Street Angel

by Doro   doro-violet@gmx.de

 

Es war der Tag, an dem Barby alles zuviel wurde. Sie wollte raus, raus, raus. Aber das ging ja nicht so recht. Die Mauern von Schloss Gymnich waren hoch, und was sich dahinter verbarg, war auch nicht unbedingt ihr Traum. Sie wusste, würde sie das Gelände verlassen, würde es nur noch schlimmer werden.
Sie warf sich auf ihr Bett und fing an zu weinen. Tränen liefen über ihr blasses Gesicht, und ihre Finger zitterten wie selten zuvor. Sie konnte nicht verstehen, warum ihr das ausgerechnet heute so nahe ging. Gymnich war seit dem ersten Tag ein Gefängnis für sie gewesen, und das würde es auch immer bleiben. Warum machte sie das ausgerechnet heute so fertig? Es hatte keinen konkreten Anlass gegeben.
Sie stand schwerfällig auf und ging langsam wie eine alte Frau zum Fenster. Sie sah durch die Fensterscheiben zum Tor. Bestimmt zwanzig Fans standen davor, unterhielten sich, tauschten Fotos, lachten, als wüssten sie nicht, wie die Kellys sich durch ihre Präsenz fühlten.
Plötzlich zeigte ein Fan zu ihrem Fenster und schrie. Alle Köpfe drehten sich zu Barbys Fenster und ein langgezogenes Kreischen war die Antwort.
Barby schlug die Hände vors Gesicht und fiel einfach um. Sie hatte es gewusst. Oh, warum war sie ans Fenster gegangen? Warum hatte sie sich ihnen gezeigt? Jetzt wussten sie, dass sie wieder hier war. Jetzt konnten sie ihre Seele wieder töten.
Ein lauter Knall ertönte, in ihren Ohren dröhnte es und ihr Kopf zerplatzte.
Nein, das war nicht wahr. Barby öffnete die Augen. Vor ihren zitternden Knien lag ein in Papier eingewickelter Stein. Sie hatten ihn durch die Fensterschreibe geworfen. Das würde teuer werden. Sie musste es selbst bezahlen.
Mechanisch wickelte Barby den Stein aus und las, was auf dem Papier stand.
"Barby, komm' doch raus und gib' uns Autogramme!"

"Street Angels live on the street, and they always will."
Über eine Viertelstunde betrachtete John nun schon das Aquarell seiner kleinen Schwester Barby, das an der Wand in seinem Zimmer hing. Sie hatte es vor einer Woche angefertigt, nur für ihn, erst vor einer Woche, aber durch den Titel wirkte es, als stamme es aus längst vergangenen Street Life - Zeiten.
Nur schwer konnte Johnny die Augen von dem Bild abwenden. Seufzend setzte er sich aufs Bett und runzelte die Stirn. Seit Barby wieder hier war, hatten sie beide sich wieder etwas angenähert. Jetzt, da Paddy Maite in Nashville besuchte und Patricia mit ihrem Mann in Russland lebte, waren John und Barby beide ohne den jeweiligen Geschwisterpartner gewesen, der ihnen am meisten bedeutete. Aber dass sie nur aufeinander ausgewichen waren, konnte man so nicht sagen. Es bestand zweifellos eine Bindung zwischen ihnen, dem großen Johnny und der kleinen Barby. Sie waren beide großartige Künstler, sie waren beide sehr
sensibel... und sie träumten sich beide in die heile Welt der Straßen zurück.
Unruhig ging John in seinem Zimmer auf und ab. Vorhin war ein Typ dagewesen, der eine neue Fensterscheibe für Barbys Zimmer gebracht hatte. John fragte sich, warum die alte kaputtgegangen war.
Sollte er einfach fragen? Barby schien jetzt allein zu sein.
Es war typisch für Johnny, dass er ewig alle Pro- und Contra-Argumente, jetzt zu Barby zu gehen, gegeneinander abwog. Dabei schlief er auch noch ein und wachte erst auf, als Joey die Tür zu seinem Zimmer aufriss. "Pennst du, du Sack? Ich wollte nur sagen, dass ich jetzt mit Tanja einkaufen gehe. Du bist allein zuhause."
"Und Barby?" entfuhr es John.
"Barby? Ach ja. Die müsste auch noch da sein."
Nun hatte John sich entschieden. Er drängte sich an Joey vorbei und eilte zu Barbys Zimmer. Schüchtern klopfte er an.
"Herein."
John trat ein. Barby saß auf ihrem Bett und malte an einem neuen Bild. Sie schien aber nicht sehr weit voranzukommen, auf dem Papier befanden sich nämlich nur ein paar Striche. Das lag möglicherweise auch daran, dass Barby den Bleistift in den Mund gesteckt hatte und darauf herumkaute. Street Angels aren't like anyone you know.
Johnny setzte sich neben sie aufs Bett und nahm ihr den Bleistift aus dem Mund. Dabei wurde seine Hand nass. "Barby, mach' das doch bitte nicht immer."
"Warum nicht?" fragte Barby ungewohnt trotzig. Sie nahm ihm den Bleistift aus der Hand, steckte ihn wieder in den Mund und kaute extra noch verbissener darauf herum. They do what they do and they go where they go.
John wandte sich ab. Das konnte er nicht sehen, wie seine fünfundzwanzigjährige Schwester auf einem Bleistift herumkaute wie ein Baby. Er stand auf und sah durch die neue Fensterscheibe hinunter auf die Fans. Es regnete gerade in Strömen, aber die Fans blieben, sie blieben immer, sie waren hier schon festgewachsen. Zum Glück sahen sie nicht zum Fenster hinauf, wo er stand, denn gerade verließen Joey und Tanja das Schloss, und so konzentrierten sich die Fans auf die.
Hinter sich hörte John Barbys Lutsch- und Kaugeräusche. Es widerte ihn an. Aber gleichzeitig machte es ihm auch Angst. DORT, wo sie gewesen war, hatte man ihr wohl nicht alles abgewöhnen können. ES war der letzte Platz gewesen, aber ES hatte versagt. Wie auch alle ihre Geschwister. Sie konnten Barby hier nicht einsperren. Sie musste hier weg.
Johnny erinnerte sich an ein Gespräch, dass er mit Patricia geführt hatte, als Barby noch DORT gewesen war. "Stell' dir vor, Barby würde nicht mehr tanzen können," hatte Patricia zu ihm gesagt. Patricia stellte ständig solche psychologischen Fragen. "Sie würde nicht mehr tanzen können und nur noch herumsitzen und weinen. Was würdest du tun?"
"Ich würde sie töten," hatte Johnny gesagt.
Einen Moment lang war alles still gewesen. Dann war Patricia ausgerastet, hatte ihn geschlagen und war tobend nach oben gerannt. Sie hatte gedacht, dass John Barby nach dem Leben trachtete.
Doch das war so nicht wahr.
John wusste mehr von Barby als Patricia. Er wusste, dass Barby nicht leben KONNTE, wenn man sie nicht tanzen ließ. Sie würde verwelken, genauso, wie es Anfang des Jahres gewesen war. Damals war es wirklich schlimm gewesen, damals, als wirklich jeder vor Schloss Gymnich herumgehangen hatte. Und es hatte sie so unglücklich gemacht, dass sie nicht mehr tanzen konnte. Und das war der Grund gewesen, warum Barby freiwillig DORTHIN gegangen war, das und nichts anderes.
Nun war sie wieder hier und es ging ihr besser, doch John war sich sicher, dass sie immer noch nicht tanzen konnte. Und das war schlimm. Und wenn es so weiterging, würde Barby sterben. Ihre Seele würde qualvoll sterben. Und bevor das geschehen würde, würde er ihr Tabletten geben. Sie würde sie nehmen. Das wusste er. Und dann würde sie friedlich entschlummern. Und Johnny hätte noch eine gute Tat getan.
Das hatte Johnny damals gedacht, als Patricia ihn gefragt hatte.
Doch jetzt, hier, heute, an diesem Tag, an dem Barby alles zuviel wurde, drehte er sich um und krümmte sich zusammen, als er Barby auf dem Bett sitzen sah, ganz in ihr Bild vertieft, mit dem Bleistift im Mund. Wie hatte er denken können, er könnte dieses wunderbare Geschöpf umbringen? Und wie hatte er das sagen können? Nein, das würde er nicht tun, nie, NIE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Es musste einen anderen Weg geben, Barby zu helfen. Es musste einen Weg geben, sie zum Tanzen zu bringen. Und er musste diesen Weg finden, er musste ihn einfach finden. Barby war für ihn doch das Wichtigste auf der Welt.
Im selben Moment sah Barby auf. Und sie sahen einander in die Augen. In die Augen, die im gleichen Blau leuchteten. Die so oft verschiedene Dinge sahen. Doch jetzt, in diesem Moment, sahen sie genau dasselbe.
"Ich kann nicht mehr, John," schluchzte Barby. "Ich kann einfach nicht mehr. Sie machen mich kaputt. Ich kann schon nicht mehr tanzen. Ich werde sterben."
Es brach Johnnys Herz. Er setzte sich neben sie aufs Bett und nahm seine schluchzende Schwester in die Arme. "Ich weiß, Barby, ich weiß," flüsterte er. "Aber bitte glaub' mir... das alles wird schon wieder."
"Nein, das glaube ich nicht," sagte Barby bestimmt. Johnny war überrascht, wie entschieden sie das sagte. War sie stark? Doch er sah ihr wieder in die Augen und wusste, dass sie es nicht war. Wieder brach sie in Tränen aus.Sie würde hier nicht glücklich werden. "Ich kann einfach nicht mehr!" weinte sie. "Hilf mir, bitte bitte hilf mir, Johnny!" Johnny zog sie eng an sich. "Ich helfe dir, Barby. Ich werde dir immer helfen." Eine Träne lief über seine Wange und landete auf Barbys Gesicht. Sie sah überrascht auf.

Später abends saßen Kathy und Angelo zusammen vor der Glotze. Jimmy war mit einem Bodyguard ins Hallenbad gegangen und John war bei Tanja und Joey, die ihm voller Stolz ihre Einkäufe zeigten.
Barby rannte in ihrem Zimmer herum wie ein Hamster im Käfig. Johns Tränen gingen ihr nicht aus dem Kopf. Warum weinte er? Ihm müsste es doch eigentlich gutgehen. Er war ein glücklicher, kreativer Mensch, hatte eine Frau, gute Freunde, ein schönes Leben...
Abrupt blieb Barby stehen. Was dachte sie denn da? Sie wusste den Grund für Johns Tränen ganz genau. Wegen ihr hatte er geweint. Nur wegen ihr. Er machte sich Sorgen um sie.
Nun füllten sich auch Barbys Augen wieder mit Tränen. Nun zog sie auch schon ihren über alles geliebten John in ihre Probleme mit hinein. Wie grausam von ihr! Sie musste aufhören, ihre Geschwister mit ihrer Leidensmiene zu erpressen. Sie wusste, dass das die anderen überforderte. Vielleicht war Paddy deshalb nach Amerika gegangen. Weil er Barbys Trauerstimmung nicht mehr ertragen konnte. Vielleicht war er deshalb zu Maite gegangen. Zu Maite, die immer fröhlich war und die wirklich so war.
Aber Maite war kein Street Angel, so wie Barby. Sie vermisste Street Life nicht. Sie hatte gelernt, mit dem Ruhm zu leben, mit dem Geld, mit den Blitzlichtern, mit den roten Teppichen... mit den Fans.
Aber das konnte Barby nicht!
Sie vermisste Street Life, sie vermisste es so sehr, dass ihr Herz wehtat. Sie vermisste die Tage, an denen sie alle fröhlich gewesen waren. An denen es nichts gegeben hatte außer einer glücklichen Familie und ihrer Musik. An denen sie, Barby, getanzt hatte, getanzt, getanzt...
Draußen prasselte der Regen an die Scheiben und der Himmel wurde immer dunkler.
Tränen liefen über Barbys blasse Wangen. Sie konnte nicht mehr tanzen. Ihre Seele war zerbrochen, und wer würde sie wieder zusammensetzen können? Die Fans ganz bestimmt nicht! Und denen war das auch egal, die wollten eigentlich auch nur Paddy und Angelo, Barby konnten sie ja doch nicht verstehen und sie versuchten es auch nicht. Niemand versuchte es. Niemand, bis auf John. Ach John...
Sie konnte niemanden damit belasten. Und so fasste Barby einen Entschluss. Sie würde gehen. Egal wohin. Sie würde schon einen Platz finden, an dem sie sich verstecken konnte. Tanzen würde sie in diesem Leben sowieso nie mehr können. Also würde sie sich ein Versteck suchen, wo sie in Frieden sterben konnte. Und wo ihre Geschwister nicht mit ihr belastet wurden.
Energisch wischte Barby sich die Tränen ab. Die anderen würden sie schon nicht so sehr vermissen. Dann würden sie wenigstens nicht jeden Tag ihr trauriges Gesicht ertragen müssen. Und im Schloss war auch mehr Platz. Vielleicht würden ja Maite und Paddy dann wiederkommen, vielleicht auch Patricia und ihr Typ. Und vielleicht würden Joey und Tanja noch ein Baby bekommen. Ein Zimmer stand ja dann leer...
Sie zog ihre Schuhe an. Dann warf sie sich eine Jacke über und schlich so leise wie möglich aus ihrem Zimmer und die Treppe hinunter. Wenn sie jetzt nur keiner sah! Sie hatte keinen Nerv für Erklärungen und Ausflüchte. In der Küche hörte sie Kathys Stimme. Nur schnell vorbei. Sie öffnete die Tür und raste durch den Platzregen zum Tor. Wenn da jetzt noch Fans stehen würden... das gäbe ihr den Rest. Mit fester Hand öffnete sie das Tor. Alles war leer. Barby schlüpfte hindurch und sah ein letztes Mal zurück auf Schloss Gymnich. Dann schloss sie das Tor wieder.
Goodbye Paddy, Patricia, Maite. Goodbye Joey, Jimmy, Kathy, Angelo, Tanja, Luke, Sean, Vater. Goodbye John...
So I ended it all for the both of us. I fell down the stairs, a broken rag doll. But you never knew, you just thought I went away with nothing more to hope for. But you don't hear voices any more.

"Sie ist WAS?" schrie Kathy.
Unsicher ließ Joey seine Blicke über Jimmy, Kathy, Johnny, Tanja, und Angelo, die vor ihm in den Sessel saßen, gleiten. "Sie ist weg," wiederholte er.
Sekundenlag sagte niemand etwas. Dann runzelte Jimmy die Stirn. "Wie kann Barby einfach weg sein?"
"Sie ist nicht in ihrem Zimmer. Und sie ist auch nicht im Bad, auf dem Speicher, im Keller oder bei Luke. Ihre Jacke und ihre Schuhe fehlen auch."
Johnnys Hals war wie zugeschnürt. Gerade vorhin hatte sie noch geweint und ihm gesagt, dass sie so nicht weiterleben konnte. Und nun war sie weg! Nein!
Kathy ließ einen jammernden, klagenden Laut hören. "Hat sie denn niemand gesehen?"
Alle schüttelten nacheinander den Kopf. "Beim Abendessen war sie ja nicht dabei. Und danach haben wir die Sportschau geguckt, da hat sie auch nicht mitgeguckt," sagte Angelo.
"Und wer war dann als Letzter bei ihr?" fragte Kathy schniefend.
*Baaaaaaaaaaaarbyyyyyyyyyy... Baaaaaaaaaaaarbyyyyyyyyyy...*
"Ich," brachte John hervor.
"Ja, und?" fragte Jimmy hastig. "War sie da irgendwie anders als sonst?"
*Anders als sonst?*
"War sie traurig oder deprimiert?"
*Baaaaaaaaaarbyyyyyyyyy... Baaaaaaaaarbyyyyyyyyyyy...*
"Es hielt sich in Grenzen," log John.
"Aha!" Tanja stemmte die Hände in die Hüften. "Und warum ist sie dann weggelaufen?"
"Vielleicht ist sie ja gar nicht weggelaufen. Vielleicht wurde sie ja entführt," meinte Angelo.
"Ich glaube, du spinnst." Jimmy tippte sich an die Stirn.
"Und was machen wir jetzt?" schluchzte Kathy.
Johns Stimme machte sich selbstständig, er redete, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. "Aber hört mal Leute, ist es denn so schlecht, wenn Barby einfach mal für 'ne Weile weggeht? Vielleicht tut ihr das mal ganz gut, wenn sie hier mal rauskommt..."
"Bist du verrückt???" schrien Jimmy, Joey, Tanja, Angelo und und Kathy ihn gleichzeitig an. Dann schrien sie alle durcheinander, John verstand nur noch Wortfetzen. "... könnte ja auch Bescheid sagen..." - "... wissen ja gar nicht, wo sie ist..." - "... die Fans..." - "... bald Tour..." - "... total durchgeknallt..." - "... nicht zu entschuldigen..." - "... siehst du doch auch so!"
"Also gut," sagte Johnny.
*Baaaaaaaaaaarbyyyyyyyyyyy...*
Kathy wischte sich mit dem Ärmel über die Augen. "Und was machen wir jetzt?" fragte sie wieder.
"Wir müssen Vater anrufen," sagte Joey.
"Der schläft schon," sagte Jimmy.
"Was machen wir denn nur?" fragte Kathy weinend. "Und Paddy, Patricia und Maite wissen von nichts..."
"Patricia kommt doch heute nach noch wieder. Fragen wir erst sie. Vielleicht hat sie ja eine Idee," meinte Jimmy.
"Genau. Und vielleicht kommt Barby ja heute noch wieder. Vielleicht wollte sie ja echt nur in dem Pissregen spazieren gehen und steht gleich wieder auf der Matte," sagte Angelo.
"Und ansonsten suchen wir sie morgen," meinte Tanja.
Halbwegs getröstet standen Joey, Jimmy, Angelo, Tanja und Kathy auf und gingen aus dem Zimmer. Johnny blieb am Tisch sitzen und wusste nicht, was er denken sollte. Barby war weg. Es war vermutlich genau das Richtige, was sie tun konnte. Und doch, und doch...
Er stand auf und ging zu Bett. Schnell kroch er unter die Bettdecke, löschte das Licht und versuchte, alle seine Gedanken zu töten. Und das gelang ihm auch. Alles war dunkel. Und er dachte an nichts. Bis auf eins...
*Baaaaaaaaarbyyyyyy... Baaaaaaaarbyyyyyyyy... Baaaaaaaarbyyyyyyyyyy...*

Barby wusste nicht, wie lange sie durch den Regen gewandert war. Sie war nass, nass, nass, und es war so dunkel. Ganz in der Ferne leuchtete der Mond, wie eine helle Fratze. Niemand sonst lief auf der dunklen Straße, niemand außer ihr. Klapp, klapp, klapp, machten ihre Absätze auf dem Asphalt. Street Angels live on the street and they always will. Das hier war die Straße. Aber es war nicht der Platz, an dem sie sterben wollte.
Barby strich sich eine patschnasse Strähne aus dem Gesicht. War sie nass vom Regen oder von ihren Tränen? Barby wusste es nicht, aber sie hatte das Gefühl, in einem Meer von Tränen zu ertrinken. Sie konnte es nicht mehr ertragen, sie wollte es schnell hinter sich bringen.
Aber nicht hier. Sie wollte auf der Straße sterben, aber nicht hier. Irgendwo... irgendwo, wo sie noch ein letztes Mal die Sonne sehen konnte, bevor sie zu ihr kam. Dort, wo sie noch ein kleines bisschen die Barby Kelly sein konnte, die sie einmal gewesen war. Dort, wo niemand sie kannte. Street Angel...
Irgendwann fand sie sich in der Bahnhofshalle wieder, vor den Abfahrtsplänen stehend, kein Wort von dem verstehend, was sie da las. Städtenamen huschten durch ihr Gehirn. Berlin, Hamburg, Karlsruhe, Mannheim, München, Bremen, Timmendorfer Strand, Velbert...
Timmendorfer Strand! dachte sie. Dort war ich immer gerne. Dort haben wir oft Konzerte gegeben, damals, bevor wir berühmt wurden. Dort bin ich mit John, Paddy und Angelo im Meer schwimmen gegangen. Dort habe ich gelacht und bunte Bilder gemalt. Dort war ich glücklich, dort habe ich getanzt...
Energisch wie selten zuvor ging sie zum Schalter. "Eine Karte für den Timmendorfer Strand bitte," sagte sie. Und ein ganz kleines bisschen begann ihr Herz vor Vorfreude heftiger zu schlagen. Aus Freude, dass sie an einem Ort sterben konnte, an dem sie einmal glücklich gewesen war.
"Bedaure," sagte die junge Frau am Schalter, "wir haben schon geschlossen."
Barbys Mund klappte zu, nur ihr Gehirn formte die Worte : Und warum sind Sie dann noch hier...
Die Frau konnte Barbys Gedanken lesen. "Ich werte hier nur noch die Kasse aus," sagte sie.
Mit Tränen in den Augen wandte Barby sich ab. Schon nach wenigen Sekunden liefen die Tränen in Sturzbächen über ihre Wangen und schwemmten das Bild einer glücklichen Barby am Timmendorfer Strand davon.
Die Frau rief sie zurück. "Wenn Sie es eilig haben," sagte sie, "dann nehmen sie doch ein Taxi. Es stehen noch einige vor dem Eingang."
Barby konnte nur noch nicken. Und da der Frau wohl auffiel, dass es ihr ganz schön schlecht ging, handelte sie einfach. Sie zog Barby mit sich nach draußen in den Regen und setzte sie mit sanftem Druck auf die Rückbank eines Taxis. Barby fiel ein, dass sie kein Geld mitgenommen hatte. Sie hasste Geld, man brauchte kein Geld zum Sterben. Aber zum Taxi fahren. Doch bevor sie etwas gesagt hatte, hatte die junge Frau den Taxifahrer schon bezahlt. Sie warf die Tür zu und das Taxi brauste in Richtung Timmendorfer Strand.

"Seit wann ist sie weg?" fragte Vater scharf.
Da alle Augen unangenehm auf John brannten, öffnete er schließlich den Mund.
"Seit gestern abend. Sie war nicht beim Abendessen dabei," brachte er hervor. Vater nickte nur.
Sie saßen alle im Wohnzimmer. Mitten in der Nacht. Eigentlich hatten sie ja bis morgen warten wollen. Doch sie konnten nicht. Auch Patricia und ihr Mann waren noch gekommen und Paddy und Maite saßen bereits im Flugzeug. Alle machten sich riesige Sorgen um Barby.
"Wer hat sie als Letztes gesehen?" fragte Patricia. Sie presste ein Tempo gegen ihre nassen Augen. Ihr Mann hatte tröstend den Arm um sie gelegt.
"Johnny," sagte Kathy.
"Und wie war sie da?" Vater fixierte seine Kinder mit seinen Blicken.
"Johnny sagt, sie wäre nicht sonderlich traurig gewesen," erklärte Angelo.
*Baaaaaaaaaaaaaaaarbyyyyyyyyyyyyyyyyyy...*
"Ich habe gelogen," stieß John hervor.
Alle sahen überrascht auf. "Was soll das heißen, du hast gelogen?" schrien Tanja und Joey, und Patricias Blicke waren wie Dolche in Johns Seele.
"Sie war traurig. Sie war so verzweifelt, wie ich sie noch nie erlebt habe," sprudelte John. "Sie hat geweint und gesagt, dass sie nicht mehr tanzen kann. Ich habe ihr versprochen, dass ich ihr... helfen werde." Er zögerte, die letzten Worte auszusprechen. Er kannte die Reaktion einer bestimmten Person.
Sekundenlang war alles still. Patricia sah ganz ruhig und fest auf John. "Du warst es," sagte sie bestimmt. "Du hast Barby umgebracht."
"Aber Patricia, was sagst du denn da?" fragte ihr Typ.
"Ich bin mir sicher," sagte Patricia mit zusammengebissenen Zähnen. "Vor ein paar Wochen als Barby aus der..." Jimmy legte den Finger an den Mund. "... als sie zurückkam, habe ich ihn gefragt, wie man Barby helfen könnte, wenn sie nicht mehr tanzen kann. Und da hat er gesagt, er würde sie umbringen."
Tanja, Jimmy, Joey und Angelo sahen entsetzt auf John. Dann fing Kathy an zu weinen. Johnny war verzweifelt. "Ich habe sie nicht getötet!" schrie er. "Das würde ich nie tun, es war ein Fehler! Ich liebe Barby, ich würde alles für sie tun!" Patricia lachte nur hysterisch.
Überraschenderweise war es Vater, der einen kühlen Kopf bewahrte. Er nahm Patricia ihr Tempo weg und wischte damit Kathy die Tränen ab. Dann stellte er sich zu John und legte ihm den Arm um die Schultern. "Redet keinen Mist!" fuhr er die anderen an. "Natürlich hat er Barby nicht umgebracht! Der arme Junge macht sich nur Sorgen um sie. Ich wette, Barby ist nicht tot. Sie ist nur abgehauen. Und wir alle sollten euch überlegen, wie wir ihr helfen können, wenn sie zurückkommt und was wir falsch gemacht haben! Und ich weiß es auch! Schaut euch doch mal an! Versace, Armani, Gucci, Markensachen, Statussymbole! Wir haben unser Street Life verkauft, und ich find's auch scheiße!" Er spuckte auf den edlen Teppich.
Alle waren überrascht, dass ihr Vater fluchte. "Und was machen wir jetzt mit
Barby?" fragte Tanja.
"Wir müssen sie suchen," sagte Kathy.
"Was, jetzt?" fragte Tanja.
"Ja, jetzt!" sagte Jimmy.
"Fein." Joey stand auf. "Ich suche Barby am Flughafen."
"Und ich übernehme die Dörfer der Umgebung. Ich nehme das Rad," meinte Kathy entschlossen.
"Gut, und wir suchen in der Stadt," sagte Jimmy, nahm den Autoschlüssel und winkte Patricias Mann.
"Ich gucke bei Bekannten," erklärte Angelo.
"Okay, und ich schaue rund ums Schloss in den Büschen und Sträuchern nach," meinte Tanja. "Patricia begleitet mich sicher."
"Und ich?" fragte John schüchtern. Jimmy sah ihn an. "Du kannst mit uns in die Stadt kommen. Du kannst ja in 'nem anderen Stadtteil suchen. Wir lassen dich einfach irgendwo an einer Ampel raus."
"Ich glaube erst an Johns Unschuld, wenn Barby wieder da ist!" sagte Patricia säuerlich.
"Schluss mit dem Quatsch jetzt, gehen wir!" Tanja und Joey drängten Patricia zur Tür.
"Ich kann nicht mehr weit laufen. Ich bleibe hier bei meinem Enkel Luke und warte auf Maite und Paddy," sagte Vater.

"So, da sind wir," sagte der Taxifahrer.
Barby schreckte hoch. Sie hatte während der ganzen Fahrt geschlafen. Und nun war es schon früh am Morgen.
"Die junge Dame hat mir zuviel Geld gegeben. Soll ich das Rückgeld jetzt Ihnen geben oder was?"
"Trinkgeld. Danke," sagte Barby und stieg aus. Als sie ihr Gesicht im Rückspiegel sah, schämte sie sich. Sie sah aus wie eine Leiche.
Aber gut, das war auch ihr Ziel. Das Taxi brauste um die Ecke und verschwand.
Seeluft stieg ihr in die Nase. Der Duft der Erinnerung. Barby blieb stehen und sah die Straße entlang, die fast leere Straße mit den niedlichen Häuschen, und ganz in der Ferne konnte sie sogar das Meer sehen. Fast war ihr so, als ob sie ihr eigenes Lachen hören konnte, als sie hier mit Paddy, Angelo und John schwimmen gegangen war...
Energisch schlug Barby die Hände zusammen. Jetzt war Schluss damit. Keine Erinnerungen mehr. Bald würde sie selbst nur noch eine Erinnerung sein. Na und. Egal. Jetzt musste sie einen Platz zum Sterben finden.
Vielleicht würde sie einfach ans Meer gehen. Sich ans Wasser setzen und auf die Flut warten.
Oder einfach immer tiefer ins Meer hineingehen. Bis sie keine Luft mehr bekam. Egal. Ganz egal.
Erst einmal musste sie bis ans Meer kommen.

Entnervt kamen Patricia, ihr Mann, Tanja, Angelo, Joey, John, Jimmy und Kathy von ihrer Suche nach Barby nach Hause. Inzwischen war es Morgen geworden. Auch Paddy und Maite waren inzwischen eingetroffen, und zuerst gab es ein freudiges Begrüßen. Dann fragte Vater : "Habt ihr Barby gefunden?"
Alle schüttelten den Kopf. "Jeden Stein habe ich nach ihr umgedreht. Sie muss schon ganz schön weit weg sein," sagte Joey.
"Und du hast sie auch nicht gefunden, John?" fragte Patricia ihn bissig.
"Ach, der!" antwortete Jimmy für seinen Bruder. "Der war nach 'ner halben Stunde schon wieder am Treffpunkt! Also Leute, wenn der sich Mühe gegeben hat, dann bin ich ein..." Er konnte nicht weiterreden, denn Patricia schrie : "Seht ihr, John will Barby gar nicht wiederfinden!!"
"Das will ich wirklich nicht!" schrie John plötzlich zurück. "Ich will Barby nicht wieder hier in Schloss Gymnich einsperren wie in einem Käfig! Sie gehört hier nicht hin, sie muss frei sein, sie - muss - tanzen!! Und wenn sie zurückkommt, ist sie nur wieder unglücklich, und das will ICH nicht!"
Patricia öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Paddy hielt sie zurück. "Lass mal gut sein Patricia, eigentlich hat John ja Recht." "Nur können wir Barby doch nicht allein auf der Straße herumirren lassen, in der Kälte du bei dem ganzen Pissregen hier!" sagte Angelo.
"Nun gut!" schrie John. "Nun gut. Ich sage euch, was ich machen werde! Ich werde Barby suchen, richtig suchen. Und dann nehme ich sie mit, weg hier aus Deutschland. Wisst ihr was?" Plötzlich war er richtig begeistert und schrie immer lauter. "Ich gehe mit Barby nach Spanien, weg von dem ganzen Rummel hier. Und dann kaufen wir uns ein Haus, und ich sorge dafür, dass sie wieder gesund wird! Ihr könnt uns ja mal besuchen," setzte er hinzu.
"John, du bist ein Depp!" sagte Joey. "Denkst du, das geht so einfach?" fügte Kathy hinzu. "Und überhaupt, was ist mit deiner Frau?"
"Ach, die kann warten."
"Und du denkst, das macht die? Die ist doch nicht blöd."
"Doch, das ist sie!" Und wieder hatte John sich richtig in Rage geschrien. "Wisst ihr was, meine Frau ist mir doch ganz egal! Die kann mich eh mal, die hat mich nämlich betrogen, mit meinem Bruder Jimmy!"
"Sag mal du Depp, was behauptest du denn da?" quakte Jimmy. Aber er war sehr rot geworden.
"Hört sofort auf!" fauchte Tanja. "Barby ist ja nicht einmal da! Und vielleicht kommt sie ja nie wieder!"
Maite fing an zu weinen. "Das ist gemein! Ich liebe Barby, ich liebe sie so sehr! Und wir wissen nicht, wo sie ist!... ach, und jetzt klingelt auch noch das Telefon!" Sie schlurfte zum Telefontisch und hob ab. "Kelly?"
"Guten Morgen!" sagte eine junge Frau. "Es geht mich eigentlich gar nichts an, aber wenn Sie etwas suchen - vielleicht finden Sie es ja am Timmendorfer Strand."
"Wie, was, wie?" schrie Maite aufgeregt. Doch die Frau hatte schon aufgelegt.
"Wer war's denn?" fragte Patricia.
Kopfschüttelnd kam Maite näher. "Leute, sagt euch der Name Timmendorfer Strand was? Dort sollen wir was suchen. Das kann ja nur Barby sein."
"Timmendorfer Strand, das erinnert mich an was," sagte Jimmy nachdenklich.
"Ja, da waren wir mal, als wir noch nicht berühmt waren," sagte Angelo.
"Da waren wir im Meer schwimmen, Barby, Johnny, Angelo und ich," sagte Paddy.
"Da hat Barby sehr viel getanzt," sagte John.
"Da war sie noch glücklich. Und ihr auch," meinte Vater ernst.
Alle schwiegen. Und plötzlich hatten sie alle das Bild vom Timmendorfer Strand vor Augen. Und sie schämten sich, weil sie sich so verändert hatten. Und plötzlich dachten sie alle das Gleiche.
"Ich geh' sie dort suchen," sagte Joey und stand auf. "Ich gehe auch," sagte Maite und stand auch auf. "Ich auch," sagte Angelo.
"Schluss! Schluss! Schluss!" Johnny drückte sie alle wieder ins Sofa. "ICH gehe sie suchen, denn wenn sie mit jemandem mitkommt, dann nur mit mir!"
"Auch nicht mit mir, meinst du?" fragte Paddy. Johnny sah ihn prüfend an. "Bei dir bin ich mir nicht so sicher. Ach weißt du was : Komm einfach mit! Wir suchen sie zusammen!"
"Aber ich fahre euch," sagte Jimmy und stand auf. "Von euch Pappnasen kann ja heute keiner mehr fahren!"

Barby lief die Straße entlang. Sie näherte sich dem Meer immer mehr an, das wusste sie, denn sie roch den frischen Seewind und schmeckte Salz auf ihren Lippen. Doch auf einmal blieb sie abrupt stehen.
Sie hörte eine irische Melodie, die immer näher kam. Irgendetwas in ihr befahl ihr, den Kopf zu drehen. Und das tat sie.
Auf der anderen Straßenseite sah sie eine große Menschenmenge und vermutete, dass sich in deren Mitte irgendjemand befand, der dieses fröhliche irische Lied sang. Na und?
Sie war nicht hierhergekommen, um sich irische Songs anzuhören. Sie war hierhergekommen, um zu sterben.
Aber vielleicht konnte sie noch einmal tanzen, bevor sie sterben würde. Hier tanzen, hier am Timmendorfer Strand, hier in der Nähe des Meeres, das man schon riechen und schmecken konnte, hier auf der Straße.
Street Angels live on the street! And they always will!!!!!!!
Sie quetschte sich zwischen den Menschen hindurch und stand schließlich vor zwei älteren Männern. Der eine spielte auf einer Trommel, ein anderer auf einer irischen Flöte - Tin Whistle hieß das Ding - und der dritte Gitarre. Und alle drei sangen dazu und lachten glücklich. Die konnten noch lachen, die waren auf der Straße!
Der Typ mit der Flöte, der natürlich immer nur sang, wenn er gerade nicht Flöte spielte, warf seine Beine hoch in die Luft. Neben ihm tanzten zwei kleine Kinder, ein Mädchen und ein Junge, beide höchstens vier Jahre alt. Beide lachten und quietschten vor Vergnügen.
Irgend etwas zog Barby wie magisch zu ihnen. Und die Musik ergriff immer mehr Besitz von ihr, und mit einem Mal stürmte sie zu der kleinen Gruppe und tanzte, tanzte, tanzte!
Das Lied war zuende. Völlig außer Puste blieb Barby stehen. Sie konnte es nicht fassen, dass sie soeben getanzt hatte. Sie sah die lachenden Männer an. "Danke," sagte sie einfach nur.
Die drei verstanden natürlich nicht, was sie damit meinte. "Oh, du magst unsere Musik?" stellte einer schließlich erfreut fest. "Du, das freut uns aber. Wir wollen nämlich berühmt werden."
"Oh nein!" sagte Barby mit Nachdruck. "Nein. Werden Sie es nicht. Bleiben Sie hier. Bleiben Sie auf der Straße. Das ist besser. Ich schwöre es Ihnen."
Die Männer schwiegen. Warum sollten sie diesem jungen Mädchen glauben? Was wusste die denn schon? Die war so jung, die konnte doch noch nichts erlebt haben. Aber da war irgendetwas in Barbys Stimme, das sie rührte und weswegen sie ihr glaubten.
"Glauben Sie mir," sagte sie. "Könnten Sie ein Lied für mich spielen? Bitte. Ich singe die erste Strophe a capella, und dann fallen Sie mit den Instrumenten ein. Bitte. Es geht ganz leicht."
Und sie sang CRAZY. Und alle Menschen um sie herum wiegten sich im Takt. Barby hatte die Gabe, Leben zu verändern.
Das Lied war zuende. Ein paar Leute wischten sich Tränen von den Wangen. Auch Barby. Aber sie wusste erst jetzt, wofür sie lebte.
"So, und jetzt darf wieder getanzt werden!" jubelte der Typ mit der Trommel und stimmte ein noch schnelleres irisches Volkslied an. Die Kinder gingen zu Barby. "Willst du mit uns tanzen?"
"Ja, natürlich," sagte Barby überglücklich.
Und sie nahm den Jungen und das Mädchen an die Hand und die drei wirbelten im Kreis, immer schneller, immer schneller, und sie sangen laut mit. Barby war glücklich. Sie war wirklich glücklich. Das war ihr Leben. Jetzt erst war sie wirklich Barby Kelly. Und sie wollte nicht mehr sterben. Nein. Nein. Nein. Sie wollte nur noch leben!

"Wir haben den ganzen Strand abgesucht!" sagte Paddy genervt. "Und auch fast die ganze Stadt. Langsam glaube ich, die ist nicht hier."
John war den Tränen nahe. "Sie MUSS hier sein. Ich fühle es doch!"
"Also gut, John. Aber nur noch diese Straße!" meinte Jimmy.
Sie bogen in die große Straße ein. John ließ seine Blicke schweifen. Da vorne standen so viele Menschen, und... "Hey Leute, was ist denn das für eine Musik?" fragte Paddy.
Sie fuhren herum. Und dann sahen sie sie. Johns Herz klopfte.
*Baaaaaaaaaaaaaaaaaaaarbyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy...*
"Sie tanzt," sagte Jimmy.
"Sie tanzt," sagte Paddy.
"WAS macht sie?" fragte John erschüttert.
"Sie tanzt," sagten Paddy und Jimmy.
Und da wusste John ganz genau, was er zu tun hatte.
Er schob Paddy und Jimmy zur Seite. "Lasst mich zu ihr gehen," bat er.
Mit eiligen Schritten hastete Johnny auf die Gruppe zu. Barby drehte eine Pirouette. Und da sah sie ihn.
*Joooooooooooooohn...*
*Baaaaaaaaaaaaaaarbyyyyyyyyyyyy...*
Barby stoppte. Die Kinder stoppten. Die Musik stoppte. Street Angels aren't like anyone you know.
"Endlich kommt einer und holt sie ab," sagte einer der Musiker und fuhr sich mit der Hand über die schweißnasse Stirn. "Ich dachte schon, wir müssen bis morgen früh weiterspielen. Ich bin echt k.o., Leute."
Doch John und Barby hörten das gar nicht. Sie rannten aufeinander zu und fielen sich in die Arme.
Wie hat er mich nur gefunden? Wer hat mich verraten? Die Frau am Schalter? Der Taxifahrer? Egal. Egal. Egal. Ich lebe. Das ist das Wichtigste. Ich kann tanzen. Ich kann leben.
Ob sie so glücklich bleiben wird wie heute? Oder werde ich sie eines Tages nicht mehr so glücklich finden? Wird sie immer tanzen können?
Ich weiß es nicht. Aber ich werde auf sie aufpassen. Ich werde ihr immer helfen. Ich liebe sie. My sweet Street Angel.


© by Doro F.
Bitte schreibt mir doch 'ne Mail an doro-violet@gmx.de, wie euch meine Story gefällt! Ich bin schon ganz gespannt!
Love, Doro


© Doro (Die Geschichte ist wirklich wunderschön, wenn auch teils sehr, sehr traurig, aber ich finde, sie enthält eine wichtige Botschaft!!)

 

Bar Letter

Last update: 26/04/2001

(Online since: 12/02/2001)


Zurück zur Storypage

Back to the Storypage