Be a man
(Kapitel 5)

by Barby K.

 

 

5. Kapitel:


Es war sehr heiß. Die Sonne brannte Patrick auf der Haut. Wie lange er schon gelaufen war, wusste er nicht. Das völlige Zeitgefühl verloren ging er nun schon bestimmt seit Stunden immer geradeaus. Er wusste nicht wohin, wusste nicht wieso und wusste nicht, wie lange er noch so weiter laufen würde. Er sah vor sich nichts als die unendliche Weite einer kahlen Wüste. Von der Hitze gequält hatte er sich fast allen Kleidungsstücken entlastet und musste nun die pralle Sonne auf seiner Haut ertragen. Geschwächt vor Durst begann er, die Augen zu schließen und von dem erfrischenden kühlen Meerwasser zu träumen. Bald, so dachte er sich, würde es schon ein Ende haben. Den lebensnotwendigen Dingen entzogen, erkannte er den Wert eines Tropfen Wassers. Unerreichbar für ihn, in dieser Auswegslosen Situation.
In seinem Kopf drehte sich alles, seine Gliedmaßen spürte er kaum noch und immer wieder versuchte er, sich abzulenken. Er begann zu singen. Seine eigene Stimme in der nicht enden wollenden Stille tröstete ihn und erfüllte den Ort. Als ihm die Konzentration fehlte, und ihm keine Texte und Melodien mehr einfielen, summte er noch eine Weile geschwächt vor sich hin. Doch seine Stimme wurde immer leiser. Als er sich selbst kaum noch hören konnte, und sein Mund völlig ausgetrocknet war, verstummte er und ging schweigend weiter. Immer langsamer, Schritt für Schritt. Er starrte auf den Sand. Schöner, weicher Sand, indem man keinerlei Fußspuren hinterlassen konnte. Er suchte nach Pflanzen, nach kleinen Insekten, oder irgendetwas, was auf Leben und vor allem auf Überleben hinweisen konnte. Er wollte sich hinknien, fiel aber sofort geschwächt auf den Sand. Erst als er da so lag, und alle Muskeln entspannte, merkte er, wie sehr die Hitze ihm zu schaffen machte. Sie entzog ihm jegliche Kraft, entnahm seinem Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Lebensmut und Durchhaltekraft.
Er schrieb mit seinen Fingern seine Initialen in den Sand. "MPK", ich war hier.... ich bin hier gestorben....
Völlig entmutigt hatte er keine Kraft mehr, seinen Gang in die Leere fortzusetzen. Er hatte keine Kraft mehr aufzustehen und wollte nur noch liegen bleiben und seiner Wahrnehmungslosigkeit unterlegen sein.
"Patrick, mein Sohn, steh wieder auf! Patrick, du schaffst es, du mu0t es schaffen. Gib niemals auf, auch wenn es aussichtslos erscheint. Ich gebe dir all meine Kraft und Stärke, sie wird dich leiten, und dir den Weg zeigen."
Patrick öffnete de Augen. Hatte er eine Stimme gehört? War da jemand?
"Patrick, steh wieder auf, du musst aufstehen und weitergehen. Gib nicht auf."
Patrick sah sich um. Durch die Luftspiegelung sah er nichts als eine leere weite Wüste vor sich. Woher kam die Stimme? Patrick öffnete seinen Mund, er wollte antworten, fragen, wer das gesagt hat, um Hilfe bitten...
"Patrick, ich bin immer bei dir. Wenn du nur nicht aufgibst. Steh wieder auf, du kannst es."
Patrick sammelte sich, konzentrierte sich auf seinen Körper, und stand wieder auf. Er sah sich einen Moment lang um, aber er wusste auch, das niemand bei ihm war. Und trotzdem war er nicht alleine. Er spürte, wie seine Mutter schützend bei ihm war, ihm die Hand hielt und ihm half, seine Beine voreinander zu setzen. So wanderte Patrick weiter. Sein Körper war längst nicht mehr im Stande, die andauernden Qualen zu durchstehen, aber noch war die Liebe seiner Mutter tief im Herzen eingeschlossen und half ihm, neue Kraft zu schöpfen.
"Paddy, wir lieben dich, wir geben dir die Wärme, die du brauchst, wir schicken dich auf einen Weg, der für andere verschlossen bleibt. Paddy, wir lieben dich!"
Geblendet von grellen Licht blickte er in die Sonne. War das möglich? Konnte es wirklich sein? Geballt von Wut und Todesangst fand er all seine Kraft wieder. Er konnte es selbst kaum fassen, als er sich schreien hörte. Schreie, die jeder hören musste: "Lieben heißt, Wärme geben, aber ihr verbrennt mich. Lieben heißt, Schutz geben, aber ihr erdrückt mich. Lieben heißt, eine Hand reichen, aber ihr zerreißt mich. Liebe heißt, leben lassen, aber ihr tötet mich...." Entkräftet viel er erneut zu Boden. Er hatte alles gesagt, was es noch zu sagen gab. Erleichtert, endlich liegen zu können, begann sich alles um ihn zu drehen und er schloss endgültig die Augen........

Patrick erwachte schweißgebadet in seinem Zimmer. Die Sonnenstrahlen hatten ihn wachgekitzelt. Er stand auf, zog die Vorhänge zu und wusste genau, er würde weitergehen. Denn er ist nicht allein.


© Barby K. (Gute Idee! Echt toll!)

 

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Last update: 05/07/2000

(Online since: 05/07/2000)

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