Mrs. Speechless

by JoJo   KruemelchenJJ@aol.com

"10. großer Kölnmarathon für jung und alt", groß springt mir die Schlagzeile in der Zeitung entgegen. Nachdenklich kaue ich an meinem Brötchen, soll ich mitmachen? Ich habe schon mal für einen Marathon trainiert, aber seitdem ich umgezogen bin und arbeite komme ich nicht mehr dazu. "Na Maja, was denkst du, schaffen wir beide das?" Maja schaut mich aus ihren großen, blauen Babykulleraugen an und gluckst vor sich hin. Das nehme ich jetzt mal als Einverständnis. Ich blicke auf die Uhr und sehe, dass es Zeit ist Hannah zu wecken, sie soll ab heute wieder in den Kindergarten.
Zur Erklärung, ich heiße Rahel Schüler, bin 24Jahre alt und arbeite seit einem Jahr für das Jugendamt in Köln als Pflegemutter. Das heißt im Klartext: Ich bekomme regelmäßig Kinder zur Pflege, manche nur für eine Nacht, andere bleiben bis zu einem halben Jahr bei mir. Momentan leben Maja, zwei Monate und Katharina, vier Jahre bei mir. Nachmittags kommt noch Jacob zu uns, er ist neun Jahre alt und lebt eigentlich bei seinen Großeltern, da sie aber Probleme haben sich rund um die Uhr um ihn zu kümmern, kommt er nach der Schule zu mir, ich helfe ihm bei den Hausaufgaben und versuche einen möglichst normalen Tagesablauf für ihn zu gestalten.
"Hey Hannah, es ist Zeit für den Kindergarten." Sofort springt die Kleine aus dem Bett und rast Richtung Badezimmer. Waschen, Zähneputzen, heute geht auf einmal alles ganz schnell. "Was möchtest du heute anziehen Hannah?" Ratlos steht sie vor ihrem Kleiderschrank und weiß nicht genau, was sie anziehen soll. "Hannah, wie wär es mit dem hier?", frage ich und halte ein rotes Kleid hoch. Sie schüttelt energisch den Kopf und zieht schlussendlich eine blaue Jeans und ihren gelben Lieblingspulli hervor. Seitdem Hannah vor anderthalb Jahren miterlebt hat wie ihre Eltern bei einem Wohnungsbrand ums Leben gekommen sind, redet sie nicht mehr, das ist auch der Grund, warum sie hier ist. Sie ist eigentlich eine normale aufgeweckte Vierjährige und ein ganz süßes Mädchen, aber sie redet halt nicht und wacht Nachts immer wieder schreiend auf, deshalb wurde sie auch schon von drei potentiellen Adoptivfamilien einfach "zurückgegeben", was ihrer Entwicklung natürlich nicht gut getan hat. "Hannah, was hältst du von Nutellebrot?" Eifrig nickt die Kleine, dieses süße Zeug ist ihre absolute Leibspeise, leider bekommt sie es ihrer Meinung nach viel zu selten. Für das Kindergartenfrühstück gibt es dann doch die gesunde Variante, Mohrrüben, Äpfel und Schwarzbrot. Schnell noch Maja in ihren Kinderwagen packen und Hannah Schuhe und Jacke anziehen und dann kann es auch schon losgehen. Hannah hüpft fröhlich neben mir her, in solchen Momenten merkt man ihr gar nicht an, was für eine verletzte Seele in diesem kleinen Körper steckt. Zurück zu Hause wühle ich in meinem Kleiderschrank nach den alten Trainingsklamotten, irgendwo muss ich sie doch gelassen haben! Ganz hinten finde ich dann wirklich meine kleine Reisetasche mit den Schuhen und den Klamotten und da das Wetter heute einmalig schön ist beschließe ich gleich jetzt mit dem Training anzufangen. Na hoffentlich blamiere ich mich nicht vollkommen und muss schon nach hundert Metern entkräftet aufgeben. Maja schläft selig in ihrem Kinderwagen und bekommt von meiner Joggingaktion gar nichts mit. Es ist erstaunlich, wie viele Leute um diese Uhrzeit zum Joggen im Park sind, einen Augenblick denke ich daran zu kneifen und einfach wieder nach Hause zu gehen, doch dann siegt mein Ehrgeiz und ich fange langsam an zu laufen. Es klappt erstaunlich gut, obwohl ich seit gut einem Jahr aus dem Training bin, doch ziemlich schnell habe ich meinen Laufrhythmus wieder gefunden. Nach einer guten halben Stunde meldet, sich Maja, klar, die Kleine hat Hunger und so muss ich jetzt eine Pause einlegen, was mir aber eigentlich ganz recht ist. Mit ihren großen Augen schaut Maja mich an, sie scheint sich wohl zu wundern, dass sie heute draußen gefüttert wird. Seufzend denke ich daran, wie es wohl wäre ein eigenes Kind zu haben. Meine Arbeit gefällt mir zwar, aber trotzdem tut es jedes Mal weh, wenn die Kinder wieder gehen. Bei Hannah habe ich ja die Hoffnung, dass sie länger bleiben darf, da sie schwer zu vermitteln ist, aber auf ein Baby wie Maja warten jede Menge kinderloser Eltern. Ich lege sie zurück in ihren Wagen und jogge weiter, ich muss mich beeilen, denn bald kommt Jacob aus der Schule und Mittag muss auch noch gemacht werden. Zuhause lege ich Maja ins Bett und springe schnell unter die Dusche. Kaum bin ich fertig klingelt es an der Tür, das kann nur Jacob sein. Lachend wie immer kommt er in die Wohnung gestürzt und fängt sofort an von der Schule zu erzählen. Doch mitten im Satz stoppt er auf einmal und fragt: "Rahel, wo ist Hannah eigentlich?" "Hannah ist doch heute das erste Mal wieder im Kindergarten, hast du das vergessen? Wir müssen auch gleich los und sie abholen. Du brauchst also deine Schuhe nicht auszuziehen." Eine Stunde später, ich bin gerade beim Abwaschen, klingelt es an der Haustür. "Jacob, kannst du mal bitte aufmachen, ich hab grad nasse Hände." Kurz darauf höre ich: "Rahel, da ist ein Mann, der will dich sprechen!" "Moment, ich bin unterwegs!" Schnell trockne ich mir die Hände ab und gehe zur Haustür. "Ja bitte?" "Sind sie Rahel Schüler?" "Ähm, ja. Wieso?" "Ich habe ihr Portemonnaie im Park gefunden und wollte es vorbei bringen." Erstaunt bitte ich den Mann in den Flur, dass mein Portemonnaie fehlt habe ich gar nicht gemerkt. "Entschuldigung, es sieht momentan ein bisschen Wirr bei mir aus, kommen sie doch bitte mit in die Küche." Mit großen Augen blickt Hannah den fremden Mann an und verkriecht sich hinter mir. "Ähm, Jacob, mach du schon mal weiter Hausaufgabe, ich guck mir das nachher an." Murrend verzieht Jacob sich zurück an den Schreibtisch, er würde viel lieber in der Küche bleiben, um zu sehen, was weiter passiert. "Möchten sie was trinken?" "Gerne, ein Wasser, wenn sie haben." Schweigend fülle ich ihm ein Glas Wasser ein, auf einmal fragt er: "Sagen sie mal, sind das ihre eigenen Kinder?" "Gott bewahre nein! Die drei sind Pflegekinder und nur übergangsweise hier." In diesem Moment kommt Jacob in die Küche gestürzt. "Rahel, Rahel, wie schreibt man Terrasse?" "Schau im Wörterbuch nach, da steht das bestimmt.", lautet meine Antwort und Jacob zieht enttäuscht ab, jetzt hat er doch nichts Spannendes mitbekommen. "Ähm, wollen sie gar nicht nachschauen, ob noch alles im Portemonnaie drinnen ist?" Ich winke ab. "Außer meinen Papieren war nichts drinnen und die können sie ja wohl kaum gebrauchen." Ich gehe zum Küchenschrank und hole einen 20€ Schein. "Bitte sehr, ihr Finderlohn." Abwehrend hebt er die Hände. "Nein, das kann ich nicht annehmen. Viel lieber würd ich mit ihnen Essen gehen." Ich laufe dunkelrot an und frage verwirrt: "Wie bitte?" "Würden sie mit mir essen gehen?" Jetzt bin ich total durcheinander und bekomme keinen zusammenhängenden Satz mehr heraus. Zu meinem Glück meldet sich jetzt Hannah und verlangt lautstark nach ihrer Flasche. Fahrig mache ich mich daran die Flasche fertig zu machen und komme so erst einmal um eine Antwort herum. "Und, kommen sie jetzt mit?" Was will der Kerl von mir? Wieso will er unbedingt mit mir essen gehen? "Es tut mir leid, aber ich kann nicht. Ich habe zwei kleine Kinder und die kann und will ich nicht alleine lassen." Nachdenklich schaut er mich an und fragt dann: "Und wenn ich das Essen zu ihnen bringen würde? Was wäre dann?" Er ist echt hartnäckig, das gefällt mir und wieso eigentlich nicht? "OK, aber dann möchte ich auch gerne wissen, mit wem ich das Vergnügen habe." "Oh entschuldigen sie, ich hab mich noch gar nicht vorgestellt, ich bin Patrick und sollen wir nicht endlich mal das blöde sie weglassen?" Wir verabreden uns für den nächsten Abend um 20°°Uhr und schon ist er weg.
Am nächsten Abend laufe ich schon früh ziemlich verwirrt durch die Wohnung. Wann hatte ich mein letztes Date? Es ist bestimmt schon zwei Jahre her. Hannah bemerkt natürlich, dass heute einiges anders läuft als normal und wird unruhig. Dementsprechend schwierig ist es dann auch, sie ins Bett zu bekommen. Solange sie ihren ganz normalen Tagesablauf hat und alles läuft wie immer ist alles in Ordnung, aber an so Tagen wie heute ist sie ungenießbar. "Hannah, du kannst ruhig ins Bett gehen, ich bekomme heute Abend nur Besuch, es wird nichts passieren. Patrick kommt, den kennst du doch, der war gestern hier und hat mir mein Portemonnaie wiedergebracht." Doch nichts hilft, als es an der Tür klingelt, hüpft Hannah immer noch im Nachthemd durch die Wohnung. "Hi Patrick, komm rein, ich muss nur schnell Hannah einfangen, die will nicht ins Bett." "Das kann ich mir vorstellen, so einen netten Besuch wie mich will man ja nicht verpassen.", meint er grinsend. Na, am Selbstvertrauen scheint es ihm ja nicht zu mangeln. Bevor ich weiter hinter Hannah herjagen kann, hat er sie schon lange im Arm und redet leise auf sie ein. Schließlich nickt sie und geht anstandslos ins Bett. "Sag mal, wie hast du denn das gemacht?", frage ich erstaunt, denn eigentlich lässt sie keine Fremden an sich heran. "Naja, ich habe ihr versprochen, dass ich gleich noch bei ihr vorbeischaue und ihr eine Gutenachtgeschichte vorlese." Während Patrick bei Hannah im Zimmer ist, decke ich schon mal den Tisch, zum Glück ist das Wetter so warm, dass wir auf dem Balkon sitzen können. Doch kaum haben wir angefangen zu essen, höre ich ein lautes Schreien aus Hannah Zimmer. Schweißgebadet windet sich die Kleine in ihrem Bett und lässt sich kaum von mir beruhigen. "Pscht Hannah, es ist alles in Ordnung! Du bist nicht alleine." Ich halte sie im Arm und wiege sie langsam hin und her. Es dauert nicht lange, bis sie wieder eingeschlafen ist und ich kann zurück zu Patrick gehen. "Hat sie das öfters?", fragt er nach dem Essen. Seufzend nicke ich und beginne zu erklären. "Manchmal möchte ich am liebsten einfach nur mitheulen, dass eine kleine Seele so verletzt sein kann und vor allem weiß ich nicht, was ich tun kann, damit es ihr wieder besser geht. Aber sag mal, ich erzähle und erzähle und weiß von dir nichts außer deinem Namen." "Ähm, willst du wirklich mehr wissen?" Skeptisch blickt er mich an und ich kann mir kaum das Lachen verkneifen. "Was bist du? Ein vorbestrafter Mörder oder wieso willst du mir nicht sagen, was du bist?" "Musiker. Ich bin Musiker." "Na siehst, war doch gar nicht so schwer. Und sonst so? Hast du irgendwelche Hobbies? Was ist deine Lieblingsfarbe? Was isst du gerne? Wo möchtest du mal gerne Urlaub machen?" Nun muss auch Patrick lachen und beginnt zu erzählen. Als er irgendwann den Kölnmarathon erwähnt falle ich ihm dann doch ins Wort. "Wie, du machst auch beim Marathon mit? Dann können wir ja zusammen trainieren. Ist das dein erster Marathon?" Er schüttelt den Kopf. "Nee, ich bin schon ein paar gelaufen, mein Bruder hat mich mal mitgenommen und seitdem laufe ich öfter mal. Und bei dir?" "Frag nicht, das wird mein erster Marathon und mittlerweile bekomme ich doch weiche Knie." Die nächste Stunde vergeht mit einem Gespräch über die besten Trainingsmethoden, Laufschuhe und Laufstrecken. Irgendwann nach der zweiten Flasche Rotwein und einem Umzug ins Wohnzimmer beginne ich zu gähnen. "Sei mir nicht böse, aber ich muss ins Bett. Spätestens um sechs Uhr meldet Maja sich und Hannah macht auch keinen Unterschied zwischen Wochenende und Kindergartentag. Willst du noch nach Hause oder möchtest du hier pennen?" "Ähm, wenn das geht bleibe ich gerne hier, ich glaub nämlich, dass ich mich nicht mehr ins Auto setzen sollte." "Wenn es dir nichts ausmacht kannst du bei Maja im Zimmer schlafen, da ist ein Bett frei." Todmüde falle ich ins Bett und schlafe sofort ein. Als ich das nächste Mal auf den Wecker blicke ist es acht Uhr. Erschrocken setze ich mich auf. Acht Uhr und weder Maja noch Hannah hat sich bis jetzt gemeldet, irgendwas kann da nicht stimmen. Schnell springe ich aus dem Bett und laufe in die Küche, hier sitzen Hannah und Patrick am Tisch und frühstücken, Maja schläft selig auf Patricks Arm und ich muss zweimal hinschauen, um zu begreifen, dass das Realität ist, was ich sehe. Hannah und Patrick scheinen mich gar nicht zu bemerken, so vertieft sind sie in ihr Gespräch. Patrick hat sich grade zu ihr rübergebeugt und flüstert ihr etwas ins Ohr. Und dann passiert etwas, womit ich im Traum nicht gerechnet hätte, Hannah beginnt zu kichern und steigert sich in ein herzhaftes, lautes Lachen hinein. Was macht der Kerl nur mit ihr, dass sie auf einmal wieder lachen kann? Egal was, er soll bloß weitermachen, ich kann mich nicht daran erinnern Hannah je so entspannt gesehen zu haben. "Oh, guten Morgen Rahel! Ich habe mir schon mal erlaubt die beiden Prinzessinnen hier zum Frühstück einzuladen." Schon wieder beginnt Hannah zu kichern und verschluckt sich fast an ihrem Kakao. "Hey Hannah, heute gar kein Nutella auf deinem Brötchen?" Energisch schüttelt die Kleine ihren Kopf und zeigt auf Patrick. "Ich hab ihr erklärt, was Karius und Baktus in ihrem Mund anrichten, wenn sie jeden Tag Nutella isst und wir haben abgemacht, dass es jetzt nur noch sonntags Nutella gibt." Ich kann nur immer wieder ungläubig den Kopf schütteln, es ist einfach unglaublich, was in den letzten Stunden mit Hannah passiert ist. "So meine Prinzessin, ich muss wieder nach Hause, aber was haltet ihr davon, wenn wir morgen alle zusammen in den Zoo gehen?" Eifrig nickt Hannah, nimmt Patrick noch einmal in den Arm und lässt ihn dann anstandslos gehen.
Am nächsten Nachmittag hüpft Hannah unruhig an meiner Hand auf und ab und hält nach Patrick Ausschau. Als sie ihn endlich sieht, ist sie nicht mehr zu halten und rennt auf ihn zu. Er nimmt sie in den Arm und wirbelt sie herum, dann stellt er sie vorsichtig auf den Boden und meint: "Hallo meine Prinzessin! Bereit für einen Ausflug in den Zoo?" Heftig nickt sie und zieht ihn Richtung Eingang. Ich komme kaum mit Maja hinterher und sehe die Beiden eigentlich nur von hinten. Und dann passiert etwas, mit dem weder Patrick noch ich gerechnet haben. Als in einiger Entfernung ein Elefant vorbeigeht ruft Hannah auf einmal: "Patrick schau mal, da ist ein Elefant!" Mit offenem Mund bleibe ich stehen und kann gar nicht glauben, was da gerade passiert ist. Auch Patrick hält einige Minuten inne, doch dann rennt er hinter Hannah her, damit sie nicht verloren geht. "Wahnsinn!", mehr bekomme ich in diesem Moment nicht über die Lippen.
In den nächsten Wochen blüht Hannah richtig auf, aus der verstörten, stummen Vierjährigen ist mittlerweile ein quirliges Kind geworden, dessen kleines Plappermaul kaum noch still steht. Sie liebt Patrick so abgöttisch, dass ich mir schon fast wieder Sorgen mache. Was passiert, wenn eine Pflegefamilie für sie gefunden wird? Ich mag es mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn sie irgendwann von Patrick und mir getrennt wird. Genau, von Patrick und mir! In der letzten Zeit haben wir unheimlich viel Zeit miteinander verbracht, erst unter dem Vorwand für den Marathon zu trainieren und danach einfach nur so. Ach ja der Marathon, ich habe es wirklich geschafft, ich bin meinen ersten Marathon gelaufen und muss sagen, ein absolut geniales Erlebnis, das nach Wiederholung schreit.
Einen Tag im September ist es dann soweit, ein Brief vom Jugendamt liegt zwischen der Post, er sieht ziemlich wichtig aus und kann eigentlich nichts Gutes bedeuten. Und wie ich es geahnt hatte, es die Benachrichtigung, dass Hannah wieder auf die Vermittlungsliste gesetzt worden ist und ich mich darauf einzustellen habe, dass in nächster Zeit eine geeignete Adoptivfamilie gefunden wird. Mir rollen die Tränen übers Gesicht, es war schon schwer, Maja wieder abzugeben, aber Hannah haben Patrick und ich mittlerweile so ins Herz geschlossen, als wäre sie unsere eigene Tochter. "Hey Rahel, was ist los?", fragt Patrick, als er in die Küche kommt. Stumm halte ich ihm den Brief unter die Nase und fassungslos liest er die Nachricht. Ungläubig schüttelt er den Kopf, macht auf der Stelle kehrt und verschwindet aus der Haustür. Klar, Hannah ist seine kleine Prinzessin und ich kann verstehen, wenn ihm das jetzt weh tut, aber was ist mit mir? Hätte er mich nicht einfach kurz in den Arm nehmen können? Einfach nur um zu zeigen, dass er da ist? Bin ich ihm denn gar nicht wichtig? Ist er nur wegen Hannah bei mir? Liebt er nur Hannah und nicht mich? All diese Gedanken spuken mir durch den Kopf und ich bin so verzweifelt, dass ich die Haustür, die aufgeschlossen wird, gar nicht wahrnehme. Es ist Patrick, der freudestrahlend in die Küche gestürmt kommt. Ungläubig blicke ich ihn an und verstehe jetzt gar nichts mehr. Wie kann er in so einer Situation so gut gelaunt sein? Bevor ich noch die Chance bekomme, nachzufragen nimmt er mich in den Arm und meint: "Wir dürfen sie hier behalten!!! Wenn wir möchten dürfen wir Hannah hier behalten. Erst als Pflegekind und wenn wir heiraten können wir sie adoptieren. Wie findest du das?" Mir bleibt vor Staunen der Mund offen stehen. "Sie darf wirklich hier bleiben? Hier bei uns? Ganz wirklich?" Er nickt und ich umarme ihn heftig. Hannah, die jetzt auch in die Küche kommt, blickt verwirrt zwischen uns beiden hin und her und möchte wissen, was los ist. "Hannah, hast du Lust bei Patrick und mir zu bleiben? Für immer?" Mit großen, leuchtenden Augen nickt sie und springt in Patricks Arme. Einen Moment blicke ich die Beiden an, dann nehme ich sie in den Arm und gebe beiden einen langen Kuss.


© JoJo

Diese Story hat beim Story-Contest Mai/Juni 2004 mitgemacht.


Diese Story ist mit folgendem Award ausgezeichnet:

Story-Award Mai/Juni 2004 JoJo


Bar Letter

Last update: 01/07/2004

(Online since: 01/07/2004)


Zurück zur Storypage

Back to the Storypage