Das Konzert in Utrecht am 02.04.2005 war ein Konzert der gemischten Gefühle... Enttäuschung, Fassungslosigkeit, Missmut, Traurigkeit vermischten sich mit Freude, Power und Ausgelassenheit, aber auch mit Trauer, Respekt und Anteilnahme.
Alles fing mit unbändiger Vorfreude an, weil wir uns mit einigen Leutchen aus der Klönecke in Utrecht zum Konzert treffen wollten. Allerdings wurde uns nur wenige Tage vor dem großen Tag ein ordentlicher Dämpfer verpasst. Neben allen Spekulationen wer nun bei dem Konzert alles dabei sein würde, und wer eventuell nicht, wurde auf der offiziellen Homepage der Kelly's ein Text veröffentlicht, der Aufschluss bot. Sowohl Maite, als auch Paddy wären leider für dieser Tour verhindert.
Na bravo! Und sowas schimpft sich noch Kelly Family - 4 übrig gebliebene Kelly's, die sicherlich mit ebenso vielen Gastmusikern auf der Bühne stehen würden. Das sollte ja was werden! Das waren die ersten Reaktionen auf den Schock. Schließlich hatten wir eine Menge Geld für dieses Konzert investiert, und uns vor allem auf alle, als auch auf die beiden - nun fehlenden - Personen gefreut. :-(
Trotz des Missmutes konnte man natürlich an der Tatsache nichts ändern, und somit hieß es, das Beste draus zu machen. Die Kelly's kündigten auf der Homepage ebenfalls an, dass sie von weiteren Musikern unterstützt werden würden, und sie alles geben wollen, um eine gute Show - bestehend aus alten und neuen Liedern - zu präsentieren. Es würde ein interessantes Konzert werden, keine Frage. Und wer weiß, vielleicht bekämen wir ja das ein oder andere Highlight zu Ohren. Jedenfalls schwebten und so einige Lieder im Kopf herum. ;-)
2. Dämpfer war die Tatsache, dass der Papst im Sterben lag. Es ging ihm so schlecht, dass ihm nicht mehr viel Zeit vorausgesagt wurde. Er hatte die Nacht vom 01. auf den 02. April überlebt, aber im Grunde war es abzusehen, dass er sich bald auf seine letzte Reise begeben würde. Es war schon ein sehr komisches Gefühl zu wissen, dass der Papst jeden Augenblick sterben konnte, schließlich ist ein Konzert ja dazu da, um Spaß zu haben. Aber wie sollte man das uneingeschränkt mit solchen Hintergedanken im Kopf? Mittlerweile sah ich es auch nicht mehr allzu negativ, dass Paddy nicht dabei sein würde, denn spätestens jetzt hätte ihm bestimmt die Kraft gefehlt auf der Bühne zu stehen.
So, genug erstmal der Gedanken und Gefühle. Nun aber zum Konzerttag... Die Hinreise entpuppte sich als nicht ganz so entspannt, wie gedacht, denn in Arnhem erfuhren wir, dass der ICE nicht seine übliche Strecke fahren konnte, da ein defekter Zug auf den Gleisen den Weg versperren würde. Also wurden wir nach einigem Hin und Her umgeleitet und tuckerten somit - mehr oder weniger - fröhlich durch die Landschaft. Wir sahen super süße Schafe mit ihren Lämmchen auf der Weide, und trösteten uns damit, dass wir diese auf der ursprünglichen Strecke nicht gesehen hätten. ;-)
In Amersfoort mussten wir nun außerplanmäßig umsteigen und mit einem anderen Zug nach Utrecht fahren. Somit kamen wir mit knapp 1 Stunde Verspätung an. Ein Glück, dass wir geplant hatten schon Mittags anzukommen, denn sonst wäre das Ganze womöglich noch in Stress ausgeartet.
Der erste Weg führte uns durch das Einkaufszentrum zur Halle, um die anderen Mädels zu suchen. Und tatsächlich, als wir gerade dabei waren uns Nummern geben zu lassen (Nr. 191 aufwärts), fanden sich auch die anderen ein, und es gab ein großes Hallo. Wir standen noch eine Weile, bis wir uns zu viert auf die Suche nach unserem Hotel (auf der anderen Seite der Bahngleise) machten. Dort hieß es erstmal Beine ausstrecken und ein wenig ausruhen, bevor wir uns für unseren Stadtbummel und für's Konzert fertig machten. Der Rückweg zur Halle war bedeutend kürzer, da wir diesmal den Weg um das Einkaufscenter rum wählten.
Dabei kamen wir auch am Backstageeingang vorbei, wo ein Nightliner stand, und sich hinter Absperrgittern viele Fans aufhielten. Es sah danach aus, als ob jemand Autogramme geben würden, aber selbst einen langen Hals zu machen half nichts. Wir erkannten nur eine Kappe, aber nicht denjenigen, dem sie zu gehören schien. Auf der anderen Seite des Busses war auch ganz schön was los, und just in dem Moment, als wir dort ankamen, erkannten wir Patricia, die sich irgendwo drauf gestellt hatte, um allen zu winken. Na, das nenne ich doch mal Timing. :-)
Sie hatte ebenfalls eine Kappe auf - allerdings eine grüne, und somit nicht die, die wir zuvor gesehen hatten. Diese war nämlich schwarz mit rot vorn gewesen. Patricia sah ein wenig müde aus, aber schlug sich dennoch wacker. Sie schrieb Autogramme, machte Fotos mit den Fans, umarmte sie und schüttelte Hände. Wir beobachteten das Treiben von etwas weiter hinten.
Bloß als kurzzeitig eine kleine Lücke entstand, und man ca. in der 3. Reihe stehen konnte, wagte ich mich weiter nach vorn, um das Spektakel mal aus der Nähe zu begutachten. Und als ich sah, dass Patricia Hefte von Leuten weiter hinten annahm, um zu unterschreiben, hielt ich meins einfach mal ebenfalls über die Köpfe der anderen hinweg. Und siehe da, Patricia nahm es auch sogleich und reichte es mir nachdem sie rein geschrieben hatte, und schnell noch ein Foto mit einem Fan gemacht hatte, zurück. Hui, da war ich aber echt erstaunt. :-) OK, es ist vielleicht nicht die Art ein Autogramm zu bekommen, wie man sich erhofft, aber auf die Chance werde ich wohl noch ein wenig warten müssen.
Dort vorn entdeckte ich unweit von Patricia auch die schwarze Kappe wieder und erkannte, dass dessen Träger Joey war. Also betrieb auch er vor dem Konzert ein wenig 'Fan-Pflege'. Schade, dass nicht auch Jimmy da war, denn ihn hab ich bisher noch nie getroffen, aber auch darauf muss ich wohl noch warten. Er war wohl als erstes draußen, wie ich später erfahren habe.
Nach diesem Erlebnis gingen wir durch die Passage auf die andere Seite, wo die ganzen Fans saßen und wir die anderen wieder treffen wollten. Und wir hatten Glück. Sie kamen erneut zeitgleich an. :-) Wir redeten eine Weile, und es war schön sich wieder zu sehen. Irgendwann spazierte munter ein Entenpärchen den Weg hoch an den Fans vorbei, und wir enttarnten die beiden sogleich als Maite und Paddy inkognito. *g*
Eine Weile später gingen wir nochmal zusammen auf die andere Seite der Halle. Hinter den Fanmengen erkannte ich die grüne Kappe wieder, also war Patricia immer noch da. Auch die anderen freuten sich, sie - wenn auch nur von weitem - zu sehen, allerdings verschwand sie ziemlich bald. Kein Wunder, sie war ja auch schon eine ganze zeitlang draußen gewesen.
Direkt nach Patricia kam erneut Bewegung in die Menge, und ein Kopf recken brachte heraus, dass nun Angelo seine Zeit opferte. Auch er sah nicht gerade gut aus. Hatte ein weißes Tuch um seinen Hals gewickelt und deutete an, nicht so viel sprechen zu dürfen. Oh weh, das verhieß ja nichts gutes. Hoffentlich würde er heute Abend singen können.
Wir blieben noch ein wenig dort, und gingen dann wieder nach vorn, wo kurz drauf etwas zur Nummernaufstellung gesagt wurde. Danach machten wir uns als vierer Gruppe auf den Weg durch die Stadt. Wir wollten in Richtung Dom gehen, und vor allem noch etwas essen, schließlich lag ein langer Abend vor uns, und wir hatten bis auf eine halbe Laugenbrezel im Zug bisher nichts zu Mittag gegessen. Nach einem ausgiebigen Spaziergang - bei herrlichem Sonnenschein *smile* - durch die Stadt, vorbei an einer Gracht und überfüllten Straßencafés, landeten wir schließlich im Pannekoekenhuis direkt neben der Halle. Dort trafen wir später auch welche von unseren Mädels wieder, die auf dem Weg zum Klo waren. Die Aufstellung hatte mittlerweile stattgefunden, und sie saßen in der Passage in einer Reihe um die Halle rum. So gingen wir dann direkt mit ihnen zurück, als wir fertig waren mit Essen.
Der Einlass war für 18:00 / 18:30 Uhr angekündigt, zog sich aber noch in die Länge. Schlimm wurde das Ganze durch - wie leider so oft - falschen Alarm, und so standen wir Schulter an Schulter und es bewegte sich eine ganze zeitlang überhaupt nichts. Erst gegen 19:00 Uhr ging es langsam los, und immer wieder fragt man sich, wie sie es in solch einem Tempo schaffen wollen, die Halle pünktlich voll zu bekommen. An einer Zwischentür wurden die Leute ohne Nummern aussortiert, und dann ging alles ganz schnell. Am Einlass wurden die Taschen - alles andere als sorgfältig - kontrolliert, und die Karte mit so nem Laserstrahler registriert. Also nix mit Schnibbelchen abreißen, oder - wie wir noch 2000 in Utrecht erlebt hatten - ganz abgenommen.
Endlich drinnen begann die Suche nach einem Platz. Die Halle war noch kleiner, als ich sie in Erinnerung hatte, und der Mini-Innenraum schon so gut wie voll. Wir schlängelten und zu viert unten durch - trafen dabei die anderen, die sich schon einen Platz ergattert hatten - und fanden schließlich jeweils zwei Sitzplätze halb mittig auf der linken Seite der Bühne in der 3. und 4. Reihe. Also wirklich gute Plätze. *freu* Wir waren froh endlich drin zu sein, und ließen uns nieder. Nach und nach nahmen wir wahr, was auf der Bühne aufgebaut war. Zwei Schlagzeuge, zwei Keyboards (davon ein Doppel-Keyboard) und zu aller Überraschung auch ein Saxophon. Wow, das versprach ja wirklich ein interessanter Abend zu werden! :-)
Die übriggebliebene Zeit verging schnell, die Halle füllte sich rasch bis unters Dach, und auch die Treppe neben unseren Sitzplätzen wurde in Beschlag genommen. Das Publikum war recht gemischt. Von Kindern, bis hin zu älteren Leuten, alles vertreten. Und allesamt gespannt auf das was kommen würde.
Ich meine, es war um die 20:20 Uhr, als das Licht ausging, und die Show begann. Als erstes registrierte ich Angelo, der mit einer Akkustikgitarre die Bühne enterte, und freute mich tierisch. Das Konzert konnte beginnen. *yeah* Sie legten mit *Babylon* los, und die Stimmung war sogleich super.
Jimmy war einfach nur zum schreien komisch. Er trug über einem karierten Hemd eine Jeanslatzhose, die nur an einem Hosenträger schräg zugemacht war, und machte so dermaßen Spöks, dass sie ihm irgendwann aufging und runter zu rutschen drohte. Alles lachte natürlich, und er hatte seine Mühe, sie - mit dem Mirko in einer Hand - wieder zu zu bekommen. *lach* Diese Hose versteckt geschickt, wie dünn er ist. Und was mich freute: seine Haare hatten eine schöne Länge, denn allzu kurz mag ich's nicht so sehr.
Mit der Zeit registrierte ich, dass Joey einen Anzug und dazu offene Haar trug. Wow! Was ist mit ihm los? Aber hätte er nicht auch den Anzug, der ihm etwas schlabbrig saß, weglassen können? Zumindest passten auch die braunen Treter mit Profilsohle nicht wirklich dazu. *Kopf schüttel*
Patricia war ebenfalls ein wenig unvorteilhaft gekleidet, aber anscheinend hatte sie das rote T-Shirt mit der Aufschrift 'Polska' zuvor geschenkt bekommen!? Darunter trug sie nämlich eine Bluse mit 3/4 Ärmeln und dazu einen schwarz/weiß geblümten Rock. Dazu ganz leichte Sandaletten, mit roten Riemen vorn. In ihren Haaren an der Seite eine Blumenspange.
Angelo fand ich war zwar schlicht gekleidet, sah aber richtig gut aus. Er hatte eine blaue Jeans an, ein schwarzes enges T-Shirt und coole Schuhe. Die Haare hatte er zu einem Zopf gebunden. Richtig schöööön lang. :-)
Nach *Babylon* verzog Jimmy sich hinter die Congas, und es ging es mit einem Lied von Angelo weiter *I wish the very best*. Dieses hab ich zwar noch nie live gehört, aber es passte ganz gut rein und die Stimmung hielt. Angelo ging richtig aus sich heraus, und sprang zum Schluss des Liedes vom Schlagzeugpodest. Durch das zweite Schlagzeug - welches von Marco Minnemann, der auch in Paddy's Band gespielt hat, betrommelt wurde - lag hinter Angelo's Liedern diesmal viel mehr Pep.
Das zweite Schlagzeug, welches hinten rechtes stand, war wirklich eine tolle Idee. So konnte Angelo 1. mal wieder öfters vorn mitmischen, und 2. lieferten sich die beiden teilweise regelrechte Duelle. Echt klasse! Und auch das Saxophon gefiel mir richtig gut. Mal total was anderes! Zudem gab es noch einen Bassisten, dann war Matthias Kraus wieder mit von der Partie und spielte neben dem Doppel-Keyboard auch noch Gitarren, und auch Marco Minnemann kam ab und zu hinter dem Schlagzeug vor und unterstützte mit seiner E-Gitarre. Allesamt hatten Spaß bei ihrem Tun, das konnte man sehen. :-)
An die genaue Songreihenfolge kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es waren doch die meisten Lieder aus dem letzten Jahr wieder dabei, also gar nicht eine ganz so neue Show. Schade, da hätte ich echt mehr erwartet. :-/
Als Patricia an den Bühnenrand trat, sprach sie das Publikum auf Niederländisch an. Ich hatte schon Angst, dass wenn Paddy nicht da ist, niemand aus der Familie sich in der Landessprache versucht, aber so bekam ich doch noch Kelly-Niederländisch zu Ohren. *g* Sie fragte wie viele Leute aus Holland da seien, und fast die ganze Halle jubelte. Dann fragte sie auf Deutsch, wer alles aus Deutschland da sei, und es jubelten ebenfalls viele. Daraufhin wurde gebuht, und Patricia versuchte die Leute schnell zu beruhigen, sie sollten doch die Deutschen nicht ausbuhen. Sie fragte schnell weiter, wer aus Frankreich da wäre, wo sich allerdings nur ganz wenige meldeten.
Dann folgte Tschechien und Polen, woraufhin sie erzählte, dass sie das T-Shirt aus Respekt vor dem Papst tragen würde, weil er ja aus Polen stamme. Wobei das Thema Papst zum ersten Mal an diesem Abend angesprochen wurde. Sie widmete ihm *I'll be there* und ihre linke Hand griff immer wieder zu einer Kette, die an der linken Seite ihres Rockes lang herunter baumelte. Ich vermutete, dass es ein Rosenkranz sei, und später erkannte ich auch das silberne Kreuz an dessen Ende. Sie nahm es während des gesamten Konzertes wirklich oft in die Hand, und ersuchte dadurch Kraft.
Joey sprach als erstes die beiden fehlenden Geschwister an, und ein Satz von ihm wirkte nicht gerade Hoffnung unterstützend. :-( Ich weiss nicht mehr genau, ob er ihn auf Maite und Paddy bezog, oder nur auf Paddy. Er sagte "They / He will be back.", und fügte direkt hinzu: "I hope!"
Jimmy war der nächste, der eine lange Rede über seine beiden Geschwister anstimmte. Es fing damit an, dass wohl jemand aus dem Publikum rief: "I love Paddy." Daraufhin antwortete er, dass er Paddy auch lieben würde, so wie man einen Bruder liebt. Er würde ihn respektieren, und auch seine Entscheidung, dass er im Moment eine Pause macht. Und wir sollten das doch auch respektieren. Es wurde richtig leise im Saal, als die Sprache auf Paddy kam, aber dennoch habe ich vieles vergessen, bzw. auch nicht genau mitbekommen, was er gesagt hat. Jedenfalls hofft auch er, dass sein Bruder bald wieder kommt, aber man müsse ihm halt ein wenig Zeit lassen, und Gott würde ihm den Weg zeigen. Paddy fiele es auch nicht leicht, jetzt nicht mit seinen Geschwistern auf Tour zu sein, und die Rede fiel auch auf das Motto *Keep on singing*.
Und Maite, tjaaaa, die sei verliebt, und wir alle wüssten ja, wie es bei Verliebten so ist. Angelo allerdings erwiderte daraufhin, dass er auch verliebt sei, und deutete damit irgendwie sowas an, wie: Ich bin auch verliebt, und trotzdem hier... Jimmy widmete Maite dann sein Lied *Streets of love* und fragte das Publikum ständig, ob auch wir lieben würden.
Als Patricia für *Strange World* und *Street Kid* nach vorn kam, zog sie ihre Sandaletten aus, und ließ sie am Keyboard stehen. Auf bloßen Füßen machte sie die Bühne unsicher und tanzte von einer Stelle zur nächsten. Sie nahm auch des öfteren Sachen von den Leuten aus den ersten Reihen an, worunter sich u.a. Blumen, eine dänische Flagge, ein schöner Schmetterling, aber auch ein 'Urkunde für die beste Band der Welt' befanden, die sie alle an ihrem Keyboard ablegte. Mit der Zeit erkannte man schon richtig den Dreck unter ihren Füßen und sie wischte sogar mit dem Rock ihre Füße ab, bevor sie wieder in die Sandaletten stieg.
Joey sang erstaunlich viele Lieder an dem Abend. Ist man gar nicht mehr gewöhnt. Hui. Darunter fielen: *Flip a coin*, *Why Why Why*, *Another World*, *The Wolf* und natürlich *True love*. *The Wolf* folgte nach Jimmy's *Blood*, und er kündigte es mit den Worten "There's so much blood because of the wolf" an. Dieses Lied ist zwar auch schon ein wenig älter und langsam aber sicher ausgelutscht, aber es ist doch immer wieder lustig Joey so zu sehen. Irgendwann begann er aufzuzählen, wer alles dran glauben müsse. Seine Kinder, Patricia's Kinder, Angelo's Kinder, Jimmy's Kinder... Dieser Punkt war ein Lacher, und Jimmy machte eine ganz verdutztes Gesicht. Und ich glaube, nach Joey's Aufzählung waren so gut wie alle nicht mehr da...
Während des Konzerts hatte der arme Angelo ziemlich häufig Ärger mit seinem Mikro am Schlagzeug. Er hat ja so einen Mikro-Arm, den er immer vor sein Gesicht oder zur Seite schieben kann, aber oftmals hing das Mikro einfach zu tief, so dass er während des Spielens daran rumfummeln musste. Man sah ihm richtig an, wie genervt er war, denn anscheinend half auch die Hilfe des Technikers nicht wirklich, der es ab und zu versuchte richtig einzustellen.
Es gab so manche kleine Pannen auf der Bühne. So wurde z.B. mal eine Gitarre zu spät gebracht, oder Jimmy wollte seine nicht rausrücken, als er mit dem Spielen darauf zwar fertig war, das Lied aber noch nicht ganz zu Ende. Patricia verpasste einmal ein Gitarrensolo und Angelo musste zu ihr hinrennen, um sie daran zu erinnern. Oder es passierte ihr mal, dass sie die Gastmusiker falsch vorstellte. Oh weh, oh weh. Dafür stellte Jimmy gegen Ende sämtliche Gastmusiker und Techniker vor, und gab ihnen allen den zweiten Nachnamen Kelly. Dem Sven allerdings schlug er fast bei einer Armbewegung ins Gesicht. Au weia, mehr als tollpatschig unser Jimmy. Und einmal musste Angelo, nachdem er vorn gesungen hatte, nach hinten zu seinem Schlagzeug rennen um einzusetzen.
Ein Highlight des Konzerts war Patricia's *No lies*, und ich finde, sie haben es richtig schön aufgepeppt mit Gitarrensolo und so. Das schöne an dem Lied ist, es fängt langsam an, und geht dann richtig los. Die Halle ging mit und war begeistert. Auch bei Jimmy's *Nanana* freuten sich alle und sangen kräftig mit. Von Jimmy hätte es noch so einige andere Lieder gegeben, die ich gern mal (wieder) gehört hätte, aber er brachte von seinen älteren nur *What's a matter you people* und noch ein weiteres, worüber ich mich sehr freute.
Er kündigte nämlich ein älteres Lied an, bei welchem wir ihm helfen sollten. Auch er sprach nun den Papst an, der - wie wir sicherlich alle wüssten - im Sterben liegt. Am Morgen noch hätte er mit aller Mühe und Hilfe eine Botschaft auf einen Zettel geschrieben: "Ich bin glücklich, seid ihr es auch." Und für ihn wolle er jetzt ein Lied singen, was eigentlich ein fröhlicher Song wäre - *Paradise*. Und es folgte *Walk into the paradise*, wobei er das Wort "Paradise" immer ganz lang zog.
Ich fragte mich, wie es wohl dem Papst im Moment gehen würde, und hoffte inständig für ihn, dass er nicht mehr lange leiden müsse. Und später erfuhren wir, dass er während unseres Konzerts gestorben war. Anhand meiner Digitalkamera stellte ich zu Hause fest, dass eben dieses Lied von Jimmy den Papst tatsächlich kurz vor seinem Tod begleitet hat. Er hat es knapp 10 Minuten vorher gesungen.
Genau währenddessen muss gerade das Drumsolo, welches diesmal ein Drumduo war, in vollem Gang gewesen sein. Angelo und Marco lieferten sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Duell und beendeten es mit synchronen Schlägen. Echt toll! Der Junge hat mich echt wieder vollends beeindruckt - hinter dem Schlagzeug, an der Gitarre und als Sänger. Spitzenmäßig! Seine Stimme klang stellenweise zwar ein wenig heiser, aber gerade das gibt ihm etwas besonderes.
Von ihm bekamen wir auch noch *Don't always want* und *I'll be your man* geboten. Sein Liebeslied, welches er nie aufgenommen hat, ist richtig schööööön, und ich freute mich, es wieder zu hören. Fand es ja im Phantasialand schon so schön. :-) Gern hätte ich auch *Walking* gehört, aber man kann ja nicht alles haben, ne!? Bei *Don't always want* hatten Patricia und Jimmy richtig Spaß. Patricia tanzte neben den Congas rum, und die beiden ärgerten sich mit gegenseitigen Fußtritten. *g*
Als irgendwann plötzlich die ersten Klänge zu *Love, music 'n sun* ertönten und Patricia's Stimme so eindeutig zu hören war, sie sich aber nicht auf der Bühne befand, wanderten die Blick umher. Es stellte sich heraus, dass sie sich - von zwei Bodyguards begleitet - hinten im Innenraum einen Weg durch die Menge bahnte und Hände schüttelte. Da war die Freude natürlich groß. Wieder vorn angelangt lieft sie den Graben ab und stellte sich immer irgendwo drauf, so dass wir sie auch sehen konnten. Dabei hielt sie sich an den Fans fest und nahm schließlich erneut Geschenke und auch einen orangen Kranz für um den Hals an. Mittlerweile hatte sie übrigens ihre Sandaletten durch Turnschuhe ersetzt, welche ihrem Erscheinungsbild noch einen drauf gaben. Aber was soll's.
Öfters am Abend ist mir aufgefallen, wie sehr Paddy und Maite doch fehlen, weil der Backgroundchor einfach zu dünn war, und gewisse Passagen von jemand anderem übernommen wurden. Und manche Lieder konnte ich nicht wirklich genießen, weil man unweigerlich immer an Paddy denken musste. So auch bei *Everybody is beautiful*, welches in den Strophen von - ich meine - Angelo und Patricia gesungen wurde. Das Lied ist ja eigentlich ein fröhliches und sollte gute Stimmung verbreiten, und auch alle 4 Kelly's zusammen vorn an den Mikros freute mich, aber dennoch war ich irgendwie bedrückt. Die ganze Ungewissheit macht einen doch ganz schön fertig. :-(
Zuerst sang Patricia mit Jimmy zusammen an einem Mikroständer, aber irgendwann holte sie sich das von ihrem Keyboard und riss regelrecht an der Schnur, damit sie damit rum laufen konnte. Ich meine, es war bei diesem Lied, als alles an den Rand kamen und kräftig Hände abgeklatscht haben und weitere orangene Kränze für um den Hals bekamen. Dabei wurde dann auch die polnische große Flagge mitgenommen, die das ganze Konzert über kräftig in der 1. Reihe rechts geschwenkt worden war.
Diese eignete Jimmy sich während *Lord can you hear my prayer* an, und lief damit herum wedelnd über die Bühne, bis er sie schließlich unter das Mikrofon an den Ständer klemmte. Das Lied wurde am Schluss wie so manche anderen Lieder durch aufgefordertes Mitsingen und erneutes Singen der Kelly's verlängert, bis sich schließlich alle 8 vorn versammelten und verbeugten. Es gab natürlich einen riesigen Applaus, als sie von der Bühne gingen.
Nur wenig später betrat Jimmy die Bühne wieder. Er hatte einen Zettel in der Hand und sah ein wenig hilflos aus. Er ging ans Mikro und erwähnte, dass er seine Gitarre vergessen hätte. Somit ging er wieder zurück in die Ecke, wo im Hintergrund auch die anderen standen und bekam auch schon eine Gitarre gereicht. Als er wieder vorn stand, faltete er den Zettel auseinander und teilte uns schließlich mit, dass sie gerade erfahren haben, dass der Papst um 21:37 Uhr gestorben sei. Es folgte Stille, und dann lang anhaltender Applaus. Ein komisches Gefühl. Gemischte Gefühle... Trauer und doch Erleichterung. Endlich hatte er den Heimweg angetreten. Endlich war er erlöst von seinem Leiden. Und es ging ihm gut, er war glücklich, das hatte er am Morgen mitgeteilt.
Auch Jimmy klatschte und fing plötzlich an mit seinen Füßen zu trampeln um seine Emotionen raus zu lassen. Ein beeindruckender Moment, in dem sicherlich so manche Tränen geflossen sind. Und dann sang er für den Papst *Burning fire*... und gab dem Lied somit eine spezielle Bedeutung. Er fing allein an, und sprach das 'Vater unser' bevor er begann zu singen. Nach und nach betraten die anderen die Bühne und man sah betroffene Gesichter. Während des Liedes nahm Patricia die polnische Flagge und legte sie sich um die Schultern. Und als sie am Ende die Bühne verließen, war mir - obwohl das Licht noch eine ganze Weile aus blieb - klar, dass damit das Konzert abgeschlossen war. Ein passender und würdevoller Abschluss, der erstmal verdaut werden muss. Jimmy's letzte Worte: "Wir werden uns wieder sehen. Spätestens dort oben - zusammen mit dem Papst." Und er wandte den Blick nach oben...
Ja, es war ein Konzert der gemischten Gefühle... Enttäuschung, Fassungslosigkeit, Missmut, Traurigkeit vermischten sich mit Freude, Power und Ausgelassenheit, aber auch mit Trauer, Respekt und Anteilnahme.
Schlussendlich bleibt zu sagen, dass das Konzert (über 2 Stunden!) ein tolles Konzert gewesen ist - auf seine eigene Art und Weise. Trotz des anfänglichen Missmuts darüber, dass es nur 4 Kelly's waren, die dort auf der Bühne standen, war es ein besonderes Erlebnis. Und es wäre sicherlich nur halb so tragisch gewesen, wenn nicht diese ganze Ungewissheit wäre, ob und wann die Fehlenden wieder mit dabei sein werden.
Patricia, Angelo, Joey und Jimmy hatten zurecht Bammel vor dem Konzert. Sie haben sich für unser Kommen bedankt, und es nicht als Selbstverständlichkeit angesehen. Meiner Meinung nach haben sie die - auch für sie - nicht leichte Situation wirklich gut gemeistert. Okay, sie hätten einiges anders - vielleicht besser - machen können, aber das was wir erlebt haben, konnte sich auf jeden Fall sehen lassen.
Weiterer Pluspunkt für das Konzert bzw. die Reise war ja auch das Treffen unter uns Klönecklern, und obwohl es zum Teil nur für ein paar Stunden war... es war richtig schön, euch wieder zu sehen. *freu* Also, auf weitere gemeinsame Abenteuer!!! ;-)