Don't be so unhappy

by JoJo   KruemelchenJJ@aol.com


Weinend packe ich meine letzten Klamotten in meine Reisetasche und blicke mich unsicher in der kleinen Wohnung um. Es ist vorbei, es ist aus! Der schönste Traum meines Lebens einfach zerplatzt, wie eine Seifenblase. Ich hätte von Anfang an wissen müssen, dass das nicht gut gehen kann. Jeder hat es gewusst. Eine taube Frau kann nicht mit einem Vollblutmusiker zusammen sein! Das geht einfach nicht. Wir leben in zwei verschiedenen Welten in die der jeweils andere nicht hineindringen kann. Und dabei hatte alles so schön angefangen, damals, vor zwei Jahren in dem kleinen Café in der Kölner Innenstadt. Ich hatte, wie so oft, an dem kleinen Tisch in der Ecke gesessen und in meinem Buch gelesen, als auf einmal ein junger Mann ins Café gestürmt kam und meinen Tee vom Tisch gefegt hatte. Ich war so in mein Buch vertieft gewesen, dass ich davon gar nichts mitbekam, erst als er mir auf die Schulter tippte, habe ich ihn angeschaut. Noch heute kann ich mich an seinen erschrockenen Gesichtsausdruck und die wilden Gesten erinnern. Er schien schon eine zeitlang auf mich eingeredet zu haben, denn er sah ziemlich verzweifelt aus. Er fing wieder an etwas zu reden und ich zeigte ihm an, langsamer zu sprechen, so dass ich zumindestens wusste, dass er sich für seine Ungeschicklichkeit entschuldigen wollte. Noch heute muss ich bei dem Gedanken an unser erstes Aufeinandertreffen lächeln. Doch sofort bilden sich wieder Falten auf meiner Stirn, es hätte alles so schön sein können, wenn da nicht dieses kleine Problem gewesen wäre. Ja, Problem, so hat meine Mutter es immer genannt. Für sie war ich einfach nur ein Problem, eine einzige Belastung und vor allem war ich eins: Anders als andere Kinder! Patrick war das egal, jedenfalls hat er das immer behauptet und trotzdem habe ich immer gewusst, dass es ihm nicht egal sein kann. Er liebt seine Musik, er kann nicht ohne sie leben, aber ich, ich habe nie Zutritt zu dieser Welt gefunden. Noten sind für mich kleine Zeichen auf Papier, nicht mehr und nicht weniger, sie haben keinerlei Bedeutung für mich, ich kann sie mit nichts verbinden. Wenn er mir mit leuchtenden Augen von einem neuen Lied, einer neuen Melodie erzählt, dann kann ich zwar lächeln und mit dem Kopf nicken, aber ich habe keine Ahnung, wovon er redet. Musik bedeutet mir nichts, weil ich sie nicht hören kann! Klar, er hat sich immer Mühe gegeben, hat versucht, in meine Welt zu gelangen, er hat die Gebärdensprache gelernt, um sich mit mir verständigen zu können und hat sich Videos mit Untertitel angeschaut, anstatt ins Kino zu gehen, aber das kann nicht ewig so gehen. Ich liebe ihn, da besteht kein Zweifel, ich liebe ihn mehr als alles andere auf dieser Welt und deswegen muss ich jetzt gehen. Ich muss jetzt gehen, wo ich noch die Kraft dazu besitze. Ich werde sein Leben so plötzlich verlassen, wie ich es betreten habe und es wird für uns beide besser sein. Er wird eine Freundin finden, die hören kann, die die Freude an der Musik mit ihm teilt. Die versteht, was er mit seinen Liedern ausdrücken will.
Erschrocken zucke ich zusammen, als das Türlicht anspringt. Zweimal kurz, zweimal lang, Patrick ist zurück, viel zu früh! Was soll ich nun machen? Er wird mich nie gehen lassen, er wird mich bitten zu bleiben, wird mich anflehen ihn nicht zu verlassen. Ich schließe die Reisetasche und gehe in die Küche. Lachend kommt Patrick in die Küche, nimmt mich in den Arm und wirbelt mich herum. >Hallo, wie geht es dir?< gebärdet er und gibt mir einen Kuss auf den Mund. Gezwungen lächele ich und bedeute ihm, sich zu setzen. Verwirrt blickt er mich an und will etwas erwidern, doch ich schüttele den Kopf. Hastig gebärde ich, was ich loswerden will, doch anscheinend bin ich zu schnell, denn er blickt mich nur fragend an. Also noch einmal! >Patrick, es klappt nicht mit uns beiden! Wir sind einfach zu verschieden! Wir leben in zwei Welten und ich kann einfach nicht mehr deine Freundin sein! Es geht einfach nicht mehr!< Er schaut mich total entgeistert an. "Was ist das für ein Quatsch, den du mir da erzählst? Das ist doch Bockmist!" Er weiß ganz genau, dass ich von seinen Lippen ablesen kann und so versuche ich erst gar nicht mich dumm zu stellen. Er kniet sich vor mir hin und schaut mir direkt in meine Augen. Ich muss zur Seite blicken, ich kann das einfach nicht. Da ist auf einmal so viel Schmerz, soviel Trauer und Unverständnis in seinem Gesicht. >Ich liebe dich!< Die erste Gebärde, die er konnte und eine, die alles sagt. Mir laufen mittlerweile die Tränen übers Gesicht, aber ich weiß, dass ich nicht anders kann. Ich muss gehen, ich kann ihm das nicht antun! Ich stehe auf und gehe ins Schlafzimmer um meine Tasche zu holen. "Du meinst es ernst?" Ich nicke. "Kann ich dich irgendwie umstimmen?" Kopfschütteln. Ich nehme die Tasche und drücke im einen Zettel in die Hand. Als die Tür hinter mir zufällt, faltet Patrick das Platt Papier auf und liest:

Sadly
That's how you’re feeling
I'm Sorry
My heart was deceiving
I want you to know
My time had its reason

Long before my love was gone
I felt it doesn't turn out wrong

Don't be so unhappy
Life has just begun
Don't be so unhappy
In wars that can't be won


© JoJo (Danke schön!)


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Last update: 24/04/2004

(Online since: 24/04/2004)

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