Paradiesvogel

by me (Simone/Binky)

 

Paradiesvogel


"Komm schon Barby, tu mir den Gefallen!", Maite redete wild gestikulierend auf ihre vier Jahre ältere Schwester ein. "Es wird bestimmt super lustig, meinst Du nicht?!?", sie wusste bereits nicht mehr, was sie noch alles sagen sollte, denn sie hatte schon alles probiert, um ihre Schwester davon zu überzeugen, mit ihr auf diese Faschingsparty zu gehen, zu der sie eingeladen worden waren. Doch Barby hatte während des ganzen Gespräches, na, eigentlich war es eher ein Selbstgespräch von Maite's Seite her gewesen, keine Miene verzogen, und somit ihre kleine Schwester in Unwissenheit über ihre Gedanken gelassen. Heimlich hatte Barby das Für und Gegen der Aktion für sich abgeschätzt, und war zu dem Entschluss gekommen, dass sie sich den Spaß eigentlich mal gönnen könnte. Schließlich hatte sie schon lange genug Trübsal geblasen, und es täte ihr bestimmt gut, mal wieder unter Menschen zu kommen.
"Na, warum eigentlich nicht?", gab sie schließlich von sich und hob den Blick zu Maite. Diese verschluckte sich fast in ihrem Wortschwall. 'Hatte sie da nicht gerade eine Antwort erhalten?' Ihre Kinnlade klappte herunter und sie schaffte es sogar für wenige Sekunden mucksmäuschen still zu sein. Dies entpuppte sich jedoch nur als die Ruhe vor dem Sturm, denn als sie sich wieder gefasst hatte, brach es aus ihr heraus. "Was hast Du da eben gesagt? "Warum eigentlich nicht?" ... Hättest Du das nicht eher sagen können, dass Du nicht abgeneigt bist?" Unruhig begann sie umherzulaufen. Immer um ihre Schwester rum, sie von allen Seiten musternd. "Ich rede mir hier den Mund fusselig, weil ich dachte, es bedarf guter Überredungskunst, Dich zu überzeugen, und Du antwortest hier, als ob es das selbstverständlichste von der Welt wäre: "Na, warum eigentlich nicht?"? ... Also, ich glaub, ich träume!"
Maite unterbrach ihre Patrouille und legte einen Arm um die Schulter ihrer Schwester. Diese konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. 'Typisch Maite!' "Hey, Schwesterchen, das find ich klasse von Dir!" Sie knuddelte Barby an sich und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Danke! Denn allein wär ich sicherlich nicht hingegangen, das hätte doch nur halb soviel Spaß gemacht!" Aber das war nicht der einzige Grund, warum ihr nach Barby's Entscheidung ein Stein vom Herzen gefallen war. Nein, es würde ihre Schwester auf der Faschingsparty noch eine Überraschung erwarten, und die Vorfreude darauf ließ sie regelrecht aufleben.

Zwei Tage später klopfte es an Maite's Zimmertür und Barby steckte den Kopf herein. "Hast Du einen Augenblick Zeit für mich?", fragte sie vorsichtig. "Aber immer doch! Komm rein!", Maite stand gerade vor dem Spiegel und beschaute sich von allen Seiten. Ihre Haare hatte sie mit unzähligen Haarnadeln nach oben gesteckt und aus ihrem Mund lugte auch noch eine hervor. "Was kann ich für Dich tun?", nuschelte sie und wandte ihr Gesicht direkt wieder dem Spiegel zu. "Also, wenn Du keine Zeit hast, dann komm ich später noch mal wieder.", sagte Barby. "Du siehst so beschäftigt aus..." - "Quatsch, das sieht nur so aus.", versuchte Maite ihre Schwester aufzumuntern. "Ich übe gerade eine dieser neuen Frisuren. Du weisst schon, aus der Zeitschrift, die ich mir letztens gekauft habe..."
Nun hatte auch die letzte fehlende Haarnadel ihren Platz an Maite's Kopf gefunden, und sie drehte sich schwungvoll um. "Und? Wie findest Du es?", fragte sie ihre Schwester aufgeregt und drehte sich zu allen Seiten. "Meinst Du, es steht mir?" - "Aber Hallo ... es sieht toll aus!" Barby war sichtlich beeindruckt. 'Was man aus kurzen Haaren doch so alles machen kann!' "Hast Du echt super hingekriegt! Ich muss Dich loben!", ihre Stimme überschlug sich fast vor Begeisterung. Andererseits war sie auch ein wenig neidisch auf ihre Schwester. Sie schaffte es nie auf Anhieb eine Frisur so toll hinzubekommen. Bei ihr bedurfte es immer Stunden an Rumgefummel und tausenden Versuchen.
"Kannst Du...", druckste sie rum. "Meinst Du, Du könntest mir auch bei so einer tollen Frisur helfen?", kam sie nun ganz mit ihrer Bitte heraus. "Für die Faschingsparty... ich hab da schon so eine Idee!" - "Natürlich!", antwortete Maite sofort. "Was ziehst Du denn an? Hast Du Dir schon was rausgesucht?", wollte sie wissen. "Ja, deshalb bin ich auch hier. Ich wollte Dich nach Deiner Meinung fragen. ... Was hältst Du davon, wenn ich dieses eine bunte Kleid anziehe, was ich auch schon mal auf der Bühne an hatte? Dieses, mit den kurzen Ärmeln und dem tollen Haarreifen dazu...", ihre Augen glitzerten, während sie Maite in ihr Vorhaben einweihte. "Den, mit den langen Fransen?", fragte Maite zurück.
"Ja, genau den. Und welches Kleid ich meine, weisst Du nun auch, oder?" - "Exakt! Ich kenn doch meine Schwester!", Maite musste lachen. "Das ist eine gute Idee! Ehrlich! ... Es passt zu Dir! Und Du hast immer umwerfend darin ausgesehen! Genau das richtige für diesen Abend! Glaub mir!", sie konnte ihre Begeisterung nicht zurück halten. "Oh ja!", seufzte Barby. "Ich habe mich immer so wohl in diesem Kleid gefühlt! Wie in einem Traum! Und damit sehe ich aus, wie ein bunter Paradiesvogel, die perfekte Verkleidung also...", freudig erregt plapperte sie drauflos. "Und wenn Du mir dann noch die Haare so machen würdest, wie ich es in meinem Kopf vor mir sehe, dann wäre ich der glücklichste Mensch auf Erden!"
Maite freute sich über den Tatendrang ihrer Schwester. Sie würde alles dafür geben, dass dieser Abend ein tolles Ereignis werden würde, den man so schnell nicht vergaß. Es tat ihr gut zu sehen, dass ihre Schwester so langsam wieder aufblühte und das Leben zu genießen schien.

"Kannst Du uns gleich nach Köln bringen?", fragte Maite ihren Bruder Jimmy weitere zwei Tage später und setzte ihr zuckersüßestes Lächeln auf. "Bitte! Barby und ich wollen doch zu dieser Faschingsparty..." - "Bekomme ich da auch was für?", fragte er gewitzt. "Ja, einen Klaps auf den Hintern, wenn Du es nicht tust!", antwortete Barby fröhlich. 'Na, wenn so was aus dem Mund seiner sonst so zurückhaltenden Schwester kam, dann hatte das schon was zu bedeuten.' Er lachte auf und versprach: "OK, ich hab ja sonst nix zu tun! In fünf Minuten unten, alles klar!??"
Die ganze Fahrt über, mußte er sich das Gerede seiner beiden Schwestern anhören, die hinten auf dem Rücksitz Platz genommen hatten. Er fragte sich zum wohl tausendsten Mal, wie Frauen das immer wieder schafften, selbst wenn ständig durcheinander gequatscht wurde, nicht den Überblick zu verlieren, und schüttelte belustigt den Kopf. "Dort ist es!", rief Maite plötzlich laut, als ein großes Haus am Straßenrand auftauchte. "Anhalten bitte!" - "Wird gemacht, Mylady!", lachte Jimmy und trat auf die Bremse.
Er sprang aus dem Wagen und lief auf die andere Seite, wo er galant die Tür aufhielt, so dass seine Schwestern aussteigen konnten. "Danke, Brüderchen! Echt lieb von Dir!", flötete Maite und nahm Barby am Arm. "Viel Spaß, Mädels! Und denkt dran: nicht zu viel trinken, das schadet nur der Gesundheit und dem Aussehen!", erwiderte dieser schmunzelnd und konnte gerade eben noch zur Seite hüpfen, bevor er Maite's Handtasche vor die Brust bekommen hätte. "Na na na!", er hob drohend den Finger und stieg schnell wieder ins Auto. Beim Abfahren konnte er es nicht lassen, zum Gruß auf die Hupe zu drücken, was ihm nur einen erhobenen Mittelfinger der einen, und eine herausgestreckte Zunge der anderen Schwester einbrachte.

"Hereinspaziert! Es ist alles vorbereitet!", begrüßte der Gastgeber die beiden Mädchen an der Tür. Er war als Vampir verkleidet, und Barby schauderte es. "Nett siehst Du aus!", begrüßte er Maite mit einem Küsschen auf die Wange. 'Da hatte er allerdings Recht', musste Barby zugeben. 'Ihre Schwester war wirklich zum anbeissen.' Maite hatte als Kostüm die Grinsekatze aus Alice im Wunderland gewählt. 'Wirklich die ideale Verkleidung für sie.' "Das ist Pete!", stellte Maite die beiden vor. "Ich hab Dir doch schon von ihm erzählt!", riss sie Barby aus den Gedanken. "Jaja, stimmt!", antwortete sie, immer noch abwesend. "Na, dann kommt erstmal rein!" Pete begleitete die beiden in die Wohnung und deutete ihnen an zuerst ihre Mäntel auszuziehen.
Es waren schon einige Leute da, und es war wirklich interessant anzusehen, als was die anderen alle verkleidet waren. Da liefen zum Beispiel zwei Cowboys rum, die sich immer wieder einen Spaß daraus machten, die anderen mit ihren Pistolen zu erschrecken. Barby stellte beim näheren Hingucken fest, dass es sich hierbei um ein Pärchen handeln mußte, denn es waren ein Junge und ein Mädchen, und als die beiden schließlich in einer innigen Umarmung verweilten, bestand kein Zweifeln mehr.
Ihre Gedanken schweiften ab. Wie sehr wünschte sie sich wieder einen Freund. Jemanden, der ihr festen Halt und Geborgenheit gab. Aber wie sollte sie einen solchen finden, wenn sie immer wieder abblockte und sich in ihr Schneckenhäuschen verkroch? Zu weh tat der Gedanke an ihre letzte Beziehung, die mit einer schmerzvollen Trennung geendet hatte. Ihre Familie war ihr immer zur Seite gestanden, aber die Trauer in ihrem Herzen hatte ihr niemand nehmen können!
Sie versuchte diese Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben. Schließlich war sie hier um Spaß zu haben, und nicht um Trübsal zu blasen, sobald sie ein glückliches Pärchen vor ihren Augen sah! Und was hatten ihre Geschwister immer wieder versucht ihr einzutrichtern? Irgendwann wäre es auch für sie an der Zeit, und sie würde den passenden Mann für sich finden! Dazu brauchte es nur Geduld!

Sich ihres Vorhabens sicher packte sie Maite am Arm und zog sie zur Hausbar rüber. "Was habt ihr denn so alles, was man trinken könnte?", fragte Barby gut gelaunt, und erntete prompt ein Lächeln des Barkeepers, was ihr Selbstvertrauen um Stufen höher schraubte. "Hmm, was hätten wir für die Damen?", murmelte er vor sich hin und schaute unter die Theke. "Ein Gläschen Sekt vielleicht? Wäre das genehm?", er tauchte wieder auf und wedelte mit einer noch ungeöffneten Flasche vor den Nasen der Mädchen rum. Sein Gesicht war nicht zu erkennen, denn er hatte eine Maske auf - Phantom der Oper, schätzte Barby. "Super!", antwortete Maite knapp und schnappte sich voreilig ein Glas.
Nachdem sie bedient worden waren stellten sie sich an einen Tisch an der Seite und begannen sich über die anderen und deren Kostüme lustig zu machen. "Hast Du gesehen? Dort hinten? ... Da ist ein Geist durch die Gegend gehuscht! So richtig weiß geschminkt im Gesicht!", stieß Maite ihre Schwester an und deutete in eine Ecke. Es war eine große Wohnung - der Gastgeber schien wohlhabend zu sein, wenn auch bestimmt nicht so sehr, wie sie es waren. Es war einer von Maite's Bekannten, den Barby noch nie vorher getroffen hatte. Aber was spielte das schon für eine Rolle - Maite hatte viele Bekannte, denn durch ihre lockere Art lernte sie immer wieder neue Leute kennen.
Allein blieben die beiden jedoch nicht lange, es gesellten sich immer wieder Leute zu ihnen, mit denen sie nett über Dies und Jenes quatschten. Es herrschte eine lockere Atmosphäre von der sich Barby nur zu gerne anstecken ließ. Sie hatte ihre vorigen Zweifel bereits vergessen und brachte all ihre Liebenswürdigkeit zum Vorschein, auch männlichen Wesen gegenüber!

"Es ist gedeckt! Das Dinner kann beginnen!", rief der Vampir, Pete, lauthals in die Menge und wies die Gäste in einen Nebenraum, in dessen Mitte eine lange Tafel, gedeckt und verziert, stand. "Wow, sieh nur!", jauchzte Barby entzückt. Sie war vollends begeistert und stürmte auf zwei leere Plätze am Rande der Tafel zu. "Mann, das wurde auch echt Zeit!", stöhnte Maite. "Hab ich einen Hunger..."
Wie aus dem Nichts tauchte das Phantom von der Bar neben den Beiden am Tisch auf, machte einen Diener und sagte an Barby gerichtet: "Zu ihren Diensten, Madame!" Sein Lächeln war einfach umwerfend und ließ Barby's Herz um einiges höher schlagen. Verwundert schaute sie zu ihrer Schwester hinüber, doch diese nickte nur aufmunternd. "Kann die Vorspeise gereicht werden?", eine Reihe weißer Zähne blitzte auf. "Gern!", antwortete Barby freundlich und fühlte sich wie ein Schneekönig. 'Damit hätte sie nicht gerechnet, dass sie auch noch bedient werden würde...'
Immer wieder trat der unbekannte Fremde an den Tisch, und verwöhnte die beiden Mädchen wie es nur ging. Von Suppe, über Hauptgericht, bis hin zu Nachtisch war alles mit dabei, was das Herz höher schlagen ließ, und nicht zu knapp! "Schmeckt ausgezeichnet! Echt köstlich!", war einstimmig aus beider Munde zu hören. Maite fühlte sich wohl in ihrer Haut. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen stellte sie fest, dass ihr Plan aufzugehen schien. Barby war zu sehr entzückt von den Umgarnungen des Phantom's, als dass sie bemerkt hätte, dass nur sie beide es waren, die nach Strich und Faden bedient wurden. Die anderen mussten immer selber für Nachschub sorgen. Ebenfalls blieb ihr nicht unbeobachtet, dass Barby die Show zu gefallen schien.

"Der reinste Wahnsinn!", sagte Barby, als sie sich nach dem Essen in einer Ecke niedergelassen hatten. "Mann, bin ich froh, dass ich mitgekommen bin! So genossen hab ich schon lange keinen Abend mehr!" Gemütlich mummelte sie sich in den Sessel ein und zog die Beine an. Fast wäre sie vor Wohlbehagen eingeschlummert, mit dem Kopf auf den Knien, wäre da nicht dieser Unbekannte gewesen, der sich wahrhaftig einen Platz in ihren Gedanken erobert hatte.
Ihr Blick wanderte immer wieder zu ihm, und sie fragte sich, ob es nur Zufall gewesen war, dass er sich beim Essen so lieb um sie gekümmert hatte. Wenn sie sich ehrlich eingestand, fand sie ihn sogar sehr sympathisch, und sie ertappte sich bei dem Gedanken, dass sie inständig hoffte, dass er es nur um ihretwegen getan hatte.

"Wartest Du noch? Ich bin gleich fertig!", rief Maite aus dem Toilettenraum und ihre Stimme überschlug sich fast dabei. Barby stand im Flur vor dem Spiegel und betrachtete ihr leicht gerötetes Gesicht. Seit langem fand sie ihr Spiegelbild mal nicht abstoßend, und sie dankte Maite im Stillen dafür, dass sie ihr so hilfreich bei ihrer Frisur zur Hand gegangen war. Ihren Hinterkopf schmückten zwei geflochtene Zöpfe, die unten im Halbkreis zusammen trafen. Dazu trug sie diesen besagten bunten Haarreif, dessen Fransen ihr zierliches Gesicht umrahmten, und wunderbar betonten. Sie fühlte sich hübsch, und das war der Grundstein zu einem selbstbewussten Auftreten.
"Komm! Mal sehen, was der Abend noch so alles für uns bereit hält!", kicherte Maite, nachdem sie neben ihre Schwester getreten war. Sie umarmte sie stürmisch und beide lachten sich im Spiegel an. "Oh, ich liebe dieses Leben!", gab Barby leicht angeheitert von sich und wirbelte mit ihrer Schwester umher.

Nach einer Weile betraten sie wieder den Raum und stellten mit Freude fest, dass nun ein reges Treiben auf der Tanzfläche herrschte. Barby's Herz vollführte Luftsprünge. Sie stürmte in die Menge und war ganz ihn ihrem Element. Dass sie Maite ganz allein hatte stehen lassen, störte sie herzlich wenig, im Gegenteil, sie hatte sie sogar längst vergessen. Leicht wie ein Engel schwebte sie über den Boden und ihr buntes Kleid wehte durch die Luft. Die Welt um sie herum schien zu verschwinden und sie fühlte sich wie auf Wolken. 'Wie lang hatte sie nicht mehr so getanzt! Wie sehr hatte es ihr gefehlt!' Sie gab sich ganz ihren Gefühlen hin und war seit langem wieder sie selbst!
Wie verzaubert standen die anderen Gäste um sie herum schauten ihr zu. Ihr Tanz war schön anzusehen, und machte irgendwie frei. Doch wussten sie allesamt, dass sie selber so etwas nie zustande bringen würden. So was atemberaubend schönes hatten sie noch nie gesehen! Barby war etwas ganz Besonderes! Ein Paradiesvogel!

Als die Musik aufgehört hatte zu spielen, beendete Barby auch ihren wundersamen Tanz. Sie lächelte in sich hinein und machte einen glücklichen Eindruck. Gleich daraufhin trat das Phantom zu ihr und forderte sie zum tanzen auf. Diese Geste schlug sie natürlich nicht aus, und so umfasste er ihre Hüfte und zog sie sanft an sich. Sie wiegten leicht hin und her, und vergaßen die Welt um sich herum. Es schien nur noch sie beide zu geben. Sie verstanden sich ohne Worte!
Barby merkte, dass der Unbekannte alles darauf angelegt hatte, sie zu bezirzen, und auch sie machte keinen Hehl aus ihrem Charme, und ließ all ihre Reize spielen. Wohlig drückte sie ihren Körper an den seinen und sog den Duft, den er ausstrahlte, in sich ein. Sie fühlte sich unwahrscheinlich wohl bei ihm, und hatte endlich die Geborgenheit gefunden, die sie sich so lange schon ersehnt hatte.

Um Punkt zwölf Uhr Mitternacht war der große Augenblick gekommen. Mit einer sachten Geste streifte sich das Phantom seine Maske vom Gesicht und enthüllte somit seine wahre Identität. Barby hatte vor Spannung die Luft angehalten und sogar ihre Augen zugekniffen. Sie öffnete ihre Augenlieder nun ganz langsam wieder und was sie vor sich sah erstaunte sie ungemein. "Du?", brachte sie ungewöhnlich gelassen hervor. Sie musste schlucken. Damit hätte sie beim besten Willen nicht gerechnet. Ihre Gedanken machten Saltos, doch so schnell, wie sie gekommen war, verflog die Unruhe auch wieder. Sie brachte ein leichtes Lächeln hervor und trat von einem Fuß auf den anderen. Sie war aufgeregt, und schaffte es nicht, dies zu verstecken.
"Gehst Du ein Stück mit mir?", fragte ihr Gegenüber mit Bedacht. Barby nickte versonnen. Das Phantom nahm sie am Arm, und sie lief wie mechanisch neben ihm her hinaus in den Garten. Frische Luft wehte ihnen entgegen, und tausend kleine Sterne glitzerten am Himmel. Barby fröstelte, was ihr Begleiter sofort wahrnahm. Gentlemanlike entledigte er sich seines Phantom-Umhangs und legte ihn behutsam über Barby's Schultern. Sie blickte ihn dankend an und zog ihn fester um ihren Körper.
Schweigend schritten sie ein Stück umher, bis sie an einen kleinen Teich gelangten, dessen Oberfläche voll mit Seerosen war. Der Mond spiegelte sich mystisch im Wasser wieder und ließ die ganze Situation verzaubert wirken. Barby war verwirrt und versuchte ihre Gefühle zu ordnen. Einerseits fühlte sie sich leicht unwohl nach der Enthüllung, andererseits hatte sie den ganzen Abend unwahrscheinlich genossen.

"Marcus...", hauchte sie, ihre Stimme kaum wahrnehmbar. "Wie kommt es, dass Du....", sie stockte, denn ein Kloß hatte sich in ihrer Kehle gebildet. Sie kämpfte mit den Tränen und fuhr sich mit der Hand durch's Gesicht. Marcus nahm sie in die Arme und drückte sie kaum wahrnehmbar an sich. "Sch... nicht weinen! Alles wird gut!", besänftigte er sie und streichelte ihr einfühlsam übers Haar.
"Du siehst bezaubernd aus! Hat Dir das heute schon jemand gesagt?", Marcus schaute sie liebevoll an, und entlockte Barby ein winziges Lächeln. "Wie ein kleiner, niedlicher Paradiesvogel!", seine Stimme war sanft und er schien sie mit seinen Worten streicheln zu wollen. Verlegen schaute sie zu Boden.
"Ich konnte Dich nie vergessen, und auch Deine krasse Abfuhr damals hat es nicht geschafft, Dich aus meinem Kopf zu verbannen.", versuchte er nach einer Weile zu erklären. Barby erinnerte sich nur zu gut an den Tag, an dem sie Marcus beteuert hatte, sie wolle ihn nie wieder sehen, es sei besser so. Es war eine äußerst schmerzhafte Erfahrung gewesen, und es hatte ihr fast das Herz zerrissen. Doch sie hatte nur an ihn gedacht, ihre eigenen Gefühle in den Hintergrund gestellt!
Das war zu der Zeit gewesen, als sie immer berühmter wurden, sie von einem Auftritt zum nächsten hechten mussten. Sie ahnte, dass in diesem Leben nur wenig Zeit für einen Freund bleiben würde, und hatte ihm diese Schande ersparen wollen. Deshalb hatte sie damals so gehandelt, und nicht anders! Sie wußte, dass sie ihm mit dieser Entscheidung vor den Kopf gestoßen hatte, aber was hätte sie anderes tun sollen? Das waren ihre damaligen Gedanken und Gefühle gewesen, doch nun war sie anderer Ansicht. "Ich habe Dich auch nie vergessen, glaub mir!", gab sie zu, und Marcus atmete innerlich auf.
Barby war sichtlich froh über diese plötzliche Wendung ihres Lebens. Das hatte sie gebraucht, denn früher oder später wäre sie eingegangen, das konnte sie selber spüren. Jetzt war ihr alles egal! Sie wollte wieder leben, um jeden Preis! "Halt mich fest, ganz fest!", flüsterte sie. "Und lass mich nie wieder los! Ich brauche Dich! ... Mehr, denn je!" Marcus wusste die Ehrlichkeit dieser Aussage zu schätzen, denn er hatte mitbekommen, wie schlecht es ihr in letzter Zeit gegangen war. 'Ja, das war SEINE Barby! Seine geliebte Barby!' Und er hatte sich vorgenommen, alle Last auf sich zu nehmen, und für sie da zu sein, komme, was wolle. Denn er liebte sie wirklich über alles, das war ihm in der Zwischenzeit bewusst geworden, und tief im Innern spürte er, dass Barby genau dasselbe für ihn empfand.
"Ich bin glücklich, weisst Du das?" Es war mehr eine Feststellung von Barby, als dass es eine Frage sein sollte. "Überglücklich!" Wie ein kleines Kind fiel sie ihm und den Hals, und er konnte nicht anders, als sie hochzuheben und herum zu wirbeln. Er hatte Angst gehabt am Anfang des Abends und sich immer wieder gefragt, ob sein Vorhaben richtig sei. Doch die heimlichen Zusprüche von Maite, seiner Verbündeten, hatten ihm geholfen, es durchzuziehen. Und nun wußte er, dass er genau richtig gehandelt hatte.
"Danke!", flüsterte sie ihm ins Ohr, als er sie wieder abgestellt hatte. Ihre Wangen berührten sich für eine kurze Zeit und ein Stromschlag durchzuckte ihre Körper. Sie schauten sich tief in die Augen. Ganz langsam näherten sich ihre Gesichter. Und ihre Lippen umschlossen sich zu einem innigen Kuss.


© me (Simone/Binky) (24/02/2001)


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Vielen Dank an alle, die für mich gevotet haben!!

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Bar Letter

Last update: 30/03/2004

(Online since: 25/02/2001)


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