Extremsportler Joey Kelly
Dies stand in der Sport Bild vom 08.03.2000:
Junge Mädchen verfallen in Hysterie, wenn sie ihn erblicken. Auf seinem Konto stapeln sich die Millionen. Und berufsbedingt hat er schon fast jeden Zipfel der Erde gesehen. Ein erfülltes Leben, könnte man meinen. Doch Joey Kelly (26), Sänger der Popgruppe Kelly Family, ist das alles nicht genug. Er sucht noch immer neue Herausforderungen. "Ich will die Grenzen meines Körpers erkunden", sagt Kelly.
160 Kilometer ist er kürzlich bei einem Wettbewerb gelaufen. Auf gefrorenen Seen und im tiefen Schnee. Bei minus 15 Grad in Alaska, nahe der Stadt Anchorage. Angehalten hat er nur, um zu essen und - für gerade mal zwei Stunden - zu schlafen. "Total happy" sei er gewesen, als er nach 37 Stunden und 42 Minuten am Ziel war.
Doch schon kurze Zelt später stellte sich wieder die bekannte Ruhelosigkeit ein: "Ich kann die Strecke noch schneller laufen." Zu spät angereist sei er und habe deshalb noch die Zeitumstellung in den Knochen gespürt. Zudem habe er sich falsch ernährt auf der Strecke: "Zu viele kalte Müsliriegel, zu wenig warme Suppe".
Seit dreieinhalb Jahren betreibt Joey Kelly Extremsport und hat sich dabei schrittweise gesteigert. Zehn Kilometer, Halbmarathon, Marathon, Halb-Triathlon, Triathlon, dreifacher Triathlon. "Ich setze neue Ziele und bin erst dann zufrieden, wenn ich sie erreicht habe", erläutert er. Wo das enden soll? "Keine Ahnung. Es geht immer weiter."
Besonders die exotischen Umgebungen haben es dem Musiker auf Abwegen angetan. Beim "Ironman"- Triathlon auf Hawaii geht er regelmäßig an den Start, den 160-Kilometer-Lauf auf dem Mount Everest in Nepal stand er durch, und in der Wüste Marokkos legte Kelly in 31 Stunden 210 Kilometer zurück.
Sein Höhepunkt für dieses Jahr: Ende Juli startet der 26-Jährige beim "Bad-Water-Run" zwischen Los Angeles und Las Vegas, einem 210-Kilometer-Lauf bei 50 Grad Hitze im Grand Canyon. "Das wird das Härteste, was ich bislang gemacht habe", ahnt er.
Langweilt ihn das Musikgeschäft mittlerweile so sehr, dass er den Globus im Laufschritt erkundet und zum Training regelmäßig in tiefer Nacht durch den Wohnort Köln trabt? "Absolut nicht", sagt Kelly, "der Sport ist für mich der richtige Ausgleich zum Stress im Showgeschäft."
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