Langsam gehe ich den Strand entlang und atme tief die irische Seeluft ein. Diese Ruhe ist einfach unbeschreiblich. Doch leider habe ich mich zu früh gefreut, denn in diesem Augenblick klingelt mein Handy: "Hi Josephine, here is Fiona. Can you come home as soon as possible please? Helen is crying all the time and I don't know, what's wrong with her!" Ich seufze, das war es also mit meiner Freiheit. "I'll be back in ten minutes. Bye Fiona." Ich drehe mich um und renne zurück zum Ferienhaus. Ja, eigentlich bin ich hier um Urlaub zu machen, ein Geschenk meiner Eltern zum bestandenen Schulabschluss. Der ist allerdings auch schon zwei Jahre her. Aber nun mal ganz von vorne. Mein Name ist Josephine Schneider, ich bin 17 Jahre alt und eigentlich wohne ich in Berlin. Bis hier hin hört sich das ja noch alles ziemlich normal an, was nicht so ganz in dieses ziemlich normale Leben passt ist jetzt fünf Monate alt und heißt Helen-Elina. Meine kleine Tochter, die mein Leben in den letzten paar Monaten völlig umgekrempelt hat. Nichts ist mehr so, wie es war und nichts mehr läuft seinen gewohnten Gang. Ich habe keine ruhige Minute mehr und von meinen eigentlichen Freunden habe ich auch schon ewig nichts mehr gehört. Verbissen renne ich weiter und überlege, was jetzt schon wieder sein könnte. Ich hatte mich so auf einen freien Nachmittag gefreut und extra einen Babysitter engagiert um endlich mal meine Ruhe zu haben. Aber es hat wohl nicht sollen sein. Jetzt fängt es auch noch an zu regnen und zwar nicht nur zu nieseln, nein, es schüttet wie aus Eimern. Kurz bevor ich das Haus erreiche, sehe ich eine Gestalt, die wohl genauso wie ich vom Regen überrascht worden ist. Verzweifelt versucht derjenige sich unter einem Baum unterzustellen, aber das ist bei diesem Regenguss leider vergeblich. Das kann man ja gar nicht mit ansehen, also renn ich schnell hin und frage: "Hi, can I help you?" Es ist ein junger Mann, vielleicht Anfang Zwanzig. "Can you stop the rain'? That would help a lot!", er grinst und schüttelt seine nassen Harre. "Oh, I think that's too difficult, but I've got a warm room and a cup of tea for you.", meine ich lachend. Er nickt und kurz darauf stehen wir endlich im warmen Flur. "Come in, but I've got something to do. I'm sorry. I'll be back in some minutes." Schnell verschwind ich ins Bad, hole zwei Handtücher, werfe meinem Begleiter eines zu und mache mich auf den Weg ins Kinderzimmer. Fiona sitzt total verzweifelt mit Helen im Schaukelstuhl und versucht vergeblich, sie zu beruhigen. Ich nehme Helen auf den Arm, schaukele sie hin und her uns summe ihr Lieblingslied. Sofort wird sie ruhiger und nach kurzer Zeit schläft sie wieder friedlich. Aber da es jetzt draußen sowieso regnet und es sowieso bald Essenszeit für Helen ist, schicke ich Fiona nach Hause, sage ihr aber, dass sie am nächsten Tag wieder kommen kann. Erleichtert atmet sie auf, in diesem kleinen Kaff ist es für eine 16jährige wirklich nicht leicht, einen Job zu finden. Als Helen wieder in ihrem Bett liegt ziehe ich mir schnell trockene Klamotten an und gehe zurück ins Wohnzimmer, wo mein Begleiter immer noch tropfend auf mich wartet. "Wait a moment, I've got some new cloth for you." Ich hole eine Jogginghose und einen dicken Pullover und zeige ihm das Bad. Als er trocken und umgezogen wieder raus kommt ist der Tee schon fertig und wir setzten uns in die große, gemütliche Küche. You're not from here?", fragt er mich. Ich schüttele den kopf und meine: "I'm from Germany." "Hey, Deutschland, das ist ja klasse. Ich lebe die meiste Zeit des Jahres auch dort." Wir müssen beide lachen, was für ein Zufall! Doch leider komme ich nicht dazu, noch etwas zu sagen, denn in diesem Moment meldet sich Helen lautstark und verlangt ihr Essen. Zum Glück hatte ich heute Mittag ein Fläschen fertig gemacht, damit Fiona sie hätte füttern können, so kann ich sie in der Küche füttern und muss mich nicht zum stillen ins Kinderzimmer verziehen. Als ich mit dem kleinen Baby auf dem Arm wieder in die Küche komme, bemerke ich sofort den erstaunten Blick. "Das ist Helen-Elina, meine kleine Tochter.", stelle ich Helen vor. "Oh, hallo Helen-Elina. Und wenn ich mal fragen darf, wie heißt deine Mama?" Jetzt erst wird mir bewusst, dass wir beide voneinander nichts wissen. Eigentlich ist es ja nicht meine Art, einfach fremde Männer mit nach Hause zu bringen, aber er war mir einfach symphatisch und irgendwie kommt er mir auch bekannt vor. "Oh, sorry, ich heiße Josephine Schneider. Und mit wem habe ich das Vergnügen?" "Patrick. Patrick Kelly!" Einen Moment stutze ich. Ja klar, jetzt weiß ich woher ich ihn kenne. Paddy Kelly. Das ist ja der helle Wahnsinn! Er muss wohl meinen erstaunten Blick bemerkt haben, denn er meint: "Ja, da staunst du, der tolle Paddy Kelly sitzt in deiner Küche. Bist du jetzt stolz?" Ich bin von der Bitterkeit in seiner Stimme richtig erschrocken, was ist denn nun auf einmal los? Aber bevor ich noch weiter darüber nachdenken kann, ist er schon wieder völlig normal. "Darf man mal fragen wie alt du bist? Ich meine, du siehst ziemlich jung aus." "Ich bin gerade 17 geworden. Aber bevor jetzt irgendwelche doofen Sprüche kommen, ich bin durchaus in der Lage, ein Kind zu erziehen." Zu oft habe ich in letzter Zeit zu hören bekommen, dass man mit 17 Jahren nicht in der Lage sei, ein Kind zu erziehen, aber das ist einfach lächerlich. "Ich sage ja schon gar nichts. Du musst ja nicht gleich so aggressiv reagieren. Ich finde es ja toll, wenn sich Jugendlich auf so eine schwierige Situation einlassen. Ich denke mal, es ist nicht immer einfach für dich, habe ich Recht?" Ich schüttele den Kopf, da hat er wirklich Recht. "Naja, meine Freunde haben auf einmal alle keine Zeit mehr für mich, ist ja auch irgendwo verständlich, denn mit dem Baby bin ich halt nicht mehr so flexibel. Aber das größte Problem ist immer noch das liebe Geld. Aber sobald Helen mich anlächelt, ist das alles vergessen." Er nickt und rührt nachdenklich in seiner Teetassen herum. "Ich glaube, ich gehe dann mal jetzt. Es regnet nicht mehr und meine Schwester macht sich bestimmt schon Sorgen. Wie sieht's aus, hast du vielleicht Lust, morgen Nachmittag bei mir vorbeizuschauen? Du kannst Helen-Elina auch ruhig mitnehmen. Aber nur wenn du möchtest." Und ob ich möchte, ich bin für jede Abwechslung dankbar und so verabrede ich mich mit Patrick für den nächsten Nachmittag. Als Patrick weg ist, sitze ich in der Küche und kann immer noch nicht fassen, was da heute Nachmittag passiert ist.
Am nächsten Nachmittag packe ich Helen warm ein, lege sie in ihren Kinderwagen und mache mich auf den Weg zu der Adresse, die mir Patrick gegeben hat. Auf mein Klingeln hin öffnet mir Patricia die Tür. "Hi, ihr müsst Josephine und Helen sein, kommt rein, Patrick wartet schon!" Und wieder einmal wundere ich mich, wie selbstverständlich hier mit der Tatsache umgegangen wird, das ich eine minderjährige, allein erziehende Mutter bin. Patrick wartet wirklich schon auf mich, es ist gerade 17°°Uhr, "Teatime". Da Helen noch schläft können wir uns ungestört unterhalten und ich erfahre viel von dem was hinter den Kulissen der heilen Familie so geschieht. Als das Gespräch auf das Thema Konzerte und Fans kommt, wird er auf einmal ganz ruhig. "Naja, im Moment ist mir das alles viel zu viel. Die Fans werden immer verrückter, manchmal denke ich, dass sie nicht wissen, was sie tun. Sie lassen einem keine Ruhe mehr und ein Privatleben habe ich schon lange nicht mehr. Meine letzte Freundin haben sie vergrault und ich weiß wirklich nicht mehr, wann ich das letzte Mal in Ruhe einkaufen war. Es ist mir einfach alles über den Kopf gewachsen und so habe ich mich für einige Zeit nach Irland abgesetzt. Und was hat dich hierher verschlagen?" Und so erzähle ich ihm die ganze Geschichte, von meinen Eltern die mir die Irlandreise zu meinem bestandenen Schulabschluss geschenkt hatten, meinem Freund, der sich aus dem Staub gemacht hat, nachdem er erfahren hat, das ich schwanger bin und das ich hier bin, um etwas Ruhe und Erholung zu finden. "Also ähnlich, wie bei dir. Ich musste da mal einfach raus. Meine Eltern sind mit der ganzen Situation überfordert und ich will so bald wie möglich bei ihnen ausziehen." Mittlerweile hat sich auch Patricia dazu gesetzt und will ganz genau wissen, wie es so ist mit einem Baby und wie man das so schafft und ob die Geburt sehr schmerzhaft war. Erstaunt gucke ich sie an und mein nächster Blick wandert gleich auf ihren Bauch. Vorsichtig nickt sie, legt aber sofort den Finger auf den Mund und schüttelt vorsichtig den Kopf. Patrick hat davon nichts mitbekommen, denn er ist voll und ganz mit Helen beschäftigt, die in ihrem Wagen liegt und vor sich hin kräht. "Wenn du möchtest, kannst du sie auf den Arm nehmen, dann freut sie sich." Als er Helen auf dem Arm hat und sie ihn anlächelt, guckt er stolz in die Runde und meint: "Ich glaube, sie mag mich!" "Patrick der geborene Vater. So ein Kind steht dir, du musst dir auch mal eins zulegen."; sagt Patricia und lächelt mich verschwörerisch an. Was das zu bedeuten hat bekomme ich jetzt nicht mehr raus, denn nun meldet sich Helen lautstark und verlangt ihr Essen. Während ich sie füttere fragt Patricia: "Elina ist ein hübscher Name, hat der eine besondere Bedeutung?" "Elina ist walisisch und heißt Engel. Meine Eltern waren erst ziemlich entsetzt, dass ich meinem Kind einen so außergewöhnlichen Namen gebe. Etwas Einfaches wie Julia oder Christina wäre ihnen lieber gewesen." Patricia will wissen, woher ich diesen doch etwas ungewöhnlichen Namen habe und ich erzähle ihr von einem richtig tollen Namensbuch. Wir beide sind so in unser Gespräch über Namen, die beste Ernährung und die sanftesten Geburtsmethoden vertieft, dass wir gar nicht merken, dass Patrick die Küche verlassen hat. Als Helen frisch gewickelt wieder eingeschlummert ist, schickt mich Patricia auf einen Spaziergang mit Patrick. Sie würde schon auf Helen aufpassen und wenn wirklich was wäre, hätte sie ja meine Handynummer. Nur zu gerne lasse ich mich von ihr zu diesem Spaziergang überreden, denn obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte in nächster Zeit dir Finger von Männern zu lassen, lässt sich ein leichtes Kribbeln in der Magengegend nicht verleugnen. Schweigend gehen wir beide am Strand entlang. Lange Zeit sagt keiner von uns ein Wort, es ist, als wenn wir uns beide nicht trauen würden, etwas zu sagen, um diese besondere Stimmung nicht zu zerstören. Nach einiger Zeit beginnt Patrick dann doch ein Gespräch und fragt, wie lange ich noch in Irland bin. Als er hört, dass ich nur noch drei Tage hier sein werde guckt er ziemlich traurig und fragt, ob ich nicht Lust hätte, noch etwas länger zu bleiben. Ich verneine, denn schließlich warten zu Hause meine Eltern auf mich und sie wären wahrscheinlich nicht sehr erfreut, wenn ich bei einem wildfremden Mann bleiben würde. "Tja, da kann man wohl nichts machen, aber ich bin auch bald wieder in Deutschland, dann müssen wir uns mal treffen. Ok?" Klar möchte ich das, nur zu gerne. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile über alle möglichen Themen und bemerken ziemlich schnell, dass wir auf einer Welle schwimmen. Erst als es langsam dunkel wird, machen wir uns auf den Weg zurück. Helen schlummert immer noch friedlich, was mich echt erstaunt, denn bei Fiona war sie kaum länger als eine Stunde ruhig. Aber Patricia strahlt auch eine unheimliche Ruhe aus. Bevor ich gehe, gibt Patrick mir noch seine Handynummer und ich lade ihn für den nächsten Tag zum Frühstück ein.
Ein paar Wochen später, ist meine ganze Urlaubsstimmung schon wieder verflogen. Meine Eltern machen mittlerweile richtig Stress und ich will nur noch von zu Hause weg. Aber wohin ohne Geld, ohne Ausbildung, dafür aber mit Kind? Es ist mal wieder einer solcher Tage, an dem ich am verzweifeln bin. Helen-Elina schreit und schreit und ich bekomme sie nicht beruhigt, meine Mutter ist genervt und schreit nur noch rum, ich solle sie endlich ruhig stellen. Leichter gesagt, als getan, nichts hilft. Und in diesem ganzen Chaos klingelt mein Handy. "Ja, Josephine Schneider." "Hi Josephine, hier ist Partrick. Wie geht's?" Ich seufze und erzähle, was hier zu Hause los ist. "Oh man, das hört sich ja echt schlimm an. Wenn ich dir irgendwie helfen kann, musst du bescheid sagen." "Hast du zufälligerweise ne' Bleibe für mich und Helen", meine ich. Eigentlich war diese Bemerkung als Scherz gemeint, umso erstaunter bin ich über Patricks Antwort. "Klar, meine Wohnung ist groß genug, ihr könnt jederzeit vorbei kommen. In nächster Zeit stehen sowieso keine Konzerte an, sag nur bescheid, wann ihr hier seid, damit mein Kühlschrank voll ist." Jetzt bin ich baff. Das Angebot hört sich wirklich verlockend an. Wieso eigentlich nicht, ein bisschen Abstand würde meinen Eltern und mir wirklich gut tun. Vielleicht beruhigt sich Helen dann ja auch wieder etwas. Also überlege ich nicht mehr lange, sondern sage Patrick, dass ich den nächsten Zug nehme um zu ihm zu kommen. Er verspricht mich am Bahnhof abzuholen und so bin ich kurz darauf dabei, Helens und meine Klamotten einzupacken. Als meine Mutter mich beim Packen entdeckt ist sie natürlich ziemlich wütend und will wissen, was ich vorhabe. Als ich ihr erzähle, dass ich für einige Zeit zu einem guten Freund gehen werde, rastet sie total aus. Sie schreit mich an und fragt immer wieder, ob ich immer noch so naiv sei, wie im letzten Jahr, ob mir ein Kind nicht reichen würde und ob mir die Erfahrungen mit Oliver meinem Ex nicht reichen würden. Jetzt bin ich mir endgültig sicher, dass es das Beste ist für eine Weile zu gehen und so packe ich Helen in den Kinderwagen, schnappe mir die beiden Reisetaschen und gehe. Die Zugfahrt mit Kinderwagen, den beiden großen Reisetaschen und meinem Rucksack ist beschwerlicher als ich gedacht hatte und ich bin wirklich froh, als ich in Köln am Bahnhof Patrick sehe. "Hi, wie geht's meinen beiden Süßen?" "Naja, leidlich, meine Mutter hat noch richtig Stress gemacht, weil ich einfach gegangen bin. Aber was soll's. Vielen Dank für die liebe Einladung, ich habe es jetzt noch nicht mal geschafft, ein Begrüßungsgeschenk mitzunehmen, es ging alles so schnell." Patrick winkt ab und meint: "Hauptsache ihr seid gut angekommen und ich kann euch ein bisschen weiterhelfen!" Das ist doch mal ein herzlicher Empfang! Eine halbe Stunde später kommen wir in Patricks Wohnung an. Es ist eine richtig gemütliche kleine Wohnung mitten in der Stadt. "Immer herein in die gute Stube! Hier ist das Gästezimmer, da kannst du es dir mit Helen gemütlich machen. Pack erstmal eure Sachen aus, ich mache in der Zwischenzeit was zu essen. Das Bad ist hier gleich rechts und die Küche am Ende des Flurs. Wenn du was brauchst, einfach schreien!" Als er gegangen ist, lasse ich mich erstmal aufs Bett fallen. Ich kann es noch immer kaum glauben, dass ich so mir nichts dir nichts eine neue Bleibe bekommen habe und wenn ich ehrlich bin, es ist wirklich nicht schlecht hier. Ich schaue mich im Zimmer um, die Aussicht ist einfach fantastisch, man sieht sogar den Kölner Dom. Nach einigen Minuten reiße ich mich dann aber doch vom Fenster los und beginne meine Klamotten in den Schrank zu packen. Kaum bin ich fertig meldet sich auch Helen, kein Wunder, sie hat vor mehr als sechs Stunden das letzte Mal etwas zu essen bekommen. Da Patrick ja noch in der Küche rumwerkelt, setze ich mich mit ihr aufs Bett und beginne sie zu stillen. Sofort hört das Geschrei auf und eine himmlische Ruhe kehrt ein. Helen schaut mich zufrieden an und gibt nur ab und zu ein leises Glucksen von sich. Auf einmal wird die Tür aufgerissen und Patrick steht im Zimmer. Als er sieht, dass ich grade am stillen bin, läuft er rot an und stottert: "Oh, sorry. Das wollte ich nicht, lass dich nicht stören. Ähm, wenn du fertig bist, kannst du in die Küche kommen." Ich muss lächeln, er sieht mit seinen roten Ohren auch zu süß aus. Ich schüttele den Kopf, nein, solche Gedanken dürfen einfach nicht sein! Als Helen eine frische Windel hat und in meinen Armen schlummert gehe ich zu Patrick in die Küche. Ihm ist die ganze Sache wirklich peinlich und er entschuldigt sich immer wieder, dass er einfach so ins Schlafzimmer geplatzt ist. Nach einiger Zeit meine ich einfach: "Stop, nun ist aber gut! Es ist doch wirklich nichts Schlimmes dran!" Er scheint sich wieder zu beruhigen und beginnt von Patricia zu erzählen, die schwanger ist und in einem knappen halben Jahr ihr erstes Kind erwartet. Ich muss lächeln, haben sie und Dennis es endlich erzählt. Immer wieder guckt er auf Helen, die friedlich auf meinem Arm schläft und dabei selig lächelt. Natürlich bemerke ich seine Blicke und auf meine Frage, was denn los sei meint er nur: "Ich stelle mir grade vor, wie das so wäre, ein eigenes Kind zu haben? Ist das nicht ein tolles Gefühl?" "Es ist ein großartiges Gefühl und egal was die anderen Leute sagen, ich möchte mit niemandem mehr tauschen. Ein Kind ist einfach das Größte was einem passieren kann." Er nickt bedächtig, nuschelt irgendwas vor sich hin und beginnt dann den Tisch abzuräumen. Manchmal ist er wirklich etwas komisch. "Ich bringe Helen dann mal ins Schlafzimmer, da hat sie es doch etwas ruhiger." Dort hole ich erstmal tief Luft, was ist nur los mit mir? Ich kann doch jetzt wirklich keine Männergeschichten gebrauchen. Meine Güte, ich habe ein kleines Kind und tierisch Stress mit meinen Eltern, ewig kann ich hier nicht wohnen und wohin dann? Also nehme ich mir fest vor, dieses Gefühl einfach zu ignorieren und gehe ins Wohnzimmer. Patrick sitzt am Klavier und klimpert eine Melodie vor sich hin. Immer wieder schreibt er etwas auf, streicht durch und schreibt neu. Leise setze ich mich aufs Sofa und schaue ihm zu. Er scheint mich gar nicht zu bemerken, denn er schreibt und schreibt und ist total abwesend. Ich gucke mir die Bücher an, die er im Wohnzimmer stehen hat, greife mir wahllos eins und beginne zu lesen. Irgendwann muss ich wohl eingeschlafen sein, denn das Nächste was ich wieder mitbekomme ist Patrick, der neben mir sitzt und mir vorsichtig die Haare aus dem Gesicht streicht. Ich setze mich auf und gucke mich fragend um. Mittlerweile ist es dunkel geworden, nur drei kleine Kerzen spenden ein wenig Licht. Zärtlich guckt er mich an und meint: "Josephine, ich habe mich in dich verliebt!" Ich schüttele den Kopf. "Patrick, lass das. Ich kann das nicht! Ich habe ein kleines Kind, das meine ganze Aufmerksamkeit fordert. Ich muss erstmal mein eigenes Leben regeln und ich weiß...", weiter komme ich nicht, hier gibt er mir einen langen Kuss und schon sind meine ganzen guten Vorsätze vergessen. Es ist mir alles egal, ich will nur noch in Patricks Armen versinken. Und trotzdem, für einen kurzen Augenblick macht sich mein schlechtes Gewissen bemerkbar, aber wirklich nur einen kurzen Augenblick. "Alles klar Fienchen?" Bei diesem Namen muss ich dann doch lachen, Fienchen, das hört sich wirklich mal süß an. "Wie sieht's aus, bist du müde, sollen wir ins Bett gehen?" Ich zögere einen Augenblick. "Patrick, ich weiß wirklich nicht, ob wir gleich so weit gehen sollten?" Er nimmt mich in den Arm und meint: "Ich verlange gar nichts von dir. Ich dachte einfach nur, du könntest heute Nacht einfach bei mir schlafen, aber wenn du das nicht möchtest, verstehe ich das vollkommen:" Wieso eigentlich nicht, was ist denn schon dabei? Und so kommt es, dass wir kurz darauf zusammen in seinem Bett liegen. Ich bin so kaputt, dass ich sofort wieder einschlafe und ihm somit keine Chance für eventuelle Annäherungsversuche gebe. Auch Patrick ist ziemlich müde, nimmt mich in den Arm und schläft ein. Aber unsere Ruhe soll nicht lange dauern, denn Helen meldet sich weil sie Hunger hat. Gähnend stehe ich auf und tapse ins Nebenzimmer. Als Helen mich sieht, ist schlagartig Ruhe und sie gluckst nur noch leise vor sich hin. "Na meine Süße, hast du Hunger?" Sie bekommt noch schnell eine frische Windel und dann nehme ich sie mit rüber zu Patrick. Der schläft noch immer tief und fest und lässt sich auch durchs Stillen nicht stören. Am nächsten Morgen um 9°°Uhr klingelt es an der Tür. Patrick grummelt etwas Unverständliches neben mir, quält sich aus dem Bett und schlurft zur Tür. Ich höre ihn mit Patricia im Flur murmeln und beschließe, mich auch blicken zu lassen. Ganz leise, um Helen nicht aufzuwecken, gehe ich in den Flur und wünsche den beiden einen guten Morgen. Patricia guckt erstaunt von mir zu Patrick und wieder zu mir. Patrick ist die ganze Situation ziemlich peinlich, denn was Patricia hier zu sehen bekommt ist mehr als eindeutig. Wir beide kommen verschlafen und ziemlich leicht bekleidet aus seinem Schlafzimmer. "Ähm, ich glaube, ich ziehe mir mal was an. Patricia, gehst du schon mal in die Küche, wir kommen gleich nach." Als Patricia in der Küche ist, gibt Patrick mir einen langen Kuss und wünscht mir einen guten Morgen. Während Patrick dabei ist, das Frühstück zu machen, springe ich schnell unter die Dusche. Kurz darauf sitzen wir drei am Tisch und frühstücken. Patrick hat Patricia mittlerweile erzählt, warum ich hier bin und auch, dass wir zusammen sind. "Hey, ich glaube, Joey und Tanja haben noch ein Reisebett von Luke, ich frage die beiden mal, ob du das eventuell ausleihen kannst, dann braucht Helen-Elina nicht im Kinderwagen zu schlafen. Hast du eigentlich genügend Windeln, Fläschen und alles was du so brauchst?" Ich überlege einen Moment, was ich bei meinem überstürzten Aufbruch alles vergessen habe. "Naja, Windeln werde ich wohl heute noch kaufen müssen, genauso wie Tee und vielleicht noch mal nen neuen Schnuller, aber das ist ja kein Problem, ihr müsst mir nur sagen, wo der nächste Supermarkt ist." "Ok, kannst du dann gleich noch etwas zum Essen für uns einkaufen, nicht das wir am Wochenende hungern müssen." Patrick schreibt auf was fehlt, beschreibt mir den Weg zum nächsten Laden und drückt mir sein Portemonnaie in die Hand. "Wie sieht's mit Helen aus, meldet sie sich demnächst?" Ich blicke zur Uhr und nicke. Also bleibe ich noch und warte, bis sie sich meldet. Nach dem Stillen, diesmal ohne rote Ohren von Patrick, mache ich mich auf den Weg zum einkaufen. Patrick möchte unbedingt auf Helen aufpassen und Patricia macht sich auf den Weg zu Joey und Tanja um die Sachen zu besorgen. Auf der Strasse bin ich erstmal über die Menge an weiblichen Fans entsetzt, die den Bürgersteig vor dem Haus belagern. So unauffällig wie möglich schiebe ich mich an ihnen vorbei und atme erstmal auf, als ich um die Ecke gebogen bin. Als wenn auf meiner Stirn "Achtung, ich bin Paddys Freundin" stehen würde. Es kennt mich doch niemand. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt doch.
Als ich vom einkaufen zurück komme ist es fast Mittag, der Platz vor dem Haus ist jetzt fast restlos überfüllt und ich habe echt Mühe, durch diese Massen hindurch zu kommen. Kurz nachdem ich die Wohnung betreten habe, höre ich von draußen lautes Gekreische und Kelly-Rufe. "Aha, Patricia müsste jeden Moment hier eintrudeln. Meine Klingel kann ich mir echt schenken, ich weiß immer gleich, wer anrückt." Verwundert blicke ich ihn an. "Ja, nerven dich die Fans denn gar nicht? Also ich glaube, ich würde durchdrehen, wenn ständig wildfremde Leute vor meiner Wohnung campen würden!" "Naja, wirklich klasse finde ich es nicht, aber man gewöhnt sich dran. Und was kann ich schon großartig machen. Die Polizei ist auch hilflos und es gibt nur ganz wenige, die wirklich gehen, wenn am sie darum bittet." In diesem Moment klingelt es und kurz darauf kommt Patricia mit einer Reisetasche und einem zusammengeklappten Bettchen in die Wohnung. Ich freue mich echt riesig, diese Familie imponiert mir immer mehr, hier scheint wirklich niemand ein Problem damit zu haben, dass ich eine minderjährige Mutter bin. Als ich die Tasche auspacke, kommen diverse Klamotten, Fläschchen und sogar Spielzeug zutage. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, vor allem als Patricia mir erzählt, dass ich die Sachen behalten darf. "Tanja und Joey haben sich übrigens für heute Nachmittag mit Luke zum Kaffee angemeldet, sie wollen doch den neuen Familienzuwachs begutachten."
In den nächsten Wochen lerne ich nach und nach auch alle anderen Familienmitglieder kennen und werde herzlich von allen aufgenommen. Alle akzeptieren mich und Helen-Elina an der Seite von Patrick und vor allem Patricia ist froh, ihren Bruder wieder lachen zu sehen. Immer wieder bekomme ich zu hören, wie gut wir ihm angeblich tun und wie ausgeglichen er auf einmal sei. Ja klar, ich hatte schon davon gehört, dass er mit seinen letzten Freundinnen echt Stress hatte und dass die Beziehungen nicht zuletzt durch den Druck der Fans zerbrochen sind. Dadurch lässt sich auch erklären, warum er so krampfhaft versucht, unsere Beziehung geheim zu halten. Bis jetzt hat uns noch niemand zusammen in der Öffentlichkeit gesehen und manchmal wünsche ich mir nichts sehnlicher, als das er sich zu mir bekennt. Aber ich kenne seinen Standpunkt und akzeptiere ihn auch.
Im November, ich lebe mittlerweile schon ein gutes dreiviertel Jahr bei Patrick, geht die ganze Familie auf Wintertour. Helen macht momentan ihre ersten Laufversuche und brabbelt fröhlich in ihrer Kindersprache vor sich hin. Patrick bekommt vor lauter Stolz ganz rote Ohren, als sie zu ihm das erste Mal "Papa" sagt und kriegt sich kaum wieder ein. Ich muss lächeln, er geht wirklich total in seiner Vaterrolle auf niemand würde bemerken, dass er nicht ihr leiblicher Vater ist. Wir sitzen grade gemütlich beim Abendessen, als das Gespräch auf die bevorstehende Tour kommt. "Wie sieht es aus, hast du nicht Lust, zusammen mit Helen mitzukommen? Ich würde mich echt freuen. So eine lange Zeit ohne dich Fienchen, ich glaube das würde ich nicht durchstehen!" Freudig nicke ich, doch innerlich jubele ich, endlich bin ich am Ziel. Und so mache mich zwei Wochen später daran für Patrick, Helen und mich zu packen. Am nächsten Morgen wollen wir uns um 10°°Uhr am Schloss in Gymnich treffen und zum ersten Mal gehen Patrick, Helen und ich zusammen vor die Tür. Alles geht so schnell, dass die Fans gar keine Zeit haben zu reagieren und bevor der große Ansturm losgeht sitzen wir schon im sicheren Auto.
Die Tour ist wirklich anstrengen und stressig, jeden Tag eine andere Stadt, jeden Tag andere Menschen und Konzerthallen um mich herum. Und so mache ich mir auch erst keine Gedanken, als meine Tage ausbleiben. Erst als mir ständig schwarz vor Augen wird und mir morgens regelmäßig übel ist beginne ich mir Sorgen zu machen. Nicht das ich mich nicht freuen würde, aber ich werde in wenigen Wochen erst 18 und habe bereits ein Kind. Ich wollte demnächst eine Ausbildung beginnen, um irgendwann einmal auf eigenen Beinen stehen zu könne. Und nun? Was kommt nun? Einige Tage quäle ich mich mit dieser Ungewissheit und Patrick löchert mich schon die ganze Zeit mit Fragen, was denn mit mir los sei. Ich schweige und igele mich immer mehr ein. Meine größte Vertraute, Patricia ist momentan auch nicht da, da jeden Tag die Geburt ihres ersten Kindes bevorsteht. Nach einer knappen Woche voll Ungewissheit und quälenden Fragen raffe ich mich endlich auf und gehe zum Frauenarzt. Der bestätigt eigentlich nur, was ich schon lange weiß. Schwanger in der achten Woche! Auf dem Weg zum Hotel gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Werde ich das alles schaffen? Kann ich zwei Kindern gerecht werden? Wie werden die Fans reagieren und vor allem, was wird, wenn Patrick und ich einmal auseinander gehen? Zurück im Hotel kommt Helen auf mich zugelaufen und ruft immer wieder: "Mama wieda da!" "Ja meine Kleine, Mama ist wieder da. Wo ist denn Papa?" "Hier bin ich. Wo bist du denn gewesen, du warst so plötzlich verschwunden." "Warte mal bitte einen Augenblick. Komm Helen, wir gehen mal Tante Maite besuchen!" Als Helen bei Maite ist, setze ich mich mit Patrick ins Zimmer um ihm zu erklären, was los ist. Ohne viele Worte sage ich: "Patrick, ich bin schwanger!" Erst guckt er mich ungläubig an, dann beginnt er zu lachen und wirbelt mich durch die Luft. Ich bin natürlich erstmal froh, dass er positiv auf meine Schwangerschaft reagiert, aber richtige Vorfreude will nicht aufkommen. Patrick lässt mich wieder runter, guckt mich an und meint: "Du freust dich gar nicht. Willst du das Kind nicht?" "Nein, so etwas darfst du nicht sagen. Es ist nur, ich bin so unheimlich jung, ich habe schon ein Kind und ich weiß nicht, ob ich das alles schaffe!" Ich beginne zu weinen, es ist mir wirklich alles viel zu viel. Patrick nimmt mich in den Arm, streichelt mir sanft über den Rücken und meint immer wieder: "Ich stehe zu dir, was immer auch passiert. Ich lass dich nicht alleine und zu zweit schaffen wir das, da bin ich mir ganz sicher." Langsam beruhige ich mich wieder, im Grunde will ich das Kind ja auch, nur vor der Verantwortung habe ich noch Angst. Patrick und ich reden den ganzen Nachmittag darüber, wie es nun weitergehen soll. Eins steht fest, wir brauchen eine größere Wohnung, am besten auf dem Land oder zumindestens am Stadtrand. Patrick ist total aus dem Häuschen und auch ich kann mich endlich mit dem Gedanken anfreunden wieder schwanger zu sein. Später am Abend werden auch die anderen eingeweiht, alle freuen sich für uns und geben auch gute Ratschläge. Als wir nach dem Konzert wieder für uns sind und auch Helen schläft gehen Patrick und ich noch ein bisschen spazieren. In einem Park bleibt er auf einmal stehen, nimmt meine Hände und sagt mit feierlicher Stimme: "Josephine, was ich dir jetzt sage, wollte ich eigentlich schon lange loswerden, aber irgendwie habe ich immer noch auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Josephine, wir kennen uns jetzt seit einem Jahr und ich kann mir ein Leben ohne dicht nicht mehr vorstellen. Und jetzt das Baby, sozusagen als sichtbarer Beweis unserer Liebe. Josephine, möchtest du meine Frau werden?" Ich bin total baff, damit hatte ich nun nicht gerechnet. Aber natürlich will ich! Und mit einem stürmischen "Ja!", falle ich ihm um den Hals.
Die nächste Zeit ist voll gestopft mit Konzerten, Hochzeitsvorbereitungen und Presseterminen. Kurz vor Wehnachten, eine Woche nach meinem 18. Geburtstag ist es endlich so weit. Ich werde endlich Josephine Kelly und Helen offiziell das Kind von Patrick. Die Adoption von ihr war ihm sehr wichtig, damit sie nicht auf den Gedanken kommen kann, er würde einen Unterschied zwischen ihr und dem Baby machen. Unser Hochzeitstag verläuft ganz ruhig und romantisch in einer kleinen Kirche auf dem Land. Natürlich bin ich etwas traurig, dass meine Eltern abgesagt haben, aber nun weiß ich jedenfalls, woran ich bin. Selbst die Nachricht von einem zweiten Enkelkind konnte sie nicht erweichen. Doch nach der Hochzeit geht alles drunter und drüber. Die Fans bekommen natürlich ziemlich schnell Wind von unserer Hochzeit und natürlich auch von meiner Schwangerschaft und von dem Moment an haben wir keine ruhige Minute mehr. Überall lauern sie uns auf. Einige sind ja wirklich nett und freuen sich mit uns, aber der größte Teil scheint mich als Bedrohung anzusehen. Ständig werde ich beschimpft und nach zwei Monaten bin ich so fertig, dass ich einfach umkippe. Erst im Krankenhaus werde ich wieder wach. Neben mir sitzt ein blasser Patrick, der dunkle Ringe unter den Augen hat und nervös an seinen Fingernägeln kaut. "Patrick, was ist los?" "Hey Fienchen. Du hattest einen Schwächeanfall und liegst im Krankenhaus." Mein erster Gedanke gilt dem Baby, ist mit ihm alles in Ordnung? Patrick beruhigt mich, dem Baby ist nichts passiert, aber ich muss mich in den nächsten Wochen unbedingt schonen und darf mich nicht aufregen. Lange liege ich in dieser Nacht noch wach und denke darüber nach, wie es weitergehen soll. So geht es jedenfalls nicht, ich kann einfach nicht mehr, die Fans machen mich fertig und auch Helen-Elina leidet. Das merke ich immer dann, wenn sie nachts schreiend aufwacht und ewig braucht, um wieder einzuschlafen. Und so fasse ich einen einsamen Beschluss. Ich muss weg. Weg aus Deutschland, weg von den Fans! Irgendwohin, wo Helen und ich unsere Ruhe haben, wo ich meine Schwangerschaft genießen kann, wo unser Baby in Ruhe zur Welt kommen kann. Am nächsten Morgen holt Patrick mich ab, zurück in der Wohnung erzähle ich ihm von meinem Beschluss. Wie zu erwarten war, rastet er total aus und will mich nicht gehen lassen. "Aber wohin willst du denn? Du kannst mich nicht einfach alleine lassen. Nein Josephine, das kannst du mir nicht antun! Bitte, ich verspreche dir, ich höre auf mit der Musik, ich gehe nicht mehr auf Tour. Ich zieh mit dir wohin du willst! Aber lass mich nicht alleine!" "Patrick bitte! Versprich doch nichts, was du eh nicht halten kannst! Ich weiß doch, wie sehr du die Musik brauchst, und..." " Aber dich brauche ich genauso, ich kann ohne dich und Helen nicht mehr leben. Und was ist mit unserem Baby?" "Bitte, hör mir zu! Ich habe gar nicht vor, dir die Kinder vorzuenthalten und ich will mich ja auch gar nicht von dir trennen, aber ich kann so einfach nicht mehr leben! Die Fans machen mich fertig! Und wenn ich hier bleibe gefährde ich nicht nur das Leben unseres Babys, sondern auch meines und vielleicht auch Helens. Ich werde gehen und davon kann mich niemand abhalten! Ich fliege heute Nachmittag noch nach Irland, ich habe schon mit Fiona gesprochen und ich kann die nächste Zeit bei ihr bleiben!" Patrick merkt, dass ich mich nicht mehr umstimmen lasse und er verlässt wütend und Türen knallend die Wohnung. Helen, die von dem Lärm wach geworden ist kommt in die Küche getapst. "Mami, wo is Papa? " Ich nehme sie auf den Arm, gebe ihr einen Kuss und meine: "Papa ist spazieren gegangen und wir beide fahren heute Nachmittag in den Urlaub. Na, was sagst du dazu?" Helen guckt mich mit großen Augen an und fragt dann: "Papa mit?" Ich schüttele den kopf und meine: "Nein meine Süße, Papa muss arbeiten." Helen beginnt zu weinen. "Nein, will nit ohne Papa! Papa mit!" Das geht die ganze Zeit so, bis sie irgendwann erschöpft einschläft.
Am Nachmittag stehe ich am Flughafen und warte darauf, dass Patrick kommt, um sich zu verabschieden. Doch nichts geschieht. Ich blicke noch einmal auf mein Handy, aber auch dort hat er keine Nachricht hinterlassen. Enttäuscht nehme ich meine Taschen und Helen-Elina und mache mich auf den Weg zum einchecken. Bevor ich die Passkontrolle durchlaufe werfe ich noch einen Blick zurück, doch noch immer ist nichts von Patrick zu sehen. Als das Flugzeug abhebt und alles unter mir immer kleiner wird beginne ich dann doch zu weinen. Werde ich wieder nach Deutschland zurückkehren? Haben Patrick und ich eine gemeinsame Zukunft? Wird mein ungeborenes Baby seinen Vater kennen lernen?