Ort ohne Dunkelheit
Wir werden uns an einem Ort treffen, wo es keine Dunkelheit gibt
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1. Sie war müde und wollte einfach nicht mehr. Das war einfach alles zuviel für sie gewesen. Der plötzliche Anruf mit der Bitte sofort nach Deutschland zu kommen, das Entsetzen als sie ihr sagten, dass ihre Taufpatin, der Mensch dem sie so sehr vertraute wie ihrer Mutter und sie beinahe genauso liebte, im Sterben lag, dann der überstürzte Flug und die ganze Nacht lang wach und stumm vor nicht- begreifen-können, dass sie wirklich tot war. Sie war noch rechtzeitig gekommen, aber die Zeit die sie noch hatte war einfach zu kurz gewesen, da war noch so viel was sie ihr hatte sagen wollen, so viel, das die 2 verbunden hatte .... es war als hätte sie ihre große Schwester verloren. Ein Gefühl der Leere hatte sich in ihr ausgebreitet und nicht einmal ihre Eltern wussten wie sie sie trösten konnten. Und das Allerschlimmste war, - sie konnte nicht weinen. Der Schmerz nahm ihr die Luft zum Atmen; schnürte ihr die Kehle zu. 2. Gut das sie es nicht getan hatten. Er wollte allein sein. Wer wollt niemanden sehn. Die ganze Welt schien ihn zu hassen und auf ihm herumzutrampeln wie auf einem alten Teppich. Und er hasste sie auch alle. Sie waren einfach das allerletzte. Taten ihm immer nur weh und wollten dann auch noch von ihm den Sunnyboy gespielt bekommen. Aber er war doch nicht ihr Trottel vom Dienst. Er war auch nur ein Mensch. Ein sehr einsamer. Sie stand noch immer da. Er bemerkte sie nicht. Sie wusste nicht was sie tun sollte. Einfach wieder gehen, so, als ob sie nichts gesehen hätte, oder .... leise setzte sie sich neben ihn. Es war wie eine Instinkthandlung. Sanft streichelte sie ihm übers Haar. Nicht mehr. So saßen sie da. Eine halbe Stunde. Vielleicht länger, vielleicht kürzer. Der Weinkrampf schüttelte ihn und sie legt behutsam einen Arm um ihn, darauf gefasst ihn sofort wieder wegzunehmen wenn er es wollte. Aber er lies sie gewähren. Sie nahm ihn in die Arme und sprach leise und beruhigend auf ihn ein. "Bssssd. Es ist schon gut. Es wird alles wieder gut. .... Ja, wein dich aus. Lass alles raus. So ist es Die Stimme kam von weit her und er kuschelte sich in die schützende Umarmung. Das tat so gut .... Er wollte doch nur geliebt werden. Aber die Fans ließen das nicht zu. Er hatte sie wirklich geliebt, aber sie hielt die Fans nicht mehr aus, die Morddrohungen und das er so oft nicht da war. Er hatte es nicht glauben wollen, als sie ihm übers Telefon erklärt hatte, dass das alles einfach zuviel für sie war. Am Telefon. Weil sie sich nicht mehr in seine Nähe traute und weil sie den Abschied so kurz und schmerzlos wie möglich machen wollte. Aber ihm hatte es das nicht leichter gemacht. Wieder eine, die ihn wegen den Fans verließ. Nur eine mehr, aber diese eine war eine zu viel. Sie hielt ihn immer noch fest. Ihr Hemd war nass von seinen Tränen, aber das störte sie nicht. Sie wusste nur, dass sein Schmerz den ihren verdrängt hatte. Er hatte sie eingenommen. Sie hatte das nicht gewollt, aber es war einfach so passiert. Er hatte sie von ihrem eigenen Kummer abgelengt. Für kurze Zeit. Langsam beruhigte er sich wieder. Er wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht, suchte nach einem Taschentuch und schneuzte sich. Sie sahen sich stumm an. Eine ganze Zeit lang. Keiner von beiden wusste wie lang es war, aber es war unwichtig. 3. Sie sah in seine Augen und war wie gebannt. Noch nie hatte sie solchen Schmerz und solch maßlose Trauer in den Augen eines Menschen gesehen. Und doch war da etwas. Sie konnte nicht sagen was, aber es fesselte sie. Er verstand sie nicht. Ihn hatte sie so gut getröstet und sie selber wollte nicht getröstet werden? Warum weinte sie überhaupt. Doch nicht wegen ihm? Das wollte er nicht. Sie begann leise und stockend zu erzählen. Es gab ja nicht viel zu sagen. Ihre Taufpatin, ihre große Schwester die sie nie gehabt hatte, war tot. Und es tat so unendlich weh. Und sie ließ all die Trauer und den Schmerz raus und machte sich frei. Sie weinte nicht lange aber es waren die Tränen die sie zu ersticken gedroht hatten und die wurden endlich aus ihr heraus gespült. Nun war es an ihm sie in die Arme zu nehmen. Er streichelte ihr über den Kopf, über den Rücken, drückte sie zärtlich an sich und ..... er genoss das Gefühl, die Nähe, ihr warmer Körper so nah an seinem. Wie sehr hatte er das vermisst. Seine ex-Freundin war nie sehr zugänglich für solcherlei Zärtlichkeiten gewesen. Sie wollte mit ihm schlafen oder nicht. Doch, Küssen ließ sie auch zu. Aber nur dann wann sie wollte. Das waren Gedanken die er heute zum ersten Mal dachte. Für ihn war sie immer DIE Traumfrau gewesen, aber gegen dieses zerbrechliche Wesen hier in seinen Armen war sie wie ein Bulldozer (Plannierraupe) der alles niederfuhr. Wenn er jetzt darüber nachdachte viel ihm auf, wie selten sie sich ihm wirklich geöffnet hatte. Seelisch. Körperlich war sie immer für ihn offen wann sie es wollte. Aber er hatte sie nie weinen sehen. Nie hatte sie sich hilfesuchend an ihn geschmiegt und sich ihm überlassen, so wie es diese wildfremde Mädchen in diesem Moment machte. Und bei ihr kam es ihm auch so total richtig vor. So, als ob er nur darauf gewartet hätte das sie kommen würde sich bei ihm ausweinen würde, weil ein Mensch den sie sehr geliebt hatte gestorben war. Langsam löste sie sich von ihm. Er hielt ihr ein Taschentuch hin und sie putzte sich die Nase. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Sie wollte ihm auf keinen Fall verärgern oder von ihm als sensationsgeiler Fan abgestempelt werden, aber sie wollte wissen: " Warum ....?" Er versteifte sich. Was wollte sie. Sie kam ihm so anders vor, als die anderen Fans, aber weshalb war sie sonst vor dem Schloss gewesen? Was hatte sie hier gewollt? Was wollte sie jetzt von ihm wissen? Sie schluckte. Genau das hatte sie verhindern wollen. Er hatte Abwehrhaltung eingenommen. "Es tut mir leid ... ich wollte nicht ... nicht böse sein, aber die meisten Leute hier .... " Wie ein Schlafwandler huschte er zurück in den Park und ging langsam wieder Richtung Haus. © Berrit (Vielen Dank!) |
Last update: 14/03/2001
(Online since: 14/03/2001)