Kelly-Logo The Kelly Family - live in Ischgl 23.4.2000
by Beate   cielita@rtl-online.de
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Um halb sechs Uhr aufzustehen, ist für mich normalerweise eine fast tödliche Strafe, als leidenschaftlicher Morgenmuffel. Als mich am 23.4. mein Vater zu früher Stunde weckte, störte mich dies kaum! Es war Ostersonntag, und außerdem, was ja weit wichtiger war, wieder - bzw. endlich - ein Kelly-Konzert in Tirol! Schon als der Termin festgesetzt wurde, war es für mich klar, dass ich mir das nicht entgehen lassen würde, obwohl ich auch längere Zeit zweifelte, nach alldem, was sich bei TOTP in Hürth so abgespielt hatte.

Um 6 Uhr 9 fuhr ein Zug von Schwaz, wo ich wohne, nach Landeck. Dort traf ich am Bahnhof schon Kelly-Fans, die ebenfalls auf den Postbus nach Ischgl warteten. Die 2 Mädels aus Chiemsee und Astrid aus Innsbruck waren auch ganz nett, und die Stunde verging recht schnell, indem wir uns mit Nahrung eindeckten und mit dem Mann am Schalter, der uns die Buskarten verkaufte, ein wenig flirteten. Die Fahrt dauerte fast eine Stunde, aber auch das ging so vorbei. Die jüngsten Erlebnisse mit den Kellys wurden ausgetauscht, wobei ich wieder mal von Augsburg (27.11.99) und der Aufzeichnung von "Top of the Pops" erzählte.

Endlich!! Das Ortsschild von Ischgl. Nur stellte sich jetzt die Frage: wie geht's auf die Idalpe?? Die anderen 3 schickten mich vor, um alles auszukundschaften, weil ich vor 4 Jahren schon bei einem Auftritt von Elton John auf der Idalpe war. Es war ja ziemlich lange her, und deshalb konnte ich mich auch nicht mehr sooo gut daran erinnern. Ich besorgte die Schikarten, und dank meinem Tiroler Dialekt bekamen alle die weit günstigeren Einheimischen-Preise. Dann hieß es, Laura und Christina aus Deutschland beizubringen, wie man eine Viertelstunde trotz Höhenangst und Platzangst in einer kleinen, wackeligen und stickigen Gondel aushalten konnte. Irgendwie ging's, und endlich waren wir oben angekommen!

23.04.2000 Ischgl

Die Bühne, die ungefähr 300 Meter entfernt von der Gondel-Bergstation aufgebaut war, war relativ klein, aber was noch viel kleiner war, war die Menschenmenge davor. Es war mittlerweile kurz nach 10 Uhr, und nach einer kleiner Stärkung und einem kurzen Spaziergang an der guten Luft stellte ich mich einfach mal hinten an. Die zweieinhalb Stunden bis zu Konzertbeginn schienen endlos, aber es war doch ganz lustig. Die Fans, die schon länger warteten, waren großteils ganz nette, normalgebliebene Mädchen in ungefähr meinem Alter, mit denen ich mich klasse verstand. Wieder einmal an diesem Tag wurden Geschichten erzählt, über die Situation der Kelly Family in Deutschland diskutiert und Wetten abgeschlossen, wer denn fehlen würde. Kathy wahrscheinlich schon, aber würde Patricia da sein, und Jimmy?? Nobody knew.... Ich stand da in der prallen Sonne und ließ mich von allen wegen meiner Sonnenallergie bemitleiden und mich mit Sonnencreme versorgen, da meine Haut trotz Faktor 40 schon wieder zu jucken anfing. Auf einmal hörte ich eine Stimme, die mir ziemlich bekannt vorkam: "Beate, was machst denn du da?" Es war ein guter Kollege von mir, Roland, der bei der besten Tiroler Securityfirma arbeitet. Er konnte es natürlich nicht lassen, mich zu necken, weil ich auf einem Kelly-Konzert war. Ich weiß ja, dass er es nicht böse meint, und setzte alle Waffen einer Frau ein, um ihn ein wenig auszuquetschen, was er wüsste, was die große Masse nicht so wüsste. Der Hotel-Name war mir ziemlich egal, dort würde ich sowieso nicht hingehen, aber Roland erzählte mir einfach ein wenig, wie es hinter der Bühne so ablaufen würde. Die Kellys wurden um halb elf mit der Gondel auf die Idalpe befördert und dann mit dem Pistenfahrzeug zu ihrem Zelt gebracht. Dieses war relativ groß, und am Eingang befand sich angeblich ein Schild "Zutritt nur für Mitglieder der Kelly Family" und dann noch einige Verbotsschilder wie "no smoking", "no press" und "no photos". Die Kellys brauchen einfach ihren Platz, um sich noch zurückziehen zu können. Ich quatschte dann mit Roland noch ein wenig über ein paar private Sachen und musste ihm versprechen, ja nicht umzukippen! Dann begab ich mich wieder auf meinen Platz zu den Kelly-Fans.

Der Soundcheck wurde von den Technikern und Roadies durchgeführt, denen es sicherlich gefiel, Applaus zu bekommen. Sie waren in der Tat nicht schlecht und amüsierten sich auch recht gut. Auf einmal jedoch kam Angelo auf die Bühne: er baute eine Weile an seinem Schlagzeug herum und richtete sich den Hocker immer wieder neu ein. Schließlich begann er zu spielen. Es war relativ leise, niemand hat geschrieen oder gekreischt - super! Er nickte den Fans ein paar Mal zu, und auf einmal war er weg. Ich konnte leider kein Foto machen, weil mir die Sonne genau ins Gesicht schien und unter solchen Lichtbedingungen kann man einfach nicht fotografieren.

Es wurde halb eins, es wurde eins. Und dann schließlich um 5 Minuten nach 13 Uhr ging's los. Paddy war der Erste, der die Bühne betrat, und seine Geschwister folgten ihm gleich. Ich war wahrlich erstaunt, dass die Show mit "Why Why Why" eröffnet wurde, wie in guten alten Jahren, so ca. 1994, 1995, sodass ich zuerst gar nicht gecheckt habe, dass John fehlte. John?? Ich zählte noch einmal durch, aber er war wirklich nicht da. Kathy fehlte übrigens auch. Es war wirklich schade um ihre wunderschönen Stimmen. Barby, Maite und Paddy trugen schwarze Sonnenbrillen, das sah recht witzig aus. Patrick verlor die seine schon beim zweiten Lied, weil er so wild und aufgekratzt herumhüpfte, und Maite legte ihre auch bald ab. Nur Barby behielt ihre Brille auf, bis zum Ende des Konzerts. Danach kam Witzbold Jimmy an die Reihe. Er zog die irrsten und verrücktesten Grimassen, aber dann kam der Schluss. Die letzte Phrase lautet ja "gonna let nobody love" und danach kommt immer das jazzige, schräge "YOU”. Alle warteten auf "you", aber es kam nicht, stattdessen ein leises Kieksen und Grölen. Als dann alle lachten, beschwerte sich Jimmy, dass wir ja nicht im Zirkus wären. Dann nahm er den Mikrophonständer, stellte ihn ein wenig vor und sang mit bester Stimme "I bin so toll, i bin da Jimmy aus Tirol", was natürlich ein Hammer war. Schon vor dem Konzert waren wir uns alle sicher, dass dieser Schmäh kommen müsste! Lachend setzte er noch einmal zur letzten Zeile an, und diesmal klappte "you", er sang es immer und immer wieder und zeigte bei jedem "You", das mit einem Trommelschlag begleitet wurde auf die Fans runter. Süß! Und dann kam noch schlussendlich auch der "You"-Heuler.

Patricia kam ganz langsam vor und wartete ein wenig, bis sich alle wieder beruhigt hatten. "Guten Tag Ischgl! Vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid. Dankeschön! Ich werde jetzt auch ein ganz neues Lied singen, und es ist das erste Mal, dass ich es live singe" sagte sie, und schon begann "Looking for Love". WOW!! Gänsehautstimmung total. Sie sang es wunderschön und legte ihre ganzen Gefühle in dem Moment in dieses Lied. Einmal klang ihre Stimme ganz weich und sanft, dann beim Mittelteil "I won't let grow of your sorrow.." voller Power und rockig. Kompliment für Patricia, ich liebe ihre Stimme einfach!

23.04.2000 Ischgl

"I feel Love" war dann schon der nächste Hit. Maite sagte irgendwas auf Englisch ins Mikro, was ich aber leider nicht verstand, woraufhin Paddy so à la "Wochenshow" das typische "Daaanke - (nicht Anke) - Maite!" rausplärrte. Maites großer Auftritt kam jedoch gleich anschließend. Sie bedauerte es sehr und meinte, sie könne deshalb nicht Schifahren, weil sie zu blond dafür sei! "Das nächste Lied sei in der schönsten Sprache der Welt der Welt geschrieben und heißt "I wanna kiss you"! Come on Barby!”  Zum ersten Mal kam auch Barby nach vor, aber leider funktionierte ihr Mikro zunächst nicht so ganz wie es sollte. Aber sie war ganz gut drauf und tanzte ein wenig herum und lächelte, auch wenn es ein bisschen künstlich wirkte. Als nächster war Angelo dran. Er trug die Djimbes, eine Trommel, vor und sang "I will be your bride" mit ganz viel Gefühl. Irgendwie hatte leider die Technik einen Haken, und manchmal dröhnte der Sound ziemlich, was ich sehr schade fand.

Großartig hingegen, war jedoch die Disziplin im Publikum. Ich, die jegliches Gedränge und Gekreische verabscheut, stand in der 3. Reihe und hatte noch recht viel Freiraum um mich herum. Das war echt toll. Die Begeisterung war groß, auch wenn zu Beginn immer nur die vordersten Reihen, wo die eingefleischten Fans standen, die Hände hochhielten und mitsangen. So richtig hysterisch war eigentlich auch niemand, zumindest habe ich nichts davon mitgekriegt. Ich genoss es sehr, denn wie oft schaffe ich es schon so weit vorne. Lieber hinten, ohne Drücken und Gedränge, dafür aber das Konzert bewusste genießen, lautet mein Motto, und diesmal konnte ich es eben auch vorne genießen. Aggressiv war überhaupt niemand, ich unterhielt mich mit allen Fans, die ich getroffen habe, sehr gut.

Nun wieder zurück zu den Kellys. Auf "I will be your bride" folgte ein ganz neuer Gitarrensound, und insgeheim erhoffte sich jeder ein neues Kelly-Lied. Es war jedoch "nur" "Fell in love with an alien" von Paddy. Paddy schien auch gut draufzusein, und konnte es auch nicht lassen, Witze zu reißen. Ganz rechts stand ein Bitburger-Stand, und Paddy bestellte ganz laut ein Bitburger Bier. "Warum gibt's da keins? Naja, auch egal" und er legte gleich mit "I'll Swim, I'll Swim" los. Nicht immer hatte ich volle Sicht auf die Bühne, weil ja vor mir auch noch Leute standen, die komischerweise (?) alle größer waren als ich. Bei dem Song sah ich jedoch ganz gut auf die rechte Seite, wo Joey, Barby und Jimmy standen, die alle komplett geistesabwesend wirkten. Maite guckte auf den Boden, Joey ins Leere und Jimmy schaute sich die Landschaft an. Naja, für sie muss es irgendwann dann auch langweilig sein, immer die gleichen Songs mit den gleichen Witzen abzuspulen und dabei noch fröhlich sein. Jeder hat eben auch seine Probleme, und davon bleibt niemand verschont, weder wir noch die Kelly Family...

Barby setzte das Konzert mit "Hooks" fort, glaube ich zumindest. Ich habe versucht, mir die Reihenfolge zu merken, trotzdem sorry, falls es nicht ganz geglückt ist. Barby sang auf jeden Fall "Hooks" mit einer dunkelrosa Plastikblume in der Hand, die sie zum Rhythmus schwenkte. Das sah ganz witzig aus, und Barby tanzte auch! Jimmy rockte gleich wieder mit "Rock'n'Roll stole my Soul", jedoch nicht ohne einige seiner berühmt-berüchtigten Witze vom Stapel zu lassen. Er sagte ganz kleinlaut, dass er gar nicht wüsste, wo wir hier wären, in der Schweiz oder so. Als er dann aber ausgebuht wurde, gab er zu, dass er es schon wüsste, dass Ischgl in Tirol ist, und setzte schon wieder zum "Jimmy aus Tirol" an. Nach einem überzeugten "Nee!" versuchte er zu dichten, zumindest klang es dann aber so: "Ich bin weiß und ihr seid braun, ihr geht jetzt bald nach Haus' und ich bleib hier!" Er drehte sich um, tat so, als ob er gehen würde und sang dann die Rock-Nummer mit dem neuen Text. Es klang gut, nur leider habe ich kaum etwas vom Text verstanden.  Jimmy machte die verrücktesten Verrenkungen und deutete mit Händen und Füßen herum, ich habe nicht kapiert was er meinte.

23.04.2000 Ischgl

Maite war dann wieder an der Reihe und endlich kam wieder eine Ballade. "Das nächste Lied ist eine Ballade, und es geht um Babys. Bei uns Frauen, ne? Deswegen habe ich ein Lied geschrieben, für meinen Vater, der für mich auch wie meine Mutter war. Das Lied heißt Every Baby!" Maite setzte sich hin und sang in sich hinein, nicht hinaus, wie bei den schnellen Songs. Sie wirkte überhaupt nicht mehr wie das lustige Girlie, das immer was Freches im Kopf hat, sondern sie wirkte auf mich ganz erwachsen. Ich musste immer an Joey denken, der ja bald Vater wird und vielen anderen Fans ging es genauso. Die ganze Zeit über dachte ich an Joey, so lange bis er auf einmal ganz vorne stand und "Another World" sang. Das nächste Lied klang ein bisschen wie "The Wolf" oder "Why Why Why", es war aber dann "Key to my heart". Back to Street Life - super! Die Mischung aus alten und neueren Songs war perfekt gelungen. Klassiker durften einfach nicht fehlen, wie "First Time", das anschließend von Patricia gesungen wurde. Sie bewunderte die Aussicht, die ja wirklich gigantisch war. Das schöne Wetter trug natürlich auch dazu bei, dass man weit sehen konnte, und wohin man auch blickte, überall waren nur schneebedeckte Berggipfel. Da das Paznauntal sehr eng ist, konnte man von da oben überhaupt nicht ins Tal sehen, es war wirklich sehr schön. Paddy kam nach dem gefühlvollen und wunderbaren Lied wieder vor und grinste übers ganze Gesicht. Er sagte "Wisst ihr was Patricia gesagt hat, als sie wieder zurückging: ‚meine Stimme klingt Scheiße.' Stimmt nicht, ne?" Und es gab noch einmal einen extra lauten Szenenapplaus für Patricia, die ganz rot wurde, zuerst ein wenig böse auf Paddy blickte, dann aber lächelte sie ganz schüchtern und winkte.

Ich rechnete überhaupt nicht damit, dass das nächste Lied "An Angel" sein sollte, aber so war's! Patrick sang seine Strophen, und Kathys Part sangen einfach alle zusammen. Es klang nicht schlecht, aber irgendwie übt "An Angel" auf mich nicht mehr den großen Zauber aus, wie vor ein paar Jahren. Natürlich ist es DER Hit der Kellys, aber leider schon ein wenig tot-gespielt. Pinkelpause gab's danach keine, das hatte mir Roland aber schon vorher gesagt, da die Kellys 2 Stunden zu ihrer Verfügung haben und die Zeit einfach nutzen wollen.

Ich drehte mich um, und konnte meinen Augen nicht trauen: die ganze Fläche, zwischen Gondelstation, Restaurant, Schipiste und Bühne war voll. Ganz voll mit Leuten, und angeblich sollten es sogar um die 15000 gewesen sein. Diesmal waren viel mehr Hände in der Luft, als Joey "Hallelujah" sang. Auf 2 Balladen ein Stimmungsmacher heizte wieder ordentlich ein, und das konnte man spüren. Die Stimmung war perfekt, sie konnte nicht besser sein, vor allem wenn man bedenkt, dass sicher weit über die Hälfte der Leute keine Kelly-Fans waren, sondern Schifahrer und Touristen aus aller Herren Länder. Auch während "Baby Smile" ging's in altgewohnter Manier weiter. Barby war wirklich witzig und lächelte die Mädchen in den ersten Reihen an.

23.04.2000 Ischgl

Darauf folgte einer meiner Lieblingslieder: "Please don't go". Patricia begann mit dem Song a cappella, und erst bei Jimmys zweiter Strophe setzten die anderen Kellys mit den Instrumenten ein. Es klang sehr, sehr schön, und beim Refrain "If you can't take my love..." steigerten sich alle 7 anwesenden Musiker voll in den Song hinein. Das ist auch etwas Einzigartiges, was ich bis jetzt wirklich nur bei den Kellys erlebt habe. Jedes Lied ist etwas Besonderes, es "gehört" demjenigen, der es interpretiert und er/sie singt es mit solch einem Gefühl, das mich als Zuhörer betören kann. Patricia und Jimmy legten ihr Herz und ihre Seele in die Melodie und drückten alle ihre Emotionen aus. Am Schluss standen sie sich gegenüber, so auf 3 bis 4 Meter Abstand und schauten sich tief in die Augen, dann wandten sie sich wieder von einander ab und wechselten die Plätze. Als das Lied dem Ende zuging, standen sie ganz eng nebeneinander, und jeder sang für sich, als ob es den anderen nicht geben würde, aber man spürte einfach die Energie und Bindung zwischen den beiden Geschwistern. Joey nahm dann Tricias Platz ein und spielte zusammen mit Jimmy "Stay Beside Me". Man merkte gleich, dass viele Fans ein paar kleine Textprobleme hatten, denn der riesige Background-Chor war viel ruhiger. Dieser Song wurde zwar langsamer gespielt, als man es von der CD "Wow" gewöhnt ist, aber er klang auch härter und rockiger, wie eine atemberaubende Rock-Ballade - auch die Stimmen der beiden "Jungs" war tiefer, reifer und noch ausdrucksstärker geworden!

It's Patrick's turn now again. Paddy kam nach vorne und forderte das Publikum auf, einen Rhythmus zu klatschen, und zwar ging der ungefähr so. Auf Taktschlag 1, 2 und 3 eines Taktes klatschen und auf der 4 eine Pause. Das war ja an sich nicht schwer, aber irgendwie wurden immer alle schneller. "Nein, so geht das nicht, nicht schneller werden!" sprach unser Lehrer, und wir mussten noch einmal beginnen. Auch der 2. Versuch entsprach Patricks Vorstellungen nicht ganz. Die Hilfe, wie beim Schifahren genau im Rhythmus mit dem Powackeln zu bleiben, war auch nicht sehr gut gewählt. Beim nächsten Mal dann waren es aber nicht die Fans, sondern Angelo, der das Tempo nicht halten konnte, und Paddy schimpfte seinen kleinen Bruder ein wenig. Dann aber endlich war er zufrieden, und schon begannen die Kellys mit "Ares Qui". Kathys Stimme fehlte wieder einmal sehr, vor allem eben bei dieser spanischen Nummer. Ihr Ausdruck ist ja wie geschaffen für Flamenco-Lieder! Was neu war bei "Ares Qui" war so ein Einschub, dessen Sound genau wie Santana klang. Ich bin ja auch nicht so ein Santana-Profi, aber der Sound von denen Klassikern ist einfach unverwechselbar. Patrick sang immer Phrasen vor, so ade-ada-ade-ado oder so ähnlich, und die Leute im Publikum sangen es nach. Es war gut, wirklich. Die Kellys traktierten ihre Percussion-Instrumente und ließen einfach mal die Sau raus. Ohne Unterbrechung floss dieser Teil gleich wieder in die letzten zwei Strophen von "Ares Qui" über.

Ich freute mich schon länger auf den Unplugged-Teil, und nach dem spanischen Liedern stand auch schon die "Hausmusik" auf dem Programm. Paddys Kommentar war: "Wir singen hier" und Jimmy unterbrach ihn und wollte eine Kaffeepause machen. Paddy jedoch hätte Glühwein bevorzugt und meinte dann: "Schade, immer wenn die Leute Urlaub machen, müssen wir arbeiten. Wir spielen jetzt ein paar Songs anders, unplugged, ok?". Jaja, seufz, seufz, jetzt wäre "I really love you" gekommen, so wie in Augsburg, aber wegen Johnnys Fehlen war Maite mit "I wish I were a swallow" and der Reihe. Sie sang auch Kathys Mittelteil, der aber im Eifer des Gefechts ihren Stimmbändern ein wenig außer Kontrolle geriet. Ist ja auch egal, die Kellys sind auch nur Menschen.

Wo ich richtig wach wurde und mit großen Augen auf die Bühne starrte, war, als Barby anfing, auf Englisch eine ganze Menge ins Mikrophon zu reden. Es ging darum, dass ihre Mutter aus Tirol sei und sie deshalb alle das Land liebten. Ihre Tante (bzw. diskutierte ich lange mit einigen anderen, ob Barby "friend" oder "aunt" sagte - es war nämlich ein wenig genuschelt) oder Freund komme außerdem aus Wien, und deshalb würde sie jetzt das nächste Lied für alle ihre Verwandten und für alle, die sie liebt, singen. "Stronger Than Ever" - Wahnsinn, Klasse, Spitzenklasse, umwerfend, himmlisch, wunderbar - mir fehlten die Worte, es war einfach ein Wahnsinn, dass Barby das alte Lied sang, in dem es ja um Freundschaft, innere Stärke und Vertrauen geht. Ihre Stimme war fest und stark, und es war ganz still unter den Leuten, so waren alle um mich herum fasziniert!

23.04.2000 Ischgl

Witzvogel Jimmy war dann wieder an der Reihe, aber diesmal waren keine Jokes angesagt. Um mal die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und das Publikum zu beruhigen, das immer noch Barby für ihren Hit applaudierte und wahrlich tobte (aber ohne Hysterie!!!), setzte er sich ganz vorne in der Mitte auf den Bühnenrand und begann erst bei absoluter Stille zu singen. Die Spannung war wahrlich gigantisch. Beim letzten Chorus hielt der das Mikro zu den Fans und forderte uns so zu Mitsingen auf. Klar, dass auch die meisten mitsangen, aber Jimmy war nicht ganz zufrieden. Mit breitem Grinsen hatte er nämlich zu bekriteln, dass die Mädchen einfach zu hoch sangen. Er sagte: "Nee, ein tiefer, tiefer", was aber ziemlich schief lief, weil dann die Töne ganz falsch wurden. Er sang noch lange, als seine Geschwister schon aufgehört hatten, zu spielen, und dann kündigte er Angelos Drumsolo an und der Freche behauptete gar, dass er zweimal besser trommeln könne als Angelo!

Angelo zeigte uns, wie perfekt er die verschiedensten Rhythmen an den Drums beherrscht. Super wirklich, der Junge! Nahtlos ging das Schlagzeug-Solo gleich in "The Wolf" über. Joey wird bei diesem Lied selbst zum Wolf, finde ich. Er heulte wie immer, aber obwohl genug Lautsprecherboxen herum waren, kletterte er nicht hinauf, so wie früher, aber dafür tanzte er eben ganz wild und schräg über die Bühne. Auch danach ging's gleich wieder mit einem Joey-Lied weiter: "Angels Flying". Joeys Ballade, was ihm viele ja vor der Veröffentlichung dieses Songs fast nicht zugetraut hätten. Anschließend musste Patrick noch was loswerden, und zwar: "Unser Bruder Joey wird in ungefähr zehn Wochen zum ersten Mal Vater", und als natürlich alle applaudierten, lächelte Joey ein wenig. Das war wirklich das erste Mal, dass Joey lachte, er starrte die meiste Zeit gedankenverloren ins Leere vor sich hin.

Paddy wollte dann "ein bisschen Halli-Galli" und es kamen "Good Neighbour" und "My Bonnie lies over the ocean". Die Überraschung des Abends - sorry, des Nachmittags - war das Lied, das er danach ankündigte. "Ihr bekommt jetzt einen wahren Leckerbissen: Milka!! Ne, wir singen nun ein Lied, das wir vor mehr als 20 Jahren schon mal aufgenommen haben, aber jetzt spielen wir es ein wenig rockiger. Es heißt "Alle Kinder brauchen Freunde". Genial, wahrlich, war diese Version der deutschen Schnulze von 1979. Die E-Gitarren hatten ein tolles Riff, und Jimmy und Patrick sangen die Strophen. Jimmy konnte den Text nicht, und las ihn von einem Zettel ab, aber das war Nebensache. Für mich war dieses Lied typisch für die Kellys. Persönliches und Substanz, die einem Zuversicht und Kraft geben, verpackt in einen einfachen, aber sehr aussagekräftigen Text, zusammen mit simpler, eingängiger Musik, schönen Stimmen und Perfektion an den Instrumenten. "Alle Kinder brauchen Freunde, auch wer alles hat, ist doch nicht gern allein. Alle Kinder brauchen Freunde, es macht traurig, immer ohne Freund zu sein." Die Kellys hatten alle so viel Ausdruck und Energie in ihren Stimmen und Blicken, wahrscheinlich, so glaube ich, dachten sie an die Zeit zurück, als sie noch mit ihrer Mutter in den Straßen diesen Song gesungen hatten.

"One More Freaking Dollar", das darauffolgende Lied, ist ja an sich ein schönes Lied, ein bisschen wie Bruce Springsteen, und auch nach 7 Jahren immer noch gut, aber nach meiner Konzerterfahrung aus den 6 Jahren meines Daseins als Kelly-Fan bedeutet es immer, dass die Show nun langsam aber sicher dem Ende zugeht. Auch diesmal war es nicht anders. Nach dem obligatorischen Rap von Maite und Paddy war noch ein ganz neues Lied dran. Es hatte einen Refrain, der leicht mitzusingen war, und ging ungefähr so: Pray, pray, pray, for a happy day". Ich weiß nicht, ob es ein neuer Kelly-Song war oder eine Coverversion, aber auf alle Fälle war es nicht schlecht. Bei "Take My Hand" konnte Paddy erstmals nicht zu den Fans in den ersten Reihen gehen und deren Hände abklatschen. Ich persönlich hatte ja nichts dagegen, denn ich hatte schon vorher ein wenig Angst, zerdrückt zu werden, wenn sich dann alle vorstürzen, um einen Handschlag des Frontmans der Kellys zu ergattern.

23.04.2000 Ischgl

So weit so gut. Die Kellys verbeugten sich, strahlten teils über das ganze Gesicht und verließen die Bühne. Die Zugabe war "I can't help myself", bei der nur mehr Patrick und Angelo auf der Bühne waren. Ich ließ mich bis nach dem ersten Refrain ein wenig von dem Lied zum Träumen bringen, aber dann beschloss ich, noch ein, zwei Fotos von weiter hinten zu schießen, um ein wenig die Atmosphäre in den Bergen einzufangen. Was ich jedoch erlebt habe, als ich bis zum hinteren Ende der Naturarena kam, beeindruckte mich sehr.

Menschen jedes Alters, jeder Nation standen da und gaben sich ganz der Musik hin. Innerhalb kürzester Zeit war die ganze Fläche gefüllt. Es waren gewiss viele dabei, die nicht Kelly-Fans waren und großteils noch gar nichts von den Kellys gehört hatten. Sie hielten sich an den Händen, lagen sich in den Armen und sangen mit. Manche hatten sogar noch die Schier an und starrten fasziniert auf die Bühne. Ich hörte mehr als nur einmal, sehr positive Kommentare wie "Mann sind die ja gut" und so. Ein amerikanisches Ehepaar so um die 50 bis 60 fragte mich, wie lange es die schon gibt. Als ich sagte, dass die Kelly Family schon seit 25 Jahren Musik macht, anfangs als Troubadoure und jetzt als Profis, sagten sie nur "Incredible and we've never heard about them..."

Nach "I can't help myself" war das Konzert endgültig vorbei. Ich fand es gut, dass sie nicht mehr "Mama" sangen, denn dieser Song geht mir sehr nahe und ist einfach zu persönlich für so ein großes Konzert.

Während der Talfahrt und beim Warten auf den Bus dachte ich lange über die Kellys nach. Leider konnte ich das wahre Street Life nicht mehr erleben, aber das Phänomen, das Wunder, das von der Musik der Kellys ausgeht und von dem mir so oft erzählt und vorgeschwärmt wurde, existiert noch immer. Die Kellys musizierten auf den Straßen und auf jedem Marktplatz. Tausende Menschen, die einfach herkamen, zogen sie mit ihrer Energie, ihrer Ausdruckskraft und Liebe zur Musik in ihren Bann. Irgendwie war für mich das Ischgl-Konzert ein bisschen wie Street Life. Es waren anfangs wirklich nicht sehr viele Fans da, aber die Leute, die beim Schifahren waren, waren begeistert, blieben stehen und wollten nicht mehr gehen. Es hat mich beeindruckt, dass es entgegen vieler Meinungen doch noch nicht so weit gekommen ist, dass die Musik der Kelly Family ohne Gefühl und ohne Power geworden ist. Dieses Konzert war härter, mit mehr kraftvollen Songs und Rocknummern als sonst, und die Kellys mussten sich wie früher anstrengen, mit Leib und Seele und ihrem ganzen Herzen ihr Bestes geben, um das Publikum für sich zu gewinnen. Es ist ihnen gelungen, zweifellos, und das habe ich in den 3 Minuten, als ich weiter hinten stand, gespürt. Es war nicht so wie auf mega Open-Airs, wo Patrick nur mit dem kleinen Finger wackeln musste, und alle jubelten ihm zu. Die Kelly mussten sich allein durch ihre Musik beweisen.

So lange es dieses Phänomen der Kraft in Kelly-Musik noch gibt, wird es immer Fans geben und Menschen, die die Musik einfach gut finden und mit dem Gefühl und Ausdruck, den die Kellys der Welt in ihren Liedern schenken, mitleben.

Diese Gedanken beschäftigten mich noch lange, bis ich schließlich um halb zehn Uhr abends wegen sehr schlechter Zug- und Busverbindungen endlich heimkam. Ich war gut drauf, fühlte mich zufrieden und ausgeglichen und ein bisschen wie neugeboren. Ich freute mich schon riesig auf meine Familie, die zuhause auf mich wartete, mit erwartungsvollen Gesichtern, damit wir gemeinsam noch den Ostersonntag ausklingen lassen würden.

23.04.2000 Ischgl


Fotos dazu!


© Beate (Thanks again for your review!)

Note Both Bar

Last update: 30/05/00

(Online since: 30/04/00)

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