Traumbilder

by Barby K.

 

Es war gerade einmal zehn Uhr morgens, als Patrick aus dem Bett gefallen zu sein schien. Selten war er so früh wach und er wusste, niemand würde das als normal empfinden. Doch er hatte nicht besonders gut geschlafen, immer wieder war er von wilden Träumen verfolgt gewesen. Jetzt musste er dem allen endlich ein Ende bereiten, sonst wäre er noch Schweiß gebadet im Bett liegen geblieben. Er setzte sich an den Frühstückstisch und versuchte etwas zu essen. Doch jeder Bissen blieb ihm im Hals stecken und er verschluckte sich. Es schien als hätte ihm etwas die Kehle verschnürt und würde nichts mehr hindurch lassen. Er gab es schließlich auf und ging ins Wohnzimmer.

Seine Schwester Patricia war schon lange wach und war gerade dabei, die Wohnung zu putzen. Das tat sie immer, wenn die anderen noch schliefen und sie dabei nicht stören konnten. Umso verwunderter war sie, als sie Patrick sah.

"Was machst du denn schon hier, bist du aus dem Bett gefallen?" "Ja, ich konnte einfach nicht mehr schlafen. Ich habe etwas komisches geträumt, und jetzt habe ich immer die Bilder vor meinem Gesicht, ich kann die Augen nicht mehr schließen." Dann wandte er sich ab und ging hinaus in den Park. Das half ihm immer, wenn er es mal wieder besonders schwer hatte. Er versuchte sich an den Traum zu erinnern, doch nichts als schwarze Bilder kamen vor seine Augen. Er zwinkerte und versuchte ein paar Sonnenstrahlen zu tanken, doch es half nichts, die Bilder blieben dunkel und verschwommen.

Plötzlich hörte er ein Rascheln hinter sich und drehte sich um. Doch da war niemand, er hatte sich selber einen Streich gespielt. Vielleicht war es ein Vogel gewesen, oder ein anderes Tier im Gebüsch. Also eigentlich kein Grund zur Sorge. Patrick war doch sonst nicht so schreckhaft. Ob es mit dem Traum zutun hatte? Es war kein schöner Traum gewesen, aber zum Glück hatte er den Inhalt vergessen, er sollte lieber nicht darüber nachdenken, sonst fiel es ihm am Ende doch noch ein.

Als er seinen Spaziergang beendet hatte und genug frische Luft in die Lungen bekam, da ging er wieder hinein. Ein paar seiner anderen Geschwister waren auch schon wach, und da fiel ihm ein, dass sie heute gar nicht so viel zeit hatten. Das Konzert in Köln stand an. Viele Freunde würden kommen, in Köln wurde immer viel verlangt, und er wollte wirklich gut sein. Es war Zeit, die Sachen zu packen.

Die Show verlief gut, fast ohne Zwischenfälle. Bis zur Zugabe. Die Geschwister waren schon von der Bühne gegangen, nur Angelo sang noch sein Lied und Patrick begleitete ihn auf der Gitarre. Sie hatten wirklich ihr bestes gegeben und sich total verausgabt. Patrick war am schwitzen, er freute sich schon auf seine Dusche wenn er wieder zu Hause war. Aber noch war es nicht vorbei, und plötzlich sah er wieder die Bilder vor sich. Da waren sie, die schwarzen... sie kamen auf ihn zu, lachten gemein und kamen von der Decke herab. Genaues konnte Patrick nicht erkennen, aber das was er sah, das reichte ihm auch schon. Er fing an zu zittern. Nein, er musste doch bleiben, noch ein paar Sekunden, dann wäre es vorbei und er konnte gehen. Außerdem waren es doch nur Bilder, nichts wahres, nichts, was ihn wirklich beunruhigen sollte. Er versuchte wegzusehen, doch dann tauchten die Schwarzen vor ihm auf. Er wich zurück, spielte aber weiter. Angelo sah ihn an, richtete aber dann gleich wieder seinen Blick aufs Publikum und stimmte die letzte Strophe an. Angelo schien nichts zu bemerken, doch Patrick hatte Angst. Viel Angst. Und als die Schwarzen so nah waren, dass sie nach ihm greifen konnten, da schrie er auf, drehte sich um und rannte davon. Er musste einfach weg. Er schaute nicht nach hinten, traute nicht, sich umzudrehen, wohl wissend, das er verfolgt wurde. Von der Bühne runter, durch den Backstagegang, nach draußen, am Bus vorbei, durch die Absperrung, und einfach die Straße hinunter. Der Wind brannte ihm im Auge, doch er traute sich nicht, langsamer zu werden. Um noch schneller laufen zu können, warf er seine Gitarre einfach an den Straßenrand und bog dann in einen Wald ein. Er konnte kaum etwas sehen, und als er das Lachen der Schwarzen nicht mehr hörte, da besann er sich um blieb stehen. Tatsächlich, er hatte seine Verfolger abgehängt. Langsam kam er wieder zu Atem, doch richtig ausruhen wollte er sich nicht. Er ging schnellen Schrittes weiter und versuchte krampfhaft etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Sterne standen nicht am Himmel und auch der Mond war nicht besonders hell. Es war eine kalte Nacht, aber er war immer noch am Schwitzen. Schließlich setzte er sich an einen Baum. Er war allein, da war er sich sicher. Hier würde ihn auch so schnell nicht jemand finden.

Und dann wachte er auf...


© Barby K. (Lieben Dank!)


Bar Letter

Last update: 03/02/2004

(Online since: 03/02/2004)


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