Das kleine Wunder

by me (Simone/Binky)

 

  Der Frühling hatte gerade erst begonnen. Vereinzelt bildeten sich Knospen an den Bäumen, und an einigen wenigen war schon ein wenig Grün zu sehen. Langsam erwachte die Natur wieder zum Leben! Die Stimmung unter den Leuten wurde besser, man war nicht mehr so verbissen, wie den ganzen langen Winter über. Es wurden Pläne geschmiedet, überall war die Stimmung ausgelassen.

  So auch bei Familie Kelly auf Schloß Gymnich! Die meiste Zeit des Tages wurde gelacht und man alle waren direkt viel freundlicher zu ihren Familienmitgliedern. Auch schliefen die Langschläfer nicht mehr so lange. Was es doch alles bewirken kann, wenn es morgens früher hell wird. Tja, der Frühling nahte!

  So kam es eines morgens, als alle gemeinsam um den großen Tisch herum versammelt waren und frühstückten, daß Kathy das Wort ergriff und meinte: "Sagt mal, was haltet Ihr davon, wenn wir heute einen gemeinsamen Ausflug machen? Laßt uns doch die Sonne ausnutzen und alle mal ein wenig vom Tourstress entspannen!" Auf den Gesichtern rund um den großen Tisch breitete sich ein Lächeln aus, und mit allgemeiner Begeisterung sagten alle zu.
   Sean rief als erster: "Au ja! Klasse Mama! Super Idee!"
Daraufhin Paddy: "Ja, können wir machen!"
Angelo: "Hab ich nix gegen! Schlagzeugspielen kann ich ja immer noch später!"
Patricia: "Gute Idee! Dann kann ich mich direkt mal umgucken, was schon alles gewachsen ist!"
Barby: "Meinst Du, ich kann meine Staffelei mitnehmen! Die Frühlingsstimmung ist so herrlich, daß ich sie gerne einfangen möchte!"
John: "Genau! Und ich nehme meinen Fotoapparat mit! Der verstaubt sicher schon in irgendeiner Ecke."
Jimmy: "Ja, und werde mal wieder ein Familienvideo drehen. Zur Erinnerung!"
Mit einem kleinen Zögern meinte nun Joey: "Also, eigentlich wollte ich ja für den nächsten Triathlon trainieren, aber wenn alle mitkommen, will ich natürlich nicht fehlen!"
Daraufhin Kathy: "Joey, das finde ich toll von Dir! Was ist mit Dir Maite?" Maite schreckte ganz aus ihren Gedanken hoch: "Sorry, was ist los? Ich hab grade nicht hingehört. Bin ganz in Gedanken..." Geduldig wiederholte Kathy ihre Frage: "Ob Du auch Lust hast einen Familienausflug zu machen. Alle kommen mit!"
Leicht errötet übernahm nun Maite das Wort: "Aber klar doch! Was denkt ihr denn von mir? In der Natur läßt es sich eh viel besser nachdenken!"

  Nun herrschte ausgelassene Stimmung am Tisch, und jeder schnatterte drauflos. Als alle fertig waren, ging jeder in sein Zimmer und packte seine Sachen zusammen, die er zu dem Ausflug mitnehmen wollte.

  Nach ungefähr 30 Minuten trafen sich dann alle vor dem Schloßportal. Sie durchquerten den Schloßpark und verließen das Grundstück durch ein kleines verstecktes Gartentürchen. Nun befanden sie sich im umliegenden Wald, der natürlich viel bemerkenswerter war, als ihr kleiner Schloßpark.

  Munter schritten sie drauflos. Jeder in sich versunken und mit der Natur im Einklang. Es war ein sehr verlassenes Waldstück, und sie begegneten keiner Menschenseele. Die Sonne schien durch das Geäst und erhellte den Waldboden. Vögel zwitscherten und flogen über ihren Köpfen hinweg.

  Nach einer ganzen Weile sahen sie vor sich eine Lichtung. Durch die vielen Fichten, die in diesem Teil des Waldes standen konnte man blau blitzen sehen. "Mama, Mama, sieh nur, da vorne ist ein See!" rief Sean und rannte los. Bald darauf war er verschwunden.
   Die anderen liefen ihm nach und so kamen sie an einen kleinen Teich. An dessen Wasseroberfläche konnte man schon vereinzelte Blätter von Seerosen entdecken. Doch von Sean keine Spur. Kathy fing an sich Sorgen zu machen. Laut rief sie: "Sean! Seeeaaan, wo bist Du? Komm schon zeig Dich!" "Ja, Mama! Hier bin ich!", hörte man ein wenig entfernt, und schon erhob sich der kleine Kopf hinter einem Meer von Schilf. "Komm schnell her! Ich habe was gefunden!" rief er aufgeregt. "Hier im Gras!"
   Angelo lief als erster los: "Hey Zwerg, was gibt es? Fußspuren von einem Außerirdischen?" Fast weinerlich klang nun Seans Stimme: "Du bist gemein! Laß mich doch in Ruhe!" Nun kam Maite, obwohl sie nicht gerade die schlankeste ist, ist sie jedoch immer sofort zur Stelle, sobald es irgendeine Attraktion gibt. "Zeig mal her Kleiner, was ist denn da?" Mit noch kräftiger Stimme als vorher rief er: "Mama, nun beeil Dich doch!" Nun war auch seine geliebte Mama da, und alle standen erwartungsvoll um den kleinsten Sprößling der Familie herum. Mit zittriger Stimme meinte er: "Schaut mal, was ich gerade gefunden habe", und gab nun den Blick auf seinen Schatz frei.
   Alle schauten gespannt nach unten ins Gras .... und was sahen sie .... ein Ei! Ganz verlassen auf der Wiese. Ein einzelnes Ei. Klein und zierlich. Ein weißer Punkt auf einer großen grünen Fläche. "Das ist ein Entenei!" meinte Patricia ganz professionell. "Keine Ahnung, wie es hier hin gelangt ist." Bittend sah Sean seine Mutter an: "Bitte Mama, darf ich es mitnehmen und es ausbrüten? Dann habe ich eine eigene Ente als Haustier! Biiiiittttteeeee!" Paddy fing an zu lachen: "Du willst was???? Habe ich mich gerade verhört, oder will unser Sean Küken-Papa werden?" Nun meldete sich Joey zu Wort: "Genau, das gibt doch eh nichts. Wie willst Du es schaffen, ein Ei auszubrüten?" Nun wurde Sean flehende Stimme wütend: "Klar schaffe ich das! Ich möchte doch soooooo gern ein Küken haben! - Mama hilfst Du mir!" Kathy ganz verlegen: "Seany-Boy! Tut mir leid, aber ich weiß auch nicht, was zu tun ist. Es braucht doch seine Entenmutter, die ihm die nötige Wärme gibt!" Nun gaben die anderen auch ihren Senf dazu und nahmen dem Kleinen den letzten Hoffnungsschimmer. Jämmerlich fing er an zu weinen.
   Nach einigem Zögern ertönte Patricias zaghafte Stimme: "Also, Sean, ich finde, wir sollten es versuchen!" Barby meldete sich nun auch zu Wort: "Genau! Schließlich ist es besser zu versuchen, ob wir das Tierchen retten können, als daß es hier allein in der Kälte friert und stirbt." John: "Das finde ich auch! Vielleicht haben wir ja noch eine Chance!" Mit einem Schlag wurde Sean wieder munterer und er fiel zuerst seinen beiden Tanten, und dann seinem Onkel um den Hals: "Danke, Onkel John! Dank Dir auch Tante Barbara! Oh, Tante Patty! Ich bin ja so glücklich! -Wenn das Küken geschlüpft ist, werde ich es Emma nennen!" Munter hüpfte er im Kreis herum.
   Die anderen 6 Kelly-Geschwister guckten zwar noch ein wenig mißtrauisch, aber was sollten sie groß machen? Der Kleine war so überglücklich, sollten sie ihn da wieder enttäuschen? So stimmten sie also auch zu und behutsam verpackten das kleine, zerbrechliche Ei in einen Schal, den Barby opferte.

  Der weitere Tag verlief sehr harmonisch. Die Stimmung war ausgelassen. Sean überlegt, was er denn alles machen würde, wenn er erst einmal Enten-Papa war.
   Barby stellte ihre Leinwand an eine Stelle der Lichtung, von der aus sie den Teich am besten überblicken konnte, und malte drauflos.
John machte seit langer Zeit wieder Fotos mit seiner Kamera, und Jimmy lief kreuz und quer durch seine Geschwister und filmte.
Maite saß auf einem Baumstamm und gab sich ihren Gedanken und Träumen hin.
Joey redete mit Kathy über die bevorstehende Geburt seines Kindes, und ließ sich Tips für die Vaterschaft geben.
Angelo trommelte auf seinen Schuhen herum, und Paddy las seit langer Zeit mal wieder in einem Buch.
Und Patricia, wie sollte es auch anders sein, verschwand in den Wald, um sich ein wenig umzuschauen.
   Alle genossen den Frühlingstag und atmeten die herrliche frische Luft ein. Als es jedoch langsam anfing kälter zu werden, machten sie sich auf den Heimweg.

  Müde kamen sie zu Hause an, doch Klein-Sean lief, auf einmal wieder munter, als erstes in den Ziegenstall und klaute Paddy's Ziegen ein wenig Stroh. Eifrig baute er für sein Ei ein Nest in einer Schachtel.
   Als es fertig war, wickelte er vorsichtig den Schal vom Ei ab und legte es genau in die Mitte hinein. Die Kiste stelle er auf die Fensterbank, genau über die Heizung.
   Als das geschehen war kam Patricia ins Zimmer, in der Hand eine Lampe. "Sieh, was ich für Dich und Dein Baby organisiert habe! Eine Rotlichtlampe, damit es Dein Ei genauso mollig warm hat, wie unter dem Bauch seiner Enten-Mama." Gelehrig guckte er zu, wie seine Tante die Lampe auf den Fenstersims stellte, und den roten Strahl direkt auf das Ei richtete. "Danke! Du bist so lieb!" Er war einfach nur glücklich!

  So wurde das Ei also viele Tage lang versorgt und betrachtet.
   Da sich nichts tat, fingen die älteren Jungs wieder an zu lästern. Angelo neckte Sean: "Na, ob das wohl noch was gibt?" Woraufhin Paddy direkt weitermachte: "Seany, vergiss es!" Auch Kathy meinte: "Also, ich finde Sean, Du solltest Dich lieber mit anderen Dingen beschäftigen, als den ganzen Tag lang vor einem Ei zu sitzen, wo sich eh nichts dran tut!"

  So langsam fing der Kleine auch an zu zweifeln, doch nach weiteren 3 Tagen zeigte sich, daß die Mühe sich gelohnt hatte! Alles Warten hatte ein Ende!
   Als Sean mal wieder stundenlang vor seinem Ei gesessen und sich im Nichts-Tun geübt hatte, erklang ein zwar leises, aber doch wahrnehmbars, klopfendes Geräusch, und an einer Stelle wölbte sich die Schale. Aufgeregt rief er: "Schnell! Schnell! Kommt her! Mein Ei! Seht Euch das an!" Mit offenem Mund stand er da, und mit der Zeit versammelten sich die Großen um ihn herum.
   Gemeinsam betrachteten sie das Ei und nahmen an diesem einmaligen Ereignis teil. Die Schale teilte sich, und hervor kam ein hellgelber, winziger Entenschnabel. Langsam und mit größter Mühe schälte sich das kleine Geschöpf aus seinem bisherigen Zuhause heraus, bis es völlig erschöpft im Stroh liegen blieb. Niemand sagte ein Wort, alle noch immer fasziniert auf das kleine, soeben zur Welt gekommen Lebewesen am schauen.
   Nach einer Weile flüsterte Sean: "Oh, ist das süß!" und an das Küken gerichtet sagte er: "Kleines, ich wußte, daß wir es schaffen! .... Du sollst Emma heißen!"
   Daraufhin fing Patricia an zu lächeln und sagte mit leiser Stimme: "Ja! Kleine Wunder gibt es immer wieder! Auch wenn man anfangs nicht so ganz daran glauben will!"

  Und wie ein Zeichen hob das Küken den Kopf und schaute Sean mit seinen noch verklebten Augen dankbar an!


© me (Simone/Binky) (23/05/2000)


Hier noch einige Links zu süßen Bildern:
Here a few links to some sweet pix:

Ein Küken kommt zur Welt
A chick comes to the world

Und das ist der Hahn, der stolze Vater!
And thats the cock, the proud father!


Bar Letter

Last update: 26/04/2001

(Online since: 24/05/2000)


Zurück zur Storypage

Back to the Storypage