Brenda my love
by Jutta Jutta.Scheidecker@gmx.de
|
Das erste Mal sah Paddy sie am Hafen. Er und seine Familie waren gerade in die Stadt gekommen. Übermütig war er mit der Wolfshündin Finbarr vom Hausboot gesprungen und am Pier entlang gerannt. Sie saß am Kai und fütterte die Enten. Paddy konnte gerade noch bremsen. "Puh, jetzt hätte ich dich beinahe überrannt", sagte er. Sie schien ihn zuerst nicht bemerkt zu haben, denn erst jetzt drehte sie sich um und sah ihm direkt in die Augen. Noch nie hatte Paddy so wunderschöne Augen gesehen. Sie waren braun und ihr sanfter Blick faszinierte ihn auf unglaubliche Weise. Lange sahen sie sich an, bis sie das Wort ergriff: "Ich hab dich gar nicht bemerkt. Wer bist du? Ich hab dich noch nie hier gesehen." "Ich heiße Michael Patrick, aber alle nennen mich Paddy. Und das ist meine Hündin Finbarr", stellte er sich und den irischen Wolfshund vor. "Mein Name ist Brenda. Woher kommst du?" 'Brenda, schöner Name' schoss es Paddy durch den Kopf. Er setzte sich zu ihr und die beiden redeten über zwei Stunden miteinander. Paddy konnte seinen Blick kaum von ihr wenden. Dann musste Brenda nach Hause, aber sie verabredeten sich für den nächsten Tag an der selben Stelle. Als Paddy aufs Boot zurückkam, ging er gleich zu Barby. "Sag mal Barby, was ist, wenn man mit jemandem zusammen ist und die ganze Zeit so ein komisches Kribbeln im Bauch hat und man diese Person immer angucken muss?" Barby sah ihn lange an, bevor sie antwortete: "Du bist verliebt, Paddy!" Paddy sah sie verwundert an. "Ja Paddy, das ist verliebt sein. Ein schönes Gefühl oder?" Paddy nickte. Dann ging er an Deck und setzte sich auf die Reling. "Ist das Liebe?", fragte er sich, aber er wusste, dass Barby in solchen Dingen immer Recht hatte. Paddy und Brenda trafen sich fast jeden Tag, fütterten die Enten gingen Eisessen oder auf Flohmärkte. Paddy nahm sie oft zu den Straßenkonzerten mit. Brenda wusste, dass die Musik ihm viel bedeutete. Paddy verliebte sich immer mehr in Brenda, aber er traute sich nicht, es ihr zu sagen, zu groß war die Angst, abgewiesen zu werden. Barby merkte es: "Hör auf dein Herz, Paddy. Sag es ihr, du wirst froh darüber sein, glaub mir." "Und wie soll ich es ihr sagen?" "Dein Problem", sagte Barby und grinste. Paddy sah sie hilflos an. Barby nahm ihn in den Arm und meinte: "Du kennst doch den kleinen Hügel draußen an der Bucht. Dahin gehst du mit ihr, wenn's dunkel wird und die ersten Sterne funkeln. Und da sagst du's ihr." "Meinst du, das klappt", fragte Paddy unsicher. "Es gefällt ihr sicher." "Danke für deine Hilfe, Barby!" "Gern geschehen." Als Paddy und Brenda sich an einem der nächsten Tage trafen, fragte Paddy: "Hast du heute Abend Zeit?" "Ja, warum?" "Ich möchte dir gern was zeigen. Treffen wir uns heute Abend hier?" "Okay. Aber dann muss ich jetzt nach Hause und fragen, ob ich darf." "Gut. Bis dann, Brenda!" "Tschüs, Paddy!" Während sie am Kai entlang nach Hause ging, sah Paddy ihr total verliebt hinterher. Ihre langen, kastanienbraunen Haare wehten im Wind und Paddy konnte es kaum erwarten, bis es Abend war. Später ging er noch schnell mit Finbarr auf den Markt und kaufte Brenda eine rote Rose. Am Abend war er total zappelig, bis er sich endlich auf den Weg machte. Schon vom Boot aus sah er Brenda, wie sie die Treppe zum Hafen hinunter ging. Als sie sich gegenüberstanden... "Schön, dass du kommen konntest", sagte Paddy. "Zum Glück hat es mir meine Mum erlaubt", antwortete Brenda. "Komm mit. Ich zeig dir jetzt das, was ich vorhin gemeint habe." Schweigend gingen sie den Weg zum Hügel entlang. Nach einigen Minuten suchte Paddys Hand die von Brenda. Er war überglücklich, als er spürte, wie ihre Hand seine drückte. Die beiden waren total glücklich miteinander, Paddy wollte nie mehr ohne sie sein. Aber als Kathy eines abends beim Essen sagte, dass sie Ende dieser Woche Amsterdam verlassen würden, um weiter ihren Traum zu verwirklichen, zerbrach etwas in ihm. Er sprang auf und rannte zu dem Hügel, um Brendas und seinen Glücksstern anzusehen, Finbarr hinterher. Paddy setzte sich ins Gras und schluchzte in Finbarrs dichtes Fell. "Was soll ich denn ohne sie tun, Finbarr? Ich liebe sie doch, ich kann doch nicht so einfach gehen." Die Hündin spürte, dass Paddy traurig war und schmiegte sich tröstend an ihn. Nachdem Paddy sich beruhigt hatte, ging er zurück. Barby wartete schon auf ihn. "Paddy, ich..." Aber Paddy schenkte ihr keinen Blick und ging in seine und Angelos Kajüte. Zum Glück war Angelo gerade nicht da, den Kleinen hätte er jetzt echt nicht brauchen können. Er nahm seine Gitarre und spielte irgendwas, bis ihm eine Melodie in den Kopf ging. Er spielte weiter und irgendwann begann er zu singen, ohne Nachzudenken. Später schrieb er alles auf. Am nächsten Tag fand Barby ihren kleinen Bruder im Aufnahmeraum. "Paddy, wach auf", sagte sie sanft. Langsam erwachte Paddy. "Ich bleib hier!", sagte er trotzig. "Ach, Paddy, es tut mir so leid für dich, aber du kannst doch nicht alleine hier bleiben." "Was soll ich denn ohne Brenda machen? Ich liebe sie doch!" "Ach Paddy, ich versteh dich ja, aber weißt du, wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man auch einige Opfer dafür bringen." "Aber nicht Brenda. Ohne sie ist mein Leben sinnlos." "Jetzt mach aber mal 'nen Punkt! Die Musik ist doch dein Leben, Paddy!" "Sie war mein Leben. Brenda ist mein Leben!" "Paddy, wenn du ihr den Abschied leicht machen willst, dann geh gleich zu ihr und sag es ihr. Das macht es leichter für euch beide." Am Samstagvormittag trafen sich sie beiden noch mal auf dem Hügel. Paddy hatte seine Gitarre dabei. "Ich hab ein Lied für dich geschrieben", sagte er und fing an zu spielen. Brenda war total gerührt und wischte sich ein paar Tränen weg. "Paddy, es ist wunderschön!" "Es heißt 'Brenda my love'. Damit du mich nicht vergisst", sagte er und gab ihr die Kassette, die er für sie aufgenommen hatte. "Danke, Paddy! Ich hab auch was für dich. Hier!" Sie gab ihm eine kleine Schachtel. Paddy öffnete sie neugierig. Er fand ein schwarzes Lederarmband mit silbernen Mustern drauf. Auf der Innenseite befand sich eine kleine Gravour: 'I love you always and forever! Love Brenda'. Paddy war total begeistert. "Danke Brenda! Das ist echt lieb!" Die beiden küssten sich lange. "Ich muss gehen", sagte Paddy leise. Die beiden gingen zum Hausboot. "Wir werden uns wiedersehen, Paddy, irgendwann, glaub mir. Ich freu mich schon drauf." "Ich auch. Mach's gut. Ich liebe dich!" "Ich dich auch, Paddy!" Brenda und Paddy umarmten sich fest und küssten sich leidenschaftlich. "Ich werd dich nie vergessen", sagte Paddy leise. "Ich dich auch nicht, Paddy!" Sie küssten sich ein letztes Mal, bevor Paddy an Bord ging. Die anderen hatte das Boot schon auslauffertig gemacht. Joey ließ den Motor an. Langsam setzte sich das alte Boot in Bewegung. "Goodbye, Brenda my love ich werde dich niemals vergessen!", rief Paddy ihr zu. "Ich vergesse dich auch nicht, Paddy! Goodbye!" Langsam verließ das Hausboot den Hafen und fuhr aufs Meer hinaus. Brenda und Paddy winkten sich solange zu, bis sie sich nicht mehr sehen konnten. Mit den Jahren wurde die Kelly Family immer erfolgreicher. Als ihnen mit 'An Angel' und 'Over the hump' der endgültige Durchbruch gelang, war Brenda sich sicher, dass die Trennung richtig war. Das dachte Paddy auch, aber die vielen Mädchen, die hinter ihm her waren, machten ihm Angst. Er saß sich in den erfolgreichen Jahren im Goldenen Käfig und war völlig in sich gekehrt. Nach außen hin war er der Strahlemann, den sie alle sehen wollten, im Inneren schrie er. Als Brenda im Internet ein Foto von ihm sah, von zig Mädchen umringt, erschrak sie zutiefst. Das war nicht der Paddy, den sie kannte. Sie machte sich große Sorgen um ihn, aber sie wusste nicht, wie sie ihn erreichen sollte. Paddy fühlte sich einsam, er vermisste Brenda sehr. Das Lederarmband, das sie ihm schenkte, trug er immer bei sich. Auf dem letzten Loreley Konzert hatte er es auch getragen. Er hatte zwar eine Freundin gehabt, die er liebte, aber es war nicht dieselbe Liebe wie die, die er für Brenda empfand. Nur durch das Armband fühlte er sich mit ihr verbunden. Als Paddy im Frühjahr 2001 im Park von Gymnich spazieren ging und sich den Mond ansah, sah er ihn: Der helle Stern, Brendas und sein Glücksstern. Lange Zeit hatte er ihn nicht mehr gesehen, es musste Jahre her gewesen sein. Er sah Brenda, ihre braunen sanften Augen und ihr strahlendes Lächeln. Was wohl aus ihr geworden war? Paddy ging in sein Zimmer, stopfte ein paar Klamotten in einen Rucksack und nahm seine blaue Gitarre. Dann schnappte er sich den Autoschlüssel und fuhr los. Sein Weg führte nach Amsterdam. Er mietete ein Zimmer für die Nacht. Dedicated to Paddy: Ich wünsche dir, dass du eines Tages wieder glücklich bist, so wie früher. © Jutta (So schön...) |
Last update: 27/09/2001
(Online since: 06/06/2001)