Abenteuer im Reich der Träume

by me (Simone/Binky)

 

"Also, ich werde mir heute mal einen richtig schönen Tag machen!" erzählte Barby ihren Geschwistern beim Frühstück. Sie musste nur noch die letzten Bissen ihres Marmeladenbrötchens in den Mund schieben und den Kakao leeren, dann war sie bereit zum Gehen. Die Sachen für ihren Ausflug hatte sie schon am frühen Morgen zusammengesucht.
"Echt? Was hast Du denn vor? " fragte Maite erstaunt. "Sag mal!" - "Aber nicht, dass mir einer auf die Idee kommt, zu fragen, ob ich ihn mitnehme.... Nein, das tue ich ganz bestimmt nicht. Ich will alleine sein, und so richtig schön ausspannen!" protestierte Barby sogleich. Maite schaute sie verdutzt an: "Ja ja, ist ja schon gut! Mein großes Schwesterchen will allein sein... ui ui ui... das will was heissen!" - "Genau! Und auf diesen freien Tag freue ich mich schon die ganze Woche drauf! ... Und rat mal, was ich machen werde." - "Bestimmt hat sie einen neuen Verehrer!" lachte Angelo abfällig. "Ach, halt doch die Klappe, Kleiner! Lass sie erst mal ausreden, bevor Du wieder wilde Überlegungen über Barby's Liebesleben anstellst!" warf Johnny ein. Auch Patricia, die sich vorher zurückgehalten hatte, meldete sich nun energisch zu Wort: "Genau Angelo, nach Deinen Spekulationen zu urteilen, hätte Barby wohl jede Woche einen anderen Typen an der Angel... Also, halt Dich gefälligst ein wenig zurück!" - "Hey, jetzt streitet doch nicht wegen mir! Ich kenn doch meinen kleinen Bruder, der ist immer so... leider!" - "Jetzt sag schon, was hast Du vor?" Jimmy's Stimme schien sich fast vor Neugier zu überschlagen. Auch Joey rutschte nun ungeduldig auf seinem Stuhl herum: "Genau, spann uns doch nicht so auf die Folter!" - "Wer spannt hier wen auf die Folter?" lachte Barby laut heraus. "Ich jedenfalls nicht. Wenn mein Brüderchen wieder andauernd Witze reißen muss, kann ich doch nichts dafür! ... Und außerdem ist es ja auch nichts sooooo besonderes, was ich vor hab. Halt nur ein bisschen die Ruhe allein genießen! ... Ich mache ein Picknick im Wald! Dort, an der Stelle, die mir schon immer so gut gefallen hat. Und vor allen Dingen werde ich endlich an meinem Buch weiterlesen! Sonst kommt man ja hier zu nix." - "Ach soooo!" Angelo war sichtlich enttäusch. "Warum hast Du das nicht gleich gesagt." - "Siehst Du. Was musst Du auch immer so vorlaut sein?" wendete nun auch Kathy ein und warf Barby einen vielsagenden Blick zu.
Nun war aber Schluss mit reden, schließlich wollte Barby keine Zeit verlieren. Sie erhob sich und schaute noch einmal in die Runde: "Tschüß, Ihr Lieben! Bis später!" Alle riefen Ihr noch ein paar verabschiedende Worte zu und Barby drehte sich um und verschwand durch die Tür.

Barby hatte es sich richtig gemütlich gemacht! Sie lag voll ausgestreckt auf einer Decke im Wald. Es war eine schöne große Lichtung mit saftig grünem Gras und vereinzelten Blümchen. Neben ihr stand der prall gefüllte Picknickkorb, in dem allerlei Leckereien zu finden waren. Ihre Schuhe hatte sie ausgezogen, so dass die frische Luft ihre nackte Haut streicheln konnte. Sie hatte ein dünnes weißes Kleid an, und sah aus wie eine Prinzessin. Sean hatte sie oft mit weitaufgerissenen Mund angeschaut, wenn sie mit diesem Kleid die große, lange Treppe im Schloss hinunterkam - so anmutig und schön.
Ganz vertieft war Barby in ihr Buch! Sie liebte es zu lesen, und war immer traurig, wenn sie mal ein paar Tage nicht dazu kam. Bei so vielen Geschwistern, kein Wunder. Andauernd war Lärm im Schloss und sie konnte sich überhaupt nicht konzentrieren. Deshalb hatte sie sich schon so lange auf diesen einen Tag allein im Wald gefreut!


Plötzlich schreckt Barby hoch! Ein helles Licht blendet ihre Augen! 'Was ist das?' Erstaunt hält sie die Hand schützend vor ihre Augen und blickt auf. Sternchen tanzen vor ihren Lidern und sie sieht nicht mehr, als dieses unendlich helle Licht vor ihr. Auf einmal vernimmt sie eine helle klare Stimme: "Hab keine Angst Barby! Ich bin es nur, das Licht der Wunder! Ich bin gekommen, Dir 3 Wünsche zu erfüllen, um Dich glücklich zu machen!"
Ohne drüber nachzudenken, ob es nun Realität oder Traum ist, fängt Barby an zu reden: "Ja, ich kann Dir ganz genau sagen, was ich mir wünsche - das ist nicht schwer!" An ihren zierlichen Fingern mit abzählend, führt sie ihre 3 sehnlichsten Wünsche vor: "Freiheit - ist das eine! Endlich frei sein - Ruhe haben! Dann möchte ich endlich mal allein im Mittelpunkt stehen - nicht immer nur auf andere angewiesen sein, und das machen, was sie wollen. Und das Wichtigste von allen: Ich möchte gern einen richtigen Freund haben! Jemand, dem ich alles erzählen kann, vor dem ich mich nicht zu schämen brauche. Und der für einen da ist, wenn man ihn braucht! - Ja, das wünsche ich mir!" Entschlossen guckte sie in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Das grelle Licht flackerte noch einmal kurz auf, und verschwand dann im Nichts!
Wie im Trance setzte sich Barby wieder auf die Decke und starrte zu dem Fleck, wo noch eben dieses wundersam helle Licht gewesen war. 'Hatte sie alles nur geträumt? War ihre Phantasie mit ihr durchgegangen?'

"Hilfe, Hilfe, warum hilft mir denn keiner?" Barby vernimmt ein klägliches Schreien. Langsam kommt sie wieder zu sich und blickt sich verwundert um. Was war geschehen? War sie eingeschlafen? Alles kam ihr so verändert vor. Auf der Wiese wuchsen plötzlich mehr Blumen, als noch zuvor. Andere Blumen, die Barby noch nie im Leben gesehen hatte. Sie versucht ihre Ohren zu spitzen und fragt sich, was es mit dem Rufen auf sich hat, was sie eben noch zu hören geglaubt hat.
Da! Jetzt hörte sie wieder was! Es klang eher wie ein hilfloses Gemurmel, und schien nicht weit entfernt von ihr herzukommen. Dennoch sah sie nichts, was sie diesen Lauten zuordnen konnte. Trotzdem erhob sie sich langsam und blickte sich neugierig um. Sie tat ein paar Schritte in Richtung der Bäume und folgte der Stimme, die nun immer deutlicher zu hören wurde: "Hier! Hier bin ich!" Fast wäre sie über dieses Etwas gefallen, das vor ihr auf dem Boden lag. Sie musste ganz genau hinsehen, um zu erkennen, was es war, denn durch das dichte Blätterdach kam kaum Sonnenschein hindurch. Zuerst glaubte sie zu träumen, und rieb sich die Augen, doch beim näheren Hinschauen bestätigte sich ihre erste Vermutung - es war ein Drache! Wo war sie bloß hier gelandet? Verdutzt schaute sie ihn mit offenem Mund an. "Jetzt starr mich doch nicht so an, Mädchen! Hilf mir lieber! Ich habe mich in einem herumliegenden Seil verheddert! - Was müssen die auch immer so ein Zeugs auf den Weg werfen?" fing der Kleine an zu meckern. Gehorsam kniete sich Barby neben das auf der Erde zusammengekauerte Wesen und schaute sich die ganze Sache von Nahem an.
Bräunlich war die Hautfarbe des Drachen. Von der Haut her wie eine Echse. Ja, es hatte sogar ungefähr die Größe eines Alligators. Bloß mit Flügeln halt... Nun, und die Beine waren auch länger und vor allem gelenkiger. - Ein dickes Seil hatte sich um seine Füße gewickelt und zwang ihn, in einer wohl ziemlich unbequemen Lage auf dem Boden zu hocken. Mit geschickten Fingern begann sie das feste Geflecht zu erforschen und fand auch schnell die beiden Enden. Vorsichtig machte sie sich daran, das Wirr-Warr zu lösen und mit etwas Geduld schaffte sie es auch schnell.

Der Drache war noch immer ziemlich benommen und fertig von der wohl stundenlangen unbequemen Lage und versuchte erst mal seine Glieder zu strecken. Ein lautes Knacken war zu hören, und er stöhnte leise auf.
Barby konnte die ganze Situation noch immer nicht einschätzen, und so betrachtete sie das Wesen vor ihren Augen ohne den Blick abzuwenden. Komisch, was plötzlich mit ihr passiert war. Erst dieses komische Licht, und dann auch noch das Erlebnis mit diesem ungewöhnlichen Tier! Sie beschloss, sich nicht länger darüber Gedanken zu machen, sondern es als einen Wink des Schicksals zu sehen, und es so hinzunehmen, wie es war.
Leise fing der Drache an zu flüstern: "Danke schön! Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie dankbar ich Dir bin!" Er hielt inne und atmete tief durch: "Ich darf gar nicht daran denken, was mit mir geschehen wäre, wenn Du nicht plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht wärest." Ein Schütteln ließ seinen Körper beben: "Nein, ich darf gar nicht daran denken. Ist besser so! ... Noch mal: Danke!!" Nun musste Barby lächeln - so gut hatte sie sich lange nicht gefühlt, wenn sich jemand bei ihr bedankt hatte. Es schien etwas ganz besonderes zu sein!
Der Drache nahm sie behutsam in den Arm und drückte sie zum Dank liebevoll an sich. Nein, Angst hatte Barby nicht vor ihm! Er schien so nett und liebenswürdig zu sein. Sie vertraute ihm! Es war ein unbeschreibliches Gefühl!

Es entstand ein peinliches Schweigen. "Hey, jetzt sag doch auch was!" Der Drache hatte seine wohl für in typische muntere Art wiedergefunden. "Wie heißt Du?" - "Ich...", stammelte Barby, "Ich... bin... Barby! ... Und Du?" - "Hey, hey, nicht so schüchtern! Ich bin der kleine Drache, Jamie! Hast Du mich noch nie hier in der Gegend gesehen? ... OK, kann ich verstehen, schließlich habe ich Dich auch noch nie zu Gesicht bekommen! Wo kommst Du denn her?", plapperte er munter drauflos.
Barby musste erst nach den richtigen Worten suchen - ihr steckte ein dicker Klos im Hals. "Ich wohne in einem Schloss - hier ganz in der Nähe!" - "Ha, das kann nicht sein... Wieso behauptest Du so was? Ich kenne alle Leute, die hier wohnen - schließlich bin ich hier aufgewachsen!" Nun wurde es Barby aber doch etwas mulmig: "Doch, doch, mein Vater hat das Schloss vor ein paar Jahren gekauft! ... Ich wohne dort mit meinen Geschwistern! ... Aber sag, hast Du nicht eben erwähnt, dass Du Jamie heißt? Mein Bruder... mein großer Bruder...", jetzt geriet sie ganz in Gedanken an ihre Familie wieder ins Stocken. "Also... mein großer Bruder heißt auch Jamie! ... Ich mag ihn sehr!" Nun war es an der Stelle des kleinen Drachens verwundert zu schauen: "Also, ich kann Dir sagen - auf dem Schloss hier ganz in der Nähe wohnt ein Mann, der heißt James! Er hat gaaaaaanz viele Geschwister. Ich kann Dir sagen, das ist vielleicht schwer, sich die ganzen Namen zu merken..."
"Waaaaaas? Echt? Na, sag ich doch - das sind alles meine Geschwister! Komm mit, wir gehen gemeinsam zu ihnen!" Langsam kehrte ihr Mut wieder, und sie war zuversichtlich, bald ihre Geschwister zu treffen. Was immer auch merkwürdiges geschehen war - sie waren in ihrer Nähe!

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Das Eis war gebrochen, und beide plapperten munter drauflos. Sie verstanden sich richtig gut, obwohl sie so unterschiedlich waren. Jamie, ein kleiner Drache, der aussah, als sei er einem Historischen Roman entsprungen, und Barby, in ihrem wunderschönen Kleid, Prinzessinnen gleich, als käme sie gerade eben aus einem Bilderbuch!
Von weitem sah man schon das Schloss hinter dem Waldrand aufblitzen, doch anstatt schneller zu gehen, um endlich wieder Heim zu sein, verlangsamten beide ihren Schritt. Der kleine Drache schaute Barby an, und sagte: "Barby, egal, wer Du in Wirklichkeit bist, Du bist nett - ich mag Dich!" - "Ja, mir geht es genauso! Du kommst mir richtig vertraut vor, als ob ich Dich schon ewig kennen würde!" Barby's Gesicht strahlte wahrhaftig, als sie diese Worte hervorbrachte. "Komm, lass uns Freunde sein - Du und ich! ... Du hast mich vorhin gerettet, also werde ich auch für Dich da sein, wenn Du irgendwann mal meine Hilfe brauchen wirst!" Erwartungsvoll blickte der Drache Barby an. Diese machte vor Freude innerlich Luftsprünge - endlich, endlich hatte sie einen wahren Freund gefunden!


Als Barby ihren Blick wieder auf das Schloss, ihr Zuhause, richtete, stieß sie einen unterdrückten Schrei des Erstaunens aus. Es sah so ganz anders aus, als sie es noch vor ein paar Stunden verlassen hatte, um den Tag allein im Wald zu verbringen. Was war nur heute mit ihr los? Andauernd ereigneten sich so merkwürdige Dinge, und sie schien mittendrin zu sein. Waren denn alle verrückt geworden? Oder war sie es, die langsam aber sicher den Verstand verlor? Kein Wunder, bei dem, was ihre Familie all die letzten Jahre hatte durchmachen müssen...
Sie rieb sich heftig die Augen und schaute noch einmal auf das große rosafarben Gebäude. Ja, zweifellos! Das war ihr Schloss! Doch wo waren all die Strassen, die anderen Häuser, und vor allem die Fans, die tag und nacht vor dem Schlosstor wachten? Alles hatte sich verändert! Das Gebäude lag in einiger Entfernung genau vor ihr. Weit und breit nichts, was ihr die Sicht versperrte. Von hier aus gesehen hinter dem Schloss befanden sich die Bäume des Schlossparks, noch nicht so hoch gewachsen, wie Barby sie in Erinnerung hatte.
Trotz der ungewöhnlichen Umstände verspürte Barby keine große Angst. Sie fühlte sich zwar ein wenig unwohl, aber sie hatte es im Gefühl, das ihr nicht Böses geschehen würde, egal, was auch passieren sollte. Schließlich hatte sie ja ihren neugewonnenen kleinen Freund, der auf sie aufpassen würde, egal in welcher Situation. Dessen war sie sich sicher!

Nach weiteren Schritten gelangten sie dann schließlich zur Hauptpforte des Schosses. Schwungvoll wollte Barby die schwere Holztür aufstoßen, als sie feststellen musste, dass sie abgesperrt war. "Was machen wir jetzt?" fragte sie, und drehte sich zu Jamie um. Dieser jedoch war hinter einem Busch ganz in der Nähe verschwunden und deutete ihr an, leise zu sein, und ihn nicht zu verraten. 'Naja', dachte sie, 'er wird schon seine Gründe haben!'
Heftig klopfte sie mit dem silbernen Ring geben das schmiedeeisern verzierte Tor und wartete, ob sich im Innern was tat. Kaum waren ein paar Sekunden vergangen hörte sie auch schon polternde Schritte, und die Tür wurde mit solch einem Schwung aufgerissen, dass Barby rücklings auf den Po fiel. "Aua!", ihre Stimme war nur so leise wie ein Windhauch. - "Hey, wer ist da?", grollte die Stimme ein wenig über ihr, und sie rappelte sich mühsam wieder auf. Sie blickte in das finstere Gesicht eines langhaarigen Mannes. Die Haare hingen ihm zottelig über die Schultern und schienen schon lange nicht mehr gepflegt worden zu sein. Barby war erstaunt. Sie studierte genauestens die Gesichtszüge des Mannes und hatte so ihre Zweifel. Sollte das tatsächlich ihr Bruder sein? "Joey? Bist Du das?" - "Hey! Kleine!", sagte er mürrisch. "Was geht Dich das an? Siehst Du nicht, dass ich nicht in der Stimmung bin mit fremden Leuten zu reden? ... Und außerdem heiße ich Joseph und nicht Joey! Was ist das überhaupt für ein alberner Name?"
Verwirrt schluckte Barby einen Kloß im Hals hinunter. Da stand ihr eigener Bruder vor ihr, und erkannte sie nicht einmal. Es hatte bestimmt mit der ganzen Situation zu tun, in der sie so urplötzlich hineingeraten war. Sein Auftreten war so ganz anders! Seine Haare, sein verbittertes Gesicht, seine Kleidung! Ja, er trug ein altes, verdrecktes Gewand, das genauso mittelalterlich aussah, wie damals die Klamotten, die sie beim Videodreh zu einem ihrer Lieder angezogen hatten.
Sie blickte ihm tief in die Augen: "Joseph... ich bin es, Barbara, Deine Schwester!" Nun war es an Joey's Reihe zu schlucken und sie anzustarren, als sei sie von einem anderen Stern. Seine Augen weiteten sich, und leise fing er an zu flüstern: "Barbara? - Barbara Ann? - Bist Du es wirklich? Lass Dich anschauen!" - "Ja, warum sollte ich Dich anlügen?" - "Oh Mein Gott! Es besteht kein Zweifel! - Das Kleid! - Unsere Mutter hat es genäht! Extra für Dich! - Du bist es wirklich! Und das nach so vielen Jahren der Ungewissheit..." Tränen liefen ihm leise über die verdreckten Wangen und hinterließen ihre Spuren. Er schloss sie fest in seine Arme und schien sie nie wieder loslassen zu wollen. Liebevoll schob er sie nach einer Zeit wieder von sich weg, schaute ihr in die Augen und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn: "Willkommen zu Hause, geliebte Schwester!" Völlig gerührt von den Gefühlen ihres großen Bruders brachte Barby keinen Ton raus. Sie wollte einfach nur seine Wärme spüren, seine schützenden Arme auf ihrer Schulter, und die Gewissheit, herzlich empfangen worden zu sein.

Die schönen Momente des Wiedersehens vergingen wie im Fluge und wurden jäh durch eine kindliche Stimme zerstört, die neugierig fragte: "Onkel Joseph, wer ist denn das Mädchen da in Deinen Armen?" Hinter der Tür blickten kleine verschmitze Äuglein hervor. "Sean, bist Du das?" Barby war sichtlich erstaunt, diesen kleinen Burschen zu sehen, von oben bis unten mit Dreck verschmiert. "Sean, das ist Deine Tante Barbara! Sie ist endlich wieder daheim! - Geh, schnell, ruf Deine Mutter her, und die anderen auch alle! Sie sollen in die große Halle kommen, es gibt was zu feiern!" Gehorsam sprang der Kleine davon, und Joey führte Barby hinein ins Innere des Schlosses.
Es sah alles so anders aus! Nur schlicht eingerichtet und wahrlich nicht gut gepflegt. Barby war sehr neugierig, was ihre Geschwister zu sagen hatten, und vor allem, wie sie aussahen. Denn eins war ihr klar, sie war mitten in einem außergewöhnlichen Abenteuer gelandet, und sie war gespannt, wie es weiter ging!

Schnell hatten sich alle um sie versammelt und redeten wie wild durcheinander. Sie verstand fast kein Wort, doch an dem Tonfall ihrer Stimmen konnte sie merken, wie froh sie alle waren, sie wiederzusehen!
"Barbara Ann, wo hast Du so lange gesteckt? Wir haben uns sorgen um Dich gemacht!" Typisch, Kathy, immer besorgt um einen. "Genau, das interessiert mich auch!" Diese energische Stimme kam von Maite, ihrer molligen Schwester, die zwar wie immer fröhlich, aber dennoch besorgt dreinblickte. - "Ich habe eine sehr weite Reise gemacht!" - Ja, das war wohl wahr, wenn sie bedachte, aus welcher Zeit sie hierher gekommen war. "Aber das würde jetzt viel zu lange dauern es zu erzählen!" - "Bleibst Du denn jetzt bei uns? Oder gehst Du wieder einfach fort, ohne irgendjemandem was davon zu sagen?" Diese Frage kam von Sean, dem kleinen Spross von Kathy. "Meine Mama hat sich ganz dolle Sorgen gemacht. - Und Grandpa auch." Verwirrt schaute ich auf: "Wo ist Pa denn? Geht es ihm gut? Bitte..." - "Doch, doch, keine Sorge, er lebt noch!", meldete sich nun John zu Wort, der andächtig am Treppengeländer gelehnt stand. "Lass uns zu ihm geh'n! - Aber nur wir zwei! Ihm geht es nicht so gut! Es hat ihn ziemlich mitgenommen, dass Du plötzlich spurlos verschwunden bist, und Dich so lange nicht gemeldet hast. Er liegt in seinem Bett und wartet schon auf Dich."

Gemeinsam schritten sie die Treppenstufen hinauf und den langen Gang entlang. Vor der hintersten Tür blieben sie stehen: "Geh Du am besten allein hinein! Er hat Dir viel zu sagen!" Als John sah, dass Barby zögernd stehen blieb fügte er noch hinzu: "Keine Angst! Er freut sich, Dich wiederzusehen!"
Mit klopfendem Herzen öffnete Barby leise die Tür und schloss sie hinter sich wieder. Ihr Vater saß aufrecht in dem großen Bett und lächelte sie an. "Barbara, Liebes, ich bin so froh, Dich wieder zu sehen!" - "Ja, Papa, mir geht es genauso!", sie lief das letzte Stück und fiel ihm in die Arme. - "Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben! - Deine Mutter, Gott sei mit ihr, hat mir die nötige Kraft gegeben, es durchzustehen, all die Jahre über!" Er zog sie über sich und drückte sie an sich. "Nun wird alles wieder gut! - Du kannst endlich Prinzessin werden, so wie Deine Mutter es schon immer für Dich vorgesehen hat! - Es beginnt ein neues Leben für uns alle!" Barby versuchte ihre Tränen zurückhalten und drückte sich noch fester an ihren Vater, der ihr, neben ihren zahlreichen Geschwistern, einzig und allein geblieben war, als ihre geliebte Mutter vor vielen Jahren gestorben war.


Sie musste wohl vor lauter Erschöpfung in den Armen ihres Vaters eingeschlafen sein, denn als sie wieder zu sich kam, taten ihr alle Glieder weh. Langsam öffnete sie ihre Augen und blickte um sich. Verwundert stellte sie fest, dass sie sich mitten im Wald befand, auf einer Decke, das Buch neben ihr aufgeschlagen. Voller Bedauern wurde ihr klar, dass sie wieder am Ausgangspunkt ihrer ungewöhnlichen Reise angelangt war. Langsam rollten ihr dicke Tränen über die Wangen. Es war alles so schön gewesen! Sie hatte doch endlich einen Freund gefunden und war frei gewesen!
Plötzlich merkte sie, dass neben ihr auf der Decke etwas lag. Sie nahm es vorsichtig in die Hand und betrachtete es von allen Seiten ganz genau. Es war ein kleiner, aus Holz geschnitzter Drache, mit einem deutlichen Schriftzug auf der Unterseite eingeritzt: "Für immer Freunde! Jamie".


© me (Simone/Binky) (29/08/2000 + 31/08/2000)


Eventuelle Fortsetzung kann folgen! :o)

Freue mich immer auf Feedback!!!

 

Magic Fairy's Story Award Silber


Mit dieser Geschichte habe ich bei Magic Fairy
den Story Award August 2000 in Silber gewonnen! *megafreu*
Danke schön, liebe Magic Fairy!
Der Award ist einfach wundervoll! :o)



Bar Letter

Last update: 26/04/2001

(Online since: 02/09/2000)


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