Seit Lauras Tod war Adam nunmehr ein Schatten seiner selbst, er lies niemanden an sich heran, sprach mit keinem, auch nicht mit seiner eigenen Familie.
Meist saß er in seiner Wohnung, weil er es nicht ertrug an ihrer, an Lauras Wohnung vorbei zugehen und spielte immer wieder die gleiche Melodie auf seiner Gitarre.
6 Wochen ging das nun schon so.
Henry machte sich große Sorgen um seinen Sohn, den er über alles liebte und beschloss, da Adam nie den Hörer abnahm, wenn ihn jemand anrief, zu ihm zu fahren.
Gute 2 Stunden später stand er vor der Haustür seines Sohnes und klingelte.
Doch Adam öffnete nicht.
"Adam, Junge, bitte öffne die Tür, es bringt doch nichts, wenn du dich in deiner Wohnung einsperrst und dich von deiner Trauer auffressen lässt!", rief Henry durch den Briefschlitz hinein.
Doch auch darauf kam keine Reaktion.
Was sollte er also tun, mehr als ihn zu ermutigen die Tür zu öffnen konnte er nicht.
Er konnte ja nicht die Tür einschlagen und es seinem erwachsenem Sohn einprügeln.
"Bitte Adam, Mutter und ich machen uns große Sorgen um dich!", startete Henry einen zweiten Versuch.
Als auch diesmal keine Antwort kam entschied er sich zu gehen.
"Adam!", rief er.
"Du hast unsere Nummer ruf wenigstens einmal bei uns an! Ich werde jetzt gehen, du weißt schon am besten, was gut für dich ist!"
Adam hatte in seiner Wohnung alles gehört.
Tränen stiegen ihm in die Augen, sein Vater hatte ja recht, aber der Schmerz saß einfach noch zu tief.
Traurig sah Adam sich in seiner Wohnung um.
Alles sah immer noch so aus wie früher, als er Laura noch hatte.
Aber jetzt?
Jetzt tat es ihm weh, alles so zu sehen, als ob alles in Ordnung wäre.
Ohne groß darüber nachzudenken sprang er auf und rannte zum Schrank.
Er riss seine Reisetasche herunter und warf sie aufs Bett, dann öffnete er den Schrank und warf ein paar Kleidungsstücke, Socken, Handtücher und Waschlappen hinein.
Wieder flossen ihm die Tränen die Wangen herab, während er ins Bad rannte und seine Zahnbürste, die Zahnpasta, Seife, Shampoo, Haarbürste und sein Rasierzeug holte, dass er dann auch alles in die Tasche warf.
Dann bücke er sich unters Bett um seine Schuhe hervorzuholen, doch dort fand er sie nicht, sondern das kleine metallene Kästchen, das er kurz nach Lauras Beisetzung unter sein Bett gestellt hatte.
Entsetzt starrte er das Kästchen an.
Er wußte in diesem Moment nicht was er tun sollte.
In seinem Inneren rang er mit sich und seinem Herzen, das sich vor Angst zusammenzuziehen schien.
Mit zitternder Hand öffnete er das Kästchen und zu Vorschein kamen vertrocknete, tote!, Rosenblüten, das Bild, auf dem seine Laura mit ihm so glücklich aussah, doch er würde nie erfahren, ob sie es auch war.
Oder doch?
Vorsichtig nahm er die zarte Feder in die Hand und steckte sie mit dem Bild in die Brusttasche seines Flanellhemds.
Das Kästchen packte er in seine Reisetasche und schloss sie.
Gute fünf Minuten später hörte man einen Pkw mit quietschenden Reifen wegfahren.
Adam fuhr zum Flughafen.
Warum wußte er nicht, nur dass ihn jemand leitete und er nichts dagegen tun konnte.
Wie in Trance kaufte er sich am Schalter ein Flugticket nach Irland.
1 Stunde später startete der Flieger.
Den Flug bekam Adam nicht mit, er starrte immer nur auf das Bild, das ihn und Laura zeigte und die kleine zarte Feder, die Laura bei ihrem Einzug von einem kleinen Vogel "geschenkt" bekam.
In Irland angekommen setzte sich Adam gleich in ein Taxi, dass ihn in Dublins kleinstes Hotel brachte.
Dort angekommen setzte er sich in seinem Zimmer in einen Sessel und spielte wieder diese traurige Melodie auf seiner Gitarre.
Als er auf die Uhr sah, war es bereits 23:300h.
Er legte die Gitarre zur Seite, nahm sein Handy und wählte die Nummer seiner Eltern.
Nur der Anrufbeantworter meldete sich.
"Hi Mom, hi Dad!", sprach er auf das Gerät.
"Mir geht’s gut, ich mache etwas Urlaub, bitte sucht nicht nach mir! Macht euch keine Sorgen, ich melde mich! Ich hab euch lieb! Bye, Adam!"
Dann legte er auf.
. . .
Irgendwie mußte er eingeschlafen sein, denn die Sonnenstrahlen kitzelten ihn zur Besinnung.
Langsam Fuhr Adam sich mit der Hand über das Gesicht.
Es war feucht, er mußte im Schlaf geweint haben.
Als er neben sich schaute erblickte er wieder das Bild.
Diesmal war es anders.
Er schaute in Lauras Augen.
Sie strahlten!
Als ob sie ihm etwas sagen wollte!
Adam nahm einen Zettel und einen Stift und begann zuschreiben.
Den Zettel legte er in das metallene Kästchen, in dem immer noch die Rosenblätter lagen und packte es sorgfältig in eine kleine Schachtel, die er dann zuklebte und eine Adresse draufschrieb.
Das Bild und die Feder steckte er wieder in seine Brusttasche, dann ging er runter zur Rezeption.
"Bitte schicken sie für mich dieses Päckchen ab!", sagte er nur, drehte sich um und verließ das Hotel.
In einem Vermieter besorgte er sich ein Auto und fuhr los.
Raus aus der Stadt.
Wie von einer unsichtbaren Hand geleitet.
Einige Stunden später war er am Ziel.
Bei den Cliffs of Moher.
. . .
Einige Tage nach Adams Anruf bekam Henry ein Päckchen.
Er öffnete es und entnahm ihm ein kleines Kästchen, dass er sofort öffnete.
Darin befand sich ein Zettel.
Sofort begann Henry zu lesen. . .
. . .
Vier Tage war Adam nun schon bei den Klippen und schaute dort den Vögeln zu.
Plötzlich, als ob ihm jemand ein "okay, jetzt kannst du!" gegeben hätte ging er an den gefährlichen Rand der Klippen, nahm die Feder aus der Hemdtasche und ließ sie fliegen. . .
. . .
Henry hatte den Brief kaum zu Ende gelesen, als ihm die Tränen aus den Augen schossen.
"NEIN!!!!!!!!!"
. . .
Adam stand am Fuße der Klippen und schaute der Feder noch einige Sekunden nach, dann schloss er die Augen und trat einen Schritt vor. . .
Für alle Männer, die ein Herz haben !!!
© Heidi / 15th September 2000
© Heidi (Danke!)