Leverkusen 07.07.2005
(Angelo Kelly *Piano Drums*)
by me (Simone/Binky)


Als wir im Internet lasen, dass Angelo mit seiner *Piano Drums* Tour auch in unserer Nähe Auftritte haben würde, war für uns klar: da wollen wir hin. Denn die Bilder und der kurze Einführungstext im Internet wirken äußerst interessant und hatten schon lange den Wunsch erweckt dieses Projekt live zu erleben. So freuten wir uns, dass Angelo in Leverkusen Station machen würde, und bestellten uns Karten.
Schon die Location war von besonderer Atmosphäre. Das ganze fand in einem Industriemuseum statt, und hatte somit seinen ganz eigenen Touch. Es lag ein Stück von der Hauptstraße abgelegen hinter einem kleinen Waldstück. Vor dem Gebäude standen hier und dort Stahlskulpturen verteilt, und mehrere Poster wiesen auf Angelo's Auftritt hin.
Doch zuerst einmal hieß es Schlange stehen, da der Einlass eher schleppend voran ging. Auch an der blauen geöffneten Tür prangte ein großes Plakat und ließ die Vorfreude wachsen. ;-) Der Gang war schmal und am Ende der Schlange konnte man einen Tisch erkennen, der wohl als Kasse diente. Denn unsere Karten waren unbezahlt an der Abendkasse hinterlegt worden. Vorn angekommen, nannten wir den Namen, bezahlten und bekamen einen Stempel auf die Hand "Ungültig". Aha, das war also die Eintrittskarte. Danach fühlte ich mich ein wenig wie im falschen Film... Taschenkontrolle! Flaschen wurden aussortiert, und es wurde darauf hingewiesen, dass wir doch bitte nicht so viel fotografieren sollten. Was für ein Aufstand, bei einem solchen Event!?
Ein weiterer enger Gang führte auf eine kleine Plattform mit Geländer, die den Blick über den Veranstaltungsort preis gab. Man stand nun quasi an der Seite und sah unter sich den alten Fabrikraum, mit seinen bereits gut gefüllten Sitzreihen. Von Scheinwerfern erleuchtet das Gebilde, weshalb wir heute Abend hier waren: die *Piano Drums*. Wow! Ein merkwürdiges Gefühl so hoch oben zu stehen und auf alles hinunter zu blicken.
Eine Stahltreppe führte nach Unten, daneben ein Kohlehaufen mit Spaten. Überall an den Wänden und an der Decke hingen alte Gerätschaften und vermittelten deutlich, dass dies vor etlichen Jahren Industriestätte gewesen war. Unten angekommen ließ man links einen Verkaufstisch liegen. Zettel deuteten darauf hin, dass er am Ende der Veranstaltung besetzt sein würde. Ein Fernseher zeigte die DVD, die es bereits von Angelo zu kaufen gibt.
Nun ging es auf Platzsuche. Es waren vielleicht 6 Stuhlreihen auf 3 Blöcke verteilt. Etliche Sitze waren schon belegt, und wir fanden im rechten Block in der letzten Reihe gute Plätze. So saß man zwar an der Seite, aber hatte dennoch eine gute Sicht und vor allem keine Stahlsäule im Weg, wie so an manchen Plätzen in der Mitte.
Die restliche Zeit ging durch Gespräche und Betrachtung des außergewöhnlichen Schlagwerkes schnell vorbei. Und irgendwann gegen 20:00 Uhr stand ein Mann auf der Bühne und kündigte Angelo an. Er meinte, nicht nur wir hätten lange auf ihn gewartet, sondern er auch. Angelo wäre Ende letzten Jahres bereits in Uli Kurtinat's Band im Sensenhammer aufgetreten, und nun wäre er endlich mit seinem eigenen Projekt, den *Piano Drums* hier.
Daraufhin folgte ein kräftiger Applaus und Angelo erschien, wie wir auch zuvor, oben auf der Empore. Sein Erscheinungsbild war eher ungewöhnlich, denn er trug einen hellgrauen Anzug und darunter ein schwarzes enges T-Shirt, dazu schwarze Lederschuhe. Seine Haare waren zu einem Zopf zusammen gebunden, und mir fiel wieder einmal auf, dass er - zumindest heutzutage - derjenige mit den längsten und dicksten Haaren ist.
Unter anhaltendem Applaus kam er die Treppe herunter, vorbei an dem linken Sitzblock. Jeder seiner Schritte wurde von Thomas Stachelhaus und seiner Fotokamera, sowie 2 Männern mit Handvideocams festgehalten. Den ganzen Abend über wurde geknipst und gefilmt, da eventuell am Ende der Tour eine DVD produziert werden soll. Dazu gab es noch eine richtig große Kamera hinten am Soundpult, und 2 feste, die Angelo von schräg oben, sowie seine Füße filmten.
Nachdem er die kleine Holzbühne betreten hatte und vor seinem Schlagzeug stehen blieb, begrüßte Angelo sein Publikum. Er siezte uns, obwohl wirklich die Überzahl Fans waren... aber man erkannte auch vereinzelt Schlagzeugliebhaber. Inzwischen waren auch etliche Leute an Stehtischen oder in den hinteren Reihen vertreten, so dass es auf jeden Fall ein ordentliches Publikum war, welches wegen ihm gekommen war.
Bevor er sich setzte zog er sein Jackett aus und hängte es hinter sich hin. Dabei hatte er die Lacher auf seiner Seite. Sicherlich hatte sich so mancher gedacht, dass er doch wohl nicht darin Schlagzeug spielen wollen würde. Dafür ist ein T-Shirt doch eher geeignet. *g*
Es dauerte nicht lange, bis er auch schon anfing, und mit seinen Schlagzeugstöcken sowie Füßen dem mächtigen Aufbau Musik entlockte. Was uns geboten wurde, ist durch einen Schlagzeug-Laien absolut nicht zu erklären. Er spielte Stücke - allesamt Eigenkompositionen - , die mal schneller und mal langsamer waren. Teils trommelte er wie wild, teils streichelte er nur sacht die Einzelteile. Ein unbeschreibliches Zusammenspiel aus Musiker und Instrument. Und eben die Besonderheit, die durch diese *Piano Drums* bewerkstelligt werden kann: erkennbare Tonfolgen vermischt im stetigen Schlagzeugrhythmus...
Zwischendurch verließ er ein paar Mal seinen Platz hinter der eigens entworfenen Konstruktion, die so aufgebaut war, dass man ihn von überall aus sehen konnte. Auf dem Boden standen (ich meine) vier Bassdrums, wobei die vorderein zwei den Schriftzug *Piano Drums* zeigten. Drumherum im Halbkreis ein Gestell an dem unterhalb die einzelnen Tomtom's befestigt waren und oberhalb die Becken (jeweils eine Oktave). Er erzählte unheimlich viel über sein Projekt und beantwortete geduldig und ausführlich Fragen, die ihm gestellt wurden.
Wir erfuhren, dass das Konzept im allgemeinen vor ihm schon einige andere durchgeführt haben, jeder auf seine Art. Dabei nannte er auch einen Namen, von einem berühmten Schlagzeuger, den ich allerdings nicht verstanden habe. Er hat sein Projekt *Piano Drums* genannt, um dem Kind einen Namen zu geben. Den Aufbau und die Fülle letztendlich bestimmt jeder selber, und so hat er z.B. seinen Prototypen, mit dem er die ersten Gehversuche gemacht hat, vor nur wenigen Wochen umgearbeitet und sich einen völlig neuen Aufbau der Einzelteile geschaffen.
Dies hat allerdings zur Folge, dass er alte Kompositionen so nicht mehr verwenden kann, und sie entweder umschreiben oder ganz weglassen muss. Somit ist der größte Teil, den wir zu hören bekamen, innerhalb der letzten zwei Wochen entstanden. Einfach Wahnsinn! Er erzählte, dass er sich eigentlich mindestens vier Wochen für die Vorbereitung auf seine Konzert-Tour hatte nehmen wollen, aber letztendlich nur knappe zwei Wochen dafür erübrigen konnte, da so viele andere Dinge anstanden. Hut ab sag ich da nur!
Er kam absolut sympathisch rüber, und sorgte ab und zu, teils wohl eher ungewollt, für Lacher. So z.B. als er erzählte, dass er sich vor dem Gig dabei erwischt hätte, wie er begann sich einzusingen, dies aber doch heute gar nicht nötig wäre, weil er ja nur Schlagzeug spielt. Er müsse sich auch erst mal dran gewöhnen, dass ein Auftritt nicht immer auch Singen bedeutet.
Oder als er eine fachliche Frage beantworten wollte, die ihm von einem Mann mit Baseball-Cap aus dem Publikum gestellt worden war, und er entschuldigend zu uns meinte, dass dies wohl alles Fachchinesisch für uns sei, es den *Typen* aber sehr wohl interessiere und er es ihm erklären wolle. Nachdem er das Wort *Typ* gebraucht hatte, schob er gleich hinterher, es müsse ja eigentlich *Mann* heißen. Er entschuldigte sich mit den Worten, dass er mehr an seiner Sprache tun müsse. Normalerweise sitze er ja nur hinter dem Schlagzeug oder singt, aber ansonsten würde er die Klappe halten. Wobei ich aber nicht glaube, dass dieser *Typ* es ihm übel genommen hat. ;-)
Angelo's Erklärung auf dessen Frage, welche Dinge an seinen *Piano Drums* handelsüblich, und welche Spezialanfertigung seien, schweifte dieser nämlich richtig aus, und kam noch nicht mal dazu, einen Schluck aus seiner Wasserflasche zu nehmen. Dabei erklärte er übrigens auch für Laien nicht uninteressante Dinge. z.B. erfuhren wir, wie er für die Spezialanfertigungen der Becken extra nach Anatolien gefahren war und wie sehr ihn das alles beeindruckt hat. Ein Teil der Komponenten ist somit Spezialanfertigung, ein Teil handelsüblich, teils Original, teils umfunktioniert. Nach der Show gab es übrigens so einige, die sich das Wunderwerk aus der Nähe anschauten. Laien eher staunend und Fachmänner mit geschultem Blick. ;-)
Für den Aufbau, welchen er komplett allein bewerkstelligt, da nur er weiß, was wie und wo sitzen muss, benötigt er 1 1/2 - 2 Stunden. Für den Abbau wohl ein bisschen weniger. Allerdings hofft er, je öfter er es macht weniger Zeit dafür zu benötigen. Warten wir's ab, wie's am Ende der Tour aussieht. ;-) Aber es ist schon gewaltig alles. Respekt!
Total lieb fand ich es auch, wie er mit einem kleinen Jungen sprach, der ihn gefragt hatte, wie lange er denn schon Schlagzeug spielen würde. Man erkannte richtig, dass er gut mit Kleinen umgehen kann. :-) Er verwickelte ihn in ein Gespräch und fragte zuerst, ob er auch spiele und ob er Unterricht habe. Als dieser bejahte, wies er ihn darauf hin, dass er sich doch unbedingt ein paar musikalische Freunde suchen solle um eine Band zu gründen, weil zusammen zu spielen ganz viele Vorteile hätte und auf jeden Fall mehr Spaß macht. Dann schilderte er wirklich nett, wie er zum Schlagzeugspielen gekommen war, und dass auch ihm nicht alles in den Schoß gelegt worden ist.
Den Tatendrang zu seinem jetzigen Projekt habe er wohl von seinem Großvater, der unheimlich gerne Sachen entwickelt und erfunden hat. Und nun sei er ihm in die Fußstapfen getreten und würde selber entwickeln. Mit Erfolg, wie man an seinen *Piano Drums* erkennen kann. ;-)
Ihm schwebt im Kopf mit seinem Instrument irgendwann mal in Bands mitzuspielen, wobei das sicherlich noch ein langer Weg ist. Dazu muss nämlich alles bis ins kleinste Detail stimmen. Denn wenn man mit anderen spielt, muss jeder Ton sitzen. Seine Trommeln stimmt er übrigens mit Hilfe eines kleinen batteriebetriebenen Keyboards, welches er uns vorführte. Darauf spielt er dann die Tonleiter und spannt die Felle danach. Und seine *Piano Drums* verstimmen sich unheimlich leicht, da genügt es schon, wenn viele Menschen in einem Raum sind und herumlaufen. Deshalb schob er auch in seine Darbietung eine kleine Pause ein, um sein Instrument nachzustimmen.
Seine Kompositionen sind übrigens nicht alle bis ins kleine Detail zu Papier gebracht. Nein, es gibt auch manche Stücke, wo er zwischendurch Improvisationen einbaut. Ein ganzes Stück hat er sogar komplett improvisiert, und er erwähnte vorher, dass nun etwas kommt, wovon auch er nicht weiss, was es wird und vor allem wie lange es dauert. Na Hauptsache, wir sitzen nicht bis Morgen früh hier. *lol* Und ich muss sagen: echt Spitzenklasse! Hätte er nicht vorher erwähnt, dass es kein reguläres Stück ist, man hätte es nicht gemerkt, da passte alles zusammen. Ein unheimliches Talent steckt dahinter. Wow!
Nach dem offiziellen Teil folgte noch eine Autogrammstunde, wobei er erwähnte, dass doch bitte die, die schon zig Autogramme von ihm besitzen doch bitte die anderen vorlassen sollen. Er verschwand hinter dem Verkaufsstand und widmete sich ausgiebig und gelassen seinen Fans. Inzwischen hatte er auch wieder die Sakkojacke übergezogen. Auch wir haben uns auf den Weg dorthin gemacht und stellten wie so oft an diesem Abend fest, wie sympathisch und normal Angelo doch ist. Nicht, dass wir das nicht schon gewusst hätten, aber so hautnah hatten wir ihn bisher noch nie erlebt.
Alles in allem bleibt zu sagen, dass es ein äußerst interessanter, eindrucksvoller und auch netter Abend war. Echt hammermäßig, was der *Kleene* da auf die Beine gestellt hat! Und dass Angelo uns mit seinen *Piano Drums* total in seinen Bann gezogen hat, beweist sicherlich auch, dass wir uns tatsächlich noch Karten für Witten am 23.07. gekauft haben. The show goes on... ;-)

© me (Simone/Binky)


Note Both Bar

Last update: 17/07/2005

(Online since: 17/07/2005)


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