sie es ihm sagen? Sie geriet so sehr in Panik, dass sie in Tränen ausbrach. Vor Wut über sich selbst, weil sie ihn von Anfang an belogen hatte, aber auch vor Angst, dass sie ihn verlieren könnte, mit dem sie auch rechnete.
Paddy sah sie besorgt und gleichzeitig skeptisch an. "Ich weiß gar nichts mehr... ich hab alles falsch gemacht... es tut mir so leid", schluchzte sie verzweifelt. Paddy setzte sich neben sie aufs Bett und nahm ihre Hände. Was hatte sie denn falsch gemacht und was tat ihr leid? Angst kroch in ihm hoch. "Sieh mich an Sina, bitte!" "Ich kann nicht", flüsterte sie so leise, dass Paddy es kaum hören konnte. Da nahm Paddy ihr Gesicht sanft in seine Hände und sah ihr tief in die Augen. "Bitte!", sagte er leise. Vorsichtig sah Sina ihn an. In seinen Augen stand Angst. Sie strich ihm über die Wange, während sie flüsterte: "Küss mich, ja?"
Die beiden küssten sich lange und leidenschaftlich, bis Sina ihm einen Finger auf den Mund legte. "Paddy, ich möchte, dass du auf alle Fälle weißt, dass ich dich von ganzem Herzen liebe!" "Ich dich auch!" "O Paddy, ich muss dir so viel sagen, ich hab soviel falsch gemacht. Bestimmt wirst du mich hassen dafür, aber ich habe es damals zu spät erkannt..."
Sina erzählte ihm die ganze Geschichte. Paddy wurde blass. "Nein, bitte nicht, ich liebe sie doch so sehr", dachte er. "Bitte Sina, sag, dass das nicht wahr ist, ich liebe dich doch!" Mit Tränen in den Augen sah er sie an. Warum geriet er immer an die Falsche? Das konnte doch nicht sein. "Es tut mir so leid, Paddy, das musst du mir glauben!" Paddy wandte seinen Blick von ihr ab. Er war zu enttäuscht, um jetzt irgendwas zu sagen. Er starrte lange aus dem Fenster, bevor er fragte: "Warum hast du es nicht früher gesagt?" "Weil... weil ich dich liebe. Ich konnte es nicht, ich konnte unsere Liebe nicht aufs Spiel setzen, verstehst du?" Keine Antwort. Stumm saßen beide da. Nach einer Weile sagte Paddy leise: "Bitte, lass mich allein, geh!" Langsam nahm Sina ihre Jacke und ging zur Tür. Dann kam sie noch mal zurück und strich ihm über die Wange. "Ich liebe dich", flüsterte sie ihm ins Ohr, bevor sie zur Tür ging und das Zimmer verließ.
Paddy saß wie versteinert da, er konnte nicht mehr denken, er konnte nicht mehr fühlen, sein Körper schien tot zu sein. Das Schlimmste war, dass er nicht weinen konnte. Er starrte weiter aus dem Fenster, bis sein Blick auf seine Gitarre fiel. Plötzlich wurde er wütend. Er hatte sie geliebt und sie hatte ihn von Anfang an belogen, wollte nur sein Geld. Und er war auch noch so blöd und schrieb ein Lied für sie! Verdammt, wie konnte er nur so blind gewesen sein, warum hatte er es nicht früher gemerkt? Er rannte zu der Gitarre, packte ihren Hals und wollte sie auf dem Boden zertrümmern, aber er konnte es nicht. Stattdessen sank er auf sein Bett, die Gitarre in der Hand und begann, "Mama" zu spielen. Jetzt endlich konnte weinen, er weinte um seine Mutter, um Sina, um alles, was ihn bewegte.
Später kam Barby rein. Immer wieder vom Schluchzen unterbrochen, erzählte Paddy ihr alles. "Ich habe ihr vertraut und sie?! Sie hat mich von Anfang an belogen und betrogen", sagte er bitter. "Liebst du sie noch, Paddy?", fragte Barby sanft. "Wie kann ich jemanden lieben, der mich hintergeht? Aber ich liebe sie immer noch." "Soll ich dir was sagen? Ich glaube, sie liebt dich wirklich. Sonst hätte sie dir nie die Wahrheit gesagt!" "Wenn sie mich lieben würde, hätte sie es nie getan!" "Du hast aber gesagt, dass sie anfangs gar nichts von dir wollte. Und als sie gemerkt hat, dass sie dich liebt, war es zu spät. Paddy, du musst mal versuchen, dich in Sinas Lage zu versetzen. Sie hat mit ihrem Freund Schluss gemacht – wegen dir! Und sie hat dir alles gebeichtet, weil sie dich liebt, verdammt noch mal! Wenn du ihr nichts bedeuten würdest, hätte sie das niemals getan!" "Trotzdem hat sie mein Vertrauen missbraucht, Barby, und das tut so unendlich weh, verstehst du? Ich kann ihr nicht mehr vertrauen, es geht einfach nicht! So gern ich auch würde, aber sie hat alles kaputtgemacht! Und ich Vollidiot schreib ihr auch noch ein Lied!" "Gib euch Zeit, Paddy, das wird schon wieder." Barby nahm ihren kleinen Bruder in die Arme und strich ihm sanft übers Haar. "Wie war Enyas Lied? Who knows? Only time! Das wird schon wieder, ganz sicher!"

Sina war währenddessen zu Hause angelangt. Traurig setzte sie sich auf die Couch. Sie könnte sich in den Hintern treten, sie war so blöd, hatte die ganze Beziehung zu Paddy kaputtgemacht. Hätte sie es ihm doch bloß nie erzählt! Aber irgendwann wäre es eh rausgekommen. Sie machte das Radio an. Da lief ein Lied, das sie nicht kannte, aber es schien aus dem Herzen zu sprechen. "So don’t make me blue when I write to you from Sarah with love." Genau, das ist es! Sina beschloss, Paddy einen Brief zu schreiben und ihm zu erklären, was sie für ihn fühlte. Sie fing unzählige Briefe an, aber sie beendete sie nicht, weil sie mit ihrer Schreibweise nicht zufrieden war. Irgendwann schlief sie am Schreibtisch ein. Zur gleichen Zeit saß Paddy auf seinem Bett auf Schloss Gymnich und versuchte, sich Sinas Verhalten zu erklären, aber in seinem Kopf sperrte sich alles dagegen, es zu schaffen. Paddy beschloss, eine Nacht über die Ereignisse zu schlafen.

Am nächsten Vormittag erwachte Sina vom Klingeln ihres Handys. Sie hoffte so sehr, dass es Paddy sein würde, aber es war "nur" Barby. Die beiden redeten lange miteinander. "Ruf ihn an Sina, sag ihm, wie viel er dir bedeutet!" "Aber wenn er einfach auflegt oder gar nicht abnimmt? Ich wollte ihm einen Brief schreiben, aber ich finde nicht die richtigen Worte. Außerdem glaub ich, dass wir ein paar Tage Abstand brauchen, oder meinst du, dass Paddy schon wieder Bock hat, mit mir zu reden?" "Naja, OK, hast ja recht. Gut, versuch’s noch mal mit dem Brief, vielleicht schaffst du’s ja noch!" "Ich versuch’s! Danke, dass du angerufen hast, Barby!" "Keine Ursache! Ich hoffe, dass du den Brief irgendwie schaffst!" "Danke! Mach’s gut!" "Du auch! Tschüs!" "Tschüs, Barby!"

Etwa zwei Wochen später klopfte Barby an Paddys Zimmertür. "Na?", fragte sie. "Naja...", kam die lahme Antwort. "Was hast du heute noch so vor?" "Nichts, ich hab sowieso keinen Bock auf Irgendwas!" "Was ist mit dem TV-Auftritt demnächst?" "Am liebsten würde ich absagen..." "Ach Paddy, du weißt genau, wie wichtig dieser Auftritt für uns ist. Wir waren solange von der Bildfläche verschwunden, ich finde, wir sind den Fans das wirklich schuldig!" "Ich weiß. Barby? Neulich hab ich von einem Engel geträumt, der mir einen Brief gebracht hat." "Und was stand in dem Brief?" "Nichts und trotzdem spürte ich, dass alles wieder gut war." "Ähm, Paddy... ich hab hier einen Brief für dich..." "Doch nicht etwa von Sina oder?" Barby sagte nichts, aber Paddy erkannte in ihren Augen, dass er recht hatte. "Paddy, bitte lies ihn, du hast doch nichts zu verlieren dabei!" Seine Schwester sah ihn flehend an. "Na gut, gib her!" Barby gab ihm den Brief und verließ dann das Zimmer.
Paddy hatte keine Lust, diesen verlogenen Brief zu lesen, er ahnte, was darin stehen würde. Stattdessen legte er den Brief weg und klimperte auf seiner Gitarre herum. Aber später siegte seine Neugier und er öffnete langsam den Brief.

23.02.2002
Lieber Paddy,
Jeden Abend halte ich Dein Foto und mein Handy in der Hand und glaube, vor Sehnsucht nach Dir zu sterben. Ich will Dich anrufen, aber ich kann nicht. Es kommt mir vor, als wärst Du tot, ich kann nicht mehr mit Dir reden, ich erreiche Dich nicht, obwohl Du doch so nahe bist.
In diesen Monaten, die ich mit Dir verbrachte, wuchs meine Liebe zu Dir jeden Tag ein bisschen mehr und ich liebe Dich so sehr, dass mein Herz bei dem Gedanken an Dich zu rasen beginnt. Egal, wohin ich gehe, in meinen Gedanken bist immer nur Du und sonst nichts und niemand.
Vorhin sah ich eine Sternschnuppe und hab mir nur eines gewünscht: Dass Du mir verzeihst, dass Du mir noch eine Chance gibst.
Ich weiß, dass das, was ich Dir angetan habe, unvergesslich ist. Aber vielleicht ist unsere Liebe stark genug, um verzeihen zu können. Paddy, ich weiß, dass ich Dir nicht egal bin, Du kannst Deine Gefühle nicht abstellen, aber ich weiß auch, dass Du sehr enttäuscht von mir bist.
Nimm mein Herz, wenn Du gehst, denn ich möchte niemanden außer Dich lieben. Wenn Du mein Herz aber nicht mit Dir nimmst, wird es sterben und deswegen bitte ich Dich, es mitzunehmen, damit Du glücklich wirst und ich nie wieder fähig sein werde, zu lieben.
Aber ich möchte, dass Du eines weißt: Es tut mir so wahnsinnig leid!
In ewiger Liebe,
Deine Sina

Paddy legte den Brief neben sich auf sein Bett. Ob sie das wirklich ernst meinte? Er hatte nicht mit einem solchen Brief gerechnet. Er las ihn noch einmal durch. Langsam begann sich der Nebel aus Enttäuschung, Trauer und Wut, der sich um sein Herz gehüllt hatte, aufzulösen. Er konnte sich nicht erklären, warum er seine Autoschlüssel suchte und sich auf den Weg zu Sina machte.

Als sie die Tür öffnete, genügte ein Blick in ihre Augen und er wusste, dass sie es ehrlich meinte. Ohne ein Wort zu sagen, nahm er sie fest in die Arme und küsste sie. "Verzeih mir, ich war so dumm, ich hab nur an mich gedacht", flüsterte er. Sie legte ihm den Finger auf den Mund. "Scht." Sie schloss die Wohnungstür und er nahm sie in seine Arme und die beiden küssten sich leidenschaftlich. "Ich liebe dich, Sina, mehr als alles andere auf dieser Welt!" "Ich liebe dich auch, Paddy!" Er strahlte sie an, während er ihr zärtlich über die Wange strich. "Jetzt muss ich dein Herz nicht mitnehmen, ich bleibe für immer bei dir!", schwor er ihr. Sina lächelte das bezauberndste Lächeln, das Paddy je gesehen hatte und beide wussten, sie gehörten zusammen, für immer...


Dedicated to all, who are in love and know what I mean


26.11. – 09.12.2001


© Jutta (Danke schön!)


Bar Letter

Last update: 12/02/2002

(Online since: 12/02/2002)


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