Kelly-Logo Loreley 26.08.2000
by Uli & Tina   tina0512@gmx.de
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5 Wochen nach Mannheim hieß es wieder: Kellys, wir kommen! Diesmal war die Loreley unser Ziel und wir freuten uns wie die kleinen Kinder, da ja bekannt ist, dass die Konzerte dort immer etwas ganz besonderes sind. Für uns war es erst das zweite Loreley-Konzert, da wir 1998 und 1999 nicht konnten und wir 1996 diesen idiotischen Platz auf dem Gang zwischen den unteren und den oberen Stufen hatten, von dem aus man gar nichts sieht.
Diesmal sollte das aber anders sein, das hatten wir uns ganz fest vorgenommen. Als ich Matthias erzählte, dass Tina und ich von Freitag bis Sonntag auf dem Campingplatz der Jugendherberge auf der Loreley zelten würden, meinte er spontan, oh ja, klasse, da würde er auch mitgehen. Oh je, das konnte ja heiter werden, der Arme tat mir jetzt schon leid, ich sah ihn im Geiste schon mir, völlig verzweifelt und umringt von durchgeknallten Kelly-Fans.

Am Freitag um 11.00 Uhr fuhren wir dann los, unser Auto war bepackt, als ob wir auswandern oder zumindest einen 4-wöchigen Urlaub antreten wollten. Dabei hatten wir nur das Nötigste eingepackt, sogar auf meine unentbehrliche elektrische Zahnbürste hatte ich verzichtet, man stelle sich das mal vor!!! Aber da ja nun die komplette Lang Family mitging und wir somit zu viert waren, brauchten wir unser großes Zelt. Wir waren schon sehr gespannt, wie viele Leute schon da sein würden, man hört da ja die unglaublichsten Dinge.
Als wir uns dann gleich nach der Ankunft unsere Nummern holten, waren wir eigentlich sehr angenehm überrascht: Wir bekamen die 259, für die Loreley nicht schlecht. Das müsste eigentlich locker für einen Platz unterhalb des blöden Ganges reichen!!!

In der Jugendherberge fielen uns gleich diese in Klarsichthüllen eingepackten DIN A4-Blätter auf, die überall herumhingen und -lagen. Oben drüber klebten rote Zettel mit der handgeschriebenen Aufschrift: Hinweise für Kelly-Fans. Was war das denn? Bei näherer Betrachtung entpuppten sich die Blätter als Hausordnung der Jugendherberge, da stand aber nicht etwa drauf "Für unsere Gäste" oder so was ähnliches, nein, da stand "Liebe Kelly-Fans". Und dann folgten unzählige Hinweise, wie man sich hier zu verhalten hatte. Ich fand das total witzig. So ganz nach dem Motto: "Oh Gott, jetzt fallen diese Wilden hier ein, da müssen wir besonders vorsichtig sein!" Wissen diese Leute denn nicht, dass wir Kelly-Fans, wie die Mitglieder der Family ja auch, allesamt nicht lesen können?? Wir amüsierten uns jedenfalls köstlich über das ganze.

Nach langem Hin und Her schafften wir es dann auch, unser Zelt aufzubauen. Der arme Matthias war inzwischen schon ein wenig genervt, da bereits bei unserer Einfahrt auf den Parkplatz die ersten offensichtlich geistig völlig verwirrten Fans wie verrückt zu kreischen begannen. Sehen wir aus wie die Kellys oder was?? Wir mussten nochmal an den Wahnsinnigen vorbei und, es war kaum zu glauben, das Gekreische ging wieder los. Diesmal verstanden wir sie sogar. "Karlsruhe, Karlsruhe", brüllten sie. Ja, wir kommen aus Karlsruhe, na und?

Um 19.00 Uhr machten Tina und ich uns dann auf zur Nummernkontrolle, Matthias und Anja blieben auf dem sicheren Zeltplatz zurück, auf dem nun ja keiner mehr war (unsere beiden brauchten ja keine Nummer, da sie erst ganz spät zum Konzert gehen wollten). Alle Leute mit Nummern trafen sich auf der großen Wiese oberhalb der Straße und die Nummernausgeberinnen versicherten, dass keine Leute vor den bereits aufgebauten Schleusen übernachten dürften. Das Nummernteam würde die ganze Nacht da sein und jeder der käme, würde eine Nummer bekommen. Wir würden uns alle am Samstag um 7.00 Uhr auf besagter Wiese treffen und dann Nummern aufgestellt werden. Die Secs würden das total unterstützen und uns dann gruppenweise über die Straße zu den Schleusen führen. Die Secs unterstützen das Nummernsystem? Was ist den jetzt los? Die wissen ja auch nicht, was sie wollen. Wir entschlossen uns, einfach daran zu glauben, das alles gut gehen würde, obwohl ich es ehrlich gesagt ein wenig bezweifelte.

Abends ging dann auf dem Zeltplatz der totale Punk ab. Ein männlicher Fan hatte seine Gitarre dabei und spielte und sang Kelly-Lieder, total schön, der hatte echt eine gute Stimme und Gitarre konnte er auch super spielen. Leider waren da aber diese kreischenden Fans, die bis zum Erbrechen (ich glaube, im wahrsten Sinne des Wortes, denn einige hatten doch ein wenig über den Durst getrunken) den Säcke-Slogan in der Gegend rumbrüllten. Es war kaum auszuhalten, zumal sie immer, wenn der Guitar-Man ein neues Lied anspielte, gröhlend mit einfielen. Genau so stellt man sich wohl unter "Normalen" den gemeinen Kelly-Fan vor, meinte zumindest Matthias (er kann das besser beurteilen als ich, da ich ja selber der Gilde der Süchtigen angehöre).
Irgendwann schliefen dann aber doch alle, ich allerdings äußerst schlecht, da dieses Kind, das offensichtlich den Keuchhusten oder zumindest eine schwere Bronchitis hatte, die ganze Nacht über hustete und dann war da auch noch der Schnarcher, der doch auch ziemlich störte. Oh, oh, ob das morgen gut gehen würde? Man ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste.

Die ersten hatten sich schon auf 5.30 Uhr oder noch früher den Wecker gestellt. Ich hatte zwar keine Ahnung, was das sollte, aber offensichtlich trauten sie der Aufstellung nach Nummern nicht. So ca. alle fünf Minuten klingelte wieder ein Wecker in irgendeinem der Zelte, dazwischen wurden wir durch Hustenkonzerte der Kranken erfreut. Mit Schlafen war da nicht mehr viel.
Gegen 6.00 Uhr wurde es mir zu blöd, also stand ich dann mal auf, ging zu der heimeligen Toilette und wusch mir bei der Gelegenheit gleich das Gesicht. Duschen wollte ich später, wenn ich nach der Aufstellung meinen festen Platz hatte. Irgendwie passe ich immer mehr in das Klischee des stinkenden Kelly-Fans. Nein, natürlich nicht, ich hatte ja schließlich abends um 23.00 Uhr noch geduscht. Ich legte mich dann aber doch noch ein bisschen hin und döste vor mich hin. Als Tina dann auch aufgestanden war, machten wir uns langsam auf den Weg zur Wiese, Matthias und Anja schliefen selig weiter.

Kurz vor 7.00 Uhr waren wir dann am vereinbarten Ort, wo sich schon Unmengen von Fans versammelt hatte, die meisten von ihnen standen allerdings nicht auf der Wiese sondern clevererweise auf der Straße. Die Mädels vom Nummernteam schickten uns dann erst mal auf die Wiese und ich kam mir ein bisschen vor wie eine Kuh, die in ihrer Herde steht. Es dauerte dann noch eine ganze Weile, bis sie anfingen, die Fans nach Nummern in Gruppen einzuteilen. Immer 50 Nummern wurden in eine Reihe gestellt, dann begann die nächste Reihe. Gegen 9.00 Uhr sollten wir dann reihenweise über die Straße zu unserem endgültigen Standort geführt werden (sag' ich doch, wie eine Kuhherde). Inzwischen waren sie bereits bei Nummer Siebenhundertirgendwas angelangt.

Kurz nach 9.00 ging es dann tatsächlich los, die ersten durften losmarschieren. Die allerersten Fans durften sich schon direkt vor die Schleusen setzen, die Gitter davor waren mit dunkler Folie abgedeckt, damit sie von außen nicht einsehbar waren. Die Schlange wurde dann zuerst im Zickzack weitergeführt, ähnlich wie in Stuttgart 98, und dann ging die Schlange gerade nach hinten weiter.
Wir hatten das Glück, noch in dem Bereich zu sitzen, der mit einem hohen Gitter vom Weg abgetrennt war, von dieser Seite würde also niemand eindringen können. Die Schlange wurde dann immer weitergeführt, die letzten saßen schon auf der Wiese, auf der wir uns versammelt hatten. Jetzt war die Gelegenheit zum Duschen gekommen. Wir rannten zum Zeltplatz, duschten, zogen uns um und nahmen alles, was wir brauchten, mit.

Die endlos lange Zeit bis zum Einlass verbrachten wir dann gemütlich im Dreck liegend unter unserem kleinen Sonnenschirm. Nein, natürlich lagen wir im Gegensatz zu einigen anderen nicht im Dreck, wir hatten unsere Isomatten dabei, auf denen wir es uns gemütlich machten.
Es herrschte eine total friedliche und freundschaftliche Stimmung unter den Fans, das war total super. Natürlich hörte man wieder unzählige neue Gerüchte von wegen Angelo hätte eine neue Freundin und all so ein Zeug und überhaupt würden heute alle Kellys kommen, Johnny auf jeden Fall. Ich konnte zwar keinen Grund finden, warum er jetzt gerade heute kommen sollte, wo er doch die ganze Zeit gefehlt hat, aber wenn es denn so wäre, sollte es mir nur recht sein.
Einige Leute erzählten auch wieder von ihren "rein zufälligen" Treffs mit den Kellys (ja klar, ist schon ein Riesenzufall, wenn man gerade zum tausendsten Mal vor Gymnich steht und völlig überraschenderweise ein Kelly vorbei kommt), ich kann es langsam echt nicht mehr hören. Jeder meint, nur die Anderen seien die bösen Belagerer, selbst sind sie alle ganz unschuldig. Aber was soll ich da noch lange dazu sagen?
Jedenfalls vergingen die Stunden recht schnell und keiner stürmte, es war so toll. Ab und zu kamen die Leute vom Rot-Kreuz vorbei und versorgten uns mit Wasser, auch nicht schlecht.

Irgendwann hörten wir von der Arena her Angelo am Schlagzeug und kurze Zeit später konnten wir erst Jimmy und dann Patricia singen hören. Die Lieder, die sie sangen, hörten sich sehr ungewohnt, aber total toll an. Ihre Superstimmen hallten durch das Gelände. Was sangen sie nur? Es hörte sich an wie "Motherhood" von Jimmy gesungen und dann noch "Ave Maria" von Patricia. Anscheinend war ich jetzt schon total verblödet, diese Lieder singen sie doch nie. Na ja, ich sagte lieber mal nichts, die Leute vom Rot-Kreuz waren ja da und hätten mich abholen können.
Ansonsten ist eigentlich nichts besonderes mehr passiert außer der kleinen Sache mit unseren Iso-Drinks. Diese blöden Flaschen konnte man einfach nicht aufdrehen, da war also guter Rat teuer. Zum Glück hatte Tina ihr Taschenmesser dabei und wir bohrten schließlich nach unzähligen vergeblichen Aufdrehversuchen mit dem am Taschenmesser angebrachten Korkenzieher ein Loch in den Deckel der Flaschen. Nun konnte man ganz gut trinken, für Außenstehende sah es allerdings so aus, als würde man an einer geschlossenen Flasche nuckeln.
Diesen Eindruck muss wohl auch Spiro gehabt haben, der vorbeikam, als ich gerade am Trinken war. Er beobachtete mich etwas skeptisch (hat wohl gedacht, die Alte hier ist ja wohl durchgeknallt, muss sich schon mit Flaschennuckeln beruhigen), ging dann weiter, kam aber gleich noch mal zurück, die Sache hatte ihm wohl keine Ruhe gelassen. Er schaute noch mal genauer hin und fragte dann mit misstrauischem Blick: "Ah, habt ihr da ein Loch reingemacht?" Jawohl, 100 Punkte, Spiro. Ich erklärte ihm vorsichtshalber, dass ich die Flasche nicht aufgekriegt hatte, wer weiß, vielleicht hätte er mich sonst doch noch mit Verdacht auf Sonnenstich ins Rot-Kreuz-Zelt gebracht.

Dann war endlich 17.00 Uhr und der Einlass stand bevor. Übrigens hatte es zu keinem Zeitpunkt auch nur den Ansatz eines Sturms gegeben und das auf der Loreley! Echt super! Überall standen Secs rum, die das Geschehen bewachten. Um ca. 17.15 Uhr war es dann soweit. Wir sahen, dass die ersten losliefen. Recht schnell waren auch wir an den Schleusen und kamen auch in Windeseile durch. Wir gingen (der Kopf sagte zwar: "Rennen", aber das ging nicht, da standen so viele Secs rum) zu den Stufen.
Nun setzte wieder das übliche Herdenverhalten der Kelly-Fans ein: Da die Secs alle Leute nach links leiteten, setzten sie sich auch links oder in die Mitte auf die Stufen, nach rechts ging kaum jemand, wir natürlich schon. Wir bekamen dann einen Superplatz auf der fünften Stufe leicht rechts von der Mitte. Ganz unten in der ersten Reihe sah ich Bine und Petra stehen, wir hätten uns direkt hinter sie stellen können, aber ich hatte da irgendwie keine Lust dazu, dann würden die wieder drängen, ich würde nicht weggehen können, wir setzten uns also auf unsere Stufe und waren glücklich, dass wir einen so tollen Platz hatten.

Die Stimmung war schon super und wurde immer noch besser, je näher der Konzertbeginn rückte. Im Backstagebereich konnten wir Paddy sehen, der sich mit ein paar Leuten unterhielt. Die Haare hatte er offen und schön zurecht gemacht. Ob das wohl so bleiben würde? Es waren auffallend viele Leute im Backstagebereich, die nachher alle hinten ganz links praktisch auf der Bühne standen. Es waren sehr viele Kinder dabei, keine Ahnung, wer die alle waren. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass heute alle Kellys kommen würden, weil angeblich ein Kaufvideo gedreht werden sollte, aber ich konnte nicht so recht daran glauben, so sehr ich es mir auch wünschte, die drei "Pausierenden" endlich mal wieder live zu sehen.


Dann kamen die Kellys zur Bühne, mussten dann dort aber noch eine ganze Weile warten, bis sie dann gegen 20.10 Uhr endlich auf die Bühne stürmten, wo sie mit ohrenbetäubendem Jubel empfangen wurden. Nein, es waren nicht alle da, die drei fehlten auch heute wieder, schade eigentlich. Und dann ging's los.
Bitte sehr darüber hinweg, wenn ich die Liedreihenfolge etwas verdrehe, ich weiß es einfach nicht mehr so recht. Was hatte Paddy heute wieder an? Er hatte die Haare zwar offen, dafür trug er aber wieder eine dieser ekeligen Wollmützen, ansonsten ein weißes T-Shirt und die graue kurze Cargohose, Socken und Turnschuhe, später kam er dann in den guten alten Schlappen an.

Er eröffnete das Spektakel zusammen mit Joey, wie gewohnt im Tattoo-Shirt, der grauen Flickenhose und Pferdeschwanz, mit "Why, why, why" und sofort war klar, dass dies ein supertolles Konzert werden würde, denn die Stimmung war gigantisch und die Kellys absolut gut drauf.
Paddy sprang wieder im Pferdchensprung über die Bühne, er sah überhaupt sehr fröhlich aus, nicht so ernst wie zuletzt. Ach so, ja, der Bart! Da war kein Bart mehr, anscheinend hat er es aufgegeben und ihn abrasiert, sehr zur Freude von Tina, die das Teil ja gar nicht gut fand.

Dan war Jimmy dran, er hatte neben dem obligatorischen Hut ein T-Shirt und die riesig weite Krempelhose an, dazu wieder diese riesengroßen braunen Schuhe, ich könnte schwören, dass ihm die zu groß sind.
Er legte los mit "Thunder", verzichtete diesmal aber auf das gurgelnde Abwürgen. Merkwürdigerweise zeigte uns Paddy dauernd seinen Popo (nein, wo denkt ihr hin, nicht den nackten, er hatte selbstverständlich seine Hose noch an), er stand immer mit der Gitarre mit dem Rücken zu uns vor Angelos Schlagzeug, irgendwie war er wohl mit dem Klang nicht zufrieden.
Jimmy machte dann einen Purzelbaum auf der Bühne und dieses Spiel setzte er das ganze Konzert über. Immer, wenn er dran war, folgte der obligatorische Purzelbaum. Paddy fand das total witzig und meinte, Jimmy sei auch ein ganz begabter Balletttänzer, was dieser natürlich sofort unter Beweis stellen musste. Er sah echt aus wie der sterbende Schwan, als er über die Bühne tänzelte, unser Jimmy eben. Er kam dann vor und meinte, wir kennen alle seine Tricks schon und wenn wir Flic-Flacs sehen wollten, sollten wir die selber machen, das sei gar nicht so einfach.
Es war so toll, alle um uns rum klatschten und sangen, nur ganz unten in den vier Reihen, die unter den Stufen standen, war sehr wenig Bewegung. Ich verstehe das immer nicht, da stehen die so nah dran und wirken so völlig unbeteiligt, na ja, vielleicht sind sie ja alle einfach in Trance verfallen.

Dann trat Patricia vor, in ihrem schwarzen Rock und ebensolcher Bluse, und bedankte sich, dass wir alle gekommen waren. Sie meinte, wie schön es doch wäre, das Wetter sei so toll und sie könnten uns alle so gut sehen und dann erzählte sie noch von ihrer Stiftung und dass sie für 500.000,-- DM ein Gerät für die Krebsforschung für die Düsseldorfer Uni-Klinik gekauft hätten. Fand ich gut. Waldemar und seine Begleiterin wurden vorgestellt und gingen auch mit ihren Gelddosen sofort auf Tour. Natürlich habe ich auch wieder gespendet, diesmal sogar 4,-- DM, 2,-- für jeden.
Währenddessen fing Patricia an, "Lookin' for love" zu singen. Kaum waren die ersten Töne erklungen, wurde der coole Fan vor mir, der noch kurz davor wie wild gesungen und geklatscht hatte, plötzlich total still. Ich wunderte mich noch, was mit ihm los war, bis ich dann sah, dass ihn seine Freundin in den Arm nahm und ihm die Tränen übers Gesicht liefen. Das habe ich in all den Jahren noch nicht gesehen, einen Jungen, der auf einem Kelly-Konzert weint, es war ein ganz besonderer Augenblick. Patricia sang wunderschön und ich war so froh, dass ich hier auf meiner Stufe stehen durfte und sie so gut sehen konnte. Sie ging sogar runter in den Graben und holte sich ein paar Geschenke ab.

Paddy hatte derweil wohl einen kleinen Anfall von Heißhunger (wäre er weiblich, würde ich ja jetzt behaupten, er sei schwanger wie seine Schwestern andauernd), er biss jedenfalls genüsslich in einen Apfel, den man anscheinend für ihn bereit gelegt hatte und aß diesen während des Songs ratzeputz auf. Sah lustig aus, wie er mit dicken Kaubacken sang. Später sah Tina dann, dass er auch noch Schokolade aß, der arme Junge hatte heute wohl noch nichts zu essen gekriegt!!

Bei dem folgenden Song "I feel love" fing Paddy (was er anhatte, wisst ihr ja schon) mittendrin plötzlich an, "No woman no cry" zu singen, hey, das hörte sich super an, passt voll gut zu seiner Stimme. Zu Tinas großer Freude fiel ihm die grässliche Strickmütze vom Kopf und er ließ sie unbeachtet auf dem Boden liegen. Jetzt sah er natürlich voll toll aus mit den wallenden offenen Haaren, so könnte er sie ruhig immer tragen. Leider kam aber kein Bediensteter und warf die Mütze weg, sie blieb da liegen und später setzte er sie dann wieder auf.

Auch Maite, die sehr hübsch aussah in ihrem schwarz geblumten Rock und schwarzem Pullover, begrüßte uns und meinte dann, wie verrückt wir doch seien, manche hätten eine Woche da draußen geschlafen, also, sie verstehe das nicht (das verstehe ich auch nicht, liebe Maite, aber ansonsten kann ich dir nur sagen: Das ist dieser Virus, mit dem ihr uns alle infiziert habt, dagegen kann man nichts machen).
Maite erzählte dann, dass sie jetzt ein neues Lied singen würde, dass es noch gar nicht auf Platte gäbe, aber ihr Cousin in Amerika hätte es aus dem Internet!! Dann legte sie los mit "So many things I wanna do". Auch dieses Lied wurde total bejubelt, die Stimmung war echt superklasse. Vorher übte Jimmy jedoch wieder seinen Purzelbaum und Maite meinte darauf hin, er sei halt doch noch ein Baby.

Natürlich durfte auch Drummer Boy Angelos "I will be your bride" nicht fehlen und er wurde bejubelt wie schon lange nicht mehr. Die Stimmung unter den Fans war einfach einmalig, keine Aggressionen, nur Freude pur.

"First time" wurde angespielt, aber Patricia rannte eiligen Fußes zu Paddy ans Keyboard, der daraufhin sofort wieder stoppte. Sie trat dann vor und erklärte, dass sie dieses Lied ja jetzt schon 5 Jahre singen würde und Paddy es deshalb in alter Gewohnheit angespielt hatte. Eigentlich wollte sie jetzt aber "You belong to me" singen, nur könne sie den Text nicht mehr, deshalb müssten wir für sie singen.
Also echt, Patricia. Erst in Karlsruhe "It's ok now" und jetzt auch noch "You belong to me"? Ihr Gedächtnis scheint doch nicht das beste zu sein. Kleiner Tipp: Tricia, hör dir doch einfach ab und zu mal eine Kelly-Family-CD an, die Musik ist echt super und vielleicht kannst du dann deine Texte, ne?! Nee, Quatsch, aber ich finde das immer lustig, wenn einer der Kellys die eigenen Texte nicht kann, das Publikum sie aber lautstark mitsingt. Wir halfen Patricia dann natürlich gerne beim Singen, war ja kein Problem. Der Junge neben mir war total gerührt von dem Song und fing an zu weinen, das rührte mich total, jetzt schon der zweite männliche Fan, der weinte. Fand ich toll, dass die Jungs ihre Gefühle so offen zeigten.

Dann kam "An alien", diesmal habe ich es sogar gleich erkannt, und wir durften wieder ein bisschen mit Paddy singen. Maite tauchte derweil mit einer leuchtend blauen Pagenkopf-Perücke auf, sah witzig aus, aber Paddy meinte, mit normalen Haaren gefiele sie ihm besser. Also riss sie sich das Ding auch bald wieder vom Kopf.

Sofort ging's weiter mit "I'll swim, I'll swim" und nicht nur die Kellys tobten sondern auch das Publikum, mir gefiel das so super gut, ich hätte ausrasten können.

Als Joey sich in Bewegung setzte, um für "Another world" nach vorne zu gehen, brandeten die Joey-Rufe auf (ich muss zugeben, ich habe auch ein bisschen mitgerufen, aber das darf man ja, das ist ja nicht gekrischen, ne). Ich fand, er sah ein bisschen blass aus, jedenfalls unterschied sich die Farbe seines Gesichtes kaum von der des Tattooshirts, aber vielleicht leidet er ja auch nur unter Schlafmangel, ich kenne das gut, wie die Nächte mit einem zwei Monate alten Baby ablaufen. Seinem Gesang und auch seiner berühmten Mimik war jedenfalls keine Krankheit anzumerken.
Jimmy rannte derweil strümpfig auf der Bühne herum, das Loch in seiner rechten Socke schien ihn nicht weiters zu stören, typisch Kelly! Er übte weiterhin fleißig seinen Purzelbaum.

Vor "Key to my heart" wurden wir dann gefragt, ob wir zählen können (na hör mal, wir waren ja schließlich in der Schule, Paddy, ne) und dann durften wir mit ihm den Song anzählen. Er sang wie ein Wilder, sprang herum und toppte Jimmys Purzelbaum-Aktivitäten noch, indem er dreimal Rad schlug. Kann er gut!

Vor "Every Baby" meinte Maite dann, sie würde dieses Lied jetzt einem wunderbaren kleinen Jungen widmen, den sie heute dabei hätten, der aber leider nicht ihrer sondern Joeys sei. Unglaublicher Jubel im Publikum und Tausende Fotos gingen hoch (ich muss zugeben, ich hatte meinen auch schon im Anschlag), nicht auszudenken, wenn sie jetzt womöglich den kleinen Luke auf die Bühne bringen würden. Taten sie aber nicht und das war auch besser so, der Kleine hätte ja einen Hörsturz bekommen.

Jimmy machte wieder eine Riesenshow bei seinem "Pups-Lied", ich konnte inzwischen kaum noch singen, war schon ziemlich heiser, dann meinte er, das folgende Lied sei allen Müttern der Welt gewidmet. Danke Jimmy, aber warum ausgerechnet "Please don't go"? Was hat das mit Müttern zu tun?? Sehr merkwürdig.
Das Lied selber war dann wieder traumhaft schön, die beiden tanzten miteinander wie ein Liebespaar und Patricia wurde ziemlich übermütig, rannte zwischen Jimmy und Joey hin und her und am Ende gab sie Jim noch einen kleinen Tritt auf den Allerwertesten. Ihre und Jimmys Stimme zusammen zu hören, ist einfach sensationell.

Dann meinte Paddy: "Wenn ihr das nächste Lied kennt, dürft ihr gerne mitsingen!" An Angel? Nein, er sang Mama, traumhaft schön. Danke Paddy, ich hatte schon befürchtet, du singst das Lied nicht mehr. Wie er die hohen Passagen hinkriegt, fasziniert mich immer wieder. Und wenn dann Angelo noch mitsingt, klingt das nicht wunderschön??

Nahtlos ging's weiter mit "I can't help myself". Oh, dieses Lied mitten im Konzert? Ihr wollt doch nicht etwa schön aufhören? Nein, wollten sie natürlich nicht.

Nach Angelos superlangem Drum-Solo, das auf der Loreley besonders toll klang, kam Papa Wolf. Ganz ehrlich, so toll habe ich ihn dieses Lied schon lange nicht mehr vortragen gesehen.
Erst bedankte er sich auf Englisch dafür, dass wir gekommen waren und immer wieder unsere Zeit mit ihnen verbringen wollten, dann schmiss er den Mikroständer um und drehte total auf. Er rannte wie wild hin und her und machte dann auch einen Purzelbaum, erhob sich aber gleich wieder laut lachend, wenn auch mit etwas schmerzverzerrtem Gesicht, er war total gut drauf.

Das ganze Konzert über rannte übrigens ein Bravo- oder sonstiger Filmer mit einem Riesenteil von Kamera auf der Bühne rum, der ging so nahe ran an die Kellys, dass man sich echt fragte, was er da eigentlich filmte. Ja, wir wissen alle, dass auch die Kellys Plomben haben, gell!? Gerade jetzt dachte ich, wenn er nicht acht gibt, haut er Joey mit der Riesenkamera glattweg von der Bühne, zum Glück ging aber alles gut.
Plötzlich sprang Joey von der Bühne und ging runter zu den Fans auf der rechten Seite, sehr ungewöhnlich für ihn, fand ich aber klasse. Und dann passierte das Unglaubliche: Joey versang sich bei seinem Paradesong. Anstatt "Watch out children" sang er plötzlich "Guardian angel ...", er musste wieder lachen, parierte das kleine Missgeschick aber ganz gut.

Anschließend sang er mit unheimlich viel Gefühl "Angels flying" und meinte dann: "This song is for my wife and my kid". Joey, das hättest du nicht sagen müssen, das wissen wir doch auch so.

Bei "Ares qui" mussten wir uns die Hände warm reiben (also meine waren schon total warm) und dann wie üblich klatschen, aber Meister Pad war wieder nicht zufrieden. Also wieder warm machen und los ging's und diesmal war es "sauber". Na also.
Maite holte dann einen Jungen auf die Bühne, der mit ihr tanzen und singen durfte. Paddy fragte ihn, ob er seine Schwester heiraten wolle. Ja sofort, kam es postwendend von dem Fan zurück. Daraufhin versuchte unser Pad doch tatsächlich, seine kleine Schwester gegen Kamele einzutauschen, meinte dann aber, sie würden das dann nach dem Konzert in Ruhe besprechen.
Oh je, hoffentlich hat der arme Junge das nicht zu wörtlich genommen und hat gewartet und gewartet, bis er endlich in den Backstagebereich gerufen wird. Obwohl, vielleicht war er ja dort und sie sind sich einig geworden und die Kelly haben jetzt keine Maite mehr, aber Paddy hat seinen Haustierzoo um ein paar süße Kamele erweitert.

Dann kam Purzelbaum-Jimmy wieder, immer noch strümpfig, mit "Warriors of love". Anscheinend gefiel ihm Paddy Keyboardspiel nicht, denn er rannte zu ihm hinter und griff ihm ordentlich in die Tasten, was Pad mit drohendem Zeigefinger beantwortete. Jimmys Stimme kommt auf der Loreley so richtig gut zur Geltung.

Dann zog er wieder seinen Spickzettel aus der Tasche, natürlich erst, nachdem er wieder einen Purzelbaum vorgeführt hatte, und Paddy sagte: "Vor langer Zeit haben wir ein Lied gesungen, wir haben das gesungen (ah ja) und das hieß, nee, das heißt auch jetzt noch "Alle Kinder brauchen Freunde". Ja, ja, das Gedächtnis.
Das Publikum ging voll begeistert mit, ich habe keine gesehen, der nicht mitgesungen hat (ja, gut, Matthias vielleicht, aber der stand ja ganz hinten, wo ich ihn nicht sehen konnte).

Das nächste Lied sei für die älteren Herrschaften im Publikum, so oder ähnlich kündigte Paddy dann "Marmor, Stein und Eisen bricht" an. Wieso ältere Herrschaften? Die Jungen können das doch genau so gut mitsingen.
Es folgten "My Bonnie" und dieses grässliche Nordseeküstenlied, das ich aber nichts desto trotz voller Begeisterung mitgrölte. Über das Fußballlied und "We will rock you" ging es dann über zu "Freaking Dollar", zwischen durch gab's noch den Maschendrahtzaun, bei dem sich Pad eine kleine Bemerkung über Stefan Raab, der ja früher als notorischer Kelly-Hasser bekannt war, nicht verkneifen konnte ("Der Typ ist ja jetzt besser geworden, früher war der, na ja...") und natürlich den Anton.
Jetzt war Pad so richtig in seinem Element, denn er konnte das Säckespiel anstimmen. "Nee, das war noch nicht gut, das kriegen wir besser!" meinte er wieder und brüllte wie ein Irrer. Irgendwann war er dann zufrieden.
Natürlich durften wir auch wieder singen, zum Glück waren wir auf Paddys Seite, Maites hohen Gesang kriege ich doch immer nicht hin. Paddy hatte wahre Freude daran, die Leute singen zu lassen, die eine Seite musste "He, he" singen, die anderen "Ho", es wollte zwar nicht so richtig klappen, aber schließlich ging es dann doch.

Am Schluss von "Freaking Dollar" rannten dann nicht nur Paddy sondern auch Maite, Jimmy und Joey nach hinten und nahmen einen kräftigen Schluck Wasser, mit dem sie dann gemeinsam eine Wasserfontäne bildeten.

Dann kam "Take my hand" und Paddy ritt los zum Abklatschen, das heißt er wollte losreiten, brauchte aber ewig lange, um sich eines der von Kel-Life eigens für das Loreley in limited Edition hergestellten T-Shirts "Loreley 2000 - Ich war dabei" (äußerst günstig übrigens, nur 40,-- DM - die spinnen ja wohl, da male ich mir lieber selber ein T-Shirt an) überzuziehen. Es wollte irgendwie nicht klappen.
Schließlich hatte er das T-Shirt dann verkehrt herum an, also mit dem Rückenteil vorne, aber dann konnte der Ritt endlich beginnen und wildes Gekreische ging los, als er begann, die erste Reihe abzuklatschen. "Au, mein Finger" rief er plötzlich, "den brauche ich noch". Da war wohl jemand ganz gierig und wollte sich gleich ein Souvenir mitnehmen.

Und dann standen sie wieder da in ihrer Reihe und verbeugten sich und ich war sehr gespannt, was es heute als Zugabe geben würde, da ja der eigentliche Zugabensong schon gespielt worden war.
Nachdem Jimmy noch mindestens fünf mal unter Beweis gestellt hatte, dass er den Purzelbaum jetzt konnte, verschwanden die Kellys kurz und währenddessen wurden ganz vorne auf der Bühne im Halbkreis die sechs Mikros und eine Trommel aufgestellt. Würden sie jetzt womöglich noch etwas unplugged singen? Ich wagte es kaum zu hoffen, da kamen sie auch schon wieder.

Jimmy trat vor und sagte: "The next song is for those who are not with us, but who are in our hearts, Kathy, Johnny and Barby" und seine Stimme wackelte dabei verdächtig. Ich finde, wenn sie deutsche Ansagen machen, dann sind die geprobt, aber die englischen, die kommen so richtig aus ihren Herzen.
Sie fingen an zu singen, das Lied, das wir draußen schon beim Soundcheck gehört hatten, "Motherhood" nämlich (ich bin also doch noch nicht völlig verblödet, hatte mir schon ernsthaft Sorgen gemacht), und Jimmy bewies einmal mehr, was für eine unwahrscheinlich schöne Stimme er hat, es war total super.

Als nächstes gab es noch "Pray, pray, pray" und dann "Nobody knows the trouble I've seen", von Paddy gesungen, alles Lieder, bei denen man absolut gute Stimmen braucht, um die live und nur mit Gitarren- und Trommelbegleitung rüberzubringen, und die Kellys haben diese Stimmen!!

Dann kam ein absolutes Highlight: Patrica kam vor und sang ganz allein das Ave Maria (sag' ich doch, dass ich das beim Soundcheck gehört habe), ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch ihre Stimme ist so was von schön, sie sah aus wie ein Engel, wie sie da stand, so zart und zerbrechlich und dann diese wahnsinnig kraftvolle Stimme. Spätestens jetzt war mir klar, was die Leute meinten, wenn sie mir immer erzählten, die Konzerte auf der Loreley seien unbeschreiblich schön.

Unter ohrenbetäubendem Jubel gingen die Kellys nach hinten und was dann passierte, ist mit Worten praktisch nicht zu beschreiben, man muss es erlebt haben. Ich will aber trotzdem versuchen, es euch so gut wie möglich rüber zu bringen, denn ich finde, eigentlich hätte jeder Kelly-Fan es verdient, das mitzuerleben. Es war klar, dass die Kellys noch mal kommen würden, da die Schlussworte noch nicht gesprochen waren und die Kels ja nun nicht zu denen gehören, die sich einfach so mir nichts, dir nichts aus dem Staub machen.

Paddy kam wieder, gefolgt von den anderen, und sagte, seine Geschwister hätten gemeint, er solle dieses ganz neue von ihm komponierte Lied singen. Dann fing er an, auf der Gitarre zu spielen und das hörte sich schon wunderschön an nach einem traumhaften langsamen Lied. Und als er zu singen begann, wurde mir richtig schlecht und ich kriegte die totale Gänsehaut. Dieses Lied war geradezu überirdisch schön, "Thanking blessed Mary for life divine" hieß es.
Vielleicht hat er es ja nur für den Kleinen Luke geschrieben, aber was ich verstanden habe, handelte davon, dass er der heiligen Maria dankte dafür, dass sie ihm von ganz unten wieder aufgeholfen hat und ihm gezeigt hat, dass er seine gottgegebene Seele nicht weg gehen lassen darf. So ungefähr war die Botschaft des Liedes. Dazu muss ich ja wohl nichts weiter sagen oder??
Doch, ein Satz muss sein an alle die, die ihn unablässig belästigen, ihn bedrängen, verfolgen und ihn damit systematisch kaputtmachen: Kapiert ihr es jetzt endlich?? Lasst ihn doch bitte in Ruhe, genießt ihn auf Konzerten, seine wunderschöne Stimme, seine traumhaften Lieder, sein zauberhaftes Lächeln, aber lasst ihn sein Leben leben und macht ihm nicht seine Seele kaputt, die so verletzlich, so sensibel ist.

Als Paddy geendet hatte, brandete tosender Jubel in der Arena auf, überall sah man Leuchtstäbe und Feuerzeuge, es war ein unbeschreiblicher Moment, in dem ich dachte, die Welt würde stehen bleiben. Irgendwie ärgerte ich mich jetzt doch, dass wir nicht zu Bine und Petra runter gegangen waren, obwohl es für mich wahrscheinlich besser so war. Dieses Lied aus nächster Nähe? Nicht auszudenken, wenn ich womöglich einen hysterischen Heulkrampf gekriegt hätte. Bei so einer alten Kuh wie mir macht sich das nicht so gut, finde ich. Also war es wohl besser so, dass ich ein bisschen weiter oben stand.

Paddy bedankte sich und dann verschwanden sie wieder und diskutierten hinten ein bisschen rum. Paddy rief dann: "Ein Lied machen wir noch okaaay??" Tosender Jubel. Ob wir ein schnelles oder ein langsames wollten. Alle riefen "Beides", ne, ich konnte gar nichts mehr rufen, ich war irgendwie in Trance verfallen. Was konnte jetzt noch kommen? Womöglich "We are the world"? Nein, das konnte eigentlich nicht sein, dafür waren sie doch viel zu wenig. Paddy fing an, auf der Gitarre zu spielen und das, was ich hörte, kam mir irgendwie so vertraut vor, aber ich konnte nicht sagen, was für ein Lied es war.

Und dann fing er an zu singen: "I'm waiting for my visit, they'll come to me ...". Oh Gott, jetzt war ich es, die am liebsten der heiligen Maria gedankt hätte. Wie viele Jahre habe ich mir gewünscht, einmal, nur ein einziges Mal "Calling heaven" live zu hören und jetzt stand ich da auf der Loreley und Paddy sang dieses Lied, nur mit Gitarrenbegleitung, und seine Stimme hallte wahnsinnig schön durch die Arena, ich hörte ihn nicht nur singen, nein, ich spürte dieses Lied mit jedem Nerv, jeder Faser meines Körpers. Ich kann dieses Gefühl nicht beschreiben, aber es war so unbeschreiblich schön und doch auch so unwirklich, dass ich noch nicht einmal weinen musste.
Dann sang er die Schlusszeile: "Somewhere down the line, I'm sure we'll meet again, somewhere down the line …" er unterbrach kurz und sagte: "Und da bin ich ganz sicher", dann sang er weiter: "I'm sure we'll meet again". Was wollte er damit sagen? Ich glaube nicht, dass er nur an seine Mutter gedacht hat, ich habe es vielmehr als Botschaft für uns aufgefasst, dass sie wiederkommen nach ihrer Pause, und daran glaube ich ganz fest: Ja, Paddy, wir werden uns wiedersehen, wann immer es auch sein wird.
Paddy wünschte uns noch einen guten Nachhauseweg und Angelo rief noch: "Wir haben euch lieb". Wir euch auch Kellys, viel mehr, als Worte es sagen könnten!! Danke für dieses einmalige Erlebnis! Und dann waren sie weg und ich konnte es gar nicht richtig begreifen, dass ich das erleben durfte.

Auch Tina war offensichtlich total im Tran, denn auf dem Weg zum Campingplatz entging sie sage und schreibe viermal nur ganz knapp einem in ihrem Zustand lebensbedrohlichen Sturz. Mit ihren Riesenplateaubadeschlappen hätte sie sich beim Umknicken mindestens eine Bänderdehnung zugezogen.
Nach diesem wunderschönen und geradezu perfekten Konzert musste natürlich auch noch die unvermeidliche Panne passieren. Nachts kam plötzlich ein Riesengewitter auf und wir hatten schon Angst, dass unser Zelt wegfliegt, was es zwar zum Glück nicht tat, aber es war total nass. Das hätte ja nun wirklich nicht sein müssen.
Aber trotzdem war es ein wunderschönes Wochenende. Es folgt der unvermeidliche Schlusssatz: Kellys, so sehr ich euch eure Pause auch gönne, und das meine ich absolut ehrlich, bitte lasst uns nicht so lange allein und kommt bald zurück, wir brauchen eure Musik und eure Konzerte.


Written by Uli
(wenn euch der Bericht gefällt, dürft ihr mir gerne mailen unter Uli170161@gmx.de)



© Uli & Tina (Vielen lieben Dank an Euch für diesen mega-tollen Bericht!)

 

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Last update: 18/09/00

(Online since: 07/09/00)

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