Die Kellys wohnten nun schon seit einigen Wochen in ihrem großen Schloss in Köln, das direkt an ein Waldstück grenzte. Doch da sie ständig auf Tour und fast nie zuhause waren, kannten sie sich in ihrer neuen Heimat noch nicht so gut aus. Doch heute wollte Paddy den Wald erkunden.
"Angelo, kommst du mit?" fragte er seinen kleinen Bruder. Doch Angelo wollte lieber Fußball spielen. Also fragte Paddy seine Schwester Barby. "Sorry, aber ich will lieber mein Buch weiterlesen," meinte sie. "Dann eben nicht," knurrte Paddy und ging in Maites Zimmer, sie war nun seine einzige Hoffnung. "Maite," rief er und stieß die Tür auf, "hast du Lust, mit mir in den Wald zu gehen?"
Maite sprang vom Bett auf. "Schrei‘ doch nicht so! Du erschreckst die Tiere!" flüsterte sie und umarmte Futzel, ihren Lieblingsteddybären.
"Ach, du mit deinen Viechern," brummte Paddy und sah sich im Zimmer seiner kleinen Schwester um. Auf dem Bett lagen neben Futzel auch noch eine Stoffgans, ein Schwein, ein geflickter Hund, und, und, und...
"Das sind gar keine Viecher," beschwerte sich Maite. "Was willst du?"
"Gehst du mit mir in den Wald? Wir dürfen doch nicht allein gehen. Bitte, bitte," bettelte Paddy. Maite zögerte nur kurz. "Also gut. Aber ich nehme Futzel mit."
Paddy warf einen Blick auf das Stofftier und stöhnte auf. "Im Wald würde er sich doch sicher fürchten," sagte er listig.
Maite überlegte kurz. "Du hast Recht. Ich lasse ihn lieber hier."
Gemeinsam gingen sie also los und waren bald tief im Wald. Es wurde immer dunkler, bald konnte man vor lauter hohen Bäumen die Sonne nicht mehr sehen. "Sollen wir nicht lieber umkehren, Pad?" flüsterte Maite angstvoll. "Ach was! Vielleicht finden wir ja was oder erleben etwas ganz Tolles!"" trieb Paddy sie an.
Also liefen sie weiter. Plötzlich bückte sich Maite. "Hey, guck‘ mal, da liegt was! Ich glaube, es ist ein Taschentuch!" Sie hob das Ding auf. Es war wirklich ein Taschentuch mit einer mysthischen Stickerei drauf. "Was sollen denn das für Zeichen sein?" fragte Paddy. "Also, wenn man es andersrum legt, sieht es aus wie Futzels Kopf," stellte Maite fest. "Kannst du net mal von was anderem reden?" fragte Paddy genervt. Maite steckte beleidigt das Taschentuch ein und stapfte voraus. "Sag‘ bloß, du nimmst das verdreckte Tuch jetzt mit?" rief Paddy fassungslos. "Klar, mir gefällt es nämlich! Und wenn der gnädige Herr Paddy was dagegen hat, ist mir das total egal!" sagte Maite wütend und lief weiter.
Paddy schüttelte nur noch den Kopf, aber dann rannte er seiner Schwester doch hinterher.
Eine Weile liefen sie schweigend nebeneinander durch den düsteren Wald. Plötzlich blieb Paddy wie angewurzelt stehen. "Was ist denn das?"
In der Ferne tauchte ein Holzhaus auf. Es sah ziemlich vergammelt aus.
Maite vergaß ihren Streit mit Paddy und flüsterte: "Paddy, ich hab‘ Angst!"
"Ach was, brauchst du nicht, ich bin doch bei dir!" versuchte Paddy ihr Mut zu machen. Eigentlich hatte er selbst ein mulmiges Gefühl, aber er war nicht scharf darauf, es vor Maite zuzugeben.
Als sie näher auf das Haus zugingen, machte Maite eine höchst sonderbare Entdeckung.
"Schau‘ nur, Paddy, auf den Vorhängen sind die gleichen Stickereien wie auf dem Taschentuch, das ich vorhin gefunden habe! Was sagst du dazu?"
"Nun, anscheinend haben die Leute, die hier wohnen, das Taschentuch im Wald verloren," erwiderte Paddy.
"Und, was nun – soll ich es ihnen wiedergeben?" fragte Maite nervös.
Paddy zuckte mit den Schultern. "Nun ja, wenn du mich fragst – ich finde schon!"
Also gingen sie näher an das alte Haus heran. Paddy klopfte, doch nichts geschah. "Keiner zuhause," meinte Maite.
Gerade, als sie gehen wollten, kam eine alte Frau hinter dem Haus hervor. Sie trug ein grünes Kopftuch mit der gleichen Stickerei. "Wer seid ihr und was wollt ihr?" keifte die Frau.
Schüchtern hielt Maite ihr das Taschentuch entgegen, und sofort veränderten sich die Gesichtszüge der alten Frau. "Ihr habt mein Taschentuch gefunden! Aber das ist ja wundervoll! Kommt mit in mein Haus, ich werde euch fürstlich belohnen!" Mit diesen Worten stieß sie die Tür zu ihrem Holzhaus auf und schlurfte hinein. Etwas unschlüssig folgten ihr die Kelly-Kinder.
Das ganze Haus war vollgestopft mit Tüchern, Säcken, Kristallkugeln und ähnlichem Zeugs. Vor dem Kamin räkelte sich eine schwarze Katze. Die Frau lief auf einen Tisch zu und setzte sich. "Ihr habt mein Taschentuch gefunden, das ich für alle meine Zaubereien benötige!"
"Du... du bist eine Hexe?" stotterte Maite fassungslos.
Die alte Frau lächelte geheimnisvoll. "Nennt mich Frau Uhura. Und nun setzt euch, bis ich eure Belohnung geholt habe!" Sie verschwand in einem Nebenraum. Die Kelly-Kinder blieben zurück.
"Sollen wir nicht lieber abhauen?" flüsterte Maite ängstlich. Paddy schüttelte den Kopf. "Ach was, Maite! Ich finde das spannend! Bis jetzt ist uns ja noch nichts passiert! Ich bin gespannt auf die Belohnung!"
"Glaubst du, dass sie wirklich eine Hexe ist?" fragte Maite nervös. Paddy zuckte mit den Schultern. "Ich wünschte nur, Futzel wäre jetzt bei mir," flüsterte Maite.
Frau Uhura kam zurück ins Zimmer. In der Hand hielt sie ein kleines Säckchen aus braunem Stoff. "So, das ist eure Belohnung."
"Was ist denn das? Blumensamen?" fragte Paddy und musterte das prall gefüllte Säcklein.
"Blumensamen?" Frau Uhura war entsetzt. "Das sind echte Zauberkörner!"
"Wofür sind die gut?" wollte Paddy wissen.
"Mit diesen Körnern könnt ihr euch in eine andere Person verwandeln. Ihr schluckt die Körner und sagt dabei den Namen der Person, die ihr sein möchtet."
"Toll!" rief Maite. "Und wann hört der Zauber wieder auf?"
"Oh, nach einer Nacht ist alles wieder vorbei," lächelte Frau Uhura listig.
"Vielen Dank! Auf Wiedersehen!" riefen die beiden Kellys und rannten nach Hause.
Frau Uhura schloss die Tür hinter ihnen und brach in lautes Gelächter aus. "Ha ha ha, sie sind drauf reingefallen! Bald gibt es keine Kellys mehr, und ich kann das große Schloss besetzen!"
Die Kelly-Kinder eilten durch den Wald nach Hause. "Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich Pamela Anderson, Arielle, Angela Merkel oder Lee von Tic Tac Toe werden will," seufzte Maite. "Es ist ja nur für einen Tag! In wen willst du dich denn verwandeln, Paddy?" "Das weiß ich noch nicht. Vielleicht in Michael Jackson. Aber hör‘ mal Maite, die ganze Sache muss unter uns bleiben!"
"Ist doch milchklar!" sagte Maite beleidigt.
Inzwischen waren sie im Kelly-Garten angekommen. Barby saß auf der Schaukel. "Hi, wo kommt ihr denn jetzt her?" fragte sie. "Wir waren im Wald," antwortete Paddy. Im selben Moment rief Jimmy: "Das Essen ist fertig!" Barby sprang von der Schaukel und rannte ins Haus. Paddy und Maite blieben noch kurz zurück. "Ich verstecke die Körner in meinem Zimmer," versprach Maite.
"Wie war es denn im Wald?" fragte Angelo beim Abendessen.
"Ach, das ist halt nur Wald," sagte Paddy ausweichend.
"Unsere Nachbarn haben aber erzählt, da wäre irgendwo eine Holzhütte," bohrte Kathy weiter,
"Wir haben keine gesehen," meinte Maite.
"Sag‘ mal Maite," fragte Johnny plötzlich stirnrunzelnd, "muss Futzel eigentlich bei jeder Mahlzeit neben deinem Teller sitzen?"
"Natürlich, er muss immer bei mir sein!" erwiderte Maite. Paddy konnte nur noch den Kopf schütteln.
Paddy hatte eine schlaflose Nacht verbracht. Die Sache mit den Zauberkörnern faszinierte ihn sehr. Er wollte gerne Michael Jackson sein. War ja nur für einen Tag, und als MJ konnte man sicher einiges erleben.
Nach dem Frühstück ging Paddy zu Maite. "Wollen wir jetzt mal... du weißt schon..."
"Sorry, geht net. Käthe fährt mich jetzt zur Klavierstunde. Und außerdem weiß ich immer noch net, was ich werden soll!"
"Unentschlossene Weiber!" knurrte Paddy, als Maite und Kathy weg waren. Er wollte es jetzt aber endlich ausprobieren! Er ging in Maites Zimmer. Wo hatte sie nur das Säcklein
versteckt? Er hob Futzel vom Bett hoch. Na klar, unter ihm lag das Säcklein. "Dumme Viecher!" brummte Paddy den anderen Kuscheltieren zu, die auf dem Fensterbrett saßen. Dann öffnete er das Säckchen und nahm fünf Körner heraus. Er nahm sie in den Mund. Sie schmeckten komisch. Paddy öffnete den Mund, um seinen Wunsch zu formulieren. In diesem Moment fiel Futzel vom Bett. Paddy verschluckte sich vor Schreck.
"Futzel, du dummes Vieh!" rief er wütend. Im selben Augenblick wurde ihm bewusst, was er getan hatte.
Hart schlug Paddy auf dem Boden auf. "Ach herrjeh, was ist denn jetzt passiert?" rief eine Stimme.
Paddy sah erschrocken an sich herunter. Er war nur noch wenige Zentimeter groß. Er hatte dicke, plüschige Pfoten bekommen. Einen Fellkörper und braune Knopfaugen. Und er trug um den Hals eine rote Schleife. Er war zu Futzel geworden!
"Oh nein!" rief Paddy verzweifelt. Er erkannte seine Stimme nicht mehr. Das war nicht die Stimme, die An Angel oder One More Song gesungen hatte. Das war die Stimme eines Plüschteddys. Die von Futzel.
Paddy begann zu weinen. Winzige Tränen tropften auf sein Fell. Er war sich nicht sicher, ob Menschenaugen jemals die Tränen eines Kuscheltieres gesehen hatten.
"Nun komm‘ schon, wein‘ doch nicht! Es ist doch alles nur halb so schlimm!" ertönte wieder die Stimme.
"Wer spricht da?" fragte Paddy ängstlich. "Na, ich bin’s doch, die Gans Erna! Guck‘ doch hoch, du Dummkopf!"
Paddy hob vorsichtig seinen schweren Kopf. Auf dem Fensterbrett, zwischen den anderen Kuscheltieren, saß die verstrubbelte Gans und musterte ihn ungeniert. "Hallo Erna!" murmelte er.
"Das ist nicht Futzel!" mischte sich der Stoffhund ein. "Futzel ist ganz anders!"
"Natürlich ist das nicht Futzel!" erwiderte die Gans. "Das ist Maites Bruder Paddy. Der, der immer über uns lästert!"
Erna hatte bei ihren letzten Worten sehr boshaft geklungen, und Paddy fing wieder an zu weinen. "Nun heul‘ nicht schon wieder!" bat Erna. "Kannst du uns vielleicht verraten, wo der echte Futzel ist?"
"Nein!" schluchzte Paddy. "Ich weiß es nicht! Ich möchte so gerne wieder Paddy sein! Ich werde auch nie wieder über ein Plüschtier lästern!"
"Wirst du jetzt für immer und ewig Futzel bleiben?" fragte nun auch das Schwein.
"Nein, nur bis morgen früh. Hurra, ab morgen bin ich wieder Paddy!"
"Sehr gut!" sagte Erna. "Aber solange kannst du ja noch zu uns rauf aufs Fensterbrett kommen."
Paddy staunte. "Geht das denn?"
"Klar, probier’s nur mal aus!"
Erst war Paddy noch etwas ungelenk auf seinen großen Tatzen, doch schon bald saß er auf dem Fensterbrett zwischen der Gans und dem Hund. Er hatte eine Menge Fragen an die Stofftiere. "Sagt mal, warum könnt ihr – oder wir – euch eigentlich bewegen? Wenn Menschen im Zimmer sind, seid ihr doch immer stocksteif!"
Erna lächelte die anderen an. "Tja, einige Geheimnisse wollen auch wir Tiere für uns behalten. Und eins davon ist unsere Bewegungsfreiheit."
In diesem Moment hörte er von draußen Patricia rufen: "Paddy? Paddy! Wo bist du?"
"Hier bin ich!" schrie Paddy vom Fensterbrett.
"Hast du vergessen, dass du ein Teddybär bist?" fragte Erna.
Patricia öffnete die Tür. "Paddy, bist du in Maites Zimmer?"
"Hier bin ich doch!" schrie Paddy mit aller Kraft. Doch Patricia schloss die Tür wieder.
"Du kannst schreien, so viel du willst, man hört dich nicht," mischte sich nun eine rote Plüschmaus ein.
"Aber warum denn nicht," rief Paddy verzweifelt, "wir hören ja auch, was die anderen
reden!"
"Das ist einer der Vorteile der Plüschtiere," lachte das Schwein.
Aber Paddy war nicht zum Lachen.
Etwas später hörte er seine Geschwister durchs ganze Haus rufen: "Paddy? Paddy? Wo bist du denn?"
Kurz darauf stürmte Maite in ihr Zimmer und riss ihren Teddybären an sich. "Futzel, stell‘ dir vor, Paddy ist weg! Hast du eine Ahnung, wo er sein könnte?"
Paddy platzte fast vor Verzweiflung. "Hier bin ich doch!" schrie er ; vielleicht hörte Maite ihn ja, sie mit ihrer Empfindsamkeit für Kuscheltiere.
"Nicht mal Maite kann dich hören," zischte der Hund.
Joey war hinter Maite ins Zimmer getreten. "Jimmy und ich gehen jetzt in den Wald und suchen ihn dort. Es ist schon dunkel, hoffentlich finden wir Pad." Maite nickte, und Joey schloss die Tür hinter sich.
"Ich geh‘ jetzt schlafen," sagte Maite traurig und setzte Paddy auf ihr Kopfkissen. Dann zog sie ihr Nachthemd an. Paddy war es etwas peinlich, dabei zuzusehen. Wenn Maite wüsste, vor wem sie sich da auszog, würde sie es von nun an ganz bestimmt im Bad tun. Als Maite fertig war, gab sie jedem Tier einen Gutenachtkuss. "Wie schrecklich!" dachte Paddy angewidert. Doch es kam noch schlimmer. Maite nahm ihren Lieblingsteddy zu sich ins Bett und löschte das Licht. "Oh Futzel," flüsterte sie, "ich mach‘ mir ja solche Sorgen um Pad! Ob er nun wirklich Michael Jackson ist? Ich hab‘ Angst um ihn!"
Maite begann zu weinen. Ihre Tränen tropften in Paddys Fell, und er bekam ein schlechtes Gewissen. Maite erzählte ihm hier von ihren Problemen, dabei waren die doch eigentlich für Futzel bestimmt. Und wer hörte den Tieren zu, wenn sie Probleme hatten?
Am nächsten Morgen, als Paddy aufwachte, lag er allein im Bett. Und, oh Schreck, er war immer noch Futzel!
"Diese alte Hexe hat mich reingelegt!" brüllte er so wütend, dass die anderen Stofftiere aufwachten.
"Ich will nicht für immer Futzel bleiben!" schluchzte Paddy. "Ich will wieder Patrick Kelly sein! Und ihr wollt doch sicher auch wieder den richtigen Futzel zurück!"
"Aber was willst du tun?" fragte der geflickte Hund besorgt.
"Ich werde zu Frau Uhura gehen! Sie ist die Einzige, die mir jetzt noch helfen kann!"
Mit diesen Worten kletterte Paddy aufs Fensterbrett. "Kann vielleicht einer mal das Fenster aufmachen?" "Sag‘ bloß, du willst aus dem Fenster springen!" rief Erna, die Gans. "Bitte helft mir!" flehte Paddy. "Ich weiß ja, ich war nicht immer lieb zu euch, aber glaubt mir, das wird sich alles ändern!"
Mit vereinter Kraft schafften es die Tiere schließlich, das Fenster zu öffnen. "Viel Glück, Paddy!" rief Erna ihm noch zu. Paddy nickte. Er atmete tief durch, dann sprang er hinaus auf die Straße.
Mittlerweile saßen die anderen Kellys am Frühstückstisch. Sie waren verzweifelt, weil Paddy immer noch nicht aufgetaucht war. Vor allem Maite litt Höllenqualen. Wenn Paddy nun wirklich zu Jacko geworden war? Die Nacht war vorbei, er musste doch schon lange wieder er selbst sein!
Als sie den Tisch abgeräumt hatten, sagte John: "Ich werde jetzt eine Vermisstenanzeige aufgeben." Die anderen nickten. Maite schossen Tränen in die Augen. Sie rannte nach oben in ihr Zimmer, wollte Futzel an sich drücken – doch Futzel war weg! Und das Fenster stand sperrangelweit offen!
War Futzel aus dem Fenster gefallen? Maite blickte hinunter auf die Straße. Nein, keine Spur von dem kleinen braunen Teddybär. Nachdenklich schloss Maite das Fenster wieder und setzte sich aufs Bett. "Und ihr wisst auch nichts?" fragte sie die Tiere. Doch die konnten ihr ja nicht antworten.
Auf einmal sprang Maite heftig auf. "Jetzt ist mir alles klar!" rief sie. "Paddy ist zu Futzel geworden! Und Frau Uhura hat uns belogen! Er ist immer noch Futzel, und wer weiß, was jetzt mit ihm geschieht! Ohh, der Frau werd‘ ich was erzählen!" Mit diesen Worten stürmte sie aus dem Haus und in den Wald. Warum Paddy plötzlich doch nicht Jacko, sondern Futzel geworden war, konnte sie sich nicht erklären. Es war ihr auch nicht wichtig.
Aber wie war es indessen Paddy ergangen? Sein Plan war eigentlich gewesen, dass er sich auf die Straße fallen ließ und von dort aus in den Wald lief. Doch er war direkt auf das Dach eines vorbeibrausenden Autos gefallen.
"Nein, hilfe!" schrie Paddy und versuchte, sich am Autodach festzuklammern. Doch mit seinen Fellpfoten war das gar nicht so einfach. Das Auto raste durch die Stadt. Paddy zitterte. War es vor Angst oder vor Kälte? Schon hatten sie die Stadt hinter sich gelassen. Lange konnte Paddy das Ganze nicht mehr mitmachen. Das Auto brauste am Rhein entlang. Paddy konnte nicht mehr. War doch eh‘ alles egal. Er ließ los.
Es riss ihn durch die Luft. Bestimmt zehn Meter weit wurde der kleine Teddybär geschleudert, bis er im seichten Wasser des Rheins landete.
Frau Uhura schloss die Tür ihres Hexenhauses und ging ins Zimmer nebenan, in dem der ultramoderne Fernseher, der Computer, die Stereoanlage und ähnliches Zeug standen. Behaglich lehnte sie sich in ihrem edlen Ledersessel zurück und dachte mit hinterhältigem Grinsen an ihrem Lebenslauf:
Nach der Scheidung von ihrem Mann hatte Frau Uhura, die eigentlich Rosalinde Darker hieß, erst einmal auf der Straße gestanden. Eine Freundin hatte sie dann in die Geheimnisse der schwarzen Magie eingeführt. Sie machte einen Kurs und verplemperte dafür ihr letztes Geld. Zum Glück fand sie das Holzhaus im Wald und zog dort ein. Als die Polizei sie entdeckte, schüttelte sie schnell die Hexe Frau Uhura aus dem Ärmel. Die Presse erfuhr von ihr, und Reporter kamen in den Wald, um Frau Uhura zu interviewen. Durch die Berichte in den Medien wurde sie reich, aber worauf sie wirklich scharf war, das war das Kelly-Schloss hinter dem Wald. Und nun mit diesen Zauberkörnern... die Kellys würden sich alle verwandeln und zerstreuen, und sie würde das Schloss bekommen!
Manchmal träumte Frau Uhura doch davon, wieder ein ganz normales Leben als Rosalinde Darker zu führen. Aber man konnte nicht alles haben...
Plötzlich wurde sie jäh aus ihren Gedanken gerissen. Jemand klopfte heftig an die Holztür. "Machen Sie auf! Ich will, dass mein Bruder sich auf der Stelle zurückverwandelt, sonst brenne ich das Haus ab!"" rief eine Stimme.
Frau Uhura sprang erschrocken auf und begann zu zittern. Das musste dieses Mädchen sein, Maite oder wie die hieß. Verdammt, warum hatte sie die Körner nicht gemeinsam mit ihrem Bruder eingenommen, dann hätte niemand bemerkt, dass eine Zurückverwandlung nicht möglich war!
"Machen Sie sofort auf! Ich weiß genau, dass Sie da drin sind!" schrie Maite von draußen. "Ich will meinen Bruder zurück!"
"Eine Sekunde!" rief Frau Uhura von drinnen, die nun eingesehen hatte, dass Fliehen und Lügen zwecklos war. Sie eilte in ihre Zauberkammer. Wo war das Taschentuch? Ah, da. Sie schüttete einen dünnen roten Saft über den Stoff, atmete tief durch und trat mit dem Taschentuch vor die Tür.
"Was zum Teufel ist..." polterte Maite los, verstummte aber, als sie die böse Hexe sah. Auf diesen Augenblick hatte Frau Uhura gewartet. Sie schüttelte das Taschentuch, und der rote Saft spritzte auf Maite. Maites Augen bekamen einen entrückten Ausdruck. "Was mache ich hier?" flüsterte sie.
"Du hast Pilze gesucht. Und jetzt gehst du sofort nach Hause!" befahl Frau Uhura mit eindringlicher Stimme.
"Okay!" murmelte Maite, machte einen Knicks und stolperte nach Hause, gefolgt von dem schrillen Gelächter der Hexe.
Paddy öffnete müde seine Augen. Wo war er? Sein Fell war nass. Er lag auf einem breiten Stück Holz und trieb den Rhein entlang.
Paddy wurde wieder von Panik erfasst. Konnte es noch schlimmer kommen? Er war bestimmt schon meilenweit von zuhause weg. Und er war immer noch Futzel.
Barby und Angelo Kelly saßen nervös im Garten. Eine Suchmeldung für Paddy war bereits aufgegeben worden, doch bis jetzt hatte es noch keine Reaktionen darauf gegeben. Und Maite, wo war die überhaupt?
In diesem Moment wankte Maite mit gläsernem Blick aus dem Wald.
"Maite! Wo warst du?" rief Angelo.
"Ich hab‘ Pilze gesucht," erwiderte Maite mit schläfriger Stimme.
"Du hast aber gar keine dabei!" stellte Barby fest.
"Nicht? Dann muss ich sie unterwegs verloren haben!" meinte Maite und ging langsam ins Haus. Fassungslos sahen ihr die anderen hinterher. "Die Sorge um Paddy hat ihr den Verstand geraubt!" vermutete Angelo.
Paddy schreckte hoch. Er musste eingeschlafen sein, wie durch ein Wunder war er nicht vom Holz gerutscht und in den Fluss gefallen.
Er hatte Schmerzen in seinem kleinen Plüschkopf. Verzweifelt versuchte Paddy, die Augen offenzuhalten. Der Fluss strömte an einer Landstraße entlang. Ob hier schon mal der Kelly-Bus entlang gefahren war?
Mit einem Ruck setzte Paddy sich auf. Fast wäre er runtergefallen. Er musste so schnell wie möglich an Land. Sonst war er schon zu weit von zuhause weg und würde sich nie wieder in sich selbst verwandeln!
Mit seinen kleinen Pfoten hieb er aufs Wasser ein und ruderte bis zum Ufer. Dort kletterte er schwerfällig an Land. Sein Fell hatte sich mit Wasser vollgesogen, und die Nacht brach auch schon fast herein. Er schob das Schilfgras zur Seite und legte sich hin.
"Wir müssen es Vater sagen," meinte Kathy in der Küche zu ihren Geschwistern. "Er kommt heute zum Abendessen."
Alle nickten. Doch als sie dann gemeinsam mit Vater Dan beim Abendessen saßen, fehlte ihnen allen der Mut, mit dem Thema anzufangen. "Mmmh, Kathy, dein Rehrückenfilet schmeckt wirklich köstlich," lobte Dan das Essen. "Sagt mal, wo ist denn eigentlich Patrick?" fing er plötzlich an.
Alle schwiegen betreten. Schließlich raffte sich John auf. "Wir wissen nicht, wo Paddy ist, er ist weg."
"Weg!" polterte Vater Dan. "Der Junge hat gefälligst zum Essen daheim zu sein!"
"Vater, du verstehst nicht!" meinte Joey verzweifelt. "Paddy ist verschwunden, seit ein paar Tagen schon! Wir haben keine Ahnung, wo er ist!"
Dans Zorn wich Entsetzen. "Das darf nicht wahr sein! Mein Sohn Paddy ist weg! Ist er abgehauen? Gab es Streit?"
"Abgehauen ist er sicher nicht," sagte Angelo. "Er hat nichts mitgenommen."
"Vielleicht wurde er entführt," rätselte der Vater.
"Sag‘ so was nicht," wimmerten Barby und Kathleen.
"Wir dürfen es nicht ausschließen!" meinte Jimmy.
"Maite, du warst doch heute im Wald. Hast du nicht irgendeine Spur von ihm gefunden?" fragte Patricia mit gerunzelter Stirn.
"Nein, nichts," meinte Maite verwirrt. "Sie konnte sich zwar daran erinnern, im Wald gewesen zu sein, wusste aber nicht mehr, was sie dort getan hatte.
"Irgendwas stimmt doch nicht mit der," flüsterte Jimmy.
Später lag Maite noch lange wach. Ohne Futzel konnte sie nicht einschlafen. Wo war er? Und Paddy war auch weg! Maite konnte nicht klar denken, ihr war, als hätte jemand ihr Hirn blockiert. Sie wälzte sich noch eine Weile schlaflos hin und her, dann schlief sie völlig entnervt ein.
Paddy schlug seine Knopfaugen auf. Er hatte die Nacht in diesem unbequemen Schilf direkt am Wasser verbracht. Ihm war total schlecht. Können Teddybären sich erbrechen? Paddy versuchte es, aber es ging nicht so richtig. Plötzlich bekam er auch noch einen Hustenanfall, der sich in Tränen auflöste. Was die anderen wohl gerade taten? Ob es ihnen gut ging? Dachten sie noch an ihn?
"Hey, was ist denn los?" Erschrocken drehte Paddy sich zu der Stimme um. Zuerst dachte er, es wäre Erna, die Stoffgans, doch es war eine Ente. "Warum weinst du denn?"
"Ich will nach Hause," weinte Paddy.
"Wo wohnst du denn?" wollte die kleine Ente wissen.
"In Köln," schniefte Paddy. "Ich bin den Fluss entlang getrieben..."
"Da hast du aber Glück, dass du nur bis Bonn getrieben bist," sagte die Ente. "Wenn du möchtest, fliege ich dich nach Hause."
"Das würdest du tun?" Paddy war gerührt. "Schaffst du das denn?"
"Klar, steig‘ auf!"
Nach einigen Minuten hatte Paddy es geschafft, auf den Rücken der Ente zu klettern. Und ab ging’s in die Lüfte!
Paddy war fassungslos. Das war ein Erlebnis, auf einer Ente zu fliegen! Sie waren so hoch oben ; wie klein alles unter ihnen war, Häuser, Autos, Menschen. Auf einmal war Paddy ganz dankbar, Futzel zu sein. Unglaublich! Er wünschte sich, sie würden nie wieder landen.
"Gibt es etwas Neues von Paddy?" fragte Vater Dan am nächsten Morgen am Telefon.
"Leider nein," erwiderte Joey.
Als er aufgelegt hatte, meinte John düster: "Vielleicht ist Pad ja schon lange tot."
"So was darfst du nicht sagen!" jammerte Angelo.
"Denkst du, ich sag‘ das aus Spaß?" fragte Johnny wütend. Er sprang auf und rannte unruhig im Zimmer umher. "Glaubst du, ich bin nicht krank vor Sorge um Paddy? Denkst du, mir ist egal, was mit ihm ist?"
"Ist ja gut," sagte Angelo.
"Aber vielleicht ist er doch abgehauen!" überlegte Patricia.
Kathy weinte los. "Aber warum denn, er hat es doch so gut bei uns!"
"Maite, du warst doch am Tag vor seinem Verschwinden mit ihm im Wald! Ist da irgendwas gewesen, hat Pad irgendwas zu dir gesagt?" fragte Barby.
"Nein," sagte Maite mit fahriger Stimme. "Ich kann mich nicht erinnern..."
"Denk‘ genau nach!" bat John. "Es ist wirklich sehr wichtig!" Doch Maite konnte einfach nicht richtig nachdenken, sobald sie es versuchte, bekam sie Kopfweh.
"Wir haben bald wieder eine Tour," sagte Kathy verzweifelt. "Was sollen wir nur den Fans sagen? Irgendwie müssen wir es denen doch erklären, oder net?"
Da stand John plötzlich auf und ging zum Telefon.
"Was machst du?" fragte Patricia besorgt.
"Ich rufe jetzt die Plattenfirma an, sie sollen eine Pressemitteilung herausgeben, dass Patrick verschwunden ist."
Barby fing an zu weinen. "Wo soll das nur hinführen?" Doch keiner konnte ihr Antwort geben.
Inzwischen waren Paddy und die Ente schon fast in Köln angekommen. Paddy hatte ihr unterwegs alles über die Verwandlung erzählt. Die Ente war sehr erstaunt. "Ich wusste gar nicht, dass so was geht. Na ja, wieder was dazugelernt. Ich bin ja noch jung!"
"Da unten ist unser Schloss!" rief Paddy.
"Soll ich dich nicht lieber gleich zu dieser komischen Hexe fliegen?" bot die Ente an. Doch Paddy schüttelte den Kopf. "Das ist sehr lieb von dir, aber ich habe einen Plan und dafür brauche ich die anderen Kuscheltiere." "Okay," meinte die Ente und ließ Paddy aufs Fensterbrett steigen. "Vielen Dank!" meinte Paddy glücklich. "Wenn ich wieder Paddy bin, komme ich mal mit den anderen und füttere euch!"
"Aber bitte mit Weißbrot, das mögen wir alle gern!" rief die Ente, bevor sie sich in die Lüfte erhob. Paddy winkte ihr lange hinterher. Dann drehte er sich um und versuchte, durch die Fensterscheibe in Maites Zimmer zu sehen. Außer den Tieren, die auf dem Fensterbrett saßen, war niemand im Raum. Paddy klopfte heftig gegen die Fensterscheibe.
Die Gans Erna drehte sich um. "Aber – das ist ja Paddy!"
"Mach‘ auf!" flüsterte Paddy.
Das musste er nicht zweimal sagen. Die Tiere versuchten mit aller Kraft, das Fenster zu öffnen, und endlich glückte es auch. Paddy kletterte auf die innere Fensterbank. "Und, Pad, wie ist es dir entgangen?" wollte Erna aufgeregt wissen.
"Erzähl‘ ich euch später!" flüsterte Paddy. "Jetzt brauch‘ ich erst mal eure Hilfe! Ich muss jetzt erst mal zu Frau Uhura, also zu dieser Hexe, die mir das Zeug angedreht hat!"
"Na prima!" sagte der geflickte Hund. "Aber was haben wir damit zu tun?"
"Ihr müsst mitkommen! Ihr könnt doch laufen, und wenn Maite und die anderen uns laufen sehen, rennen sie uns hinterher und wir können die miese Hexe überführen!"
"Wir sollen den Menschen zeigen, dass wir laufen können?" quiekte die Maus.
"Nun mach‘ mal mal einen Punkt!" sagte Erna wütend. "Wir müssen Pad helfen! Wir wollen doch Futzel zurück, und Paddy möchte auch wieder er selbst sein!"
"Also gut!" meinten die anderen Stofftiere.
"Vielen Dank, ihr seid klasse!" Paddy sprang auf den Boden. "Na dann mal los!"
Aufgeregt tuschelnd sprangen die Tiere vom Fensterbrett und folgten Paddy schnell die Treppe hinunter und vorbei am Wohnzimmer. Durch die geöffnete Tür konnte Paddy seine Geschwister sehen. "Macht Lärm!" zischte er den Tieren zu, und sie stampften mit ihren kleinen Plüschpfoten auf den Boden.
"Was ist denn das für ein Lärm?" brummte Joey und drehte sich zur Tür. Ihm blieb fast das Herz stehen. "Schaut nur!" brüllte er. Wie der Blitz fuhren alle herum.
"Futzel! Er ist wieder da!" kreischte Maite.
"Ich glaub‘, ich träume," murmelte Angelo.
"Das gibt’s doch gar nicht!" flüsterte Patricia.
"Worauf wartet ihr noch?" kreischte Jimmy. "Hinterher!"
Die Kellys ließen alles stehen und liegen und rannten den Plüschtieren hinterher.
"Hurra, es klappt!" juchzte Paddy, doch außer den Tieren konnte das natürlich keiner hören. "Schneller, schneller!" feuerte er sie an.
Inzwischen war die seltsame Parade bereits durch den Kelly-Garten gestürmt. Allen voran rannte Paddy, gefolgt von den Stofftieren. Das Schlusslicht bildeten die schnaufenden Kellys.
"Wohin rennen diese Viecher?" keuchte Jimmy.
"Ich glaube, in den Wald!" rief Angelo. "Es sieht ganz so aus, als wollten sie uns etwas zeigen."
"Das muss ein Traum sein," murmelte Joey.
"Babbelt net so viel, rennt! Sonst verpassen wir den Anschluss!" rief Kathy.
Doch die Tiere waren bereits fast an der Hütte von Frau Uhura angelangt.
"Ich seh‘ die Kellys nicht mehr," schnaufte das Schwein.
"Die kommen noch! Hört zu, ich hab‘ jetzt einen Plan," erklärte Paddy. "Ich klopfe an, und während sie sich umguckt, schlüpfe ich in die Hütte..."
"Und was bringt dir das?" unterbrach ihn die Gans Erna.
"Schau‘, Maite und ich haben mal ihr Taschentuch im Wald gefunden. Und als wir es ihr zurückgebracht haben, hat sie gesagt, dass sie das Tuch für alle ihre Hexereien braucht. Wenn ich dieses Tuch in meinen Besitz bringen kann..."
"Clever!" meinte der Hund. "Aber wer soll anklopfen, Pad? Du bist doch zu klein dafür."
Schließlich einigten sie sich auf den rosa Storch, der am größten waren. Alle Tiere stellten sich vor die Tür, und er klopfte an.
Frau Uhura öffnete die Tür. "Wer stört meine wohlverdiente Mittagsruhe?" keifte sie. Doch sie staunte, denn sie sah niemanden! Dann wanderte ihr Blick langsam zu Boden.
"Bitte, bitte, lenkt sie ab!" flehte Paddy.
Doch das war nicht mehr nötig, denn gerade kamen die Kellys im Laufschritt angejoggt.
"Was fällt Ihnen ein, einfach an meine Tür zu klopfen?" schimpfte Frau Uhura los.
"Aber wir kommen doch gerade erst an," stotterte Jimmy.
"Das kann ja jeder sagen!" keifte die Hexe.
Während vor der Tür ein Streit entbrannte, war Paddy durch die halboffene Tür ins Holzhaus gerannt. Er sah sich im Hexenzimmer um. Nein, das Tuch war nirgendwo zu sehen. Paddys Mut sank. Doch dann bemerkte er eine weitere Tür. Er öffnete sie und stand plötzlich in einem modernen Zimmer mit technischem Schnickschnack und Markenartikeln. Und uns spielt sie die arme Hexe vor! dachte Paddy wütend. So eine verlogene Tour!
Und in diesem Moment entdeckte er das Taschentuch. Es lag auf dem Computer. Paddy nahm das Tuch an sich und rannte in den Flur. Was er damit machen würde, wusste er noch nicht, ihm würde schon noch eine Idee kommen.
Draußen gab es inzwischen immer noch Krach zwischen der Hexe und den Kellys. "Wir haben wirklich nicht geklopft!" verteidigte sich Johnny. "Kein Wort glaube ich!" fauchte die Hexe.
Plötzlich schrie Angelo: "Hey, schaut mal, der Teddybär!"
Alle fuhren herum. Im Flur auf der Garderobe stand Paddy. In seinen Pfoten hielt er das Taschentuch.
"Neeeeiiin!" schrie Frau Uhura los. "Lass‘ sofort das Tuch los! Gib‘ es her!" Sie stürmte mit großen Schritten auf Paddy zu. Doch Paddy wollte den Zauber beenden. Mit voller Kraft riss er das Tuch entzwei.
Es gab einen heftigen Knall, und dann war Paddy wieder Paddy. Da er auf der Kommode gestanden hatte und nun plötzlich wieder 57950 g mehr wog, zerbrach die Kommode, und Paddy landete unsanft auf dem Boden. Aber egal.
"Pad!" schrie Barby. "Pad!" schrien alle Kellys und stürmten auf ihn zu. Alle bis auf Maite. Sie blieb fassungslos stehen. Endlich konnte sie wieder klar denken. Endlich waren die Gedanken, die sie die ganze Zeit gehabt hatte, wieder frei. Und da, da saß auch ihr Futzel! Er war wieder Futzel, nicht mehr Paddy!
Paddy wurde von allen seinen Geschwistern umarmt und geküsst. Er war überglücklich. Er war endlich wieder Paddy, mit den langen Haaren, den blauen Augen, der ewigen Lederhose und der Stimme, die One More Song und An Angel singen konnte. Nun war alles gut.
Frau Uhura plärrte los. "Ich hab‘ alles verloren! Mein Leben ist zerstört! Ich kann nie wieder zaubern!"
Sie tat Paddy Leid, und so sagte er zu ihr: "Du kannst doch wieder ein ganz neues Leben anfangen!"
"Genau! Ich werde wieder ein neues Leben als Rosalinde Darker anfangen," meinte Frau Uhura und trocknete ihre Tränen. Doch plötzlich fiel ihr ein: "Ich habe ja gar kein Geld!", und sie plärrte von Neuem los.
Paddy zog die Augenbrauen hoch. "Nun ja, ich habe eben in dem Zimmer allerlei technischen Kram gesehen. Das könntest du hier alles verkaufen. Im Wald kauft man doch gerne, ist mal was anderes!"
"Genau! Vielen Dank, Paddy!" strahlte sie.
"Nun lasst uns gehen!" meinte Patricia.
Maite stand immer noch schweigend neben den Tieren, die still wie immer dasaßen. Nur Paddy konnte ihr Grinsen sehen.
"Komm‘ her, Maiti!" befahl Paddy und nahm seine Schwester in die Arme. Alles war gut.
"Wollen wir morgen in Bonn Enten füttern gehen?" fragte Paddy seine Geschwister. Sie stimmten zu.
Futzel – der echte Futzel – zwinkerte ihm zu.
Paddy zwinkerte zurück und war froh, keine rote Schleife mehr um den Hals zu haben.
written 1998 @ age 14