Angelos Babystube

by Barby K.


Angelo war mächtig stolz, als er seine Frau Kira und seinen neugeborenen Sohn Gabriel vom Krankenhaus abholte. Kira hätte eigentlich noch dort bleiben sollen, weil sie erst am Vortag ihren Sohn per Keiserschnitt zur Welt gebracht hatte, aber Angelo bestand darauf, seine kleine Familie nach Hause zu holen. Er hatte das Kinderzimmer schon schön eingerichtet, hatte überall Luftballons aufgehängt und seine Schwester Patricia hatte ein Plakat erstellt. Er fühlte sich so erwachsen, so männlich und wusste, dass dies die schwerste und größte Aufgabe seines Lebens werden würde.
Er half Kira in das Auto und fuhr langsam und vorsichtig nach Hause. Auf dem Auto war auch schon ein Aufkleber angebracht, auf dem Gabriels Name stand. Jeder sollte Teil haben, an seinem Vaterglück.
Aber schon als sie zu Hause ankamen, wurde Angelo seiner Aufgabe bewusst. Gabriel schrie, und er wollte nicht aufhören. Kira hatte sich ins Bett gelegt und musste ruhen. Der Schnitt an ihrem Bauch war noch lange nicht so verheilt, dass sie sich ohne Probleme bewegen konnte. Eine Hebamme kam täglich vorbei, um die Narbe zu behandeln. Aber das Baby zu versorgen, war Angelos Aufgabe. Er fütterte Gabriel mit der Flasche, zog ihn dann jedes Mal um, weil er sich vollgespuckt hatte und legte ihn dann in die Wiege. Aber Gabriel wollte einfach nicht einschlafen. Und wenn er eingeschlafen war, wachte er nach fünf Minuten wieder auf und fing erneut an zu schreien. Angelo dachte sich "Das geht schon noch vorbei, er ist ja erst einen Tag alt." Er wusste was ihn erwartete, er hatte sich gut vorbereitet, aber am zweiten Tag verlor er schon ein wenig die Geduld. Er hatte die Nacht kaum schlafen können, eigentlich fast gar nicht, zwei Stunden waren ihm geblieben, den Rest hatte er im Kinderzimmer neben der Wiege verbracht und seinen Sohn versucht in den Schlaf zu singen.
Angelo hatte darauf geachtet, dass seine Frau nicht gestört wurde. Stets war die Tür zum Schlafzimmer geschlossen gewesen und Kira hatte nur mit dem Handy im Nachbarzimmer anrufen müssen, wenn sie etwas brauchte. Davon machte sie aber nur äußerst selten Gebrauch, denn Kira ahnte, dass Angelo durch das Kind schon sehr gefordert wurde.
Patricia kam am Nachmittag vorbei und half ihm ein wenig. In der Zeit konnte sich Angelo ein wenig hinlegen. Er legte sich auf die Couch und schloss die Tür vom Wohnzimmer. Er wollte verdammt noch mal nichts mehr hören, nur für einen Augenblick...
... Aber dem war nicht so. Er erwachte, und sah seinen Sohn auf dem Sessel im Wohnzimmer sitzen.
"Dad", sagte Gabriel. "Ist ja ganz toll, wie du dich um mich kümmerst, aber hast du nicht vergessen, mir die Windel zu machen? Ich stinken, merkst du das denn nicht?"
Angelo zuckte zusammen. Er hatte seinen Sohn den ganzen Tag noch nicht gewickelt. Es war ihm peinlich, dass vor dem Kind zuzugeben.
"Es tut mir leid, ich bin so geschafft."
...
Angelo erwachte und sprang sofort auf.
"Patricia", rief er, "ich muss Gabriel wickeln."
Aber als er das Zimmer betrat, war Patricia schon lange dabei. Sie sah ihn an und lachte. "Ich glaube, es ist besser, wenn du dich noch ein Weilchen ausruhst. Frauen wissen mit so etwas besser klar zu kommen."
Angelo brummte, und gab dann nach, denn er war wirklich müde.


© Barby K. (Danke schön!)


Bar Letter

Last update: 25/01/2004

(Online since: 25/01/2004)


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