"Mama, wie geht es Dir?", besorgt schaute Patricia ihre Mutter an. "Ist alles OK?" Barbara Ann lächelte und streichelte ihrer Tochter über den Kopf. "Aber ja, mein Kind, mir geht es gut!"
Barbara Ann war Mutter von 10 Kindern, wovon 7 ihre eigenen waren. Die anderen hatte ihr Mann Daniel Jerome mit in die Ehe gebracht. Sie war jedoch eine liebende und fürsorgliche Mutter für alle. Für jeden fand sie genügend Zeit, obwohl es nicht immer leicht war, eine so große Familie zu versorgen.
Patricia war gerade mal 12 Jahre alt und ziemlich besorgt um ihre Mutter, die wieder 2 Jahre nach dem letzten Baby, erneut schwanger war. Es ging ihr gesundheitlich nicht so gut, und die ganze Familie machte sich große Sorgen. Wie würde die Geburt verlaufen? Würde sie es überstehen? Alle hofften und beteten, denn was würde diese große, sonst so fröhliche Familie machen, wenn ihnen die geliebte Mutter genommen wurde?!?
Plötzlich stürmten Jimmy und Joey ins Zimmer der Mutter, die schon den ganzen Tag im Bett lag. Die beiden waren mit ihren 10 und 9 Jahren die quirligsten der Familie, hatten immer ein paar Streiche auf Lager. "Mama ...", sie blieben vor dem Bett ihrer Mutter stehen und umarmten sie stürmisch. "Mama, was wird es denn nun?", wollte der kleine Joey wissen. "Ein Mädchen, oder ein Junge?" Barbara Ann drückte ihren kleinen Liebling fest an sich und lächelte. "Ich weiss es nicht, aber ich habe da so eine Vorahnung!" - "Was denn?", auch Jimmy war neugierig und konnte es gar nicht abwarten, bis das neue Geschwisterchen endlich zur Welt kam. "Das wird nicht verraten, meine kleinen Racker!", verklärt lächelte sie in sich hinein. "Da müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Es sind aber nur noch ein paar Wochen, dann hat das Warten ein Ende."
Die Wochen vergingen wie im Fluge. Kathleen, die mit ihren 18 Jahren zu den ältesten zählte, hatte die Aufgabe bekommen sich um die Kleinsten zu kümmern, zu denen die 6-jährige Barby, Paddy, gerade mal 4 Jahre, und Maite, mit ihren 2 Jahren die Jüngste, gehörten. Sie hatte alle Hände voll zu tun, denn es war nicht leicht ganz allein für 3 kleine Kinder verantwortlich zu sein.
Dann gab es noch Johnny. Er war 14 Jahre alt und dafür verantwortlich, seinem Vater zur Hand zu gehen. Sie besaßen ein eigenes Haus in Spanien und mussten es aufrecht erhalten, was gar nicht so einfach war.
Mittlerweile war es Dezember geworden, das Jahr neigte sich dem Ende zu, und die Geburt des Baby's rückte immer näher. Der Gesundheitszustand von Barbara Ann hatte sich nicht gebessert. Sie klagte ständig über Schmerzen und hütete die meiste Zeit des Tages über das Bett. Ab und zu schauten ihre Kinder mal hinein, so dass es nie langweilig wurde.
Am 23. Dezember herrschte große Aufregung im Haus. Die Mutter hatte schon die ganze Nacht über stärkere Unterleibsschmerzen geklagt, die sich im Laufe des Morgens zu richtigen Wehen entwickelten. Vater Dan kümmerte sich liebevoll um seine Frau, und auch die Kinder waren so lieb wie nie, um ihrer Mutter die nötige Ruhe zu geben.
Mittags war die Hebamme gekommen, weil Barbara Ann es vorgezogen hatte, ihr Kind im trauten Heim zur Welt zu bringen. Die Zeit zog sich dahin wie Gummi. Öfters hatte es ausgesehen, als würde das Kind schon kommen wollen, hatte sich aber immer noch Zeit gelassen.
Vater Dan saß mit seinen Kindern in der warmen Stube und aß zu Abend. Es war kalt geworden, und draussen fielen dicke Schneeflocken vom Himmel. Nachdem sie zu Ende gegessen hatten, halfen die größeren Kinder mit, den Tisch abzuräumen, während sich die kleineren auf ihre Zimmer zurückzogen, um zu spielen.
Plötzlich kam die Hebamme in die Küche gelaufen. "Ist das warme Wasser bereit? ... Es ist so weit!" Schon wollten die Kinder loslaufen, um bei ihrer Mutter zu sein, doch Vater Dan hielt sie zurück. "Halt, lasst sie noch ein wenig in Ruhe. So eine Geburt ist gar nicht so einfach." Sie schauten ihren Vater traurig an. "Aber wenn Euer Geschwisterchen endlich auf der Welt ist, werde ich Euch sofort rufen. Versprochen!" Er ließ seine Kinder allein in der Küche zurück und folgte der Hebamme ins Schlafzimmer, eine Schüssel mit warmen Wasser in den Händen.
Keine 30 Minuten später kam er wieder, ein freudiges Lächeln auf dem Gesicht. "Mama geht es gut! ... Es ist ein Junge!" Allesamt stürmten auf ihn zu und umarmten ihn. "Dürfen wir zu ihr?", fragte Patricia besorgt. "Ja, aber seid leise - lasst ihr ihre Ruhe!"
Zusammen gingen sie in das Zimmer ihrer Mutter. Sie lag im Bett, ein Baby auf ihrer Brust. Vorsichtig gesellten sie sich um das Bett herum und blickten sie strahlend an. "Mama, es ist so schön!" - ""Wie soll es denn heissen?"
Verträumt schaute Barbara Ann auf den Winzling in ihren Armen. Auf dem Kopf ein Flaum gold-blonder Haare. "Es gibt eigentlich nur einen Namen, der in Frage kommt ...", sie schaute alle der Reihe nach an, bis ihr Blick liebevoll auf ihrem Neugeborenen hängenblieb. "Wir schreiben den 23. Dezember ... das Baby hat golden glänzende Haare ... alles ist wie ein Wunder ... ein kleiner Engel.", sie hielt kurz inne.
"Er soll Angelo heissen - Angelo Gabriele."