Paddy aus der Galaxie

by Barby K.

 

Paddy schloss dir Tür hinter sich und betrat den Flur. Seine Schwester Patricia kam ihm schon entgegen und lächelte. Sie hielt ihm einen Zettel entgegen und Patrick wusste schon, was es war. Da hatte er schon so lange auf eine Nachricht aus seiner Heimat gewartet und jetzt wedelte Patricia einfach vor seiner Nase so damit rum, dass er sie kaum zu fassen bekam. Die Vorfreude ließ seine Hand aber auch ziemlich zittern. Schließlich gelang es ihm an den Zettel zu kommen und hastig faltete er ihn auf. Ja, es war wie er gedacht hatte, er war eingeladen worden, in seine Heimat, nur er. Ein paar Lieder sollte er spielen, das war das Größte. Bisher hatte man in seiner Heimat nicht sehr viel Verständnis für das gehabt, was er hier tat, aber jetzt wollten auch sie ihn mal hören. Wahrscheinlich hatte sein bester Freund Joch sich für ihn eingesetzt, weil dieser wusste, wie sehr Paddy noch an seiner Heimat hängt. Er war schon so lange nicht mehr dort gewesen, und bis auf ein paar Briefen von seinem Freund Joch war ihm eigentlich kaum etwas davon geblieben. Schwache Erinnerungen an die Landschaft und ein paar Dinge, die er aus seiner Kindheit behalten hat, das ist alles, was ihm von seiner wahren Heimat geblieben ist. Als er geboren wurde, da war seine Familie schon viel herum gekommen. Er hatte schon viel auf der Erde gesehen, doch er wusste, hierher gehörte er nicht. Er wollte wieder zurück, daran hatte er schon lange gedacht, und nun sollte es zumindest für einen kleinen Auftritt wahr werden. Seine Geschwister hielten nicht viel von seinem Vorhaben, doch sie akzeptierten es, dass es für ihn so wichtig war. Jetzt galt es viel vorzubereiten. Konzerte und andere Auftritte waren zur Zeit nicht geplant, also konnte er beruhigt für eine Weile verschwinden und sich auf die Reise machen. Er rannte sofort in sein Zimmer und öffnete hastig die Schranktüren. Wo war nur die Kleidung aus seiner Heimat? Die Sachen hatte Joch ihm doch letztens erst zukommen lassen, weil er mit Jeans und T-Shirt dort wohl nicht sehr passend gekleidet wäre. Er hatte noch einen Umhang aus seiner Kinderzeit, aber der war natürlich schon viel zu klein. Vielleicht konnte seine Schwester aus dem Stoff ihm wenigstens noch Socken nähen oder so. Aber Baumwolle war dort wirklich nicht gerne gesehen, da wusste jeder sofort, wo derjenige lebte. Aber Moment mal, Paddy hielt inne. War es denn so schlimm, wenn es jeder sah? Nein natürlich nicht, sie wussten es doch eh schon. Sie hatten ihm vor Jahren verboten, zurück nach Hause zu kommen, weil es für sie eine Schande gewesen wäre. Sie schämten sich dafür, dass einer von ihnen so weit weg die Kinder zum ausflippen brachte und für Paddy war es immer eine Qual gewesen, an seine geliebte Heimat zu denken. Er fand noch ein Hemd, was er von Joch bekommen hatte und zog es über. Dann betrachtete er sich in dem großen Spiegel. Es war ein ungewohntes Bild, doch er fühlte sich wohl. Endlich musste er nicht mehr Patrick spielen. Patrick, der Mensch, der Ire, der Musiker, der Star. Jetzt war er wieder Paddy aus der Galaxie.

Die Reise würde nur einen Bruchteil von Sekunden dauern, doch in Erdenzeit gerechnet wäre er mindestens drei Tage unterwegs. Demnach hatte seine Schwester ihm genügend Proviant eingepackt. Paddy wusste, er würde sie eventuell unter seinesgleichen in der fremden Welt verteilen, damit auch sie mal etwas aus der fremden weiten und leider auch verhöhnten Welt kosten konnten. Er verabschiedete sich von allen und versprach jedem etwas aus der Heimat mitzubringen. Dann ging er in sein Zimmer um sich dort einzuschließen. Er lächelte als er daran denken musste, dass die Menschen immer noch an Raumschiffe glaubten. Die Menschen hielten sich für die höchst entwickelten Wesen in diesem Universum, und ihrer Logik nach war es schon das Höchste der Gefühle einem Fremden Wesen so was wie ein Raumschiff zuzutrauen. Doch in Wahrheit hatten die Menschen von Paddys Heimatplaneten diese Entwicklungsstufe schon vor Millionen von Lichtjahren erreicht. Er setzte sich auf sein großes Bett und zog die Knie nah an den Körper. Er hatte diese Reise seit seiner Kindheit nicht mehr gemacht und nur dank der genauen Erklärung von Joch konnte er sich erneut daran wagen. Es würde schon klappen. Er wusste, er hatte nur einen Versuch. Wer es dann nicht schaffte, der wurde durch ein überaktives Schutzsystem gesperrt. Schließlich konnten auch Menschen es versuchen. Sie würden es niemals schaffen, und demnach stand ihnen Bestenfalls auch nur ein Versuch zu. Danach war es für jeden Unmöglich. Doch Paddy war kein Mensch, er hatte die Fähigkeit, und sobald er auch nur mit der Fingerspitze die Galaxie erreichen sollte, würden die Bewohner im Helfen und ihn zu sich holen. Doch soweit musste er es allein schaffen.

Er konzentrierte sich und sah schon bald das virtuelle Board vor sich. Er hatte die Zahlenkombination sich genau eingeprägt und drückte nun gewissenhaft eine Taste nach der Anderen. Am Wichtigesten war es allerdings, den festen Willen zu haben, ohne böse Absichten zu reisen und vor allem, man musste erwünscht sein.... dann wurde es ganz still. Paddy bemerkte kaum, wie das weiche Bett unter ihm verschwand und sich Luft, Zeit und vor allem der Raum änderte. Leicht schwindelig öffnete er schließlich die Augen und sah Joch neben sich sitzen. Sonnenlicht gab es hier nicht, hier strahlten nur die Seelen der Bewohner und auch Paddy merkte, wie er seine menschliche Haut ablegte und wieder ganz zu dem wurde, was er eigentlich war: Ein Bewohner der Galaxie.

Die nächsten Stunden verbrachte er mit seinem besten Freund und empfand all die Elemente, die es auf dem Menschenplaneten nicht gab und hielt sich oft und lange in anderen, als uns bekannten, Dimensionen auf. Es war so einfach die Menschen zu beeindrucken, dachte er sich. Man spielte ein paar Lieder, die bei uns jedes Kind erlernen konnte, und schon waren sie alle aus dem Häuschen. Das würde er niemals verstehen. Auch mit Joch war es, als hätten sie sich die letzten Jahre täglich gesehen. Sie kannten sich und für einen Moment war Paddy wieder ein kleiner Galaxier, der verspielt über die einheimischen Pflanzensteppen rannte und sich an einem Vulkan hinunterrollen ließ. Und dann schließlich wurde es Spät und die kleine Vorstellung sollte bald stattfinden. Dann erst begann er ein wenig zu zittern. Das was er zu bieten hatte, konnte vielleicht Menschenkinder beeindrucken, aber doch nicht die Galaxier. Wie würden sie reagieren?

Es war fast dunkel im Raum. Irgendwo schien schwach die Seele eines Galaxiers und Paddy wusste, er hatte sich eine schwere Aufgabe gestellt. Er stimmte seine Gitarre (die übrigens durch Menschenhand gefertigt war) und schloss die Augen. Lieber nicht hinsehen, einfach spielen. Und dann sang er. Er bemerkte noch leicht, wie seine Seele bis ins Tiefste zu leuchten begann. Es war einfach das, was er liebte. Die Musik, die Sonne seines Lebens... und als er am Ende des Liedes vorsichtig die Augen öffnete, da kam er aus dem Staunen nicht mehr raus. Der Saal war erfüllt von Seelenstrahlen in allen möglichen Farben. Er sah die Farben der Trauer, der Begeisterung, der Rührung, der Liebe... hier und da sah er auch etwas Neid und Eifersucht, doch auch Galxier waren nicht perfekt. Jedenfalls hatte er sie alle überzeugt, so viel war sicher...

Er musste Joch und auch all den Anderen versprechen, bald wieder zu kommen. Eventuell würde er auch seine Familie mitbringen und mit ihnen zusammen etwas spielen. Nun war es aber wieder an der Zeit zurück auf die Erde zu gehen und den Menschen die Musik zu geben, die leider noch weit entfernt davon waren, in die Seelen der Anderen zu blicken. Vielleicht, so dachte er sich, würde er mit seiner Musik den Menschen ein wenig auf die Sprünge helfen können, schließlich konnte er in ihren Augen schon eine Menge erkennen....


© Barbara K. 2002

(Anmerkung: Da diese Worte von Menschenhand geschrieben wurden, möchte ich die Galaxier um Nachsicht bitten, für die unreife und primitive Schreibweise meinerseits)


© Barby K. (Lieben Dank!)


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Last update: 03/02/2004

(Online since: 03/02/2004)


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