Eine alles verändernde Begegnung
Ich hatte einen anstrengenden Arbeitstag hinter mir, und war nur noch froh, als ich endlich in der Straßenbahn in Richtung Hauptbahnhof saß. Müde schaute ich aus dem Fenster. Wie immer hielt die Bahn alle paar Meter an, so daß die Fahrt noch ermüdender wurde.
'Ach, wenn ich doch nur schon zu Hause wäre, und mich auf mein Bett legen könnte, um ein wenig zu schlafen...', dachte ich als mich jemand von der Seite ansprach.
"Sag mal,", erklang eine leise schüchterne Stimme, "kannst Du mir vielleicht sagen, wie spät es ist?"
'Wie konnte diese Person es wagen, mich in meiner Verfassung anzusprechen? Merkte sie denn nicht, wie kaputt ich war?'
Völlig genervt drehte ich meinen Kopf zur Seite und wollte dieser unverschämten Person gerade sowas sagen, wie: "Also, heutzutage gibt es schon Armbanduhren ab 20 DM...", als ich mit offenem Mund innehielt.
'Nein, das kann nicht sein!', redete ich mir ein! 'Oder doch??'
"Was hast Du?", ertönte wieder diese leise Stimme. "Habe ich Dich erschreckt? Tut mir leid!", entschuldigte sie sich hastig.
"Nein, nein, es ist nur....", stammelte ich. 'Neben mir sitzt doch tatsächlich Barby Kelly und ich hatte es überhaupt nicht gemerkt!'
Krampfhaft hielt sie ihren Rucksack fest, den sie auf dem Schoß hatte und schaute mich fragend an.
"Nun,", sagte ich entschuldigend, "ich hätte jetzt überhaupt nicht mit Dir gerechnet!"
"Oh!", jetzt guckte sie nur noch ein wenig ängstlich und schaute sich zu allen Seiten um. "Du erkennst mich?"
"Ja, klar! Ich finde Eure Musik total toll!", sagte ich aufmunternd.
"Oh Shit! Hoffentlich kommt das nicht wieder vor! Ich möchte doch so gerne meine Ruhe haben! Bitte.... bitte, fang jetzt nicht hysterisch an zu schreien oder so! Bitte.... verrat mich nicht!"
Man konnte genau erkennen, wie unangenehm sie sich in dieser Situation fühlt.
'Die Arme!', dachte ich. Ich wandte mich wieder zu ihr und erwiderte: "Hey, keine Angst! Ich bin nicht so!"
Danach schwiegen wir eine zeitlang und ich bemerkte, daß die Bahn mal wieder Mitten auf einer Kreuzung stehen geblieben war.
'Komisch, meine Müdigkeit ist wie weggeblasen! Ob das die Aufregung macht? Bestimmt! Denn wie oft hatte ich mir schon gewünscht, Barby Kelly persönlich zu treffen....' Ich konnte es noch immer nicht glauben! 'Was macht sie bloß ganz alleine hier, mitten in dieser Stadt?'
"Sag mal, was machst Du denn ganz alleine hier, mitten in dieser Stadt?", hörte ich mich fragen.
Heimlich schaute ich sie von der Seite an, und merkte, daß ihr Gesicht einen traurigen Ausdruck bekam. Sie druckste ein wenig rum, und antwortete nach einer: "Ich besuche eine Freundin!"
In dem Moment wurde es unruhig in der Bahn. Alle drängten zu den Türen.
'Was ist denn jetzt los?'
Eine tiefe Stimme ertönte in der Durchsage: "Alle bitte aussteigen! Wir haben einen technischen Defekt! Tut uns leid!"
Sofort nahm mich Barby am Arm und rief: "Komm! Komm schnell, laß uns raus hier! Hinterher erkennt mich in dem Gedränge noch jemand, und dann wüßte ich nicht, was ich tun soll!"
Kaum waren wir draußen, dachte ich, daß sie mich losließ. Aber nein, sie hielt mich immer noch fest, und zog mich weiter auf die andere Straßenseite, wo sich eine kleine Grünfläche befand. Erst dort blieb sie stehen, und ließ mich los. Beide holten wir Atem und als ich gerade was sagen wollte, fiel sie mir ins Wort: "Tut mir leid daß ich Dich so fest am Arm gehalten habe! Habe ich Dir weh getan?"
"Nein, hast Du nicht! Aber sag, wieso wolltest Du mich unbedingt von dort wegziehen?"
"Ich weiß auch nicht! Ich hab's einfach aus dem Bauch heraus getan. Keine Ahnung, wieso!"
Wir blickten um uns herum. Es war schon richtig bunt hier! Langsam blühen die Blumen auf und die Büsche bekommen Blätter. Die Anzeichen von Frühling!
"Du bist mir sympathisch! .... Wahrscheinlich deshalb!" Ihre Stimme klang nicht mehr so leise und schüchtern. Langsam lebte sie auf.
Jetzt wurde ich richtig verlegen: "Ehrlich? Das finde ich toll! Mir geht es genauso!" Ich machte eine Pause, um nach weiteren Worten zu suchen. "Es ist komisch! Ich fühle mich irgendwie zu Dir hingezogen! .... Ja, ich weiß, ich kenne Dich nicht richtig..."
"Aber mir geht es doch genauso!", fiel Barby mir ins Wort. "Ich kenne Dich noch weniger, als Du mich wahrscheinlich kennst!"
"Ja, das stimmt wohl", sagte ich mit einem Grinsen. "Komm, laß uns Eis essen gehen! Es ist so herrliches Frühlingswetter!"
"Gute Idee!", stimmte sie mir zu. "Außerdem können wir uns so besser kennenlernen!"
Gemeinsam schlenderten wir zu der nächsten Eisdiele und setzten uns hinein. Wir schauten in die Eiskarte und als der Kellner nach einer Weile kam, und uns nach unseren Wünschen fragte, antworteten wir beide fast wie aus einem Munde: "Einmal den großen Früchtebecher bitte!"
"Hey, woher wußtest Du, was ich nehme?", fragte mich Barby.
Laut lachte ich auf: "Wußte ich gar nicht...."
"So ein Zufall..."
In weniger als 5 Minuten kamen unsere beiden Eisbecher. Lecker sahen sie aus!
Genüsslich machten wir uns dran unser Eis zu essen. Währenddessen antwortet ich auf Barby's Frage, was ich so mache, und erzählte ihr ein wenig von meiner Ausbildung, und meinen Problemen damit. Sie war eine gute Zuhörerin! In dieser Zeit, wo ich ihr soviel über mich erzählte, gab es nicht eine Sekunde, wo sie nicht wie gebannt zuhörte. Es tut richtig gut, wenn man jemanden hat, mit dem man reden kann!
Als ich fertig war, und mich wieder voll und ganz meinem Eis widmete, fing Barby zaghaft an zu sprechen: "Du warst so ehrlich zu mir! Das habe ich gemerkt! Jetzt möchte ich Dir auch was von mir anvertrauen!" Sie sammelte all ihren Mut zusammen, und platzte dann heraus: "Ich bin von zu Hause abgehauen!"
'Uh!' Das erstaunte mich dann aber doch! "Wie? Von zu Hause abgehauen?
Wieso?"
"Also, das war so.....", und die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. Sie ließ all ihre Sorgen raus, und redete sich den Kummer von der Seele.
'Armes Ding!' Ich bekam richtig Mitleid mit ihr, und verspürte den Drang, ihr zu helfen. "Wenn Du willst, kannst Du mit zu mir kommen!"
Ein kleiner Aufschrei der Freude kam aus ihrem Mund. "Ehrlich? Das wäre toll! ... Danke!" Ein breites Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Sie sah wieder richtig glücklich aus!
Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof und fuhren mit dem Zug zu mir.
Auf dem Weg redeten wir über Gott und die Welt! Die Zeit verging so schnell, daß wir fast verpasst hätten auszusteigen.
"So, jetzt noch 10 Minuten mit der Straßenbahn, und dann sind wir da."
Als wir endlich ankamen, merkte ich wieder, wie müde ich war.
"Mach es Dir gemütlich!"
Überhaupt kein bisschen mehr schüchtern ließ sie sich auf mein Bett fallen und zog sich die Schuhe von den Füßen. "Uff, bin ich geschafft! Ich falle nachher bestimmt tot ins Bett, und schlafe wie ein Stein bis morgen früh!"
"Ja, mir geht es genauso!"
Ich zeigte ihr das Zimmer, wo sie schlafen konnte. Meine Eltern waren im Urlaub, und würden erst in 4 Tagen zurück kommen.
Bevor wir ins Bett gingen redeten wir nochmal über sie. Zu guter Letzt konnte ich sie doch noch überreden zu Hause anzurufen, damit sich ihre Familie keine Sorgen mehr machen mußte. .... Sie war schon vor 2 Tagen von zu Hause abgehauen, ohne irgendjemandem ein Wort zu sagen.
Ich konnte Bruchstücke von ihrem Telefonat verstehen. Zum Beispiel hörte ich, wie der Name Kathy fiel, und wie sie sagte: "Tut mir leid! Aber Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen! .... Ich bin bei einer Freundin!"
'Wie wahr dieser Satz doch inzwischen ist! .... Noch vor ein paar Stunden hat sie mir erzählt, daß sie eine Freundin besuchen geht, was sich dann hinterher als Notlüge herausgestellt hat. Aber jetzt..... jetzt stimmt diese Aussage! Ja, in dieser kurzen Zeit sind wir schon richtige Freundinnen geworden! Das ist echt nicht zu fassen! Ach nein, es ist einfach wundervoll!'
"So, ich bin fertig!", riß Barby mich aus den Gedanken. "Danke nochmal, daß ich telefonieren durft! ... Und .... danke, daß Du mich überredet hast anzurufen! Sie haben sich schon richtig Sorgen um mich gemacht! Aber böse ist Kathy nicht mehr! Sie sagt, daß ich ruhig eine zeitlang wegbleiben darf von zu Hause, um mich ein wenig abzureagieren! .... Aber .... Meinst Du, das wird gehen? Kann ich bei Dir bleiben? Nur, bis Deine Eltern wieder da sind!?"
"Hey, kein Problem! Das passt sogar wunderbar! Ich habe ab heute Urlaub, und wußte eh nicht, was ich alles in der freien Zeit machen sollte! ... Mein Freund mußte kurzfristig auf einen Lehrgang, und so ist unser gemeinsamer Urlaub geplatzt!"
Ich wußte nicht, was mit mir geschieht, als Barby mich am Arm packte, und mit mir im Kreis wirbelte. "Spitze!", rief sie laut, und ihre Stimmt überschlug sich fast dabei.
"Das ist das Beste, was mir in letzter Zeit passiert ist!", sagte sie, als wir uns wieder eingekriegt hatten, und uns von unserem Schwindelgefühl erholten.
"Weißt Du! Ich war schon lange auf der Suche! .... auf der Suche nach einer Freundin! Und nun habe ich endlich eine gefunden! .... Dich! .... Und ich bin überglücklich!" Wieder fing sie an im sich um sich selbst zu drehen. Diesmal mit erhobenen Armen.
Nun machte ich aus freien Stücken mit, und ich muß sagen, ein tolles Gefühl breitete sich in mir aus! 'Endlich, endlich ist mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung gegangen! Ich habe eine richtige Freundin gefunden! Juhuuuuu!'
"Du, Barby! .... Mir ergeht es genauso, wie Dir! .... Ich war auch schon lange auf der Suche, aber habe nie eine richtige Freundin gefunden! Und jetzt, ganz plötzlich, als ich überhaupt nicht daran gedacht habe, tauchst Du plötzlich auf, und machst meinen Wunsch wahr!"
Nach dieser Rumwirbel-Aktion waren wir noch müder als vorher, und fielen nur so ins Bett!
Am nächsten Morgen, mein 1. Urlaubstag !, wachte ich von der Sonne auf, die mich im Gesicht kitzelte! 'Wie schön, heute ist wieder so ein schöner Frühlingstag!' Ich schlug meine zerwühlte Bettdecke nach hinten, und schwang die Beine aus dem Bett. Als ich gerade zur Toilette gehen wollte, hörte ich aus der Küche leisen Lärm.
Ich ging gucken, und machte vorsichtig die Tür auf. Drinnen war eine gut gelaunte Barby gerade fleißig dabei Frühstück zu machen. "Oh, komm doch herein! Ist sofort fertig!", rief sie mir fröhlich zu.
"Das war doch nicht nötig.", stammelte ich, doch schon stupste sie mich ungeduldig auf einen Stuhl. "Komm schon! Genieße Deine Urlaubstage!"
Ganz ausgiebig frühstückten wir, und danach ging ich mich unter der Dusche frischmachen.
Während Barby duschte, zog ich mich an. Als ich gerade meine Haare kämmen und föhnen wollte, kam Barby schon fertig angezogen zu mir und meinte: "Komm, laß mich das doch machen! Du weißt gar nicht, wie gerne ich bei Patricia die Haare mache! Schon von klein auf. Früher waren es meine Puppen, die leiden mußten!" Wir beide mußten grinsen, und ich überließ Barby ihrer Leidenschaft. Man muß es ihr lassen, sie machte es wirklich toll! Nicht ein einziges Mal zog sie mit der Bürste an meinen langen Harren, und nach dem föhnen sahen sie richtig schön seidig aus!
"Danke, Barby, Du bist echt ein Schatz!"
Mittags gingen wir raus und unternahmen was! Bei dem schönen Wetter die reinste Freude! Wir redeten über alles, als wären wir schon ewig Freundinnen!
Wir verlebten 6 schöne Tage!
Nie wurde uns langweilig, denn wir fanden immer etwas worüber wir reden konnten!
So lustig, wie mit Barby, war das Leben schon lange nicht mehr gewesen! Endlich blühte ich wieder richtig auf, und ging voll aus mir heraus! Das bemerkte Barby auch.
"Es ist schön zu sehen, daß es Dir von Tag zu Tag besser geht! Man merkt richtig, wie gut Dir meine Gesellschaft tut! Da kannst Du nur von Glück sagen, daß wir zwei uns begegnet sind!", sagte sie und legte mir den Arm freundschaftlich um die Schulter.
"Ja, ein Glück! Es war wirklich eine alles verändernde Begegnung!" Während ich sie fest drückte, sagte ich: "Ich mag gar nicht daran denken, wie ich meinen Urlaub ohne Dich verlebt hätte, so ganz allein! Mit all meinen Problemen und Sorgen."
Nun ergriff sie das Wort: "Hey, hey, hey! Was soll ich denn sagen? Als ob Du mir nicht auch geholfen hättest... Wir haben uns halt gesucht und gefunden!"
Ich hatte mit Barby ausgemacht, daß sie an dem Tag, an dem meine Eltern zurück kommen sollten, wieder zurück zu ihrer Familie geht! Sie hatte sofort bereitwillig zugesagt und war überhaupt nicht mehr so deprimiert wie am Anfang, als sie mir von Ihrer Flucht erzählt hatte. Im Gegensatz - sie hatte wieder neuen Mut gefasst, und freute sich auf zu Hause!
‚Was gute Freunde doch alles bewirken könne!' Ich freute mich wie ein Schneekönig!
Das wichtigste war allerdings, daß wir Adressen und Telefonnummern ausgetauscht
hatten, so daß wir immer in Kontakt bleiben konnten und uns bei Problemen beim anderen ausheulen konnten.... Denn jetzt waren wir ja Freundinnen!
E-Mail Adressen hatten wir auch ausgetauscht, weil diese Post ja viel schneller
übermittelt wird, wie herkömmliche. Barby hatte mir erzählt, daß sie oft genauso
lange wie ich vor dem Computer sitzt, wie ich.
Meine Homepage habe ich ihr auch gezeigt, in der Zeit, als sie bei mir war. Besonders gefallen haben ihr einige Geschichte, die Fans geschrieben haben. Und da sie so
fasziniert davon war, bat sie mich darum, doch eine eigene Geschichte mit ihr
zusammen zu schreiben. Natürlich sagte ich sofort zu, denn das würde sicher super-viel Spaß machen mit ihr, meiner besten Freundin!
Und was dabei herausgekommen ist, ist hier zu lesen:
"Ich hatte einen anstrengenden Arbeitstag hinter mir, und war nur noch froh, als ich endlich in der Straßenbahn in Richtung Hauptbahnhof saß. Müde schaute ich aus dem Fenster. Wie immer hielt die Bahn alle paar Meter an, so daß die Fahrt noch ermüdender wurde.
'Ach, wenn ich doch nur schon zu Hause wäre, und mich auf mein Bett legen könnte, um ein wenig zu schlafen...', dachte ich als mich jemand von der Seite ansprach.
"Sag mal,", erklang eine leise schüchterne Stimme, "kannst Du mir vielleicht sagen, wie spät es ist?"
'Wie konnte diese Person es wagen, mich in meiner Verfassung anzusprechen? Merkte sie denn nicht, wie kaputt ich war?'
Völlig genervt drehte ich meinen Kopf zur Seite und wollte dieser unverschämten Person gerade sowas sagen, wie: "Also, heutzutage gibt es schon Armbanduhren ab 20 DM...", als ich mit offenem Mund innehielt.................."
© me (Simone/Binky)
(06/04/2000)
Last update: 26/04/2001
(Online since: 07/04/2000)