Freiheit

by Jutta   Jutta.Scheidecker@gmx.de

 

Nachdenklich saß Paddy Kelly in seinem Zimmer und starrte aus dem offenen Fenster. Er konnte das Geschrei der Fans am Tor bis hierher hören und es ging ihm so auf die Nerven. Seit die Kelly Family so berühmt geworden war, konnte er sich nur mit seinen Bodyguards auf die Straße wagen. Immer waren zwei dieser Gorillas hinter ihm, wenn er nach Köln ging, er fühlte sich so gefangen, richtig isoliert. Er konnte sich nicht ungezwungen bewegen, wenn diese Typen dabei waren. Paddy seufzte. Die beiden konnten ja auch nichts dafür, sie machten ja nur ihren Job. Und eigentlich brauchte er sich ja gar nicht zu beschweren, schließlich war er berühmt, er hatte viel Geld und wohnte in einem Schloss. Aber der Preis, den er dafür bezahlt hatte, war sehr hoch: Es war seine Freiheit. Manchmal wünschte er sich, es könnte wieder alles so wie früher sein, als sie zwar arm aber glücklich und frei waren. Er machte sich auch um seine Schwester Barby große Sorgen. Je größer der Erfolg wurde, desto stiller wurde sie. Sie kam mit dem Ruhm und den vielen Fans, die sie überall verfolgten und fotografierten, einfach nicht klar. Oft hatte Paddy sie nachts weinend "She´s crazy" singen hören und es tat ihm so weh.

Paddy ging mit seinen Bodyguards durch Köln. Er war auf dem Weg ins Studio. Es war kalt. Paddy sah die Leute um sich herum an. Ältere Menschen, Teenager und Kinder. Alle Altersklassen konnte er sehen. Und alle waren frei, sie waren nicht berühmt, ihnen rannte keiner nach. Zwei Mädels, die ihn erkannten, gingen zu ihm und fragten nach einem Autogramm. Paddy wollte gerade antworten, als einer der Bodyguards brummte: "Paddy hat keine Zeit! Verschwindet!" Und der andere zog Paddy weiter. Traurig sah Paddy den Mädchen nach. Sie hatten so lieb gefragt und er hätte ihnen gern ein Autogramm gegeben.
Er ging weiter. Ein junger Mann und ein gleichaltriges Mädchen standen am Straßenrand, er spielte Gitarre und sie sang ein wunderschönes Lied dazu. Dann begann sie zu tanzen, wie eine Elfe schwebte sie über den grauen Asphalt. Ganz automatisch dachte Paddy an Barby. Früher hatte sie das immer gemacht. Nie würde er das Konzert im tiefen Winter 1992 auf dem Berliner Alexanderplatz vergessen, wo Barby so wunderschön getanzt hatte. Eigentlich fror sie nur und wollte sich aufwärmen, aber die Fans haben bis heute nicht vergessen und auch Barby dachte gerne daran. "Komm, Paddy, wir müssen weiter!" Sein Bewacher zog ihn weiter.
Im Studio gabs Krach mit Kathy, weil er so spät dran war und auch die Aufnahmen wollten nicht so recht klappen.
Eine Woche später befand sich Paddy mal wieder in einem dieser unpersönlichen Hotelzimmer. Das Konzert heute war nicht so toll gewesen, es waren so viele kreischende Mädchen da. Barby versteckte sich hinter ihren Congas und wenn sie vorne stand und sang, starrte sie nur ins Leere. Paddy konnte nicht schlafen. Unruhig drehte er sich im Bett hin und her. Es war schon nach Mitternacht. Seine Idee fiel ihm wieder ein, er trug sie schon seit Monaten in Gedanken umher. Er wusste, jetzt musste er sie in die Tat umsetzen. Leise stand er auf und stopfte seine Klamotten in seinen Rucksack. Dann setzte er sich an den kleinen Tisch und begann, etwas zu schreiben. Als er fertig war, schlich er zu Barby ins Zimmer. Er weckte sie: "Komm mit, Barby! Hier hält es doch keiner mehr aus!" Während Barby sich aus dem Bett quälte, packte Paddy ihre Sachen zusammen. Dann holte er noch seine blaue Gitarre, die er vergessen hatte. Zehn Minuten später schlichen sich die Geschwister aus dem Hotel.

Am nächsten Morgen wunderte sich beim Frühstück zunächst keiner, dass Barby und Paddy nicht da waren, schließlich verpennte Paddy täglich. Später schickte Kathy Maite zu den beiden. Als Maite Barby nicht in ihrem Zimmer fand, dachte sie, Barby wäre bei Paddy. In dessen Zimmer allerdings fand sie nur einen Brief. Sie las ihn durch und sank dann mit Tränen in den Augen auf einen Stuhl.
Als sie runter kam, fragte Kathy, wo die beiden seinen. Maite gab ihr den Brief. Die Schrift war zittrig und stellenweise verschmiert, der Schreiber hatte geweint.

Liebe Geschwister!
Es tut mir leid, aber ich muss hier raus. Barby nehme ich mit mir. Wenn ihr das lest, sind wir schon lange weg. Sucht bitte nicht nach uns. In den letzten Wochen war alles so schlimm, mir ist klar geworden, dass Barby und ich hier weg mussten. Wir waren wie Vögel im Käfig, wir konnten nicht fliegen, wir wollten aber fliegen, wie die Adler, die der Morgensonne entgegenfliegen. Sonst wären wir eingegangen. Bitte verzeiht uns, aber wir werden an euch denken, da wo wir unsere Freiheit haben. We keep you in our hearts!
Much love,
Barby & Paddy

Kathy, Johnny, Patricia, Jimmy, Joey, Maite und Angelo waren sehr betroffen. Aber tief in ihrem Inneren wussten sie, dass Barby und Paddy glücklich waren.

In einem fernen Land stand ein junger Mann mit langen kastanienbraunen Haaren auf einer Straße in einem kleinen Ort und spielte auf seiner blauen Gitarre wunderschöne Lieder. Die blonde junge Frau neben ihm sang dazu, ihre Stimme hallte wunderschön durch die Straße. Dann fing sie so wunderschön an zu tanzen, und die Kinder, die um sie herum standen, klatschten begeistert. Sie sah sich nach dem jungen Mann um und ein Blick in seine Augen verriet ihr, dass er glücklich war und sie war es auch. Hier würden sie bleiben, sie wussten nicht wie lange, aber hier hatten sie ihre Freiheit wieder gefunden.


Dedicated to Barby and Paddy Kelly: Glaubt an eure Träume!

24.04.01


© Jutta (Danke schön!)


Bar Letter

Last update: 16/06/2001

(Online since: 16/06/2001)


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