Lena & Der Teddy

by Jenny   Jessy_Cary@gmx.net

 

"Und ich habe auch schon einen Namen für den Teddy....." Simone grinste ihre Gäste und den Stoffbären, welchen sie von ihrer Freundin zum Geburtstag bekommen hatte an. "Ratet mal!" Ihre Mutter lächelte. "Bestimmt Jimmy, ist doch klar!" Daraufhin mußten alle am Tisch lachen. Simone war Kelly Fan und Jimmy war ihr absoluter Favorit, daß wußte jeder der sie ein bißchen besser kannte.
Sie reichte das Geschenk herum und aß noch ein Stück von ihrem Kuchen. Die Erwachsenen begannen ein Gespräch und waren bald so sehr darin vertieft, daß sie gar nicht mitbekamen, wie die kleine Lena, Simones Nichte, den Teddy genau betrachtete und sehr lange festhielt. Sie ließ ihn den ganzen Tag über nicht mehr aus den Augen und trug ihn von Raum zu Raum immer mit sich.
Am Abend saß sie ein Stück von ihrer Familie entfernt auf dem Boden und hatte den Teddy vor sich sitzen. Simone beobachtete wie die Kleine. Lena schien sich mit dem Stofftier zu unterhalten und lachten zwischendurch vergnügt auf. Sie hatte ihren Spaß und so beschlossen Simone und ihre Freundin Carina, von welcher sie das Geschenk bekommen hatte, daß der Teddy Jimmy für die Tage an denen Lena zu Besuch kam ganz allein ihr gehörte.
So war es dann auch ein paar Monate später. Simone und Carina hörten mal wieder eine CD der Kelly Family und sahen sich dabei Photos an, als Lena plötzlich fröhlich mit dem Bären in das Zimmer spaziert kam. Sie stellte sich vor die Freundinnen hin, streckte ihnen den Teddy entgegen und verkündete. "So redet Jimmy!" Simone hob das Mädchen auf ihren Schoß. "Wie redet Jimmy?" Lena antwortete mit der für Kinder üblichen verblüffenden Überzeugung. "So wie die Musik!" Carina verstand genausowenig was das Kind ihnen mitteilen wollte und fragte nach. "Meinst Du seine Stimme ist so wie die von dem Mann der hier singt?" Sie verkniff sich das Lachen, denn um die ganze Verwirrung komplett zu machen lief auch noch Thunder von James Kelly. Lena nickte zur Bestätigung heftig. Simone nahm ihr den Teddy aus der Hand und setzte ihn neben sie auf die Couch. "Aber schau doch mal Lena, das ist ein Stofftier, es kann nicht sprechen!" Die Kleine war beleidigt schnappte sich den Teddy und drückte ihn fest an sich. "Kann er wooooohl!" Carina sprang ein um die Situation zu retten. "Und was erzählt er dir so wenn er redet?" Lenas Gesicht hellte sich auf und während sie berichtete begannen ihre Wangen zu Glühen vor Freude und ihre Augen strahlten wie zwei Sterne. "Manchmal lustige Geschichten, dann muß ich lachen aber auch eine schöne Geschichte von einer Puppe die lebt und ganz hübsch ist, mit Augen aus Glas und Haaren aus Gold und sie singt ein Lied. Ein schwarzer Schwan ist auch dabei und wenn ich schlafe dann nimmt Jimmy mich mit zu der Puppe und dem Schwan und wir spielen alle zusammen. Wenn ich gehen muß singt er immer das Lied für mich!" Simone schluckte, irgendwie war ihr unheimlich zumute. "Welches Lied?" Lena wiegte den Teddy in ihrem Arm hin und her und sang ganz leise, doch Simone und Carina war die Melodie zu vertraut um sie nicht zu erkennen. "Nanana nana nanana, nana nanana nana nananana, nanana nana nanana nana nanana nana nananana......."
Simones Schwester rief nach ihrer Tochter und die Kleine rannte mit dem Teddy aus dem Zimmer. Zwischen den beiden Mädchen herrschte Stille. Carina wagte einen letzten Versuch um vielleicht alles doch noch als harmlose Phantasie eine Kleinkindes abzutun. "Hast.... hast Du ihr mal von Jim und dem Song erzählt? Oder ihr den Text erklärt?" Simone schüttelte völlig abwesend den Kopf. "Nein, nein hab ich nicht! Kann man sich sowas ausdenken als Kind meine ich?" Carina hob verzweifelt die Schultern. "Woher soll ich denn das wissen, ich bin 20, keine 2!" Simone nickte. "Genau wir sind erwachsen, und werden uns doch wohl nicht von meiner kleinen Nichte auf den Arm nehmen lassen. Teddy bleibt Teddy und der kann nunmal nicht sprechen! Schluß Aus Ende!"
Anscheinend hatten die beiden sich einen Teil ihrer Kindlichkeit bewahrt denn auch wenn sie so taten als würden sie kein Wort von dem Glauben was das Geheimnis des Teddys betraf so machten sie doch von dem Tag an einen großen Bogen um den Stuhl auf welchem er saß. Vor allem Simone ließen die Gedanken an das Geschehene nicht mehr los. Lena fragte jedesmal wenn sie anrief nach ihrem Jimmy und manchmal kam es der Tante fast so vor als würde sie das schelmische Grinsen ihres Schwarms auf den Gesichtszügen des Teddys wiedererkennen.
Im Dezember wenige Tage vor Weihnachten besuchte Simone ihre Nichte und deren Eltern in ihrem zu Hause in Horrem. Natürlich mußte sie den Teddy mitbringen und wie immer interessierte sich Lena sobald sie ihn in ihrer Nähe hatte für nichts anderes mehr.
Die Schwestern hatten schon lange geplant an dem Tag zum Spazierengehen und Bummeln nach Köln zu fahren und das taten sie auch. Natürlich nahmen sie Lena mit.
Vor einem Geschäft blieben sie stehen und betrachteten sich die Ausstellung im Schaufenster. Lena wurde die Sache schnell zu langweilig und sie sah sich mit neugierigen Kinderaugen um. Ihr Blick wanderte über den Platz auf welchem sie stand und plötzlich hörte sie eine ihr vertraute Melodie. Sie suchte und fand die Stelle von welcher die Melodie kam und lief unbemerkt von Simone und ihrer Schwester in diese Richtung davon.

James Victor Kelly hatte sich mal wieder eine Auszeit von der Familie gegönnt. Allerdings war er ausnahmsweise nicht nach Irland gegangen sondern hatte sich seine Gitarre geschnappt und spielte nun wie früher auf einem Platz mitten in der Kölner City für die Passanten ein paar Songs. Jetzt stand dieses kleine Mädchen vor ihm und hörte aufmerksam zu während er "Human doll" (Nanana) sang. Sie hatte einen Teddy auf dem Arm und bei genauerem hinsehen stellte er fest, daß das Stofftier seinem alten Teddy zum verwechseln ähnlich sah.
Bilder der Erinnerung traten in seine Gedanken, niemand hatte ihm damals geglaubt, daß der Bär sprechen konnte, heute war er sich selbst nicht mehr so ganz sicher ob es die Wahrheit war, doch als Kind hatte er es immer behauptet.
Jetzt als er die Augen öffnete erschien es ihm fast so als würde der Bär auf dem Arm des Mädchens mitsingen und noch mehr.
Die Kleine war ihm vertraut obwohl sie sich nie zuvor begegnet waren und er wußte warum, sie teilten ein Geheimnis................
Er beendete das Lied, lehnte die Gitarre an eine Wand und lächelte Lena an. Sie ging ohne Scheu auf ihn zu und sprach ihn an. "Ich kenne Dich!" Jimmy biß sich auf die Unterlippe, Kinder konnten so erfrischend direkt sein. Er ging vor ihr in die Hocke und sah sie fragend an. "So? Wer bin ich denn?" Die Antwort des Mädchens kam wie aus der Pistole geschossen und erinnerte ihn an seine Schwester Patricia als sie selbst noch Kinder waren. "Jimmy!"
- "Und woher kennst Du mich?" Sie hielt ihm seinen Namensvettern vor die Nase. "Mein Teddy erzählt mir Deine Geschichten!" Also doch, ..............die Erkenntnis durchfuhr ihn wie ein Schlag, die seltsame Verbindung zu diesem Kind war tatsächlich ein Teddy. James sah das Stofftier genau an und grinste dann. "Mein Teddy hat mir früher auch immer Geschichten erzählt, aber meine Brüder und Schwestern wollten mir das nie glauben." Lena verzog den Mund. "Meine Tante glaubt mir auch nicht, obwohl sie Deine Musik mag....." Plötzlich strahlte sie ihn wissbegierig an. "Was hat Dein Teddy Dir erzählt?" Jimmy blickte in die Kinderaugen und hörte plötzlich wieder die Stimme seines magischen Stofftieres........................

Simone drehte sich um und stellte entsetzt fest, daß Lena nicht mehr neben ihr stand. Sie spürte Panik in sich aufsteigen und suchte mit den Augen den Platz vor dem Geschäft ab. Doch dann sah sie ihre Nichte, sie befand sich auf der ihr gegenüberliegenden Seite und unterhielt sich mit einem Straßenmusiker, der genau so aussah wie....... Simone traute ihren Augen nicht es war Jimmy Kelly und Lena sprach mit ihm. "Das....glaube ich nicht!" Ihre Schwester drehte sich zu ihr um. "Was denn?" Simone zeigte über den Platz. "MEINE Nichte spricht mit Jimmy Kelly!" Und dann fiel ihr etwas ein. "Oh nein, der Teddy!" Sie rannte los und ließ ihrer Schwester mit einiger Verwirrung zurück.

"Lena, da steckst Du ja! Du kannst doch nicht einfach weglaufen!" Jimmy sah auf und überlegte ob das wohl Lenas Tante oder Mutter war, er ertappte sich dabei, daß er hoffte es wäre die Tante und richtig. "Tante Simone! Guck mal der Jimmy!" Simone lächelte verlegen, nickte und nahm die Kleine auf den Arm. "Tut mir leid wenn sie sie belästigt hat, sie erzählt im Moment so seltsame Dinge über sprechende Teddies!" - "Du kannst mich ruhig duzen!" Er zwinkerte Lena zu. "Glaubst Du nicht an sprechende Stofftiere?" Simones Gesichtsausdruck war mehr als verdattert und Jimmy lachte. "Okay, okay brauchst Du auch nicht! Aber grade kleine Kinder sagen öfter die Wahrheit als wir Erwachsenen! Gell Lena?" Die nickte heftig mit dem Kopf und Simone löste sich endlich aus ihrer Anspannung. "Dann habt ihr euch also gegen mich verschworen ja?" Jimmy strich Lena über den Kopf und lächelte. "Ganz so schlimm ist es nicht. Vielleicht darf ich Dich, Lena und Deine Schwester zur Entschädigung auf einen Kakao einladen?" Simone kam gar nicht dazu zu antworten, da Lena bereits "Oh ja!" schrie.

Die vier verbrachten den Nachmittag im Café und Jimmy verabredete sich mit "Lena", ihrem Teddy und ihrer Tante für ein Treffen in den nächsten Tagen.
So vergingen Wochen und Monate und es entwickelte sich eine sehr gute Freundschaft. Jim war ein gerngesehener Gast und nicht nur Lena war überglücklich wenn er Zeit fand vorbeizukommen.
Eines Abends saßen die zwei allein im Wohnzimmer auf der Couch und sprachen über den Teddy, was sie schon eine ganze Weile nicht mehr getan hatte. Lena sah Jim wie immer mit ihren großen Kulleraugen an. "Aber warum hatte er Deine Stimme?" Sie konnte schon kaum noch die Augen offen halten und lehnte sich an Jim's Seite. "Ich denke er bekommt immer die Stimme von dem Menschen der an ihn geglaubt hat und ihn gern hatte. Das nächste Kind wird Deine Stimme hören!" Lena schloß die Augen. "Singst Du mein Lied?" Jimmy blickte auf und zur Tür. Dort im Rahmen stand Simone und lächelte. Er wußte jetzt wem er den Song beim nächsten Konzert widmen würde und dann begann er leise zu singen und Lenas Stimme begleitete ihn bis sie einschlief. "Nanana nana nanana nana nanana nana nana nana..................


(11.01.2001)


© Jenny (Ich bin ganz einfach sprachlos... :o) )


Diese Story ist mit folgendem Award ausgezeichnet:

Story-Award 07/2001 Jenny


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Last update: 23/01/2001

(Online since: 23/01/2001)

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