Mit einem Brief fing alles an...

by Anna   Patricia553@gmx.de

 

Wir saßen in der Schule, es war Freitag Nachmittag, 14 Uhr.
Noch eine halbe Stunde. Ramona und ich diskutierten über die Kellys und darüber, ob sie einen Brief nach Arabella schicken sollte, mit dem Wunsch von mir, einmal Paddy Kelly treffen zu können.
Am Ende der Stunde sagte sie dann:
"Okay Anna, ich mach's!"
Und ich freute mich schon. Am Montag setzten wir den Brief auf
Und gaben ihn direkt zur Post. Doch es verging eine Woche, zwei Wochen, ein Monat, zwei Monate. Wir dachten schon längst nicht mehr daran, als Ramona einen Brief vom Arabella – Team bekam:

"Liebe Ramona!
Es tut uns leid, dass du so lange warten musstest. Wir werden in den nächsten Wochen eine Sendung aufzeichnen mit dem Thema:
"Heute triffst du deinen Star!" und möchten dich und deine Freundin gerne dazu einladen. Mehr gibt es, wenn du den Anmeldebogen ausgefüllt und zu uns zurückgeschickt hast.
Dein Arabella – Team"

Davon sagte Ramona mir natürlich nichts. Ich wusste bis zu dem Zeitpunkt, wo es ernst wurde, nichts. Sie füllte das Formular aus und schickte es zurück und bekam drei Wochen später folgendes:

"Liebe Ramona!
Da du euch angemeldet hast, haben wir uns mit Paddy Kelly in Verbindung gesetzt. Er wird an dem Tag der Aufzeichnung da sein.
Es ist der 09.06.02 in den Bavaria – Studio's in München. Ihr bekommt ein Hotelzimmer im "Gala", Vollpension, und zwei Übernachtungen. Ihr müsst euch einfach am 08.06.02 an der Pforte melden und dann wird euch alles weitere da gesagt. Den Abend habt ihr zur freien Verfügung. Wir erwarten euch am 09.06.02 um 14 Uhr im Studio. Die Backstage – Pässe und alles andere liegen bei.
Viel Spass, dein Arabella- Team"

Ramona freute sich natürlich für mich, dass es geklappt hatte. Sie fragte mich am nächsten Tag in der Schule:
"Sag mal, hättest du nicht Lust, mit mir auf nen Wochenend – Trip nach München zu fahren? Du wolltest da doch schon immer mal hin wegen Sissi und so. Ich hätte wohl Lust dazu. Was meinst du?"
"Ja klar, warum nicht?"
"Gut. Ich hoffe, ich überfalle dich jetzt nicht zu sehr." Sie grinste.
"Ich habe die Zugtickets nämlich schon und es ist auch alles gebucht.
Wir fahren vom 08.06.02 bis zum 10.06.02. Also am 08.06. um 9 Uhr am HBF, in Münster, Gleis 4a."
"Wow, das ist ja schon in zwei Wochen!!"
"Ja, also du kannst schon mal ne Packlist machen, wenn du willst. Aber nimm auch was feines mit!"
Ich wusste zwar nicht, warum, aber ich tat alles so, wie sie es sagte.
Die zwei Wochen vergingen relativ schnell.
Wir trafen uns also wie geplant am 08.06 um 9 Uhr am HBF.
Der Zug sollte um 09.07 Uhr fahren. Wir liefen zum Zug und verstauten alles im Abteil. Gott sei dank fuhr der Zug die 8 Stunden durch, sodass wir nicht umsteigen mussten. Wir erzählten uns was und machten Pläne, was wir uns alles angucken wollten in München, woraus ja im Nachhinein nicht mehr viel wurde.
Dann endlich, abends um halb 7, waren wir am Hotel. Der Zug hatte einmal so lange warten müssen, weil ein Schienendefekt vorlag, deswegen waren wir verspätet, was uns aber wenig ausmachte.
Wir bezogen also unser Zimmer, zogen uns schick an gingen dann in ein paar Clubs. Wir tanzten die halbe Nacht durch im "Maritim".
Da rempelte mich einmal son Typ an, und im ersten Moment dachte ich, ich hätte Paddy Kelly vor mir. Er murmelte ein "Sorry" und war weg. War er es oder nicht? Oder war es nur der Lichteffekt? Spinnte ich jetzt total? Doch ich sollte mich nicht getäuscht haben...
Doch erst mal verwarf ich den Gedanken, schliesslich hatten sie in drei Tagen ein Konzert in Köln. Warum sollte er dann in München sein? Irgendwann um halb vier sind wir dann doch noch mal ins Hotel zurück und direkt ins Bett, da wir für morgen ein Sightseeing geplant hatten, woraus ja nichts wurde.
Wir standen am nächsten Tag um halb elf erst auf, duschten, machten uns fertig und aßen etwas. Mittags aßen wir auch etwas und dann meinte Ramona, dass wir bei Arabella eingeladen wären und ich überrascht werden soll. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, wer mich denn überraschen wollte, doch ich kam immer nur auf zwei Möglichkeiten hinaus:
1. Ramona überrascht mich. Aber weshalb und wie?
2. (sehr unrealistisch!) Ich treffe Paddy Kelly!!!
Um Punkt 14 Uhr waren wir am Studio und ich wurde sofort "abgeführt" und in die "Küche" gebracht und Ramona wurde der ganze Ablauf erklärt. Auch mir wurde erklärt, wann und wo lang ich gehen musste. Dann durfte ich ne halbe Stunde Musik hören. In dieser Zeit war Ramona mit Arabella im Studio bei der Aufzeichnung:
"So, Ramona. Und Anna weiss nichts davon, dass sie heute Paddy Kelly trifft?"
"Sie ahnt etwas, aber sie denkt, dass er in Köln ist, weil die Kellys in drei Tagen da ein Konzert haben."
"Okay, dann stell dich doch bitte mal hinter den Tresen und wir holen jetzt Anna rein. Herzlich willkommen Anna!!"
Ich wurde aus der Küche geholt, bekam ein Mikrophon um und betrat das Studio. Nach der Begrüßung fragte Arabella mich:
"So Anna, wie geht es dir denn jetzt?"
"Ich bin ziemlich aufgeregt..."
"Ja das glaube ich. Weißt du denn, was dich heute erwartet?"
"Nein?" antwortete ich fragend.
"Also, es will oder wird dich jemand treffen. Wer könnte das denn wohl sein?"
"Keine Ahnung!"
"Ein Ex – Freund von dir vielleicht? Oder dein Freund?"
"Nee, eigentlich nicht."
"Hast du denn einen Freund?"
"Nein."
"Hmm. Gibt es denn jemandem, den DU gerne mal treffen möchtest?"
"Ja schon." Mir wurde ganz anders. Sollte er etwas wirklich hier sein?
"Aha. Und das wäre?"
"Paddy Kelly!"
Ich wurde jetzt wirklich nervös und hibbelig.
"Ahaaaa. Den möchtest du mal treffen. Bist du also Kelly – Fan? Und Paddy hat es dir angetan?"
"Ja, seit 7 Jahren fast. Und Paddy finde ich am besten ja."
"So lange schon? Was findest du denn an den Kellys und an Paddy so toll?"
"Alles! Die Musik. Die Texte haben noch eine Botschaft. Sie machen ehrlich Musik. Es ist harte Arbeit gewesen, bis sie ganz oben waren und gerade das macht es aus, glaub ich. Die Kellys gehören halt nicht zu dieser Geldmachereimaschinerie, die machen ihre eigen Musik. Und an Paddy finde ich toll, dass er so gut singen kann. Seine Texte sprechen mich am meisten an. Ich höre mir seine Songs an, wenn ich down bin und dann geht es mir besser. Und das Kelly – Feeling ist auch was ganz besonderes."
"Das Kelly – Feeling? Das hab ich ja noch nie gehört."
"Das ist so auf Konzerten oder so. Es ist, als ob jeder jeden kennt, one big family halt. Es ist dieses Zusammengehörigkeitsgefühl bei uns."
"Aha. Da spricht der echte Fan!"
Ich wurde knallrot.
"Also Anna. Wir haben versucht, ihn zu erreichen...
Und es hat geklappt!"
Ich war happy...
"Aber..."
Die Happyness verflog, so schnell sie gekommen war. Sollte jetzt doch noch alles zerplatzen???
"Wir haben von ihm nichts zurückbekommen. Er weiss über alles bescheid. Entweder steht er jetzt hinter dieser Tür oder nicht. Sollen wir mal gucken?"
Sie nahm mich an der Hand und mein Herz klopfte rasend, als wir in Richtung dieser Tür liefen.
"Also herzlich willkommen Paddy Kelly!"
Die Tür öffnete sich und....
...kein Paddy Kelly stand dahinter!!! Er war nicht da!
Ich war den Tränen nahe und Arabella spürte das. Sie nahm mich ganz lieb in den Arm und sagte:
"Guck mal, da ist eine Videobotschaft für dich!"
Ich guckte wie gebannt auf den Monitor und da erschien Patrick's Gesicht. Mein geliebter Patrick...
Er sagte, dass es ihm sehr leid tue, dass er nicht da sein könne. Aber es wären unaufschiebbare Termine gewesen. Doch als Entschädigung lud er mich zum Konzert nach Köln ein und versprach mir eine Backstage – Karte. Das war ja ein kleiner Trost.
"Anna, tut mir wirklich leid für dich. Ist das denn ein kleiner Trost?"
"Ja."
"Gut. Wir konnten echt nicht mehr machen."
"Schon okay."
Und dann drehte sie sich um und machte mit der Show weiter. Das alles interessierte mich nicht mehr so. Arabella unterhielt sich mit einem Mädchen über ihren Lieblingsstar und ich wurde erst hellhörig, als sie eine Michael ankündigte.
Die Tür ging auf und heraus kam ein strahlender Michael Patrick Kelly!!! Er lief die Treppen herunter, kam immer näher und ich fühlte den Boden unter meinen Füßen nicht mehr...
"Ramona, halt mich!" flüsterte ich unter Tränen der Freude und des Glücks.
Patrick war jetzt bei uns angelangt und begrüßte erst Arabella, dann kam er zu mir und umarmte mich und flüsterte mir zu:
"Hey! Don't cry, baby!"
Mir wurde in dem Moment wieder bewusst, dass er es nicht haben konnte, wenn jemand wegen ihm weint. Doch das hörten nur wir zwei...
Er stellte sich noch zu uns und Arabella plauderte noch etwas mit ihm. Am Ende der Show sang er dann, nur mit seiner Gitarre begleitet, "Rain of Roses".
"…Rain of roses
in my head.
Rain of roses
At my hour of dead…"
Mir liefen wieder die Tränen runter…Diese Lied, diese einzigartige Stimme, die so viel Schmerz und Verzweiflung ausdrücken konnte...
Und seine tiefblauen Augen... Die hauten mich einfach um. Wahnsinn. Gänsehaut pur. Im Nachhinein erfuhr ich, dass er von Arabella und Ramona erfahren hatte, dass das mein Lieblingssong war...

Dann war der Song zuende und die Show auch. Die Gäste unterhielten sich noch mit Arabella und irgendwann verliessen auch wir zwei das Studio. Ramona war irgendwie schon weg.
Da waren Patrick und ich auf einmal allein. Wir gingen raus und in seinen Mietwagen und fuhren noch in die Stadt. Während der Fahrt fragte er mich aus, wie lange ich schon Fan war und und und.
Ich weiss echt nicht, wieso, aber er war mir da schon so vertraut. Er hatte auch so gar keine Starallüren an sich. Einfach halt der nette Mann von nebenan quasi. Wir sassen keine fünf Minuten im Auto du hatten schon drei andere Wagen hinter uns.
"Scheisse!"
Ich werde nie vergessen, wie er auf einmal ganz blass wurde, als uns ein Fan – Auto direkt in die Fahrerseite fuhr...
Es gab einen lauten Knall und auf einmal war alles still. Ich sah neben mir. Patrick hatte den Kopf auf dem Lenkrad und Blut lief aus einer tiefen Wunde and der Schläfe. Ich berührte seine Hand, sie war eiskalt. Ich fragte:
"Patrick?"
Nichts.
"Patrick?!"
Wieder nichts. Jetzt rüttelte ich ihn und schrie fast:
"Patrick!? Wach auf, bitte!! PATRICK!!!"
Ich befreite mich aus dem Auto und bemerkte gar nicht, dass auch ich heftig blutete. Ich dachte nur an Patrick...
Ich zog, ich weiss nicht, wie, auch Patrick raus. Da sah ich Leute gelaufen. Ich seufzte auf und mir wurde schwindelig und ich verlor mein Bewusstsein...
Als ich das nächste Mal wach wurde, lag ich im Krankenhaus. Ich nahm alles nur durch einen Schleier wahr. Mein erster Gedanke war: Was ist mit Patrick?!?
Dann nahm ich eine Person wahr. An meinem Bett saß ein weinender Michael Patrick, der meine Hand hielt und sagte:
"Anna, bitte wird wieder wach! Bitte, ich mag dich doch! Du kannst mich doch nicht wieder verlassen..!" Und er weinte vor sich hin.
Innerlich schrei alles in mir:
Er lebt! Mein Michael Patrick lebt! Gott sei dank! Patrick, bitte hör auf zu weinen! Ich lebe doch. Bitte hör auf Ich kann es nicht ertragen, wenn du traurig bist!
Doch ich war zu benommen, um auch nur ein Wort sagen zu können.
Ich wollte gerade gucken, ob meine Hand sich bewegen liess, als ich innehielt, da ich merkte, dass Patrick sprach. Er betete. Das "Ave Maria". Und dann sprach er mit seiner Mutter.
"Mama, warum müssen die mich immer verfolgen? Warum darf ich nicht leben? Ich bin doch kein Tier, dass man kaufen oder fangen kann! Warum nehmen sie mir immer mein Glück? Darf ich denn nicht glücklich sein? Mama, warum? Bitte Mama, lass sie nicht sterben!!" Jetzt versuchte ich, meine Hand zu bewegen und es klappte! Ich drückte seine Hand und er sah mich an. "Anna!"
Da alles so gut geklappt hatte, versuchte ich es auch mit dem sprechen und es gelang.
"Patrick!! Was ist passiert?"
"Wir hatten nach der Show einen Auto – Unfall, bei dem ich fast gestorben wäre. Du hast mich noch aus dem Auto gezogen und bist dann ohnmächtig geworden und nicht wieder aufgewacht. Man hat mich wiederbelebt und mir geht es gut. Doch du hast jetzt 3 Wochen im Koma gelegen."
"Was?! So lange?"
"Ja, so lange. Doch jetzt habe ich dich wieder!"
Er lächelte und küsste meine Hand und ich lächelte zurück.
Aber ich verstand gar nichts mehr. Wir kannten uns doch gar nicht! Wie konnte er sich in mich verlieben? Hörte sich zumindest so an vorhin... Und auf einmal bemerkte ich, dass ich in derselben Lage war wie er..! In ihn verliebten sich die Mädchen, ohne das sie ihn kannten, und jetzt war es umgekehrt! ER verliebte sich in ein Mädchen, das er nicht kannte. Er war mir zwar schon vertraut, aber ob ich auch ihm? Muss wohl, oder? Hatte er sich in mich verliebt?
Im Krankenhaus erfuhr ich das nicht mehr. Er erwähnte auch nichts dergleichen noch mal und so liess ich es ruhen. Es dauerte seine Zeit, bis ich entlassen wurde. 4 lange Wochen lag ich noch da. Doch dann durfte ich endlich nach hause! Und ich durfte auch wieder nicht.

Patrick wollte mich unbedingt bei sich haben... Da eh Sommerferien waren, fuhr ich mit nach Köln, aber mit dem Zug!!
In Köln in seiner Wohnung angekommen, legten wir uns direkt hin.
Er auf die Couch und ich in sein Bett. Wir schliefen durch bis zum nächsten Tag. Als ich gegen elf aufwachte, war er allerdings weg.
Ich sah vor dem Bett ein Tablett mit einem Croissant, frischen Brötchen, Orangensaft und ein Zettel war auch dabei:
"Guten Morgen Maus!!
Ich hoffe, du hast gut geschlafen? Du sahst so süß aus, wie du am schlafen warst, da wollte ich dich nicht wecken. Bin kurz bei Angelo, spätestens 14 Uhr wieder da. Wenn was ist, die Nummer hängt an der Pinnwand in der Küche und meine Handynummer auch.
Bis dann, dein Patrick"
Ich frühstückte, machte mich fertig und legte mich auf die Couch und sah fern, bis er wieder kam. Wir unterhielten uns und stellten fest, dass wir vieles gemeinsam hatten. Wir wurden uns immer sympathischer. Abends schlief ich dann auf der Couch, und er im Bett. Da mir kalt war und ich mich einsam fühlte, tapste ich in der Nacht zu ihm ins Schlafzimmer und fragte ihn, ob ich mich dazukuscheln dürfte, da mir kalt wäre und ich mich allein gelassen fühlte. Vielleicht kam es auch von dem Unfall noch, dass ich nicht allein sein wollte. Also krabbelte ich unter die Decke und kuschelte mich ganz fest an ihn, er legte seinen Arm um mich und ich meinen Kopf auf seine Brust. Wir unterhielten uns noch etwas und irgendwann kam das unvermeidliche Thema "Liebe" auf.
So erfuhr ich, dass er schon seit fast 2 Jahren, also genauso lange wie ich, schon solo war. Und dann war das Thema erledigt und kurze Zeit später schlief ich ein.
Doch nach ein paar Minuten machte er mich wieder wach.
"Anna? Schläfst du schon?"
"Nein."
Er sah mich zärtlichen Blickes an.
"Ich habe mich in dich verliebt!"
Plötzlich war ich hellwach.
"Ist das wahr?"
"Ja. Ich liebe dich!"
"Oh Patrick, ich liebe dich auch!!"
Und wir küssten uns leidenschaftlich... Endlich war es ausgesprochen.
In dieser Nacht bekamen wir beide nicht mehr viel Schlaf...*g*
Am nächsten Morgen wachte ich allein auf. Patrick war weg, aber kein Zettel da. Ich ging zum Badezimmer, weil es von dort verdächtig rauschte. Und richtig, er war am duschen. Gar nicht dreist zog ich mich aus und so duschten wir zwei zusammen. Es war herrlich. Dann haben wir ausgiebig gefrühstückt. Wir beschlossen dann, einen Stadtbummel uns Sightseeing durch Köln zu machen.
Wir waren in etlichen Geschäften, aber keiner fand etwas, aber wir machten uns nichts draus. Am Nachmittag musste Patrick dann zu einem Termin nach Dortmund und ich nach Münster zurück...
Wir stiegen in denselben Zug und kurz vor Dortmund verabschiedeten wir uns. Wir küssten uns und er versprach mir, sich bei mir zu melden.
"Okay, meine Adresse hast du ja."
"Ja. Hey kleines, jetzt wein doch bitte nicht..."
Mir liefen ein paar Tränen über das Gesicht. Ich wollte nicht noch einmal vor ihm weinen, ich wusste ja, er konnte das nicht haben. Warum mussten die Tränen jetzt kommen? Warum nicht 10 Minuten später, wenn ich allein war?
"Sorry, die wollen nicht so wie ich will."
Ich zwang mir in Lächeln ab, doch er wusste, dass es kein richtiges Lächeln war und nahm mich noch mal ganz fest in den Arm.
"Dortmund Hauptbahnhof!" erklang es aus dem Lautsprecher und der Zug hielt.
"Ich muss jetzt gehen. Vergiss nicht, ich liebe dich, kleines!"
"Ich liebe dich auch!"
Und dann war er weg. Ich sah ihn am Bahnteig stehen und er wartete, bis der Zug abfuhr. Ich stand weinend am Fenster und winkte ihm zu, und er winkte zurück. Als der Zug dann anfuhr, drehte er sich weg und wischte sich mit der Hand über die Augen und dann ging er...
Er wollte wohl auch nicht, dass ich ihn weinen sah.
Oh Patrick, wann werde ich dich wiedersehen???
Das fragte ich mich und weinte noch etwas. Jetzt sah mich ja keiner und ich konnte meinen Tränen freien Lauf lassen. Wie kann man jemanden nur so innig und uneigennützig lieben??? Das fragte ich mich und ich frage mich das heute auch noch manchmal. In Münster angekommen, rief ich meine Freundin Jacky an und erzählte ihr alles. Sie freute sich für mich und litt doch in dem Moment mit mir. So, in Gedanken nur mit Patrick beschäftigt, vergingen ein paar Tage. Dann bekam ich einen Brief von ihm:

"Hallo Liebling!
Ich hoffe, dass du jetzt nicht mehr so traurig bist... Ich konnte es in Dortmund gar nicht haben, dass du geweint hast. Aber ich hab was für dich. Du wolltest doch auf unser Konzert nach Bonn im September. Hier liegt eine Karte und ein Backstage – Pass für dich. Bitte versuch, dir frei zu nehmen, dass ich dich endlich wieder sehen und in meine Arme schliessen kann...
Komm doch so gegen elf Uhr, dann bin ich auch da. Und Spiro
Oder Tarzan bringt dich dann zu mir. Dann kann ich dir auch meine Family vorstellen. Ich hoffe, du freust dich. Ich freue mich wahnsinnig auf dich und bin Arabella, oder besser, Ramona, sehr dankbar, dass sie es ermöglicht haben, dich zu treffen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal in einen Fan verlieben würde, doch du bist der Beweis, dass es geht. Und ich danke Gott dafür, dass er dich zu mir geführt hat...
I love you with all my heart and soul...
Dein Patrick"

Ich war so happy. Ich schrieb ihm sofort zurück und bekam an dem Tag auch frei. Aber die Tage bis dahin vergingen langsam. Doch irgendwann war der Tag da. Ich steig also um viertel nach 8 in den Zug und war um halb 10 Uhr in Bonn am Stadion. Ich entdeckte sofort etliche Fans und Spiro, der Nummern verteilte. Er brachte mich in den Backstage – Bereich und ich ging in Patrick's Garderobe, wo ich noch auf ihn warten musste.
Kurz nach mir war Patrick auch gerade an der Halle angelangt und bestürmte sofort Spiro:
"Ist Anna schon da?"
"Ja. Ich glaub, sie ist im Gruppenraum."
"Okay danke!"
Und weg war er. Er lief durch die Gänge, stiess die Tür zum Gruppenraum auf, sah sich suchend um und fragte Maite:
"Hast du Anna gesehen?"
"Wer ist denn Anna? Deine Freundin?"
Patrick lächelte und nickte und Maite flötete durch die Gänge:
"Paddy ist verliehiebt!"
"Dass die nicht einmal ihren Mund halten kann!" dachte er halb ärgerlich, halb amüsiert. Er setzte sich in eine Ecke und begann, fieberhaft darüber nachzudenken, wo ich wohl sein könne, als Patricia mit klein Alexander vorbei kam, sich zu ihm setzte und sagte:
"Hey Paddy! Stimmt es, dass du verliebt bist?"
"Ja bin ich. Und dank Maite weiss es in spätestens einer halben Stunde jeder hier!"
Patricia lächelte.
"So ist sie halt. Sie freut sich für dich. Und wir freuen uns auch. Das du jemandem gefunden hast, der dich liebt. Man sieht es dir ja regelrecht an der Nasenspitze an! Wie sieht sie denn aus und wie hast du sie kennengelernt?"
Er begann zu erzählen:
"Du weißt doch, dass ich im Juni bei Arabella war, um son Fan zu treffen, ne?"
"Ja. Und weiter?"
"Also nach der Show haben wir dann noch so geredet und sind dann noch in die Stadt gefahren oder wollten. Doch wegen so nem Scheiss- Fan hatten wir einen Unfall. Ich wurde auch reanimiert, so schlimm war es..."
"Patrick!! Wieso wussten wir davon nichts?"
"Ich wollte nicht, dass ihr euch wieder Sorgen macht. Es ging ja auch alles so schnell. Ich war ja schnell wieder fit. Aber Anna lag 3 Wochen im Koma und ich musste sie da zurücklassen...Es tat so weh, Patricia! Es ist so schrecklich, den Menschen, den du über alles liebst, so zu sehen und dann allein lassen zu müssen..."
"Ach Patrick..!"
"Hey, schon okay. Sie lag dann noch 4 Wochen so im Krankenhaus. Dann sind wir nach Köln in meine Wohnung. Aber ich habe mich schon im Krankenhaus in sie verliebt. In den vielen Stunden, die ich an ihrem Bett saß. Also wir waren bei mir und in der zweiten Nacht kam sie rüber zu mir ins Bett gekrabbelt, voll süß.
Und wenn sie schläft, sieht sie aus wie ein Baby..."
Patricia lächelte verträumt und sah ihr Baby, Alexander Joseph, an.
"Und dann habe ich ihr gesagt, dass ich sie liebe und sie liebt mich auch. Seitdem sind wir zusammen. Und jetzt frage ich mich, wo sie sein kann. Weil, hier ist sie, aber wo?"
"Sehr schöne Geschichte... Hast du schon im Gruppenraum geguckt?"
"Ja, da war ich schon."
"In deiner Garderobe?"
"Patricia du bist ein Engel!! Klar, warum bin ich da nicht eher drauf gekommen? Danke, ciao!"
Patricia schmunzelte und ging mit ihrem Baby zu ihrem Mann Denis.
Auf einmal ging bei mir die Tür auf und Patrick stand da.
"Hi Patrick!"
"Hi Anna!"
Er lief auf mich zu, umarmte und hob mich hoch. Ich lachte und er war auch glücklich.
"Ich hab dich so vermisst!"
"Und ich dich erst!"
Er liess mich runter und wir küssten uns ganz ganz lange...
Dann sagte er: "Ich muss dich jetzt meiner Family vorstellen.
Dank Maite weiss schon jeder hier bescheid, da brauchst du dich nicht wundern!"
Wir lachten und gingen Arm in Arm in den Gruppenraum, wo alle versammelt waren. Patricia kam direkt auf mich zu:
"Welcome to the family!"
Und sie umarmte mich und bei den anderen genauso.
Patrick musste zigmal erzählen ,wie wir uns kennengelernt hatten, die Frauen nahmen mich in Beschlag und die Männer Patrick.
Ab und zu warfen wir uns zärtliche Blicke zu.
Dann war Soundcheck und alle gingen in die Halle.
Die Songs kannte ich alle schon und sang fleissig mit. Danach verzogen Patrick und ich uns in seiner Garderobe und redeten über Gott, den Glauben und Musik. Wir gingen auch noch etwas spazieren und waren um 5 Uhr wieder am Stadion. Wir aßen mit den anderen Kellys noch was und es war ganz schnell 18 Uhr und somit Showtime!
Ich war am Bühnenrand und sah zu. Aber im Laufe der Show mischte ich mich in der ersten Reihe unter die Fans. Dann hat Patrick mich i der ersten Reihe entdeckt und lächelte mich an. Gekreische neben mir. Ich schickte ihm einen Handkuss und bekam ein strahlendes Lächeln und einen kurzen Wink wieder. Er konnte ja schlecht einen zurückschicken, dann wären die Mädchen neben mir komplett ausgetickt. Bei "Take my hand", DER Kelly – Hymne schlechthin, ging er im Graben wieder Hände abklatschen, doch er war nicht mehr der Patrick, den ich kannte und liebte. Er war in Sekundenschnelle scheu geworden und dieser gehetzte Ausdruck, den ich früher schon bei ihm beobachtet hatte, trat in seine Augen... Er wollte das nicht. Er machte jetzt nur noch das, was von ihm verlangt wurde. Er machte seinen Job gut. Er spielte den Sunnyboy, den die Mädchen haben wollten. Doch mich sah er mit diesem Ausdruck und tränengefüllten Augen an...Das war schrecklich für mich mit anzusehen... Er hatte Angst. Angst vor den Fans. Ich verkniff mir grade noch die Tränen. Er hat einmal gesagt:
"Jeder Mund kann lachen,
auch wenn er innerlich weint.
Ich habe oft gelacht,
um nicht weinen zu müssen...!"
Das fiel mir jetzt wieder ein. Ich liess mich rausziehen und lief weinend in die Garderobe, warf mich auf die Couch und weinte. So lange, bis keine Tränen mehr kamen und Kira mein Schluchzen hörte und zu mir kam.
"Anna? Was ist los mit dir? Ist was mit Patrick?"
"Oh Kira! Ja und nein. Also es ist so..." und ich erzählte es ihr.
Sie saß noch eine Weile stumm neben mir und hielt mich im Arm und ich weinte wieder ein bisschen . Dabei strich sie mir beruhigend über die Haare.
"Das habe ich auch schon gemerkt. Aber es ist sein Job..."
"Aber was haben sie mit ihm gemacht, dass er Angst vor seinen eigenen Fans hat? Sag es mir, Kira!"
"Ich weiss es nicht, Anna."
Da ertönte ein schreien.
"Ich muss, Gabriel hat Hunger. Aber wenn was ist, du kannst immer zu mir kommen, okay?"
"Danke, Kira!"
Und dann verschwand sie. Ich aber legte mich wieder hin. Ich machte die Augen zu und sah wieder Patrick's Augen mit Tränen gefüllt und die Angst in seinem Blick... Und dann weinte ich mich in den Schlaf...
Wie oft habe ich schon wegen ihm geweint! Wie oft!!
So fand Patrick mich dann. Eine Frau, die mit tränennassem Gesicht auf der Couch lag und im Schlaf schluchzte. Er wusste sofort bescheid, Kira hatte es ihm erzählt.
"Ach, Schatz! Wein doch nicht immer wegen mir..!"
Er legte sich neben mich und nickte auch ein. Irgendwann wurde ich geweckt.
"Schatz?"
"Oh, hi! Wie war das Konzert?"
"Gut. Wir müssen zum Bus. Aber ich muss gleich mal mit dir reden."
Wir gingen mit den anderen durch die leere Halle und zum Bus. Da angekommen, legten wir uns direkt in sein Bett. Ich lag in seinem Arm und er sprach mich auch direkt an:
"Warum warst du auf einmal weg vorhin?"
"Hä?"
"Bei "Take my hand", als ich abgeklatscht habe, hab ich dich noch gesehen, danach warst du weg.
"Ach so, ja...Du sahst mich so an mit diesem traurigen Blick... Er trieb mir Tränen in die Augen. Ich wusste auf einmal, wie du dich fühlen musst und was du für eine Angst vor deinen eigenen Fans hast. Ich wusste nicht, dass es so schlimm ist..."
"Leider ja... Aber es wird besser. Vor ein, zwei Jahren war es sehr schlimm. Mittlerweile geht es. Und deswegen hast du geweint und dich in den Schlaf geheult?"
"Ja."
"Wein doch nicht immer wegen mir. Ich komm damit klar, glaub mir. Es ist nicht mehr so schlimm, wie es vielleicht aussieht. Und vor allem, mit dir an meiner Seite ist alles zu ertragen...Okay?"
Ich lächelte ihn an und er gab mir eine Kuss auf die Stirn. Jetzt war ich etwas beruhigt.
"Okay!"
"Dann lass uns jetzt schlafen."
"Hast recht."
"Komm her, kleines!"
Ich schmiegte mich eng an ihn und so schliefen wir durch, bis der Bus am nächsten Morgen in Gymnich war.

Wir lebten bei Patrick in der Wohnung. Es war, was diese Fans angeht, ruhig. Wenn eine Tour war, fuhr ich mit. Eines Abends, wieder in Köln, waren wir in der Disco. Es lief "Time of my life" aus dem Film "Dirty dancing". Wir tanzten den Filmtanz nach und zum Schluss ganz eng und küssten uns. Nur die Hebefigur machten wir nicht, da ich im 6. Monat schwanger war und das dem Baby nicht antun wollte...
Wir waren an dem Abend erst um halb drei zu hause. Am nächsten Tag machte Patrick mir einen romantischen Heiratsantrag...
Zwei Monate später, nach fast zwei-jähriger Beziehung, heirateten wir in Spanien, in Belascoin, ganz nah bei seiner geliebten Mutter...

Jetzt sitze ich hier, 25 Jahre später und schreibe die ganze Geschichte auf. Wir sind immer noch so glücklich wie vor 25 Jahren. Ich liebe ihn mir jedem Tag mehr... Kurze Zeit nach der Hochzeit kam die kleine Barbara Anna (nach Patrick's Mutter benannt), etwa ein Jahr später Daniel Jerome (nach Patrick's Papa), dann Maria Patricia (Tricia oder Patricia), Sophie Charlotte (Charlotte oder Lotti), Kathleen (Kathy) und unser Nesthäkchen Anna Marie.
Jetzt ist vor kurzem unser erstes Enkelkind geboren und wir sind alle glücklich und gesund. Ich bin ganz vernarrt in die kleine Anna-Christin. Meine Tochter meinte, sie müsse unbedingt wie ihre Oma heissen. Gerade kommt Patrick rein.
"Was machst du, Schatz?"
"Ich schreibe unsere Geschichte auf in einem Brief an deine Schwester Caroline!"
"Oh. Darf ich mal lesen?"
"Erst krieg ich nen Kuss von dir!"
Und Patrick kam näher und wir küssten uns...
Und mit einem Brief fing damals alles an...Vor 25 Jahren...


ENDE


Diese Story ist frei erfunden!!
Aber: Ich kann mir vorstellen, dass Patrick wirklich manchmal Angst vor seinen Fans hat...
Ich frage mich, was sie mit ihm gemacht haben, dass er sich so verändert hat. 1998 ist mir das aufgefallen. Er hatte wirklich so einen gehetzten Ausdruck in den Augen... Und ich kann es nicht haben, wenn man ihm weh tut...
Ich bin sehr froh, dass Patrick seinen tiefen Glauben an Gott hat und den Halt in der Familie...
Und wir alle wissen, dass er seine Mutter (Barbara Ann Kelly,geb.02.04.42 in den USA, gest. an Brustkrebs am 10.11.82 in Belascoin, Spanien), die ja viel zu früh starb, als er gerade 4 Jahre alt war, sehr vermisst...
Und auch deswegen: Lasst ihn leben! Hört auf, ihn zu verfolgen!
Seht ihr nicht, was ihr aus ihm gemacht habt?! Gebt ihm sein ehrliches Lachen wieder, das er früher mal hatte... Gebt ihm seine Freiheit wieder...


© Anna (Danke schön!)

 

Bar Letter

Last update: 02/09/2002

(Online since: 02/09/2002)

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